Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 47 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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. Am Abend vereinigte sich die Gepreinde zu einem Fest« «yhl. an dem sich nahezu 280 Personen beteiligten. Der ’ Shnagogenchor eröffnete die Feier mit der — in Liegpitz unbekannten — „Deutschen Keduschäh" und mit dem „Halle» lurah" von Lewan-owski. Dann feierte der erste Borsteher» Jgblonski. den Jubilar als MenM als Seelsorger. Ppedigcr und Lehrer und pries das schöne Perhält, «iß. das in Liegnit) seit, jeher zwischen dem Vorstand und.den Beamten herrscht. Dem Jubilar sind während der.4-1 Jahre seiner Amtstätigkeit von seiten des Bor- Standes niemals Schwierigkeiten bereitet worden. Der Stadtschulrat Dr. Weidemann sprach Worte herzlicher Anerkennung für die Wirksamkeit des Rabbiners als Lehrer und Förderer aller sozialen Bestrebungen in Stadt und Gemeinde und überreichte ein Glückwunschschreiben beS Regiejrungspräsidenten Dr. Pörschel: die beiden Bürgermeister hatten gleichfalls herzliche Briefe gesandt. Rabbiner Dr. V.o g e l stein- Breslau sprach im Namen des Deutschen Rabbinerverbandes sowie der liberalen Rabbinervetetnigung und ehrte den Jubilar als einen Borkämpfer für «me fortschrittliche Entwicklung des Judentums. Dozent Dk. Lew ko w itz-Breslau widmete geistvolle und herzliche Worte im Namen des Breslauer Seminars, dessen Schüler Dr. Peritz gewesen ist. Ein ehemaliger Schüler. Professor Dr; Wölbe-Berlin, dankte dem Jubilar für. das edle Vorbild. das ihm Dr. Peritz einst durch seine ernsteqbgeklärte, herzenssrornme Persönlichkeit geboten habe. R.-Äß Pick-Liegnitz weihte sein Glas dem glücklichen Familienleben des Siebzigers. Dann sprach Rabbiner E l l g u t h e'r- Ne.iße als Jugendfreund, Schul- und Studiengenosie. Prediger Le de rma n n -Glatz als dankbarer Kollege. Gerührt dankte Dr. Peritz seinem Herrgott, seinen Ettern und Lehrern, seiner. Familie, seiner Gemeinde und allen, die itzül Lies „Erntefest" durch ihre liebevolle Anteilnahme vex- ,schönten. Frl. Judith Peritz, eine gefeierte Künstlerin, lang.Lieder von Beethoven, Schubert und Brahms: Frl. Krieg erfreute durch vollendet-schöne Solotänze. Au bemerken ist noch, daß die Musik während der Tafel auch das „Königsgrenadierlied" spielte.- während seiner Amtstätigkeit hat-nämlich Dr. Peritz 1884/88 bei^ den Königsgrenädieren sein Iahabgedicnt. ^. u* München. (D i e F r o n t de rlAtzü ch t g e g n e r.j Der Münchener Tierschutzverein, der sich/ als. Gegner des jüdischen rituellen Schächtens hervortut, teilt mit: In den . letzten Wochen haben folgende Verbände deutscher Tierärzte gegeü das betäubungslose Schächten Stellung genommen , und. den gesetzlichen Betäubungszwang für alle Schlachtungen ohne Ausnahme verlangt: Ter „Reichsvcrband praktischer Tierärzte" .ans. ferner diesjährigen .Hauptversammlung in Düsseldorf einstimmig, der „Reichsverband der deutschen Gemeindetierärzte", in dem u. a. nahezu alle Schlachthof- .. Aerätzte Deutschlands zusammengeschlossen sind, auf seiner .Hmrptvcrsammlung in Düsseldorf mit überwältigender Mehrheit und die „Landesgruppe Bayern des Reichsverbaydes .der deutschen Geweindctierärzte" mit allen gegen eine. Stimme. ' ' Wien. lH o f r a t P r o f. Dr. F r a n k f u r t e r 70 I a h r e alt.j Hofrät Prof: Dr. Frankfurter, der bedeutende Gelehrte auf dem Gebiete der römischen Philologie, Epigraphik und Archäologie und langjährige Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, beging heute bas Fest seines 70. Geburtstages. Prof. Dr. Salvmon Frankfurter, der ein Abkömmling großer