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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-10-08 · 41 (8.10.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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6. Jahrgang Nummer 41 Beilage 8. Oktober 1926 IiibischlibemleZei-mg Professor Oppenheimers Palästinaeindrücke. Krisenvorträge. „Die sch w e r e Krise in P a l ii st i u a ist nicht allein eine Krise der Wirtschaft, sondern eine Krise des gesamten materiellen und geistigen Lebens im Heiligen Lande, eine Krise, die das politische und kulturelle Leben in gleicher Weise erfaßt hat. wie etwa die Industrie und Landwirtschaft." Dieses Urteil über die jetzige Lage in Palästina ist um so beachtenswerter, als es ans dem Munde eines Mannes stammt, der a!S der hervorragendste Soziologe und Nationalökonom unserer Tage gilt, ans dem Munde dcS Frankfurter Universitätsprofessors Dr. Franz Oppenheimer. der am 25. September auf Einladung der v i o n i st i s ch e n Organisation in Wien einen ungemein interessanten Bortrag über seine Eindrücke auf einer Studienreise durch P a l ä st i n a gehalten hat. Und diese Eindrücke waren, wie aus den interessanten Ausführungen des Gelehrten hervorging. d i e denkbar t r a u r i g st e n. Hält man sich vor Augen, daß Professor O p e n h e im er, der N i rh t z i o n i st ist, nur deshalb von der z i o n i st i s ch e n Exekutive nach P a l ä st i n a berufen wurde, u m e i n k l a r e S wissenschaftliches Gutachten über den derzeitigen Stand des A u f b a uw erkcS a b z u geben, dann wird man die Tragweite seiner Worte ermessen, wenn er sagt, daß „P a l ü st i n a vor einer K a t a st r o p h e st e h t, w e n u ui ch t im letzten A u g e n b l i ck ein radikaler Wandel geschaffen w c r d e" TaS Araber-Problem hält Oppenheimer zwar momentan für nicht so gefährlich, wofern man den Gedanken ein für allemal fallen läßt, daß die Juden i n P a l ä st i n a die herrschende Klasse werden müssen, viel gefährlicher dünkt dem Gelehrten das Problem Kapitalismus und S o z i a l i S m u S, das irgendwie einer der dortigen Lage entsprechenden Lösung zugeführt werden must. Denn derzeit liegen die Bcrhältnisi'c in Palästina so. daß ein bis auf die Zähne gerüsteter und stramm organisierter G c w e r k s ch a f t S s o z i a l i S - muS die Arbeiterschaft vereinige, während vom Kapitalismus in europäischem oder gar amerikanischem Sinne gar nichts zu sehen ist. Es gibt nämlich in Paläst i n a überhaupt keine U ii t e rnehmer . da die wenigen Gewerbetreibenden mit zwei oder drei Hilfskräften keine Gegner der Gewerkschaften darstellcn. Die einzige wahrhaft kapitalistische Gefahr in Palästina ist der B v d e n w n ch e r . der besonders in und um T e l - A m i w wahre Orgien gefeiert habe. „T e l - A w i w, diese Stadt, ans d:e das Judentum noch vor kurzer Zeit stolz gewesen ist. sie ist der Schandfleck P a l ä - st i n a s geworden. Schamlos i st das Treiben d e ö Gesindels, das dort Wohnnngs- und Bodenwnrher betreibt. schamlos ist das kulturelle Aussehen dieser Stadt, in der die kitscht g st e n P r u n k p a l ä st e »leben den e l e n d st e n H ü t t e n st che n. T e l - A w i w ist verloren." Bei Besprechung der Zustände, wie sie derzeit in Tel-Awiw herrschen, erwähnte Professor Oppenheinler auch einige sehr charakteristische Details, um 3- B. die^ Tatsache, daß die Hoteipreise in dieser Stadt sich auf der Höhe der Preise von Kairo — bekanntlich eine der —teuersten Städte der Welt — bewegen, während das dein »hierfür Gebotene auf der Höhe des etwa von eritz Gebotenen steht. * Das schwierigste Probten» ist daS der landwirtf ch a f t l i ch c n Kolonisation deS Landes, denn Handel »md Industrie sind nur Acste an» Baume der Landwirtschaft und der gesainte Zionismus steht und fällt »nit de»»» Erfolge der landwirtschaftlichen Arbeit. Aber gerade die Art und Weise der landwirtschaftlichen Besiedelung des Landes fordere die entschiedenste Kritik heraus. Gerade die wichtigste Art der palästincufifchei» Besiedelung, diejenige, für welche die zio»»istische Bewegung hauptsächlich arbeite, . das sind die großen E h rv u z a s oder Siedclungsgenost'enschaften, ist als verloren zu bezeichnen. „Es find Zerrbilder von Siedlungsgenossenschaften. Hier hat sich eine bunte Gesellschaft junger Burschen und Mädchen auf kommunistischer Basis organisiert, ans Gütern von N i e s e n a u S ö e h n u n g e n wird derart g e w i r t f ch a f t e t. das nicht e i n »n a l d r e i st i g Prozent der N o r m a l l e i ft ungen g e f ch a f f e n »verden. ES ist furchtbar, »vas hier geschieht, e n t s c tz - l r ch. wie gearbeitet wird. Das S »i st e »n muß a u f - ll^ö r e n. ES sind fast durchwegs Kinder, die die Freiheit falsch verstehen, und »venn nicht »nit eiserner Faust dreingefahren »vird. ist es nt i t der zioni - st ische n Bewegung zu Ende. Keine einzige dieser vielen riesigen Gemeinschaftssiedlungen kann bestehen." Professor Oppenheimer kam zu folgenden Schlüssen: „Vielleicht gelingt eS durch einen religiösen Bund, vielleicht könne»» »vir dann neue Fundarnente für den Aufbau Palästinas legen. Wenn nicht, dann »st alles verlöre»»." Obwohl die schleichende Krise Palästinas auch in Europa längst kein Geheimnis mehr ist. haben die Ausführungen des Gelehrten dennoch in allen Kreisen die größte Sensation hervorgernfen,' haben sie doch blitzlichtartig das Dunkel erhellt, das über Palästina lagerte, und »nit photographischer Genauigkeit ein Bild der Lage gegeben, »vie sie sich im Verlaufe des letzten Jahres entwickelt hat. Und da bringt das Organ der ö st e r r e i ch i s ch c n Z i o n i st e n, die in der letzten Nummer dieses Blattes genügend charakterisierte „W iener M o r g e n z e i t n n g" den traurigen Mut aus. ihren zionistischen Leser»» noch im»ner Sand in die Angen zu streuen. Unter dern irreführenden Titel „G egen die S ch »v a r z s e h e r" veröffentlicht sie einen Bericht über den genug schwarzsehenden Bortrag — inan beachte nur den Schluß! —, in den» die rvichtigsteir Mitteilungen des »vcltbekan»»ten Gelehrten entweder ganz vorenthalten oder in derart abgeschwächtec Form »vicdergegeben »verden. daß inan beim Lesen dieses Berichtes ein ganz falsches Bild von den wirklichen Erfahrungen Prof. Oppenheimers in Palästina gewinnt. Glaubt daS Blatt vielleicht, auf diese Meise und durch derartige Mittel der Wahrheit den Weg versperren zu können, oder sieht es alS seine publizistische Aufgabe an, seine eigenen Gesinnungsgenossen über so wichtige Fragen falsch zu informieren? Will eS noch mehr funge Leute ins Unglück stürzen, die »in Vertrauen auf die Versprechungen der Zionisten das Land ihrer Sehns»»cht betreten. um dort in Not und Elend zugrunde zu gehen? Oder sind es vor aller»» parteipolitische E r »v ä a u n g e n, »velcke das Blatt zu einer derartigen Berichterstattung veranlassen? Was immer der Grund hierfür sein mag. die Wahrheit bricht sich doch schließlich Bahn, und der Vortrag Prof. Opvenheilners »var ein geivaltiaer Schritt an» dieien» Wege. Dafür »vird dem aroßen Gelehrten das ganze Judentum sicherlich Dank ivissen. Seine sensationellen Ausführungen erhrelten^em papendes Gegenstück dinch einen Vortrag, den eimge ^age vorher ein Zionist, und zwar der Wiener Obcrrabbiner Dr. H. P. Chajeö in Wien gehalten hat. J»n Verlause desselben zitierte Dr. EhajeS, da er rückscha»»end der Stim- »nung gedachte, von der die Weitblickeirden unter den Zionisten beherrscht waren, als in» Vorjahre von den großen Erfolgen der Aufbauarbeit in Palästina und der gervaltigen Zunayine der Einwanderung berichtet »vurde. zur Charakterisierung dieser Sti»n»n»»ng den Vers aus de»»» zrveite»» Pfalrn: „Freut Euch mit Zittern!" Herr Dr. Cüajes hat recht mit dieser Zitierung. Es war eine „zittrige Freude" und — wie »vir gleich hinzufügeu »vollen — eilte Freude von kurzer Dauer. Denn alSbald zeigte es sich, daß daS Land all die Tausende durch die Meldungen um» den „großen Erfolgen" inS Land gelockter Einrvanderer nicht ernähren kann. Sie »vare»» also auf die Hilfe von auSiväris angerviesen und, alS die Geldsendungen auS dern Ausland infolge der fast in allen Ländern der Welt herrsche»»de>» Wirtschaftskrise spärlicher »vurder», da brachen die vielen noch nicht »nit dein Lande verwurzelten Existenzen znsainmen und rissen »veitere, die schon halbrvegS Wurzel gefaßt hatte»», mit sich. Tic Freude ist geschwunden. daS Zittern ist geblieben. Zitterte nicht auch die Hand des Redakteurs der „Wiener M v r g e n z e i t n n g" ein wenig, als er über den Bericht über den Bortrag des Obcrrabbiners die rvieder irreführende Ueberschrift setzte: „Politischer u n d »v i r t s ch a s t l i ch e r Fort s ch r i t t i »n Z i o n i S »»»»r s." Wohl hat Dr. EhajeS. der eben von der Londoner Tagung deS Zionistischen Aktionskomitees gekomlnen »var. von der Ueberivindung von Hindernissen, von einer Besserung des Verhältnisses zu Frankreich und von» Beginn deS HafenbancS in Jaffa gesprochen, rvclche Tatsachen als Aktivposten gebucht »verden könnten. Ihnen stehen jedoch viele schwere Passiva gegenüber, die von Dr. EhajeS mit anerkenncns- »vertcr Offenheit ausgczeigt »vnrden, vor allen» die Bersch l e ch t c run g de s B e rh ä l t n i s s e S z u England und zu»»» Völkerbund und die furchtbare wirtschaftliche Lage in» Heiligen Lande. Die zionistische Jahresbilanz schließt somit »nit einem erschreckenden Defizit ab. Der einzige wahre F o r 1 s ch r i t t i n» Z i o n i S »n n S , von de»»» allerdings in der Rede des Oberrabbiners nichts z u höre»» war. ist die auch in zionistischen Kreisen sich dnrchringende Erkennt»'is, daß es so nicht »veitergcht. Das lehrten beide „Krisenvorträge", vor allem der Professor OppenheirnerS. Oskar Hirschfeld. Wien. Gemeindegelder für Parteizwecke. Zrrm Darlehn für den Bar-Kochba. Bon Dr. Lud rv i g T i e tz. I Wer sich das Wundern über die augenblickliche Bcrrvalttlng der Jüdischen Gemeinde in Berlin noch nicht abgewöhnt hat, vernimmt mir Erstaunen, ans Nr. 36 und 39 der „Jüdischliberalen Zeitung", daß der Geineindevorstand in Berlin dein nationaljüdischen Turnnnd Sportverein Bar-Kochba ein Darlchn von »nehrcrcn tausend Mark beivilligt hat. Die letzte Entscheidung darüber liegt »volil noch bei der Repräientantenversanunlung. Dtan fragt sich, wie ist ein solcher Beschluß möglich? Sind die beieiligten Stellen, die darüber zu entscheiden haben, über die jüdisch-politische Stellung des Bar-Kochba nicht unterrichtet? Kennen sie die