Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 47 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ti»-festlicher Stunde feierlich gelobt haben. Sie werden auch den Männern, die unentgeltlich, zumeist wirklich selbstlos und nicht bloß im eigentlichen Sinne „&foen*6afotx »ic keineswegs dankbare und angenehme Bürde der Gemeindeverwaltung auf sich genommen haben, die Achtung bezeugen, dre.Tüchtigkeit und Uneigennützigkett beanspruchen dürfen. Aber das darf nicht fein, was nicht selten vorrammt: ^datz Borsteher und wohl auch Repräsentanten auS baß sie sv heißen, das Recht herleiten, sich als nersünliche -verren und Meister der Beamten aufzuspielen^ die Beamten für ihre Tätigkeit ein Gehalt beziehen, OaS :dle Steuerzahler der Gemeinde aufzubringen haben, mtb sie noch lange nicht die Meschubodien, die Hörige» der (Vesamtgemein-e und ihrer einzelnen Mitglieder. Als völleu, hänfjg übervollen Gegenwert bieten sie ihre Arbeit -trfl^ihre Hingabe au ihre Aufgabe. > ' > D.ie Beamten mögen auch ihre Steuern zahlen wie alle anderen, dafür gleichwertige und gleichberechtigte Mitglieder - rhrer Gemeinde sein. In ihre privaten Angelegenheiten hat M niemand, zu mischen, sofern sie nicht ein öffentliches Aergernis erregen, das mit der Würde ihres Amtes nicht vereinbar ist. ' ES ist sehr zu empfehlen, die Obliegenheiten des Beamten durch eine klare Dienstanweisung deutlich zu umschreiben, an die der Beamte gebunden ist, wenn er sie anerkannt hat. Wo iyehrere Beamte vorhanden sind, deren Tätigkeit die ... Gefahr, einer Kollission möglich erscheinen läßt, müßten jede einzelnen Verpflichtungen und Befugnisse genau abgegreNzt lem, auf datz nicht die tief bedauerliche Tragikomödie ge« steimer' und öffentlicher Eifersucht, Jntrigue und Zänkerei sich abspiele zwischen denen, die in kollegialer Eintracht miteinander wirken sollten. ~ ni-iv. 88 *«' -18.. D i e u ste i u k o m m e n.. B ersetzung in d e n R uh e st a n ö. Gerade bei Behandlung dieses Kapitels, muß es sich .zeigen, ob der Landesverband seine Aufgabe erkannt hat ^und.ob..er willig und fähig ist. sie zu erfüllen: einen Me- . amtenstand zu schaffen, der mit seiner äußeren Lage so zufrieden sein kann, daß die höchsten Anforderungen in wissenschaftlicher, theoretischer und praktischer,. in ethischer und . moralischer Hinsicht an ihn gestellt werden können. Die Beamten brauchen sich nicht zu scheuen, ruhig einzugestehciß daß sie^nicht verzichten können und wollen auf die zuverlässige Sicherung. ihrer materiellen Existenz. Wie oft schon . ist das wahre Wort angeführt worden: Im ea keraach en; thauro — wo das nötige Brot für die eigene Person und die. ^gmilie fehlt, ist aus die Dauer eine volle Hingabe an geistige Arbeit nicht möglich. Der Beamte hat nicht das Recht und behaithtet auch nicht, das Recht zu haben, von . seinem Amte Reichtümer zu erwarten, aber er muß so gestellt seih, daß ihn keine Nahrungssvrgeu quälen und ablenken, daß er nicht, zu einem Nebenerwerb zu greifen braucht, der seine Kräfte zersplittert und. wohl gar ihm und seinem Berufe yichtangemesten ist. . Welches soll nun die Norm für die Gehaltszuweffung fein? — Die generelle Bindung an die staatliche BesoldungS- «rdnung mag zwar insofern nicht einwandfrei sein. als .noch . nicht eine einheitliche Besolönngsordnung für die Gemeindesteamten vorliegt. Aber sie ist immerhin noch am. zweckmäßigsten. Sie weist beit Ansprüchen Maß und Ziel und . gibt den notwendigen Bewilligmrgen Fingerzeige und Stütz- . punkte. r; 'Zweifellos wird es der allergrößten Anspannung aller finanziellen Hilfsmittel bedürfen, um .