Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-10-08 · 41 (8.10.1926) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613882--1973-2619395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Wird das Beispiel an anLerer Stätte Nacheiferungfinden? Ist nicht auch in anderen Stadtteilen Berlins die Notwendigkeit und die Möglichkeit gegeben, auf diese Weise neues religiöses Leben zu wecken? Auch der Simchastauro-Gottesdienst suchte alt hergebrachtem Gut neue Form zu geben und so neuen Wert und neue Wirkungsmöglichkeit zu schaffen. Diesmal war besonders die Tora-Vorlesung anders gestaltet und vornehmlich der Jugend gewidmet, die auch ausschließlich zur Tora aufgerufen wurde. Wenn Simchas tauro wirklich einen Sinn gewinnen soll, so muß an ihm der wesentliche Ideengehalt der gesamten Tora vyrgesührt werden, ohne daß durch große Länge die Wirkung beeinträchtigt wird. So waren neun kurze, charakteristische Abschnitte aus allen Büchern ausgewählt, von Jakobs Gelübde bis zum Segen Moses, und an sie schlossen sich — altem Brauch entsprechend — der Abschnitt von Moses Tod und Anfang und Schluß der Schöpfung. Damit Inhalt und Gedanke sogleich verstanden werden und jedermann zum Bewußtsein kommt, gab Prof. Friedländer, der das Amt des Baal köre übernommen hatte» jedesmal vor der Broche einen kurzen Hinweis aus den Inhalt und die Uebersetzung des betreffenden Abschnittes, nachdem er die gesamte Vorlesung mit einer kurzen Einführung begonnen hatte. Es war ersichtlich, von solcher Vorlesung ging eine starke Wirkung aus, und diese wurde zur Höhe geführt durch die darauf folgende knappe, aber kraftvolle Ansprache des Predigers Dr. Salomonski, der etwa folgendes ausführte: Wir haben soeben die Tora-Borlesnng in einer neuen Art gehört, verbunden mit der Nebersetzung in die Muttersprache. Das ist im Grunde die Wiedererweckung eines ganz alten, jüdischen Brauches, und wie so oft, so leitet auch hierbei die Führer unserer Bewegung das heilige Streben, die Andacht und besonders das Wort Gottes der Gemeinde verständlich zu machen. — Als unsere Ahnen einst aus der babylonischen Gefangenschaft in die jüdische Heimat zurückkehrten, da lasen ihnen auch am Schlutztage des Hüttenfestes Esra und seine Mitarbeiter die ganze Tora vor. Aber sie übersetzten sie gleichzeitig: denn die alte Muttersprache — mochte auch der Klang ihnen noch vertrant sein — war den meisten, wie uns, verloren gegangen. Ter Segen dieses Bemühens und auch die Einwirkung auf das ergriffen lauschende Volk waren nachhaltig bis ans diesen Tag. Von dort an beginnt erst die Bedeutung der Gvtteslehre. Darum der Versuch unserer Auswahl, über die ich muh der vorailsgcgangenen Erklärung noch ein eigenes Wort hiuznfügen mochte, weil sie mir aufs glücklichste getroffen zu ieiu scheint: Wir hörten von der Schöpfung der Welt, von Jakobs Gelübde in Betel, wie er als Greis seine Enkel segnet, daß Israel zum Priestervolk berufen ist, daß der .v>eiöc Bileam Israel preist: wir vernahmen das Sünna, unser heiliges Glaubensbekenntnis, den Segen des sterbenden Mose für Israel und Moses Tod. Ich sehe im ganzen einen einheitlichen Gedanken, unsere Aufgabe, daß das Erdenkind nach wahrer Menschwerdung streben soll, damit in ihm wie in Jakob der