Vorgeschichte des Bar-Kochba-Sportplatzes ''üüd fein ' Verhalten in der „VIS"? II. Grundsätzlich werden wohl alle Parteien im Vorstande und der Repräsentantenversammlung sich ans den Standpunkt stellen, das» die Jüdische Gemeinde die Gelder ihrer Steuerzahler nicht zur Unterstützung einzelner Parteien zn verwenden hat. Es kann also — so unwahrscheinlich es für den Eingeiveibtcn klingt —, der Glaube bestanden haben, der Bar-Kochba sei nicht »»atimraljüdiich. Uu» diesen tatsächlich austanchendcn Zweifel endgültig zu beseitigen, sei auf 8 1 der Statuten des M a c c a b i - W e l t v e r b a n d e S , dein der Bar-Kochba angehört. hingerviesen, (nicht zu verwechseln »nit dem wirklich neutralen Boxclub Maccabij „. . . Der Zweck des Verbandes ist die planinäßige körperliche und geistige Erziehung der Jugend für die natiortale Zukunft des jüdischen Voltes." Ja. aber anders liegt es im deutschen Bar-Kochba, so »vird häufig eingeivendet. Deutgegenüber sei auf den Aufruf des Präsidiums des d e n t f d) c. lt Kreises an die deutschen Vereine deS Maccabi-Weltver-bandcS im Jahre 1924 hingen) lesen, iu Lern es heißt: . .Wer bewußte jüdische Jugend zn Turnen und Sport als Juden bringen will, sei begrüßt. Doch organisiert in unsere Reihen gehört nur eine jüdischnational bewußte Jugend . . Und znrn Beweise, daß die zionistische Grundlage des Bar-Kochba noch heute, llnd gerade heute, unverändert besteht, fei aut das Referat von Dr. Kanowitz auf dem XXI. Dclcgiertentag in Erfurt 1926 hingerviesen: „. . . Die Turn- und Sportbewegung müsse»» »vir als Pofitivum in unserer Arbeit buchen. Tie Beziehungen zwischen dieser Bewegung und unserer zionislische»» Arbeit sind gerade in letzter Zeit besonders enge geworden." Und in dein Beschlüsse des 11. Turntages heißt es über die Verpflichtung der Mitglieder oer Bar-Kockba-Vercine in Deutschland zur Mitarbeit für den National-FondS: „Alle erwachsenen nnd jugendlichen Mitglieder des Kreises sind verpflichtet, sich im kommenden Jnbiläulnsiahre für die Sammeltätigkeit im allgemeinen und die Jnbiläums-Aktion in» besonderen zur Verfügung zu stellen . . .". — Eine kleine Frage: Sollte nicht vor einer Sammeltätigkeit für den National-Fonds für das erbetene Darlehn bei Parteifreunden gesammelt »verden? — Das n»ag genügen, »»»»» alte Tatsachen noch einmal festzustellen, und um zu beweisen. »vie sich der geirrt hat. der bei der Bewillignna deS Tarlehns etiva von der Boraussetznng ansgegangen ist, cs mit einem jüdischneutralen Sportverein zn tun zu haben. III. Im Jahre 1924 schlossen sich jüdische Svort- und Jugendbünde aller Richtungen in Berlin zn der „VIS" iBer- I einigte Uebnngsstätten indischer Sportoerbändej zusammen, »tut „Sportplätze und Uebungsstätten der jüdischen Jugend in Berlin zu beschaffe»»". Hauptvertretcr der zionistischen Richtung bei der „VIS" »var der Bar-Kochba. Die angcschlosscncn Bcreine verpflichteten sich bei der Gründungs- Versammlung. keinerlei Sonderaktionen zur Beschaffung eines Sportplatzes zu unternehmen, bzrv. die von einzelnen Verbände»» bereits eingeleiteten der „VIS" zu übertragen. ES ist hier nicht Raum und Gelegenheit, über die Arbeiten der „VIS" im einzelnen zu berichten. Soviel sei gesagt, daß der Bar-Kochba i,n ersten Jahr des Bestehens der „VIS" zusammen mit anders gerichteten Organisationen an der schwierigen Werbearbeit aktiv sich beteiligt hat. IV. Vor etiva einen» Jahre ergab sich für den Bar-Kochba die Gelegenheit, einen Sportplatz zu erwerben. Er bat dieses