Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 48 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die unteren Instanzen sind noch immer antijüdisch eingestellt. Auszugestalten ist die Fürsorge für die Kinder von Ostjuden, insbesondere von Durchwanderern. Es sind jüdische Schulen zu gründen. Die Wohlfahrtspflege ist noch sehr auSbanbedürstig. Der Beschluß des C. B. gegen Keren Hajessod ist zu bedauern. Gewiß ist die Lage in Palästina schwer, aber unter dem Druck der gemeinsamen Not in der ganzen Welt wird sich das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Der Landesverband muß daS ganze Judentum zum Gegenstand seiner Arbeit machen. Rabbiner Dr. Kober lliberal) fordert mehr Kontrolle für die vom Landesverband geleisteten Beihilfen, die Dr. Freund auch znsagt. Weltanschannngsdebatte. Die in der Nachmittagssitznng vom Montag fortgesetzte allgemeine Aussprache gestaltete sich zu einer Art WeltaiischauungSdebatte, die durch die Rede deS Presidenten der zionistischen Vereinigung, Kurt B l u m e n f e I des Direktors des Central-Bereins, Dr. Ludwig H o l l ä n d e r, und des früheren Präsidenten des Verbandes nationaldeutscher Juden. Dr. Peyser, gekennzeichnet war. Woyda lliberal) führt ans. er vermisie in der Finonzverwaltung Demokratie in praxi. Er verbreitet sich über die Einzelheiten des Rechnungsabschluss-es und stellt fest, daß die Richtlinien des Haushaltausschnsses nicht beachtet worden sind Die Gemeinden waren nicht von der Wichtigkeit der Aufgaben durchdrungen. Dennoch ist zu Pessimismus nicht viel Anlaß. Er schließt: Herr Min.-Direktor Dr. Badt bat gestern an Hand von Zitaten aus Zeitungsaufsähen ein Zerrbild des deutschen Judentums entworfen. Das könnte nnS reizen, das hier im vorigen Jahre von seiten der Jüdischen Volksvartei gevrägte Wort: „In deutschen Dingen deutsch, in jüdischen Dingen jüdisch!" etwa an Hand des in letzter Zeit mehrfach erwähnten Buches des Herrn Dr. Kollenscher zu int-erpretieren. Wir werden uns daS versagen, und zwar, weil zu den Ausgaben des Landesverbandes nicht das Halten von Parteireden gehören dürfte. Ich habe den Eindruck, daß die Demokratie im jüdischen Leben auszuarten droht in ein-e Parlameutsspielerei. An die, die den demokratischen Aufbau des jüdischen Lebens wollen, in allen Parteien, richte ich die Bitte, die Schön- und Vielrednerei in ihren Parteiversammlungen sich auStoben zu lassen. In der letzten, schon mehrfach erwähnten Berliner Repräsentantenversammlung standen 63 Punkte aus der Tagesordnung. Die Sitzung dauerte fünf Stunden. Alle 65 Punkte wurden vertagt. Damit dient man nicht den demokratischen Bestrebungen im jüdischen Leben. Wir wollen sachliche Arbeit leisten, damit dienen wir den Interessen des Landesverbandes, der Sache des Judentums. Galewski (Rat) und Kareski (Rat) beantworten kurz die Beanstandungen des. Vorredners auf finanziellem Gebiet. Prof. Dr. Türk sRat) beantwortet die Kritik d-er Herren Dr. Horowitz und Berger bezüglich der Wohlfahrtspflege und der Zusammensetzung des Wohlfahrtsausschusses. Man schreitet nun zur Wahl des Haushaltsausschusses, der sich aus 8 Liberalen, 4 Volksparteilern, 2 Konservativen und eiu-rui Mittelparteiler zusammensetzt. V l u m e n f e l d (oiib. VolkSp.): Der liberale Ein-, bürgerungsantrag sei wärmstens zu begrüßen, allein die liberalen Gemeindevotstände selbst verhalten sich zu jüdischen Ausländern ganz anders. Entrechtungen von Juden durch Inden sind häufig. iGogenrufe bei den. Liberalen.) Wir fordern völlige Gleichberechtigung aller Inden. Den Begriff der reinen Religionsgemeinde haben auch schon Central-Berein nnd Liberale fällen gelassen., der Begriff des „jüdischen Menschen" entwickelt sich neuerdings auch in diesen Krdisen. Wir wollen diese