Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 47 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Darstellung bringt. Der Bortrag belegt öaS an einzelnen interessanten Beispielen. Neu« MtnLagim lehnt Joseph Hahn im allgemeinen ab. Eine Ausnahme macht er nur bezüglich der 6 Psalmen die entprechend der sechL. Wochenragen zum Eingang des Sabbat rezitiert werden, ivwie des Liedes Lecho dodi. das er in bedingtem Sinne zulätzt. und das bei ihm zum erstenmal in der jüdischen Literatur Erwähnung findet. Als Gründer bedeutsamer sozialer Institutionen der Gemeinde, als Prediger und als der Bertrauensmann aller hat er sich in den aufgeregten Zeilen der großen Rabbinerversammluna vom Jahre 160-3. des Fettwilchschen Aufstandes und während der Wirren des 90jährigen Krieges unvergängliche Verdienste um den Zusammenhalt der Frankfurter Gemeinde erworben. Viele seiner Forderungen, so unter anderem die. Wanderlehrer auf das flache Land zu schicken, damit die Inden auf den Dörfern mit den Bestimmungen des Religionsgesetzes vertraut gemacht werden, sind leider heute so aktuell wie damals. Der gedruckte Josiph Omez, der erst nahezu ein Jahrhundert nach dem Tode des Verfassers erschienen ist, uiimmelt von Druckfehlern, die sein Verständnis oft sehr erschweren. An einem interessanten Beispiel zeigt der Redner, wie die in seinem Besitz befindliche .Handschrift uns in die Lage setzt, wichtige Daten richtig zu fixieren, die auf Grund des bisherigen Textes nicht eruiert werden konnten. Ebenso bringt der Redner zwei Stellen zur Kenntnis, in denen die Handschrift unseren Text in sehr bedeutsamer Weise ergänzt. Das eine Mal handelt es sich um eine Sage, die den Sagenkreis erweitert, der sich au die Persönlichkeit Simons des Großen ans Mainz anschließt, das andere Mal um eine Darlegung, die uns Joseph Hahn, den Apologeten, zeigt, der auf Reisen Nichtjuden gegenüber die Wahrheiten und die Größe des Judentums darlegt kraft seiner innigen Frömwigkeit, seiner tiefen Vertrautheit mit dem jüdischen Schrifttum und den Urschriften des Christentums. Unter den drei Regeln, die Joseph Hahn denjenigen gibt, die das Wort der „Sprüche der Väter": „wisse, was du zu erwidern hast" mahrmachen wollen, befindet sich auch die, daß der Verteidiger des Judentums die Evangelien kennen müsse. Die ebenso gelehrten als interessanten Ausführungen des Redners wurden nicht nur von den Frankfurter, sondern von allen Kollegen mit dem lebhaftesten Beifall ausgenommen. In einem dritten Vortrag, der sich mit der Frühgeschichte der deutschen Inden beschäftigte, behandelte Rabbiner Tr. S. Lcvi. Mainz, das Thema: „Die alten judis ch e n Grab st eine in M a i n z als Dokumenterabbinischer Autoritäten." Nach einer einleitenden Darstellung der Geschichte der alten Grabsteine und des unter dem Rainen „Jndensand" bekannten ältesten jüdischen Friedhofs legte der Referent die Bedeutnna der großen Mainzer Meister dar. welche von der ttebersicdluna des Mallouimos von Lucca nach Mainz an bis zur ersten Vernichtung der Gemeinde im Jahre 1006 als Lehrer in Mainz gewirkt und das geistige Leben der Juden bestimmend beeinflußt haben. Wenn auch die Grabsteine mancher Größen ans jener Zeit noch fehlen, so war doch durch die Steine des Meschnllam Den Kalloniinos, des Simon den Jsak bar Rbbnn. des Rabbenu Gerschom bar Jehuda. des Jakob bar Zakar und des Jakob bar Menachem ein Dokumentenmaterial gegeben, das dem Referenten Stoff lieferte zu einer anschaulichen und fesselnden Schilderung der Vor- Kreuzzugszeit. Unter Heranziehnna von Quellen aus Raschis Kommentaren, aus den Toßphot, aus der Gntachtenliteratur. ans Selichoth und Kinnoth mies e* die Bedeutung der genannten Lehrer und ihrer Umgebung auf dem Gebiete der Exegese. Masora. Lexikographie und Kommentierung biblischer und