Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 45 (5.11.1926)
- Date
- 1926-11-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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J 6. Jahrgang Nummer 45 Beilage S. November 1926 Die jüdische Gegenwart! #m Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Verban-Stag des Preußischen Landesverbandes jüdycher Gemeinden ist nunmehr definitiv für den 21. November und folgende Tage einberufen worden. Auf der umfarrgreichen Tagesordnung stehe» neben der Genehmigung der Etats für das laufende und das kommende 9ta'ör vor oueat auch die Schaffung des Reichsverbandes der deutschen Nuden und die Revision des preußischen Jüdenrechts. Bon «er liberalen Fraktion ist. wie wir hören, ein Entwurf einer Beamtenordnung eingereicht worden, auf den wir noch zurückkornmen werden. Sehr bedeutungsvoll ist auch folgender Antrag der liberalen Fraktion: „Es ist der Verbandsversammluna bekannt. Latz, entgegen einer sonst in Einbürgerungsfragen geübten milderen Praxis, die Einbürgerung in Deutschland wohnender Ausländer jüdischen Glaubens nicht oder nur in äußerst seltenen Fällen stattfindet. Insbesondere das Len Ländern rn Einbürgerungsfragcn gewährte Recht aus 8 9 des Reichs-und Staatsangehörigkeisgesetzes vom 22. Juli 1913 hat zu diesem Ergebnis geführt. Der Verbandstag sieht in der grundsätzlichen Ablehnung oder Nichterlediguna derartiger Einbürgerungsgesuche eine unbillige Härte.- er ist auch nicht der Meinung. Latz diese Praxis im richtig verstandenen deutschen Intercffe liegt. Er melst darauf hin. daß sich unter den in Deutschland wohnenden Juden ausländischer Staatsangehörigkeit zahlreiche Persönlichkeiten befinden, die seit Iahrzclinten mit dem deutschen Wirtschaftsleben und der deutschen Kultur verbunden sind. Zum Teil sind sie in Dentschland bereits geboren und erzogen. Der Verbandstag ersucht dcn Rat, bei den zuständigen Behörden für eine Beseitigung dieser Praxis und eine gleichberechtigte Behandlung der Personen jüdischen Glaubens mit anderen Ausländern in Einbürgerungsfragen einzirtreten." » d * Der Große Rat der Preußischen Laudesversammlnng trat kürzlich zu seiner, letzten ordentlichen Tagung vor der für den -21. November einbernfenen Landesversammlung zusammen. Die Beratung befaßte sich zuerst mit dem Etat und Rechnnngsabschlntz. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1926 27 und 1927/28 schließt mit einem Ausgaben- Posten von etwa 916 000 Mark ab. Zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden für die Erhaltung des Religionsunterrichts und Aufbesserung der Lehrergehälter sind 154 006 Mark eingesetzt, für Einrichtung von Bezirkslehrerstelle» 50000 Mark, für Baubeihitsen 50 000 Mark, für Beihilfen für Knltusbeamtc im Dienst 25 000 Mark, für Beihilfen für Kultnsbeamte außer Dienst und deren Hinterbliebene 25 000 Mark, für Beihilfen für Flüchtlingsrabbiner und Rabbinerwitwen 20 000 Mark, für die Bildung von Bezirksraböinaten 50 000 Mark, für die drei theologischen Hochschulen in Deutschland insgesamt 150 000 Mark, für Institute Mr die Wissenschaft des Judentums 33 000 Mark, wozu noch 20 000 Mark als Beihilfen .für wisienschaftliche Arbeiten koMiE Der 'Posten für Wohlfahrtspflege tst E 100 000 Mrrrk^beziffert. An Bildungsstätten zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Schächter», sowie für Stipendien an Seminaristen sind insgesamt 21000 Mark eingesetzt. Der Geschäftsführer des Landesverbandes setzte sich für eine Aenderung der Finanzierung des Landesverbandes ein. Er wünschte die Erörterung, ob nicht eine individuelle Besteuerung durch Zuschüsse zur Einkommensteuer Platz greifen müßte. Die sehr sympathisch aufgcnommene Anregung, bei deren Verwirklichung im Gegensatz zu der heutigen Ausbringung der Mittel durch Gemeindezuschüsse der Landesverband besser und sicherer finanziert sein würde, wird die Landesversainrnlung beschäftigen. Ferner