Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 43 (22.10.1926)
- Date
- 1926-10-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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weniger angenehme Empfindungen bei der halbstündigen Rede des Predigers Botz gefühlt haben, denn er schenkte ihnen nichts, was uns Juden seit Beendigung des Krieges so tief gekränkt und empört hat. Sein Thema lautete: «Warum sind die jüdischen Gemeinden mehr wie die Andersgläubigen verpflichtet, ja gezwungen, Gedenktafeln für die gefallenen Sühne Judas zu errichten?" Weil man die Hunderttausend der jüdischen Krieger beschuldigt, in den Etappen, in den Bureaus der Kriegsgeseüschaften ihre ganze Kriegszeit zugebracht zu haben. Weil man leugnet, daß die deutschen Juden 12 000 ihrer Söhne auf dem Altar des Vaterlandes geopfert haben. Jede Tafel, ja, jeder Name ist ein flammender Protest gegen diese infamen Beschuldigungen und Lügen. Die Tränen der Witwen, die den Ernährer hergeben muhte«, die wahllosen Waisen, die den Vater verloren, der Jammer der Mütter, die Klagen der Väter schreien zum Himmel, daß mau ihre geliebten Gefallenen noch im Grabe beschimpft. Das ist der Zweck aller Gedenktafeln in den Gotteshäusern der jüdischen Gemeinden. Die Feier wurde umrahmt von den Klängen der Orgel und gemeinschaftlichem Gesang eines Liedes, das der gev' —-ic Prediger.',n diesem Zweck gedichtet hatte und das mit hörbarer Begeisterung besonders von den nichtjüdischen Anwesenden mitgesnngen wurde. Hierbei hatte nämlich der Leiter des Gottesdienstes, der auch ein begeisterter Kantor iit. eine Neuerung versucht, die mindestens beachtenswert ist. Die Musik ist bekanntlich interkonfessionell und der Genannte hat seiner Dichtung die Melodie eines Chorals unterlegt, der beim protestantischen Gottesdienst gesungen wird. Daher bei dieser Feier die merkwürdige Erscheinung, daß die Hunderte Nichtjuden den Gesang durch ihre Begleitung leiteten, die Inden aber mit Erstaune,t — zuhörten. Mit dem Kaddischgebet der Mitglieder des jiidischen Frontbundes, die von dem Vorstandsmitglied Oberleutnant a. D. Edel-Schneidemühl, geführt wurden und mit dem Lied: «Ich hatt' einen Kameraden" endete die Feier, die allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Die Synagoge von Neustettin ist gewissermaßen ein Produkt der antisemitischen Bewegung in den achtziger Jahren, als ein Ahltvard Reichstagsabgeorünetcr des Kreises Neuftettin war. Der Mann hat nicht umsonst monatelang hier gewühlt. Als die alte Synagoge abbrannte, wurden die Juden der Brandstiftung beschuldigt. Nach längerer Uutersnchnngshast wurde der Vorsteher und Synagogcndiener in Nenstcttin zu Zuchthausstrafen verurteilt, bei der Revision des Prozesses vor dem Schwurgericht in Könitz aber f r e i g e s v r v ch e n. Zierenberg. IK a n t v r R v s e u b a u m g c st 0 v b e n.) Im Roten Kreuz zu Cassel starb nach längerem' Kranksein tnt 00. Jahre unser langjähriger Lehrer und Kantor Si-egm. Rosenbanm. Vor kurzem konnte der Verstorbene noch unter allgemeiner Beteiligung vieler Freunde sein 50jähriges Lehrer-Jubiläum begehen. Die damals gehegten Wünsche fiir eine baldige Wiederherstellung seiner Gesundheit haben sich leider nicht erfüllt. In tiefer Trauer steht die israelitische Gemeinde an der Bahre ihres pflichteifrigen, arbeitsfrcudigen Knltusbeamten. dem sie über das Grab hinaus ein treues Gedenken und