überall, auch in den Kkeingemeinden, eine würdige Versorgung der Beamten •> Der-beizuftthre». Aber diese Anstrengung ist notwendig und rpirü ihren Lohn in sich tragen, weil sonst bas jüdische Wissen «.>&$> Wische Leben imw'r mehr erlahmt und schlieszlich . versiegst - .*** iv. - -• : ... ,* : 18—28. D l e nst auf s ich t und D i e n st st r a f e n. -Diese Bestimmungen wollen ebenso dem Gutdünken, der Selbstherrlichkeit und der Pflichtvergesienheit der Beamten .L-'wia der' Willkür und den Herrscherallüren der Gemeindegewaltiqen einen Riegel vorschieben und namentlich der Wiederherstellung des gestörten Friedens dienen. Den Gemeiudevrganen soll keineswegs die DisziplinarbefugniS ganz genommen oder auch nur ungebührlich gekürzt werden. Aber . es soll allgemein die Möglichkeit bestehen und wahr- ' genommen werden, den Streitfall aus der. bewegten Atmosphäre der Leidenschaftlichkeit und Parteilichkeit in die ruhigere und reinere Luft neutraler und kühlerer Betrachtung und dennoch warmherzigen Empfindens zu tragen, das beiden Teilen gilt, die in Disharmonie geraten find. - Daß das Beschreiten des öffentlichen Rechtsweges nicht ausgeschlossen wurde, werden auch diejenigen verstehen, die . .0 begreiflicherweise peinlich empfinden, wenn Streitigkeiten zwischen jüdischen Gemeinden und jüdischen Beamten in voller; Otzsferrtlichkdit vor nichtjüdischen Richtern ausgefochten wer- Versammkungskalerrder Berlin-Weste». Montag, de« 82. November, abends 8 Uhr, i« Logen« Haus. JoachimSthaler Straße 18: Große Km»»seb«»g. Herr Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. spricht Aber bas Thema: .Mission he- Judentums". Musikalisch« Darbietungen Oberkantor Wilhelm Friedmann und FrSrrlein Henriette Gottlieb von der Städtische« Oper. Eintritt frei. Gäste willkommen. Berlin-Rorde». Sonntag, de«. 28. November, abends Uhr. Dritter Gemeiudeabenb. Synagogerrkonzcrt als Chanutta-Borseier unter Mitwirkung von Felix Robert Mendelssohn (Cello). Eintrittskarte» -um Preise von 1—8 Mark bei Falkenberg, Lnttnmstratzc 22 und im Bureau des Liberale« Vereins. Berlin-Norden. Liberale Synagoge Schönhauser Allee 182 sAverbachscheS Waisenhaus) Gottesdienst: Freitag, den 19. November, abends 714 Uhr. Predigt Rabbiner Dr. Galomonfki,' Sonnabend, de« 20. November, vorm.'10 Uhr. Frankfnrt a. -. O. Sonnabend, de« 27. November, abends tyi Uhr. in der Hardenberg-Loge, Regierungsstraße 8: Vortrag des Borfitzenden der Bereinigung für das liberale Judentum, RechtSanwalt Heinrich Stern, Berlin» über: Lebendiger und toter Liberalismus im Judentum. Nenstetti». Sonntag, de« 28. November, nachmittags 4 Uhr, in Senns Hotel: Bortrag des Generalsekretärs, der Bereinigung für das liberale Jndentnm, George Götz, über: Religiosität und liberales Jndentnm. Breslau. Jüdisch-liberaler Jugendverein »Abraham Geiger": Gruppe „Süden" am Donnerstag, den 25. November, abends 8% Uhr, bei Religionslehrer Davidsoh», Palmstraße 22. Thema: Was hat die moderne Frauenbewegung dem Judentum zu danken? Referent: Rabbiner Dr. Halpersoh«. Freie Aussprache. Bereiusmitglieder, die der Gruppe nicht angehörc«, als Gäste willkommen. Voranzeige: Gonnabend. de« 4. Dezember, abends 8H Uhr. im Saale des Hotels „König von Ungarn" Bifchofftraße 18: Chanukkafest. Gäste willkommen. den. Aber niemand darf