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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-10-08 · 41 (8.10.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
41 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Alles Menschliche wind in den Kreis der humorvollen SvruchwelSheit einbezogen. Der Jude selbst, als Begriff, als Wesen ~ „Er ist wie der kleinste Buchstabe" (datub) - sagt das Sprichwort — „aber wie groß wird er gesehen von den Augen der Mißgünstigen". Das Zusammenleben mit den Mitmenschen bietet Wer. Haupt allerlei Schwierigkeiten «E i n alter Freund ist bester als zwei neue" und „Wann wirst du misten, ob ich dir ein auter Freund bin? Wenn du anfangen wirst, meine Ratschläge nicht zu befolgen." Man merke stch: „Einen guten Freund bekommt man umsonst, einen Feind muh man sich erst kaufen." Für böse Menschen gibt es nette Umschreibungen: „Er n't ein Zweinnüsünfziger." Der Kundige versteht die Beleidigung: 52 ist der Buchstabenwert des Wortes Kelef. . . Die Uneinigkeit von Lumpen wird fröhlich gekennzeichnet: „Wenn die Diebe miteinander streiten, bekommt der Bauer seine Kuü zurück" Das soziale Leben wird gegeißelt. Wenn in der Gemeinde etwas faul ist. dann heißt es: „Bon wo aus stinkt der Fisch? -- Vom Kopf." also in der Verwaltung liegt es. Daher ist „eine Wahlurne eine verkehrte Papiermühle: man wirft Papier hinein und Lumpen kommen heraus - - Aus das Wort solcher Leuie ist auch nicht zu bauen: „Wäre sein Wort eine Brücke, ich hätte Angst darüber zu gehen." „Er lügt nur zweimal im Fahre: im Winter und im Sommer." Ueberhaupt die Gemeindeverwaltung! »Für drei hat Gott ein besonderes Paradies geschaffen: für Rabbiner. Vertrauensleute und Lchriftgelehrte — bloß es steht noch immer leer." Aber man erkennt den Heuchler, denn „Das Chafir steckt sein koscheres Füßchen heraus" ldas Schwein zeigt feine gespaltene Klane, damit man cs für ein rituelles, zum Esten gestattetes Tier halte). Dock wenigstens „im Schlafe sündigt man nicht -- es sündigen bloß die Träume" Dafür „ist das ganze Leben nur ein Traum — aber bester ein guter Traum als ein schlechter". „Fm Talmud stecht: Aulom k'minhugau nauheg «die Welt gebt ihren Lauf) — deshalb sieht sie auch so aus," bemerkt boshaft das Sprichwort dazu. Darf das Sprichwort vor Liebe und Ehe und dem schönen Familienleben haltmachen? „Schlepp' mich, ich geh' gern," denkt das sich zum Schein sträubende Mädchen. Schließlich „gibt es keinen häßlichen Bräutigam und keine häßliche Braut", und „alle Bräute find schön, wie auch alle Toten fromm sind". Wer heiraten will, soll auf die „Knie der Braut sehen" (Kui sind die Anfangsbuchstaben non Keren. N'dan, Jichus. das heißt: Grundkapital. Mitgift und Herkunft). Deshalb toll man bedenken: „Eine Hochzeit dauert einige Stunden, aber die Zores «der Jammer) das ganze Leben." „Zum Heiraten, zu Frohnarbeit und zum Sterben kommt man nie zu wät." Es ist begreiflich, daß der Spott nicht galant ist. also vorder Frau nicht halimacht. Der alte Vorwurf, daß eine Frau kein Geheimnis bewahren könne, trifft ste in dem Sprichwort: „Ein Geheimnis gebe nur in Hosen." In der Ehe kommt es zn Sireitigkeiten: „Sie haben einander liech — er iich und sie sich." Besonders wenn Mangel herrscht: „Die Liebe ist süß, aber nur mit Brot." Die Frau führt das Regiment: „W'hu iimschol doch (er soll dein Herr sein), aber was sie will, tut sie doch." TaS stimmt den armen Ehemann traurig: „Gib dem Bären ein Weib, und er hört auf zu tanzen." Aber auch untereinander vertragen sich die Frauen nicht, denn: „Drei Dinge können nicht in Frieden miteinander auskommen: Hunde. Hühner und Werder." ^Deshalb auch „wird man zur Trauung geführt, zur Scheidung geht man aber allein". Dann heißt es „ziehen". Aber auch das ist nicht angenehm: .