Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 50 (10.12.1926)
- Date
- 1926-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r.'i.-zT' "d i "vw i/v1’ T™-’*"'. wfr*iTT)ft fttö i“ cit£m ÄttXttttfdltot itttwidelt, btt £S uKr die Gemarkung Deutschlandhinaus Beachtung Die zehn Bande (.Jahrbuch der Vühne"s. t» denen /?^^^Eschlchtlichen Ereignisse -er Reich-Hauptstadt handelte, stellten eine Dramaturgie de- Deutsche» Theater- ^r. dte glerch der Lessingschen - auch in der Zukunft M» Wert bewahren wird. Was er alb vorkämpferIür »tto \Brohm uird msbesonüere für da» säkulare Gent« Max flCaal,t? ®at'-lft ebenfalls in unvergleichlichen, im» Worten niebergelegt. Er ist mitten auS einem gUtckftchen Familienleben, aus einem großen mrd treuen Freundestrecs lautlos dahtngegangen. Vielleicht könnte man «p üciteiieit, wcitnjnait der eigenen Trauer vergäße. Aber noch spracht das „Ego" und daS sagt .nein" alS zu einer großen Sinnlosigkeit der Natur. ^.?.'o^ied Iacobsohn war ein treuer und leidenschaft. »de. Auch hier „toujoura 00 veckette". Enkel und Lröc des Nuttenwanderstammes, stolzer Sohn eine- Stammes, -er, fast zu allen Zeiten und allerorten von Feindschaft bedrängt, in eine natürliche Defensive genötigt '^6 Zacobsohn es vor, in die Offensive zu gehen. --'.vrySem -- es muß ausgesprochen werden, was ist, und er verlangt. da« man ihn anch nach dem Tode keine Erkennt» vtHS vorbehait — wäre eS verfehlt, zu meinen, daß er durch tem aggreinves Bekennertnm seinen Glaubensgenossen all» zeit von Nutzen mar» Zn törichter Verkehrung der Dinge ftat gerade er mol häusiger schweren Schaden gestiftet. Er vergaß vielleicht, das; jene, die er mit Feuer und Schwert nekampste. die adligen Motive seines TunS gar nicht ver» ttanden, und. sich nur an seinen Kampfes f 0 r m e n stoßend, oen Kampe U'lbst mißdeuteter-., Gleichviel. auch hier ehrt der vr l o'f UIla il'r^ ^te 2at. Selbst Inden haben oft mit ihm ore Blumen gekreuzt, weil sie. wissender nnd sehender als ieuie von Leidenschaft verbrannten Augen, das Uebel erspurten. das aus einer noch so tapfer gestreuten Saat ersp'negerr mußte. Im Leben weich, warm, heiter, gütig, ja kindlich arglos, konnte Siegfried Iacobsohn am Schreibtisch sich leicht von 1 einer immer auf dem Siedegrad stehenden Leidenschaft überwältigen lassen. Nicht er schrieb dann, sondern eS schrieb aps ihm heraitS. Und manchmal auch schrie etwas elementar ans ihm empor, was er weder zu dämmen, noch zu damvfen vermochte. Die kleinen menschlichen Schwächen dreics großen Könners nnd Wollers waren es, die dann unvegreifliche Antinomien, Antagonismen zwischen Sein und Schenrerzeugten. — Vtike edle Nkcnschlichkeit, eine grandiose lnialnftsch,' Ncgabnng, deren letzter Sinn und Zweck doch SMithese hieß, und trotzdem ein Schicksal, auf das. wie kaum cm auöiivcy, das Wort .zugeschnitten schien: „Leben heißt Krieg, naren." Aber grade weil seine Art der Kriegführung viLftach verkannt worden ist — und meistens dank eigner ^:ch'-ud —, muß an fenicr Bahre nochmals bei mit werden, dag niemals veh’erc .s>ünde und blankere Waffen gefochten Häven. ch,achten seine Widersacher noch so viel Schmutz gegen u)!i üttsammentragein er tonnte dessen lachen. Er war immer mtienaktionssäsiig. 