Beruf des Israeliten erwacht. Nur dann wird er die Verpflichtung fühlen, sich einzureihen dem Priestervvlk, wird er heimisch werden in Israels Wohnungen, in unserem Heim und dreifach gesegnet sein, wie Ephraim und Manasie schon als Kind, auf der Höhe des Lebens behütet, erleuchtet und befriedet, und noch am Bande des Grabes innig verbunden mit unserer Gemeinschaft. Es wird ihm aber auch Moses Geschick zuteil werden, dessen Grab man nicht kennt. Dazu fragen unsere Weise: Warum ist es unbekannt? Und sie antworten: Weil Mose nicht gestorben ist, weil er fortlebt. — Sv wird auch der wahre Israelit nicht sterben, so werden wir alle, in den Bahnen der Tora wandelnd, fortlcben und mit dem Indentnm verbunden sein. Und darum gelte uns allen noch die Mahnung an Josua, als er die Nachfolge Moses antrat: „rak chasak wescmoz! Sei üark und fest, als Jude, im Leben bis znm Tode!" IUI Aus den Gemeinden ff|j Wsiv * + 4 ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦<♦♦♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦<>»<♦»♦♦«♦«♦♦»«♦♦♦♦♦»♦♦♦♦»♦»< Berlin, lTas zukünftige preußische Judena. e i e tz.» Am 3. d. M. trat zum dritten Male die Kommission des Preußischen Landesverbandes zur Revision der Juden- "Zetzaeöiing zusammen. Tie erste Lesung des i.mrllegenden Entwurfes wurde zu Ende geführt und im Anschluß daran der Enln'nrs in zweiter Lesung en bloc angcnommen. Bereiis in der voriaeu Sitzung war zu Beginn der Beratungen beschlossen morden, die Frage, inwieweit die materiell angelionumiun Bcstiminiriigen in das Staatsgcietz und wieweit enva in ein gleichzeitig der staatlichen Genehmigung zu unterbreitendes autonomes Berfassungsgoictz (analog der icincrzeit non der Evangelischen Landeskirche gctnäfencn Regelung) ausznnehmen seien, zur Zeit nvrli offen zu lassen. Im Anschluß gn die zweite Lesung fand eine Aussprache auch über diese Frage und den Inhalt des VersasiungsgJetze-,' stau, ohne daß es zu desinikivcn Beschlüssen gekommen wäre. Es ivnrde vielmehr beschlossen, den Entwurf des Versassungs gejebcs mit möglichster Beschleunigung sertigznstcllcn und den Mitgliedern der Kommission vor ihrer erneuten Znsammeubernsnng zngeben zu lassen. Bc»-lin. (Freie s ü d i s ch e V v l t s l> v ch j ch n l c.i Tic W r c i e I üdii ch e B o l l s h v ch i ch u I e hak die historische Ansgabe, eine der wichtigsten geistiaen Einrichtungen des J udentums, das „Bcth Hann drasch", die Lehrstätte für die Erwachsenen, zu stellen. Keine Gclehrienschitle. sondern eine Volksbildnuasanstalt im wahrsten Sinne des Wortes. Tie Volkshochschule bietet in der Reichhaltig - teil ihres Programms tsiehe unten) jedem Gelegenheit, sich ans allen «Gebieten des jüdischen Wissens Kenntnisse zu erwerben. Das neue Trimester beginnt am Ist. Oktober mit einer Eröffnungsfeier, in der nach kurzer Ansprache des Vorsitzenden Dr. Joseph Lehmann Herr Prof. Fcli x P erle s einen Vortrag über die Wissenschaft vom Iudentum in Amerika halten wird. — Hörcrgebühr für jeden Vortragszyklus eine Mark. Mitglieder der Freien Jüdischen Volkshochschule sind berechtigt, gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte einen beliebigen Vortragszyklus unentgeltlich zu besuchen. Eiutrittskarteu und Vorlcsuugsverzeich nisse sind erhältlich in allen jüdischen Buchhandlungen, den Theaterkassen Kaufhaus des Westens, Hermann Tietz, Tönboss- und Alexanderplatz, und im Sekretariat bei Gold m mttt, Berlin SW. 01. Hortstraßc 88, Hasen- Heide 172. Programm Hcrbsttrimester 1920. 