Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 48 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Herab. Zweifellos staben die Juden eine ifircr Zahl entsprechende Ziffer auch von protzen schöpferischen Genies aufzurveisen. Gaben sie nicht Jesus. den Rabbi aus Galiläa, der Welt- Nicht di« Bibel, das faered book des Occidents. nicht den Paulus und die älteren Apostel? Lind ihre Mythen an sittlichem Wert und dichterischer Bision geringer als die -er Welten Homers und der Edda? ftit nicht Baruch Spinoza eine -er reinsten und feinsten Gestalten aller Menschen» -«schichte? Neben Inden, die. weil man sie nirgend Mur- 8el fasten, nirgends sich fest einbürgern liest, nur ans rasche Bereicherung erpicht waren, standen liberall und immer Viele, die selbstlos, ««belohnt, und nach Lolin gar nicht lüstern, alle Kräfte freudig der Allgemeinheit, der ru* publica, opferten. Männer, w: e M a x Marburg werden nicht auSgc nutzt. Auch darf man nicht vergessen, das; die Inden sich unter viel schwereren Bedingungen durchznsctzen haben als die Nichtjuden. und dah sie oft nur nach Ueberwindung von oft sehr grvsien Widerständen ans Ziel gelangen. Juden auch «uch von grösster Bedeutung, haben oft nickt die Gelegenheit. ihre Talente zu entfalten, weil lie nickt verwendet «oerden, lediglick aus dem Grunde, weil sie Inden sind. Nehmen wir z. B. einen Mann wie Mar Marburg in Hamburg, der nach meiner Ansicht ein kluger, auch in aewistem Sinn staatsmännisch begabter Kopf ist. Wird er von Deutschland an-genutzt? Sr hat tn und nach dem Kriea d»rm Deutschen Reich grobe Dienste geleistet. Sein und mein Freund Albert Ballin hat den ganzen Apparat seiner Reederei dem Reich zur Verfügung gestellt und öde Prvvivntterung der Motte ermöglicht. Professor Haber rettete durch den Fund des Stickstoffes (in der Luft! das Leben der deutschen Landwirtschaft und erfand den Stoff, der den Gaskrieg möglich machte. Ehrlichö SUvarian hemmte die furchtbare Gefahr der LneS-Berfeuchung. Rathenau organtfierte im Kriegsministerium die Sicherung der für den Krieg unentdehrltchen Rohstoffe Unermüdlich und uneigennützig haben rveltbertthmte jüdische Chirugen, Internisten. Chemiker usw. jahrelang für Armee und Heimat erfolgreich gearbeitet. Ohne die Talente und dte Hingebung all dieser Inden wäre dem blockierten Deutschland die lange Kriegsführnng nicht möglich gewesen. Und war nicht Albert Einstein der erste Pionier, der dem besiegten Deutschland tn der Welt wieder Ruhm erwarb? All das soll nun vergessen und ausgelöscht sein. Aber ein Iudenstrcik würde rasch erweisen, wie unentbehrlich den Deutschen heute der Jude geworden ist und in welchem llmfana Deutschland- Weltcrfvlge auf den meisten Gebieten just durch die Mischung und Ergänzung der beiden „Rassen" bedingt sind. Die Märchen von» l ii d i s ch c n Kapital und vom jüdischen Bolschewismus. Ob der Antisemitismus in Deutschland abnehmen wird. DaS hängt von der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage ab. Je besser cs den Deutschen gebt, desto weniger werden sie die Juden lmssen. Der Jude ist eben ein Sündenbock für alles, auch für die wirtschaftliche Notlage der anderen. UebrlgenS wird dte ganze Welt heute nur von wirtschaftlichen Faktoren regiert. Die Politiker haben aufgeliört, die .Hauptrolle zu spielen. Es sind die Kapitalisten, die entscheiden. Und die Zeiten in der das „jüdische" Kapital allbeherrschend schien, sind längst dahin. Was sind die Rothschild-, waS selbst Kuhn. Loeb & Co. neben den Ford. Rockefeller. Morgan, den Trustkönigen mtö Kartellpotentaten »rein" arischen Stammes? Alberne Märchen lügen der unwissenden Menge vor. dast »die Juden den Krieg, die Revolutionen, den Bolschewismus