Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 43 (22.10.1926)
- Date
- 1926-10-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8. Jahrgang Stummer 43 Mül Beilage 2L Oktober 1926 iMi Die jüdische Gegenwart Die Paläslinawanderung. Die Auswanderungsziffer belief sich im Monat August auf insgesamt 1187 Personen. Davon waren 35 jüdische Einwohner aus Palästina, die auSwanderten. und 925 jüdische Einwanderer, die rückwanderten sowie 129 christliche und 48 mohammedanische AuS- und Rückwanderer. Goldschmidts Talmud-Uebersehung vollendet. In einem Gespräch mit dem JTA.-Vortreter teilte der bekannte jüdische Gelehrte. Herr Lazarus Golüschmidt, mit, daß er in diesen Tagen die Uebertragung des Talmuds inS Deutsche, an welcher er seit nunmehr 30 Jahren arbeitet, zu Ende geführt hat, so daß nunmehr dieses Monumcntalwerk, das die Judenfeinde als eine Art Geheimbüch bezeichnen und das sogar unter den gebildeten Juden heute so wenig bekannt ist. bald der Oeffentlichkeit der gebildeten Welt in seiner ganzen Klarheit vorliegen wird. 1896 begann Herr Goldschmidt daS Ueberfetzungswerk. Bis 1911 erschienen die Lieferungen regelmäßig. Dann trat Unterbrechung ein, da sich Herr Goldschmiöt anderen Arbeiten, wie z. B. der Bearbeitung des ältesten talmudischen Codex, einer Uebersetzung von Bibel und Koran «. a. m., widmete. 1925 nahm Herr Golöschmidt die Talmud-Uebersetzung wieder auf, die nunmehr beendet ist. Die erste Auflage der bereits erschienenen Bände ist längst vergriffen. Bor kurzem erschien eine zweite Auflage des Monumentalwerkes in acht Bänden, die durch den letzten Band demnächst ergänzt werden wird. Londoner Toleranz-Konferenz. In London wird demnächst eine Konferenz abgehalten, oer der sich Geistliche aller in England bestehenden christlichen Konfessionen einschließlich der katholischen Kirche mit jüdischen Rabbinern zusammenfiuüen werden, um in gemeinsamer. AuSsprache den Gedanken der gegenseitigen Toleranz zu fördern. Vorkonferenzen in kleinerem Rahmen haben . sehr günstige Erfolge gehabt,' die Bcranstalter erklären, daß die Verständigung über die konfessionellen Unterschiede das überwiegende Gefühl einer Einheit des religiösen Lebens znrückgelaffen habe. Sie erhoffen den gleichen Erfolg von der bevorstehenden größeren Konferenz. Redakteur Winawer gestorben. Am 10. Oktober starb in der Nähe von Paris Maxim M. Winawer, ein Jurist und Politiker, der sowohl auf dem Gebiete des indischen Lebens in Rußland als in der allgemeinrussischen Politik eine ganz hervorragende Rolle spielte. 1863 in einer geistig bedeutenden jüdischen Familie in Warschau geboren, kam er als junger Anwalt nach Petersburg, erwarb bald den Nus eines ausgezeichneten Zivilisten nicht nur in der Praxis, sondern auch als Verfasser zahlreicher Artikel über Rechtsfragen in der Fachpresse, blieb aber bis zur ersten russischen Revolution (1905) als Jude ' „Rechtsanwaltsgehilse". Er betätigte sich eifrig an der „Gesellschast der Verbreitung von Bildung unter den Inden in äalUiMand", die in den lebten Dezennien des vorigen Jahrhunderts der' Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Rußland bildete, gründete die jüdische „historisch-ethnographische Kom- •‘"'MtTftön", die sich die Sammlung von Qucüenmaterial zur Geschichte der Juden in Rußland zur Aufgabe stellte, sich später in die „jüdische geschichtlich - ethnographische Gesellschaft" verwandelte und eine Reihe wertvoller Veröffentlichungen herausgab. Daneben trat er bei vielen Poarvmvrozessen als Vertreter der jüdischen Interessen auf, gab 1902 bis 1906 die jüdisch-russische Wochenschrift „Woschod" (Der Aufgang) heraus und war der bedeutendste Leiter des unter seinem Vorsitz im Jahre 1905 gebildeten „Verbands zur Erlangung der Gleichberechtigung des jüdischen Volkes in Rußland". Daneben beteiligte er sich in nicht weniger hervorragendem Matz an der Tätigkeit der russischen „konstitutionell-demokratischen" (Kadetten-) Partei, zu deren Griindern unanerkannten Führern er gehörte. Als im Frühling 1906 die erste Reichsduma zusammentrat. wurde Winawer zu einem der 6 Abgeordneten von i Petersburg gewählt. Die Duma wurde nach 72 Taaen aufgelöst. aber während dieser kurzen Dauer sprach Winawer einige Male sehr wirkungsvoll sowohl für allgemeine demokratische Reformen als auch für jüdische Gleichberechtigung. Zusammen mit etwa noch 200 anderen Abgeordneten, die nach der gewaltsamen Dumaauflösung den sogenannten „Aufruf von Vyborg" Unterzeichneten, in dem die Bevölkerung zur Steuerverweigerung usw. eingcladen wurde, mußte Winawer drei Monate Gefängnisstrafe verbüßen. Deswegen konnte er nicht mehr in die Duma gewählt werden, nahm aber unaufhörlich au der außerparlamentarischen Tätigkeit der Kadettenpartei weiter teil, mar ständiges Mitglied ihres Zentralkomitees, oft Vorsitzender ihrer Tagungen. Daneben entfaltete er eine ausgedehnte Tätigkeit als Schriftsteller, namentlich auf dem Gebiet der Rechtsfragen. Nach der Revolution im März 1917 wurde Winawer von der Provisorischen Regierung zum Senator des zivilen Kassationsdepartements ernannt. Als aber die Bolschewisten im November 1917 die Macht ergriffen, mutzte Winawer aus Petersburg flüchten, hielt sich eine Zeitlaug in der Krim auf. wo er Mitglied einer der lokalen antivolschewistischen Regierungen war, die sich damals in vielen Teilen Rußlands bildeten. Infolge des Vordringens der Bolschewisten mußte Winawer ins Ausland flüchten, lebte seit 1019 in Paris, wo er während 4 Jahre die Wochenschrift „Die jüdische Tribüne" in russischer und französischer Sprache herausgab, die den Kawpf gegen den Bolschewismus und den Antisemitismus führte. Jetzt erlag er einer Herzkrankheit, an der er schon mehrere Jahre litt. Sprechsaal Die »T. V.-Heilung" und der „Klammergraf". Von Doris Wittner. . Die „C. V.-Zeitung" hat vor einigen Wochen die Unterredung eines ibrer Mitarbeiter mit „Adalbert (Graf) Sternberg" wie er sich nach der Abschaffung des Adels in Oesterreich zu nennen beliebt, veröffentlicht. Sie hat diesem Interview einige einleitende Worte vorangeschickt und hat darin geäußert: „Adalbert Graf Sternberg. früher Oesterreichischer ReichSratsabgeordneter und Kämmerer des Kaisers Franz Joseph, Sqt soeben in einer Schrift „Päpste. Kaiser, Köniae und Juden" längere Betrachtungen über Juden und Judentum veröffentlicht. Selbst wenn man, was wir durchaus verstehen LLnnten, die Anschauunaen des Herrn Grafen Sternberg ab- Kbnen sollte, ist es bemerkenswert, daß eine in Oesterreich so bekannte Persönlichkeit wie Graf, Sternberg sich so eingehend mit der Judenfrage befaßt." Wirklich bemerkenswert? Und hat die „C. B.-Zeitung" sich auch hinlänglich Mühe gegeben, zu ermitteln, unter welchen Gesichtspunkten besagter Graf Sternberg „eine in Oesterreich so bekannte Persönlichkeit" war? Ist es der „C. V.-Zeitung" unvertraut geblieben, baß selbst die eingefleischtesten Monarchisten der vormaligen Habsburgischen Monarchie sich nicht eben gern in der Gesellschaft dieses soi-disant Gesinnungsgenossen erblicken lassen,' daß vielmehr, wenn der Zufall eine solche Gemeinschaft doch fügt, immer das faustische Zitat angewendet zu werden pslegt: „Es tut mir tu der Seele weh', Daß ich dich in d e r Gesellschaft seh'." Irr vorrevolutionären und vvrrepublikanischen Zeiten war Graf Adalbert Sternberg. der dazumal seinen Grafentitel noch nicht keusch durch zwei Klammern zu verhüllen brauchte (was ihm von einem der witzigsten Köpfe Oesterreichs die Bezeichnung der „Klammergraf" eingetragen hat), bekannt als einer der unflätigsten Antisemiten, dessen Reichsratsreden allerdings weder vonfParteifreunden noch Gegnern jemals ernst genommen wurden. Er war gewissermaßen das südöstliche Gegenstück zu der ostelbischen Spielart, die bei uns der ebenso unrühmlich bekannte Gras Pückler. der sogenannte „Dreschgraf", darsteüte. Wäre es der „C. C.