-Wenn Ziehen eine gute "Stiche wäre, stünde cs nicht in den Klageliedern." (Wortspiel von „ziehen" und „Zion".) Das Lebeusglück hängt aber vielfach vom Geld ab: „Armut ist keine Schande — aber eine besondere Ehre ist sie auch nicht." meint das Sprichwort, denn: „Nur bei ,Baui b'fcholanm „stellt der Arme obenan". «Bei dem mit „Baui b'scholanm" beginnenden Vers im Freitagabendgebet dreht sich der strenggläubige Jude mit dem «Besicht zum Eingang, um den Sabbat zu begrüßen. Tort stehen aber die Armen, die aus eine Einladuug zum Abendessen oder ans ein Almosen warten.) Der arme Mann ist einem Toten gleich: „Wenn zwei Tote tanzen, wer gibt was für die Musik?" (So klagt der Musikant. wenn zwei arme Leute sich zum Tanzen stellen.) Deshalb „find dem Geiger die Seiten gerissen. wenn Zwei arme Leute tanzen wollen". „Sei lustig. Bettelmann! Dreck ist billig und Leiden kosten kein Geld" (also darin kannst du schwelgen), ruft das Sprichwort dem armen Manne zu. Wie steht der Arme aber auch aus — „wie ein zerbrochener Lulow (Feststrauß zum Palmensest)". er geht herum mir ein Schläckuer in den neun Tagen (Fasttage, an denen kein Fleisch gegessen werden darf). Ihm ist auch egal was mit ihm geschieht, wie „dem Truthahn, dem es auch gleichgültig ist. ob er zur Purimseier oder zur S-ederseicr geschlachtet wird". Es ist ein schwacher Trost, daß „arm und reich liegen in der Erde gleich", denn „auf der Ende liegen die Reichen besser." Feiert aber der arme Mann schon Feste: „Nach den Festtagen bleiben ihm nur Schulden und schmutzige Wäsche." Aber er tröstet sich: „Wenn man keine Wäsche hat, erspart man das Waichgeld." Doch manchmal faßt den Armen die Verzweiflung: „Gott wird helfen — aber wic hilft nur Gott, so lange, bis Gott helfen wird?" Schließlich muß man borgen, aber Kratzen und Borgen hilft nur auf eine kurze Weile, denn „mach'chauw ui ein Leid, machchanwaus sind viele Leiden" (Wortspiel: machauwaus — Leiden und machchamvans. mach' Schulden.) Zwar mancher Schuldner zahlt nicht, und man sagt von dem Gläubiger: „Er wird vier Wochen für einen Monat bekommen." „Wenn es zum Zahlen geht, daun stebt der Gläubiger auf 18 und 10" «der Bnchstabemvcrt des Wortes lau. das „nein" heißt). Aber einmal wird man gedrängt. ..Zurücktreten darf man nur bei Sch'manno cßre, bei auße imolaum" (ein Gcbetfchluß. bei dein man zu einer tiefen Verneigung, drei Schritte znrücktritt). „Der weiteste Weg ist der zur Tasche," seufzt der Schuldner, aber der Gläubiger bleibt hart: „Da Titlft kein ei schomrejitn, nmazileinn okto (denn du. Herr, bist unser Schützer und Retter), sondern nur ufzeil" (Aus demselben «Lebet Wortspiel von ufzeil und auszähl'.) Ja. das ist so im Leben-. „Einer betet m'snmon. der andere hat m'snmon, der eine hat m'iumvn bei Tisch, der andere in der Tasch'." (M iumon betet man. wenn wenigstens drei Männer an einer Mahlzeit teilnehmen, m'snmon (abgeleitet von Summe) bedeutet «Leid. Macht Geld aber glücklich, und gelangt man dadurch zu Ehren? „ v „Der Feind des Parvenues ist der alte Manu, denn er erinnert stch noch, wie der Reiche arm gewesen. Es ist auch nicht alles Gold. waS glänzt, und man soll nicht neidisch sein: „Manchem leuchtet es wie gleißend Gold, und es war nur ein