gemacht haben." Nichts davon ist wahr. Auch in Rußland war und ist die enorme Majorität aller Juden gegen den Bolschen^nvtSmus. Wahr. ist. daß die Antisemiten tn vielen Inden die .Hoffnung getötet haben, ie als gleichberechtigte Bürger des .Wirtlandes anerkannt zu werden. Diese Juden suchen dann in dem alten Glauben. Ritus, Nationalgefühl, dem schon ihre Ahnen entwöhnt waren, ihre Zuflucht. Daher der Drang nach Zion. Daher der weithin tönende Ertolg der Hadiwah. deS hebräischen Theaters in Moskau. Ich sah es den „Dhbnk" darstellen, den der allzufrüh gestorbene Wachtaugvw. ein unübertroffenes Regie-Genie, musterlich einftudtert hatte, und war. trotzdem ich nicht ein Wort ihrer Sprache verstehe von ihrer mimischen Kraft und der ritualen Inbrunst ihres Spieles tief crschüttct. Sie führten ein Mittelalter östlichen Judentums vor, das sich von westlichem, von germanischem Wesen freilich meilenweit scheidet, bas aber auch dem in Amerika und Europa akklimatisierten und kultivierten Judentum nicht ähnlicher ist als Richard WagnerS Operngermane» den Deutschen. die heute an Rhein und Ruhr die profitable Ehe der germanischen Kohle mit dem gallischen Erz stiften . .!ff| Aus den Gemeinden |||j Alzenau. lIubiläu m.) Die hiesige israelitische Kultnsgemetnde feierte am 21. November ihr Ivojähriges Bestehen, verbunden mit dem 2Ziährigen Jubiläum des Lehrers Drechsler. Beerfelden. iS ch a j f« n g e i n e s Friedhof $.} Die hiesige israelitische Gemeinde war schon einige Zctt bestrebt, hier einen eigenen Friedhof zu erwerben. Seither wurden die Verstorbenen nach Michclstadt verbracht, was mit allerlei Umständlichkeiten verbunden war. Nun ist die Sache so weit gediehen, daß am Donnerstag die erste Beerdigung auf dem ncnermorbenen Friedhof stattgefnnden hat. Berlin. jN e n e Liturgie der Jüdischen Reformgemeinde.) Nach längeren Borbcrcttungen ist für den Gottesdienst tn der Resormgiemeinde eine neue Liturgie geschaffen worden, lllegenliber dcr bisherigen Gedetvrdnung sind erhebliche Kürzungen eingetreten, so daß der Gottesdienst nicht mehr länger als eine Stunde bauern wird. Andererseits ist durch die Nencinführung einer gröberen Anzahl tradioikeller Melodien die Anlehnung an die Uebcr-- lieferung stärker betont worden. Es ist zu hoffen, daß die neue Gebetordnuna zur Verschönerung der Andacht und zur Belebung der Frömmigkeit beitragen wird. Tie Einführung der neuen Liturgie findet Sonntag, den 28. November. vormittags 10'i Uhr. im GotteShanie. Johannisstr. 16 iNähc Bahnhof Friedrichstraße) statt. Die Predigt hält Herr Dr. Rvsenthal. Freunde des liberalen Judentums sind herzlich willkommen. Berlin. (W o h l f a h r t S b r i e f m a r k e n.l T ie Zentralwohllahrtsstelle der deutschen Juden teilt mit. das, auch in diesikm Jahre die ReichSpostverwaltung zugunsten der „Deutschen Nothilfe" WohlfahrtSbricfmarlcn herausgibt. Die Wohlfahrtsbrtefmarken gelangen am t. Dezember 1020 M« Ausgabe. Die postalische Gültigkeit der Marken zur Freimachung von Postsendungen erlischt am 30. Juni 1927. Der Ertrag der Marken ist wiederum zur Linderung materieller Notstände im ganzen Reichsgebiet bestimmt, insbesondere sollen -te Erträge zur ergänzenden Fürsorge für Kinder, alt« Leute. Erwerbsunfähige und zur llntersttttzung von SpeisungSetnrichtungen ohne Rücksicht auf die konfessio- Nelle öder parteipolitischen Zugehörigkeit Verwendung finden. Die Ddarken sind von den Postanstalten und den jüdischen Wohlfahrtsämtern zu beziehen. Berlin. lAmtSlnbiläum von Oberkantor Nieustaöt.j DaS Jubiläum des OberkantorS Neustadt (Synagoge Lindenstraße) -gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung. Der Jubilar mar bereits am Lobbatetngang (den 