talmudischer Texte, für die Bestimmung der Sitte und des Religiousges-etzes nach und zeigte, rvie'aus den Werken der großen Lehrer auch Aufklärung über geschichtliche Vorgänge zu gewinnen ist. Seine Anregung. dieses bedeutungsvolle Gebiet jüdischer Geschichte in den Tätigkeitsbereich des neugegründeten südwestdeutschcn Rabbinerverbandes einzubeziehen und insbesondere das Leben und das Werk des langjährigen Mainzer Rabbiners Maharil, dessen 5,00. Todestag uns das Jahr 1927 bringt, zum Gegenstand der Bearbeitung zn machen, fand, wie der Vortrag selbst, der auch neue Ergebnisse brachte, den nngcteilten Beifall der Kollegen. Zn der Versammlung waren 25, Kollegen, darunter 0 mit ihren Frauen, erschienen. 42 Kollegen haben ihren Beitritt erklärt, 7 haben ihr Fernbleiben von der Versammlung mit amtlicher Verhinderung entschuldigt. Zum Vorsitzenden für ein Jahr wurde Seligmann. Frankfurt, znm Schriftführer Friedmann. Frankfurt, gewählt. Die nächste Versammlung soll in Baden, voraussichtlich in Mannheim, stattfinden. Ein gemütliches Zusammensein der Kollegen und ihrer Frauen bei gemeinsamem Abendessen bildete den Schluß der an Anregungen reichen, alle Teilnehmer voll befriedigenden Tagung. { BÜCHERSCHAU Aus Vergangenheit und Gegenwart der Israelitischen Gemeinde Worms. Von Samson Rothschild, Lehrer an der Stadtschule zu Worms a. Rh. Sechste vermehrte und verbesserte Auflage. Mit sechs Pliototypien. I. Kauft* mann Verlag, Frankfurt a. M., 1620. Preis broscli. 2 M. (K) Seiten. Auch der sechsten Auliagc dieser anspruchslosen und anziehenden Zusammenstellung der Wormser jüdischen Denkwürdigkeiten muß man Glück auf den Weg wünschen. Es enthält außer einer kurzen Geschichte der Wormser Juden eine anschauliche und verständnisvolle, durch bildliche Darstellung unterstützte Schilderung der ehrwürdigen Baudenkmäler dieser uralten Judengemeinde. Der Friedhof und die Synagoge, die bis ins 11. Jahrhundert zuriickreichen. Frauenhaft, Raschikapelle und das Archiv mit der Sammlung wertvoller Urkunden, Handschriften, Wimpel und künstlerischer Kullusgegenstämle werden besonders demjenigen, der diese lebendigen Zeugen der Vorzeit einmal an Ort und Stelle gesehen hat, wieder plastisch ins Gedächtnis zurückgerufen, und so wird jeder Freund der Wormser und aller jüdischen Altertümer gerne in dem Büchlein blättern. Eine Sammlung der eigenartigen und teilweise tief ergreifenden Sagen und Legenden, die Juspa Schamesch in seinem „Maaseh-Nissim“-Buch zur Zeit des dreißigjährigen Krieges in einem heule noch erhaltenen Originalwcrk niederleglc, bildet eine willkommene und abschließende Ergänzung. Besonders wohltuend, das mag um einer prinzipiellen Bemerkung willen hervorgehoben werden, berührt die Schlichtheit und Unaufdringlichkeit der Darstellung, ganz im Gegensatz zu der heute leider vielfach üblichen ä-tout-prix- Yerherrlichung jüdisch-miUclalterlicher Kunst. Man sollte sich endlich darüber klar sein, daß die Bauwerke und Gebrauchsgegenstände, die aus dem Judentum des Mittelalters uns erhallen sind, wohl hohen historischen und Pieläts-Wert haben, sprechende Zeugen der eigenen Vergangenheit sind, daß sie aber als Kunstwerke, vom kunslgeschichtlichen oder ästhetischen Standpunkt aus gesehen, nur Brosamen vom Tische des Reichen, Abfälle aus der ungeheuren Fülle katholischen oder maurischen Kunstschaffens sind. Es gibt keine eigenartige jüdische Kunsl <le,s Mittelalters, es gibt nur eine Benutzung der vorherrschenden Kunslmotive einer Zeit für die besonderen iitry?Hen Zwecke. So ist das bruchslückhaft erhaltene Synagogenportal in Worms eine Nachahmung des Domportals, sind die ältesten Grabsteine Steinmetzversuche in gotischer Form. Lediglich das ungeheuer pietätsbetonte Beharrungsvermögen des alten Judentums, das im Jargon das mittelalterliche Deutsch