seinem ordentlichen Richter entzogen werden, und schon die Möglichkeit, daß die Oeffentlichkeit aus dem Nechtsmegc augerufen werden kann, vermag heilsam abschreckend auf die zu wirken, die daS Recht zu verlassen ge- ■ nergt sind oder dazuin Gefahr geraten. $ Daß der in Frage stehende Entwurf noch sehr vcrbesserungs.b edürstig ist, sei gern zugegeben,' daß er aber auch yerbeflc.rirngS w e r t fei, daß. er. den wirksamen Anstoß zur baldigen Schaffung einergüten, segenstiftenden Beamtcnvrdnüng werden möge, das ist unsere Hoffnung und unser lebhafter Wunsch.. bugendqollesdienst. Von Rabbiner Dr, Ka hlb erg. Hatte a. d. S. Es ist in diesen Blättern schon wiederholt darauf hingewiesen. daß die Jugend lebhafteres Jntercste an religiösen Dingen nimmt, als die jetzt erwachsene Generation, daß sie vielfach an das Judentum nicht des Vaters, sondern des Großvaters anknüpft. Ihrer Bestätigung im Gottesdienst steht allerdings ein wichtiges Hindernis entgegen: das ist die Tatsache, daß sich die jungen Menschen ja ausschließlich in der Berufsausbildung befinden. Der größte Teil weilt während des Gottesdienstes — abgesehen von wenigen Festtagen — in der Schule. Deswegen hat man in fast allen Gemeinden für die Jugend besondere Gottesdienste einge- .'tT'. / >! richtet. Daß ihre Ausgestaltung und darum ihre Wirkung vielfach zu wünschen übrig läßt, ist wohl allgemein bekannt. Hier sollen de-halb nur einige Mittel angegeben werben, wie man den Jugendgottcsdtenst beleben und für das Judentum^ fruchtbringend gestalten kann. Die Einrichtung eines verkürzten MorgengotteSbiensteS für die Jugend am Sabbatnachmittag halte ich für verfehlt, namentlich vom pädagogischen Standpunkte aus. Denn die Kinder werden die LÜurgi« dieser Andacht für den Gottesdienst beS SabbatnachmittaaS halten. Werden sie aber belehrt, daß ähnlich wie am Sabbatvormittag gebetet worden sei, bann werden ster den richtigen Gottesdienst um diese Zeit nicht verstehen, sofern sie ihn an freien Sabbaten (besonders während der Ferien) besuchen. Ist der Termin der Nachmittag, so muß e^n das Mincha-Gebet auch dem Gottesdienst zugrundeg«egt werde». Aber eS braucht ja nicht dieser Zeitpunkt zu fejn, man kann auch am Freitagabend Jugendgottesdienst veranstalten. Dagegen spricht nur, daß es bann eben schwer ist.-wirklich die Andacht alS hauptsächlich für die Jugend bestimmt. auszugeftalten. Gewisse Einrichtungen, die daS Jpferesie der Kinder an ihrem Gottesdienste beleben, verbieten eben die Verbindung dieser Andacht mit ejnem für Erwachsene hauptsächlich geeigneten Gottesdienste. Dabei muß, um. Mißverständnissen vorzubeugen, betont werben, -aß naturgemäß die Anwesenheit Erwachsener in Jugendgottesdienften durchaus erwünscht und überaus fördernd ist. Aber um zur Hauptsache zu kommen: Alles im Jstgen-gotteSbienst geschieht durch die Jugend, und das geht naturgemäß bester am Sabbatnachmittag als am Freitagabend. Noch eines darf nicht außer acht gelaffen werden: Was für die Kinder bestimmt ist, muß besonders durch Zucht, und Pünktlichkeit ausgezeichnet sein. Ein unregelmäßiger Gottesdienst kann in der Jugend keinen Respekt und somit auch keine Liebe, geschweige denn Begeisterung Hervorrufen. ES ist aber nicht unbedenklich, am Freitagabend im Sommer die ganz jungen Kinder noch so spät im GotteShause zu versammeln. Raubt man ihnen doch dann das Mittel, das sie namentlich im zarten Alter am meisten kräftigt. Stunden -es gesündesten