10. November» in der Synagoge Gegenstand vieler Ehrungen: Herr Rabbiner Dr. Blumenthal widmete ihm feine Predigt, hauptsächlich Neustadt alö den mürdf-en Schal iach-zibtmr. den „Abgesandten der Gemeinde", federnd. Nach Schluß des Gotte-dtenstrS wurde Neustadt, indem der Ehor den Psalm ir>0 von Lewandowski anstimmte, von den Herren Rabbinern Dr. Bkumenthal und Warschauer sowie den Vorstehern zu»n geschmückten Trausaal geleitet. Hier erfuhr seine Tätigkeit durch Herrn Rabbiner Dr. Warschauer, durch den Vertreter der Gemeindebehörden lHerrn Handelsrichter Fuchs), Herrn Leon (Vorsitzender des Synagogen- Vorstandes) sowie Herrn Dannhäuser (Vorsitzender des Synagogenocreius Lindenstraße) «ine abermalige Würdigung. Der Gefeierte dankte allen bewegten Herzens. Nicht minder erhebend war die häusliche Feier am Sonntag, den 21. November, wo unter Darreichung non Ehrenaeschenken neben Vertretern genannter Körperschaften auch Abordnungen der KantoratSkollegc» so»vie den Beamten der Jüdischen Gemeinde und der Kantorenhilfskasse zu Herzen gehende Worte sprachen. Breuna (Helfen). si-0 I a h r f e i c r der L « n a g o g c.) Die hiesige kleine Gemeinde, die das Los aller Landgemeinden teilt, auf eine bescheidene Anzahl ihrer früheren Mitglieder zusammengeschrumpft zu sein, zumal auch die Nachbarorte Oberlistingen und Wettesingen nur noch ein oder zwei jüdische Familien zählen, beging dieser Tage in bescheidenem. schlichtem Rahmen die Feier des fünfzigjährigen Bestehens ihrer Synagoge, mit der auch die Enthüllung einer Gedenktafel für die aus den genannten Orten gefallenen jüdischen Krieger-verbunden mar. Der auS der Gemeinde heroorgegangcne Kantor M. Goldrvein, Bochum, hielt eine dem Charakter des Tagcö angepaßte Festrede, die auf alle Teilnehmer der Feier einen tiefen Eindruck machte. Chemnitz. IEin Prozeß in der Jüdischen Genr e i n d e.) In der Chemnitzer Indischen Gemeinde, die atrs etwa 1200 deutschen und 2400 nichtdeutschen Inden besteht, ist im Interesse der Erhaltung der Einheitögemetnde das Wahlrecht derart geregelt, daß die Gemeindekörperschaften von den'beiden Gruppen in getrennten Sektionen gewählt werden, derart, dah die deutschen Juden den Anöschlag geben. Gegen diese Regelung führen die Zionisten, deren Anhang fast ausschließlich aus nichtdeutschen Juden besteht, einen erbitterten Kampf. Der Vorsitzende der Gemeinde. Herr Mecklenburg, hat in Versammlungen und Flugblättern. sich gegen die zionistischen Angriffe verteidigt und die Gcmcindevertreter dcr Jüdischen Vvlkspartei als „destruktive Elemente". „Friedensstörer der Gemeinde" und „Zerstörer und Schädlinge" des Judentums bezeichnet. Hierauf haben die von diesen Vorwürfen Betroffenen gegen Herrn Mecklenburg wegen öffentlicher verleumderischer Beleidigung Klage erhoben. Zur Vertretung ihrer Klage traten vor Gericht Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin, und ein Zwickaner Anwalt auf. Das Gericht erkannte unter Hinmeis auf 8 106 des Strafgesetzbuchs auf Freispruch. (Es will uns scheinen, dah die Tätigkeit, die Herr Dr. Klee' hier ausgeübt hat. wenig übercinstimmt mit den Vorwürfen, die er als Berliner Repräsentant gegen die Liberalen wegen ihres WahlprvtcstcS bei dcr Staatsbehörde erhebt. Die Red.) Eisenach. lBölkische Roheit.) Ein Beispiel unglaublicher Brutalität zweier auf ihr „Teutschtum" stolzen Nationalh.'lden beschäftigte dieser Tage das hiesige Schöffengericht. Tie Anklage richtete sich gegen den Schlosser Alfred Gcrner und den Tischlermeister Gustav Walter. Beiden wurde zur Last gelegt, den Viehhändler Alfred Katzenstein überfallen und derartia .zugerichtet zu haben, daß der Bedauernswerte. dem schwerste Verlctzunaen im Gesicht beige bracht