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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-10-15 · 42 (15.10.1926) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
42 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Zum Tode des Generaloberst von Heeringen. Die Zeitungen melden das Ableben des Generalobersten von Heeringen. Vs liegt sonst außerhalb der Aufgabe jüdischer Zeitungen. Person und Taten verstorbener Kriegslente gu würdigen. Die nachfolgenden „Erinnerungen" gelten dem einstigen r i e gsm »n i st c» o osias von Hecringcn. Trotz seines biblischen Namens ivar er den Nachkomme») des bibelschopserischen Volkes nicht gerade freundlich gesinnt, jedenfalls dachte er nicht daran, den jüdischen Einjährigen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Lein Vorgänger, Generaloberst v. Einem, batte den Versuch gemacht, die Befördcrnng geeigneter indischer Soldaten durchznsetzen. Er war gescheitert. Von Einem ging, und v. Hceringcn wurde sein Nachfolger. Als im Jahre 1930 wieder eine der bekannten Anscinandcrsetzunaen wegen Nichtbesörderung jüdischer Einjäbriger im Reichstag stattfand, erklärte der Kriegsininistcr v. Heeringen. den jüdischen Bewerbern würde von vornberein die „A u t o r i 1 ä t" inangeln, die ein Reservevsiizier erlangen müsse. Das war ein ungerechtes, un-bedachtes und für den Sprecher verhängnisvolles Wort. Es trug ihm viele Angriffe und Widerlegungen ein. und man zog die Aenßernng erst recht wieder hervor, als ihm selbst im Jahre 19*20 in einer Ausgabe der Weltbühne durch einen „höheren Stabsoffizier" jede „Autorität" abgesprochen werden sollte. In dein angekündigten Aufsatz lder wegen der Besatzungsverhältnisie den Verfasser dieser Zeilen nicht erreicht hat) hie» es nach einem Auszug „nationaler Blätter": „Welches eigentlich die Verdienste Heeringens sind, ist schwer zu sagen. Als Kricgsmin-ister war er vollkommen unmöglich, und auch als Heerführer ist er nirgendwo hervorgetretcu. Er sah ruhig in Laon, und -cs ging das Gerücht, er sei längst versteinert. Seine Armee lVtcfc „das schlafende Heer", denn bei ihr herrschte tiefster Friede." Es werden dann seine schweren Unterlassungen aufgezählt, und zum Schluß heißt es: „Dieser Mann schien unabsetzbar zu sein. Er tauchte immer wieder irgendwo am. vielleicht, weil er mit seinem weihen Vollbart so ehrivürdig aussah." Bei der damals gebotenen Gelegenheit habe ich zu dieser moralischen Degradierung an anderer Stelle bemerkt: „Herr v. Heeringen wird heute einsehen, wie in schwankender Zeit schwankende Werturteile jeden treffen können. Und einer weiteren Berichtigung ist er nicht entgangen. Er hat cS mit ansehen müssen, das» jüdische Offiziere mit gleichem Ansehen oder Nichtansehen, mit gleicher Eignung oder Nichteignnng — das alles hing zu allen Zeilen vorn Mann und nicht vom Bekenntnis ab — Truppeninlirer wurden. Sicherlich hat v. Heeringen mit manchem seiner Vorgänger sich ein ungewolltes Verdienst um die deutschen Juden erworben: Hätten die jüdischen Offiziere einen nennenswerten Bestandteil in der Trnppensührung abgegeben, allerlei Autoritäten. darunter wohl auch ehemalige Kriegs- Minister, hätten den militärischen Fehlschlag unfehlbar auf den jüdischen Einschlag zurückgeführt. S. A. K. Pariser Brief. Pari S, den 20. September 1026. Ter Brüsseler Rabbiner David Berman verösfentltcht in der Pariser Zeitschrift „Tchalour" einen Artikel über „Die integrale Synagoge", welchem »vir nachstehende interessante Stellen entnehmen: Was heute den Judaismus