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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-03 · 49 (3.12.1926) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
49 (3.12.1926)
Date
1926-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sehr lange dauern wird, bis eine Organisation der deutschen Juden in der von dem Vorredner gewünschten Weis« zustande komme. R.-A. Dr. Horowitz (konsI gibt die Erklärung ab» daß seine freunde ebenfalls den Entwurf ablehnen wevbe-n. Er wünscht Berücksichtigung der Vorschläge der AchdutH iBereinigung gesetzestreuer Juden) bei der Gründung des Reichsverbanöes. In der nun folgenden Abstimmung wird der vom Rat vorgelegte Entwurf einer ans Vertretern der Landesverbände sich zusammensetzenben Reichstagnng einstimmig a b a e l e h n t. Nunmehr wirb in eine Diskussion über die Frage einer Revision des preußischen Iudengesetzes eingetreten. R.-A. Dr. Brest auer (Nb.) weist auf die Notwendigkeit hin. daß das Iudengesetz baldigst unter Dach und gebracht werde. Zu diesem Zwecke müsse zunächst das gesamte zur Verfügung stehende Material veröffentlicht werden. Der Redner erklärt sich namens seiner Fraktion gegen jegliche Zurücksetzung von Ostiuden bezüglich des Gemeindewahlrechtes. Er tritt ferner auch dafür ein. daß das Frauenwahlrecht überall durchgesührt wird. Der Redner wendet fick entschieden dagegen, das, die Austrittsmöglichkeit aus religiösen Gründen irgendwie beschnitten wird, denn auch die liberalen Juden müssen mit der Möglichkeit des Austritts aus einer Gemeinde einmal rechnen. Wir kämpfen gewiß für die Einheit der Gemeinde, und diesem Eintreten entspricht es auch, wenn wir Schulter an Schulter mit den Konservativen die Beibehaltung einer Austrittsmöglichkeit aus religiösen Bedenken fordern. Damit der Austritt nicht zur Steuerflucht mißbraucht wird, wird eine Erklärung zu fordern sein, daß der Austritt aus religiösen Bedenken geschieht. R.-A. Dr. Kolsenscher (jüd. Bolksp.s sieht in dem Entwurf eine Gefahr insofern, als Lurch ihn die Gründung von Personalgerneinden gefördert wenden könnte. Er ist der Meinung, daß die Voraussetzungen der vor 50 Jahren geschaffenen Austrittsmöglichkeiten heute nicht imehr zn>- ireffen. Dr. Kahn lkom.1 wendet sich entschieden gegen jegliche Beschränkung der aus religiösen Gründen erfolgenden Austritte. Justizrat Liliemthal (Rats weist -darauf hin. daß für eine Erschweruna der Austrittsnwglichkcit die Liberalen sicher ebensowenig wie die Konservativen zu haben seien. Gegenüber den Befürchtungen des zionistischen Redners, es könnten bei der Annahme des vorliegenden Gesetzentwurfes eine größere Anzahl von Personalgemeinden gegründet werden, bemerkt Iustizrat Lilienthal, daß diese Frage bereits in der Weimarer Reichsverfassung geregelt ist. Der Entwurf geht zur wetteren Bearbeitung an den Rechtsausschuß. Es beginnt nun die 2. Lesung des Etats. Wolfs-Frankfurt (lib.) erstattet den Bericht des Haushaltsausschusses. Er wendet sich namens des Haushaltsausschusses nochmals dagegen, daß das wichtige Material den Mitgliedern des Ausschusses erst so spät zuging, daß ihnen eine gründliche Prüfung nicht möglich war. Vom Haushaltsausschuß werden einzelne Abänderungsvorschläge gemacht. Es wird eine Verkürzung der Beiträge für die drei Rabbinerbildungsanstalten um ie 5000 M. vorgeschlagen. Als Stipendien für solche, die sich dein Berus des jüdischen Lehrers widmen wollen, sollen 15 000 M. in den Etat eingesetzt werden. Ferner soll der Landesverband folgende Bewilligungen vornehmen: Für die jüdischen Arbeiterkulturvereine 3000 M.. für den Reichsausschuß jüdischer Iugendverbände 15 000 M.. an das jüdische Mädch-enheirn in Rheydt 2500 M., an die Haushaltunasschule in Frankfurt a. M. 2800 M.. an den Verein ritueller Speisehäuser 2000 M. Seminardtrektor Gutmann llib.) - weist am die dringende Rotwenbigkeit hin. daß die Lehrer bester besoldet werden. Die Einreihung der Voltsschullehrer in Gruppe VII sei eine dringende Notwendigkeit. Es sei eine Ungeheuerlichkeit, wenn «S vorkäme. daß man einen Lehrer, dar seine Pensionsanspvüchc geltenmacht, auf seine Kinder verweist, von denen er sich unterstützen lassen