Schlafes vor Mitternacht. Setzt man dagegen, wie es in manchen Gemeinden üblich ist, eine ganz bestimmte Zeit.für Sommer und Winter fest, sv hat das den Nachteil, daß wiederum im Sommer, wenn es draußen noch so hell ist, nicht die rechte Abend und darum auch nicht die rechte Sabbatstimmung aufkommen kam», während im Winter wiederum diese bei vielen bereits vorhanden ist, wenn der Gottesdienst erst beginnt. Endlich ist eS, wie noch auSgeführt werden soll, durchaus möglich, als Folge eines der Jugend wirklich angeyaßten SabbatnachmittagS-Gottesdienstes sie auch für den Freitagabend-Gottesdienst zu gewinnen und zu begeistern. Bleiben wir also beim Sabbatnachmittng. ES sei nochmals die Hauptforderung hervorgehoben, die ganze Andacht mutz die Kinder sesteln, deshalb soll alles im Gottesdienst durch Kinder geschehen. Ein Knabe soll vorbeten, einer oder drei sollen — jeder seinen Abschnitt — auS der Thora vorlesen. An jedem Sabbat wechseln die zur Thora Hintretenden wie auch der Borbeter. Erfreulich, aber durchaus nicht notwendig, ist für diesen Zweck musikalische Beranlagüng. Weder die Gehete .noch die Thoravorlesung müssen durchaus in der traditionellen Melodie vorgetrageu werden. Dasselbe gilt auch für den Chor, den alle Kinder bilden. Auch er soll zunächst die Gebete nur sprechen, sväter können ja auch die liturgischeu Gesänge von den Musikalischen gesungen werden, und die anderen fingen eben mit, selbst auf die Gefahr hin, daß vom Standpunkt bc»? Künstlers ans die Leistung des Chores nicht ganz befriedigt. Im Jnterestc dcr Belehrung der Jugend auf eine fast 4>’'->ui)e Art und Weise soll sich der Chor nichj mit den Resvousoricu begnügen.' sondern äuch chidere Stücke B. nutz dem siebenten .G^bet . laut sprechen oder singen. Wenn alles durch die Kinder auSgeführt werden soll,' so gehört dazu auch.Sie Predigt. ES ist durchaus möglich, daß ein älterer Schwer oder noch bester eine Schülerin eine vorher ausgearbeitete religiöse Betrachtung vorträgt oder in der ersten Zeit vorliest. Vorgelesen kann auch werden aus dem Sagenschatz der Literatur des Talmud und Midrasch. Auch eine gute deittsche Uebersetzung des gerade vorgelefenen Thoraabschnittes ist sehr empfehlenswert. Der Rabbiner soll nur selten, vielleicht bei besonderen Gelegenheiten sSchnlseiern) im Jugendgottesöienft predigen, oder vielleicht ab und zu nach Schluß des^ Gottesdienstes das Vorgelesene kurz erläutern. Kürze ist eine andere Hauptforderung des Jugendgvttesdiensteö. Die Aufmerksamkeit zn lange in Anspruch genommen, läßt leicht nach oder versagt ganz. Daß ferner solche Andachten durch besondere liturgische Stunden tu allen Klassen der Religionsschule gut vorbereitet werde« müsten, daß man nachher wiederum mit allen Schülern den Juaendgottesdieust besprechen muß, ist auch eine unabweisbare Forderung. Es empfiehlt sich, vor und nach dem Jügendgottesdienst gepreßt woröen waren, so fühlter sich subjektiv nicht von, Gott losgerissen. Deshalb konnte über seine ^Lippen das schöne Geständnis ivalien: „Zu Gott tränt mein Auge" flsi.M. II. ■ Es wird ja auch nicht viele geben, welche die Frage aufwerfen wollen,, wie es mchrliÄ gewesen sei. daß der Urheber der Hiobdichtung dem Vertreter ihrer Hauptrolle solche abwechselnde Aeützerungen in den Mund legte. Oder konnte er-'in ihuc nicht einen Menschen charakterisiereu wollen, der sich in bezug auf eine Problem der Weltanschauung zur K l a r h e i t h i n d u r ch r i n g