Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau" zwar die völlig abwegige Erklärung der 16 Herren gebracht hat, es aber unter nichtigem Vorwand ablehnte, eine sachliche Aufklärung abzudrucken. Wir haben Grund zu der Annahme, daß von den Nächstbeteiligten noch die erforderlichen Konsequenzen gezogen werden. Aus den Gemeinden Berlin. (F e st s e tz u n g d e r S t e ue r q u o t e.) In der Repräsentantenversammlung am 11. Oktober wurde beschlossen, die Quote für die Steuer 1926 der Berliner Jüdischen Gemeinde auf 15 Prozent der Reichseinkommensteuer 1925 feftznsetzen. Dabei sollen diejenigen Gemeindemitglieder, deren Einkommen bis zu 1875 Mark im Jahre beträgt, von der Steuer vollkommen befreit werden, die Gemeindemitglieder, die weniger als 2400 Mark Einkommen haben, sollen nur mit 10 Prozent, solche unter 3000 Mark Einkommen nur mit WA Prozent veranlagt werden. Autzerdem wurde festgesetzt, daß die Veranlagung in keinem Falle 6 Prozent des Einkommens übersteigen darf. Berlin. iA n l e i h e d e r I ü d i s ch e n Gemeinde.) Als Dispositionsfonds und für wichtige Dauereinrichtungen (Erwerb von Friedhofsgelände, Bau einer Altersversorgungsanstalt usm.) hat die Jüdische Gemeinde ein Darlehen in Höhe von 3 Millionen Mark bei der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken ausgenommen. Der Betrag wird der Gemeinde in 8prvzentigeu Kmnmunal-Obligationen zu Pari übergeben und ist ans die Dauer von fünf Jahren seitens der Gläubigerin unkündbar. Er ist mit H'A Prozent zu verzinsen, so daß die Gemeinde in Wirklichkeit für die Bereitstellung der Obligationen jährlich einhalb Prozent Piusen zu zahlen hat. Der Gemeindevvrstand nimmt an, daß es innerhalb von fünf Jahren möglich sein wird, das jetzige Darlehen durch eine langfristige Anleihe unter Bedingungen, die für die Gemeinde tragbar sind, abzulösen. Berlin. lDie Verfassung des Reichs verbanden.) Der in der Münchener Bertrcterversammlnng vom 18. Juli d. I. eingesetzte Unterausschuß zur Durchberatung des Berfassuugscutwurfes für den Jüdischen Reichsverband trat am 10. Oktober d. I. zu einer Beratung in Berlin zusammen. Die außerpreußischen Landesverbände waren vertreten durch Herrn OberlandeSgcrichtSrat Dr. Neumeyer. München (Bayern), Herrn Regiernugsrat Dr. Nordlinger, Stuttgart (Württemberg), Herrn Rechtsanwalt Dr. Pfälzer, Wcinheim (Baden), Herrn LandgerichtSrat Alterthuui, Dessau (Anhalt), Herrn Rechtsanwalt Dr. Salinger, Dresden (Sachsen). Der Preußische Landesverband war durch die Herren Jnsltzrat Lilienthal, Galeivski. Rabbiner Dr. Bacck vertreten, anßerdein »ahmen mit beratender Stimme die Herren tilaminergerichtsrat Wolfs, Jnstizrat Cvnnenseld. Jnstizrat Makower und Mittclschullehrcr Stern an den Verhandlungen teil. Ter Beratung zugrunde gelegt wurde ein abgeänderter Entwurf des Berichterstatters Dr. Neumeyer, München, vom H. Oktober d. I. Dieser wurde mit einigen Abänderungen im wesentlichen angenommen. Der nunmehr fertiggestcllte Entwurf soll der Vertreter- Versammlung der Landesverbände, die zum 24. Oktober d. I. erneut nach Berlin einbernfen ist, zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt werden. Berlin. (3k a t S t a g n n g d e s P r c n ß i s ch e n Landesverbandes.) Eine Sitzung der Mitglieder des Engeren Rates des Landesverbandes soll zum 18. Oktober d. I.. abends, und eine Sitzung des Großen Rates zum l7. Oktober dieses Jahres einbernfen werden. Einen wichtigen Punkt der TageSordmnig werden die Beratungen über