3eii» Fehler war höchstens, das er viele und vieles bekriegt hat. die der Ehre eines Wasfengaugeö mir ihm iiberhanvt nicht mtirdig waren. Tie werden heute vre,leicht trinmvhicren. daß die angeblich „zersetzende Kraft", die .oeuftckes Wesen" angrisf leben weil sic das echte Deutschland mit einer wahrhaft frommeir Inbrunst liebte), nicht mehr von dieser Erde^ist: daß sie hinfortgerafft wurde: iäb, luivermittelt, che die Schatten der Dämmerung sich senkten... ^vir aber stehen noch im Tiefsten erschüttert, weil wir die Wahrheit kennen nnd nennen: „Sic haben einen guten Mann hirronsaetraaen. lt it ö war er me!) v." Wiener Brief. r' Tct De legierter» tag der österreichische» Zionist««. Iüdischnarimlale Konferenzen und Resolutionen haben längst nicht mehr jene Bedeutung für das österreichische Judentum unc in der Zeit nach dem Umsturz. als die jüdische nationale Idee anch in Oesterreich zahlreiche Anhänger zählte. In jenen Tagen, da ein „I üdischer Nativn a l r a t für O e fi e t r e t ch" gebildet wurde und non „nationalen M i n d e r h e i t s r c ch t e n" und ähnlichem gesprochen wurde, farnden sich tatsächlich viele unserer Glan- »MMWMWMMMIIMIMIMI Versammlungskalender; Vertt»-R»rde». Liberaler Gyna-o-enverei« Norde« «ad Liberaler Ber, et«, Ortsgruppe Norde», Schönhauser Mee Itt 1. Ge, «eiudeadeud Montag, de« 1». Dezember, abend» 7,45 Uhr, Geueraloersammlnug und Vortrag de» Herr« Seminaroberlehrer- Falkeuberg: Da» jüdische Prag". Liberale Synagoge Norden lim Anerbachsche» Waise«, hau». Sch-nhanser Mlee ISS). GotteSbieust Freitag, de« 10. Dezember, abend- 7H übt. Predigt: Rabbiner Dr. Sal», mo«Mr Sonnabend, de» 11. Dezember, vormittag» 10 Uhr. VreSla«. Jtibifch-liberaler Jugeubverei» „Abraham Geiger". Gruppe Süden. Mittwoch» de« 15. Dezember, abends SV: Uhr, Gräbfcheuer Gtr. -1—55. EiuleiteudeS Referat: „Walter Rathenan» Stellung zur Religion". Referent Hermann Sach». Freie Aussprache, Verein-Mitglieder, die der Gruppe nicht augehöre«, al» Gäste willkommen. Gelsenkirche». Dienstag, den 1t. Dezember, abeu-S 8>7 Uhr, i« der „AmoS-Loge", Bahuhofftr. 14, Vortragsabend mit anschließender Aussprache. Herr George Goetz, Berlin, Generalsekretär der Bereinigung für -aS liberale Judentum, spricht über: „Unser unbekanntes Gebetbuch". Königsberg i. Pr. Montag, den 18. Dezember, abends 8 Uhr, in ber Anla der Hindenburg-Schnle. Vortrag des Herrn N.-A. Dr, Max Mayer. Berlin, über das Thema: „Liberale Gemeindepolitik nnd ihre Gegner". Trier. Sonnabend, de» 11. Dezember, abends 8 Uhr, in der Aula der Annstgewerveschttle. Bortrag des Herrn George Goetz. Generalsekretär der Vereinigung siix baö liberale Jndentnm: „Was ist nnd was will das liberale Judentum?" bensgcnosseu, die bereit waren, ihre in jahrzehntelangem schweren politische» Kamps errungenen staatsbürgerlichen Rechte für sogenannte Minderheitsrechte eiuzntanschen. die nnS nicht alz Ausfluß einer inneren organischen Entwicklung, sondern eines außenpolitischen Zwanges, auf Grund der jüdlschrmtionalen Auslegung beS FrieöeusvertrageS von St. Germain. Hütten eingerärnnt werden sollen. Es wurde so gewissermaßen der Schwerpunkt der politischen Entwicklung nach außen verlegt, das Schicksal der Juden Oesterreichs freiwillig ans der Hand gegeben und von Abmachungen. beziehungsweise deren Interpretationen abhängig gemacht, die nicht als Produkt freien Nebereinkommens, sondern eines durch die Macht der Sieger dem Unterlegenen anfgezwungenen Diktates angesehen wenden wüsten.' Durch den Friedensvertrag. durch welchen Oesterreich in die fetzige traurige Lage gestürzt wurde, sind den Juden, die bis dahin gleichberechtigte Staatsbürger waren. „Rechte" in den Schoß gefallen, die sie nicht brauchten, niemals begehrt und die gar nicht auf sie