e n mutzte? Gewiß durfte er das, und bei solcher Absicht wanderte ö-er Autor des Hivbaeö'ichts auf den Spuren vieler grotzen Meister. Man denkt ja sofort wenigstens an Goethes Faust. Oder verkeimen wir etwa de« Dichter des Buckes Hiob, wenn wir ihm den Plan, eine Entwicklung seines Haiiptheloen darznstellen. zusckreiben? Im Gegenteil, in der Hiobdichtung werde« wir —- was freilich wenig bekannt ist — sogar aufgefordert, nicht einseitig auf eine einzige Reihe von Aussagen z» hören, sondern auf alle Stimmen zu lauschen und den allerersten nicht den a b s ch l i e tz e n d c « fein zu lassen. Hier sind die Belege für ureine Behauptung'. dem ersten Monolog, in-welchem der Dichter die Hauptpersog das lange Schweigen endlich brechen lätzt (3,8—3ö), dringen ja freilich Klagetönc von geradezu elementarer Heftigkeit an unser Ohr. Er lätzt Hiob seinen Gehurtstag vrrslucheu und die Weltgcdnuna in Stücke schlagen. Aber schon in der näcksten Rede, die der Dichter dem Haupt- Helden in den Mund legt, läßt er ihn den „Freunden" zurufeu: „Borte zu korrigeren. darauf feib ikir bedacht, und doch sind. W 0 r t e eines Ser z w e is elüden nur f ü r den Wind" Hat er ölig die Aeutzerungen jeneS Monologs nicht Hinterher die Worte eines Verzweifernden -genannt? Hat er nicht auch Hinz «gefügt, öatz solche Aeußernugen „für den Wind" seien? Er meint — und das ist ein Zeichen einer geradezu frappierenden Erkenntnis des Seelenlebens: Solche, Worte, die auf der Folterbank des Schmerzes ausgestotzen würden, seien in Wirklichkeit nur ideenlme Schallwellen. Ein solcher Schmerzensaüsbrnch sei mehr eine physiologische als eine psychologische Erscheinung, sei ein Affekt, ein Anprall der seelischöu Borgängc a« den Nervenapparat und die von diesem hervoxgerufene Gegenwirkung. Dazu kommt, daß der Dichter für einen anderen -r. e i \ $c* Aentzenmsteri Hiobs die OueUpunkte in seiner -änzlicheutVerlassenheit — selbst von seiner Frau — und in den Verunglimpfungen suchen lehrt, die ihm. wre'eS zu geschehen pflogt, von seiten seiner sogenannten guien Freunde zuge> fügt werden. Denn „Ist Kraft der Steine meine Kraft? Kann ich etwa ausharren, wenn dem Verzagenden sogar vori seinem Freunde Schimpf zuteil wird?" ruft er uns zu (6,12.14). Der Widerspruch nörgelnder Opponenten reißt ja den Mensche« natürlicherweisc zu extremen Behaliptungen fort. Demnach hat der Dichter auch sogar selb st den Beurteiler seines Werkes dazu angeleitet, einen Teil der Aeutzerungen des Dulders Hiob sozusagen als Schlacken zu betrachten, wie sie bei jedem Läuterungsprozeß ausgefchieden werde». Ebendarauf hat der Dichter übrigens schon durch einen formalen Umstand hingcdcutet. Er hat nämlich die Heftigkeit der Schmerzensausbrüche Hiobs in immer mehr steigendem Grade sich oer-mtnde.ru I las s e n. Tenn so vulkanisch eruptiv, wie jene Sätze: „Verflucht sei der Tag, au dem ich aeborcn wurde usw.'." 13,3 ff.), ergießt sich keine spätere Klage im Hiobgcdicht. Die Direktive, die darin für die Beurteilung der. Arußerungeu des -Haupthelden der Hiobdichtuna vorgezeichnet ist. leuchtet jedem Leser von selbst entgegen: Weder die Aussagen, welche Hiob unter dem Ansturm des phmischerc . Schmerzes hervorstötzt. noch die Sätze, welche ihm vom psychologisch erklärlichen Oppositionsleben des Menschen entlockt werden, überhaupt aber nicht die erste u. s 0 n d e r u die späteren Sätze des Haupthelden sollen die für seine Gesamtwürdignua maßgebenden