Messingknops." „Leere Fässer machen den größten Lärm/ Aber immerhin: „Wenn ans Seide ein Fleck kommt, bleibt ne doch immer Seide" Will man einen übergroßen Reichtum schildern, dann tagt man: „Soviel Geld hat seM Gott nicht/ „Doch was nützt alle Weisheit, wenn die Narrheit gilt." »Wenn die Welt aber einmal sagt: Verrückt!, dann glaube eS." Leun: „Wenn die Welt lacht, bann weiß sie auch wegen wem und wesen was." »Narrveit und Weisheit find so selten zu unterscheidend und: .Menn ein Narr schweigt, dann wirb er auch zu den Kluge« gerechnet." Ist bas nicht Humor? Der jüdische Humor auf der Bühne. Man muß aut der Bühne zweierlei unterscheiden: den Humor, der vom Juden stammt, und den Humor, der sich den Juden zum Ziele setzt: wobei allerdings in Betracht zu ziehen ist, daß sich auch der Jude über den Juden nur allzugerne lustio macht. Vorerst soll des Humors gedacht werden, der vom Juden stammt, ohne ein ausgesprochenes jüdisches Gepräge zu haben. Es ist jener Humor jüdischer Künstler, der sie befähigt. alles Heitere und alles heiter Wirksame gleichsam wie in einen Hohlspiegel in sich aufzunehmen und in varoüistischkarrikierender Weile zu reproduzieren. Zahlreiche jüdische Komiker besitzen diesen Humor: vom Volkskomiker an, der, wie der urkomische Martin Bendix in einzigartiger Weise es tat. Gefühlsleben und Denken der breiten Volksmasse aufs anschaulichste und lustigste wtederzugeben weiß. Martin Bendix, obwohl Jude, war zweifellos einer der berlinischsten Komiker, so echt berlinisch, so echt deutsch, daß niemand, außer seinen engsten Freunden, von seinem Judentum eine Ahnung hatte. Und Emil Thomas, der köstliche Menschendarsteller des Metropolihcaters! Um nur zwei Namen LcS alten Berlin zu nennen. In der lebendigen Gegenwart sind es viele Namen, die als Sterne an dem Bühnenhimmel des Humors glänzen. Max Pallenberg hat als Johann Nepomuk Zawadil in „Familie Schimek" wohl eines der besten Bilder des mit einem lustigen Auge gesehenen Tschechen gegeben, und der so wandlungsfähige Lurt Bois weiß sich mancherlei Nationalität anzuerleben. Das sind wieder bloß zwei Beispiele — aber da eö sich nicht um einen theaterhistorischen Aufsatz handelt, sollen sie als typisch genügen. Vielleicht werden sich die Künstler gegen die Annahme wehren, als hätte ihre besondere schauspielerische Begabung etwas mit dem Judentum zu tun. Um jedem Mißverständnis auszuweichen: das soll hier gar nicht entschieden werden. Es soll nur darauf aufmerksam gemacht werden, daß die besondere Gabe des Humors an keine Nationalität und natürlich noch weniger an irgendein bestimmtes Glaubensbekenntnis gebunden wäre. Denn gerade die Gabe des Humors ist cs. die man den Juden gern abspricht. Was das nicht nur sich Einleben, sondern das absolute Mitempfinden bctrnst. das läßt sich am besten an den produktiv für die Bühne schassenden, den Vühnenschriftstellern.also mit Bezug aus Humor, an den Lustspiel- und Schwankdichtern feststellen. Hinsichtlich der Deutschen kann man wohl sagen, daß eine ganze Reihe köstlicher und echt deutscher Lustspiele und Schwänke aus den Federn jüdischer Dichter stauunen. Während dem jüdischen Dichter das schwere Schicksalsdrama nicht ferne liegt — es sei nur an den beute fast vergessenen Mosenthal erinnert — hat ihn doch immer der Humor viel mehr beherrscht. Deshalb ist er auch den Problemen, die das realistische, soziale Schauspiel behandelt, eigentlich ferne geblieben. Die nordische Schule — Ibsen, Striudberg. Björnson — sie fand unter den