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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-11-26 · 48 (26.11.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
48 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-«setz wurde vom vorige» Verbandst«- gldringlichste Lus. -ave bezeichnet. Wir müssen verlangen, datz in unseren autonomen Körperschaften sich die Staatsaufsicht aus ein Minimum beschränkt. Der Redner wendet sich der Angelegenheit der Berliner Wahlproteste zu. Er kritisiert einzelne Detail- -eliberale« VahlprotesteS und fragt:' Warum eine Staatsaufsicht in Wahlangelegen« Veiten der Gemeinde? Wir müssen jetzt ein Wahlprüfungö» «cricht für Gemeindewahlen beim Landesverband schaffen. iZusttmmung bet allen Parteien). Wie ist nun der Landes» verband dem dritten Puükt. Schaffung einejüdischen LevenS in den Gemeinden, gerecht geworden? Man must schonungslos sagen: Es herrscht eine heillose Zersplitteruna und eine innere Selbstzersleischung im Judentum. ES gibt heute einen Feind der deutschen Juden: die deutsche« Juden selber. In der Frage der Reform deS bürgerlichen Gesetz. Huches wurden falsche Wege etngeschlagen. Auch in -er Frage deS Schächtens rvar ein hin und her. Man erinnere sich, datz vor KriegSschlutz im Hauptquartier die Parole versucht wurde: Die Juden sind an der Niederlage schuld. Den glei. che» politischen Motiven entsprang die Parole: Deutschtum gegen Zionismus. Die Liberalen befinden sich auf volitische» Irrwegen, ihr Kampf gegen Zionismus nimmt sie mehr ln Anspruch als die Arbeit für das Judentum. Qtt glaube gern, daß Iustizrat Sonnenscld bei Abfassung seine- Briefes gute» Glaubens gewesen sei. Das aber ist gerade das Schlimme: Schon im Unterbewnßtsein ist das Denken vergiftet. Der Kampf um meine Ernennung, setzte Dr. Badt fort, dauerte eineinhalb Jahre. In dieser Zeit kamenaus iüdischen Krei. sen viele Denunziationen gegen mich. Mir sagte ein christlicher Abgeordneter in Gegenwart eines hoben Beamten: Die wissen nicht, wie man mich bestürmt' hat. die Ernennung «nes Zionisten nicht zuzulassen. Es waren aber niemals CHristen, immer nur Juden. Der liberale Antrag auf Er. leichterung der Einbürgerung von jüdischen Ausländern ist sehr lobenswcrr. aber wie behandelt Ihr die Ausländer im jüdischen Gemein-clcben? Dr. Badt führt eine Reihe von Beispielen in rheinischen und westfälischen Gemeinden an und zählt auch eine Reibe krasser Beispiele aus. wie von den Aemtern jüdische Ausländer, die Jahrzehnte in Deutschland wohnen und deren Kinder im Kriege für Deutschland geblutet haben, drangsaliert werden. Der Redner spricht mit Begeisterung von dem jüdischen Aufbau in Palästina und gibt der Hoffnung Ansdruck, daß seine Gegner von heute, seine Freunde von morgen sein werden. Er appelliert an das alte jüdische Ethos, das hohe jüdische Menschentum und bittet, diese zum Äohlc der Gesamtheit oinzusetzen. Hierauf wird die Sitzung ans Montag vertagt. In der Montagssitzung wird zunächst über Verfassungsänderungen verhandelt. Dr. L i l i e n t h a l (liberal) spricht zu den vorgeschlagenen Verfassungsänderungen. Nach Artikel 15 der Berbandsverfassung werden die Abgeordneten auf die Dauer von vier Jahren gewählt. Es wird beantragt: „Die Dauer der Wahlperiode für die am 1. Februar 1625 vorgeuommcnen Wahlen zum ersten Verbandstage wird bis zum 90. September 1020 festgesetzt." Er referiert dann über eine Reihe anderer Anträge zur Bersassnngsändernng und meint, der Rechtsanöschuß werde eine Gesamtrevision Vorschlägen müssen. Er beantragt daher