Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 41 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Pariser Brief. Barres und die Inden. — Für nnd gegen ein Denkmal Pronst's. Paris. den 22. September 1020. Barres, der berühmte, kürzlich verstorbene französische Schriftsteller, betrachtete die Inden in Frankreich stets als fremdes Element und wurde von verschiedenen Leiten sogar als Autisemit bezeichnet. Biele seiner jüdischen Leser sagen auch, das, mau jedesmal, wenn er in seinen Werken über die Inden spreche, zwischen den Zeilen eine gewisse Ironie heranslesen kann. In der „Revue Inive" sucht nun (Georges Cattaui diese Borwürse zu entkräften und im Gegenteil zn beiveisen. daß BarteS im Grunde seiner Leele mehr für die Inden übrig hatte, als man gemeinhin anznnehmen geneigt ist. Er führt Barres' Urteil über .'«seine an: „Obwohl er wie ein Jude lachte, hatte er vielleicht dank seiner Krankheit jenes Herz, welches die Dinge sprechen hört." lind über Disraeli äußert ec sich wie folgt: „Bon Tisraelt habe ich meine Hanptansicht. nämlich: an dem Tage, da die Demokraten die Interessen nnd die wahre Tradition dcS Landes verraten haben, mutz man sich die Transformation der aristokratischen Partei zur Ausgabe machen, um ihr gleichzeitig die soziale Besserung nnd die großen nationalen Ambitionen anznvcrtranen." Jean Bernard erzählt, daß Barres sogar in seiner Jugend eines Tages im „Quartier Latin" folgende Erklärung abgegeben haben soll: „Ich bin Lothringer, aber ich glaube, daß man. wenn man dem fernliegen den Ursprung meiner Familie nachforschte, ans Juden stiehe, welche in irgendeine/ Wanderung des Mittelalters vom Lüden her gekommen sind." Diese Aeußcrnug mochten wir allerdings nur mit äußerster Reserve ansnehmen. Auch Georges Eattani zeigt sich dieser Aeußernng gegenüber etwas skeptisch, hält aber daran fest, daß Barres eine mystische Zuneigung zn den Juden hatte. Er verweist ans einige Leiten anS dem „Crceo" Barres'. wv derselbe auf den semitischen Einschlag der tvledanischen Gesichter Hinweis!. Mit besonderem Nachdruck zitiert jedoch Eattani eine Stelle ans Barres' „Enquete au Pavs du Levant“, wo cs heißt: „Ich war im Kloster der Damen von Zion (iit Alexandria» im Sprechzimmer von Ramtel). Die beiden Brüder RaiiSboune losten sich von ihrer Umgebung loS und ergriffen, als elsässische Inden, welche einem Lothringer begegnen, mit Lnmpathic meine Hand. Der ganze Raum senkte sich wie ein Auszug und wir befanden nnS im Heizraume eines großen Schiffes, welches an den Küsten Asiens cntlangscgelt. An ihrer Leite befanden sich all diese katholischen Priester jüdischer Abstammung, ivelche in meiner Jugend eine so große Rolle in Lothringen spielten. unter ihnen tu erster Reihe der Pater Hernscheim. ein Dominikaner, welcher ans der Bolkssthnle heroorging und einer der ersten war. welche Pascal liebten nnd in seiner Intimität lebten, so wie wir CS heute tun. Alle diese Iudenchristen brachten mir großes Bertrauen entgegen, weil sie die Anziehung kannten, welche die großen geistigen Reichtiimer LtraßburgS (von 2t. Marti», dein nnbetannteu Philosophen bis Jakob Matter, dem Geschichtsschreiber des Gnostizismus» auf