iu unseren Gegenden tötet, ist die Tatsache, das» wir ihn nicht mehr mit unsere»»» natürlichen Temperarneut l-cben: »vir beschräikken uns zmn größten Teile darauf, rnehr oder weniger gena»», »»»ehr oder weniger vollständig die Art nachzuahmen, in »velcher unsere Väter in anderen Gegenden und anderen Zeiten gelebt haben und . obwohl unsere Seele von einer viel ausgedehnteren. Varietät von Eindrücke»» getrofjen u»»d von den verschiedensten Bedürfnissen in Anspruch genommen wird, sind wir überzeugt, daß wir dern Geiste des Judentums treu bleiben und seine zentrale Flamme »»ähren, indc»n »vir mechanisch und servil einige Gesten und Riten wicdergeben, roelche wir für besonders religiös ansehen. Der Hanptirrtum der Westjudeu besteht in der Vorstellung, daß das ganze Judentum in der Synagoge und diese im Gebet besteht. Der erste Punkt würde ans Wahrheit beruhen, wenn die Synagoge das geblieben wäre, was sie ursprünglich ivar, nämlich das Vcrsaminlungszcntrnn» der jüdischen Geineinde, wo jeder Gläubige hmkvinmen und sich mit den anderen über die Fragen unterhalten konnte, »velche das jüdische Jndividitum und die jüdische Kollektivität betreffen, und z»var jeden Tag, in jeder»» Augenblick. Aber eine Entwicklung, »velche ich weit entfernt bin zu bedauern, hat ihre Eigenheiten immer mehr spezifiziert und gleich den Kultusstütten der andere»» Konfessionen, hat sie sich i»»»»ner inehr in» Kultus selbst kantoniert. Das Beth Hamidrasch und das Beth Hakenesseth sind a»u»» Beth Tefila geworden. Wenn die Synagoge, indem sie sich für den Gottesdienst spezialisierte, diesen zu ci»»em sehr hohen Grade von Würde und Respekt emporgetragen hat, so folgt hieraus nicht, daß ihre übrigen Tätigkeiten, welche sie in der Folge im Stiche ließ, nicht »vert wäre»», beibehalten und gepflegt zu werden. U»n an Feierlichkeit zu gewinnen, braucht das Judentum andererseits nichts an Lebenskraft zu verlieren. In» Gegenteil. Wie könnte sich »mit die Lebenskraft entwickeln an einem Orte, wo inan keinen persönlichen Gedanken ansdrücken kan»»'? Man kann gewisse äußerliche Formen des Juöentnms praktizieren, ohne es tiefinnerlich zu erleben, ebenso »nie »nan ein Innen- und Familienleben haben kann, oh»»-r es durch die in Elsaß, Polen oder der Levante in Anwendüng stehenden Sitten u»»d Gebräuche zu übersetz-en. Uns cijtcr äußeren Disziplin zu nnterrvcrfen, ist eine Sache, ihr »nit unsere»»» Herzen anzuhängen. eine a»»bere. Und da »nan schon der Wirklichk-eik ins Gesicht schaue»» »nuß: Wie groß auch unser Bedauer»» sein möge, daß die Synagoge, selbst wenn sie sich in dem psalmodierten oder gesungenen Hcrsagen von Gebeten festgesetzt hat, für »rns nicht rnehr dieselbe Anziehungskraft hat »vie früher und uns nicht mehr bestimmt, als Juden zu leben und Juden zu bleiben, wir »nüssei» diese Unzulänglichkeit kornpensieren, »»»dem »vir eine Ergänzung anfügen, ein Nebengebäude, »nit »velche»»» jede S»1»»agog-e obligatorisch »»ersehen sein »n»»ß und wohin »nan außer den Stunden des Gottesdienstes käine, um die lebende und praktische Seite des Judentums zu erhalten. Was täte »nan dort? Es kämen dort die Mitglieder derselben Gemeinde a»»ßerhalb der Stunde»» des feierlichen Gottesdienstes zusammen, »»»ährend »velcher jede individnelle Expansion »wtwendigerweisc gelährnt ist und »nan spräche unter Anleitung des Rabbiners über verschiedene Fragen philosophischer, offizieller, zeremonivser. literarischer, historischer Natur usrv., »velche jeden Juden interessieren können. Man »nnß so »veit