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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-11-19 · 47 (19.11.1926) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
47 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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möglichst vielen Klasien ReligionSnuterricht zu erteilen. Dahat dazu noch den Vorteil, daß eine gewisse Zahl von Besuchern für die Andacht garantiert ist. ES ist deshalb und auch aus dem oben schon angeführten Grunde durchaus notwendig, daß der Jngendgottesdienst regelmäßig stattsindet, möglichst au jedem Sabbatnachmittag, keineswegs aber seltener als alle 14 Tage. ES kann kein Zweifel obwalten» dab, so ausgestaltet, der Gottesdienst die Jugend fesselt nnd sie veranlaßt, häufiger auch dem Gottesdienst der Erwachsenen beiznwohneu, wenn die freie Zeit es gestattet. Sehen die Kinder -och im großen Maßstabe bei den Erwachsenen das wieder, woran sie selbst einmal durchaus aktiv beteiligt waren. Umgekehrt werden auch die Eltern mehr Interesse am 'Gottesdienst der Kinder gewinnen. Es ist ganz merkwürdig, wie wenig die Eltern bisher dem Jugendgottesdienst beiwohnen. Es sind höchstens die Kinderfräulein, die hie und da die Kleinen begleiten, und, obwohl sie zumeist andersgläubig sind, doch einen tiefen Eindruck von der Andacht mit nach Hause nehmen. Gerade in religiösen Dingen sollten die Eltern die Erziehung selbst in die Hand nehmen. Wie es eine unabweisbare Forderung ist, daß der Bater dem Sohne, die Mutter der Tochter, die Anleitung zum Beten gibt, so sollten die Eltern auch nicht abseits stehen, wenn ihre Kinder ihren eigenen Gottesdienst haben. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann läßt sich auch ein Jngendgottesdienst am Freitagabend einrichten, da stehen aber dann die Kinder bei ihren Eltern. Sie bilden mit den Chor, den die ganze Gemeinde darstettt, nnd sie werden mit besonderer Liebe und Sorgfalt auf alles Wesentliche im Gottesdienst von denen aufmerksam gemacht, die ihnen am nächsten stehen. Das gilt auch für besondere FestgottcSdieustc. namentlich für Channkah. Es ist natürlich durchaus nicht notwendig, nun ganz schematisch so zn verfahren, wie wir es soeben ausgeführt haben, es kann natürlich auch manchmal am Freitagabend die Jugend oder ein Teil von ihr, der musikalisch genug ist, in einem der HauptgotteSdienste als Chor zusammengesetzt werden, und es kann die Andacht auf die Jugend besonders zugeschnitten sein. Das wird sich wiederum an einem Abend des Chanukahfestes. entweder am ersten oder am Freitagabend der Festwoche, besonders empfehlen. Oder; es kann ein sehr schöner Jugendgottesdienst am Ausgang des Sabbat-Channkah stattfinden, wobei wiederum ein Knabe vvrbetet, wo außer dem Channkahlied einige Respvnsorien lmi chvmauchof nach der Weise des Moauszur von dem Kinderchor gesungen werden. Einen solchen Gottesdienst veranstalteten die Breslauer Neligionsschulen immer gemeinsam in der alten Synagoge, ivvbci namentlich der Anfangspsalm <144 Ledovid boruch Hachem usw.), von der ganzen Gemeinde, die zum großen Teil eben aus Kindern bestand, gesungen, geradezu überwältigend klang. Unabhängig davon sollen dann auch namentlich am Channkah und Purim Gemeindekinderfeste in jedem Jahre stattfinden. Dabei werden geeignete Lieder gesungen, die sonst nur in der Synagoge erklingen. Ein Teil der Vorbereitung für diese Feste fällt damit schon fort. ES wird durch diese gleichsam spielende Art nicht nur erreicht, daß die Kinder nach und nach größere wichtige Teile unserer Liturgie kennenlernen, sondern sie werden auch für die Gottesdienste so vorbereitet, daß sic später als Erwachsene gern die Synagoge besuchen werden. Gemeindegesang. Von Oberkantor Hermann Zivi. Elberfeld. Es war noch In der Kriegözcit. Da erhob vom Felde «ins der