jüdischen Dramatikern wenig Resonanz. Das Drama des jüdischen Dichters ist meist historisch: Beer-Hofmann. Moderne Stoffe werden nicht gern allzutragisch behandelt, dem Humor wird meist der Vorzug gegeben: der größte Teil der beliebtesten Lustspiele, Schwänke, Operetten stammt aus jüdischer 'Feder. Und es ist gewiß kein Zufall, daß sehr viele Jazzschlager — man erinnere sich nur an das non aller Welt gesungene „Ausgerechnet Bananen" — von jüdischen Komponisten vertont wurden. Wenn Lurch irgend etwas der Vorwurf widerlegt werden kann, daß der Jude keine Ideale habe, daß er nnr auf das rein Profltbringenüc losgehe, so ist es durch den jüdischen Humor. Reine Zweckmenschen, krasse Realisten besitzen keinen Humor und haben auch kein Verständnis dafür. Grobe Zoten oder scharfe Bosheiten vermögen solchen Menschen ein Lächeln zu entlocken, auch mögen sie selbst dergleichen: Scherze zu erfinden, aber für den echten, harmlosen, goldenen Humor gehört ein gutes Herz, ein fröhliches Gemüt, eine heitere Lebensauffassung — alles Dinge, die ohne starken Idealismus undenkbar sind. Es ist eine Torheit und eine Böswilligkeit — zwei Eigenschaften. die den Antisemitismus ja besonders auszeichneu — daß der jüdische Einfluß, die jüdische Clique, die Jüdenpresse cs seien, die den jüdischen Dichtern so leicht den Weg zur Bühne und zum Bühnenerfolg eröffnen. Das Theate'-- publikum, das in der Welt zum größten Teile doch aus Richlinden besteh: kümmert sich den Deuscl um all diese Dinge. Wenn ein Stück keine Qualitäten hat, wenn in einem Lustspiel oder Schwank eS nichts zum Lacher: acht, dann hat der Autor, mag er hundertmal ein Ir,de fein — nich:S zu Lachen und wird erbarmungslos auSgepsiffen. Trotz angeblicher Judenclique und Jüdenpresse, von der Mißgunst, gelber Neid und cingeimpite Verblendung immer iaseln. /cur der sieghafte Humor macht es. und der ist nicht an ein Glaubensbekenntnis. sondcmt an jenes ideale Empfinden gebunden, der unter Trauert lacherr und unter Trauen zum Lachen bringen kann. Ein unerfreulicheres Bold zeigt der Humor. der sich den Juden selbst zum Gegenstand heiterer Persiflage macht. Da wird weit über das Ziel geschossen, und es muß leider festgestellt werden, daß der nichtjüdische Darsteller, soweit er wirklich ein Künstler ist. sich in ..Judenrollen" viel diskreter zu geben weiß, als d'r jüdische Schauspieler. Diese Selbstpersiflage, deren ekligste Formen man in Kabaretts und in Sammlungen „indischer Witze" studieren kann, muß unbedingt in der gebührenden W.ttic zurückgemiesen werden. Was sich jüdische Komiker und Ansager leisten, ist an Geschmacklosigkeit und Gemeinheit wirklich nicht mehr zu üb erbieten. A. O. Weber — kein Jude - hat einmal in seinem Saturenbuch „Berlin und die Berliner" diesen ..Humor" aus das schärfte gegeißelt und gegen die Geschmacklosigkeiten des verflossenen HerrnseldtheaterS Front gemacht. Muß erst wieder ein christlicher Satpriker mib Moralist au'steheu und gegen das Front machen, was sich frech als jüdischer Humor bezeichnet, aber nur dazu dienen muß. den wahren jüdischen Humor aufs schwerste in Verruf zu bringen? I. M. M. sächlich ostjüdtscher Quelle entstammt. ist feöt wenig Witziges zu finden. Deshalb find die guten jüdischen Witze meist recht alt. sogar sehr alt. Kennern deS jüdischen Witzes kann man selten einen Scherz erzählen, der ihnen noch unbekannt wäre. Der Witz. der jüdische wie jeder andere, betrachtet das <"anze "eben in all seinen Aeußerungen als seine Domäne. Der Witz ist