Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 47 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Alicen zu führe», und das; .nur der Standpnnkt reiner WMnschast die Voraussetznna dazu hüte. Hierauf sprach Herr Professor Dr. Elbvgen: Berlin, über „Moses Mendelssohn, die religiösr und politische Einbürgerung der Juden" und entwarf ein fesselndes Bild von den Triebkräften, die zur bürgerliche»» Gleichberechtigung der Opdcn in Deutschland geführt haben. — Den nächsten Vortrag ' hält am 25. November Herr Rabbiner Dr. Bog e l stL i n, BreSlau, über das Thema: „Abraham Geiger und die religiöse Reform des Judentums". D»t Vorträge finden stets Donnerstags, abends 6 llhr. im Hürsaal 185 der Universität statt. Der Eintritt ist frei. Gäste sind willkommen. Berli«. lBortragsabend des ReichSbuudes jüdischer Frontsoldat»:n.) Der 'stellvertretende Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Herr Oberst Heimanysberg, spricht am Mittwoch, dem 24. November 1826, , abends 8 Uhr. beim. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, , Bezirk Nqrd. über; „Die Polizei im neuen Staate". Der Vörjrag findet in den .Prachtsälen am Mcirchenhrunnen, Ai» , Friedrichshain 28—32. stgtt. Es wird interessant sein, die Ausführungen des stellvertretenden Kommandeurs, eines Praktikers, welcher sich um die Organisierung der Pvkizri im heutigen Staate besonders verdient gemacht hat, zu , hpren, E i n t r i tt u n r gegen Einlaßkarten, welche . im Bureau des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Bilrgstraß'e 26, Zimmer 10II, und in sehr beschränkter Anzahl zu haben sind. .. Berlin. jFvrt bi l onn gskursns für jüdische Lehrer und Lehrerinnen.) Die Wissenschaftliche .Bereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin beabsichtigt, in der Zeit von Sonntag, den 26. Dezember .1926, nachmittags, bis Donnerstag, den 36. Dezember 1926, abends, Ferien - Fortbildungskurse in Rrligionswifse«- 'chaften abznhalteir. Lehrer und Lchrerinueu, die an den Kursen teilnebmen ' wollen, wollen sich rechtzeitig mit den für sie zuständigen Verbänden oder Gemeinden in Verbindung setzen, damit sie von diesen eine Subvention erhalten, weil die Wissei»- schäftliche Vereinigung in diesem Fahre wahrscheinlich außer billiger Verpflegung und Unterkunft nickt viel wird bieten können. Anfragen sind r,n richten an: die Schriftführerin. Frau Auguste RosenthalEndwig. Berlin NW 62, Calvinstraße 20. Cassel. (Synagogen j n b : l ä h ui.) Die israelitische Gemeinde Brenna beging am vergangenen Samstag das VOjährige Bestehen ihrer schönen Smiagoge. Cassel. (A u s d c m Ge mein belebe n.) Der kürzlich hier verstorbene Rentner August Wertheim bedachte in seinem Testament den Israelitische,, Armenverein. dessen Vorstand er viele Jahre angehörte, mit 256 Pfund Sterling und das Israelitische Waisenhaus mit 306 Pfund Sterling. Der kürzlich iieuernamitc Gemeindevorstelrer S. Sv-eier wurde in feierlicher Sitzung durch den. KreiSvorsteher Lieberg in sein Amt eingeführt. Seinem Vorgänger, Herrn Leo Lazarus, der, wie schon erwähnt wurde, aus Gesundheitsrücksichten zurücktrat, sprach der Vorsitzende des Geineiydeältcstenkottegiilms, Rechtsanwalt