soll. Man muß den Lehrern Gelegenheit zur Fortbildung geben. Es sei aus Gründen der Paritär notwendig, daß die Liberalen Gelegenheit finden, ihre Lehrer in liberalen Lehranstalten ans« zubilden. Er habe deswegen absolut nichts gegen die orthodoxen Lehranstalten, mit deren Leitern er auf den besten Fuß stehe. Auch er bekenne sich zur jüdischen -Schule. Die Bedenken hiergegen könne er nicht teilen. Er müsse sich aber ganz energisch gegen das wenden, ivas die Zionisten aus der jüdischen Schule machen wollen. Diese Forderungen würden von ihm entschieden bekämpft werden. Rabbiner Dr. Vogel st ein (Rat) erhebt entschiedenen Widerspruch gegen die geplante Kürzung der Subventionen für die jiidischen Lehranstalten. Hermann Cohen sagte einmal: »Das Wesen des Judentums ist die Wissenschaft." In erster Linie habe der Landesverband religiöse Aufgaben und die geplante Kürzung sei eine kurzsichtige Beschränkuna aus geistigem Gebiete. Man könne unmöglich. die Vertiefung der jüdischen Religion pflegen ohne genügend ausgebildcte Theologen. Dr. B ad t ltüd. Vvlksp.) spricht nochmals über das Verhältnis der Zionisten zum Staate. Nach seiner Ansicht sind Konflikte zwischen den staatlichen Erfordernissen und der Weltanschauung zionistischer Beamten unmöglich. Blumen seid ljüd. Volksp.) begründet nun den Antrag der Bolksparsiei auf Schaffung eines eigenen Unterrichtsausschusses, wie ein solcher für die Liberalen und für die Konservativen bestellt. Die Schulen, die die Mehrheit errichtet, habe« nichts zu tun mit dem. was feine Freunde unter jüdischem Unterricht verstehen. Die anderen Richtungen haben das Judentum zu einer Konfession gemacht, wir aber verstehen unter Judentum die Totalität des jüdischen Menschen. Ans Gründen der Gleichberechtigung verlange die Volkspartci, daß die Mehrheit dem Prinzip der Parität Rechnung trage. Er sehe nicht ein. weshalb man die Kinder seiner Freunde in Schulest zwingen wolle, die ihnen nicht genügen. Wenn Sie tzn den Liberalen gewendet) unseren Ausschuß ablehnen, so dokumentieren Sie damit, daß Sie Ihre Majorität rücksichtslos gebrauchen wollen. Der Kampf der Liberalen gegen die Orthodoxie ist eingestellt, an seine Stelle trat der Kampf gegen Zionisten. Zu den Blumenfeldschen Ausführungen wird mehrfach von konservativer Seite Stellung genommen. M. A. L o e b (kons.l betont, daß seine Fraktion zu dem zionistischen Antrag geteilt stimmen werde. Er macht für sich persönlich gegen den Antrag auf Einrichtung eines dritten Unterrichtsausschusses die schwersten Bedenken geltend. Rabbiner Dr. Roscnthal (kons.) erklärt sich zwar aus Zweckmähigkeitsgründen für den zionistischen Nntcrrichtsausschuß, greift jedoch scharf Herrn Blumenfeld wegen seiner Kritik am Wesen des süüischen Religionsunterrichtes an. Frau Schönewal d (lib.) betont für die liberale Fraktion, daß für diese der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden ein religiöser Verband sei. Die liberale Fraktion erkenne in ihm alle religiösen Richtungen als gleichberechtigt an. Sie widerspricht aber auf das entschiedenste der Umwandlung national-indischer Wünsche in Aufgaben des Verbandes. Jede religiöse Richtung im Landesverband soll ihren eigenen Kultus- und Unterrichtsausschuß erhalten. Die jüdische Bolksvartei aber ist eine politische und keine religiöse > Richtung im Judentum. Deshalb kann hier den Wünschen T' auf Schaffung eines zionistischen Unt-errichtSausfchnstes nicht Rechnung getragen werden. ... In der Abstimmung wird der Antrag eines zionistischen UnterrichtSauSfchuffeS abgelehnt. a ... Es erfolgt nun einstimmige Annahme des Etats, nachdem die Position für die drei RabbinerbildungSanstalten wieder in der alten Höhe hergestellt worden ist. - Hieraus werden »och «ine Reihe kleinerer Anträge erledigt. Ein konservativer Antrag auf gemeinsame Arbeit mit dem Halberstädter Bund gesetzestreuer Gemeinden in allen geeigneten Fällen wird angenommen, desgleichen ein Antrag Loeb (kons.) auf Einberufung einer, Konferenz zur Bekämpfung von Taufe, Austritt und Mischehe. Zur Einbürgerungspraxis gelangt folgender liberaler Antrag zur Annahme: »Es ist der Verbandsversammlung bekannt, daß entgegen