wurde eine Satzungsänderung dahingehend beschlossen, daß in Zukunft für alle Ratsmitglieder, sowohl für die von den Gemeinden, als auch für die von der Landesversammlung gewählten und dis von den Landesvertretnnge» nominierten, Ersatzvertretcr bestellt werden sollten. Der Antrag Klee wurde mit -er für Verfassungsänderung erforderlichen Majorität angenommen. Eine sehr eingehende Debatte führte die Frage der Begründung des Reichsverbandes herbei. Justizrat Lilienthal referierte über den Entwurf, wie er in der letzten Sitzung der Reichsverbandskommissiou definitiv festgelcgt worden war. Es wurde noch einmal auf die in der Reichsverbandskommisfion gegebene Anregung von Justizrat Hommel- Schweinfurt znrückgegrifscn, einen Minoritätenschutz bei der Ratswahl eiuzuführen. Eine entsprechende Resolution wurde von Herrn Moritz A. Locb vorgelegt. Die Notwendigkeit eines solchen Minoritätenschutzes wurde allseitig anerkannt, insbesondere auch von Herrn Justizrat Sonnenfeld. Rechtsanwalt Klee schloß sich dieser Forderung an, betonte aber, daß er und seine Freunde dem gesamten Reichsverbandsentwurf mit größter Reserve gegenüberstünden. Eine für.den 17. November nach Berlin einbernfene Reichstagung der der jüdischen Bolkspartci angehörenden Repräsentanten und Vorsteher aus dem Reiche werde definitiv zu der Frage Stellung nehmen, ob die jüdische Volkspartei in der Landesversammlung den Entwurf ablehiren solle. Für die juristische Formulierung des Minoritätevschutzes bei der Ratswahl würde eine Kommission gewählt, der von den Liberalen Jüstizrat Sonnenfeld und Justizrat Lilienthal angehören. Es wurde alsdann die Frage des Judengesetzes besprochen und auf Antrag Dr. Herzfeld-Essen beschlossen, den vorläufigen Entwurf mit den gesamten Materialien zu publizieren, um dem gesamten preußischen Judentum die Möglichkeit zu ergänzender oder kritischer Stellungnahme zu gebeiW Erst später solle dann auf Grund des Ergebnisses Ler öffentlichen Diskussion die definitive Bearbeitung vorgenommen werden. ^Professor Elbogen referierte über ein Quellen-Lesebuch deS Frankfurter Pädagogen Dr. Julius Höxter, das eine fühlbare Lücke in der jüdisch-pädagogischen Literatur auszufülle» berufen sei. - Dr. Freund referierte dann eingehend über den Stand der. Gtaatsbeihilfen für das kommende Jahr und über die EinriLtuna einer Reihe von Bezirksrabbinaten. die vom Landesverband in nächster Zeit geschaffen werden sollen. * * * . Am Sonntag, den 31. Oktober d. I.. konstituierte sich der liberale Kultusausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Es waren die Herren Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M.. Rabbiner Dr. Warschauer. Dr. Weyl, Prof. Dr. Elbogen, Direktor Dr. Spanier, Oberkantor Zivi-Elberfeld, Seminarlehrer Falkenberg. Rechtsanwalt Heinrich Stern, Justizrat Dr. Blau-Frankfurt a. M., Prof. Iosua Friedländer, Frau Hauptkantor Friedmann jstellv. Mitglied für Rechtsanwalt Dr. Baerwaldt-Frankfurt a. M.) erschienen. Herr Justizrat ^Blau eröffnete die Sitzung und verlas einen Brief des Herrn Dr. Baerwald, in dem -Leser die §M,e»nlgung der Drucklegung eines allgemeinen jüdischen Einheitsgebetbuches fordert. Es wurde festgestellt, daß drei Gremien, Herren des liberalen Kultusausschufses, die Vereinigung der liberalen Rabbiner und die Berliner Gemeinde bereits Vorarbeit mit Bezug darauf geleistet haben, und ^an beschloß, eine Bereinigung dieser drei Aktionen herbei- Ä,?ren. Nach lär^eren Diskussionen, an denen M hauptsächlich Prof. Dr. Elbogen, Rechtsanwalt Stern, Rabbiner Dr. Seligmann und Oberkantor Zivi beteiligten, wurde eine Kommission gewählt, die das Einheitsgebetbuch fertigstellen jvll. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Herr, Rabbiner Dr. Seligmann gewählt, der auch die deutsche Uebersetzung des Gebetbuches festsetzen will, nachdem der hebräische Text fast fertig vorliegt. Erster stellvertretender Vorsitzender wurde Herr Justizrat Dr. Blau, zweiter stellv. Vorsitzender Prof. Dr. Elbogen. * . * Berlin. 