-Zcitung" je beigekommeu, bei dem besagten „Dreschgrafen", wenn er, statt das Zeitliche zu segnen, ebenfalls vorgezogcn hätte, ans den elastischen Boden der Tatsachen zu rutschen, seine erlauchte und nunmehr sicher auch erleuchtete „Meinung über Juden und Judentum" einzuholen? Man sollte wähnen, daß gerade das Judentum in der Wahl seiner Eideshelser niemals vorsichtig genug sein kann. Man läßt sich doch kein Leumundszeugnis ausstellen, das höchstens geeignet ist, die Sache oder die Menschen, die es beglaubigen soll, zu kompromittieren. Der vormaligen Habsburgischen Monarchie aber mit dem feudalsten und hochmütigsten Hochadel einer überholten Weltordnung galt Adalbert Graf Sternberg gemeinhin als eine Art „Pojaz", dessen Rowöymanieren. selbst wenn sie „nur" dem Judentum galten, von seinen Standesgenossen teils belustigt, teils mitleidig oder dünkelhaft belächelt wurden. Jene vielhundertjährigen Geschlechter hatten doch immerhin noch die hochgezüchteten Allüren ihrer müde und blasiert gewordenen Generationen. Graf Adalbert Sternberg zeigte indessen n u r die blamablen und fatalen Symptome fortschreitender D e generativ«. Als die Revolution in Oesterreich reinen Tisch machte, ging Graf Adalbert Sternberg allenthalben mit dem Bonmot hausieren: daß er „geadelt worden sei durch Karl den Großen, e n t a d e l t durch Karl Renner" (Oesterreichs ersten Bundeskanzler). Immerhin hätte man glauben sollen, daß, da die Gebnrtsaristokratie in Oesterreich nunmehr „numerus clausus" geworden war, selbst ein Adalbert Sternberg im Werte hätte steigen müssen. Aber weit vom Schuß. Dieweil er die dreschgräflichen oder raubritterlichen — vielleicht unter Karl dem Großen üblich gewesenen — Gepflogenheiten auch im zwanzigsten Jahrhundert nicht zu verleugnen beliebte, hagelte es alsbald wörtliche und tätliche Beleidigungen zwischen ihm und seinen Standesgenosseu. und er wurde allgemach aus allen feudalen Klubs des Uradels — den Clans seiner eigenen Kaste — in mehr oder weniger schmeichelhaften Formen vor die Tür gesetzt. Etwelche, seiner Ehre.auch nicht eben zuträglichen Sensationsaffären, die sich in der Intimität der Hochgeborenen abgerollt hatten, pflanzte die geschwätzige Frau Fama von Mund zu Mund. Satisfaktion blieb ihm versagt, oder ward nicht gefordert, es sei denn, daß man einseitige Handgreiflichkeiten seiner adligen Sippe wider ihn als solche hätte auffassen können, und so blieb ihm nichts anderes übrig als seine alte Methode: zu schreien, zu schreien und abermals zu schreien. Was der Sache aber einen gewissen Humor verlieh, war der Umstand, daß er, der überzeugteste Rasseantisemit von ganz Oesterreich, plötzlich anfing, seinen Lärm just in der jüdischen Presse Wiens zu schlagen. Der „Klammcrgras" war alsbald einer der ständigsten Mitarbeiter einer der größten und meistverbreiteten Wiener Zeitungen, über deren jüdische Provenienz und jüdischen Charakter nicht einmal ein Wiener Säugling im Zweifel gewesen wäre. In besagtem Blatt hat er auch schon vor geraumer Zeit in einer längeren Artikelserie all jene Binsenweisheiten zum besten gegeben, die das Interview der „C. B." in großer Aufmachung wiederholt. Fürmahr: mit diesem scheinba'' aus einem Saulus znm Paulus Gewordenen ist kein Staat einzulegen. Es gibt nicht nur in Frankreich eine Lächerlichkeit, die tötet. Auch an der blauen Donau stirbt man daran eines leichten und schmerzlosen Todes. Und gerade darum glauben wir, hätte just die „C. V.