einer sonst in Einbürgerungsfragen geübten milderen Praxis die Einbürgerung in Deutschland wohnender Ausländer jüdischen Glaubens nicht oher nur in äußerst seltenen Fällen stattfindet. Insbesondere das den Ländern in Einbürgerungsfragen gewährt« Recht aus 8 9 des Reicks- und Staatögebnis geführt. Der Landesverband sieht in der grundsätzlichen Ablehnung oder Nichterledignng derartiger Einbürgerungsgesuche eine unbillige Härte: er ist auch nicht der Meinung, daß .diese Praxis im richtig verstandenen deutschen Interesse gehandhabt wi.d. Der Verbandstag ersucht den Rat, bei den zuständigen Behörden für eine Beseitigung dieser Praxis und eine gleichwertige Behandlung der Personen jüdischen Glaubens mit anderen Ausländern in Einbürgerungsfragen einzutreten." R.-A. Dr. W e r t h e i nt (lib.) gibt nun für den inzwischen — wie von uns bereits gemeldet — aus dem Amte geschiedenen Geschäftsführer folgende Erklärung ab: Es freut mich, beim Schluß unserer diesjährigen Tagung -nicht nur im Namen der liberalen Fraktion, sondern gleichzeitig auch im Austrage der Fraktion der Jüdischen Bolkspartei, sowie der Konservativen Partei und der Fraktion der Mittelpartei dem Herrn Geschäftsführer des Verbandes Worte des Dankes für seine bisherige Arbeit im Interesse des Verbandes sagen zu dürfen. Wir alle kennen die umfastenden Kenntnisse, die unermüdliche Arbeitskraft mrd dgS warme Herz, mit denen Herr Dr. Freund fick allen Arbeiten widmet, und wir danken ihm herzlich, daß er seine Arbeit und seine reiche Erfahrung auch in den Dienst des Landesverbandes gestellt hat, an dessen Schöpfung ex in so hervorragendem Matze Anteil hatte. . R.-A. Dr. Baerwald (lib.) besteigt nunmehr die Rednertribüne. Zu Beginn seiner Ausführungen verläßt die Fraktion der jüdischen Volkspartei geschloffen den Saal. ' Die abgegebene Erklärung lautet: »Gegenüber anderslautenden Behauptungen stellt die liberale Fraktion wi-ederholt fest: Die Fraktion hat sich mit dem Brief des Herrn Iustizrat Sonnenfeld an den Herrn Minister des Innern nur 1 insoweit beschäftigt, als sie geprüft hat. vb der Brief den Anlaß dazu gibt, daß der Herr Präsident den Vorsitz nicht weiterführt. Die Fraktion hat einstimmig und ohne Frak- ' tionszwang beschLvs-err, tfoii Herrn Präsidenten zu ersuchen, den Vorsitz weiherzusühren, weil der von dem Herrn Prasi- : deuten außerhalb des Hauses getane Schritt einer Kritik der Fraktion nicht unterliegt, und weil er nicht geeignet ist. das Vertrauen in die Unparteilichkeit der Geschäftsführung des Herrn Präsidenten und seine persönliche Ehrenhaftigkeit zu erschüttern. Die Fraktion weiß, daß für den Herrn Präsi- ’ deuten die Ausübung der Funktionen unter den obwaltenden ' Umständen ein schweres persönliches Opfer bedeutet, und dankt ihm herzlichst." . - Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. '.*L... linlersfflit das" ' ' Der Verein selbständiger Handwerker indischen fllanbens, e. V., Beite hat in seiner Organisation alle Berufe vereinigt und ist jederzeit in der Lage, leistungsfähige Handwerksmeister nach zuweisen. Geschäftsstelle: Louis Wolff — Berlin NO 18 — Gr. 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Wer 'trotzdem mehrere Lösungen einsenden will, muß zu jeder eine Bestellung machen. Werden dagegen zu einer richtigen Lösung mehrere Bestellungen gemacht, so erhöht sich der Preisanspruch, der Anzahl der Bestellungen entsprechend, um je M. 100.— bis zum Höchstbetrage von M. 500.—, wenn die Mitbesteller sich nicht an der Lösung beteiligen. Die richtige Lösung ist bei einem Hamburger Notar hinterlegt und wird am 22. Dezember dieses Jahres jedem Löser telegraphisch ausbezahlt, aber nur, wenn der Abonne-. mentsbetrag von M. 3.— rechtzeitig eingesandt wurde. F. Oderlcb, Vntof, Hamborg 19, Wiesenstr. 13 Reklame ist die Quelle iegl. Erfolges! Setloa; Seseintauno ffii das libtzcS« Judentum e v.. Berlin SV tt. —„ LerantworMcher Redakteur: Dw!.-Jna. Bruno vodda. Berlin ND 23 Druck: Debrtna & Reimers. Berlin SD 68. Ritte rvr. 7t. A72D B$3^1933-+:/:+:+:$++.:+/./:+:461+....+++.+/...+^//+./-:.:+:^^ A6./:35$/-3.6.+:++://:/::.^:^^

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