rabbinischer Gelehrten in Deutschland und Ungarn ist, widmet sich mit Hingäbe jüdisch-kultureller Bestrebungen, wie dem „Jüdischen Museum", in dessen Kuratorium er seit. 1908, jetzt seit 1920 old Präsident, wirkt. Er ist auch Mitglied der historischen Kommission der. Wiener - jüdischen Gemeinde und Vizepräsident der Jüdischen Bölkerfür Oesterreich. Er ist ferner Mitglied des Küra- .. Wriums der Israelitisch-theologischen Lehranstalt und Kon- 7Huleut' für jüdische Angelegenhetten. im ttnfctridjföminr* Jreriürn. Wien. lJ ü dis che. Un ive r fitä.t svortesu ng e n.j .Das. Rektorat der Wiener. Universität reservierte einen Höxsaal für das Maimonides-Jnstitut zwecks Abhaltung einer längeren Serie von Vorlesungen über judaisttsche Themen im Verlaus des Wintersemesters. Es ist dies -das erste Mal, datz eine Universität in Oesterreich jüdischen Privatgelehrten ..einen Hörsaal zur Verfügung stellt. Aus der Bewegung ' Berlin. (I ü d if ch ° l i bu ra l e r Inge nüverei n.) Am 11. November fand in der Fafanenstratze die allgemeine Novembervoranstaltung des Jüdisch-liberalen Jngendvereins statt. Das Themn »rar: Unser Verhältnis zur Umwelt. Zur Einleitung der Diskusston hielt Rose! Löwenstein ein kurzes Referat. D-as Wesentliche daraus war. daß wir uns bemühen sollten, keinen Anlaß zum Antisemitismus zu gehen, wenn auch damit keineswegs gesagt sein soll, daß wir deshalb unser Judentum irgendwie unterdrücken wollen. Jedoch müsse man es immer überlegen, ob denn jede antisemitische Regung es verdiene, bekämpft zu werden. In diesem Punkte begann die Diskussion, indem die Versammlung recht geteilter Meinung über die Bekämpfung des Antisemitismus war. Die einen traten dafür ein. sich unter keinen Umständen auch nur eine geringfügige Anfeindung gefallen zu lafsen, die andern lehnten eine prinzipielle Festlegung ab und wollten nur dann einen kraftvollen Widerstand, wenn sich in einer antisemitischen Aeußerung ernsthaft einesolche Gesinnung ausdrücke. ' Aus der Versammlung selbst wurde außerdem noch eine andere Art von Bekämpfung vorgeschlagcn: Wir sollten endlich aus unserer Abgeschlossenheit, die wir entweder aus einem gewissen Ueberlegenheitsgesühl. oder aus Angst, oder aüß Ueberempfindlichkeit nicht übermiuden können, herausgehen und unö bemühen, mit christlichen Kreisen in Verbindung zu kommen. Sogar sollten wir eine persönliche Verbindung mit Antisemiten nicht von Anfang an ablehnen: denu — und das war eigentlich das wertvolle Resultat unserer Diskussion — wir hal^n als Juden gleichsam die Mjssion, unfern Gegnern durch persönlichen Verkehr zu zeÄen. daß fw in ihrem Urteil über den Inden unrecht haben. Frankfurt a. M lF r c i s i n n i g e i: V e rein f ii r j ü d r s ch e s Gemeind e l c b e n.j Die diesjährige Generalversammlung fand am 4. November statt, und vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des Vereins. Herr Dr. Rudolf Geiger, der während des Vereiusjäyres durch den Tod ausgeschiedenen Mitglieder und insbesondere des Herrn Mar Wertheimer, der lange Jahre hindurch Ehrenvorsitzender war. ferner des Vorstandsmitgliedes Frau Bertha Simon-Hvlzmaün und des Ausschuß- Mitgliedes Herrn Justizrat Dr. Ernst Auerbach. Er schilderte in kurzen Zügen die Verdienste, die sich alle drei um de« Verein erworben haben. Ti« Anwesenden hatten sich zum ehrenden Angedenken der Verstorbenen von ihren Sitzen erhoben. 'Es folgteJ'oögun dcx.Geschäftsbericht des Herrn Schriftführers Richard Schvttensels. sowie der Kassenbericht des Käffenführers. Herrn Albert Cohsn. Ans Antra» des letzteren wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. . Herr Dr. Geiger gab ferner bekannt, daß das langjährige Vorstandsmitglied. Herr San.