Dr. Kahensteiri, herzlichen Dank für die während fast eines Vierteljahr- Hunderts geleistete, ersprießliche Arbeit ans. Herr Lazarus, den die ihm erwiesene Ehrung sichtlich gerührt hatte, erwiderte mit der Versicherung, daß e» auch knnstiq den Vorgängen innerhält' des Gemeiudcvorstaudes sein Interesse bewahren werde. Auch sein Amtsnachfolger bekundete den ernsten Willen, das ih»r» iibertragenc Amt nach besten Kräften zu verwalten. Dresden. <G e m c i » d e ly a b l e n u h h c Antisemiten.) Im Gegensatz znden Ländtagswahleu. del denen . -N ati o n a lsozi a l iste»» zwei Mandate erlangten, haben die nÄYpschiedenen äiltisemitischen Splitterparteien bei den Gemeindewahlen äusfalleno schlecht angeschnitten. Außer in Plauen, das zur Zeit als reaktionäre Hochburg zu gelten hat, ‘ werden die Nationalsozialisten nur noch in wenigen sächsischen Gemeinden — und daun mit höchstens ein bis zwei Sitzen — vertreten sein. In Chemnitz gibt es zukünftig einen, in Leipzig überhaupt leinen Antisemiten mehr. Am bemertenswertefton ist das Ergebnis in Dresden, . dessen .Stadtverordnetenkollegium bisher nicht weniger als fünf Antisemiten angehörten, darunter der erst in diesen Tagen wegen eines schwebenden MeiueidverfahrenS vom Amte suspendierte Lehrer Blumentritt. Bei den am letzten Sonntag abgehaltenen Geweindewahlen erlangten die Dresdener Antisemiten, die mit Blumentritt an der Spitze als Völkischsoziale Arbeitsgemeinschaft aufmarschiert waren, indes nicht ein e i n z i g e S S t a d t v e r o r d n e t e n m an d a t. . Emden. M. GeV u rtstag.) In erfreulicher körperlicher und geistiger Frische und Regsamkeit konnte der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Philipp Meyer, unter reger Teilnahme weiter Kreise seinen 86. Geburtstag festlich begehen. Geber«. (Sy n ag o g e u -I u b i l äum.) Die hiesige kleine jüdische Gemeinde ^konnte kürzlich die Sechzigjahrfeier ihrer Synagoge festlich begehen. Das Gotteshaus trug aus diesem Anlaß festlichen Schmuck, und erbauliche Ansprachen gaben dem denkwürdigen Tag den erhebenden Charakter. Lehrer Bauer hatte beim Freitagabend- Gottesdienst eine tiefempfundene Ansprache gehalten, und Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld aus Gießen hielt am Morgen des Fest-Sabbats die dem Ehrentag angepaßte Predigt, in der er uamentlich auf die wechselseitigen Beziehungen von Synagoge und Haus hinwies. Der seit Einweihung -er Synagoge bestehende Synagogen-Männerchor trug durch angemessene Gesangsvorträge zur Verschönerung der eindrucksvollen Feier bei, die dadurch noch an Bedeutung gewann, daß manche Teilnehmer, die den Tag der Einweihung erlebt batten, sich dieses Freudentages auch erfreuen durften. Hamburg. (Das Jubiläum de» Handwerke ro r g a n i s a t i o n.) lieber die Feier anläßlich des zwanzigjährigen Bestehens des Vereins selbständiger jüdischer Handwerker, ans das wir bereits in unserer vorigen Nummer vermiesen hatten, schreibt der „Hamburger Korrespondent": Ter Verein selbstä»»diger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender beging am Sonntags das Jubiläum seines 20jährigen Bestehens mit einer öffentlichen, Feier im Logenüeim. Hartungstraße. Der