1. Dr. I. Bergmann: Religionsstifter (fünf Stunden. Donnerstag /iO—Mio Uhr. Synagoge Lcvetzowstraße, Beginn 11. Oktober). — 2. Tr. Emil Cohn: Aufgaben und Biele der jüdisch-religiösen Erziehung (vier Stunden. Mittwoch 8 —9 Uhr, Hochschule. Arttlleriestraße, Beginn 20. Oktober). — 3. Dr. S. Feist: Stammeskurrde der Juden, mit Lichtbildern (sechs Stunden. Donnerstag >-8—b-9 Uhr. Synagoge Fasanenstraße. Beginn 21. Oktober). — 4. Dr. Fritz G o l d b e r g: Jüdische Autoren in der modernen deutschen Literatur «sechs Stunden, Mittwoch ^8— J40 Uhr. Synagoge Faianenstraße, Beginn 20. Oktober). — 5. Studienrat Kurt Hammer st ein: Neuhebräischer Unterricht, für Fortgeschrittene (sechs Stunden. Mittwoch 8—9 Uhr. Synagoge Fasanenstraße. Beginn 18. OLjober). — 6. Dr. Joseph Lehmann: Prophetengestalte«. 2. Teil (sechs Stunden, Dienstag Vi9—#10 Uhr, Synagoge Fasanenstraße. Beginn 26. Oktober). — 7. Dr. Paul Nathan: Humanitäre Weltorganisationen der Juden (drei Doppelstunden, Montag 8—9*A Uhr, Synagoge Fasanenstraße. Beginn 11. Oktober). — 8. Dr. Fritz Schiff: Die Bibel in der bildenden Kunst bis zum Beginn der Renaissance, mit Lichtbildern (sechs Stunden, Donnerstag ^9—^10 Uhr, Snnagoge Fasanenstraße. Beginn 21. Oktober). — 9. Dr. H. Torez y n e r : Ausgewählre Psalmen in hebräischer Sprache (sechs Stunden. Dienstag 8—9 Uhr, Synagoge Fasanenstraße, Beginn 19 Oktober). — 10. Dr. MarWtener: Geschichte der ReligionSphilosophic (sechs Stunden. Mittwoch X’9—3410 Vtfir, Synagoge Fasanenstraße, Beginn 27. Oktober). Berlin. (Aus der P o l i z e i - A u s st e ll u n g.) Die in Berlin jetzt eröffnete große Polizei-Ausstellung gewährt auch einen Einblick über die Behandlung der Juden im Mittelalter. Das Polizeipräsidium Frankfurt a. M. stellte eine Kollektion von Urkunden zusammen, die das Verhältnis von Polizei und Judentum betreffen. In einer kleinen Glasvitrine stehen die holzgeschnittenen Statuetten eines mittelalterlichen Juden und einer Jüdin der Stadt Frankfurt, die an ihrer Kleidung den damals vorgeschriebenen „Judenfleck" tragen. Weiter sieht man dort die Originalurkunde einer päpstlichen Beschwerde beim Rat der Stadt Frankfurt über das Wohnen der Inden in der Nähe der St. Bartholomäuskirche. Auch die Urkunde über den Verkauf der Judenschaft durch Kaiser Karl im Jahre 1363 ist vorhanden, wie auch der Reisepaß des Dichters Ludwig Börne. — Berlin (G e d ä ch t n i g f e t e r.) Die Hochschule für die Wissenschaften des Judentums veranstaltet in ihrer Aula. Artilleriestraße 14. am Sonntag, dem 31. Oktober 1926. eine Gedächtnisfeier für die verstorbenen Kuratoriumsmitglieder der Hochschule Geheimen Jnstizrat Professor Dr. Albert Mosse. OberregierungSrat Dr. Paul Meyer und Max Weiß. Die Gedenkrede hat Herr Rabbiner Dr. Baeck übernommen. Berlin. (?l m tse n th e b n u g eines antisemitis ch oit S t n d t s e k r e t ä r s.) In einer Bezirksverordnetenversammluna in Eharlottenburg wurde von der gesamten Fraktion der Mitte, der außer den Demokraten auch die