Projekt »richt der „VIS" vorgelegt, »vie es feine Pflicht als Mitglied entsprechend der oben wiedergegebcnen Verpflichtungen gewesen wäre. Er hat vielmehr nach Abschluß -es Pachtvertrages die „VIS" anfgefordcrt. sich nit der Ausgestaltnng zn beteiligen, wobei es ausdrücklich abgelehnt wurde, den Platz der „XIS" zu übereignen. Die gesainte jüdische Jugend sollte, nach den Worten eines Vorstandsmitgliedes der „XIS". „Aftennicter" des Bar-Kochba sein. Trotz dieses durchaus illoyalen Verhallens ist der Bar- Kochba in der „XiS" geblieben, »vas nach de»» Satzungen nur den Sinn habe»» konnte, daß er sich künftighin wenigstens an den Bestrebungen zur Schaffung eines Sportplatzes für die g e s a n» t c jüdische Jugend beteiligen »voilte. Es »nnß an dieser Stelle »nii allein Nachdruck daS Verhalten des Bar-Kochba in der folgenden Zeit geken»»zeichnet »verden. Der Bar-Kochba blieb in der „XIS", obwohl er nicht den Willen hatte, die praktische Arbeit der „XIS" zu unterstützen. Er blieb, mte sich in Kürze zeigen solle, um die »veitere Arbeit der „XIS" zu sabotieren. XI. Als der „XIS" die Möglichkeit geboten wurde, eilten Sportplatz durch eine Stiftuna zn erhalten und es sich für die „XIS" dar»nt handelte, einen Alltrag ans Subvention an die Jüdische Gemeinde in Berlin zn richten, hat der Bar- Kochba dieses Projekt abgelehnt »nit der Begründung, daß er selbst kein Interesse an der Schaffung eines zweite»» jüdischen Sportplatzes habe. Daraufhin »vurde die „XIS" an» 9. Juni aufgelöst. Die Vertretcrversammlnng nah»»» folgende Schlnß-Rcsvlntion »nit allen Stimmen gegen die Stimme des Bar-Kochba an: „Tie Vertreterversamlnng stellt fest: Nach säst zweijähriger Arbeit hat die „XIS" znm ersten Male die Möglichkeit. um ihre »vcsentlichste satzungsgemäße Aufgabe zu erfüllen, Sportplätze und Uebnngsstätten der gesamten jüdischen Jilgend Berlins zu beschaffen. Die praktische Durchführung des vorliegende»»,Projektes hängt davon ab. daß sich sämtliche der „XIS" an geschlossenen. Vereine für die Durchführung einsetzeu. Diese VoranSfctzn»rg ist durch die ablehnende Haltung detz Bar-Kochba nicht gegeben. Die Vcrtreterversamlnlung erblickt in der Weigerung des Bar-Kochba, den vorliegenden Plan zu nnterstützcn. eine L a h »n l c g n n g der praktischen A r b e i t S »n ö g l i ch k e i t c n der „VI>S" durch Voranft c 11 lt lt g seines eigenen Interesses gegenüber dern G e ja m t»>» t e r c i s e der in der „XIS" znsa mm engeschlossenen jüdischen Jugend." XII. Diese Darlegungen sollen zeigen, daß der Bar-Kochba durch seine nationaljüdische Prestigepolitik in rücksichtS-- losester Weise sich über verpflichtende Abmachungen hinweggesctzt und es so verhindert hat, daß der gesamten jüdischen Jugend ein g c m e i u s a m e r Sportplatz geschaffen »vurde. Ein solcher Platz »väre von der Gemeinde entsprechend eine»»» früher gefaßten Beschlüsse in weitestem Maße subvcntivniert »vorden. Er »väre finanziell und tatsächlich besser gestellt, als der in »vilder, chauvinistischer Hast geschaffene Sportplatz des Bar-Kochba. der nun natürlich in» „allgemeinen jüdischen Interesse" unterstützt »verden soll. Tie Jüdische Gemeinde aber, die das Interesse der gesamten jüdischen Jugend zn vertreten hat, darf ein Darlehn nicht einer Partei geben. Wenn der Bar-Kochba nicht ans eigener Kraft den Platz erhalten kann, so acht das m:r ihr» und feine Partei an. Sache der Gemenlde ist es. die finanziellen Unterstützungen denjenigen Organisationen zuzusiihren. dio^ das