-Rat Dr. Ludwig Hanau, aus Gemndheitsrücksichten sich leider entschlossen habe, aus dem Vorstand auözuscheiden. Die verbleibende« Vorstandsmitglieder wurden durch Akklamation wieder neu und für die ausgeschiedenen Herren Dr. Hanau und Fra« Simon-Holzmann Herr Ober-Reg.-Baurat JuliuS Lohen und Frau Marie Bloch-Offenheimer neu in den Vorstand gewählt. Der Ausschuß wurde durch Zuwahl der Herren Studien-Dtrektor Dr. Otto Driesen und Rabbiner Dr. Gottschalk ergänzt und ebenfalls die beiden Revisoren durch Akklamation wieder neu gewählt. — In Anbetracht der Neu» belebuna des JlI. hatten die Statuten eine andere Fassung zu erhalten und wurden letztere neu gefabt und von den Anwesenden angenommen. Es wurde ferner beschlossen. den Verein gerichtlich eintragen zu lafsen. Im Anschluß daran gab der Vorsitzende bekannt, datz der Verein beabsichtige, obwohl der erste Gesellschaftsabend .finanziell nicht sehr günstia abgcschloffen habe, im Laufe des Monats Februar voraussichtlich einen zweiten Gefellschaftsabend zu veranstalten. Halle a. S. Am Sonntag, den 7. d. M., sprach Herr Rabbiner Tr. Kahlbcra ln der Ortsgruppe der liberalen Bereinigung über den Begriff des Glaubens in der jüdischen Religion in der Synagoge. Er zeigt«, daß. das Judentum im Gegensatz zu den anderen Religionen der Pslichtenlehre gegenüber dem Glauben eine erhöhte Bedeutung zuerkenne. Die wenigen in der Mischunä formulierten und von den Religionsphilosophen ausgestellten Glaubensartikel geben durchaus keinen Anhalt dafür, daß unsere. Religion Dogmen im eigentlichen Sinne des Wortes kennte Sie ist vielmehr die freieste aller Weltanschauungen. Wenn auch die Auffassung, die Moses Mendelssohn in seinem „Jerusalem" vom Judentum vertritt und die Kants größte Begeisterung hervorgerufen hat, unserer Anschauung nicht ganz entspricht, so bleibt doch wahr: „Größte Freiheit in religiösen Dingen, das ist Judentum." Die wegen der Ungunst der Witterung leider nicht sehr zahlreich Erschienenen lauschten den Ausführungen des Redners mit sichtlicher Ergriffenheit. Köln. Am 11. November sprach hier in einer großen öffentlichen Versammlung Herr Rabbiner Dr. Caesar Scligmann aus Frankfurt a. M über die Londoner Weltkonserenz des liberalen Judentums. Die Konferenz selbst ist in diesen Blättern oft genug besprochen worden, und es soll hier nur ausgeführt werden. daß Herr Dr. Seligmanns Vortrag getragen mar von der frischen Erinneruna an das überaus farbenbuute und eindrucksvolle Erlebnis in London. Seligmann faßte den inneren Gehalt der Konferenz in folgender Forderung zusammen: Fort mit dem alleinherrschenden Rationalismus in religiösen Fragen. Kampf gegen Verneinung und Gleichgültigkeit! Ehrfurcht vor der Vergangenheit! Herstellung eines religiös durchwehten Familienlebens! Keine Gesetzesreligion, aber auch kein Religionsgesctz! Zeitgemäße religiöse Formen! Freiwilligkeit im religiösen Tnn! Recht des Individuums! Gott darf nicht nur der Gott unserer Väter sein, sondern unser Vater, zn dem wir „Du" sagen dürfen! Es ergab sich alles in allem genommen ein fruchtbarer Positivismus. der berufen ist. dem Liberalismus neue Kraft, auch neue Werbekraft, znzusühren. In einer feierlichen Entschließung ließ man die Arbeit ausklingen. Herr Dr. Scligmann hrtte die Hörer bis zu Ende in Bann gehalten Sie wären in Feiertagsstimmung heim-! gekehrt, wenn nicht Herr Prof. Scheftelowitz in der Aussprache häßliche und unbegründete Angriffe gegen den Liberalismus gerichtet hätte. (Sem zumeist aus Jugendlichen bestehendes Gefolge klatschte ihm Beifall. Vielleicht