Wirtschaftspartei und das Zentrum angehören, folgende eigentümliche Angelegenheit znm Gegenstand einer Interpellation des Bezirksamtes gemacht: In einem Prozeß, der vor dem Jugendamt geführt wurde, erklärte der amtierende Amtsrichter, einer der Parteien den Eid abnehmen zu müssen. Ter Betreffende war Jude. Da machte der Stadtober'ekretär Meyer, der in der Vertretung der Stadt Eharlottenburg erschienen war. den Einwand, man müsse bedenken, daß die jüdische Religion einen Meineid gestatte. Er wurde darauf von dem Amtsrichter sofort auf das schärfste znrückgewiesen und ihm eröffnet, daß derartige widersinnige Märchen längst widerlegt seien. Die interpellierende Fraktion fragte nun an. was das Bezirksamt in diesem Falle getan habe, wo ein von der Allgemeinheit besoldeter Beamter in Vertretung der Stadt einen Teil der Bevölkerung des Meineides bezichtigt habe. Bürgermeister Augustin, der die Interpellation sofort beantwortete, erklärte, es habe sich um einen bis dahin unbescholtenen Beamten aehandelt, der bereits acht Jahre Eharlottenburg vor dein Jugendgericht vertrete. Das Bezirksamt bedauere die ganze Angelegenheit unendlich, zumal sie sich in einer an Spannung reichen Zeit zngetragcn habe. Es habe bereits den Schuldigen non seiner Stellung enthoben und die Disziplinarvornntersuchuna gegen ihn eingeleitct. Es folgte eine Erklärung der Rechten, die durchaus deu Ausführungen beistimmte. Auf einen Zuruf eines Völtischeu erklärte dann der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei. Dr. Kawerau, es sei tief beschämend, daß in unserer Zeit noch jemand behaupten könne, dem Ehristeutmn geschehe durch derartige Rohheit kein Abbruch. Pfarrer Rohde stellt mit Verwunderung fest, daß ein Beamter, der aus diese überzeugende Art seine Unfähigkeit zur Bekleidung eines wichtigen Amtes bekunde, den Pollen eines Stadtobersckrctärs habe erlangen könnet:. Berlin. <I v i it 1 - A n s st e l l u n g.) Am Mittwoch, den 29. September, 12 Uhr mittags, wurde in den Ausstellungshallen am. Zoologischen Garten die Ausstellung von Schülerarbeiten der von der Abteilung für Kinderfürforge des Ainrriean Joint Tistrilmtion-Eninmiree geleiteten Fachschulen eröffn.'«. Es hatten sich Vertreter der deutschen und der ausländischen Presse, sowie Repräsentanten der zentralen indischen OrgalUsatiou'',, i„ großer Zahl eiugesuuden. Ter Presseleiter des Joint Herr Hermann Swet. begrüßte die Erschienenen. woraufhin der Vizedirettor des Enropobureaus des Joint, Her- Tr. David Schweizer, einen kurzen Ahriß der Entwicklungsgeschichte des Joint und eine Eharak tcrislil der Persönlichkeit der Führer gab. Ter General- 'etreiär. Herr T r. Werner Senator, mitt'ritrid) insbesondere, daß Joint die uiuer der Jndemchast Osteuropas aufgekommeul'i, Tendenzen, zu produktiven Berufen überzugehen, rechtzeitig ersaßt und mit großen Mitteln mrd Opfern vernicht hat. sie in die richtigen Bahnen zu lenken. Tie Ausstellung hier aib.i nur ein Bild eines Zweiges der Joint- Arbeit: der Kinder- und Waiicnsürsorge. In dem vom Joint unterhaltenen Anstalten ,n den Ländern Tschecko- Uovakei, Lettland, Litauen, Oesterreich, Polen. Rumänien. Türkei und Ungarn werden etwa 19 000 Kinder erzogen, davon allein in Polen linon. Von diesen sind erst 