Begriffe'durch den Begriff „Volksgemeinschaft", d. h. möglichste Erweiterung der Funktion der jüdischen Gesamtheit, krönen. Konkrete Forderungen sind: ein Erziehnngsausschnß zionistischer Observanz. Der Redner entwickelt die Weltanschauung , des selbstbewußten Juden, der unbefangen dem lleberkommeuen gegenübersteht. Er fixiert die nationalen und menschlichen Elemente des Erziehungsproblems. Er kehrt dann zu aktuellen Tagesfragen zurück und wehrt sich dag-egen, daß ganze Gruppen von Juden als Staatsbürger diffamiert werden, wie dies in dem öenunziatorischen Kampf gegen Dr. Badt in Erscheinung trat. Der „Abwehrkampf" gegen Antisemitismus enthält Gefahren, wenn er nicht im Zeichen verstärkten Judeseins geführt wird. Interterritoriale Vereinigungen sind jetzt an der Tagesordnung. In diesem Nahmen ist auch die Einianng der Judenheit für den Palästina-Ausbau zu sehen. Wir wollen aber nicht eine mechanische Einheit, sondern ein-e Zusammenballung der jüdischen Energien. Nicht die Quantität tut es. sondern die Schaffung von Werten. Dr. Holländer lliberal) wünscht, daß die Achtung vor der gegnerischen Anschauung sich fester einwurz-ele. Diffamierung geht aber auch von den Zionisten gegen die Liberalen aus. Keiner von den Liberalen hat Badt „denunziert". In Staatsbeamtenfragen sind auch die Zionisten un-einig. Auch Sozialdemokraten waren gegen Badts Ernennung. Der Central-Verein hat in den Fällen Lessing- Hannover und Haas-Magdeburg nicht versagt. Das einigende jüdische Band ist die Religion, dieser gebührt das Primat vor allen anderen Erscheinungen jüdischer Gemeinschaft. Wahrung und Vertiefung der religiösen Güter kann allein die Lebenskraft des Judentums heben. „Sch'ma Jisroel" steht uns höher als „Erez Israel". Wir wollen nicht den revolutionär jüdischen Typus, wie ihn Blumenfcld gezeichnet hat. Wir sind vielmehr tief verwurz-elt im deutschen Volksleben und in der deutschen. Kultur. . Unser Prinzip ist Synthese von Deutschtum und Judentum. Der Aufbau Palästinas ist zu begrüßen, sofern er nicht auf nationaler Grundlage geschieht. Wir wüsten unnötige Kämpfe vermeiden nnd Sandkorn auf Sandkorn tragen zum Bau der jüdischen Ew/gkeit. Dr. Peyser lliberal) stellt zunächst mit B-efricdigung fest, das; der Bolksparteivertretcr diesmal mezt, im Gegensatz zur letzten Tagung, irgendeine jüdische Richtung als außerhalb des Judentums stehend erklär habe. Inden untereinander dürfen nicht Feinde sein, sondern höchstens Gegner. .Blumenfelds Staatsbegrüf ist der eines Nützlichkeitsinstruments, unser Staatsbear iss ist aber der Fichte'scke: Das . ggnze Ich -gehört Staat und Volk. Fühlen wir deutsch,^- so gehört-unsere ganze Persönlichkeit Deutschland und dem.' Deutschtum. - DaS -sind zwei. Welten. Es handelt sich ustknc. heilige Dinge, die nicht bagatellisiert oder banalisiert werden dürfen. Man muß für den einen oder für den anderen Pol. optieren. Aber ob man aus. deutscher Seite oder aus jüdischer Sellc steht, die Waffen müssen auf vornehme Art geführt werden. Ueber die Verhandlungen am Dienstag werden wir noch in unserer nächsten Nummer berichten. Die Vorlage zur Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden wurde in der vorliegenden Form mit großer Mehrheit abgelehnt. Es wurde ferner beschlossen, die Revision des vreußischen Jndengesetzes auf dem nächsten Verbandstag. der im März 1927 stattfindcn soll, zu erörtern. Werbt neue Mitglieder! i Syndtku» Kurt Sab*t$ky Herta Sabatjky geb. Xcamann Vermählte Könlgabg. Pr. KneiphjMnggJS danken gleichzeitig herzlichst für die Ihnen erwiesenen Aufmerksamkeiten Wer inseriert, rergröfterf seinen Umsafzl Konditorei und Cali Feinbäckerei Werner Kumrow Inhaber Paal Donner BERLIN W, Motzstraße 70 u. 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