Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 39 (24.9.1926)
- Date
- 1926-09-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Aus der Bewegung Berlin. (Vereinigung für das liberale Judentum E. B.) Vom 1. Oktober d. I. ab wird den .Posten des Generalsekretärs Herr George Goetz bekleiden. Berlin. (Liberaler Verein für die jüdische Gemeind e.) Zum Generalsekretär unseres Vereins ist Herr James Silberstein berufen worden. Berlin. lL i b e r a l e r Verein für die jüdische Gemeinde.) Wir machen unsere Mitglieder schon jetzt darauf aufmerksam, daß unsere ordentliche Mitgliederversammlung am Dienstag, den 12. Oktober 1826. stattfinden wird. Ort und Tagesordnung werden noch bekanntgegeben. Wir bitten Sie, sich den Abend freizuhalten. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugendge m ei n sch afl.) Unsere Freunde, die solange an dieser Stelle nichts von uns lasen, werden verstehen, daß wir nicht eher an die Oesfentlichkeit treten wollten, bis unser Arbeits- Programm feststand. Sie wissen, daß wir auch inzwischen im stillen gearbeitet haben und daß wir nun mit gewohnter Regelmäßigkeit an dieser Stelle von unserer Arbeit berichten werden. Unser Arbeitsprogramm, das diesmal 6 Seiten enthält und in diesen Tagen hinausgeht, knüpft zunächst, wie selbstverständlich, an die Londoner Konferenz an. Wenn es richtig ist, daß große Ereignisse ihre Schatten vorauswcrfen, so ist es ebenso wahr, daß sie lange in denen, die es angeht, nachhallen. Zwei Veranstaltungen sind der Londoner Konferenz gewidmet. Zunächst am Sonntag, den 26. September, vormittags, eine größere Veranstaltung in der Frankfurt- Loge, gemeinsam mit den anderen liberalen Vereinigungen unserer Stadt. Diese Veranstaltung, die der Allgemeinheit zugänglich ist. und sicher sehr dazu beitragen wird, für unsere Sache zu werben, wird ausgefüllt von verschiedenen Berichten und Vorträgen über die Londoner Konferenz. Mehrere bedeutende Redner werden von den verschiedensten Gesichtspunkten aus über London berichten. Anschließend hieranZindet am 7. Oktober, abends 8J4 Uhr, ein Heimabend statt, bei dem unser Vorsitzender über persönliche Eindrücke auf der Konferenz und in London berichten wird. Hierbei wird auch über den geplanten und auch bereits in die Wege geleiteten Austausch von Jugendlichen aller Länder durch Vermittlung unserer Organisationen gesprochen werden. Am 23. Oktober findet als gesellschaftlicher Auftakt zum arbeitsreichen Wintersemester ein größeres Fest statt. Nähere Einzelheiten über das Programm dieses Festes lassen wir an dieser Stelle noch folgen. Eine Reihe von Arbeitsgemeinschaften wird die Arbeit ln kleinen Zirkeln aufnehmen. Drei befassen sich mit dem Judentum, seiner Religion, seiner Geschichte, seiner Philosophie,- drei andere befassen sich mit der Kunst, der Oper, der jüdischen Dichtkunst, der Rezitation. Die Arbeitsgemeinschaft für freie Referate, die neben der selbständigen Arbeit der einzelnen Mitglieder Anregung durch Diskussion und persönlichen Verkehr ihrer Mitglieder geben will, nimmt wieder ihren Fortgang. Für die Jugendlichen wird eine besondere Gruppe eingerichtet, die wandert, spielt und Sport treibt. Führungen durch sehenswerte Kunststätten finden unter sachkundiger Führung statt, so durch Rothschilds Geburtshaus. den jüdischen Friedhof u. a. Ein Kursus für hebräische Sprache ist eingerichtet. Eine Feier in der Laubhütte wird am 27. September unsere Freunde zu gemütlichem und stimmungsvollem Beisammensein vereinen. Eine Gruppe wird sich der sozialen Tätigkeit widmen, die mehr als bisher ausgebaut werden sott. ein ausgedehntes Programm. Freunde, helft es uns Durchführen. einmal, indem Ihr Euch rege beteiligt, sodann 'Mr, indem Ihr uns neue Freunde und Mitglieder werbt. 'MM nähere Auskunft erhaltet Ihr bei Dr. Hoffman». Nieöenau 37, Telephon Maingau 1878. Laß uns hoffen, daß unsere Arbeit eine erfolgreiche und segensvolle sein wird! Iürsorgerat wehgers Beschwerde. Herr Fürsorgerat Metzger hat in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" auf die Jnvektiven der Jüdischnationalcn wegen seiner Beschwerde folgenden Vorschlag gemacht: „Es würde den Wiener Juden zur Ehre gereichen, wenn sich einige beherzte. parteilose Männer zu einer Untersnchungskommission zusammensetzen würden, um in sämtlichen Institutionen der israelitischen Knltusgemeinde Umschau zu halten. Wenn dann diese Kommission ihr Itrtcil dahin abgeben würde, daß die für Palästinazwecke aus-gegebenen 50 000 Schilling den hiesigen Institutionen der isr. Knltusgemeinde keinen Abbruch getan haben — so verpflichte ich mich, meine Beschwerde (die ich andernfalls bis zur höchsten Instanz vertreten würde) zurückznziehen und an geeigneter Stelle zu erklären: mea culpa, mea maxima culpa." Diesen Vorschlag ignorierten