6300 in einem Alter, da sie si'ir ihren Lebensweg berufs technisch ausgebildet werden können Er erzählte sodann die Geschichte der 'Abteilung für Kindersiirsorge, die von Herrn Ezevski geleitet wird. Als die zarische Armee im Kriege Hunderttansende jüdischer Familien ans den Kriegs- und Etappcnzoncu i» das Innere Rußlands vor sich her trieb, da wurden zahlreiche Familien anseinandergerisseu. Taufende Kinder irrten herum, deren Eltern zugrunde gegangen waren. Als nach dem Krieg die Pogromverheeruugcn anfingen, blieben viele Tausende Kinder hi «geschlachteter Eltern ohne Hilfe zürnet und verwilderten. Joint sammelte alle diese Unglücklichen und brachte sic in Heimen unter. Ter Sorge um die Zukunft dieser elternlosen Kinder entsprang der Entschluß, sie in besonderen hernistechnischen Anstalten zu einem Lebensberus ausznbildcn. Tic von Joint eingerichteten Musterfachschulen wirkten auf die indisch'' Bevölkerung und förderten die unter den Massen bestehende Tendenz, sich in die Produktion einzuordnen. Es begann nun die Führung durch die Ausstellung, die in ihrem Reichtum, ihrer Mannigfaltigkeit und der Auserlcsenhcit der Objekte die Beschauer ungemein fesselte. Sehr bewundert wurden die feinmechanischen Erzeugnisse, aber auch die Objekte der Tchmiedckunst und der Knnstschlosserei. Geradezu auserlesene Stücke sali man in der Weberei und Teppichabtciluna Tic Knnstgemerbeschnlen in Lemberg und Wien zeichnen sich durch einziaartigc Leistungen im Kunstgcwerbc aus. Die Stickerei-Abteilung zeigte Motive verschiedener Völker und Kulturen, überall aber klingt die besondere jüdische Note an Die eigenartigen, von bemerkenswertem Können zeugenden Malereien und Skulpturen bewiesen. daß die grauenvollsten Erlebnisse eine angeborene Kunstbcgabung nicht zu zerstören vermögen. Die Ausstellung geht nach Amerika, wo sie als Wanderausstellung in allen größeren Städten gezeigt werden wird. Berlin. (Arbeiterstreik in Weitzensee?) Das sozialdemokratische Hauptorgan „Vorwärts" richtet in seiner gestrigen Morgenausgabe scharfe Angriffe gegen die Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde, der vor^vworfen wirb, daß sie die Tarifregelung mit der Arbeiterschaft de» jüdischen Friedhofes zu Weitzensee absichtlich verschleppt und in den diesbezüglichen Verhandlungen mit den Arbelterorganisationen (Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter. Deutscher BerkehrSbund) eine starke Inkonsequenz an den Tag legt. Nach einer eingehenden Darstellung der Sachlage schließt der .ÄorwärtS": „Die Verhandlung wurde vertagt, nachdem die Vertreter der Gemeinde erklärt hatten, nach Prüfung der erforderlichen Unterlagen eine neue Verhandlung anzuberaumen. Im Hinblick auf die bisherigen Verschleppungsmanöver bezweifelten die Organisationen diese Bereitwilligkeit zur rechtzeittgen Erledigung dieser Angelegenheit. Wie reckt sie hatten, beweist das weitere aeraderu skandalöse Verhalten des Vorstandes der Gemeinde. Obwohl ein weiterer Monar ins paud gegangen ist. ist cs nickt möglich gewesen, eine mündliche oder schriftliche Antwort über die Stellungnahme der Gemeinde zu erfahren. Man scheute sich nicht, aus mehrfache telephonische Anfragen geradezu kindische Ausreden zu gebrauchen. Anscheinend können