Interesse der gesamten jüdischen Jilgcuo veNroten, nicht ~ aber durch Unterstützung eines zionistischen Sportvereins der jüdisch-neutralen nnd nichtzionistischeu Irgend zn schaden, die in» Gegensatz zn den Bedingungen der Stadt Berlin, die unentgeltlich die Sportplätze an die Jugend abgibt —. für die Benutzung des Bar-Kvchba-PlatzcS hohe Miete zahlen muß. Die Reprnie»»tan 1 cn-Bersa»»»u»l»rng »vird also die Frage des TarlehnS an den Bar-Kochba noch eingehend zn prüfe»» haben, und sie »vird es sich überlegen müssen, ob sic durch Gcwährnng einer wohl nur irrtümlicherweise als Darlehn bczcichneten Snbve»»l»on die Treulosigkeit des Bar-Kochba gegenüber den anderen ..XlS"-Berbändc>l (Reichsbllnd jüdischer Frontsoldaten. Derrtsch-jüdische Jugendgenreinschaft. Boxclub Maccabi, K. E., Jüdischer Turnverein belohnen will. Sukko-Feier und Simchas tauro- Goltesdienst im liberalen S»inagoge.»verein Norden. Von Leo 31 v s e n b l a t t. Volt Gegnern deS religiösen Liberalismus hört man immer »vicder: Euer Judentum besteht nur im Verneinen! — Wer sich davon überzeugen »vill, was »virklich liberale Arbeit am Judeittmu und im Judentum ist, der beobachte die eminent aufbauende Tätigkeit des liberalen Spnagogenvercins Norden. Konnte vor einigen Wochen an dieser Stelle berichtet »verden, »vie hier die Idee der SelichauStage aufs neue belebt und in moderner, »vürdiger Form einem großen Kreise von Glaubensgenossen zun» Erlebnis ge- »vorden ist, so sei heute auf die Snccasfeicr nnd den S i m ch a S t a n r o -G o t t e s d i e n st hingerviese»». Bei jeder Synagoge der Berliner Gemeinde wird zum Hüttensest eine Succo errichtet. Schön die Idee, lobensiverr die Absicht! Aber von einer Tuecv-„F e i e r" kann kaum die Rede sein, noch »veniger von Erbauung u»»d Erhebung, besonders nicht der Jugend, der die Sncco so unendlich viel zn geben vermag. Wer auch nur einmal dabei »var, wie die SuccauS benutzt lverderr, der »vird zngcben müssen: dieser sinnige Brauch ist meist nicht das, was er sein sollte u»»d sein könnte. Aus solcher Erkenntnis heraus veranstaltet de»- Liberale Synagogenvcreil» Norden schon seit einer Reihe von Jahren eine besondere Suceo-Feier, hauptsächlich für die Jugend. Die diesjährige, am 2. Tag Chaul hammaned, »vie stets bisher in der Sncco der Neuen S»i»»agoge, Oranienburger Straße, »var für die Teilnehmer »viederum ein religiöses Erlebnis. Will es schon etwas bedeuten, daß an einem sonnigen Sonntagnachmittag mehr als 100 Akenschen sich zn einer besonderen gottesdienstlichen Feier einfinden, so gibt die Tatsache, daß diesmal ein beträchtlicher Teil der Än- »vefenden Erwachsene »varcn, zn allerlei Gedanken Veranlassung. Nicht nur der Jugend ist die Sncco in neuer, schöner Form nahegebracht, auch in den Alten ist allmählich daS Bedürfnis, um nicht zu sagen, die Sehnsucht, »rach solcher Feier ertvacht. Man muß daran teilgenommen haben, um beurteilen zu können, »velch freudige Andachtstimmung in jung und alt geweckt wurde, als der gemeinsame Gesang von Hallelspalmen nnd — nach dem Kiddusch — das Schir hammaalans ertönte, als auS Kindermund der Bortrag des „Tischdank" sowie religiöser Hymnen nnd Gedichte erklang, zu welch religiöser Weihe die Stimmung sich erhob durch die Ansprache des rllabbiners Dr. Salvmonski und durch das die Feier umrahmende Harmonium- »»nd Gcigenspiel. Die Succo mit ihrem Glanz und ihrern Stiinmungszanber Zst so im Herzen vieler wieder lebendig geworden.

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