worden waren, in geistige Umnachtnna verfiel und einem Irrenhaus zugeführt werden mußte. Ekwcr der Raufbolde hatte in einem Weinlokal den gerade anivesenben K. „Judenlümw.el" tituliert, weshalb er zur Rete gestellt und mit einigen Ohrfeigen abgefertigt worden war. Auf dem Heimwege wurde Katzcnstciü, dem Rache schon angedrvht worden war. von den genannten Rohlingen überfallen und bis zur Besinnungslosigkeit mißhandelt. Polizeibeamte fanden nach einiger Zeit den Srhwerve-rlctzteir und veranlagten seine Ucbcrfi'ilniing In die Wohnung. Dcr ärztliche Befund war höchst betrübend und führte zu den vbcncrwähuten Maßnahmen. Der Staatsanwalt hatte für jeden der Angeklagten, deren unmenschliches Vorgehen schwere Ahndung verdiene, drei Jahre Zuchthaus beantragt. Das Gericht kam zu einem glimpflicheren Resultat und verurteilte jeden Angeklagten zu drei Jahre Gefängnis, wobei fünf Monate dcr Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet werden sollen. Die Verurteilten wurden auch in Haft behalten. Fürth. lP e n s t o n i e r n n g des Kantors Lübeck.) Am 30. September ist Herr Lübeck ans dem Dienst der Israelitischen KultuSgemcinde mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand geschieden. Mehr als 30 Jahre hat er als Kantor der Hanptsynagoge fungiert und ReliglonSunterricht an den Volksichnten und am Gymnasium erteilt. Seine trefflichen musikalischen Fähigkeiten und seine gründliche musikalische Schulung haben ihm reiche Erfolge eingetragen, die sich besonders bei der Einftthruna dc§ Nürnberger Gebetbuchs bewährt habe«. Im Unterricht wusste er Ernst und Würde zu paaren und die Herzett seiner Schüler für die religiöse Erkenntnis zu erschließen. Dankbar blicken weite Kreise auf den im Dienste bewährten Beamten, -er es verstanden hat. Verständnis des Judentums zu verbreiten und sich die Liebe weiter Kreise der Gemeinde durch die Führung seines Amtes zn erwerben. Diesen Gefühlen gab Rabbiner Dr. Behrens durch die Predigt am Vorabend des Simchas- Thora-Fsttcs leblnften Ansdruck. Wir wünschen dem verehrten Manne nach reichgesegneter Lebensarbeit einen recht glücklichen Rnhestand. Das Bayerische Staatsministerium für Kultus und Unterricht ließ ihm durch das Rektorat des Gymnasiums die Auerlcnnung seiner Dienstleistung aussprechen. Göttingcn. lD e r N o b e l p r e i S t r ä a e r.) Bekanntlich hat Professor James Franck. dcr Ordinarius für Experimentalphysik an der altberühmt'en mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät dcr Georgia-Augusta-Uttiversttät zn Götttttgeu, den Nobelpreis für Physik erhalten. Hierzu schreibt R.-A. Walter ProSkauer (Götttngeii) in der „EV.-Zeitnng": „Groß ist aber auch die Freude der kleinen Göttinaer jüdischen Gemeinde, einen Göttinger jüdischen Professor dieser höchsten internationalen wissenschaftlichen Anerkennuna tcilhaftia zu sehen, und darüber hinaus empfindet eS das aesamte deutsche Judentum mit stolzer.Freude, daß JameS Franck der Mehrer des Ruhms der deutschen Wissenschaft geworden ist. Die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Georgia-Auansta kennt keine völkischen Bestrebungen. Ihr gehören mehrere bedeutende jüdische Gelehrte an. Aber wenn anderwärts der Ruf nach Freihaltttng von jüdischen Lehrern erhoben wird, so» mag neben anderen auch James Franck alS Beispiel dafür dienen, was der deutsche Jude der deutschen Wissenschaft gewesen ist. Franck ist als Nachfolger Devyes hierher gekommen. Debye, der berühmte Atomtheoretiker, hatte in Gemeinschaft mit dem aenialen Mathematiker Havert grundlegende Forschungen über die Struktur der Materie angestellt. JameS Franck mit seinen Arbeiten über den Aufbau der Materie, über die Elektronenstötze. die Gasionen