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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-11-12 · 46 (12.11.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
46 (12.11.1926)
Date
1926-11-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Hansestadt mit ihren stolzen ^nni.'.icm und öüdmiiüiacu Handelsherren. „3ciue jüdische Abstammung war — wie auch seu: Vater erfahren hatte — trotz der inzwischen durchgeführten gesetzlichen Emanzipation der Juden — für ihn naturgemäß ein Hemmnis." Aber er hätte nicht der Mann von überragender Tatkraft nutz ijcufitljtUiem Urteil fein müssen, wäre er nicht der Hemmniff-e Herr geworden. Er erkannte rechtzeitig. welcherr Umsang die Auswanderung -u gewinnen verhieß und wie wenig die Leistungen der Hamburger Reederei. zumal der Havag. dem wachsenden Bedürfnis genügten. Ta traf es sich, daß ein Neffe des bekannten Reeders R. M. Dloman. Edward Carr. sich selbständig machte und zwei Schisse ansrüstete. die in den AuSwanderungödienst zu stellen er -sich von Ballin bestimmen Uetz. Morris & Eo. wurden Generalvertreter der Carr-Linie mit der Wirkung. das, bald ein Ratenkampf entbrannte. durch den sich namentlich die hinter der Zeit zurückgebliebene Hapag ernstlich bedroht fühlte. Das Ende war, datz die Hnpag sich die bewährten Fähigkeiten Ballins Kn sichern suchte, indem sie ihn an die Spitze ihrer Passage- «btcilung stellte. Mitte Mai 1880 trat er diele Stellung au. — nicht lange nachher wurde der „jüdische Manu" mit einunddreitzlg Jahren Vorstandsmitglied der Hapag. in deren Leitung und Aufsichksral die Häupter der herrschenden Geschlechter sahen. Zn solchem Ansehen batte er sich in einem noch nicht Halden Menschenalter emporgeschwnngeu, ein selbstgemachter Mann. Und daun zeigte er au er hohlem Platz, wie berechtigt sein Bahlspruch war: „Mein TVelb ist die Welt", und im Hinblick auf ihn und sein Sckxusen konnte Wilhelm li. sagen: „Tie Welt am Ende des neunzehnten Jahrhunderts steht unter dem Zeichen des Verkehrs." Was er auf diesem seinem eigensten Gebiet geleistet Hai. ist ohne Beispiel. Er erst hat der Hamburg-Amerika-Linie „tos blaue Band des Ozeans" errungen, er dem Wort „Unsere 8«tuuft liegt ans dem Wasser" eine« plausiblen Sinn gegeben. Es ist »licht vonnöten. Batterien von Zahlen ansznfahren. nicht die einzelnen Tatsachen auch nur zu streiten. Die Stellung, die sich Ballin in der Achtung aller Welt, hüben und drüben, zu sichern gemutzt hat, die vertrauensvolle Gunst des Kaisers. die Mißgunst der Höflinge und vieler „Herren Ossi ziere" zeigen genugsam, von welchem Kaliber dieser Manu sein mutzte, wenn er, nahezu noch Jüngling, trotz der „Hemmungen infolge Konfession und Rasse", ans die Srubmann hinweist, die Seele des vornehmsten Uutcntchmeiie seiner Vaterstadt werden und dann auf bald steinigem Kamps hoben, bald glattem Hofparkett sicher genug •nnuntreteu vermochte, um nicht zu stolpern noch zu stürzen. Der Kaiser! Er hatte ursprünglich für Ballin und die Hambnrg-Amerita-Linie gar nichts übrrg. setzte sie vcel mehr bei der Eröffnung des Nordostsee Kanals zugunsten des Norddeutschen Lloyd empfindlich zurück. Aber das Blatt wandte sich, als die Veii-anölimgen über den Mvrgantricst begannen. Hier war Ball in ganz des .Kaisers Mann, will sagen der Mann, der ihm intonierte. jetzt viel stärker als der «friesische Dickiopf" Wiegand von der Bremer Konkurrenz, die sich nur zu lauge gegen alle von Ballin angeregten und dnrchgesetzten Neuerungen im Schiffbau ablehnend verhalten hatte, zumal gegen die Dvpvelschranbendampfer. Dort das revolutionäre Genie, hier der schwerfällige Pfahlbürger. Am 4. Zu ui tOOl konnte Ball in ans dem schönen Papier, das unter der Krone die Worte „Neues Palais" zeigt, seiner