den zu gründenden Reichsverband jüdischer Gemeinden bilden. Ferner wird über die Neuregelung nnd Vereinheitlichung der Judengesehgebung verhandelt werden. Die Etats für die Jahre 1020 und 1027 werden zur Vorlage kommen. Für den Fall, daß die Tagesordnung an dem einen Tage nicht erschöpft wird, soll Fortsetzung der Beratungen am nächsten Tage oder eine neue Sitzung 14 Tage später in Aussicht genommen werden. Berlin. (Tödlicher Unfall eines blinden Kantor S.) Am Simchet Thora, Freitag, den 23. Tischri (1. Oktober), abends gegen 7 Uhr. wurde der blinde Kantor Isidor Eichenbanm in der Alten Schönhauser-, Ecke Linienstraße, von einem Antvomnibns der Linie 9 überfahren : mit ihm sein Begleiter, der Handelsmann Jonas Greis, beide in der Linienstraße 215 wohnhaft. Eichenbanm nnrrde von dem schweren Wagen an Brust. Rippen und Kopf so schwer verletzt, daß er kurz nach seiner Einliefernng im Virchow-Krankenhans verstarb. Greis, der sehr schwere Verletzungen an Brust nnd Hals crliit. liegt im Friedrichshain-Krankenhans in Lebensgefahr. Die Feuerwehr mußte die Unglücklichen ans ihrer furchtbaren Lage befreien und brachte sie auch ans ihren Wagen in die Krankenhäuser. Isidor Eichenbanm wurde von einer doppelten Tragödie betroffen: Schon in früher Jugend erblindete er völlig, trotzdem n'nrde er Vorbetcr und trug alle Gebete nnd Gesänge ans dem freien Gedächtnis vor: er war ans Wien und erst 3!» Fohre alt. Am Simchet Thora, als er aus dem Tempel tam, trof ihn die zweite nnd entsetzlichste Tragödie. Die letzten Gottesdienste hatte er am letzten Rojch-Hoschana und Jvmkippnr i'.n Garde-Kasino in der Sophienfiraße abgehalten, und allen Teilnehmern wird der würdige und innige Bortrag des blingcn Gottessängers unvergeßlich bleibe»! Adannoj, der Ewige, möge ihm die Erde leicht machen! Berlin. (Neuer Leiter der n t r a l - Wohlfahrtspflege.) Die Beniral-Wvylfahrtspflege der deutschen Inden sucht zum 1. Januar des kommende» Jahres einen Geschäftsführer b.zrv. eine Geschäftsführerin, da sich Dr. Jakob Segall. der bekannte Statistiker, der seit Begründung der Organisation die Geschäftsführung innehalte, infolge Anwachsens seiner ärztlichen Tätigkeit genötigt gesehen hat, sein Amt niederzulegen. Die Anstellnngsbedingnngcn sowie die Anforderungen, die an den Geschäftsführer gestellt werden, sind ans dem Inseratenteil dieser Nummer zu ersehen. Berlin. (T v y n b c e h a l l e.) Das Jüdische Volksbildnngönnd Unterhaltnngsheim (Tvynbeehalle) der Berliner Logen U. O. B. B., Gipsstraße 12a, eröffnet am Sonnabend, den 10. Oktober 1920, daö Wintersemester. Die Institution, die seit mehr als 20 Jahren segensreich gewirkt hat, sieht ihre Ausgabe in der Verbreitung von Volksbildung. Sie sammelt an jedem Mittwoch nnd Sonnabend die arnie jüdische Bevölkerung dcö Zentrums zu gemütlichen Abenden, an denen außer geistigen Genüssen in Form bildender Vorträge und guter Musik auch Erfrischungen gereicht werden. Das diesjährige Semester wird durch einen Vortrag des bekannten WirtscbastspolitikcrS Herrn Direktor G. Vach über „Amerikanische Verhältnisse" eingeleitet. Der Vortrag beginnt um 8 ijhr, dos Heim wird um 7 Uhr geöffnet. Berlin. (Ein erfreulicher Gedanke.) Der Präsident da Costa des Völkerbundrates. der im März in Genf tagte, hat einen von Max Wachsmann komponierten und dem Völkerbund gewidmeten Festmarsch, den BökkerbundSmarsch. angenommen und in einem überaus liebenswürdigen Schreiben für die Widmung gedankt. Max Wachsmann ist Chordirigent