Bezug hatten., sondern aus jene wirklichen »nationalen Minderheiten", die durch einen, wie selbst die Sieger anerkennen mußten, ungerechten FriedenSvcrtraa von ihrem Mutterland abgesprengt mrd einem fremden „Nationalstaat" eingefügt wurden. Welche Bedeutung diele Minderheitsrechte besitzen, welcher Wert ihnen zum Schutze der wahrhaft nationalen Minderheiten zukommt, das zeigt das Schicksal der Deutschen in Südtirol klar und deutlich. Trotzdem es also erstens einer juristischen Basis entbehrte und zweitens politisch unklug war. sich am derartige „Rechte" zu stützen, ihn ei: zuliebe feststehende Berechtigungen preiSzttgeven. fanden sich BerhlewSete. die ans sentimentalen Erwägurraerr herandie Minderheit-rechte auch für u«S Anden in Anspruch nehmen wollten, nnd -ich« waren gefolgt von einer Anzahl Anhänger, die lieber de» politisch«» Schlagworten als den einfache» Erwägungen ber politische« Bernnnst Folge leisteten. Hierzu kam noch das Jntereste fltr den Wiederaus" bau Palästina-, das von den Aüdifchnationalen ebenfalls für Zwecke der Landespolitik auSgenüdt wurde, obwohl der Aufbau Palästinamit der Jnnenvolik in Oesterreich nicht daS « inde ste zu tun hatte. Biele unserer Glanbensgenosten unterstütze» die Iüdischnattonalen des-ba-lb und nur deshalb, weil sie deren Leistungen Nr -en Wiederaufbau Palästinadeu Zoll der Anerkennung nicht versage» wollten, ohn« sich jedoch mit ihrer gefährlichen Landespolitik zu iudentisizereu. Es war daher eine politische Irreführung, alle „Zionisten" auch als „Iüdtfchnattonale" zu reklamieren. Denn wie groß auch die Leistungen LeS Zionismus in Palästina sein mögen, in der Innenpolitik hat der jüdische Nati0 nailismuS vollkommen versagt. Zuural innerhalb der österreichischen Iudervschaft ist für ihn kein Boden, und wo eine Pflanze nickst den richtigen Boden findet, kann sie auch durch künstliche Mittel nur schwer und unvollkommen gedeihen. t „ Wenn man aber diese Leistungen der Zromsten in Palästina gegenüber ihren großartigen Berspreckmugen richtig beurteilen will, so muß man sich eine Tatsache stets vor Augen halten. Die Iudeu Palästinas bilden lö Prozent der Gesamtbcvölkerung dieses Landes, d. i. also nicht einmal ein Sechstel seiner Einwohnerschaft. Die Hauptmaste der Bevölierung besteht aus mohammedanischen Arabern und wenigen Christen, die aber manuigfach differenziert sind. .Es kann sich daher in Palästina m-emals ein iüdtscher R a t i 0 n a l st a a t in dem Sinne entwickeln, wie ihn die Zionisten anstrebeu, sondern nur ein national gemischtes Staats-wes-en, ein Staat, in dem neben anderen Bevölkerungselemeuten sich auch Inden befinden. Dreser Ansicht hat auch Herbert Samuel, der einstige Gouverneur von Palästina, jüngst in seiner Rede in Nürnberg Ausdruck verliehen, und er hat hinzugefügt, „daß eiae innere Beruhigung des Landes nur dann eintreten wivd, wenn die angestrebte Teilnahme der Araber an der Verwaltung des Landes erreicht sein wird." Denselben Gedanken hat vor kurzem auch Prof. Dr. Franz Oppenheimer in secnem aufsehenerregenden Bortragc über seme Neiseeiudrücke ^n Palästina ausgesprochen, iwbcm er die Notwendigkeit oetonte, „daß man den Gedanken ein für allemal aufgeben müsse, daß die Juden iu Palastrua jemals die herrschett-öc Klasse werden könnten". Gewiß haben sich, wie Pros. Oppenheimer richtig bemerkte, auch viele, insbesondere deutsche matzgebeude, Zionisten der Bodelftung der Tatsache, welche in dein zahlenmäßige» Verhältnisse der Juden zu den Arabern gelegen