Frau schreiben: „Liebste, was ans dem Menschen altes werden lauti! Ich bin von einer kaiserlichen Egnivage «bgeholt worden, habe hier ein prächtiges Zimmer im Schloß und bleibe wohl bis gegen Abend hier. Um l Uhr nehme ich an der Familientafel teil. Ob im überhaupt noch mit Euch 11111gehen kann?" - / Bon jenem Tage an besäst Ballin das Vertrauen des .ZiiNaiscrs, das er jederzeit rechtsertigle. indem er. frei von aller Eitelkeit, voll allem persönlichen Eigennutz, nichts für sich erstrebte, dem Herrscher nicht wie die Byzantiner zum Munde redete, sondern die Wahrheit sagte und ihm wie dem deutscheir Vaterland nach bestem Wissen und Gewissen zu dienen suchte. Versteht sich, hast er manche Anfechtung erfuhr, da er die l.icrlofeu Flvtieupläne des Herrn von Tirpitz für verhängnisvoll lüet:. eine Verständigung mit England anstrebte, im Einvernehmen mir seinem Freunde Sir Eruest Cassel die Mission Haldaue veranlagte, die dem Weltkrieg vorgcbengt hätte, wäre sie nickst an Tirpitz gescheitert, während des Krieges die Aufopferung der deutschen Flotte in einer aussichtslosen Hochseeschlacht bekämpfte, den Unterseebootkrieg für das sichere Verderben des Deutschen Reichs erklärte, die Märzossensive von UM8;iiv die nutzlose Vernichtung von Hnnderttausenden von Menschenleben — es kam altes, wie er gefürchtet, und wovor er rechtzeitig und vertraulich gewarnt hatte. Was nutzte es. datz er Hcrknlesarbeit bei der Ernährung des Volkes leistete! Was half es. das: er zur Ansbessernna der Stimmung die Wahlresorm dringend empfahl'? Als er zum letztenmal den Kaiser sprach, liest der Kabinertsches von Berg keine Unterredung unter vier Augen zu. Am 10. September 1018 schrieb Ball in an Professor Ernst Francke: „Herr v. Berg m ein liebenswürdiger, lwchtvmcrva tiuer^ ge wist auch tüchtiger Manu, der aber das Gebot der Stnnde nicht erkennt. Konservativ sein heißt schließlich der Wunsch, die besteheudeu Verhältnisse zu bewahren. Wir sind viel tonfervativer als Herr v. Berg: denn wir möchten die Dynastie bewahren durch die Modernisicrtunv während er die gefährdet durch den Versuch, alles beim alten zu lassen." Als des Kaisers Stellung daun unhaltbar geworden war. wollte Baltin wenigstens den Thron und die Dynastie gerettet wissen: er schrieb am 27. Oktober 1918: „Warum dankt S. M. nicht zugunsten seines Enteis ab. er steht jetzt (und das will er gar nicht) dem Geschick von siebzig Millionen Menschen in, Wege. Für ihn wäre es ja eine ungeheure Entlastung, mit einer noblen Geste in das Privatleben sich zurnckzuzieheii." Aber Wilhelm II. wollte nicht, noch immer nicht. Und er verlief; am 9. November Heer und Volk und floh nach Holland. An demselben 9. November erlosch Ballins ' Lebenslicht Bis ins Innerste erschüttert, hatte er sein Lebenswerk zerstört gesehen: vom Zusammenbruch tz.es Reichs bis in die tiefsten Tiefen der Seele ausgewühlt, griff er zu Bernhigungsmitteln. die auf seinem Schreibtisch standen. Sie stärkten nicht seine erregten Nerven/sondern beschleunigten den Verfall. Noch hatte er Kraft, telephonisch den Arzt zn rufen, noch konnte er ihn zur Klinik begleiten: in ihrer Tür sank er tot zu Boden. Als Wilhelm II. feinem Land den Rücken kehrte. ..war sein klügster Freund in eine andere Welt nnerwartet hinübc-rgegangen." sagt Stubmann. „Wenn fanatischer Uitverstand auch seinen Namen gelegentlich im Zusammenhang mit anderen nannte, die als Beispiel für die Mackst des „internationalen Kapitals" oder gar der „jüdischen Weltherrschaft" angeführt wurden, dann konnte dies nur in vollständiger Unkenntnis feines Wirkens geschehen," so ist bei Stubmann zn lesen. Ballin hat öffentliche Ehren aller Art, Titel und Remter abgelehnt. „Er hätte Exzellenz und Minister werden