und die Spektralanalyse ist der gegebene Nachfolger seines Vorgängers geworden. Er hat die. Göttinger Tradition gehalten und gewahrt .... Unser Gruß und Glückwunsch gilt aber auch James Franck als deutschem Juden! Doppelt groß ist unsere diese Auszeichnung einem Freunde unserer (der CB.) Sache zugefailen ist." .. .. Hanau. lBc n der israelitischen Volksschule.) Die Regteruug zu Kassel trat Lehrer und Kantor Weinberg aus B»archfeld lGrasichaft Schmalkalden) in aleicher Eigenschalt au die israelitische Volksschule im benachbarten Langen» lelbold versetzt. Bekanntlich war die öffentliche Schulstelle, die vor einiger Zeit unter der Einwirkung des Abbauaefetzebereits aufgehoben wurde, wieder neu errichtet worden. nachdem sich die maßgebenden Kreise um ihre Wieder» heritcllnng besonders bemüht hatten. Hann.-Mündeu lAuszeichnung.) Einem Mitglied der hicsig-cn jüdischen Gemeinde. Professor Tr. Richard Falck von dem mykologischen Institut, der auf Veraulasiung der Abteilung Wohnung und Siedlung und der Abteilung für Pflan^enkraukheiten .in beiden Abteilungen daö Gebiet Hauöschwamm, Hvlzzersetzung und Holzschutz sowie Baum» krankhetten zur Darstellung gebracht lmtte. wurde von der Großen Ausstellung Düsseldorf 1VW für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen lGcsolet! dte Goldene Medaille der Stadt Düsseldorf verliehen. «attowittz. jNach den Stadtratwahlen.) In der Stabt Kattowitz, wo in diesen Tagen die Stadtratwahlcn durchgeftihrt wurden, erlangte die jüdische Liste nur 67K Stimmen, also einen Bruchteil der jüdischen Stimmenzahl tn dieser Stadt. Nun ereignete sich der Fall, daß sowohl die Deutsche als auch die Polnische Partei in Kattowitz gegen die Juden den Vorwurf erheben, sie hätten für die andere Seite gestimmt. An diesem Vorgang sieht man erneut, zu welchen Folgen dte Politik nationaljüdischer Kreise führt. Lampertheim. lG e d e n k t a f e l.) Die hiesige Jüdische Gemeinde hat ihren im Weltkriege gefallenen fünf Mitgliedern eine Gedenktafel gewidmet, die tn feierlichem ttzotteSdienst ihrer Bestimmung übergeben würde. Außer der Jüdischen Gemeinde nahmen auch Vertreter vom Kriegerverein mit der Fahne und andere Abordnungen au dem Meiheakt teil. Rabbiner Dr. Italiener, Darmstadt, hielt eine ergreifende Ansprache, und der Mannheimer Synagogenchor brachte eindrucksvolle Gesänge zu Gehör. Die Feier machte auf alle Teilnehmer nachhaltigen Eindruck. LieKnitz. lDer siebzigste Geb'nrtStag deS Rabbiners.) Zn unserem Bericht sei noch nachgetragen, daß -er Mittelstandsverein der Synagogengemeinde Ltegnitz ebenfalls Herrn Rabbiner Dr. Pcrih zu seinem 70. Geburtstag Glückwünsche überbrachte und dem geschützten Jubilar den Ehreumitglicdsbrief des Vereins, von Künstlerhaud hervorragend gezeichnet und mit dem Emblem des Gotteshauses geschmückt, überreichte. München. lA n t t s e m i t i s ch e s s o n der Universität.) Im nächsten Monat feiert die Universität München daS hundertjährige Jubiläum des Bestehens seit der Uebersiedlung der alten bayerischen, früher in LaudShut und Ingolstadt ansässigen, Universität nach München. Diese Feier wird in großem Itmfalige begangen werden. Wie wir erfahren, sind die Einladungen an die studentischen Kotpvrativnen bereits heransgegangen. Sämtliche jüdischen Korpo» ratlone», einschließlich der „Licaria", der „Iordania" und der „Thnringia", sind von der Teilnahme anSgeschlosien. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß seit Jahren kein ausländischer jüdischer Student air der Universität München immatrikuliert worden ist, während in der Zwischenzeit «ine große Anzahl nichtjüdischer Studenten aus allen Teile» der Welt immatrikuliert wurde. Man führt die letztere Maßnahme auf den juristischen Beirat des Senats zurück, einen Herrn, der auch in der Anti-Schächtbewegung die treibende Kraft sein soll. Der Rektor der Universität München, Prof. Dr. Voller, hat die jüdische Gemeinde ersucht, anläßlich der Hundertmhrfeier dcr Universität München, in der Synagoge einen GMcSbienst zn veranstalten, wie er in den katholischen und eöaugelischen Kirchen veranstaltet wird. Das Ersuchen des an sich sympathischen und offenbar mit der antisemitischen Einstellung der Universität nicht einverstandenen Rektors bringt die Jüdische Gemeinde insofern tn eine Zwangslage, alS die jüdische Studentenschaft, die von der UniversitätSfeier ausgeschlossen ist, auch bereits die Erklärung abgegeben hat, daß sie unter dielen Umständen nicht in der Lage sein würde, dte von der Jüdischen Gemeinde veranstaltete UniversitätSfeier zu besuchen. Eine Entscheidung seitens der jüdischen Gemeinde ist noch nicht getroffen. Wandsbek. lD a s jüdische G e m e t u s ch a s t s » heim.) Im Herbst deS Jahres 1001 vereinigten sich unter der Leitmcg des Philanthropen Gustav Tuch eine Anzahl Männer und Frauen, um eine Institution ins Leben zu rufen, die unter dem Namen „Jüdisches GemeinfchaftShcim" noch heute segensreich wirkt. Nach 25 Jahren erfolgreicher Tätigkeit blicken die Gründer mit Stolz auf ihr Werk, das vielen Freude und Erhebung, den Leitern und Mitwirkenden reiche Befriedigung gebracht hat. Nach dem Muster der Toynbee-Hnllen eingerichtet, bringt «S in vierzehntägigen Zusammenkünften Borträge über wissenschaftliche Themata, zum Teil mit Lichtbildern, Referate über literarische Neuerscheinungen, gute musikalische Darbietungen in reichem Wechsel. Zwei- bis dreimal jährlich finden größere Festlichkeiten statt, bei denen Theaterstücke, meist jüdischen Inhalts, oder größere mnsikaltfche Aufführungen stattfinden. Der Besuch ist stets ein außerordentlich starker. Das Besondere an dem „Gemetuschaftsheim" ist der starke Kontakt zwischen Gebenden und Empfangenden, es ist auch sozusagen eine überparteiliche Institution. da in der Leitung Orthodoxe neben Liberalen, Zionisten und entaeaengcsetzt Gesinnte harmonisch vereint sind irnd so der Jdcoltyp eines wohltätigen Zusammen, arbeitens verwirklicht ist. Aus der Bewegung Berlin. Der Bortrag, den Herr Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann tun 22. November in einer überaus zahlreich besuchten Versammlung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde über „Die Mission des Judentums" hielt, gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung. An Hand historischer Beispiele und literarischer Belegstellen führte der Redner aus, daß der Missionsgedanke dem Judentum ursprünglich keineswegs fremd gewesen ist. Er sei im Gegenteil im Judentum erst erstanden, und es sei die Hoffnung des Judentums und insbesondere die der Propheten, daß das Judentum bestimmt sei, Weltreligion zu werden. Tatsächlich habe auch das Judentum überall in der damals bekannten Welt Synagogen begründet und Missionare entsandte die rasche Ausbreitung, die später das Chrtstentum fand, sei nur dadurch zu erklären, baß dte christlichen Apostel und Missionare die von Juden aufgebauten Organisationen zur Grundlage ihrer Tätigkeit nahmen. Bon den ungeheuren zahlenmäßigen nud gedanklichen Umwälzungen, die die jüdische Mission in der gesamten damaligen Kulturwelt hervorrief, könne man sich heute kaum noch einen Begriff machen, um so weniger, als während des ganzen Mittelalters nnd Vts zur heutigen Zeit das Judentum kein« Mission mehr getrieben' und Proselyienmacherei sogar verworfen habe. Aber auch während dieser Zeit sei das Judentum ein lebendiger Protest gegen Macht und Ungerechtigkeit und ein