27. Oktober. (ITA.) Herr W. Latzki-Ber- **cr bekannnte jüdische soziale Führer, früherer rndsicher Minister in der Ukraine, hat sein Mandat als Mitglied des Landesverbandes der preußisch-jüdischen Gemeinden niedcrgelcgt. da er sich jetzt in Riga als Redakteur der Tageszeitung „Frimorgn" niedergelassen hat. An seine Stelle rückt der nächste Kandidat der volköparteilichen Liste, voraussichtlich Frau Sonja Gronemann, die Gattin des bekannten Berliner Rechtsanwalts und Schriftstellers S, Gronemann, als Abgeordnete ein. Frau Gronemann ist besonders durch ihre Tätigkeit im Verbände jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina weiteren Kreisen bekanntgeworden. Es ist dies nicht der erste Fall, daß Ausländer, die nur vorübergehend sich in Dentschland aushielten, hier in jüdische Ehrenämter berufen worden sind und nach kurzer Zeit ihr Amt niederlegen mußten, weil sie Deutschland wieder verließen. Es erscheint uns nicht angebracht, vorübergehend hier Anwesende mit solchen Aemtern zu betrauen. 30 Jahre K. C. Der Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studen- 1 ca jüdischen Glaubens, der bedeutendste Zusammenschluß der deutsch-vaterländischen jüdischen Studentenschaft, begeht in diesen Tagen die seltene Feier eines dreifachen Jubiläums: die Wiederkehr des 40jährigen Gründungstages seiner ältesten Verbindung „Viadrina", das 30jährige Bestehen des Verbandes und das 25. Stiftungsfest seiner Breslauer Verbindung „Thuringia". Die Verbindungen im K. C. entstanden als Reaktion auf die antisemitische Agitation der 80er Jahre, ihre Tendenz, die energische Abwehr des Judenhasses vom Standpunkte deutsch-vaterländischer Gesinnung und unter Betonung eines bewußten Judentums, hat die politische Idee des deutschen Judentums maßgeblich beeinflußt und zur Gründnng seiner großen organisierten Vertretung, des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens geführt. Als studentische Korporation tragen die K. C.-Berbindungen Couleur und stehen aus dem Boden der unbedingten Genugtuung mit der Waffe. Sie erblickten, namentlich vor dem Kriege, in dem ^äbel das geeignete Instrument zur Verteidigung ihrer .rsönlichen Ehre und zum Schutze der jüdischen Würde, -ne Entwickelung der. studentischen Verhältnisse nach dem Kriege, die schließlich zu einer allgemeinen Satisfaktivnsverweigeruug gegenüber den jüdischen Studenten führten, konnte auf den K. C. nicht ohne Einfluß bleiben. Er ' erblickt heute seine Hauptaufgabe darin, seine Mitglieder durch geistige Ausbildung und sportliche Erziehung zum Kampf gegen den Antisemitismus zu stählen. Der Verband ist mit 17 Korporationen an sgst allen deutsche» Hochschulen vertreten und ist überall eine starke Stütze der studentischen Minderheiten. Mit ihnen gemeinsam setzt er sich für ein sachliches und unpolitisches Arbeiten der studentischen Selbstverwaltungskörper ein. Seine Verbandsangehörigen sind in den studentischen Vexsassungskämpfen der letzten Jahre häufig genug führend hervorgetreten. lieber die Breslauer Verbandstagung des K. C. werden wir in unserer nächsten Nummer berichten. Eine Konferenz von Juden und Christen zu London. Am 29. Oktober wurde in der Liberalen jüdischen Synagoge zu London die gemeinschaftliche Konferenz zwischen Vertretern des liberalen Judentums und solchen der christlichen Konfessionen abgehalten. Die Ziele der Konferenz waren die Förderung des freundschaftlichen Verkehrs zwischen den Anhängern der einzelnen Konfessionen, aber auch die Erörterung religiöser und sozialer Probleme, insbesondere des Lohnsystems. In der 1. Sitzung, in der Generalmajor Frederik Maurice den Vorsitz führte, referierte der Hauptrabbiner der Liberalen Synagoge, Dr. I. I. Mattuck, über: „Der geistliche Aspekt des Lohnsystems" und führte aus: Das System der Entlohnung der Arbeiter habe geistliche Ausblicke, da