können, wenn er gewollt hätte. Einer der Gründe, die ihn am Wollen hinderten, war die Tatsache, daß er Jude war." Er war nicht willens, das vom Bater überkommene Bekenntnis aufzugeben. „Ja, ihn beherrschte", schreibt sein neuester Biograph, „oft genug das entgegengesetzte Gefühl. Er glaubte selbst in de« Jahren feiner größten .Erfolge Lei feinen Verhandlungspartnern ab uub zu das Vorurteil antisemitischer Gesinnung vorauLsetzen zu muffen, das alte Mißtrauen, das sich immer von neuem durch die Generationen und führenden Männer beS zerstreuten Volkes aus dem Osten verwirrend hindurchzieht, gefördert durch die immer wieder aufsteigende R a s s e n h e & c einer politischen ^Tendenz . . Ucbcrflüssig, zu bemerken, datz Tr. Stubmann, Senator a. D., rassereiner Arier ist. Die letzte Aufzeichnung itt Ballins Tagebuch, vom 2. November 1918, lautet: „Stin nes ließ mir Mitteilen, daß sowohl das Zerttrum wie die Sozialdemokraten dafür wären, datz ich die Friede nsverhandlungen führen muffe. Ich habe ihm sagen lassen, daß ich nicht kneifen würde, aber jedem andern es lieber gönnte." Treffend setzt Stubmann hitrzu, wenn man sich vorstelle, daß Lsallin den Weg Erzbergers gehen nnd die Demütigungen von Compiögne hätte erleben sollen, in den politischen Kampf, in den Hast der Parteien lstneingevissen. „man köntlte mit Grauen glauben, daß ibm aufgepeitschter Rassenfanatismus alle Mühen um das Vaterland mit dem Ende Walter Rathenaus gedankt hätte." -- Und wie erst wäre, wenn Ballin am Frieden von Versailles milgewirkt hätte, gegen die deutschen Inden insgesamt geeifert und gegeifert mürben! „Unruhe heisst die Schöpfer traft," fügt Richard Dehme!. Unruhe, der Trieb, immer Neues und Großes zu wirken, llicht satt aas Lvrbeern zu ruhen, sondern hem Fortschritt nnd Vollsivobl bisher unbekannte Bahnen zu brechen, erfüllte Albert Ballin. Ein Schöpfer war er, „mehr Künstler als Rechner", wie sein Freund Max W a r b u r g im Nachruf gesagt hat, ein Wirtschaftsführer. wie Deutschland ihrer wenige, sicher keinen größeren hervorgebracht hat. Er war dabei ein vornehmer Eharakter. Und ein treuer Deutscher, der die eigenen Interessen nie über die deS Volkes und des Vaterlandes gesetzt hat. Er ist eine der leuchtendsten Gestalten des Wilhelminischen Zeitalters und wird einen Ehrenplatz füllen in der Geschichte deutscher Reederer, Politik und Kultur. Von ihn'., wenn je von einem, gilt Schillers Wort: Euch, ihr Götter, gehört der Kaufmann: Güte r zn suchen, Geht er, doch an sein Schiss knüpfet das Gute sich an. \ Aus den Gemeinden Aachen. iS e ch 5 i g st e r Geburtsia g.) An: 19. Nouembcv d. F. begeht Salo Dublon, Lehrer an der öfsentlichen israelitischen Volksschule sein 60. Wiegenfest. Es ist dem Jubilare vergönnt, zugleich auch ans eine fast 42 jährige erfolgreiche Tätigkeit im Dienste der Schule znrnckznblickeu. Herr Dublon, ein Schüler des Münsterschen Lehrerseminars, amtierte zuerst, kaum 18 Jahre alt, in Oelde, in Westfalen, und kam danit nach Düren. Bon hier ans besuchte er, mit einer sympathischen Baritvnstimme begabt, das Konservatorium der Musik in Köln mtb hatte den Erfolg, als Kantor nach Aachen berufen zn werden, im Hanptamte zugleich als 1. Lehrer der städtischeil israelitischen Schule. Unter feiner zielbewnßten Leitung erreichte der Aachener Synagogenchor die Höhe künstlerischen Könnens. Er verfaßte das neue Ehoralbnch der Aachener Synagogengemeinde, dem er idas Stossmaß der hebräischen Liturgie beschränkend) die »Würltemvergischen Gesänge" zugrrtnde legte. Der Jubilar, der sich der besten Gesundheit ersreni. arbeitet noch rüstig im Dienste der Schule, nebenbei seine Neigung und Erfahrung —' unbekümmert um Wind und Wetter — in die Förderung der yrakiischen Gartenarbeit