die Arbeiter nach Ansicht der verantwortlichen Vorstandsmitglieder warten. bis diele geruhen, das tariflich Vereinbarte auch durchzuführen. — Wenn hier nicht gründlich Remedur geschaffen wird, muß die Jüdische Gemeinde die Folgen dieses stockreaktionären Verhaltens tragen." Berlin. (Sportfest des RIF.) Zum 3. Oktober hatte die Ortsgruppe Berlin des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" zu einem internen Sportfest eingeladen. auf dem auch, begünstigt von schönstem Herbstwetter. die jüdische Juwgfront und Frauengruppe sportliche Darbietungen vorführte. Die Leistungen zeigten in Anbetracht der Verhältnis^ mäßig kurzen Sportbetätigung des RIF. ganz achtungswerte Erfolge. Hervorzuheben ist der jugendliche Läufer W. Link (Bezirk Süd), der für 100 Meter 12.1 Sek. brauchte. Wenn auch kein Rekord, so doch eine recht respektable Leistung! Tie Jiu-Jitstt-H)rupve der Mädchen zeigte, was bei guter Ausbildung und ernster Arbeit aus dem Gebiete der körperlichen Ertüchtionng der Frau 'Vl'-nh't lvr^cit kann. Der Meister von Deutschland im Jin-Jitsu, Harry Roscuthal. iaud in deu Mitgliedern der Jl>'-Iiis>r-Gruppe (Männer-Abteilung) nicht zu unterschätzende Gegner. Berlin. (70. G e b u r t s t a g.) Herr Adolf W i l h e l m y. Wilmersdorf. Duisburger Straße 6. unser langjähriges, bewährtes Mitglied, feierte am Schabbes B'reschith seinen 70. Geburtstag. Herr Wilhelmy hat unserer Bewegung stets das lebhafteste Interesse entgegeugebracht und hoffen wir. daß es ihm und uns vergönnt sein wird, noch lange gemeine sam die liberale Sache verfechten zu können. Breslau. (R e p r ä s e n t a n t e n v e c s a m m l u n g.) Die Gemeindevertretung, welche nach längerer Sommerpause am 27. September wieder znsamwentrat, beschloß, den Jahressteuersatz für das Steuerjahr 1926/27 endgültig auf 18 Proz. sestzusctzen. Der Berichterstatter Gins wies darauf hin, daß es sich hier um eine gewaltige Belastung der Steuerzahler handle, die 700000 Mark Steuerzuschußsvll aufzubringen hätten. Tie Steuerkraft sei arg zurückgegangen, die jüdische Bevölkerung verarmt, der Unterstütznugsetat riesig gewachsen. Die durch die Rvhroerlegungs- und Pflasterarbeiten auf Friedhof Eosel entstandenen Kosten von 9000 bzw. 6000 Mark wurden bewilligt, der Tarif für llrnengraüstellen und> deren Pflege nebst der Tenkmalsvrdnung für das Urnenfelh wurden mit geringen Abänderungen nach der Borstandsvorlage genehmigt. Den Leichenwärtern wurde eine besondere Vergütung von 20 Prozent ihres Monatseinkommens lAufwendung 668 Mark) zugestanden. Der die Zeit von drei! Monaten umfassende Bemvaltungsüericht machte Mitteilung! von einem Darlehn an die Waisenverpflegungsanstalt, von der Hiuausverlegung der Straßenbahn nach Cosel schließlich ohne Gemeindeznschuß, von einem Vertrage betr. Erscheinen des Gemeirrdeblattes, von einer zweiten Beihilfe für die; Ausstellung „Hygiene der Juden" bei der «tzesolei in Düsseldorf und von der durch Erweiterung des GeschäftsbetriebeA notwendigen Neuanstellunq einer Bureaukrast. In geheimer Sitzung wurden Personalfragen erledigt. Der Pensionierung des Organisten Scholz und des BeerdigungsinspektorA Lvewenstein wurde zugestimmt. Cvethen. (Todesfall.) Die hiesige Gemeinde beklagt den Heimgang ihres Kantors