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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-10 · 50 (10.12.1926) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
50 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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V7TT? 9W iw *’W^W ftemäfctfticu Elemente führte dazu, daß die radikale Strömung, die eine stärkere Betonung des nationalen Momentes fordert, innerhalb der bst erreich! scheu zionistischen Landesorganisation immer mehr Einfluß gewann und schließlich zur tonangebenden Richtung wurde. So darf man sich nicht wundern, wenn auf dem österreichischen zionistischen Deleg i ertentag, der vor kurzem in Wien stattfand, der radikalste dieser „r a d ik a l e it Zioni st e n", wie sie sich selber nennen, Oberbaurat Robert Stricker, bekennen mußte: »Der Grund des Niederganges liegt darin, daß die zionistische Bewegung völlig uninteressant geworden ist." Dieser Anschauung, die auch von führenden Zionisten getellt wird, müssen auch wir znstimmen. iininteressant ist der Zionismus deshalb geworden, weil er sich immer mehr und mehr von der wahren Wirklichkeit entfernt hat und zu einem System weltfremder Fdevlogen geworden ist. Uninteressant ist der Zionismus, zumal der österreichische, auch deshalb, weil er. statt sein Augenmerk vor allem auf Palästina zu richte», »ich iu inner- und außerparteilichen Gezanken erschöpft und so seine besten Kräfte vergeudet har. Die ganze Unfruchtbarkeit und Ziellosigkeit des österreichischen Zionismus kam so recht ans dem Delegiertentag zum Ausdruck, der sich vor allem mit Angelegenheiten der zionistischen „Landeöpoli t ik" beschäftigte. Damit ist aber nicht die Politik jenes Landes gemeint, welches, wie man glauben sollte, dem zionistischen Gedanken am nächsten steht, sondern die Politik, welche die Zionistische Partei in Oesterreich einschlagen soll. Wen»l auch Dr. F r i e d m a u n, der abgetretene Präsident des zionistischen Landeskomitees, in seinem Tätigkeitsbericht den Vorwürfen entgegenzntreten versuchte, »daß die zionistische Bewegung in Oesterreich zu wenig p a l ü st i n o z e n t r i s ch eingestellt wäre und daß Kräfte des Zionismus durch die La n d e svo l i t ik ab- . sorbiert würd-en." so »vnrde doch ntit allen gegen eine Stimrne beschlossen: »Der Delegiertentag der österreichischen Zionisten spricht die Ueberzeugung aus, daß es zu den Pflichten des zionistischen Landesverbandes gehört, für die Anerkennung der nationalen und politischen Rechte der j ü d i s ch e n M i n d e r h e i t Oesterreichs e i» z u t r e t e n und daß die Landespolitik einen wesentlichen Bestandteil der z i o n i st i s ch e tt Bcstrebungen bildet." Die ganze Verworrenheit des österreichischen Zionismus spricht aus dieser Resolntivn, »velcher eine vollständige Verkennung der politischen Lage der Fuden in Oesterreich zugrunde liegt. Wenn auch führende österreichische Ztoutsten noch immer an Liesen politische» Schlagwvrten — denn es sind nichts anderes als Schlagworte — festhalten und, eingesponnen in ihre nationalen Ideologien, die Wirklichkeit nicht sehen können oder nicht sehen wollen, so bricht sich dennoch die Erkenntnis iu immer weiteren Kreisen Bahn, daß man auf diesem Wege nicht zum Ziel gelangen kann. Die »Landespolitik", wie sie bisher geführt wurde, ist die Ursache dafür, daß die Unzufriedenheit im Zunehmen und das Interesse im Abnehmen begriffen ist. Für diejenigen Nichtzionisten, die immer noch meinen, es handelt sich bei dem Wiederaufbau Palästinas um ein humanitäres und kein politisches Unternehmeil, ist — auch nach dem einleitend bezüglich der palästinensischen Majoritätsverhältnisse Gesagten — der auf dem Delegiertentag mit einer Mehrheit von 18 gegen 5 Stimmen angenommene Beschluß über den »Jndenstaat" höchst interessant: „Der Delegiertentag der österreichischen Zionisten stellt mit Besorgnis fest, daß eine gegen die Idee vom Zudenstaate, also ans Verkleinerung des zionistischen Endzieles gerichtete Propaganda innerhalb der zionistischen Reihen immer merklicher wirkt und in einzelnen Teilen der zionistischen Weltorganisation vielfach geduldet oder gefördert wird. Ein Ueberhandnehmen dieser Tendenz führt notgedrungen zur Lähmung der Schlagkraft und Werbetätigkeit der zionistischen Organisation und bedroht sie in ihrem Rechte, vom jüdischen Volke, von den jüdischen Massen und der jüdischen Jugend restlose Hingabe an das Palästinarverk zu fordern. Angesichts dieser Sachlage erachten es die österreichischen Zionisten für geboten, die Erklärung abzugeben, daß sie daran festhalten. daß die Erreichung des I u - e n st a a t