koi:»»nen, daß all-es, »vas »nit dem jüdischen Leben zusarnmenhä»»gt, uns interessiert, persönlich nnd nicht deshalb, »veil cs »»ns an das Leben unserer Vorfahren erinnert. Die Synagoge der große»» Tage, offiziell, z-crenwniös, kalt und fernstehend, »nnß durch die fainiliäre »»nd lebende Synagoge ergänzt »verden, in »velcher »nan einander seine Eindrücke, Tendenzen und Bestrebungen »nitteilt und »vo »nan empfindet. daß das Hans Israels nicht nur den religiösen und »»»-eltlirhen Verwaltern des Kultus angchört, sondern ganz Israel. Unter dieser Bedingung werden sich auch die Inden verschiedener Gegenden, ans de»»» Süden und Osten Frankreichs, aus Elsaß-Lothringen »»nd Polen, ans Algerien und der Lepante v.ercinigsn lqiirien, anstatt sich zu trennen,- dein» > niemand rvird »nchr den Eindruck habe»», bei den» andern zu Gaste zu sein, von dem andern absorbiert zu w-erüen. Der Bewohner von Bordeaux hat gar reine»» Grund, vor dem Straßburger beiseite z>» treten, und der ans Polen stam- ,ne,»de Jude hat nicht das Recht, zu glauben, daß nur der elsässische Ritus, »velcher nach Frankreich importiert wurde, allein das französische Judentum dacftellen könne. Dieses »vird sich von selbst konstituieren, sobald alle Elemente, aus »velchcn er sich zusa»n»ne»»setzt, imstande sein »verden, den Originalcharakter abzul-egen, welchen sic in das Gebäude »nitbringen, das langsa»»» zur vollkornmen jüdischen und wahrhaft französischen Synagoge eruporrvächst. * DaS von dem ukrainischen J»»den Schmarzüard begangene Atteirtat, über »velches »vir im letzten Bricfe berichteten. »n»d dern bekanntlich der Hetman P-etljura r:mu Opfer fiel, hat bereits einen Racheakt ausgelöst, und zwar gegen den Entlastungszeugen Stein. Dieser wurde a»»» 15. Juli d. I. von zivei Iudividnen angegriffen und durch einen Rcnoluerschuß verletzt. Hierzu schreibt ,,L' Univers Jsraclite" von Paris »vie folgt: „Das an eine»»» armen Pogromopfer »erübte Verbrechen hat z»»m Zweck, die zahlreichen Zeugen zu terrorisieren und so zu verhindern, daß die Wahrheit über die rrissischen Pogrome an den Tag trete. Dieses Vorgehen ist so »»»»geschickt »vie nur möglich, denn die öffentliche Meinung wird dar»»» »nit Recht die Bestätigung aller gegen die russischen Pogrornisten vorgebrachten Anschuldigu»»gen sehen. Aber dieses Attentat gegen Stein hat noch eine andere Bedeutung, es beiveist. daß es in Paris einen Bund russischer Pogromisten gibt, welche darauf brennen, in Paris die Scha»»dtaten zu »viederholen, an welche sie ii» ihrem Lande gewöhnt sind. Diese Verbrecher, »velche nach Frankreich, als „politische Flüchtlinge" »»erkleidet. gekommen sir»d, sind ziemlich zahlreich in den Pariser rrrssischen Gcheimorgauifationen. Sie zeigen sich in den Fabrikei», »vo sie die jüdischen Arbeiter verfolgen und verjagen lwir haben Auskünfte über verschiedene russische Arbeiter erhalten, »velche gczrvungen waren, die Werkstätten zu verlassen, »vo sie arbeiteten, und zwar wegen der Pogromisten). Sie vereinigen sich in Wirtshäusern und treiben ihre Frechheit so »veit, daß sie ihre Le»»te sogar in de»n jüdischen Asyl in der Rue des Scmles schlafen, das heißt die Juden überwachen lassen. Das Asyl, welches allen Armen ohne Unterschied offensteht, nimmt sic auf und gibt ihnen ein gutes Bett und ein gutes Mahl. Wir sind sicher, daß die Polizei die Angreifer Steins bald verhaften wird,- aber dies genügt nicht, »nan »nnß der Assoziation von Uebeltätern habbaft werde»:, »velche sich einbilden, daß Frankreich eine zweite llkrainc