stellend. So ist er an dienstfreien Nachmittagen mit den Schülcrii der Oberstufe im Schulgarten tätig, Lust iknd Liebe zur Natur, zur heimatlichen Scholle, zur Bodenkultur, in die Herzen der jüdischen Kinderwelt pflanzend. Möge dem fleißigen Arbeiter im Weinberge Gottes, möge dem energischerk, aus die soziale Hebung seines Standes bedachten Kollegen noch eine lauge Reihe von Jahren zuirieöcneu Glückes beschielten fein, das ist zu feinem 60. Wiegenscste unser uuö seiner zahlreichen Freunde aufrichtigster Wunsch! Berlin, l B 0 m P r enßischen L a u b c & v e r 6 0 lt i> jüdischer Gemeinde lt.) Am 7. November 1926 fand in: Sitzungssaal der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße, die Sitzung des Liberalen Nnterrichtsausschusses des Preußischen Lalidesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Ainvesend waren die Herren J.R. Lilienthal, Prvs.Türk. Rabb. Dr. Bvgelstein-Brcslau. Rabb. Tr. Galliner, Studiendirektor Dr. Glttmann, Studiendirektor Tr. Driesen-Frauksurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Merzbach-Franlsnrt a. M., Stndienrat Dr. Wachsner, Robert Hirschseld, Mittelschnllehrer Stern, Religiouslehrer Goldschmidt-Dortinund, Rabb. Dr. Steinthal-Münster, Julius Wolfsohn-Breslan. Zum Borsitzeirdeil des Anoschusseö wurde Rabb. Tr. Vogelstein gewühlt, zum ersten Stellvertreter Herr Justizrat Lilienth-ll, zum zweiten Herr Pros. Türk, zum ersten Schriftführer wurde Herr Mittelschnllehrer Stern, zuin zweiten Herr Religionslehrcr Goldschmidt-Dortmnnd besrilnmt. Nachdem Herr Rabb. Dr. Bogelstein den Vorsitz übernvmmeu hatte, referierte Herr Direktor Dr. Gntmann über die geplante Neuregelung der Ausbildung von jüdischell Bolksschullchrern, Religionslehrern und Kantoren. Nach eingehenden Beratimgen wurde bcschloffen. Schritte zn unternehmen mit dem Ziele, daß an der simultanen pädagogischen Akademie zil Frankfurt a. M. eine jüdische Sektion eingerichtet werde. Ferner sollen besondere Anstalten zur Ausbildung von Religionsleürcrn nnd Kultusbeamten errichtet werden, deren Bildung derjenigen der Bolksschullehrer gleichwertig sei. Die Trennung des Lchächtamts vom Amte des RcligionslehrerS und Kantors soll angcstrebt werden. Dann wurde in einer Entschließung die von den öfsentlichen höheren Lehranstalten des Philantropins in Frankfurt a. M. geschaffenen Einrichtung, begrüßt, die bereits jetzt für den Gesamtbereich Prelißenö eine Lehrerausbildung ermöglichen. Diese schließt mit der Reifeprüfung innerhalb des Reform-Realgymnasiuuls des Philantropins ab, woraus diese Lehrcr-Abiturienteii einer zu errichtenden jüdischen Sektion der Frankfurter simultanen pädagogischen Akademie zur endgültigen pädagogischen Ausbildung zugeführt werden könnten. Neber die Prüfung in der jüdischen Religion bei der Lehramtsprüfung berichtete Herr Studiendirektor Dr. Triesen. Der Ausschuß beschloß, den Landesverband zu ersuchen, die begonnenen Bestrebungen zu Erreichung einer staatlichen Prüfung in jüdischer Religion bei der Lehramtsprüfung tatkräftig weiterzuführen und den Bericht des Herrn Studiendirektors Dr. Driescn der Kommission für die Ausarbeitung einer Prüfunasirnd Studienordnung für jüdische Religionslehrer als Material zu überweisen, lieber die Ausnahme von Zeugnissen bezüglich der Leistungen in jüdischem Religionsunterricht auf Privatschulen referierte kurz Herr .Hirschfeld. Endlich wurde noch über das im Manuskript vorliegende Quelleulescbnch des Herrn Dr. Höxter-Frankfurt <l M. von Herrn Dr. Vogelstein berichtet. Man beschloß einstimmig, dieses Werk zu fördern. Corback lWaldeck). lAchtzigster Geburtstag eines LehrerveteransJ Letzten Sonntag konnte der hier im Ruhestande lebende Lehrer Heilbronn unter reger Teilnahme befreundeter