ist, nicht verschließen können, gewiß sind auch sie gewrilt, oen MasoritätSverhältnissen Rechnung Sit tragen. Anderseits gibt es aber gerade bei uns in Oesterreich noch immer zionistische Politiker, welche die Drrrge, wie fte wirklich sind, nicht sehen wollen nnd durch überspannte Forderungen und ungerechtfertigte Aspirationen öre Idee aufs schwerste kompromittieren, die sie zu vertreten vorgeben. Eine Zeitlang schien es wohl, als ob die Indischnatioualen erkannt hätten, daß ihre Politik gefährlich sei. Die Schwierigkeiten politischer und wirtschaftlicher Natur, dce mit dem Ausbau Palästinas verbunden sind, bewogen nämlich dw Iüdischnationalen. jede imrerpolitische Initiative zitrückzustelleu und ihr Augenmerk ganz der Forderung des Wlvderanfbaus Palästinas zuzuwenden. Doch selbst diese gewrffe Mäßigung in innerpolitischer Beziehung, welche wo-hl nur eine Zeitlang zu beobachten war, konnte den weiteren pou» tischen Verfall der Partei nicht mehr aushalt en,- zu groß waren ihre Fehler in der Vergangenheit, zu stark das Mißtrauen. das ihr ein großer Teil der österreichischen Ir^enschast entgegenvrachte. Die politische nnd wirtschaftliche Entwicklnna. die sich in Oesterreich in den letzten Jahren vollzogen hatte, führte viele frühere Anhänger der JWischnationalen zu jenen Parteien, denen sie infolge ihrer Weltanschauung oder ihrer politischen und wirtschaftlichen Einstellung am nächsten standen. Aber gerade der Mfall der bot ihr zwei Reichstaler, denn Nr ste war es wirklich gar nichts wert. Sie war auch ganz zufrieden und ließ es mir. Ich machte mich nun daran und scheuerte und putzte den Rost^ ab. so q»t ich konnte. Ich kaufte mir einige Pfunde »resiingenc Petschafte und lernte, darauf Buchstaben zu stechen. Es wurde mir aber zuerst sehr schwer, die Buchstaben Uni s zu stechen , damit sie sich rechts ab drücken solle», ich feilte sie ab und wieder draus. Das tat ich so fleißig Tag mrd Nacht, bis ich endlich etwas herausgebracht hatte. In rneincn Gedanken hielt ich mich bereits für einen vollkommenen Graveur, mrd ich dachte immer an Salvmon, wenn der nur sehen könnte, was ich mir allein gelehrt hatte. Dennoch traute ich mich nicht, zu vornehmen Leuten zu adieu, um meine Arbeit anzubieten. Indes für die Burgerskirkder, mit denen ich ansaewachsen war. machte ich Petschierstöcke siir acht oder zwölf Schilling. Besonders waren viele Bauernsöhne, die in Sachsen zu Hause waren, hier zur Schule gegangen, denn Treuenbrietzen liegt an der sächsischen ftirenze, ein Büchsenschuß aus dem Tor ist gleich Sachsen, nnd da gibt es reiche und geschickte Bauern, die alle schreiben uuö rechnen können. Ich machte mir mein Haudwcrtszeng zusammen und reiste in die umliegenden Dörfer bei den Bauern umher. Ich bekam Arbeit, daß ich zuweilen drei bis vier Petschafte zu steche» l>atte und iirarcche Woche drei bis vier ReichStaler verdiente. Ich gab meiner Mutter, sie ruhe in Frieden, die Hälfte von meinem Verdienste ab. Mein Bruder Abraham war sehr sparsam und sehr ehrlich und wollte gern vorwärtö>5o>rnnren. Er hatte einen gr oßen Haushalt auf sich, und meine Mutter war sehr fleißig und wartete den Laden ob. wenn mein Bruder zur Messe reiste, und hielt sehr genau die Wirtschaft. 