bemüht sich Herr Prof. Scheftelowitz einmal fcstznstellen, wie viele unter Men den Sabbath nach der von ihm als verbindlich anerkannten Vorschrift noch-haltenJ Herr Dr. Heinz Frank, der in bebannt kräftiger und prächtiger Art gegen Prof. Scheftelowitz vom Leder zog, aber auch Herr Dr,. Seligmann in seinem herzerfrischenden Schlußwort erteilten dem Redner eine gründliche Abfuhr. Darauf schloß der Vorsitzende, Herrn Dr. Seligmann noch einmal herzlich dankend and die Bedeutung Londons noch einmal hervorhebend. die Versammlung. Wiesbaden. In einer Versammlung der Ortsgruppe Wiesbaden der Bereinigung für das liberale Judentum, die unter Vorsitz des Herlm Direktor Dr. Goldstern stattfand, referierte Rabbiner Dr. Dienemann. Offenbach, vor außerordentlich zahlreicher Hörerschaft aus allen volitischen und religiösen Lagern der Gemeinde über die liberale Weltkonfercnz in London, und zeigte seinem anderthalb Stunden hindurch unermüdlich lauschendem?lnditorium die Perspektiven eines nach Verinnerlichung, strebenden und um positive Leistung ringenden Liberalismus. Ein neues Mädchenwohnheim. Bei der Tagung des jüdischen Frauenbundes in Düsseiöorf wurde von verschiedensten Seiten die Notwendigkeit betont. AusbildungSmöglichkeiten für junge Mädchen zu schäffeu. bei denen sie nach gesetzestreuen Vorschriften leben können. Es wurde aber sestgestellt, daß Neugründungen von Schulen wegen der großen erforderlichen Mittel sowie wegen fehlender Lehrkräfte zur Zeit unmöglich seien. In erster Linie war an hauswirtschastliche Ausbildung im weitesten Sinne gedacht, aber auch alle anderen Berufsausbildungerc sind für indische junge Mädchen, die vom Land oder aus Orten ohne Fachschulen stammen, sehr erschwert. Es wurde der Beschluß gefaßt, um diese Schwierigkeiten zu beheben, in einem Ort mit einer staatlichen oder gleichwertigen Haushaltungs-, Handels- und Gewerbescchcle ein Heim zu schaffen, in dem die in der Ausbildung befindlichen Mädchen wohnen können. Am geeignetesten hierfür erschien Rheydt, da die dortige staatliche Handels- und Gewerbeschule eine anerkannt gute Lehranstalt ist. die die verschiedensten Ausbildunqsmmrlichkeiten bietet. Sie umfaßt eine Haushaltungsschule, eine Gewerbeschule, höhere Handelsschnle. höhere Fachschule und Seminar zur Ausbildung von Gewerbelehrexinnen. Die Hanshaltungsschule vermittelt in einjährigem Kursus gründliche hauswirtschaftliche Kenntnisse, und ihr Besuch erleichtert den Eintritt in das Seminar, das immer sehr überfüllt ist. Anschließend ist eine Ausbildung als Hansbeamtin oder Hausbaltpflegeri'! v!öglich. Die Gewerbeschule vermittelt eiuerseits eine gute Grundlage in den weiblichcu Handarbeiten, andererseits erseht sie eine Schnerderlebre. Die höhere Handelsschule dient der oründlicheu Ausbildung der jungen Mädchen, die sicb den Bern? der Handelsangestellten gewählt baden, außerdem dient sie als Grundlage für den Besnch der Handelshochschule und der Ausbildung als Diplomhandelslehrerin.' . Die höhere Fachschule tritt Ostern an die. Stelle der technischen Semina''e, fix bildet die Vorbereitung für das Gewerbesennnar: dock sind Ostern 1027 leine Plätze mehr frei. Rheydt bietet also vielgestaltig'' Möglichkeiten; als besonders ausschlaggebend bei der Wahl kavr noch die vom ganzen westlichen 'Gebiet leicht zu erreichende zentrale Lage hin^u. Nach Ileberwindung vieler Schwierigkeiten ist es nun gelungen, eiir schönes Haus mir Garten zu mieten und eine aeeignete Leiterin für das Heim zu linden. Es ist beabsichtigt, das Heiur so zu führen wie knrS der Schule anaeschlvsiene Pensionat, auch der Pensionspreis soll.ungefähr