-Zeitung" cs sich ersparen können, den weder von Monarchisten noch Republikanern, weder von seinen Freunden noch seinen Feinden anch nur halbwegs ernstgenommcnen „Klammergrafen" mit Pathos und Ethos als Zeugen für die Sache des Judentums in die Schranken zu rufen. Dazu sollte der „C. V. - Z e i t u n g" das Iudentnm zu gut sein, und dazu ist uns die „C. V. - Z c i t u lt g" z u g lt t. Man läßt seine Heiligtümer nicht durch Gaukler. Marktschreier und Harlekine ans offener Gasse mit geschäftskundiger Konjekturmiene anpreisen und solcherart entwürdigen. — Es hat uns kalt aelassen, als Graf Sternberg „vor Tische" sein ermüdendes „Kreuziget! Kreuziget" wider Juden und Judentum brüllte. Noch kälter aber muß uns — und die „C. V. - Z e i t u n g" a n der Spitze — das leicht dnrchschaubarc „Hosianna" des „Klammergrafen" lassen. Wie schon gesagt: eS gibt Eideshelser, die die edelste Sache unrettbar bloßstellcn. Einen „Klammergrafen" ignoriert man bestenfalls, aber man tut ihm — als Jude — nicht die Ehre an, ihn auch noch zu „interviewen". „Unterdessen nahm's uns wunder!" Korperschafisrechte jüdischer Gememdeverbande. Dessau, den 10. Oktober 1926. An die Redaktion der „Jüdisch-liberalen Zeitung" Berlin SW Wilhelmstr. 147. In der Beilage zu Nr. 42 Ihrer geschätzten Zeitung vom 15. d. M. können Sie zn meiner Freude berichten, daß nunmehr das Sächsische Gesamtministerium den Sächsischen israelitischen Gemeindeverband als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt hat. In dem Artikel ist zualeich bemerkt, daß „bisher weder in Deutschland noch im Auslande einem Verbände jüdischer Gemeinden die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt sei". Das ist ein Irrtum. Bereits unter dem 22. April 1924 erging seitens des Anhaltischen Staatsministeriums an den Landesverband der Anhaltischen israelitischen Kultusgemeinden nachstehender Erlaß: „Nack Artikel 187 Abs. 5 Satz 3 der Reichsverfassung ist ein Verband, zu dem sich öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften zusammenschließen, kraft Gesetzes eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Da die Israelitischen Kultusgemeinden in Anhalt sämtlich bisher als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt waren und demnach solche auch nach der Reichsverfassung bleiben, steht dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden ohne weiteres die Eigenschaft einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zu. Hiernach erübrigt eS sich, dem dortigen Anträge, dem Landesverbände die Rechtspersönlichkeit zuzugestehen, durch eine ausdrückliche Erklärung oder eine besondere Verleihung der Rechte einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zu entsprechen. Wir haben seinerzeit von der bedeutsamen Entschließung der Anhaltischen Staatsregierung der Oeffentlichkeit Kenntnis gegeben, und zwar, soweit wir uns erinnern, auch in Ihrer geschätzten Zeitung, was Ihnen naturgemäß bei der Länge der inzwischen verflossenen Zeit nicht mehr gewärtig sein konnte. Für Abdruck dieser unserer Zuschrift wären wir Ihnen verbunden. Hochachtend Landesverband der Anhaltischen JsraelitischenxKultuSgemeinden. Dr. Co h n, Vorsitzender. Sersammlungskalender ii Berlin. (Liberale Synagoge Norden.) Schönhauser Allee 162. Auerbachsches Waisenhaus. Gottesdienst; Freitag, den 22. Oktober 1926, abends VA Uhr. Predigt: Herr Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 23. Oktober 1926, vormittags 10 Uhr. Berlin. (Liberaler Synagogenverein Norden.) Am Montag, dem 26. Oktober, abends 7A Uhr, pünktlich, findet im Auerbachschen Waisenhaus, Schönhauser Alle« 162, der erste Gemeindeabend statt. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn Professor Friedländer: „Die WeÜkonfcrenz der liberalen Juden in London im Juli 1926." 