Vertagung der gesamten Materie trotz der Wichtigkeit einer Reform des EtatSrechtS. ES kommt daun zur Abstimmung. Die Vertagung der Vorlage, betr. Legislaturperiode, wird abgelehnt. Die Vorlage selbst findet nicht die für die Verfassungsänderung nötige Mehrheit. Andere Vorlagen werden vertagt. Der Vorsitzende ersucht erneut den Vizepräsidenten, zn amtieren. Die Herren Dr. Ist Kahn (konservativ) und Dr. Kollenscher (Bolkspartei) lehnen diese Aufforderung als eine „Zumutung" .entschjeden ab. ..Es wird bann die Generaldebatte fortgesetzt. R.-A. Dr. Baerwald (liberal) führt aus: Nach den schönen Morten von der schönen hohen Warte auf dem ersten Berbandstage sei eS nunmehr Zeit, in die rauhe Wirklichkeit zurückzukehren und zn prüfen, was tatsächlich geleistet worden sei. Der Redner stellt fest, daß trotz der großen persönlichen Schwierigkeiten, die vielleicht hätten vermieden werden können, viel geschehen ist. Es sei erfreulich, daß es gelungen sei, teilweise zur Deckung der Rabbinergehälter Staatsbeihilfen zu erhalten. Jahrelang hat man uns Inden, die wir doch unsere Stenern ebenso wie die andern zahlen müssen, bei dem Ausgabeetat deS Staates wie ein Aschenbrödel behandelt. Wenn man nicht mit allem zufrieden sei, so liege das zum großen Teil daran, daß der Rat eine zn große Bescheidenheit gezeigt habe. Man habe zu wenig von ihm gehört. Erst kurz vor Einberufung des Verbandstages gelangte etwas mehr von dem, was der Rat erledigt hat, in die Oeffentlichkeit. Nicht einmal das so wichtige Amt deS Pressedezernats sei früher versammlungskalender j M OetHtt—JNrtat. 6e«JH«t» de» 28. November, abend- Hl Uhr: Dritter Gemetndeabenb. Ey«ago-e«r»n-ert als Etz«»nr?ab»Bor1«ier unter Mttwfrknng von Fell? Rodert MenbekrsOh« lCello). SintrittSkorte» -»« Preise »»« 1—- Stark tei Natten»«?-. Lottnmftrnße I! und in ««feiet GeschSstAfte»« A. Lander» Liniestratze 45 («erden 8288.) Liberale Synagoge Norde« si« «nerbach'sche« «gisenhau-, Sch-atzaNser Allee 182). Gottesdienst: Freitag, de» 28. November. 7% Uhr, Predigt Herr Rabbiner Dr. Narben» Elberfeld. Gonnabend, de« 27. November, 18 Uhr. Lhanntkah-otteSbienft ««gleich FestgotteSbienst an- «nlatz he» lljllhrige« Bestehens unserer Synagoge. Freitag, den 8. Dezember, VA Uhr, Sonnabend, den 4. Dezember, 18 Uhr» Sonntag, de» 5. Dezember. 16 Uhr: Chau«kkah»Morgenfete«. An alle« Tage» Predigt: Herr Dr. Salomonski. Berlin—Karlohorft. Sonnabend, de« 27. November, abend» 8% Uhr, i« Gesell, schastshauö, Äarlshorft. Auguste,viktoriastr. 41, Vorfiihrnng deS jüdischen Kulturfilms in 8 Akte«: „Ein FreitagiAbenb". Einleitender Vortrag deS Verfassers de- Films, Herr« Paul Frank, Lharlottenbnrg, „Liberalismus «nd jüdische Wohl, sahrtSpslege". Eintritt frei, Jngendlich« haben Zntritt. BreSlau. Jüdisch,liberaler Jrrgendverein „Abraham Geiger". Gonuabcnd, de» 4. Dezember, abends 8)4 Uhr, im Saale deS Hotels „König von Ungarn", Bischosstr. 18. Chan«kkah,Fest. Lichterwcihc, Festansprache, musikalisch,deklamatorische Darbietungen, Revue in 7 Bildern. Gäste, durch Mitglieder ein» geführt, Willkommen. ■ Dortmund. Montag, den 29. November, abends 84 Uhr spricht i« kleinen Gaal deS Gewerbeoerctns (Snhstraße) Rabbiner Dr. Dienemauu, Ossenbach a. Main, über: „Die Weltkousereuz des liberalen Judentums in London und ihre Bedentnug". Potsdam. Jüdisch-liberaler Jugendvcrein: Channttahsest am 5. Dezember 1926, im Hotel „Stadt Königsberg," Potsdam, Brauerst ratze; Nachm. 