A. Hovwitz. Drei Jahrzehnte k>at der Verblichene im Dienste Mischer Interessen gestanden, denen er durch Einsetzen seiner ganzen Person gedeihliche Entwicklung gesichert hat. Als Beamter und Mensch erfreute sich der Verblichene im Kreise der Becufsgenossen und Gaineindemitglieder höchster Wertschätzung: sein Ableben hat daher innigste Teilnahme geweckt, ein treues Gedenken bleibt ihm über das Grab hinaus gesichert. Hamburg. (Vom O r ientalistentag.) Die viert« Deutsche Orientalistentagung begann mit einem Kongreß der Alttestamentler. D. Bertholet (Güttingen) sprach über „DaS Dynamistifchc im alten Testament": Robinson (Cardiff) über „Die prophetischen Bücher" und D. Hans Schmidt (Gießen) über „Das Neujahrsfest im alten Testament". Prof. Eduard Meyer (Berlin) berichtete über die historischen ErgeLnisse seiner letzten Orient- und Palästinareise. Königsberg. (Besondere Ehruna des 70jährigen <^cheimrats Falkenheim.) Der Vorstand und die Repraientantenversammlnng der Königsberger Synagogengemeinde veranstalteten zu Ehren des 70jährigen Geh. Med^> Rats Professor Dr. Hugo Falkenheim eine Festsitzung, in der der Vorsitzende des Vorstandes. Justizrat Holz, die Verdienste würdigte, die sich der Jubilar in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes um die Köntgsberger jiidische Gemeinde erworben bat. Der Vorstand trabe sich daher unter Zustimmung der Repräsentanten-- versammlung veranlaßt gesehen. Geheimrat Falkenheim zum Ehrenmitgliede des Vorstandes zu ernennen. Nach seinen Worten überreichte Justizrat Holz dem Gefeierten eine künstlerisch ausgeführte Adresse. Sodann brachte der Borsitzende der Repräsentantenversammlung. Prof. Dr. med. Okttdolf Cohn, die Glückwünsche der Repräsentantenversammlnnß zum Ausdruck. Tiefgerührt dankte Geheimrat Falkenheim und gelobte, auch weiterhin im Dienste des Judentums zu arbeiten. — An die Festsitzung schloß sich ein gemütliches Beisammensein der Vorsteher und Repräsentanten in den Räumen der Kantloge. Krefeld. (Scheiden aus dem S ch u l d i e n st.) Nach 4.°) Jahren erfolgreichster Wirksamkeit schied am 29. September -Herr Lehrer Alexander ans dem Schuldienst. Bon diese« vielen Jahren entfallen 39 auf seine Tätigkeit an der hiesiger jüdischen Volksschule. — Wesen. Gaben und Streben bildeten hier eine Persönlichkeit, die sich mühelos und dauern! die Herzen von Kindern und Eltern gewann und darüber hinaus Schätzung nnb Verehrung weiter Kreise. — Die Ge. meiudeämter, die Alexander bei seinem Eintritt in den hiesigen Pslichtenkreis übernommen und in denen er das Ge. meindeleben nickt minder wohltuend beeinflußt hat, behau er bei. Möge ec in ihnen lange Jahre noch lebensfroh ge> staltend und ausgleichend wirken können! Ludwigshafe». (A m t s i u b t l ä u m.) Sein 23jährigeS Jubiläum als Religionslehrer und Kantor unserer Gemeinde beging kürzlich Oberstudienlehrer S. Wetzlar. Der Jubilar, der sich um die Förderung des religiösen Lebens innerhalb der Gemeinde verdient gemacht hat. war Gegenstand mancher Aufmerksamkeit. Der Synagogenrat und die Vorstände der WohltätigkeitSvereine ließen den um ihre Interessen veröienteir Beamten kunstvollansgeführte Adresse« und Geschenke überreichen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.