e s in P a l ä st i n a das mit allen K rüste n au zust redende Endziel der zionistischen Bervegung ist." Zn diesem Beschluß, -er sich folgerichtig vor allem gegen Oppenheimer richtet, ist nicht viel zu sagen. Es genügt, auf die Resonanz hinzuweisen, die er gerade in zionistischen Kreisen, z. B. in der „Jüdischen Rundschau" vom 5. Noveinber, gefunden hat. Dort heißt es richtig, daß diese radikalen Zionisten „nicht die leiseste Ahnung von den Elementen der Wirklichkeit haben" und daß ihr Beschluß »eine scharfe Bedrohung des Zionismus" darstellt. Der weiße Rabe hat recht. Wenn man noch eines Beweises bedurft hätte, wie weltfremd und verständnislos die österreichischen Zionisten der Not und den Notwendigkeiten in Palästina geaenüberstehen. könnte auch das als Beweis herhalten. Während jeder einsichtige Zionist alle Anstrengungen auf die Linderung der schweren Wirtschaftskrise in Palästina konzentriert, ergehen sich unsere Zionisten in fruchtlosen Debatten über den — „9 u d e n st a a t". A . Auf diese Weise wird am besten dafür gesorgt, daß^der politische Zionismus in Oesterreich nicht nur uninteressant bleibt, sondern überhaupt ganz verschwindet. Sollte der zionistische Delegiertentag hierzu den Anstoß gegeben haben, dann können auch die nichtnationalen Juden, welche die überwiegende Mehrheit der österreichischen Jndenschaft bilden, mit seinem Ergebnis zufrieden sein. Bayrisch Kraut. Nach -er „Bofsischen Zeitung" hat sich in München folgen des zugetragen: „Bor einiger Zeit wurde der Münchener Filmprüsstelle der Film „Nathan der Weise" vorgeführt. Die Prüfkammer ließ den Film zu. der genau nach dem Lessingschen Drama verarbeitet ist. Der Vorsitzende der Prüfkammer aber nahm Anstoß und machte von seinem Recht der Amtsbeschwerde bei der Oberprüsstelle Gebrauch. Er berief sich dabei auf die Gutachten zweier Sachverständiger, die er selbst znr Aenßerung aufgefordert hatte. Der eine „Sachverständige" wies in seinem Gutachten darauf hin, daß ein Jude im Vordergrund des Interesses stände und daß in unserer politisch erregten Zeit, besonders in Südbeutschland. hieraus Störungen der öffentlichen Ordnung entstehen könnten. Erregte Auseinandersetzungen und eventuell sogar Tätlichkeiten würden im Falle der Aufführung wahrscheinlich sein. Der zrveite Gutachter »var ein katholischer Geistlicher, der den Film aus dogmatischen Gründen bemängelte. Die im Anschluß an Lessing in dem Film vorgetragene Weltanschung der dogmatischen Toleranz, die Antwort., die der Film auf die Frage gebe, welche von allen Religionen die beste sei, müßte von jeder streng orthodoxen Seite aller Religionsbekenntnisse als verletzend scharf abgelehnt werden. Die Oberprüfstelle in Berlin wies den bayerischen Einspruch ab. Wie die „Bossische Zeitung" und andere dernolratischen Organe feststellen, hat die OberprüfsteAe durch ihre Entscheidung eine Knltnrblamage größten Stils verhindert. denn leicht hätte es geschehen können, daß. Lessings „Nathan der Weise", das Hohe Lied der Toleranz, ans den Index gesetzt worden wäre. Geschäftliche Mitteilungen. Bekanntmachung! 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Wer trotzdem mehrere Lösungen einsenden will, muß zu jeder eine Bestellung machen. Werden dagegen zu einer richtigen Lösung mehrere Bestellungen gemacht, so erhöht sich der Preisanspruch, der Anzahl der Bestellungen entsprechend, um je M. 100.— bis zum Höchstbetragc von M. 500.—, wenn die Mitbesteller sich nicht an der Lösung beteiligen. Die richtige Lösung ist bei einem Hamburger Notar hinterlegt und wird am 22. Dezember dieses Jahres jedem Löser telegraphisch ausbezahlt, aber nur. wenn der Abonnementsbetrag von M. 5.— rechtzeitig eingesandt wurde, F. Oderieh, Ferien, Hamberg 19, Wlesenstr. 13 Konditorei und Caf4 Feinbäckerei Werner Kmnro^v Inhaber Paul Donner BERLIN W, Motzstraße 70 u. Haberlandstraße 8 VoüitlBilt bob rraorlert: Tel.: Noliendori 3164 io^enebmer Aufenthalt SPEZIALITÄT: Wosser-Bardies Pfd. 50 Pt. 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Gelehrter, statt M. 12.— 9.— Der Betrag ist unter Angabe des Zweckes auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW 7, Nr. 137069 zu überweisen. ,|ililillillilflillliiillillllllliiliiiilliilillillllliilllllillllllllllilllllllllllliillllllllllllllliililiiliiiiiiiiiinlit Bedas: Bcreintfiitna füt dar liberale tzudeitturn e.Berlin SV 48. — Verantwortlicher Redatteur' Dipl.-Jns. Bruno Wotzda. Berlin ND 28. Druck: Tehrina & Reimes», Berlin SD 83. Sittterstr. 75. 6868 48535300025348485353234848484801022300002353012353535353532348485323012323

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