Rabbiner Dr. Chvne aus Konstanz in wohlgemeinter Absicht die Forderung.nach einem geregelten (i£öt ejndeg e s a u g. Und wie er so die Nöte der damals aM in feldgottesdieustlicher Beziehung schweren Zeit anklqM. öa hatte er außer acht gelassen. am Ende auch ganz vergessen, daß schon lange vor ihm das Prinzip des geregelten Gemeindegesanges erkannt und von einer Reihe von Fachleuten, theoretisch wenigstens, in die Tat umgesetzt war. Das. rvaß Herr Dr. Chone damals wollte, lief allerdings auf etwas anderes außerdem hinaus. Er verlangte eine Einheitlichkeit im Ge me i n d e gesang . weil er bei seinen FeldgotteSdiensten die Erfahrung gemacht hatte: soviel Soldaten, so vielerlei Gemeindegesänge. Und das war natürlich schlimm, und deshalb hatte Herr Dr. Chone mit der von ihm erhobenen Forderung von seinem Standpunkt ans ohne Zweifel recht. Allein, er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ihm fehlte nämlich in der Erkenntntsreihe di« Hauptsache, ihm fehlte eine Portion von jenem Pessimismus, der bei uns Fachleuten aus übler Erfahrung heraus längst vorhanden wqr. ihm fehlten die richtigen Prämissen, um zu der richtigen Schlußfolgern^. zu gelangen. Bei einer Zerrissenheit und Zerklüftung der deutschen Judenheit. nach innen sowohl wie nach außen, bei dem Haß und Zank, bet dem Hader und dem Streit der Parteien, die nichts Besseres für sich in Anspruch zu nehmen wissen, als bei leder Gelegenheit thr wvhlvorbereitetes Parteisüppchen zu kochen, bei dem unmoralische» Zwang, an allen Machenschaften innerhalb der Gemeinde von Partei wegen mitschuldig zu werden, bei solchen Zuständen in den jüdischen Gemeindevarlameuten konnte von einem prosperierenden Judentum ernstlich schon lange nicht mehr die Rede sein. Früher war es die hochmütig« Plutokratie. die von der Erfüllung des jüdischen Gemeindelebens weiter nichts verlangte als möglichst niedrige Steuern: heute ist es die nach äußeren Effekten haschende Demokratie, die auch das Geld der Besitzenden zu erfassen weiß. Und bei solchen Erscheinungen hat Herr Dr. Chone den Mut, an eine Einheitlichkeit m jüdischen Fragen zu denken? — Wahrlich, wenn das mit Idealismus zu machen wäre, ich glaube. Herr Dr. Chone würde mit dem ganzen He«r von Widerlichkeiten allein fertig werden. Wer aber mit den Füßen auf dem Boden der Realitäten steht, der weiß, daß vorläufig und für lange Zeit hinaus beinahe alles verloren ist. wenn cs sich darum handelt, in jüdischen Dingen, erilo auch im jüdischen Gemeindegesang. irgendwelche Einheitlichkeit zu verlangen Solange wir kein ordentliches Juöengesetz haben, solange die Gemeindcgcwaltigcn tun und lassen können, was sie wollen, und solange demagogische Schreier bei der urteilslosen Menge Beifall finden, solange wird es innerhalb der deutschen Judenheit nie und nimmer dazu kommen, daß wir in Dingen, die die „jüdische Gemeinde" betreffen, an Einheitlichkeit auch nur denken können. Nun. was aber dann, wenn wir ein ordentliches Iudengesetz einmal haben werden? — Nun, dann werden wir voraussichtlich auch so eine Art Konsistorium haben wie die Kirche oder wie die Juden in anderen Kulturstaaten. z. B. in Badem oder in Württemberg. Und die Gemeindegewaltigen werden dann zn dem werden, was sie von Hanse aus eigentlich sind, zn richtigen „Parnosim". zu einfachen Sachwaltern ihrer Gemeinde. Aber noch ein anderes werden mir hoffentlich daun auch bekommen: Ruhe in den Genwinden vor den marktschreierischen nnd gewerbsmäßigen Polterern, und Ordnung, insbesondere bei den verschiedenen Auswirkungen des Gottesdienstes. Dazu gehört mit in erster Linie ein geregelter Gcmeindegesang. Schöne nnd ku-ntvolle musikalische Vorträge werden bei* festlichen Gelegenheiten zur religiösen Erhebung und zur Förderuna der Andacht gewiß beitragen, unsere ganze gottesdienstliche Einrichtung aber erfordert