innigen Dank für sein segensreiches Wirken bewahren wird. Die feierliche Beisetzung des Entschlafenen fand von der Synagoge aus, in der jahrzehntelang gewirkt hatte, unter starker Beteiligung der Ortseingesessenen und benachbarter Berufsgenossen und Freunde statt. In den Ansprachen, die von den Lehrern Löwenstein auS Meimbressen, Katzenstein aus Wolfhagen, Perlstein aus Gudensberg gehalten wurden, klang di« Trauer um den bewährten und treuen Freund und Amtsgenossen wider. Worte deö Abschieds widmeten auch Kaufmann Otto Schartenberg in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der israelitischen Gemeinde, und Herr Jakob Kaufmann, der seinem ehemaligen Lehrer tief empfundene Dank seiner Schüler zum Ausdruck brachte. Liturgische Gesänge des Kantors Horwitz, Cassel, umrahmten Pie Feier. Die gesamt« Trauerfeier machte auf alle Teilnehmer einen nachhaltigen Eindruck,' der Name des Lehrers Rosenbaum wird mit der Geschichte unserer Gemeinde dauernverbunden sein. jfff Aus der Bewegung |||f Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu B c r l i l,, Bezirk ögruppe W e i h e n s e e.j Unsere Bezirksgruppe hatte am vergangenen Sonntagabend die große Freude, den Altmeister des liberalen Judentums, Herrn Rabbiner Dr. Cäsar S e l i g m a u n-Frankfurt a. M. in ihrer Mitte begrüßen zu dürfen. Herr Dr. Seligmanu sprach über die „Mission des Judentums". Ausgehend von der Tatsache, daß das Judentum im Gegensatz zum Christentum keine Missionäre in fremde Erdteile sendet, um die „Heiden" zu bekehren, zeigte er, daß der Missions g e d a n k e dem Judentum keineswegs fremd ist. Seitdem der Prophet Jesaia das Wort von der Einen Religion für die Eine Menschheit gesprochen hat, ist diese Idee in Israel nie mehr verlorengeqangen. Außerordentlich lehrreiche Schilderungen aus der Zeit der Herodianer und späteren Jahrhunderte zeigten, daß bas Judentum zeitweilig auf dem besten Wege gewesen ist, die Religion für alle gebildete Welt zu werden. Erst mit dem Aufkommen des Christentums und unter den Judenverfolgungen des Mittelalters wurde es anders und zog sich das Judentum zu seiner Selbsterhaltnug in sich zurück. Nun aber: die heutige freiere Zeit müsse die Juden wieder wachrütteln, und das Judentum von heute müsse drei Forderungen erfüllen: 1. Die Juden müssen sich wieder auf sich selbst besinnen und zu lebendiger Religion gelangen, damit „der Gott unserer Väter wieder unser Gott werde". 2. Sie dürfen nicht Formen des Ghettojudeutums, die in früheren Zeiten zur Erhaltung des Judentums nötig waren, für verbindlich erklären, wodurch das Judentum lebensunfähig werden würde, sondern sic müssen im Sinne des liberalen Judentums als Menschen der Jetztzeit leben. 3. Aus der Erfüllung solcher Vorbedingungen ergibt sich von selbst die Betätigung des Missionsgedankens — nicht in dem Sinne, möglichst viele Menschen zn bekehren, sondern in jenem anderen Sinne, daß das Judentum Träger des Gottesgedankcns für alle Welt ist. — Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für feine überaus lehrreichen und warmherzigen Ausführungen. Eine gehaltvolle Diskussion schloß sich an den Vortrag »in. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin e. V.j Am 12. Oktober erösfneten wir unsere Wrnterarbeit durch eine stark besuchte Mitgliederversammlung. in der Herr Rechtsanwalt Dr. Breslauer einen Geschäftsbericht seit der letzten Versammlung gab. Besonders interessierten, wie die nachfolgende Diskussion zeigte, dir Ausführungen des Redners bezüglich der Vorgänge bei oen letzten Wahlen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Herr Justizrat Max Chodziesner gewählt. AllieitS wurde der Wunsch ausgesprochen, daß in den kommenden Wisttermonaten eine kräftige Werbearbeit unter den bisher außer« »-»a ftpfottfien Liberalen eimetzeu soll. Unsere Rätsel-Ecke Zahlenrälsel. 1. ... * 4, 5. 0. 7, 8. 9, 10, 11, 12. 2 jüüilchcr. später aus der Gemeinde ausgestoßener Philosoph des 1:. Jahrhunderts *>17 2, 1? 11, 14 Sohn Zgvids 3, ' *), 15, 4, / althergebrachter Gebrauch beim Gottesdienst 4, 3, 4 Stadt in Mesopotamien 5, 6, 4, 12, 8, 16 jüdisches Wort für Anmaßung 6, 16, 3, 11, 17, 16, 7 König der Juden 7, 11. 18, 16, 3. 9, 14 Schriftgelehrter .. .„ 8, 16, 10, 15, 2, 15, 16, 4, 5, 0 Bezeichnung der fmn Bücher Mose 9, 7, 14, 2, 16. 13 Sohn Abrahams .. . 10, 0, 10, 9, 19, 16 langjährige Hauptstadt Asturiens 11, 3, 9. 16, 10, 15 Osten 12, 16, 13. 11. 13, 16. 10 Religionseiferer 2, 7, 20, 2, 13, 11, 10 Stadt iu Palästina Die erste Zahlenreihe und die Anfangsbuchitaben^derceiNzelnen Wörter sind gleichbedeutend. —ar. Auflösung des Kreuzworträtsels. Wage recht: 1. Palästina, 5. Tan, 6. Ham, 8. Ab» 11. .sie 12. Aron. 14. Jehu, 15. Null. 16. Altar. 19. Sodom, 24 Äd'am 25. Hiob, 26. Manna, 27. Ei, 29. Er. 30. Lug, 32. Alt. 33. Jerusalem. Senkrecht: 2. Ahab, 3. S 7. Meile. 9. Saul. 10. Jona, 12. 18 Babel. 19. Sam, 20. Omar, 21. 28. Jude. 29. Elbe. 31. Eis. «m, 4. Noah. 5. David, Aha, 13. Nur, 17. Tod, Ohne, 22. Mia. 23. Ebert, Kalendarium für die Zeit vom 23.ia.b.3S.iv.iS26 Oktober 19W j_Cücdimmt 5687_ Sonnabend -23 15. W!? chiN!abschiii tt: Wajcro Hastarali: 41. Könige 4 (1—37) Sabbat-Älusgang: 5,89 Sonntag 24 l<i. Montag 25 ■jy* Dienstag 26 J«. Mittwoch 27 19. W- Donnerstag 28 Freitag 29 21. Wochcnabschnitt: Chajjcssoro Haftaray: I. Könige 1 (1—31) Sabbat-Ausgang: 5,26 Sonnabend 30 2° EBÜ Abitur. Otoersekunda Vormittagsschiilc, Abcndsdmle, Vorbcrcitungsanstalt, Direktor Danziger, -^^erlin, Alte JukobstraÜc 124. MnförFeueM&M io Berlin von 1874. e.V. Kostenlose FenerbwtattanÄ Annahme AnhallstrnBe ü. Telefon Hasenheide .*1021 u. Charlottenburg, Kantstraße 154». ICcke Fasanenstraiie. Telefon Stcinplatx 1833 Tapezier lahnke tapeziert, streicht und polstert alles schnell zu billigsten Preisen in guter Ausführung. Bei größeren Objekten Preis nach Vereinbarung. 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WIENER: Die jüdischen Speisegesetze nach ihren verschiedenen Gesichtspunkten geordnet und kritisch beleuchtet ZIEGLER: Die Königsgleichnisse des Midrasch, beleuchtet durch die römische Kaiserzeit. STEIN: Schrift des Lebens, III. Teil, herausgegeben von Cäsar Seligmann.geb. GOSSEL: Was ist und was enthält der Talmud? .... LEHMANN: Sprüche der Väter, 3 Teile, statt M. 21.— . — Rabbi Joselmann, 2 Teile, statt M. 12.— ... GEDENKBUCH Semitic studies in memory of Dr. Alex Kohut, geb., statt M. 12.— .. GEDENKBUCH zur Erinnerung an Prof. David Kaufmann, mit wissenschaftl. Beilagen bedeut. Gelehrter, statt M. 12.— Vorzugspreis: M. 3.- .. 2.50 .. 2.75 .. 4— 2.75 .. 3.50 „ 9.- „ 2.75 .. 1.- „ 15- .. 9 — 9.— Der Betrag ist unter Angabe des Zweckes auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW 7, Nr. 137069 zu überweisen. 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