Männerchor der neuen Dammtor-Synagoge sang eingangs unter Leitung Josef Ranrbams einen Chor von Drechsler. Hierauf bot Oberkantor Mar Feder einen Gesang von Mendelssohn. Sidonie Berghoff von der Lehrlingögruppe sprach einen Prolog, der die Ehre des Handwerks leierte. Der Vorsitzende des Hamburger. Vereins. Bernhard Heinemann, begrüßte die anwesenden Mitglieder und Gäste herzlichst, unter ihnen Dr. Nathan. Rechtsanwalt David und Wolfromm von der Gewerbekammer. Louis Wolfs, der Vorsitzende des Berliner P rüder- Vereins, hielt eine umfangreiche Festrede, in der er die bedeutenden Ziele des Vereins eingehend würdigte. Nicht nur wirtschaftliche, sondern auch religiöse und soziale Momente waren bei der Gründung deS Vereins ausschlaggebend, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, zu zeigen, daß auch der Jude eines ehrbaren Handwerks fähig sei und gleichwertig und gleichberechtigt nn großen Wirtschaftsprozeß stehen wolle und könne. Nicht die Masse macht es, sondern eine menschlich wertvolle Arbeit und Existenz. Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker ist das Kind einer bedrängten. Zeit. Kampf, Sorge und Kummer waren seine Paten. Der Redner gedachte in herzlichen Worten der beiden unermüdlichen Förderer des Vereins: Bernhard - Heinemann und Eduard Berlin, durch deren gute Leistungen der Verein erstarkt sei, allen Widerständen zum Trotz. Die Wirtschaft ist das kostbarste Gut der Deutschen, das einzige, das unser Volk wieder festigen kann. Darum darf kern politischer. Haß, kein Glaubenshaß in die Bernfsvertretnngen getragen. werden. Starker Beifäll dankie dem Redner, dessen Worte Rechtsanwalt David mit einigen treffenden Bemerkungen über Wert und Würde des jüdischen Handwerks ergänzte. Namens der Gewerbekammer überbrachte Wotsromm dem Verein zu seinem Jubiläum beste Glückwünsche. Die Gewerbekammer kennt keine GlaubenSuntcrschiede, sie will allen Gewerbetreibenden Helsen. Möge der Be rem stch weiter zum Besten unserer Vaterstadt eulwrckel». tcre Gratulanten sprachen Frau Dr. Zadick vom Jugendamt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Ravvmvr Dr. Holzer und Ruhr iBerlin) vom Berliner Borständ. Die Frauengruppe des Vereins überreichte einDrschbanner» die Lehrlingsgruppe einen Fahnennagel. Zum Schluv zeigte die Lehrlingsgruppe recht orlginelle lebende Bildssr. der verschiedenen Handwerke. Mit einem Chor Rambams klang die schlichte Feier auS. Kitziugeu. lTo des fälle.) D»e hiesige Gemeinde hat in wenigen Tagen zwei um die religiösen Angelegenh^wn verdiente Mitglieder ihres Vorstandes verloren. In ©cn* jamin Stern befaß sie einen edlen, charakterfesten Vertreter ihrer Interessen. Mehr als 30 Jahre hat er das Amt des ersten Vorstehers bekleidet, und seine Ernennung ^znm Ehrenvorsitzenden beleuchtete am besten die allgemeine Wertschätzung und Anerkennung seiner ersprießlichen Arbeit, ->- Wenige Tage nach dem Heimgang dieses trefflichen Manne» wurde Eduard Sonders ans vielseitiger, der Allgemeinyelr nützlicher Tätigkeit gerissen. Auch er bekundete für alle Fragen der jüdischen Gesamtheit das lebhafteste Interesse und stellte seine wertvolle Kraft gern und freudig in '.den