Kreise feinen 80. Geburtstag in befriedigender körperlicher und geistiger Gesundheit begehen. Der Jubilar gehört zn den wenigen jüdischen Lehrern, die an Simirltanschulen Anstellung erhielten, da er bis zur Pensiouierung in dem thüringischen Städtchen Gehaus au einer derartigen Anstalt wirkte. Lehrer bronn ist Mitkämpfer des Krieges 1870/71 gewesen: den Berufsfragen hat er dttrch eifrige Betätigung in den Fachvereitten reges Jtttereffe entgegcngebracht, weshalb die Tennähme atl seinem Familienfeste auch seitens seiner Amtsgenvffeu eine besonders rege und herzliche war. Dresden. (5! a ch a h m e n s w e r t e W 0 h l t ä t i g k e i t) Die Firma Massow & Waldschmidt, die kürzlich ihr 50 jäh«- rigeö Bestehen feierte, ließ in der Fachpresse darum bitten, mit Rücksicht auf die große Arbeitslosigkeit von Blnmenspenden abzuschen: statt dessen aber entsprechende Geldbeträge dem Dresdetrer Stadtfiirsorgeamt zu übermitteln. Artf diese Aufforderung hin gingeit der städtischen Unterstntznngskaffe über 2000 Rt. zu. Zugleich ließ die Firma aus Anlaß ihres GeschäftsjubiläuntS dem Fürsorgeamt 1000 Trikothemden. 1060 Trikotbeinkleider und 1000 Paar Wollsocken übergeben. Dem Vorstand der hiesigen Israelitischen Religionsgemeinde wurden für Zwecke der WohlfahrtSpslegv 3000 M. zur Verfügung gestellt. (!-ablonz. iT 0 d des R a b b i n e r sst Hier verstarb der Rabbiner nuferer Gemeinde, Dr. Hermann Baneth. Der Vorstand der Llnllnsgemeinde erläßt einen Nachruf, in dem es heißt: „Die Gemeinde verliert in dem Tahingeschiedencn ihren Seelsorger, welcher durch mehr als drei Jahrzehnte das Seelsorgeamk und das Rabbinat in der Gemeinde ausgeübt: und sich durch seine vornehme Gesinnung, seinen aufrichtigen Charakter und die hervorragenden Eigenschaften seines Geistes und Herzens die allgemeine Verehrung sowohl in der Kultusgemeinde als auch außerhalb derselben erworben hat. Gersseld. (T v d des G e m e i it d c 0 0 r st e h e r s.« Der Vorsteher der hiesigen Gemeinde, M. Wohlhaus, ist im 62. Lebensjahre verschieden und wurde unter starker Beteiligung der Ortseingcseffenen zur letzten Ruhe geleitet. Während der mehr als zwanzigjährigen Amtstätigkeit als Gemeindeältester hat sich der Verstorbene in hohem Maße um die Förderung der religiösen Jntereffen verdient gemacht, toas auch bei der Trauerseier mit Dank und Worten der Anerkennung hervorgehobcn wurde. Die israelitische Gemeinde wird ihrem langjährigen geachteten und verdienten Oberhaupte ein getreues Gedenketr bewahren. Hamburg. 1H a n d w e r k e r j u 6 i I a m m.) Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender zn Groß-Hamburg voit 1006 beging am vergangenen Sonntag in einer öfsenilichelt Feier sein zwanzigjähriges Stiftungsfest. Um den herrschenden Mißständen und dem Vorurteil yegeu jüdisches Handwerk entgegentreteu zu können, taten sich seinerzeit einige Handwerker zusammen, die zum großen Teil dem Verein noch heute angehören, und gründeten den Verein selbständiger jüdischer Handwerker zu Hamburg. Die weitere Enttvicklung wird am besten dokumentiert durch seine Gründungen, unter anderm den Zentralverband selbständiger jüdischer Handwerker Deutschlands, der seinen Sitz in Berlin hat nnd über ganz Deutschland verbreitet ist. Heute ein Faktor im deutschen Judentum, der besonders durch Tat, Wort und Schritt den Gegenbeweis für die Behauptung der Antisemiten, daß die Inden keine produktive Arbeit leisten, antritt. Der jüdische Gehilfenverein ist auch eine*! Gründung des Vereins. Weiter das jüdische Lehrlingsheim, wo alle jüdischen Lehrlinge Belehrung, Unterhaltung, Zusammenschluß und Fürsorge finden. Die Berufsberatung nnd Lehrstellenvermittlung liegt in den Händen des Hanbwerkervereins. Die Jrauengruppc