2. Anssprache über die Frage: „Was bedeutet die Konferenz, für uns?" 3. Verschiedenes. — Alle Freunde, besonders die Teilnehmer der Konferenz, sind herzlich geladsn. Berlin. (Verband P o s e n e r H e i mat v er ei ne.) Sonnabend, den 23. Oktober, abends 8 Uhr, Wohltätigkeitsfest in den gesamten oberen Raumem des Brüdervereinshauses, Kurfürstenstraße 115/116. Konzert, Ball, Vorträge, Tombola, Verkaufsstände für Posener Spezialitäten. Eintrittspreis 2 M. einschließlich Steuer« Alle Posener Landsleute sind herzlichst geladen. Frankfurt a. M. (Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben und jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft.) Wir weisen heute zum letzten Male auf unseren am Sonntag, dem 24. Oktober» abends 714 Uhr, pünktlich, in der Frankfurt-Loge stattfindendcn Gesellschastsabenö hin, zu dem noch Karten an der Abendkasse zum Preise von 2,50 M. zu haben sind. Die Leitung des künstlerischen Teiles („Die Nürnberger Puppen" von Adam, „les petits riens" von Mozart und „Toreador et Andalouse" von Rubinstein) liegt in Händen von Rose Bergmann-Rosenberg, Hermann Geiger und Ernst Wolfs. — Etwa ab 9 Uhr folgt Tanz (Jazzkapelle) mit Büfett, Tombola, Kabarett usw. Der Reinertrag fließt dem Wohltätigkeitssonds der beiden Bereinskaffen zu. Wir hoffen, all unsere Mitglieder und Freunde an diesem Abend begrüßen zu dürfen. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugendg e m e i n s ch a f t.) Unsere nächsten Heimabende finden in dem uns hierfür überlassenen und besonders gemütlich hergerichteten Sitzungszimmer der Synagoge Königsteiner Straße an den folgenden Abenden statt: Donnerstag, den 4. November 1926. Kurt Beck: „Liberales Judentum." — Dienstag, den 16. November 1926, Thema wird noch bekanntgegeben. Wir weisen auch heute wieder auf das am Sonntag, dem 24. Oktober, abends 7A Uhr, in den Räumen der Frankfurt- Loge stattsindende Fest hin. Eintrittskarten im Vorverkauf 2 Di., an der Abendkasse 2,60 M. Für den Kurs des Herrn Alfred Auerbach (Rezitationen und Vorbereitung von Aufführungen) können noch einige Anmeldungen erfolgen. Anmeldungen für den hebräischen Kurs an Herrn Alex Jacobsohn, Wittelsbacher Allee 9, erbeten. (Anfänger und Fortgeschrittene.): Alle diejenigen, die Interesse für den Gedanken des Austauschs mit dem Auslande hegen und Anregungen hierzu geben wollen, werden gebeten, diese Herrn Dr. Hofsmann, Nicdcnan 37, mitzuteilen. BÜCHERSCHAU Mit glühender Feder. Erzählung von Marius Colibert. Philo« verlag und Buchhandlung G. m. b. H., Berlin 1926. Preis hrosch. 3,00 M. 147 Seiten. Das kriegerische Pseudonym der ach so zart besaiteten. Verfasserin gibt mir den Mut, in ein paar Zeilen die jüdische Leserwelt zu warnen. Denn sonst würde ich vor Scham und Mitleid nicht wissen, wie ich mich des Auftrags zur, Rezension entledigen sollte. Scham, daß es möglich ist, heute, dazu noch in einem ernsten und bedeutenden Verlag, einen derartig schlechten, peinlich sentimentalen, mit zuckrigen Versen versüßten Selektanerinnenaufsatz zu veröffentlichen; Mitleid mit der sicher sehr edlen, sehr gefühlvollen und rauh vom Schicksal angepackten Darstellerin ihres für sie persönlich sicher wichtigen und interessanten, für den Leser aber belanglosen Lebens. Nichts fehlt von allen Requisiten des Urgroflväterfamilienblattromans. Von der Geburt der sechsten Tochter, Kinderkrankheiten, Tod der armen Mutier, Wechselfälschungen des bösen Onkels, Bankrott und Tod des Vaters, Härte des bösen Vormunds, schlechtem Lebenswandel der leichtsinnigen Schwester, unglücklicher Liebe, Nachstellung des lüsternen Chefs, vorn’ Kampf der tapferen Lehrerin gegen antisemitische Ungerechtigkeiten, von allem plaudert in einem unleidlichen Deutsch die „glühende Feder! Das kann wahrlich nicht ein jeder — es verdaut sich schwer wie Leder! D r. Erwin Seligmann, Frankfurt a. M. Samuel Lewin: Dämonen des Blutes. Verlag Der SynJ dikalist. 1926. Band V der Schriftenreihe „Dichter und Rebellen“. Aus dem Jiddischen übertragen von Rüben Beatus. Eine Absage an den Geist der Gewalt, auf rüttelnd, be« schämend, ekelerregend. Die Leiden der gequälten Menschheit im Krieg, in der Revolution und Inflation werden in gräßlichen Bildern aufgezeigt. In zermarternder Selbstqual wird immer wieder auf die Schuld jedes Menschen gewiesen. „Ewig kämpft ihr alle für das Gute — und alle mit dem