an der Synagoge Levetzowstraße. Eaflel. (Auszeichnung eines Gemeindevorstehers.) Kaufmann Rudolf Nuß bäum, der auch das Amt eines Gemeindeältesten bekleidet, wurde kürzlich in einer Mitgliederversammlung der Vereinigten Kasseler Sanitätskolonnen von 1884 einstimmig zum Kolonnenführer ernannt. Herr Nußbaum, der sich um das hiesige Sanitätswesen besondere Verdienste erwarb und namentlich während des Krieges auf diesem Gebiete eine segensreiche Tätigkeit entfaltete, hat seitens der Behörden manche Anerkennung und Auszeichnung erhalten. Bor einigen Jahren ist er bereits an leitender Stelle im Kolonnenwesen tätig gewesen, und jetzt hat ihn das Vertrauen der Mitglieder wieder an die Spitze der Sanitätsmannschaften berufen. Dresden. (Ministerielle Anerkennung des Gemeindeverbandes.) Das sächsische Gesamtministerium veröffentlicht im „Sächsischen Gesetzblatt" zugleich mit der zu Beginn dieses Monats feierlich in Kraft gesetzten neuen Verfassung der evangelisch-lutherischen Landeskirche des Freistaates Sachsen die Bekanntmachung über die Bildung des Sächsischen israelitischen Gemein deverbandeS. In der amtlichen Erklärung heißt es u. a., daß sich unter vorgenannter Bezeichnung die sächsischen israelitischen Gemeinden vereinigt haben. Die Religionsgesellschaft hat ihren Sitz in D r e s d e n. Sie und ihre Unterverbünde. die zur Beit bestehenden acht israelitischen Religionsgemeinden zu Annaberg, Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen, Zittau und Zwickau, sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Mit diesem Regierungsbeschluß haben die langwierigen Bemühungen, dem vom Rechtsanwalt Saling er geleiteten Sächsischen israelitischen Gemeindeverband eine körperschaitlich rechtsgültige Verfassung zu geben, einen erfolgreichen Abschluß gefunden. Es ist ein Ereignis von r e l i g i o n s g e s ch i ch t l i ch e r Bedeutung, da bisher weder in Deutschland noch im Ausland einem Verbände jüdischer Gemeinden die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt wurde. Somit ist die seit Menschenalter erhobene Forderung, nicht nur die einzelnen Gemeinden, sondern die Gesamtheit der jüdischen Bewohner eines Landes als staatsrechtlich vollgültige Religionsgesellschast den ikbrigen vom Staate anerkannten Konfessionen zur Seite zu stellen, erstmalig in Erfüllung gegangen. Düsseldorf. (F r a u e n w a h l r e ch t.) In der Sitzung der Repräsentanten vom 4. Oktober wurde der Beschluß gefaßt, den Franc» der Synagogcngemeinde Düsseldorf das aktive nnd passive Wahlrecht zu verleihen. Die nächste neue Wahl der Repräsentanten findet im Frühjahr 1927 statt. Elberfeld. (Adoptionen.) ES ist wohl das traurigste Kapitel des Menschheitselends, daß es Mutter gibt, die nicht imstande sind, ihre Kinder zu ernähren, zu kleiden, zu erziehen und sie etwas lernen zu lassen, die sich von ihnen trennen wollen, nni sich selber wieder emporzuarbeiten und den Kindern die Möglichkeit geben wollen, in geordneten Verhältnissen gesunde Menschen zu werden. Es sind nicht die schlechtesten Mütter, die uns bitten: „Gebt mein Kind in gute jüdische Hände: ich kann nidht für es sorgen." Andererseits gibt es Frauen mit mütterlichem Empfinden, denen das Erlebnis der Mutterschaft versagt ist, die sich nach einem Kinde sehnen, au dem sie und ihre Familie neue heilige Aufgaben zu erfüllen haben. Wir wollen beiden helfen. Wir suchen Mütter für die uns gemeldeten Kinder! Wir suchen Kinder für die sich bei uns aemeldeten Mütter! Wer an