sein. Also auch wenn Hiobs Stellung zu dem großen Leiden s p r 0 b l e m beurteilt werden soll, ist hauptsächlich auf die Worte zu achten, die der Dichter ihn in ruhiger Einkehr bei sich selbst und als die im Feuer der Läuterung gereinigte Persönlichkeit ausiprechen läßt. Nach diesen Aeußernngen aber trifft, wie oben gezeigt worden ist, der göttlich« Zorn auch in Hiobs.Person nicht einen wirklich Unschuldigen und bleibt d i e G v t t h e i t die letzte I n sta n z der w e l t g e s ch i ch t l i ch e n G e r e ch t i g k e i t. Folglich hat der Urheber der Hiobdichtung uns in dem Träger der Titelrolle nicht eine Persönlichkeit bargestellt, die ^bezüglich ihrer ganzen Lebensanffastung zu dem düstersten Pessimismus geführt,, worden wäre. Nein, er zeichnet uns einen Menschen, der, wenn die Nacht der Trübsal ihn umhüllt und menschliche Hilfe gänzlich versagt, mit siegesgewisser Hand hinaus über die Sterneuwelt greift, um sich von dorther Licht und Trost zu holen. Wir hören ia. wie der Dichter die Hauptfigur, seines großen Srelengemäldes immer kühner zu der Einsicht rordringen läßt 27), daß die letzte A n t w 0 r t auf die LeidenSfrage von dem LLeltgeiste tommeu mutz.^ Wir vernehmen ja auch, daß der Autor am Schluffe seines Werkes die Ideen, die einst den Weltplan ansmachteu und im Universum gleichsam latent wurden, vor -cm l^eistesauge seines Haupthelden rv i e d er l e b e n d ig rv e r d e u und sich aussprechen läßt (38,1 ss.) Was sie aber verkünden, sind folgende — keineswegs pessimistische — Sch I u ß s ätze: Richtet der Mensch seinen Blick aus das Weltall, io findet er. in hieiem eine große Anzahl von Erscheinungen, bei denen er. vor Verwunderung stillstehen und die alles überragende Intelligenz des Weltdenkers anerkennen muß. Hat er daraus' also nicht den Schluß zu ziehen, daß diese Intelligenz üccs Weltall in a l l.c n Beziehungen durchwaltet? Muß er ihr. nicht einen vernünftigen Zweck auch bei der kleinen Dosis von Wcltbestandteilen zutraucn. die nach des Menschen Empfitlden als Nebel zu bctrachtctl find? Wird er ferner im Zusammenhänge damit nicht auch weiter zu dem Urteil gedrängt, daß auch die Weltgeschichte, mit ihren Wellenbergen und Wellentälern von derselben überragenden Intelligenz schließlich doch zu einer lichten Hö h e g e. l e i t e t w e r d c n w i r d? Wie kurzsichtig also ist es, dies zu vergessen, wenn dem Menschen «ine Wendung seines Schicksals entrveder unbegründet oder zwecklos zu sein scheint! Die richtige Stellung zu den Wendungen des Schicksals kann vielmehr nur darin liegen, daß dev Mensch sie sich zur Läuterurrg seines WesenS dienen laste. Also klingt die Hiobdichtuna keinestvegs in den Düstersten Pessimismus" oder in lähvteuden Weltschmerz aus. Im Gegenteil vereinigt sich ihr Urteil über das. was der Mensch am Schicksal als Uebel empfindet, mit d>en Stimmen, die z. B. aus den Reihen der Stoiker oder aus den heroische« Themata uns entgegentönen, die Cicero m feinen TuSkulanischerr Disputationen behandelt hat, wie „Neber die Erdnldung des Schmerzes" usw. Ja. die Dominante, die aus dem fugenartige» Sti-rmnen« gewirr der Hiobdichtung sich endlich siegreich emporringt, ist jeneaus weiiem Geistesblick hervorblitzende und mit allem Tapferen in der Menschenbrust zuscnnmensiimmeude „Dennoch bleid' ich stets an dir. 0 Gott," daS, um mit dem Altmeister Goethe zu sprechen, die Zeiten des Glaubens z« den größte« in der Weltgeschichte gemacht hat. /