konservierte, führte zu der merkwürdigen Erscheinung, die oft fälschlich als jüdisch, künstlerische Eigenart gedeutet wird, daß nämlich einmal angenommene Kunstformen durch Jahrhunderte wenig oder far nicht verändert innerhalb der Ghettomauern erhalten lieben, während das Kunstschaffen der nichtjüdischen Welt draußen immer neue Wege einschlug, ohne das jüdische Handwerk und Bauwerk neu zu beeinflussen. Dr. Erwin Seligmann, Frankfurt a.M. Der tote Jude. (Forts.) Von Doris Wittner. Nachdruck verboten. — Copyright fejr Cretkleln & Co., GL m. b. H., Leipzig- Wieviel heimliche Feinde ein Mächtiger hat, — froh der Gelegenheit, ihrem Hasse freie Bahn zu schenken — wird der Mächtige erst wissen, wenn die Macht seinen Händen entgleitet. Und er wird dann staunen ob der erschreckenden Zahl. Der Kaiser Napoleon staunte eigentlich nicht. Er war allzeit zu sehr Menschenverächter gewesen, um überrascht werden zu können. Nur wurde er in diesen Tagen peinliche Gefühle wie von Beschmutztsein und Ekel nicht los. — Den Heldentaten der Blücher und Gneisenau und Bülow und Yorck, die auf fremder Erde um Freiheit und Ehre ihrer Heimat kämpften, hatte er, der große Sachverständige der Walstatt, den Respekt nie versagt. Mehr als das, sein unversiegliches Genie hatte sich an diesen großen Werken des Mannesmutes neu entzündet und hatte die Chimäre gekost, selbst nach den letzten französischen Niederlagen und der aus ihnen erwachsenen Entmutigung seines Heeres, doch noch mit den geringfügigen Truppenkörpern, die ihm verblieben. zum Entsatz aufzurücken, eine glorreiche Schlacht zu liefern und Paris von den fremden Eroberern zu befreien. Aber der Schelmenstreich von Essoune, der Abfall des sechsten Armeekorps linier dem General Souham und ftem Oberbefehl des mit Schwarzenberg bündelnden Marmont — kurz, der Verrat der eigenen Leute, hatte die letzte Aktion und die letzte Aktivität des Giganten gelähmt. Es war nun so weit. Alexander weilte als Gast des Fürsten von Benevant — Seines diplomatischen Ratgebers — im Palais Talleyrand. Friedrich Wilhelm 111. führte die biedermannische Genugtuung vaterländischer Wiedergeburt in den Straßen von Paris spazieren. Franz II. aber, dem primitive Anstandspflicht, zwar nicht verwehrt hatte, die leibliche Tochter vom Throne zu stoßen, wohl aber verbot, die Residenz dieser entthronten Tochter aufzusuchen, harrte mit seinem glatten Metternich zu Dijon der Entschließungen, die die die Verbündeten über das Schicksal seines Schwiegersohnes, seiner Tochter und seines Enkels fassen würden. Und noch einmal kam „Er“ — jeder Zoll ein Cäsar — ihnen zuvor: „Da die alliierten Mächte erklärt haben, daß der Kaiser Napoleon das einzige Hindernis für die Wiederherstellung des Friedens in Europa sei, so erklärt der Kaiser Napoleon seinem Eide treu, daß er für sich und seine Erben auf die Throne von Frankreich und Italien Verzicht leistet und daß es kein persönliches Opfer gibt, selbst das des Lebens, das er nicht dem Interesse Frankreichs zu bringen bereit wäre. — Gegeben im Palast zu Fontainebleau, den 11. April 1814." Er hatte die große Geste gefunden, die seiner allein würdig war. Seine eigene Feder hotte es geschrieben, ohne daß die marmorne Hand gestockt hatte bei dieser Handlung wider die Natur. Europa hatte seinen Willen. Es konnte seine erschütterten, geborstenen Throne wieder zurechtzimmern. Und die armen geängsteten Potentaten würden wieder ihren sorgenfreien Fürstenschlaf schlummern. Auch in Kassel hatten die Dinge den Lauf der Natur genommen. Eines Großen Sturz reißt vieler Kleinen Fall nach sich. Als David Danielos goldgepackte Wagen in Westfalens Residenz einrückten, fuhren sie mitten in den Tumult eines scheidenden und eines wieder Iieimkelncnden Regenten. Wider die Natur oder zum mindestens wider jede Überlieferung schien nur die Tatsache, daß Volkes Liebe lind Volkes Opferwilligkeit sieh ostentativ um den gestürzten Herrscher drängten, während den legitimen Throninhaber, von etlichen beflissenen Hofschranzen und Si>eichelleckern abgesehen, nur finstere und widerwillige Mienen grüßten. David Daniele trat ein letztes Mal vor Jerome. Einige der schwer gefüllten Säckel seiner Beutewagen brachte er mit. Mit höhnischer, geringschätziger Gebärde schleuderte er die Säckel dem König zu Füßen. „Ihres letzten Auftrages Erfüllung, Sire!