unserer Arbeit mithilft, dient dem Judentum. Zentralstelle für jüdische Adoptivnsnermittlnng des Jüdischen Frauenbundes. Vorsitzende: Frau Lina Mosheim. Geschäftsstelle: Elberfeld, Genügsamkeitstrahe 7. Frankfurt a. M. (Warnung.) Die Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege schreibt: Warnung! Ein junger Mann, der/sehr elegant gekleidet und von den gewandtesten Manieren, sich als Porträtmaler Dr. I v o von T a m a r s k y vorstellt, sich Vorschüsse auf Bilder geben läßt, bald behauptet, selbst lungenkrank zu sein, bald wieder für seine lungenkranke Frau und zwei Kinder vorstellig wird, bat eine ganze Reihe hiesiger Gemcindemitglieder derart für sich einznnehmen gewußt, daß sie ihm größere Beträge gegeben haben. Alle seine Angaben sind unwahr. Welches sein wirklicher Name ist. tonnte endgültig noch nicht fcstgcstellt werden. Sein Paß lautet ans den Namen Mathias S ch u h b e r g , geboren 15. September 1900 in Philipsoch (Tschechoslowakei). ansgewiesen am 4. August (920 aus Paris. Dringend ersuchen wir, keinen: Rittf* elfer irgend etwas z n gewähren, ohne i i ri) v o her m i l uns b z w. den uns a n - g e s ch l o s s c n e n Organisationen in Verbindung gesetzt zu haben. Gerade in j ü n g st e r Zeit wehren sich die Fälle, daß die U ii w nrdi g st e n a m m e i st e n v e r st e h e n , Gelder für s i ch zu sammeln, die heute den d r i n g e n d st c n Interesse» nnd den vielen Würdigen u n d schwer Notleidenden entzogen werden. Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, Frankfurt a. M., Lange Straße 80. j Tr. Heidelberg. (Resolution der F r i e d c n s g e s e I l - s chas t.) Die Generalversammlung der Deutschen Friedensgesellschaft, die sich an den Heidelberger Pazisistenkvngretz anschlvß, nahm eine Entschließung an, die es allen Ortsgruppen der FriedenSgcsellschast zur Pflicht macht, den Antisemitismnv auf das schärfste zu bekämpfen, da er eine schwere Gefahr für den inneren und äußeren Frieden darstellt. Peine. (V o r st c h e r M o s h e i m 70 Jahre a l t.) Der Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr Max Mosheim, konnte am 4. d. M. unter reger Beteiligung weiter Kreise seinen siebzigsten Geburtstag begehen. Seit fast drei Jahrzehnten hat sich Herr Mosheim um die Förderung der Gemeindeinteressen wie um die Erhaltung nnd Ausgestaltung des Gottesdienstes und anderer Gemeindeinstitntivnen in besonderem limsange verdient gemacht. Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein für die Angele g e ii Ii eiten d e r jüdischen Gemeinde zu Berlin e. V.). Ans Grnnd unserer Notiz in der letzten Nummer über Mitgliederwcrbung, hat uns Herr Adolf Wilhelmy, Wilmersdorf, Tnisbirrger Straße 6. fünf neue Mitglieder überwiesen. Wir freuen uns. diesem alten, bewährten Mitkämpfer als erstem die Prämie für erfolgreiche Werbearbeit überreichen zu können. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugend, g e m e i n s ch a f t.) Mit Beginn des Winterhalbjahres hat die jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft die Heimabende, welche im vergangenen Jahr schon das grüßte Interesse gefunden hatten, wieder ausgenommen, und zwar war der erste dieser Heimabende der Londoner Weltkonferenz gewidmet. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann schilderte tn lebendigen Worten die tiefen Eindrücke, welche er von der Konferenz mitgenommen hatte nnd ergänzte das. waS wir schon kürzlich in der Versammlung m der Frankfurt-Soge gehört hatten. Im Vordergrund der sich an das Referat anschließenden Diskussion stand die Frage des Austausches. Es war von Herrn Dr. Hoffmann in London angeregt worden, den Austausch von Jugendlichen zwischen den einzelnen Landern zu organisieren, um, abgesehen von den Vorteilen, welche ein Aufenthalt im Ausland in bezug auf Allgemeinbildung und Wissen dem jungen Menschen bietet, auch gegenseitiges Kennenlernen der Anschauungen der jüdisch-liberalen Kreise zu ermöglichen. Wir waren der Ueberzeugung, daß ein derartiger Austausch die Idee des liberalen Judentums nur fördern und befruchten kann. Wenn wir uns auch darüber klar waren, daß eine solche Anregung nicht von heute auf morgen in größerem Maße in die Tat umgesetzt werden kann, so wurde die Frage als erstrebenswertes Ziel für die nähere Zukunft anerkannt und im Verlauf der Aussprache der Vorschlag gemacht, zunächst den Briefwechsel mit ähnlich gesinnten Jugendlichen anderer Länder in die Wege -u letten. ' Außer dieser Frage stauben natürlich auch die allgemeinen Probleme der Konferenz zur Diskussion. Die Anregungen in dieser Hinsicht waren jedoch so vielseitig, daß solche unmöglich im Nahmen eines einzigen AbendS besprochen werden konnten, die einzelnen Fragen vielmehr Gegenstand je eines besonderen Heimabends bilden müssen. Grundfragen des liberalen Judentums. Judentum und soziale Idee, liberales Judentum und Zionismus, das sind nur einige Punkte, welche dieses Mal zurückgestellt werden mußten und welche an den nächsten Abenden zur Diskussion stehen werden. Die Heimabende finden vorläufig in dem gemütlich ausgestatteten Sitzungszimmer der Synagoge Königsteiner Straße statt, und zwar wurden die nächsten Heimabende auf Dienstag, den 19. Oktober, Donnerstag, den 4. November und Dienstag, de» 16. November, jeweils abends 8% Uhr, festgesetzt. DaS Referat am 19. d. M. hat Frl. Dr. Mareufe übernommen, welche über „Judentum und soziale Idee" sprechen wird. Wer einen anregenden und zugleich gemütlichen Abend verbringen will, der komme zu den Heim«, abenden unseres Jli! Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugend^ gemeinschaft.) Jüdische Geschichte — wie das Thema von Herrn Dr. Gottschalks Arbeitsgemeinschaft lautet — ist ein weiter, viel umstrittener Begriff. Leider wurde sie uns aus der Schulbank nicht immer anregend und interessant dargeftellt. Um so dankbarer sind wir Herrn Dr. Gottschalk, daß er uns in ganz besonders packender Weise in ihre Anfänge einführte. Religion und Wissenschaft stritten und streiten sich noch nm die Auslegung der Ueberlieferungett (Bibelkritik), und mit den fortschreitenden Ausgrabungen wird dieses Problem immer komplizierter. So behaupten die einen, daß auf den Sinaiinschriften deutlich „Mose" zu lesen sei, was seine geschichtliche Existenz beweise: andere bezweifeln diese Annahme. Eine große Sinai-Expedition, die von den Kulturländern finanziert wird, soll uns Genaueres darüber erforschen. Die Bibel beginnt mit den heiligen Sagen der Schöpfung, des Paradieses, der Vertreibung, der Sintflut, der Arche Noah, und der erste Teil schließt mit Noahs Söhnen Sem, Ham. Japhet. Sicher finden wir parallele Schöpfungsgeschichten in anderen Mythen, doch wurde der Stoff hier anders verarbeitet, da die Bibel vor allem die religiöse Entwicklung darstellt. und zwar die des Monotheismus, des Eingottglaubenö. der erst ganz allmählich in das Volk eindrang nnd noch viel langsamer sich auf andere übertrug. Die Bibel fährt mit den Stammvätern Abraham, Isaak, Jakob