absolut respektlos und pietätlos, er schont keinerlei Empfindungen, nicht soziale, nicht familiäre, nicht religiöse. Der Witz macht sich im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die aanze Welt lustig. Davon macht der südicke Witz kein« Ausnahme. Aber was den echten jüdischen Witz besonders kennzeichnet, daS ist. daß er sehr häufig nicht nur ein Witz sondern auch eine Mahnung ist. Der jüdische Witz hat nicht selten etwas lehrhaftes. etwas Beherzigenswertes. Der jüdische Witz will nicht nur unterhalten, er will nicht nur zum Lachen reizen, er will zugleich etwas Weltweisheit geben. Eine oft paradox, klingende Veltmeisheit. aber immerhin mehr, als ein bloßes Wortspiel, ein Jonglieren mit gleich oder ähnlich klingenden Ausdrücken oder eine Verspottung menschlicher Gebrechen — seien sie körperlicher oder geistiger Natur. Gerade was die Verspottung körperlicher Gebrechen anbetrifft. zeigt der jüdische Witz eine besondere Bon'homie. eine Gutherzigkeit, die solche traurigen Erscheinungen überhaupt ausschaltet oder sie mit dem Schimmer eines tröstenden Humors umkleidet, der dem Witz alles peinliche zu nehmen sucht. Welches Ansehen der jüdische Witz genießt, das ist all-- gemein bekannt. Wilhelm II. ließ sich gern jüdische Witze erzählen, und von dem bekannten Cellisten Prof. Grünfeld wird berichtet, daß er. wegen der vielen jüdischen Witze, die er wußte, an der Tafelrunde Wilhelms II. ein gern. gesehener Gast war. Ebenso erzählt der frühere englische Botschaftsrat Freih. v. Eckardkberg. baß er bei einer Rückkehr von einer Reise nach Berlin stets von König Eduard gefragt wurde, ob er keine neuen Börsenwitze mitgebracht hätte, die er auch gleich zum Besten geben mußte. Börsenmitze! Man ist stets geneigt anzunehmen, daß sich der jüdische Witz nur mit Handel und Geschäften abgeSe. Unter den pseiidittüMfdiett Witzen sind zweifellos die meisten Börsen- oder Gofchäftswitze oder sic sind stark erotisch: unter den echt jüdischen Witzen findet man «hingegen viel mehr solche, die religiöse oder familiäre Angelegenheiten zum Ziel iiHtts SvottcS wählen. Dieser eckst jüdische Witz ist auch weist nicht kurz, er kleidet sich gewöhnlich in die Form einer Anekdote. . Einige — vielleicht weniger bekannte — Beispiele möge« gegeben werden: Zehn fromme jüdische Männer wunderten mit Eren Familien ans und siedelten sich tu einer Gegend an. wo es sonst keine Juden gab. Sie bauten sich daher eine Synagoge und umzäunten einen Platz für einen Friedhof, aus dem sie auch eine stiwni n.'S-volle Leichenhalle errichteten. Eines Tages kam ein Fremder in die Gegend und es entspann sich Fittichen ihm und einem der Siedler folgendes Gespräch: „Was seid ihr doch für Narren! Wie ich sehe seid ihr :ehn Männer — also gerade Minjan. um einen Gottesdienst' abz-nhalten. Gut. Dazu habt ihr die Synagoge. Wenn nun einer von euch. Gott verhüte, stirbt? Dann seid ist r n A neun und könnt die Synagoge nicht mehr benutzen. Bleivt ihr aber alle, wills Gott. am Leben, wozu braucht ihr Sann den Friedhof?" . . . , . „Die Sunagoge haben wir für uniere Gemernöe erbaut., weil wir doch zehn Männer sind. Den Friedhof vaben wir. auf alle Fälle angelegt für fremde Leute, die vor Nouigier sterben könnten..." . . Ein Frommer ging mit seinem Knaben fpaziererr, da sprang ihnen laut bellend ein Hund entgegen. Aengftlich wollte der Knabe flüchten, doch der Vater sagte beruhigend: „Weißt du nicht. Hunde die bellen beißen nicht und außerdem habe ich dir den Vibelvers ul'chaul b'nef