mich ansüben, diese wenig bekannten Reichtiimer. deren mnstischer Judaismus eines der sichtbarsten Zeichen ist. — Aber ich war tulrnhig und sagte ihnen: „Ich sehe euch hier ivie Bcrmittler znuichen Okzident nnd Orient segeln, doch ich fürchte ein wenig, daß ihr bloß die Absicht habt, die Juden zu belehren. Ich lande nicht in Asien mit begrenzten Interessen; ich werde von allen Seelen dieses alten Landes augezogcn. Die beiden RatiSbonne, Theodor und Marie- Alfons zuckten die Achseln nnd sagten mir: Aegypten, Syrien, Eilicien. ganz Asien sind voll von unfern Berwandten. Sie sind cs, die uns nach 2000 Jahren so sehr in Berwirrnng brachten, als wir noch Kinder waren in den Nebeln Stratzbnrgs. Wir sind, wie Sie es fühlen, die Vermittler und verfolgen den Traum der alten Propheten. Wir werden der großen Bölkerversöhnnng Vorsitzen." Was die von vielen aus den Zeilen Barres' hcrausgefühlte Ironie gegen die Inden anbelangt, so meint Eattani: „Lest seiir ganzes Werk und ihr werdet diese Ironie ans jeder Leite finden, selbst ans den pathetischsten; aber ihr, meine jüdischen Brüder, ihr solltet sie doch kenne», diese Ironie, ihr. von dencit inan sagt, daß man. wenn eure Lippen sich bewegen, niemals weiß, ob es ein Spott oder ein Gebet ist. Bon dieser Ironie, welche den Leser ans falsche Bahnen bringt, hat er selbst gesagt, daß sie der Widerhall allen Elends und aller Unvollstäirdgiteit fei, ivelche die edelsteit Ideen in ihrer täglichen Manifestation bei den Menschen annehmcn, welche sich nicht Rechenschaft darüber gblegert, daß angesichts der Kürze ihres Lebens alle ihre wichtigen Acnßerungcn von einer vollendeten Lächerlichkeit find. Iit einem andern Artikel plädiert Georges Cattaui für ein Denkmal Marcel Pransts, welcher bekanntlich Jude »oar. Ernest Charles schreibt hierzu in der Pariser linksdcmokratischen „Ere Nonnelle". wie folgt: „Was mich anbelangt, so bewundere ich wie irgendeiner die seltenen Borzüge und die kostbaren Fehler Marcel Pronst's. Ich betrachte die Ehrung, welche ihm Leon Pierre-Quint zuteil werden läßt, als durchaus gerechtfertigt. Marcel Proust soll einen kleinen Platz bewahren — aber keinen öffentlichen Platz in unserer zeitgenössischen Literaturgeschichte. Unter keinem Borwande foutt ec jenen entnehmen, welchen ihm ein erbitterter — nnd erbitternder — Lnobisnrns zuteilt, ein Lnobismus. welcher auch schädlich ist. tteücrhaupt ist der Snobismus seinen Anserwählten immer schädlich. Im vorliegenden Falle zeichnete er in grausamer Weise die Grenzen Marcel Pronst's. Und welche Grenzen! Proust hat es nicht verschmäht, der unermüdliche Beobachter der kindischen Gewohnheiten einer kleinen aristokratischen Welt zn sein, welche jedes Interesses entbehrt. Lein Werk ist ein enormes Monument, welches aut nichts, für nichts, zur Ehre von nichts errichtet ist .... Ernest Charles' Argumente find nicht sehr stichhaltig. Andererseits setzt sich der Pariser „Figaro" für die Anregung CattaniS ein. ISI Aus der Bewegung j § | Berlin. lL i b eruier L n n a g o g c n u c r e i « N o r - öctt. Am zweiten Tag des Laubhntiensrstes wurden zum erstenmal, wie angekündigt, sechs Mädchen in unserem Gottesdienst eingesegnet. In