des Vereins hat die soziale Aufgabe übernommen, mit Rat nnd Tat zu helfen, in Not und bei ernsten und frohen Familienereigniffen. Köln. (Aus dem G em ein de leb enJ Am 1K>'rOktober wurde der erste Spatenstich zu einem Synagogenneuhau für Köln-Ehrcufeld getan. Das Gebäude soll ein cinfscheS, geschmackvoll ausgestattetes Gotteshaus werden. Wie wir bereits berichteten, haben Vorstand und Repräsentantenversammlnng ans Antrag der Liberalen die Einführung des aktiven nnd passiven Frauenwahlrechts beschlvssert. Der hiesige koyscrvativ-jüdische Verein hat hiergegen wegen Verletzung von 8 41 des Jndengesetzes von 1847 einen Protest beim rheinischen Obcrpräsidentett eingereicht. Nürnberg. sV 0 r st a n d s - N e u w a h I.) Am 3. November trat die Gesamtverwaltnng der israelitischen Knlturgemeinde Nürnberg zusammen, um einen Nachfolger für ihren kürzlich verstorbenen l. Vorsitzenden. Geheim'rat Dr. Held, zu wählen. Einstimmig wurde Herr Ludwig Rosenzmeig gewählt, der schon jahrelang sowohl an führender Stelle in der hiesigen Gemeinde wie im Verband bayerischer Gemeinden steht. Neu gewählt wurde in den engeren Vorstand der Gemeinde Herr Joses Aufseesser, ebenfalls langjähriges Mitglied der Verwaltung und besonders tätig für die liberale Vereinigung. Die liberale Fraktion ernannte an Stelle des bisherigen 1. Vorsitzenden Herrn Rosenzweig nun Herrn Jnstizrat Tr. Erlanger zu ihrem Führer. Treysa. sE h r e n m a M Den im Weltkriege gefallenen Söhnen unserer Stadt wurde ans dem Schwalmberge etn Ehrenmal errichtet, dessen Einweihung kürzlich unter starker Beteiligung der gesamten Bürgerschaft, örtlicher nnd benachbarter Vereine und Delegationen stattfand. Auch die Vertreter der Geistlichkeit nahmen an der erhebenden Feier teil. Neben dem Ortspfarrer der evangelischen Gemeinde hielten der in Ziegenhain ansässige Geistliche der Katholiken und Prov.-Rabbiner Dr. Cohn-Marburg als zuständiger Beauftragter der jüdischen Gemeinde Ansprachen. Mit besonderer Genugtuung kann sestgestellt werden, daß die Worte des Herrn Rabbiners auf alle Teilnehmer einen nachhaltigen Eindruck machten. Ebenso günstig wirkten die Worte des Bürgermeisters Stein, -er aus die Harmonie der verschiedenen Konfessionen hinwies und damit den Wunsch verband, datz der konfessionelle Friede ein dauernder bleiben möge. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde würden diesem Wunsch um so lebhafter zustimmen, als die völkische Agitation auch hier ihre eifrigen Vertreter hat. Wien. tD e r Rabbiner v 0 n Linz gestorben.) Am Sonntag ist in Linz der langjährige Rabbiner der dortigen jüdischen Gemeinde, Herr Moritz Friedmann, knapp vor Vollendung seines 90. Lebensjahres gestorben. Der Verblichene war 1S36 ist Nagy-Kiraly als Sohn eines Rabbiners geboren, besuchte dann die Je chiwah in Preßburg, wgr mehrere Jahre Rabbiner in Wien, kam 1883 als Rabbiner nach Linz, wo er noch bis in die letzten Jahre wirkte. Durch vier Jahrzehnte gehörte er dem österreichischen Landesschulrat an. An seinem bevorstehenden 90. Gebnrtstagsseste sollte ihm eine Auszeichnung durch den Dundespräsidenten der Republik zuteil werden. In der Linzer jüdischen Gemeinde herrscht große Trauer. Aus der Bewegung fff t Berlin. tA r b e i t s g e m e i u f ch af t Jüdisch-liberale r I u g c n d v e r e i n e.) Der Gründer und erste erfolgreiche Führer des Magdeburger Jli, Edgar Frieümänn, der seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hat, hat als geschäftsführendes Vorstandsmitglied die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft übernommen. Berlin-Karlshorst. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin e. D.) „Warum sollen sich die live-

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