Dienst der Gemeinde, deren Vertrauen ihn fett mcleit Jahren in den Vorstand berufen hatte. Als führende Persönlichkeiten waren beide Männer zeitlebens hochgeschätzt und geehrt: ihr Andenken wird auch nach dem Tode im Herzen vieler unauslöschlich fortleben. Köln. lRektorwahl.) Die städtische Schulöepukatwu hat Herrn Emil Kahn, zur Zeit in Leipzig, zum Rettor der hiesigen israelitischen Volksschule gewählt. .. Der, Genannte stammt aus Kleinbordorf lBaycrn), hat das Würzburger Lehrerseminar besucht und im Jahre 1M4 die. exfte Lehrerprüfung abgelegt. Nach praktischer Lehrtätigkeit an jüdischen Schulen in verschiedenen Orten Süd- und Westdeutschlands, auch des Auslandes, hat er den Krieg witgemacht und bekleidet zur Zeit eine Stellung alschauptamtlicher Lehrer an der Höheren Israelitischen Schule. m Leipzig. Im Jahre 1825 hat er die Mittelschnllehrerprüfung bestanden. Herr Kahn, dem der Ruf eines ausgezeichneten Pädagogen voransgeht, steht im 42. Lebensjahre. Köln. (U it t v c r f 11 ä 16 n o r l c f u n g l lieber das Thema: ..Das Judentum in seinen geschichtlichen Grundlagen" hält im Laufe des Wintersemesters Gemeinderabbiner Dr. Kober an der diesigen Universität eine öffentliche Vorlesung. Laudsberg a. d. W. iE r r i ch t u rr g e i n e s n e u.e n j ü d > s ch e n M i t t e l sr a n d - B l l e r s h e i m s.) Per Provinzialverband Brandenburg für jüdische Wohlfahrtspflege eröffnet in allernächster Zeit ein nach modernen Gruubsäyeu geleitetes, rituell geführtes Mittclstandö-Alter.sheim in Landsberg an der Warthe. Aufnahme finden jüdische Damen und Herren, die das sechzigste Lebensjahr erreicht haben und aus Brandenburg, der Grenzmark, den abgetretenen Gebieten und Berlin stammen. Tie monatlichen Pslegesätze betragen 75 bis 86 Mark, welche tcUweisc von den Aommunalvcrwaltungen als ' Alters- oder Sozialrente angeforbert werden können. Sehr schnelle Meldungen, denen eine /geeignete Einpfehlung beizusügen ist, sind zu richten an Herr» Tr. Di. Dalomonski. Berlin W 16, Bcndlcrstraße 18. Lieguitz. iK u n d g e b u n g für Dr. Per i tz.) ZHer 76. Geburrstaa unseres Rabbiners Dr. Peritz <nrcht ^Pewitz", wie irrtümlich gedruckt) gestaltete sich zu einen den Jubilar wie seine Gemeinde in gleicher Weise eyreuden Kundgebung. In der Mittagsstunde fanden sich neben Hunderten von Privatpersonen, Abordnungen des/ Vorstandes und der Repräsentanten der .Silesia-Loge, des Frauenvereins, der Chebra Kadischa, des Altersheims, des Jüdisch-Liberal e u V e r e i ns. der . zipnistMen Ortsgruppe und des Bundes der Frontsoldaten eifi. Äm Namen der ehemaligen .Schüler überreichte . P i n tjotöcr. neben einer Ehrenspende eine.mit Huüd'erre» von Unterschriften bedeckte Adresse sowie ein ^Marmor- Schreibzeug. Die katholische Geistlichkeit sowie W' Leyrer« kollegien der höheren Schulen hatten Vertreter entsandt: von den 12 evangelischen Geistlichen der Stadt gedachte nicht einer des Rabbiners! ^ranz Werfels neues Drama: „Paulus unter den luden". Der jüdische Lyriker Franz Wersel, der, wie wenige Dichter unserer Tage, um eine gcmkithaftc Erneuerung unseres Seins ringt, hat ein „historisches Dramas ans der Entstehungszeit des Ehristcntums