“ Dann ausbrechend, Schaum vor dem Munde: „Wie ich Euch vorausgesagt, Euer Bettelmajestät als Zehrpfennig auf den Weg!" Jerome, sonst leichthin impulsiv, zum Guten wie zum Bösen, lächelte nur unendlich amüsiert, kraft jener inneren Freiheit, die über Menschen und Dinge triumphiert: „Armer Schelm, bleibst selbst in dieser Stunde nur kläglicher Schacherer und Wucherer. Ich brauche Dein Gold nicht. Ich verlasse dieses Land reicher als ich es betrat. Dort draußen — und er wies auf die Menschenmauer, die ehrfurchtsvoll und sehnsüchtig zu seinen Fenstern emporblickte — steht mein Reichtum, mein Stolz. Du aber geh nur einige Türen weiter; der legitime Landesvater wird Verwendung haben für Leute Deines Schlages. Da heifits, mit Men$chenfleisoh zu handeln. Und das ist ja wohl, wie ich mir habe sagen lassen, ein Dir nicht völlig fremdes (Jewerbe. Soll ich Deinem Gedächtnis ein wenig auf die Spuren helfen? Ehe du avanciert warst zum höfischen Rechenmeister erlauchter Standesherrn, sollst Du Dich ja auf die ganz sonderbare Alchimie verstanden haben, aus rotem Mädchenblut und weißem Mädchenfleisch das kostbarste Feingold zu münzen. Freilich, vor derlei schwarzer Magie mag weder der weise, gottesfiirchtige alte Mann zu Amsterdam, noch seine Jungfer Tochter die geringste Ahnung gehegt haben . . .“ Jetzt war der Vcnetianer aus seiner halb gebückten Stellung vor dem König blitzartig emporgeschncllt, und, wählend seine Hand mit ebenso atemloser Behendigkeit ein blitzenden Etwas aus dem Gürtel gerissen, drang er auf jerome ein mit den Worten: „Genug der Schmach, jetzt ist die Buße an Dir: jetzt werde ich Dir die Abrechnung machen, und Du wirst mir die Schändung meines Ehebettes bezahlen, königlicher Schuft." Aber der Venitianer hatte vergessen, daß vor ihm ein ... Korse stand. Ein Korse, gewohnt. Blut mit Blut zu löschen. In der Hand des Königs funkelte bedrohlich der schon aus der Sclicklc gerissene Dolch, nach dem Jerome-.gegriffen, noch während der Andere schmähte und er seinen tückischen Gegner keinen Pulsschlag hindurch aus dem Auge, gelassen hatte. Mit eisiger Kälte setzte Jerome die Spitze dieses Dolches jetzt dem erblaßten Sonnino auf die Bruft und sprach dazu: „So, nun ist's genug. Dein Maß ist voll. Hast Du geglaubt, weil ein König vor Dir steht, würde er sich der hündischen Kreatur in Dir nicht versehen, nicht wissen* was von Dir zu gewärtigen sei? Hast Du gewagt, mich für dümmer zu halten, als Dich und Deinesgleichen? Aber sei's drum! Der Galgen der Deiner harrt, mag anderen Ortes errichtet werden. Ich hübe gelobt — dem Engel, den das Schicksal in grausamer Ironie zwischen die letzte Ausgeburt der Menschheit und mich gestellt hat — Dich ungestraft Deiner Wege ziehen zu lassen. Und ich hätte wohl auch ohne diesen Schwur picht Hand an Dich gelegt, in der Furcht, die Hand von solcher Berührung nie wieder reinigen zu können. Außerdem weiß ich, Du bist gestraft. Du, dpr Schätzeschacherer, der Juwelenhändler von auserlesenem Verständnis, Du weißt heute, daß Du einmal im Leben ein Kleinod besessen hast, so rein, so lauter, so unau$denklieh kostbar, wie kein anderes auf Erden existiert. Und hast es trotzdem in den Kot der Gasse geworfen, hast es bespieen, voll ohnmächtiger Wut, daß sein reiner Glanz nicht zu