Heft -t der Gemeinschaft hatten ivir al>' Programm für diese Feier verlangt, daß sic ..nicht losgelöst vom Hanptgottesdicnst, sondern als festlicher Höhepunkt eingefügt in ihn unter lebendiger Teilnahme aller Gemeindemitglieder" sich vollziehen müsse. Diese Forderung wurde uneingeschränkt zur Wahrheit. Die türzlich erweiterte Synagoge war vollständig überfüllt. ES zeigte sich, womöglich noch stärker als an den Hohen Feiertagen, daß sich unterdessen eine wirkliche Gemeinde bei uns und um uns gebildet hat. Denn der ganz ungewöhnlich starke Besuch war von unmittelbarem Interesse an dieser heiligen Sache diktiert. Nach dem Einheiten der Thora sprach Herr Rabbiner Tr. Salvmvnski in schlichter, aber ungemein wirkungsvoller Weise anknüpfend an das Wort „Eingedenk sollst Dn sein des Auszuges aus Aegypten alle Tage Deines Lebens," über die doppelte Knechtschaft, in die jeder jüdische Mensch gebannt sei und aus der es sich durch eigene Kraft zu befreien gelte. Am Schlüsse der ergreifenden Ansprache traten die Mädchen einzeln vor und erläuterten in kurzgefaßten Sätzen den gewählten Leitspruch. Die Auswahl der Sprüche war so getroffen, daß sie zusammengefaßt die Grundlagen des Judentums widersviegelten. Die vorangegangene gründliche Borbereitnng hatte es ermöglicht, daß die KonsirntandlinteV. auch Eigenes. Erarbeitetes geben konnten. Am folgenden Tage tonrdcn sechs .Knaben eingcscgnet. Jeder Barmizwah verstand cs. feine Paroschoh mit vollem Verständnis zn leinen. Beide Feiern hinterließen einen ticken, nachhaltigen Eindruck. Versammlungskalender * Berlin. »Liberale Synagoge Norde nI Schönhauser Allee 102. — Auerbachsches Waisenhaus. Gottesdienst: Freitag, den 8. Oktober tb20, abends 7'A Uhr, Sonnabend. den st. Oktober 1020. vormittags 10 Uhr Berlin. lL i b e r a k e r B e r e i n f it r die A ugelege nh e i t e n d e r I ü d i f ch e n G e m e i n d e z n B c r l i n e. BI Die Mitgliederversammlung findet am Dienstag, den 12. Oktober 1020, abends 8 Uhr. im Russischen Hof. Georgen, straße '21—25, statt. Berlin. IV iberaler B e r e in für die A n g el e g enheilen der Jüdischen G e m e i n d e zu Berlin c. BI Um die Zahl unserer Mitglieder zu heben, bitten wir unsere Mitglieder, uns in den nächsten Wochen bei der Werbearbeit recht eifrig zu unterstützen. Wir haben nnS entschlossen, jedem Mitglied, das uns im Laufe des Oktober fünf Neuanmekdungeu übermittelt, eine Prämie iit Gestalt eines Buches zu überreichen. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Familienangehörigen eines Mitgliedes nur einen Bierteljahrsbcitrag von 1,50 Mark zn entrichten haben. Breslau, sI ü d i s ch - l i b c r a l e r I n g c n d v e r e i n „Abraham Geiger".» Sonntag, den 10. Oktober bei jeder Witterung Ganztagsansflug. Wanderung durch das Wcistritztal. Führung Ludwig Freund. Ncndorffstr. 37; Fernsprecher: Stephan 333 20. Gäste will Gm men. Abfahrt 0 Uhr vormittags, Freiburger Bahnhof. Sonntagsfahrkarte 4. Klasse bis Ingransdors. 