geschrieben: „Pauliis unter den Juden." In München, Köln, Breslau und anderen großen Städte»« ist das Werl bereits anfgesülirt worden, und oo»! überallher wird die arrßerordentlich große Bühnenwirkung des Stückes gerühmt. Da es Mar Reinhardt für das Deutsche Theater ebensalls angenommen hat, werden wir es wohl auch bald i»t Berlin zu sehen bekommen. Vorläufig liegt uns Berliner»» nur die Buchausgabe vor. und so können wir »venigstens Inhalt, Idee und Fvru» dieser »dramatischen Legende" keuuenlernen. Ebenso »vie in „Maximilian und Jirarez" »müder Dichter äuch hier seiu hinorisck-drarnatisches Pensum erledigen nnd statt eines gefchichtlicheu Dranms — lebendig dramatisierte Geschichte geben: aber diesmal verflicht sich seine Gestaltungskraft au einem ungleich gewaltigeren Swss. —• Die Zeit, in der das Stück spielt, Jerusalem »rach der Bekehrung des Sant»«s zum Paulus, gilt als eine der schicksalserustesteii in der menschlichen Geistcsueschichte: galt emst als der entscheideiide A»ige»»bl»ck, in dem das Ehristentuu»! sich von feiner Mutterwelt loslöste. Heute »vissen wir, daß I dieser Bruch sich erst gera»tme Zeit später vollzogen hat, iiiiö die historische Forschung der letzten Jahrzehnte hat »venigstens eiiiige uinimstößliche Tatsachen festgestcllt, vor allen» die, daß die sogerrannte»» authentisch-historischen Nachrichten »nit Bezug ans jene Zeit, z. B. die Berichte des Jofephus Flnviuö. später hineingesälscht sind, ferner, daß die Dinge sich nicht so abgespielt haben, wie sie die chriftologische.Ideologie gern darstellen »uöchte. Werfel rvrll nun gern eine dichterische Begründung der Legende gebe». Er versllcht es, indem er deu Kamps des Paulus um. die Ent»»a1ioualisjernng der Ehristrrs-Idee mit dem Schüler-Lehrer-Kouflikt Paulus-Gamuliel. der sich säst zu cincin „seetischen Weltkrieg" answüchst, verbindet. Dabei begeht er nun allerdings dieselbe Ungerechtigkeit, wie etwa Harnack, der de»» .ltümps des ju»»gen Ehristentnms mit dem Iudentrrm als eine Art Antagonisrnns z»vischen wahrer göttlicher Liebe »»»cd in engherziger Weise falsch verstandenem göttlichen Gesetz deutet. Daß' WerselS Stück »nailcherte» hvhc dichterische Schönheiten enchält.. daß der Dialog mit ciudringlicher Leiheuschaftlichkeit oft bis zu erjchütterrvder Größe dramatisch-wuchtiger Diktivn aufstrebt, ist bei einem Dichter n»ld Sprächformer 'vom- Runge Werfels sel-bstverstäu-ölich. Mit knappen Strichen ist die Stimmung jener schicksalSschwallgereri Zeit entworfen. Das unglückliche Judäa wirrdet sich unter den Qualen der Fremdherrschaft. Borzüjglich ist der römische Laudpfleger Maruttuö, ein Urbild jener verwünschten Diplomatenvligueu. die soviel Unheil in der Welt angerichtet haben, gestaltet. Aentzerlich freundlich und konziliant, innerlich listig und doppelzüngig, fördert er uuayfhörttch mit den Mitteln der Verstell-ttng und Lüge die Ziele deS-rdwtsthen JhnperESnws. Das jüdische Volk — »vie immer seit Urzeite»» — von Parieihader zerfressen! Da sind die P h a r i s ä e r , die bloß in Erfüllung des. Zcreinonialgesetzes das Wesen des Judentums erblicke»», da sind die Zeloten, etrva Vorläufer urrserer heutigen Zionisten» die bloß aus „u