trüben gewesen; daß seine sceliche Sauberkeit und Vornehmheit in der Welt sollte bestehen können, der seihet Deiner Verworfenheit nicht den Garaus hat bereiten dürfen. Heute gilt jeder Deiner Gedanken, jedes Deiner Gefühle diesem unwiderbringlich verlorenen Kleinod. Heute haderst Du mit Dir ob Deiner eigenen kleinlichen und erbärmlichen Rachsucht gegen die Menschen, die Dir und Deinesgleichen von Deiner Geburt an Fehde gekündigt hatten, und denen Du zu eigener ewiger Schmach ein Opfer von so unerme& lichem Wert in den Rachen geschleudert hast. Du bedarfst keiner Strafe von mir, denn Du bist fest und unlöslich ge- schmiedet an die Galeere Deiner Gewissensnöte und Deiner Leidenschaft zu der Toten, die der Lebenden zu gestehen. Du nicht wagtest, weil Dein Fluch war, alles erniedrigen und beschmutzen zu müssen, was das Verhängnis Dir gesellte. Also — Dein . . . Gotteslohn geht mich nichts mehr an. Aber noch eine Kleinigkeit haben wir miteinander zu erledigen. Noch übe ich Befehlsgewalt hier im Hans und im Lande. Ehe Du zu Deinem neuen Herrn überlaufen kannst, den Du schon im voraus vorsorglich bedient hast, wirst Du ein Werk vollziehen, das ich Dir hiermit anbefehle. Es ist mir bekannt, Daß Du nicht nur diese paar kläglichen Säckel Goldes für Meine „Bettelmajestät" mit Dir gebrächt hast, sondern daß vielmehr Wagen über Wagen, beladen mit Gold und jeder Art irdischen Gutes draußen harren, die Du — „in königlichem Aufträge“ — anderen Wehrlosen erpreßt hast. Wohlan, ich werde mich nicht entehren und verunreinigen dadurch, daß ich auch nur eine Münze all Deiner Schätze an mich nehme. Hingegen wirst Du hier, M Anwesenheit zweier Notari, unverzüglich ein Dokument entwerfen, wonach diese gesamten Kostbarkeiten ohne Säumens abzuführen sind an die nur Dir vertraute Wirtin ein«* gewissen verrufenen Schenke zu Aachen. Ich kenne ihren Namen nicht, sonst würde ich ihn Dir in die Feder diktieren, ich weiß nur, daß es eine Nacht gegeben hat, in der nie Gutes getan hat an jener, um die ich trauere, und um die Du Dich zerfleischst. In ihrer Todesstunde noch hat jene Sterbende dieser Frau aus dem Volke gedacht. Was di&&s mir unbekannte Weib also tat, kann mithin nicht aufg^wdgen werden durch das wohlfeile Gut, womit Du Dich Uet Deinem neuen Herrn und Gönner cinzuschmeicheln ge*' dachtest. Ich lasse die Notarii jetzt kommen, das Schriftstück wird aufgesetzt und von Dir eidesstattlich unterfertigt. Weigerst Du Dich auch nur eines Atemzuges Dauer, so läMe ich Dich, wie es Dir gebührt, in den Block schließen und öffentlicher Gaudi an den Pranger stellen, wohin Du billigerweisc gehörst. Geschieht jedoch alles nach Ordnung und Recht, so hast Du Deine Freiheit wieder und magst dem neuen Herrn mit alter Knechtseligkeit dienen. Mein Reisewagen steht bereit; er wird mich durch das flammende Europa unversehrt in Deine Heimat geleiten, wo die schwarzen Wasser von St. Michele auch mir heute ein Hcimatslied weinen. Bei den letzten Worten des Königs drang aus David Danielos Brust ein Wimmern und Winseln, ein Röcheln, däs nichts menschliches mehr an sich hatte, und das in sein«« grauenvollen Selbstentäußerung Steine hätte erweichen können. Es war zum andern Mal der letzte Notruf der m unnennbaren Qualen sich aufbäumenden Kreatur, der Kreatur. die Judith Pereiras Gemahl geheißen hatte: Ja, Steine hätten diese Laute wohl erweichen können. Nicht aber König Jerome, der du Korse war und sich um seine „Vendetta“ betrogen sah. (Schluß folgt.) vir. IN MEN- GEN 09.1 NEM KIN NES NER SE* KÖST- DEI- SCHEN DEI- IST UCH- QUELL DIE FLÜ- DEI NEN DIR HAU- DER DEM DEI- SIE IST GEL NER TE DH* DA DENS US WON- DEI TRÄN- SICH 3ES TBN AN DES KET FÜL- SIE NE SCHAU LE- GOTT DEN IM WIR DB DIE DER- SICH SCHAT LICHT O LA GEN EN GNA- * (Auslosung der Rätsel in nächster Nummer.)