Mroel*) Gclcftrt?" Ä. „•« „Ja, das alles weißt du. Vater, aber weiß es der Hund? Und versteht der Hund hebräisch?" , Eine fromme und wohltätige Rabbinersfrau ließ es stch nicktz nehmen, allen armen Durchreisenden eine sättigende Mahlzeit vorzusetzen. DaS sprach sich hernm. und zuweilen, konnte die brave Frau mit bestem Willen nicht allen Anforderungen genügen. Eines Dages setzte sie ihren Armen wieder eine große Schüssel mit Königsberger Fleck vor. doch das Fleisch verschwand führ rasch, cs blieb nur noch eine Menge Soße übrig. Da die Leute noch immer nicht gesättigt schienen, wußte sich die Frau nicht anders zu helfen, als daß sie eine Lcderbosc ihres Mannes in kleine Stückchen fcwtm, sie mit der Soße tüchtig aufkochen ließ und die Schüssel dann? nochmals den Nimmersatten vorsetzte. Die ließen Mi auch die sonderbare Sveise gut schmecken, vis einer am Schlüsse der Mahlzeit tiessinnia bemerkte: .^6is jetzt Hab rck, nicht gewußt, daß die Küste und die Ochsen Bäuche zum Zuknövtt'n haben ..." . ,,, . Ein in der Gemeinde als Sünder bekannter Mann schlugt sich am heiligen Versöhnungstage, beim SündenbekenntnlS an dce Brust, daß es nnr so kracht, immer wilder, immer stärker. Endlich tritt der Rabbi auf ihn zuZlnd lagt mahnend: -Lieber Freund, mit Gewalt werden Sie da nichts aus- Und nun noch ein lyrischer .„Kleiner Moritz-Witz": Der kleine Moritz steht vor der Türe des Smulzimmers. Der »«spät kommende Mar fraat ihn: „Warum stE du vor der Türe?" — «Weil ich nickt gewußt habe, wieviel zweimal zwei ist." — „Du Dummkops. zweimal zwei sind vier. — „Geh nicht hinein. Mar. iÄ habe ihm schon fünf geböte« und er hat mich hinausgeschmissen." Und ein niedlicher Kinderwitz: Die kleine Ruth bekommt ein Lotterielos aeschenkt. Einige Tage vor der Ziehung bemerkt die Mutter, wie das Kind eifrig in dem Gebetbuche „Stunden der Andacht" liest. „Was tust du da. NM?" —- „Ach. Muttchen, ich bete das Gebet „Für Kinderlose .. Damit ist aber schon der Nobergang geschaffen zumj modernen Witz, der das Charakteristische jüdischen Humors immer mehr zu verlieren beginnt. *) Ti. Buch Mos. Kap. N. B. 7: „Aber wider alle Söhne Israels Ivird kein Hund seine Zunge spitzen, weder zwilchen Mensch noch Vieh, damit ihr erkennet, wie der Ewige absondert zwischen Aiizrasim nnd Israel." Der jüdische Witz. Von I. Eh. B i n S. Vom jüdischen Witz wurde einmal aemgl. daß ihn nur ein Jude machen und nnr ein Jude verstehen könne. Zum Teil mag das auch heute stimmen, wenn jener echt jüdische Witz gemeint ist. der immer ein wenig mit hebräischen Wörtchen, nicht selten mit hebräischen Zitaten aus der Bibel oder gar dem Talnnrd aeivickt war. Tie Zeit dieses Witzes ist im Aussterbeu denn wie viele Juden gibt es no-ch in westlichen Ländern, die hebräisch verstehen und vm de: Bibel oder gar vom Talmud auch nur eine Ahnung haben? Den Ostiuden. bei denen allerdings auch schon sehr sporadisch — noch einige Kenntnis des Hebräischen zu finden ist. denen ist längst das Witzemachen vergangen. Unter der jiddischen und der neuhsbräischen Literatur, die ja Haupt¬ WendarjLM für die Zeit vom 9.19. b. 16.19.1926 Oktober 1826 Tischri 5687 Sonnabend 9 1. 2. Tag Rosch Chodesch Wochenabschnitt: Noach Haftarah: Jesaia Kap. 68 Sabbat-AuSgang: 6,09 Uhr Sonntag 10 2 Montag 11 3. 3 Dienstag 12 4. Mittwoch 13 5. Donnerstag 14 6. Freitag 15 7. Wocheuabschnitt: Lech l'cho Haftarah: Jesaia 40 (27—81) 41 (1—16) SaSbaUSlußQattg: 5,53 Sonnabend 18 8.

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