4 *A Uhr: Kindertasel mit Veriosung «nd Ueberraschnnge«. Sodann: GesellschastSabend, Mnsikvorträge, Theateraufsührung, Ball. Alle Frennde der Bewegnng find herzlich eingeladen. > Stettin. Montag, den 29. November, abends 8*4 Uhr, in den Räumen der Allemonia-Loge, Friedrich-Earl-Straße 8, Bortrag: George Goetz. Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. v., „Das liberale Jnbentnm und der Zeitgeist". geschaffen worden, obwohl man sicherlich einen sür dieses Amt geeigneter:. Journalisten hätte finden können. Aus dem Gebiete der Wohlfahrtspflege sei so gut wie nichts geschehen. Dafür erhielt man jetzt in den letzten Tagen und Stunden eine Reihe Vorlagen, die nicht so schnell behandelt werden können. Es sei des Verbandstages unwürdig, in dieser Weise behandelt zu werden. Die Ursache sieht Herr Dr. Baerwald darin, daß der gegenwärtige Geschäftsführer trotz seiner vielseitigen Begabung und vieler Verdienste unmöglich in der Lage sei, die ganze Arbeit zu leisten. Namens seiner Fraktion erkläre er, datz er darüber keinen Zweifel lassen könne, daß cs für sie unannehmbar sei. wenn die Geschäfte in der bisherigen Weise weitergeführt werden. Nachdem von Herrn Dr. Freund die Erklärung abgegeben worden war, daß er die Stellung eines Geschäftsführers nicht weiterbehalten wolle, könne seine Tätigkeit in der Vergangenheit mit Milde behandelt werden. Er nehme an, datz vom Rat die Stelle eines Geschäftsführers nunmehr sofort ausgeschrieben werden wird. Demokratie ist nicht identisch mit Zahlenwut. In dieser Hinsicht geschieht manches bei uns zuviel des Guten. Wir «übte» m»S auch davon ge«äh»en. mit weniger Arbeit«-' rraften auszukommen. _ Dr. Baerwald wenbet fich sodann gegen die gestrigen AuSführnngen von Ministerialdirektor Dr. Badt. ES wäre jj« persönlich lieber, wenn er e» nicht nötig hätte, zu den Dingen, die Herr Dr. Badt teilweise vorbrachte, Stellung zu nehmen. Bo« seinen Freunden habe niemals jemand sich mit Beschwerden dennnziatorischer Art an den Minister gewandt. Er persönlich freue sich darüber, wenn auch Zionisten in Deutschland als Beamte tätig seien, jedoch nur bann, wenn sie ihr Amt mit taktvoller Zurückhaltung ausüben. Seiber habe baS Dr. Badt nicht getan, als er hier sich mit Einzelheiten über den Wahlprotest beschäftigte. Anch er begrüße den Vorschlag von Dr. Badt auf Schaffung eines WahlprüfungSgerichtS für jüdische Körperschaften. Wenn Herr Dr. Badt gestern eine Reihe Zeitungsausschnitte vorlaS, in welchen verschiedene Angriffe gegen zionistische Persönlichkeiten enthalten waren, so haba er dazu zu bemerken, er sammle keine Zeitungsausschnitte, er glaube jedoch, daß, wenn er sich damit abgeben würde, es ihm nicht schwer wäre, eine Reihe zionistischer Angriffe vorzubringen, die nicht geeignet sind, die gemeinsame Arbeit zu fördern. Die Zionisten sollen nicht denken, daß nur außerhalb ihrer Mauern der Frieden gestört wird. Sie sollen berücksichtigen, daß sie nicht bas Judentum gepachtet haben, daß auch andere Richtungen im Judentum vorhanden sind, die sür sich ebenfalls baS Recht in Anspruch nehmen zum Kamps für ihre Idee. Der Redner teilt nicht den Pessimismus von Herrn Dr. Badt bezüglich der Selbstzerfleischung des Judentums. Die Inden seien viel zu ausgeprägte Persönlichkeiten, als daß man sie unter eine Marke bringen könne. Alle Richtungen müßten gegenseitige Toleranz zeigen. Auf die Ausführung von Dr. Badt über Palästina zurückkommen-, erklärt Dr. Baerwald, er persönlich würde sich nur freuen, wenn dort alles schön und i» Ordnung wäre. Er begrüße den Ausbau, sofern er aus nicht nationalistischer Grundlage beruhe, und habe auch die Zuversicht, daß