es menschliche Beziehungen bloßlege. Der geistliche Grundsatz aber ist die Achtung vor der menschlichen Persönlichkeit. Um dem religiösen Prinzip der Achtung vor der menschlichen Persönlichkeit Genüge zu tun, sei es notwendig, daß dem Arbeiter Einblick in die Organisation und Verwaltung der Industrie, in die eigentlichen Bedingungen seiner Arbeit gewährt und ihm ein direkter Nutzen an den Ergebnissen der Arbeit eingeräumt werde. Die soziale Gesetzgebung in der Bibel ist auf dem Prinzip der freien Arbeit des Mannes aufgebaut. Um diesem Prinzip gerecht zu werden, müssen wir daraus hinarbeiten, das Lohnsystem in ein System freien Gemeinschaftsdienstes z» verwandeln. — Es sprachen noch Prof. T. E. Gregory von der Londoner Hochschule für Volkswirtschaft, Miß Constanze Smith, Malcolm Sparkes n. a. m. Die Konferenz wurde mit einem Gebet eröffnet, das von allen stehend mitgesprochen wurde. ■> * In dem Organ des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus weift dessen Redakteur, Dr. Horlacher, auf die angekündigte linzwischen bereits stattgefundene) Londoner interkonfessionelle Konferenz hin und schreibt u. a.: „England kennt nicht den Antisemitismus, wie er heute in Deutschland herrscht. Und trotzdem hat es eine solche Aussprache zwischen christlichen Geistlichen und jüdischen Rabbinern für nötig erachtet, um jeder Intoleranz a priori vorzübeügen. Aus richtig verstandenem Christentum heraus. Müssen wir Deutsche es nicht als ein Versäumnis ansehen, daß wir nicht schon längst auf den Gedanken einer solchen „Toleranz-Konferenz" gekommen sind? Wir, deren Vorfahren einst um einer Auseinandersetzung in religiösen Fragen willen den Dreißigjährigen Krieg getragen Haben, Zollten wir jetzt nicht-den Mut. aufbriugen, für eines der höchsten religiösen Gebote, für die Nächstenliebe, ein wenig unsere Indifferenz zu überwinden. Wohl haben vor Jahrzehnten Hunderte unserer Geistlichen zusammen mit Vertretern der Wissenschaft, des politischen und kulturellen Lebens sich immer wieder gegen antisemitische Fälschungen und Tendenzlügen gewandt: aber heute, wo der Antisemitismns eine schauerliche Blüte erlebt und in seinen letzten Konsequenzen auch an die Wurzeln des Christentums rührt, heute stehen viele, allzu viele Diener der Religion abseits» stehen außerhalb einer Abwehrfront.' Und doch ist die Stellung zum Antisemitismus ein Prüfstein für die Geist«! lichen — auch in den Augen der Gemeinde." Dr. Horlacher fährt fort: „Ist der Berus des Geistlichen eine Führerrolle unter Betonung des Religiös-Ethischen, so ist der Beruf des Universitätsprofessors die Rolle als. Mittler der Wahrheit und Erzieher zur Wahrhaftigkeit . . . An der Erscheinung des Antisemitismus kann — gerade an dcn Hochschulen — heute niemand mehr achtlos vorübergehen. Die gegenwärtigen Zustände zwingen geradezu zn einer Stellungnahme. Ein Mann, welcher der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit dient, mutz deshalb sich ein Urteil bilden über die Behauptungen der Antisemiten. Wie dieses Urteil ausfällt, ist uns nicht zweifelhaft. Da aber »Professor" sein heißt „Bekenner" sein, möchte mau hoffen, datz auch von der Seite der Professorenschaft dem Antisemitismus entgegengetreten wird." Der Verfasser schließt: „Geistliche und Hochschulprofessoren — das Wesen ihres Berufes heißt sie unser Bundesgenosse sein.. . . Biel Schaden angerichtet hat die Scheu, sich mit der Gegenseite auszusprechen. Aus Konzession an den Antisemitismus vermied man nur allzusehr den Verkehr mit dem Juden, auch mit den jüdischen Kollegen . . . Hier in erster Linie gilt es, das bisherige Verhalten zu ändern. Die Londoner Konferenz zwischen den ch r i st - lichen G e i st l i ch e n und jüdischen Rabbinern möge Nachahmung finden." Zum Ablebm von Harry Brehlau. Mit dem in voriger Woche im Alter von 78 Fahrest mv schiedeven Historiker H arry B re blau ist kein «Feld-, Wald- und Wiescnprofessor. wie