fort, geht weiter mit Joseph, mit dessen Erforschung sich Thomas Mann eingehend beschäftigt. Wir hören dann non der ägyptischen Zeit, die mit einer Revolution ihr E^e hat, deren Held Mose ist. Man spricht Chamurabi als seinen Vorgänger an: doch dürfen wir uns nicht zu fest an die Er, zahlungen klammern, die Dichtung nnd Wahrheit enthalten. Ueberlieferungen anders verarbeiten (sicher z. B. die Auswanderung, die Ueberfchreitung des Roten Meeres, den Bau des StiftszeltS), da immer die monotheistische Idee vorherrschend durchklingen soll. Mit Josua gelangen die Israeliten in das Heilige Land und bilden einen Gottesstaat, der von den Richtern, den Dienern Gottes, geführt wird. Die einzelnen Richter sind rauhe Krieger: selbst Deborah wird hart und draufgängerisch geschildert. Mit Samuel beginnt eine neue Epoche. Die Theokratie hat ein Ende, und der politische Staat, tn dem Könige regieren, beginnt. Unter Samuels Sohn fallt die erste Teilung in Israel und Juda. Der erste König ist Saul: doch bewährt er sich nicht lange, und David kommt zur Herrschaft. Auch hier ist wieder vorläufig nicht genau festzustellen. ob dieser wirklich der sanfte Harfenspieler oder ein rauher Krieger war. Den Höhepunkt der Königszeit bildet der weise, reiche, prachtliebende Salomo: unter seine» degenerierten Sohne zerfällt Juda in mehrere Teile. Herr Dr. Gottschalk gab uns in kurzen Worten diese Uebersicht, indem er das Wesentliche herausschälte und entsprechende Hiniveise auf neuere und neueste Zeit gab. Dadurch vermag er viele Lücken auszufüllen, ohne sich pedantisch an trockene Lehrbücher zu klammern. In dieser fesselnden Art gibt es vorläufig kein Lehrbuch, und wir sind Herrn Dr. Gottschalk für diese ihm eigene Methode überaus dankbar. versammlungskalender Berlin. ILiberale Synagoge Norden.) Schöv-- liauser Allee 162. Auerbachsches Waisenlwus. Gottesdienst: Freitag, den 15. Oktober 1926, abends 7 '4 Uhr. Predigt: Herr Rabbiner Dr. S-alvnronski. Sonnabend, den 16. Oktober 1926. vormittags 10 Uhr. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, B e z i r k s g r u p p e W e i ß e n f e e.) Am Sonntag, den 17. Oktober, abends 8*« Uhr. findet ein Vortragsabend im großen Saale der israelitischen Taubstummenanstalt, Wettzensee, Parkstraße 22, statt. Herr Rabbiner Dr. Caesar SÜigmann, Frankfurt a. M., wird über „Die Mission des Judentums" sprechen. Gäste herzlichst willkommen. Berlin. (Bereinigung derPinner.) Am Sonntag, den 17. Oktober, nachmittags 6 Uhr, findet tn der Synagoge Levetzowstraße ein Trauergottesdienst für die verstorbenen Landsleute statt. Predigt: Rabbiner Dr. Lewkowitz. Musik. Liturgie: Oberkantor Neustadt. Frankfurt am Mai«. (Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben und Jüdisch-liberale Jugendgemeiuschaft.) Zu dem am Sonntag, 24. Oktober, abends VA Uhr, in der Frankfurt-Loge stattfindenden Gesellschaftsabend sind noch Karten bei Andrs, Fimberg, vom Hagen und Lina Schott zum DorverkaufSpreiS von 2 Reichsmark zu haben. An der Abendkasse kosten die Karten 2,50 Reichsmark. — Zur Aufführung gelangen die komische Oper „Die Nürnberger Puppe" von Adam, ferner die beiden Ballette „les petiis rieps" von Mozart und ..loraackos «t Andalouse“ von Rubinstein. Künstlerische Leitung: Roll Bergmann-Rosenbera. Hermann Geiger und Ernft Wolfs. Dem künstlerischen Teil folgt Tanz (Jazzkapelle) mit Büfett. Tombola, Kabarett usw. Der Reinertrag des Festes fließt dem DohltStigkeitsfondS der beide» RereisSLaSe» »u.