derselbe sein. Damit das Heim, daS eine' große Erleichterung in der AnAbildnng bringen wird, erhalten «»erden kann) ist eS nötig, -aß Anmeldungen von Pensionärinnen bald erfolgen. Alle Anfragen wegen Aufnahme in -te Schul« und auch in daS Heim sind zu richten an Frau Ruth Stern, Rheydt lRheinlandj, VierhauSstraße 8.' Anmeldungen für die Schul» kurse müssen bis zum. SO Dezember erfolgt sein. Allen jungen Mädchen, die Ostern aus der Schule entlasten werden, ist hier eine Gelegenheit guter, gediegener Aus. bildung gegeben, ohne -ab sie dabei -te sonst gewohnten Schwierigkeiten der Verpflegung haben. Die Leitung des Heimwird bemüht sein, den jungen Mädchen einen vollwertigen Ersatz für da- Elternhaus zu schaffen. Mine Meyer, Düsseldorf. Zusammenschluß der Rabbiner Südwestdeutschlands. Auf verschiedenen Konferenzen, die in letzter Zeit di« badischen und hessischen Rabbiner gemeinsam mit württem» bergrschen und pfälzischen Kollegen hatten, wurde der Wunsch geäußert, datz sich die süddeutschen Kollegen, ähnlich wie die rheinisch-westfälischen, oberschlesischen und mitteldeutschen, zu einem südwestdeutschcn Provinzialverband, der einen Teil des Allgemeinen Rabbinerverbar^des in Deutschland bilden soll, zusammenschließen mögen. Dieser Wunsch war die Mederaufnahme von Bestrebungen, wie sie vor dem Krieg insbesondere von Nobel und Seligmaun in Frankfurt a. M. unternommen worden wardn und schon damals zu dem Zusammenschluß geführt hätten, wenn nicht der Krieg 'dazwischen gekommen wäre. Nunmehr aber übernahmen Hvrowitz und Seligmann, Frankfurt, in Verbindung mit Italiener, Darmstadt, die Vorbereitungen aufs neue und beriefen zum 7. November d. I. die konstituierende Versammlung nach Frankfurt ein. Seligmann. Frankfurt, begrüßte als provisorischer Vorsitzender die erschienenen Kollegen nebst ihren Frauen. Er wies darauf hin. datz kaum ein anderer Beruf so sehr zur Isoliertheit verurteilt sei wie der des Rabbiners, insbesondere an kleineren Plätzen. Darum sei ein Zusammenschluß der benachbarten Kollegen zum geistigen, Gedankenaustausch, zur Wahrung gemeinsalüer Intereffen und vor allem auch zur Pflege edler Geselliakeit, die zur Freundschaft zwischen den Kollegen und ihren Familien werden solle, eine innere Notwendigkeit. Selbstverständlich solle der Vorort und der Vorstand in jedeirr Jahre wechseln, damit nach vielen Gemeinden und zu vielen Kollegen die lebendige Kraft getragen werde, die von solchen Versammlungen ausgehe. 'Bor dem Eintritt in die elgentliche Tagesordnung fragt Wreschner, Bad Homburg, an. ob dieser Provinzialoerband unter allen Uckständen auf' jenem V-odeu des 8 16 der Satzungen des Allgemeinen Rabbincrverbandes stehe, der es den konservativen Kollegen ermögliche, dem Verband ohye Gewistensbcdenken sich anzuschlietz-en. Der Vorsitzende antwortet, daß dies eine Selbstverständlichkeit iein mttste: er hoffe aber, daß nicht bloß ein Satzungsparagraph, sondern der Gemeinschaftsmille und der Herzenstakt die Brücke zwischen uns allen schlagen werde. Nochmals aber wolle er versichern, daß die Satzungen des Allaemcinen Rabbinerverbandes für jeden Provinzialverband verpflichtend sind. Von dieser Erklärung nahm der Anfragende mit Befriediguna Kenntnis. Hreranf folgten die drei Vorträge, die von einer Frühstückspause unterbrochen wurden, wobei die Frauen der Bnebris-Logen in liebenswürdiger Weise, die die Gastfreundschaft Frankfurts aufs neue in helles Licht fetzte, die Wirtinnen machten. Auch für die gastfreie Unterbringung derjenigen Kollegen und Kolleginnen, die von weiterer Entfernung kamen und.