auch dort sich die Ideen des jüdisch-liberalen' Judentums durchsetzen. (Starker Beifall.) Dr. Horowitz (konservativ): Der gestrige Auftakt war höchst unerfreulich: es war ein ckies ater. Hoffentlich wird es heute besser. Bei aller Verschiedenheit der Parteirichtuugen muß das Einigende betont werden. Die jüdische Tradition muß durchdringen. Wenn wir sagen „nwo lezion gauel", so ist dies keine Parteisache, sondern Inhalt jüdischen Zukunftsidealö. Rabbiner Dr. Weiße (Mittelp.) regt die Verbreckung von populären Schriften über das Judentum au und wünscht hierfür eine Kommission. Die Unwisienheit nimmt immer größere Dimensionen an. Die Frage der Bezirksrabbinate und Bezirkslchrerstellen muß vom praktischen Gesichtspunkt erfaßt werden. Das Ziel muß sein: jedes jüdische Kind jüdisch zu erfaßen. Rabbiner und Lehrer müssen Hinein in die Jugendbewegung. In den Frauenvereinen ist neben Wohlfahrtszielen wissenschaftliche und religiöse Ausbildung zu betreiben. Er bedauert nochmals die Streitigkeiten und ruft zur Einheit auf, die dem Judentum not tut. Kamm-ergerichtsrat Wolfs (Präsident des Rates): Mit großer Aufmerksamkeit hat der Rat die verschiedensten Wünsche und Beschwerden, die bisher vorgebracht wurden, angeyört. Mau müsse jedoch, wenn man kritisiert, Licht' und Schatten gleichmäßig verteilen. Die Geschäftsführung war nicht von vornherein ganz so einfach, als datz man! gleich große Erfolge erzielen konnte. Der Landesverband war nun mal zunächst ein neues Gebilde mit neuen Problemen. Die Periode der Kinderkrankheiten sei nunmehr vorüber. Allein schon daraus, daß ungefähr 14000 Angelegenheiten bearbeitet wurden, aber uoch mehr aus der schwierigen Qualität der verschiedensten Arbeiten gehe hervor. wieviel erledigt worden sei. Wenn zuwenig über' die Tätigkeit des Rates berichtet worden sei, so verspreche er sür die Folge in dieser Hinsicht eine Abänderung. Auch er müsse an dieser Stelle aus die ungeheuren Leistungen vom Herrn Dr. Freund Hinweisen, -offen viele Arbeiten ein so erfreuliches Resultat hatten. Er bedauere, daß derselbe als Geschäftsführer nicht mehr tätig fein wolle, was daraus zu erklären sei, daß mit dem Ausbau der Dezernate eine Reorganisation vorzunehmen sei. Gegenüber den Klagen, einzelner Vorredner, daß man gegen die rückständigen Beiträge einzelner Gemeinden nicht energischer vorgegangen fei, weist Kammergerichtsrat Wolfs darauf hin, baß der Landesverband keine Zwangsorganisation fei. Man müsse auch dafür an dieser Stelle Verständnis haben, wenn zuweilen auch größere Gemeinden über die Höhe -er Beiträge Beschwerde führen. Es wiranch viel davon abhängen, ob die Arbeit im Landesverband mit Friedfertigkeit -urchgeführt werde, wodurch die ArbeitSfreudigkeit der einzelnen Gemeinden nur gehoben werden kann. Darum richtet: durch diese verachteten Kürzschädel, die Vertreter der inferiorion Raffe des „slomo rckpinu«" erfunden und verbreitet worden zu fein. Verdanken wir ihnen nicht den Getreidebau und die Dienstbarmachuna der Haustiere für den Menschen? Können diese Taten nicht einigen EroberungSzügen, Plünderungen und Schlägereien gegenüber gestellt werben? Haben diese Erfindungen nicht in größerem Matze den sozialen Fortschritt bestimmt, waren sie nicht von längerer Dauer und von größeren Nachwirkungen alz das Schlachtengetümmel der nordischen Raffe? In Asien z. B. gibt es zwischen den verschiedenen Völkern, die man Arier genannt hat, und die die Spuren großer Zivisilationen hin terlaffen haben, viele Kurzschädel, kurzschädlige Arier. „Warum sollte