a i i v n a l e n" Gründen das Land von der Herrschaft des größenivahnsinnigen Ealigrcla befreie»» »nöchte»». Jüdisch-nainonal sühlcn auch die Iuden-Christeir jerrer Epoche, den»» nur den» jüdischen Volke hat nach ihrer Mcinnllg de» Messias Jesus das ervige Heil verkündet. Und über allem, »vie der gute Genius des gefaulten Volkes, steh». vv»r einen» reichen Strahl dichterischer Schönheit überglänzt, der milde u»»d weise Ravban Gamaliel, der Patriarch des Landes, vor dein sich sowohl der fanatische Elser der Parteien, »vie auch die Ränkesucht des durchtriebellen römischen Prokuratvrs voll Ehrs»»rcht beugen. Mit a»rßerordcntlicher Gestaltnngskrasi »nacht der Dcchrer alle die jrrdischen Typen u»»d Weltanschaicungeir lebendig. Und in diese »nit Explofiousstofs bis zum Bersten gefüllte Epoche kehrt Paulus, der ehemalige Lietilingsschüler des Gamaliel, zurück. Alle ersehne»» ih»r, alle erhoffen non seinem Wirken eine Art Erlösung, und alle enttäuscht er. Mit den 2iatjv»lalisten der Inde»»-Ehristen hat er nichts mehr zu tun, denn er sieht seine Aufgabe gerade dari.r, seine gefühlsmäßig errtdeckte Missio»» der ganze»» Welt zu vcrktttrden. Aber »»ui» kornmt es — uud hier begiirnt das eigentliche Drama, das sich jetzt mit raschem Schwung zu seinem Höhepunkt emporsteigert — zu einem geistigen Riugeu zwischen Paulus, der »reuen Zeit, und der ehrlvürdig-alten Traditio»», die sich in j Gancaliel verkörpert. Eine unzertrennliche, ergreifende ' Liebe verbindet die beide»» Menschen. Die Verschiedenheit ihrer Gedaukemvelt aber reißt sic auseinander. Die Szene, in tot am Abend des Jo»nkipMr-Tages Paulus fast »nit der strahlerude»» Energie des herrlichen Mythos: „Ich lasse dich »richt, du iegnest mich beim!" um die Zustimmung seines Lehrers Gamaliel »virbt linb dieser ihm. beinahe »vider- »vittig, wie von einen» rätselhaften Zlvang getrieben, die Hand segnend aufs Haupt legt und dann hellseherisch die grausige Zukunft schaut und, sich von Gott vertanen fühlend, stirbt, »vähreud von draußen die Jomkippur-Gebete des Volles herci»»rauschen: diese Szene hat »virklich etlvatz Großartiges au sich! Nur ein »virklicher Dichter konnte Derartiges gestalten! In» übrigen hat das Stück wellig oder gar keine drainatische E»rtwicklung. Paulus ist vo»» Anfang bis zu»n E»»de derselbe. — Der eigentliche Held des Trauerspiels ist das gesamte jüdische Volk, und dieses sitzt sozusagen den ganzen Abend über auf der Anklagebank. Der Hohe-Priester wird z. B. als „ein älterer Mann mit müden Gesichtszügen, schweren Träueusäcken und einem tra>»r»g-abwesenden Ausdruck in den Augen" geschildert. — In ttterkwürdiger Weise macht sich der jüdische Dichter Werfel die von der moderneu Wissenschaft ganz aufgegebenc Auffassung zu eigen, haß sich das jüdische Besen jener „Weltwendezeii" nur in äußerlicher Zeremonial-Ersüllung und verbohrtem Fanatismus erschöpft hätte. Sv ist es damals aber sicherlich nicht gewesen! Auch wen« man sich noch heutigen Tages lediglich ein Irteil über das Judentum etwa nach der Darstellung eines enragierteu Zionisten oder eines fanatisch Orthodoxen bilden »vollte, so hätte man ebe»r ein ga»»z falsches Bild von dem geivaltigen