ist." SonntagsgoÜesdienfle der Londoner liberalen Synagoge. Die Liberale Jüdische Snnagoge von London hat neuerdings die Institution der Sonntags-Gottcsdieirste, die die ersten ihrer Art in London sind, geschaffen. Rabbi Israel Mattuck hat drei Gebetbücher zur Herausgabe vorbereitet, die zum Oiebrauch in der liberalen Synagoge bestiinmt sind. Sie enthalten neben Gebete», auch Gedichte von Browning, Shelley, Keats, Tennysou n. a. m. Tod des Rabbi Großmann. Rabbi Louis Großinann aus Eincinatti. de»- in ganz Ainerika bekannte Reforinrabbiner und Schriftsteller, ist i»tu Detroit, pro er als Gast vor» Dr. Charles Fron ncivciU im Älter von 63 Jahren plötzlich verstorben. Rabbi Grotz- »nanr» ivar in Wien geboren und studierte an der Hebrew Union College, an »velcher Anstalt er später als ProsesitztJ »virkte. Theater am Noliendorfplatz Gastspiel des Moskauer Künstlertheaters „Habima“ Täglich 8 Uhr: JlgbaH” Diamatische Legende von An-Ski Regie: E. Wachtangoff Tapezier lahnke tapeziert, streicht und polstert alles schnell zu billigsten Preisen in guter Ausführung. Bei größeren Objekten Preis nach Vereinbarung. Jahnke Neue Ansbacher Straße 19 ♦ ♦ IHebrilsch-Kurse! Barmizwa - VorbcretM M. Abraham Berlin W 50, Achenbadistrafee 3 Uhl and 1105 <► <X*X>CK>0<X><X><X>0<X>0<>0<^ | Malerarbeiten jeder Mrt z O führt aus g Robert Gutheim g Ccclin £050, Clilmbachrr Straße 7 Tützow 5260 — Kostenanschläge gratis. — Deutsche dBmokratisohB Partei, Poladam II. 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Pensiensx ersicherung vorgesehen Verlangt n-irden umfassende Kenntnisse auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge uud organisatorische Befähigung sowie Verständnis für besondere Verhältnisse der jüdischen »Vohlfahrtpflegc. Bewerbungen mit LebcnslauT und Zeugnisabschriften sind bis zum dl. Oktober d. J. bei Herrn Eugen Caspary Berlin NW 23, Lessingstraßo 12 einzureiehet). Mgioos-Biiierridil der |fld. Relurm-fiemeiiide W, Joacliimstbalor Straße 32, N. Johannisstraße IS: a) Schulklass. f. rille scliulpfl. Kind., li) Einsegn.-Kiassa (nächste Einsegn. April 1027 durch Dr. Bosenihal, Altonae? Str. 3?, Moabit 1522), r) Fortbildungs-Kurse. >1» Ucbr.iisch tToiln. froigestellt). Alle. Kurse kostenlos, auch für Xiehtiuitglieder. Vororte a» Lankwitz, hi Grunewald. Anmeld, im Büro. Johannissstr. IG, in dem Sehullok. bei Schulbeg. u. bei Dr. Lehmann. Fasa.ncnstraße 6. Steinplatz 32». umtjiiib i -m'jii nwi ■wiinumi.ii.ii Morgersfeier «am Sonntag, dom »7. Oktober 1926, vormittags 11 Uhr, im Luisenthealcr, Reichenberger Straße 3». Ein Freitag Abend Jüdischer Kulturfilm. Jugendliche haben Zutritt. Einheitspreise: 1.— M. für Erwachsene, 0.50 M. für Kinder unter 13 Jahrot«, An der Kasse findet nur ein beschränkter Verkauf statt. Karten im Vorverkauf bei: Wohlfahrtsamt der Jüd. Gemeinde, Bezirk Süden. Theodor Herzog, S 53, Fontanepromenade in. Wohlfahrtsamt der Jüd. Gemeinde, Bezirk Neukölln. Hermann Müller, Neukölln. Hcrmannstr. 56. Wer Inseriert, vergrößert seinen Umsatz! MufürFeaerbestaiM io Berlin von 1374, e. V Kostonlosn Fanerbssiaftaiii) Annahme Aiih.nltstinße U Telefon Haseuhi-idc MI j. Charlollcnburg Knnls'raße I.fta licke Kasanco- >tr^ß2. Iclefon SioiuplaU IJCj Etwas ft Sie! Dean: Die Zeitschrift des geistig Aesprsichsvolleo! Vom 15. November 1924 ab erscheint am 15. jedes Monats « Abitur. Obersekunda Vormittagsschule, Abendschule, Vorticrcitungsanstalt, Direktor Danziger. Berlin, Alte »akobstraße 124. 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