'Ich wallte umsonst nickt einen Mur'.d voll Brot genießen, da ich mir mein Brot vollkonnnen verdienen konnte. Im Gegenteil — wie ich bereits erzählt habe —, es war nur mein größtes Bergnügcn, wenn ich meiner Mutter zur Hilfe fein konnte. Mein Bruder Abraham war in der Stadt i'ebr angesehen. sein Geschäft vergrößerte sich. Der .Haushalt indes verkleinerte sich — zwei meiner iüngsteu Brüder starben, die zwei ältesten Schwestern gingen in Dienst, der Bruder, der zwei Jahre jünger ivar als ich. suchte sich auch durch einen kleineil Handel selbständig zu machen. Es glückte lneinem Bruder in seinem Geschäft, und er hatte ein schönes Lager voll allerlei Waren, so daß sie nicht mehr solche Sorgen hatten. Meine Mutter betrieb drö Geschäft so gut. wie der tüchtigste Mann. Ich fand, daß ich in, Gravieren bereits gute Fortschritte gemacht hatte, nnd kaufte mir Dessinbiichier. auch einige silberne und stählerne Petschaste und fing an. Märkte und Städte zu bereisen. Ich nahm alles an, was zu arbeiten mir vor kan,, etliche Wapperr und Stempel. Ich ließ es mich auch nicht verdrieße», wenn mir die Arbeit nicht ge» raten schien, alles crüzufeileu und nochmals zu machen. Ich verdiente mir so viel, daß ich mich anständig führen konnte: l ich schasst« mir sogar eine siltberne Usir utrö eine silberne Schnupftabaksdose an. Einen Spaß mutz ich hier einsügeu. ES war Markt in Treueirbrietzen, und ich stellte mich, wie gewöhnlich, mit meinem Tisch, meinem Handwer-kszeug und meinen Petschaften aus dem Markt auf. T-a kam ein junger Müllerbursch, der vielleicht eben erst Geselle geworden war und bei einem Windmüller aus^elerut hatte. Er bestellte ein Messingpetschast, und wir kamen mit den, Preis von 15 Schilling überein. Er irerlangte, ich sollte eine Windmühle darauf stechen und auf der Treppe solle ein Kerl hinaufgehen mit einem Sack Kor« aus dem Rücken, und unten sollte der Name in einzelnen Buchstaben stellen. Eine Windmühle mit einer Treppe und einer offenen Tür zu stechen, ist keine Kunst. Ich stach also diese Windmühle. die Treppe und die offene Tür fertig, aber daß der Kerl mit einem Sack Roggen auf dem Rücken sollte die Treppe hinaufgehen. das war doch et» bißchen zuviel. Dazu Markttag, an dem man in zwei Stunden ein Petschait fertig haben muß. Ich hatte meine Avbeit vollendet und der junge Bursch kam. sein Petschaft zu holen. Ich zeigte ihm den Abdruck, er gefiel ihm sehr gut. Er gab mir den Rest von 12 Schilling —- 4 Schilling hatte er augezaihlt. Er besah sich alles nochmals genau, dann erinnerte er sich, daß er doch einen Kerl gewollt habe, der mit einem Sack Roggen die Treppe hinaufsteigen sollte. Er fragte also, wo der Kerl mit dem Sack geblieben sei? Ich wußte erst nicht, was ,ch antworten sollte, dann sagte ich ans Spaß, der sei eben in die Türe bmeingegangen. „Ei, das ist schade, daß ich nicht früher gekommen bin." meinte der Bursch und ging zufriedengestellt seines Weges. Ich dachte mir. das sei von mir ein kluger Einfall gewesen, u^d überlegte nicht, wie einfältig der junge Ätentch gewesen war. Ich nmr also lehr fleißig und sammelte mir wohl fünfzig ReichStaler. und da sich mein Bruder Abraham sehr gut stand und guten Verdienst hatte, ich auch nicht daran dachte, etwas zu erben, und alles meinem Bruder gehörte, so gab ich nun meiner Mutter nichts mehr ab, denn sie batte es nicht nötig. Durch ihren Fleiß, ihre Tüchtigkeit im Geschäft und in der .Haushaltnibrnng verdiente sic mehr, als sie verbrauchen konnte. Ich selbst aber aß nicht einen Mund voll Brot umivnst. Das gefiel meinem Briüiex nicht, und ich konnte mich mit ihu, nicht gut vertragen, da ich in meinem Sin« dachte, ich könne mir mein Brot verdienen, wo ich auch hinkäme. Dazu war Treuenbrietzen ein simpler Ort. da konnte