übernachten mußten, hatten die Damen ..glänzend gesorgt, , Der erste Vortrag.von Rabbiner Dr. Schlesinger; Buchaü. behandelte das „Prohlem der' Säkularisteruna des JlMntüms". Dieses Problem bedeutet die Frage, ob das moderne Judentum als Religion oder als areligiöses Volkstum zu gelten habe. Trotzdem die Tatsachen die letztere Auffastung nahezulegen scheinen und auch von den mit di-vser Frage sich' beschäftigenden Theoretikern — Klatzkin. Israel Lcvy. J-sak Breuer. Julius Guttmann — zustimmend oder ablehnend so gedeutet werden, ergibt die kritische Betrachtung eiu anderes Bild. In Wahrheit liegt nicht Säknralisierung lBerweltlichung). sondern Erweiterung des durch dt« Ungunst der Bcrüältniffe allmählich zur Sphäre bloßer Religiosität verengten Judentums vor. die das historische Wesen des Judentums, die jüdische Religion lim Gegensatz zu bloßer Religiositäts. die Totalität des Judentums unter der-B'rithidee und B'rithocrfassung überlmupt erst wieder wirklich werden läßt. Darum ist die moderne Erweiterung des Judentums und jede entsprechende Bestrebung, vor allem der Palästinaausbau zu fördern, unter Gelten-^ Problems bleibt aber die Tatsache des Schwächerwerdens der persönlichen jüdischen Religiosität und die Frage, wie hier Besserung möglich ist. , Der tiesgründige aktuelle Vortrag fand allgemeinen grvßell Beifall und regte das Verlangen an. den Bortrag bald gedruckt zn sehen. Auch die Diskussion, an der sich insbesondere Dienemann, Offenbach: Maybanm, Bingen: Horovitz, Frankfurt: Wreschner. Bad Homburg: Grünervald. RiÄnnheim: Sander. Gießm, beteiligten, ergab eine Reihe fruchtbarer Anregungen. Der zweite Bortrag wurde von Rabbiner Dr. I. Ho to« pitz über Josiph Omez gehalteu. Das Buch und sein Verfasser waren weiten Kreisen seit langem bekannt als der klassische Ueberlieferer des Frankfurter Minhag. Die Bedeutung des Werkes für die Geschichte der Frankfurter jüdischen Gemeinde, die weittraaende Wirkung, die Joseph Hahns Persönlichkeit nach vielen Richtrlngen hin geübt bat, seine hervorragende Bedeutung als So.zialethiker und Erzieher ist znnl erstenmal durch das Buch „Frankfurter Rabbinen" erschlossen worden. Ter Redner ernnriteri dieses Bild nach verschiedenen Seiten hin, zum Teil auf Grund einer Handschrift des BucheS. die er herauszugeben beabsichtigt und für den Druck schon größtenteils vorbereitet hat. Der Vortragende zeigt, wie Joseph Hahn zum Schriftsteller wurde dadurch, daß er zunächst einen Auszug aus dem kabbalistisch-ethischen Werke «Roschith Chockmo", den sein Vater begonnen hatte vollendete. Die Richtung dieses Buches bestimmte seine ganze weitere praktische und schriftstellerische Tätigkeit. Joseph Hahn scharte 18 junge Leute um sich, die er zu einer Art von Tngendbund vereinigte. Der Einfluß des kabbalistischen Kreises von Safed auf diesen Bund ist nicht zu verkennen. Obwohl von Haus aus kein Kabbalist, hat sich doch Joseph Hahn dem Einfluß der Kabbala auf die Dauer nicht entziehen können. Bestimmend in dreier Hinsicht wurde ein Sendbote, der daurals von Safed aus Deutschland bereiste und auch hier in Frankfurt a. M. war. Dauernde briefliche Verbindung mit den Gelehrten des Heiligen Landes bestärken diesen Einfluß. Da- Buch läßt uns erkennen, wie alles dazu, beigetragen hat, den Boden vorzubereiten für die iabbathianische Bewegung, die später auch nach Frankfurt Übergriff. Wenn Joseph Hahn auch 'manche kabbalistischen Wundergeschichten in seln Buch ausuimurt. so ist es doch im wesentlichen der edelste ethischreligiöse Gehalt der Kabbala, den er mit dem ganzen überlieferten rabbinischen WisienSgut vermählt und in einer wunderbaren Weise in seiner eigenen Persöslichkeit tut