z. B. ein Soziologe nickt die wundervolle Blüte der Wissenschaften am Ende des vorigen Jahrhunderts und am Beginn des 20. Jahrhunderts in enge Verbindung bringen, einerseits mit der Abnahme der lang, schädligen Elemente, und andererseits mit der in verschiedenen Teilen der europäischen Bevölkerung festgestellten Znnähme von kurzschädligen Individuen?" Indem er zur Schilderung der Raffenkunde der europäischen und außereuropäischen Völker schreitet, schickt er folgende Definition des Rassenbegriffes voraus, die einem anderen französischen Gelehrten, Boule, entnommen ist: „Unter Rasse ist zu. verstehen, die Fortsetzung des physischen TypuS. in welchem' sich die Blutsverwandschaft äußert, die . eine wesentlich natürliche Gruppe darstellt, die nichts gemeinsam zu haben braucht und cs im allgemeinen auch nicht hat mit dem Volke. der Nationalität, der Sprache, den Sitten, die sür rein künstliche Gruppierungen zutrefseu. keinerlei anthropologischen Charakter tragen und ihre Entstehung nur der Geschichte verdanken, deren Ergebnisse sie sind." Ans diese Weise führt er die europäischen Völker in Uebereinftimmung mit anderen Anthropologen auf folgende sechs Raffen zurück: nordische oder germanische (Homo Europacus). östliche Raffe, zu der ein großer Teil der Rnffen im Westen und Zentrum Rußlands gehören: Iboro-Insulare-Rasse (Homo naerickioaolir), welche hauptsächlich Süditalien. Sizilien. Sardinien. Korsika und die iberische Halbinsel bevölkert: die früher von Anthropologen keltisch genannte Rasse, welche die mitteleuropäischen Gebirge, einen Teil der Appeninen urrst den Westen Frankreichs bevölkert: atkantisch--mtttel- «eerische Raffe, die im Süden deS BiSeayameerbusenS und tn den an das Mittelmeer anstoßenden Gebieten Spaniens, Arankreichs und Italiens besonders verbreitet ist: -inarische \’-i oder adriatische Raffe (Nordalbanier, Montenegriner. Bosnien. zum Teil Dalmatier). Pangermanlömus, PanflaviSmus. Pauturinismus „können sprachliche Formulierungen sein, die politische Zwecke verhüllen, sie sind aber durchaus keine Ansdrücke für Rassenzugehörigkeir. Die Menschen, die deutsch sprechen, gehören verschiedenen Rassen an. Zwischen einem Pommern an der Ostsee und einem Bayern aus dem Ainmergebirge ist der Unterschied mindestens so «roß wie zwischen einem Pferd und einem Zebra. Was den PanslaviSmus anbetrifft, so schließt er vom Rassenstarrdpunkt aus noch weit verschiedenere Elemente ein." Gewiß, schreibt Pittard an einer anderen Stelle seines Buches, gibt es Rassen, die friedlicher, dagegen aber Rassen, die unternehmender, kühner, kriegerischer als andere sind. Aber? gibt cs eine Sicherheit, daß diese Unterschiede konstante und unabänderliche Raffenmerkmale bilden, daß sie im selben Maße eine ethnische Eigentümlichkeit der Raffe darstellcn. wie etwa z. B. die Hautfarbe? Hat es nicht in der Geschichte Fälle gegeben, wo ein und dieselbe Raffe in gewissen Zeitpunkten friedlich, in anderen eroberungssüchtig war? Kann es eine Sicherheit darüber geben, daß Eroberungen. Invasionen usw. ihre einzige Erklärung in den Eigentümlichkeiten der morphologischen Struktur finden, in Rassendeterminismus? Skandinavien und die Schweiz z. B machten Perioden durch, wo ihre Bevölkerung außerordentlich kriegerisch war. währensie jetzt beide durchaus pazifistische Länder geworden sind. Um ein gerechtfertigtes Urteil über die Ursachen, weshalb ein Volk kriegerisch ist und das andere nicht, zu fällen, gehören noch wissenschaftliche Untersuchungen über eure Reihe von Fragen, z. B. über die Ursachen, welche