ich nichts lernen. So nachm ich mir denn vor. in die Welt zu reisen, so nach London. Aber da§ hielt ich geheim. Ehe ich aber wegrciste und von meiner Mutter Abschied nahm, entdeckt« ich ihr. daß ich nach England reise. Sie nmrde sehr betrübt und bat mich um Gvtteswillen. ich solle nicht reisen. Allein, ich sagte ihr mit tränenden Augen, mein Bruder gönn« mir nicht die paar Taler, und denke immer, ich solle sie znr Wirtschaft geben. I<h sei nicht neidisch, daß er sich alles angeeignet habe, wir könnten uns aber nicht mehr vertragen, daher sei es das Beste, wenn wir uns trennten. „Also, liebe Mutter, der Allanächttge erhalte Sic in gutem Wohlsein:" All das wurde beidersetts unter Tränen gesprochen. Mein Man teils ack war gepackt, mii> io reiste ick fort, ohne von meinem Bruder, der ausgegangen war. AbiÄred zu nehmen. Bei seiner Rückkehr erzlihlte ihm meine Mutrer weinend, daß ich fortgcreist sei. und sie sagte ihm auch Bescheid, weshalb ick mich über ihn beklagt hätte. Ex batte aber ein weiches Herz und erkundigte sich, wohin ich gereist sei. Darauf eilt« er mir Zu Fuß nach und traf mich iu Belitz, -rvei Meilen von Treuenbrietzen. noch an. Er kam aufs freundlichste auf mich zu: „Lieber Bruder, komme doch zurück, unsere Mutter grämt sich so sehr. Ich verlange nichts von dir, denn der liebe Gott hat mir Segen gegeben, so daß ich den Haushalt vollkommen bestreiten kann, und auch du sollst kein Kostgeld mehr bezahlen." Ich antwortete: „Mein lieber Bruder, es ist viel zu spät. Spare dir deine Worte, denn nicht Mr tausend ReichStaler koumre ich zurück. Der Himmel erhalte Sich mit unserer lieben Mutter und allen Geschwistern." Sr schickte nun fremde Leute, die mir zureden sollten, aber ich gab ihnen kein Gehör, blieb meinem Vorsatz treu und reiste. Zuerst wollte ich eftrmal Hamburg besuche». Ich hatte davon viel gehört, auch daß es dort Graveure gab. die sehr geschickt in ihrer Arbeit seien. Ich ging aber an keiner Stadt vorbei, in der ick nicht fleißig herumgegangen wäre, um mir meine Reisekosten doppelt zu verdienen. Ich reiste nach dem Mecklenburgischen und kam nach einer Stadt Renzlin, wo ich mit einer Frau zusammentraf, die kurz vorher geheiratet batte. Sie war aus Luckenwalde, zwei Dteilen von Treuenbrietzen, ungefähr in meiner» Alter und wir waren wie Bruder und Schwester. Sie freute sich sehr, und ich war diesen Weg nur gereist, um sie zu besuchen und von ihr Abschied zu nehmen. Sie fragte mich, wo ich herkäme, und wohin ick wolle. Ich erzählte ihr alles haarklein, aber sie und ihr Ddann sagten, sie ließen mich so bald nicht weg. Ick müsse wenigstens vier Wochen hei ihnen bleiben, und der Mann versprach, mir viel Arbeit zu verschaffen, denn »nt diese Stadt herum lägen gorviß vierzig Adelsgüter. Ich ging mit ihrem Mau« einige Tage, er hatte seine Waren bei sich und ich bekam reichlich Arbeit und besser bezahlt als im Brandenburgischen. Es war da ein sehr wohlfeiles Leben, es gefiel mir sehr aut und bet der Frau rvar ich so ausgenommen, als wäre ich ihr Bruder. Ich hielt mich eine Zeit ans. denn es geftel mir in Mecklenburg sehr gut. ES war auch im ganze« Land kein Graveur, nur in Schwerin der Hof-Graveur, R. Lipmann. ber eine Bestallung von 500 Reichstalern hatte. Aber er und seine Leute kamen nick,t aus Schrverin heraus, und es sind einige dreißig schöne Städte in Mecklenburg., wie Rostock. Güstrow. Darchim. Grabow, Sckftverin. Ich besuchte so ziemlich die besten > Städte, und eS wohnen dort sehr viel Adelige.