es deren in Deutschland viele gibt. dahingegangen, sondern ein Gelehrter von Welt* ruf, eine überragende Persönlichkeit, ein wissenschaftlicher Bahnbrecher und ein aufrechter, selbstbewußter Jude, der auf seinen uralt-ehrwürdigen, ererbten Glauben stolz war. In den letzten Jahren sind eine ganze Reihe großer jüdischer Gelehrter gestorben,- die Zahl der über ihr Vaterland hinaus berühmten deutschen Inden vermindert sich stetig, und besorgt halten alle kulturell Interessierten unter uns nach dem 4! a ch w u ch s Umschau. Harry Breßlau stammte aus Dannenberg bei Hannover: fein Vater war ein in auskömmlichen Verhältnisse« lebender Bankier: die aus dem Rheinland stammende Familie fcftier Mutter, die H eine m ann sche Familie, hat mehrere tüchtige Gelehrte und geschickte Aerzte hervorgbracht. Harry sollte in das kleine, väterliche Bankgeschäft eintreteu: aber wisienschaftliche Befähigung und Forschertrieb lieben ihn im Kausmannöstanü keine Befriedigung finden. Er besuchte das Gymnasium zu Lüneburg, bestand als primus omnium das Abiturieuten-Examen, studierte in Götitngen und in Berlin Geschichte. 1869 promovierte er mit einer umfangreichen Abhandlung ^.Die Kanzlei Kaiser Konrads II". die in ganz Deutschland Derer ts Aufsehen er-, rfgte Vnh b.ej der erkennuug fand. 1 examen und veröffentlichte Hebräischen BibliogvaPhie seine ausgezeichnete 'flehte 2fr-- ' beit: „Zur Geschichte der Jude» in Deutschland". 1870 biS' 1872 war-er Geschichtslehrer an der Realschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M.. dem heutige» Philanthropin. Von 1872—1877 war er Lehrer an der Andreas- Realschule zn Berlin. Gleichzeitig habilitierte er sich als iwer cuiiuwv. xo», ivhuh u >,»«" u» lichcn Professor ernannt. Und er nahm sich daun nicht wie der ttnglückliche jüdische Historiker Ja sie das Leben, als er — seines Judentums wegen — bei Besetzung der Ordinariate immer wieder überaanaen würde, sondern er vergalt diese Vernachlässigung und amtliche 'Nichtbeachtung seiner Person auf eine sympathischere Weise, indem cr — bedeutendere Leistungen als die meisten seiner Fachkollcgen vollbrachte. —' 1890 würde er endlich ordentlicher Professor in Stratzburg: hier errang er sich die Achtung seiner Kollegenschast in dem, Maße, daß cr 1994 einstimmig zum Rektor der Straßburger, Universität gewählt wurde. 1913 zog er sich vor: seinem Lehrstuhl zurück und widmete fid> in Heidelberg ausschließlich seinen wissenschaftlichen Arbeiten. Auf dem Gebiete der-, mittelalterlichen Quellenforschung zählte er zu Leu erste» lebenden Autoritäten.- sein Hauptwerk, das „Handbuch der Urkundenlehre für Deutschland und Italien", ist ein Standardwerk ersten Ranges, das eine Menge scharfsinniger Gedanken und wertoller Einzelseststellungen enthält. Von der preußischen Regierung wurde er zur Mitarbeiterschaft bei der .Herausgabe der „Jahrbücher des Deutschen Reiches" herangezogen. Außerdem wurde er Herausgeber des „Archivs für ältere deutsche Geschichtskunde" und des „Archivs für Urkundenforschung". Ferner gehörte Breßlau der Zentraldirektion der Monumente Germaniae Historica an . .. Wenn ein jüdischer Gelehrter von den Behörden« zum Mitleiter des ersten vom Reiche herausgegebenen germanischen Hauptwerkes bestellt wird, kann es Lock mit den deutschoölkischen Verunglimpfungen des „Nicht-Deutsch- Seins" der Juden nicht so schlimm sein! — Und gewählt wurde Breßlau dann auch zum Mitglied der Berliner, Göttinger und Münchener Akademie der Wissenschaften! Es ist hier nicht der Ort, die zahlreichen wertvollen Bücher Breßlaus. die. znm Teil übersetzt, seinen Ruhm und ■» I I ll I Bll« zu möglichst sofortigem Eintritt gesucht. Flotte Stenotypie Bedingung. Schriftliche Bewerbungen mit Lebenslauf, Angabe' bisheriger Tätigkeit und Gehalts-,, ansprüchen erbitten wir an unser Büro, Berlin SW 48/ Wilhelm straße 14 7. Per-*' sönllche Vorstellung zwecklos/ ifcä-UterÄ ZW«. i ^15669542991