immer eine aktive Beteiligung der ganzen Gemeinde. Wenn man auch in früheren Zeiten schon dem Vorbeter knnstgeübte Assistenten — Sänger nnd Baß — zur Seite gestellt hat, so geschah es nur. nm denselben in seiner Aufgabe, die Gemeinde anznregen. in etwa zn unterstützen. Die Hauptsache blieb immer der korrespondierende Vortrag der Gebete durch den Borbeter und die Gemeinde. Ihr muß stets Gelegenheit gegeben sein, sich an dem Vortrag der Gebete > zu beteiligen, und wenn es unserem heutigen Gefühl nicht mehr entspricht, daß dies durch ungeordnetes Mitbeten oder Mitsingen oder gar Mitschreien geschehe, io mutz die Gemeinde angeleitet rverden, durch einen w ü r d i a e n einstimmigen Gesang beim Gottesdienste Mitwirken zu können. Was aber kann cs nützen, wenn in Konstanz alles hübsch in Ordnung ist. wenn hingegen da und dort in deutschen Landen der „Minhag" so, und wiederum irgendwo anders ganz anders geartet ist? — Was uns dringend not tut. das ist ein einheitliches G eb etb nrtj für liberale Gemeinden: für konservative Gemeinden existiert ein solches im Rödelheimer Siddur. Es muß so weit kommen, daß wir in Elberfeld dasselbe Gebetbuch haben wie in Frankfurt, in Berlin, in Königsberg nsrv. Es darf aber auch nicht sein, daß cs den tÄemeindeverwaltungen auheimgestellt wird, sich für dieses oder jenes liberale Gebetbuch zn entscheiden. sondern der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden bzw. der Reichsverband nnd die damit zusammenhängenden Institutionen müssen von Rechts und Gesetz«S wegen mtt einer derartig starken Autorität «r»»estattet sein, daß es keinem Zweifel unterliegen -an. «a» . tn den zutage tretenden Gemeindefragen jeweils »« geschehen hat. < Hand in Hand mit einem einheitlichen Gebetbuch ist auch die Frage eines einheitlichen Gesangbuche» zu regeln. Auch das muß kraft Autorität des Verbände» genau so in die Wege geleitet werden, wie die Kirche eS verstanden hat. ihren Gesang einheitlich zu gestalten. In»- Stzsondere müsien wir dann von der Kirche lernen, wie man einen solchen Gesang verbreitet und vertieft. Wie ist da» bei den christlichen Konfessionen möglich geworden, und wer wollte leugnen, daß es auch bei uns Juden nichts Schönere» und Erhabeneres geben kann als eine singende Gemeinde? — Nun denn, so unausführbar schwer ist das auch für uns nicht. Wenn wir erst einmal das einheitliche Gebetbuch und in logischer Konsequenz das einheitliche Gesangbuch haben werden, dann wird es Sache der berufenen Faktoren > sein, die neue Aera auf den Schultern der Jugend in M« Gemeinden Israels hineinzutragen, und ein neues Geschlecht zu erziehen, das mehr als alle bisherigen imstande ist, einen einheitlichen, geregelten, gemeindegesanglichen Gottesdienst in die Wege zu leiten. Notwendige Voraussetzung dafür ist und bleibt die jüdische Schule, die «S dem Kind ermöglicht, schulplanmäßta die jüdischen Gesänge sich zu eigen zu machen und bei ihrem Vortrag im Gottesdienst jedesmal selbst mitznwirken. Als dürftiger Notbehelf würde im Rcligionsschulbetrieb eine angohängte Gesangstunde zu empfehlen sein, die hinter dem angestrebten Ideal einer vollwertigen Schule auch hinsichtlich des Gemeindegesanges naturgemäß weit znrückbleibcn würde. Als integrierender Bestandteil solcher gottesdienstlichen Veranstaltungen mnß die instrumentale Begleitung des GeOiges durch die Orgel angesprochen werden Würde und Anstand beim Gottesdienst verlangen auch gesangliche Ordnung und Korrektheit: wüstes Schreien und Gepolter wirken überall, und beim gottesdienstlichen Gesänge ganz besonders, störend und gemeint Unangenehm aber wirkt es auch, wenn beim ei«- stimmigen Gesang die Gemeinde versagt, wenn sie zu be» quem ist. das Gesangbuch aufznscklagen. und wenn sie e» Einzelnen überläßt, mit ihrem Gesang ein Tohuwabohu heraufzubeschwören. Alles das