1,00 M.. selbst lösen. Treffpunkt SU Uhr vormittags Abfallrishalle des Freiburger Bahnhofs. Frankfurt a. M. (ö n d i s ch - lib e rate Jugend« g e m e i n s ch a f k und f r e i»i n uige r e r e i n für jüdisches G c m ci it ö c t c b e n.» Die Eintrittskarten zn dem am Sonntag, den 24. Oktober, abends 1\:> Uhr, in der Frankfurter Loge stattfiudenden gemeinsamen Festabend sind im Vorverkauf, ab Montag, II. Oktober, bei B. Firmberg. Schillerstraße, Lina Schott. Rathenauplatz, Olga v. Hagen, Gocthestraße, zum Preise von 2 RM. zn haben. Die tünstlerische Leitung des Festes liegt in Händen von Rofel Bergmaun-Rvsenberg. Ernst Wolfs und Hermann Geiger. .c Theater am Noliendorfplatz Gastspiel des Moskauer Künstlerthcaters „Habima“ Täglich 8 Uhr: „Dvffowk” Dramatische Legende von £n-Ski Regie: E. Wachtangolf Denkt an die i&discben Handwerker Malerarbeiten jeder ^lrt führt aus Robert Gutheim Lerlin w§H, Culmbacher Straße 7 Lützalv 6260 — Kostenanschläge gratis. - MMMseN-Nursei! <► <►! Barmizwa - Vorbereitung:: | M, Abraham y x Berlin W 50, Acbenbachstrafee 3 . " | Uhland 1105 J[ tos iiiilisdie Hans - das. Bndi an die Leser der „lüdisdi-lili. Zeitiinf. Bei direkter Bestellung hei der .Jüdisch-liberalen Zeitung“, Berlin SW48, Wilhelmstraße 147, können nachstehende Bücher zum angegebenen Vorzugspreis bezogen werden: Vorzugspreis: SELIGMANN: Geschichte der jüdischen Reformbewegung geb. M. 3._ PHILIPPSON: Die Entwicklung der religiösen Idee im Judentum, Christentum und Islam.. 2.50 SEIFENSIEDER: Gabriel Riesser, ein deutscher Mann jüdischen Glaubens.. 2.75 GRUNWALD: Spinoza in Deutschland, gekrönte Preisschrift . ,, 4.— STECKELMACHER: Das Prinzip der Ethik vom philosophischen und jüdisch-theologischen Standpunkt aus betrachtet . . 2.75 WIENER: Die jüdischen Speisegesetze nach ihren verschiedenen Gesichtspunkten geordnet und kritisch beleuchtet . . „ 3.50 ZIEGLER; Die Königsgleichnisse des Midrasch, beleuchtet durch die römische Kaiserzeit. y_ STlIN: Schrift des Lebens, III. Teil, herausgegeben von Cäsar Scligmann .. geb. „ 2.75 GOSSEL: Was ist und was enthält der Talmud? . 1._ LEHMANN: Sprüche der Väter, 3 Teile, statt M. 21.— . , . „ 15._ — Rabbi Joselmann, 2 Teile, statt M. 12.—.9.— GEDENKBUCH Semitic studies in memory of Dr. Alex Kohut, geb., statt M. 12.— ... 9._ GEDENKBUCH zur Erinnerung an Prof, David Kaufmann, mit wissenschaftl. Beilagen bedeut. Gelehrter, statt M. 12.— ., 9.— Der Betrag ist unter Angabe des Zweckes auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW 7, Nr. 137069 zu überweisen. Verein iürFeuerbestationG in Berlin von 1874, e. V. Kostenlose FeaerüastaltMiü Annahme Anhaltstraße l> Telefon Masenhcide 39121 u. Charlotltnburg, Kantsiraße läta. fiikc 1'asancnstraße. Telefon Stciuplatz 18uö jjiii tiiiiiituiiiiHiiiiiiimmumuimimimiii | Spezialgeschäft | | feinster Konfitüren § | Hotzstraßc 64 | I Schokoladen, Pralinen, I | Kakao. Tet, Bhkuii I | siimlL führenden Firmen | I Kaffee-Niederlage | •£ iiiiiiiiiMKiiiiMMiMiiiininiiiiimimiiHm miutimi s ( Hinz & Küster | Abitur. Obersekunda Vormittagssdnilc, Abemlschule, Vorbcrcitunp;sanstait, Direktor Datuigcr, Berlin, Alte (akobstraße 124. ■ ■ n Tapezier lahnke tapeziert, streicht und polstert alles schnell zu billigsten Fteisen in guter Ausführung. Bei größeren Objekten Preis nach Vereinbarung. 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