die sogenannte Völkerwanderung.hervorgebracht haben usw., über die bisher nur Hypothesen geäußert wurden, die mehr oder weniger plausibel sind, aber durchaus noch nicht als wissenschaftlich-kritisch sestgestcllt betrachtet werden können. Es liegt z. B. uvch gax keine stichhaltige Erklärung sür einen besonders bemerkenswerten Einzelsall in der Weltgeschichte, nämlich darüber, „was in Atttca zwischen 500 und 300 vor Christi vorgegangen ist, alS plötzlich ln einer verhältnismäßig so kurzen Zeitperiode eine so wunderbare Ernte berühmter Menschen entstanden ist. Man bat gesagt, eS hätte dort eine Konzentration der besten Raffen stattgefunden, aber welcher Raffen? Man hat vom Einfluß des Milieus gesprochen, aber worin bestehen diese Einflüsse?" Auf diese Weise kritisch, ohne sich von den gewagten Theorien leiten zu laffen, betrachtet Pittard auf Grund rein ani thropologifcher Merkmale die Raffenmischungen der moder^ nen Völker. Ein Kapitel des Buches ist den Jmdcn gewidmet.! Er stellt die Ergebnisse der zahlreichen Messungen der Kör-> pergrötze, des Schädelindexes usw.. die an den Juden der! verschiedenen Erdteile gemacht wurden, und zeigt, wie ver» schieden sie ausgefallen sind. Für verschiedene Länder Euro-' pas hat man für die Körpergröße der Juden Zahlen gefun-' den, die zwischen 1,60 Meter für die Jirden in Warschau und 1,70 Meter im Londoner Westen schwanken. 363 Askenazim» die in London gemessen wurden, wiesen 28.3 Prozent ausgesprochene Langschädel, und 47,4 Prozent Kurzschädel auf. 130 Juden in Südrußlaud zeigten 1 Prozent Langschädcl und 81 Prozent Kurzschädel. Eine Gruppe von 81 Sefardim. die in London gemessen wurden, zeigte 17 Prozent Langschädel. Eine zahlreiche Reihe galizischer und litauischer Juden ergab 8,8 Prozent Langschädel und 83 Prozent Kurzschädel. Jnr russischen Gouvernement Mobil«» wurden bei der Augenuntersuchung 4,9 Prozent helläugige Juden gefunden, während in Wien diese Untersuchung 80 Prozent ergab. In Konstantinopel wurden 69,0 Prozent braune Augen bei den Juden gefunden, in Oesterreich nur 43.9 Prozent. Während von 230 türkischen Juden nur 3 Prozent mit blonden Haaren gefunden wurden, erreichte der Prozentsatz der blondlmarigen unter 644 Juden der Ukraine 13 Prozent und unter 700 Inden in Riga 36 Prozent. Ans diesen starken Variationen aller physischen Merkmale der Rasse zieht Pittard den Schluß, daß „es im zoologischer? Sinne des Wortes keine jüdische Rasse gibt. Tie Juden bilden eine religiöse und soziale Gemeinschaft, deren Bestandteile aber außerordentlich heterogen sind .. . Daher ist auch die Argumentenarmut eines AntisemitisnmS ersichtlich, welcher den christlichen Völkern eine jüdische Rasse entgegensetzen wollte. Es gibt ebensowenig eine christliche Rasse, wie es eine muselmännische Rasse gibt, und ebensowenig gibt cS eine jüdische Rasse." Das ganze Buch ist von der Notwendigkeit durchdrungen» bei der Anwendung dcS RaffenprinzipeS in der Geschichte außerordentlich vorsichtig vorzugehen. „Die Geschichte ist. schreibt Pittard. besonders an diesen Frage« interessiert. Hat nicht Rassenhaß, ein wirklicher zoologischer Haß, der sorgfältig von den Intellektuellen vorbereitet und geschärft wurde, von denen viele den Wert bteser Lügen kennen mußten, im Laufe der Jahrhunderte zu zahlreichen Kriegen An-! laß gegeben? . . . wenn eS so viel Elend auf der Welt gegeben hat. sind wir gezwungen zu sagen, daß es zum Teil i auf die Sünde der Intellektuellen zurückzuführen ist."" >

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