wird bei einem durch di« Jugend wohlbereiteten, geregelten Gemeindegesang in Wegfall geraten, namentlich, wenn in der Synagoge die Orgel so angebracht ist, daß sie frcr Gemeinde mit dem Ton nicht in den Rücken fällt. Verheerend aber wirkt es meistentetl», wenn die Orgel nicht vor der Gemeinde steht, so daß au» leicht erklärlichen, akustischen Gründen das Instrument und der nichtsatielseste Sänger leicht auseinandergeraten. Da» ist dann jedesmal ein verhängnisvoller Irebelstand, dessen Wirkungen für ein musikalisches Ohr ganz entsetzlich werden können. Beim vierstimmigen Gesang des Chores hat die Gemeinde zu schweigen. „ ■ Cs ist in der Tat keine Schande, sich sagen zu müsien, daß mau selbst im Alter noch etwas gelernt habe, sei es. von wem es immer auch sei. Lernen wir, als das dem Christeytum gegenüber ältere Judentum, von der Kirche, wie man den geregelten, einheitlichen Gemeindegesang pflegt, dann werden wir dem jüdischen Gottesdienst eine Wohltat erweisen, und wir werden ihm eine Zukunft bereiten, wie fitz schöner und religiöser gar nicht gedacht werden kann. Kalendarium für dieZeit vom 2<>.ll. 0.27.11.1920 November 1926 Sonnabend 20 14. Sonntag 21 45. Montag 22 16. Dienstag 28 17. Mittwoch 24 18. Donnerstag 25 10. Freitag 26 20. Sonnabend 27 21. Sillen 5687 Wochcnabschnitt: Wajischlach Haftarah: Obadja 1 ll—bt Sabbat-Änsgang: 4,54 \ü i m Wvchenabschnitt: Wajjeschew Haftarah: Arnos Kap. 2 (6—16) 3 (1-8) Sabbat-Ausgang: 4,47 Ins. Haas - Jas. Bndi an die Leser der'., Zeitanf. Bei direkter Bestellung bei der „Jüdisch-liberalen .Zeitung", Berlin SW48, Wilhelmstraße 147, gönnen nachstehende Bücher zum angegebenen Vorxuäsprels bezogen werden: Vorzugspreis; LEWKOWITZ: Die Grundsätze dej j i disch-religiösen Liberalismus „ 0.50 SELIGMANN: Geschichte der jüdischen Reformbewegung geh. M. 3.— PHILIPPSON: Die Entwicklung der religiösen Idee im Judentum, Christentum und Islam. 2.50 SEIFENSIEDER: Gabriel Riesser, ein deutscher Mann jüdischen Glaubens. 2.75 GRUNWALD: Spinoza in Deutschland, gekrönte Preisschrift . „ 4.— STECKELMACHER: Das Prinzip der Ethik vom philosophischen und jüdisch-theologischen Standpunkt aus betrachtet . . „ 2.75 WIENER: Die jüdischen Speisegesetze nach ihren verschiedenen Gesichtspunkten geordnet und kritisch beleuchtet . . 3.50 ZIEGLER: Die Königsgleichnisse des Midrasch, beleuchtet durch die römische Kaiserzeit ... 9.— STEIN: Schrift des Lebens, III, Teil, herausgegeben von Cäsar Seligmann.geh. „ 2.75 GOSSEL: Was ist und was enthält der Talmud? . . . . „ 1.— LEHMANN: Sprüche der Väter, 3 Teile, statt M. 21.— . # . „ 15.— — Rabbi Joselmann, 2 Teile, statt M. 12.— 9.— GEDENKBUCH Semitic studies in memory of Dr. Alex Kohiut, geb.f statt M. 12 —. 9.— GEDENKBUCH zur Erinnerung an Prof. David Kaufmann, mit wissenschaftl. Beilagen bedeut. Gelehrter, statt M. 12— „ 9.— Der Betrag ist unter Angabe des Zweckes auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW 7, Nr. 137069 zu überweisen. m IhPlnml Gcgr. 1848. Hirnidi besser als b. Schneidern eistcr Kesser, Alte jakobstraße 88 Aung, Paletot, Kostüm, Fasson v. 30 Entstauben, Dämpfe*, Bandbflgeln 2 M„ Be* parieren, Reinigen, Entstauben, Dämpfen, HanObflgolBT. 3.75 X, WendenJCnnststopten billigst. Fr. Llefer. Filiale: Magssiastr.13 Te:1. Mercur 8177. Modern« Polster möbel Neuanfertigung und Aufarbeitung sowie Dekorationsarbeiten zu soliden Preisen nimmt an E. ■EftiANN, FeürbelUnersir. 30. Tel.: (Hrnnb. 37), m mummmiLgB "• TTnTnnfliMniiT? | Spezialgeschäft | | feinster Konfitüren j | Motzstraße 54 | | Sdiokoladen, Pralinen, | | Kakao. 7ed, Biskuit | s sämtl. führenden Firmen Z I Kaffee •'Niederlage ff | Hinz & Küster | oooooooooooooooooo<, Malerarbeiten jeder Mt führt aus. Robert Hutheim Seclin WS0, (ulmbacher Straße? 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