Gcisteskompler. beit man mit dem Beäriff „Judentum" bezeichnet. Die ganze, heute endgültig »ioer- »vu»»derre, christologische Gefchichtsklitter»n»g richtet sich nach den» Eh»vo!ivr»-Rezept: „Man nehme einen groben, in pechschrvarze Farbe getauchte»» Anstreicherpinsel, »uale damit einen schmutzig-schivarzen Hintergrund n»»d. schreib«:- darunter: „Das ist das Judentum, zur Zeit Christü" /Dann nehme man einen anderen, feineren, in Goldlack eingetauchten Pinsel und zeichue aus diese»» Hintergrimd das Bild Jsein. Mit Hilfe vor» zwej,. manchinal auch drei.Bildlagen bekouinlt inan das allgemecn-bekannte Gcinälde fertig, das zwar sehr efsettvoll aussieht — — aber »nit der Wirklichkeit »cichts z»r tun hat." — Wersel t'e»»nt anscheiltcrid die geiarnte neuere Literatur über diese Geschichtsepoche nicht. Forscher wie Herford. Schürer, Eschelbaaier. Perles, Ketlernrann, Schreiner, Eduard Meyer, Kalthoff, Stendel nsw. nsrv. habe»» diese Geschichtsaufsülsung, »vie sie sich ar»ch heute noch im Kopse fedes braven Durchschnittspastors rnalt, gründlich zerstört. Wie es damals zuging, erttzieht sich »icherlich für alle Zeiten »mserer Kenntnis. daß es aber so nicht gervesen sein kan»», rvie'die übliche bis vor einigen Jalirzehnten herrschende Auffassung es darftellte, wissen wir ganz genau! .... Es ist hier nicht der Ort, um Ergebnisse — »richt Hypothesen! — historischer Forschung zu entivickel»». — An» Schlüsse des Werfelfchen Dramas ruft Siinv»» Petrus verzückt aus: „De»' letzte Gereckte ist gefalle»», alle Verheißung ist erfüllt!", imb das Trauerspiel klingt, wie Hebbels Nibelungen — in einer Apotheose des liresskauischen Gottesreichcs auS. das mtu mit dem Opfertvde Christi Wirtlichkeit geivprdeu sei. — Derngegeuüber »nutz doch darauf hingewieieu »verden, daß r»ür über die historische Persönlichkeit Christi nun einmal »richts wissen und auch nie etwas wissen »verden. Was. seine Jünger verkündeten, sind nur uralte, jüdische ideale Forderungen, die seit Urzeiten essentiell." Bestandteile des I »t d i nt»»m s gewesen sind. Tie meisten sogenannten ckristlicheu Anhänger dieser religiösen Forderungen haben das Christentun». das in seiner ursprünglichen Form ja dock» »rur ein warm und intuitiv gefühltes I « 5 c it t it m ist, grülMichst mitzverstaildel!. Die Scheiterharcfeu haben »vähretld der darausfolgender» Jahrtauseilde ..in» Namen Christi" ge»mgsam geraucht, uu-d es sind wirklich genug Unschuldige Zw Zeichen dieier Religion in grausamster Weise getötet rovrdei». — 'Uud wen»»^ man die unzähligen „christlicherr" Kriegspredigteit der Theologen aller Länder zu Begi»»»» des Weltkrieges liest, läuft eine»»» noch heute eine: Gänsehaut über de» Rücken! —Aerger ist int Laufe der Menschheitsgeschichte iltchts mißdeutet und verdreht »vorde»» als jene von iu»§ Jirdeit entiiommeneu „Gebote der Liebe". Mit dem üarnaligen Anbruch eines, messianischen GotteöreicheS ist es wahrlich eine sehr problematische Sache.-— Und um aus den von mir im übrige», warm verehrten F ran z Wersel zurückzukommen: — »na»» kann ehen ein sehr großer Dichter sein und dabei gleichzeitig von Inden und Judentum mir wenig wissen. ..... Dr. Ludwig Davidsohn. Berlin. .