die Jüdischnationalcn mit wvhlweislichem Schweigen. Run fürchten sie doch, die Wiener Landesregierung, die Aufsichtsbehörde über die Wiener isracl. Kultusgemeinde, könnte der Beschwerde Folge geben, und die Wiener Zionisten «kämen nm den Ruhm, doch etwas für Palästina getan zu haben. Auch könnte nach dem Begehren des Beschwerdeführers der Vorstand der Knltusgemeinde aufgelöst werden, «und dann müßten Neuwahlen ausgeschrieben werden, was >ja die Jüdischnationalen ganz besonders fürchten. Jetzt haben sie sich einen gewesenen talmudknndigen Rabbiner, den Verleger M. Groß, zu Hilfe genommen, der in der „Wiener Morgenzeitnng" unter dem Titel „Die jüdische Gemeinde und der Aufbau Palästinas" eine ganze Menge Rcsponsen von Schnkchan Aruch. Vach. Schach nnv. anführt. 'Am, wie er sagt, zu beweisen „daß eine icdc jüdische Gemeinde ausdrücklich verpflichtet ist. Gelder für Palästinaizwecke znznfülircn. Es soll ferner narhgewiesen werden, daß selbst im Mittelalte^, da nur die denkbar primitivste Arbeit in Palästina möglich war. bereits angesehene jüdische Gemeinden ausgesprochene Zwangsbesienernngen für Palästinazwccke eingeführt hatten." Unsererseits soll ja gar nicht vestritien werden, daß es alle jüdischen Gemeinden als Mizwa betrachteten, zwanglos Geldbeträge für Palästina einzuhebcn wie es noch heute überall geschieht. Auch, daß berühmte Rabbiner des Mittelalters einmal Zwangsbesienernngen Vornahmen, soll nicht bestritten werden. Sic konnten es ja tun. besaßen doch diese großen berühmten Rabbiner des Mittelalters die größte Autorität. Es gab auch dafür keine übergeordnete Anstichis behörde, und so konnten diese Rabbiner mit ihrem Bannstrahl im Ghetto jeden bedrohen, der es wagen sollte, gegen ihre Befehle sich aufznlchnen. Diese Rabbiner besaßen aber auch das vollste Vertrauen, daß sie die eingehobenen Gelder für die in Palästina mit dem Ideal, dort die Thora zn pflegen und im heiligen Lande zu sterben, eingewandertcn Juden, voll und ganz, ohne Abzüge für administrative Ausgaben. abführten. Hier aber handelt es sich nur um Partrimacht. Und welche Partei größere Stimmittel answenden kann, erhält eine größere Quote. In erster Linie stehen die Jüdischnationalen, die mit Skandalen drohten und gegen alle wetterten, sie erhielten 23 000 Schilling,' dann kamen die Agudisten, die nun gegen die Zionisten schrien: sie bekamen dem Grade ihrer Stimmzettel angemessen bloß 7500 Schilling, zuletzt kamen die Vertreter der Pvale Zion, ohne Auftrag ihrer Wähler, und halfen den Jüdischnationalen randalieren, sie erhielten, wie lich'S gebührt, die kleinste'Quote SöVY Schilling, denn sie wollten bei der Verteilung auch nicht leer auSg-ehen. Die ganze Welt weiß aber auch, daß viele Mitglieder der zivniMtfchen Exekutive unglaublich hohe Jahreseinkommen haben, man spricht von 50 000 Schilling. Gehört dies auch zur Mizwa nach Schnkchan Aruch und Schach? Und hat nicht Jabotinsky. der es noch wissen mutz, in Wien vor zwei Jahren in einer großen Versammlung gesagt, daß drei Viertel von den in der ganzen Welt gesammelten Geldern Palästina nicht erreichen, weil die Administrative soviel Geld verschlingt? Freilich haben die Wiener Zionistenführer guten Grund, von der Knltusgemeinde mit allen Mitteln des Terrors eine erhebliche Summe zu erzwingen. Die „Wiener Morgenzeituna", daS Organ der Jüdifchnatioualen, das einzige sichtbare Zeichen der Wiener Partei stand im voriaen Jahre, wie auch jetzt wieder, vor dem Zusammenbruch, und wenn nicht im letzten Moment die große Exekutive 50000 Schilling „Mizwagelder" hergcgeben hätte, wäre diese Zeitung, die wahrlich kein Ruhmesblatt des Judentums ist. längst eingegangen. N-m der Führer Daseinsberechtigurrg nachzuweisen. mußten sie eine solche Summe von irgendwo hereinbringen. nm diesen Betrag an die Exekutive oder mindestens einen Teil zurückzuerstatten, weshalb sie auch gerade 50 000 Schilling anforderten. Die geheuchelte Entrüstung, wie «in Jude gegen den Palästinaaufbau sein kann, macht sich ja sehr gut. O nein, gegen Zuwendungen für Palästinaausbau ist wirklich kein Jude, aber daß mit Steuergeldern auf Umwegen verkrachte Parteizeitungen als Machtmittel erhalten werden sollen, dagegen muß jeder ehrliche Jude sein und ist es auch. Wenn die Herren sich nun darauf ausrcden, daß der Beschluß des Vorstandes einstimmig gefaßt wurde, so sei den Steuerträgern zur Aufklärung gesagt, daß die Unionisten zuerst dagegen waren und erst durch Skandale seitens der Jüdischnationalcn mürbe gemacht werden mußten, bevor sie ihre Zustimmung für diese znfdngbestenerte Mizwa gaben. Die Agudisten waren ebenfalls dagegen, aber sie schrien, wenn die Zionisten bekommen, müßten sie auch einen Teil erhalten. Die Vertreter für soziale Tätigkeit wollten für Helferdienstc ebenfalls entlohnt werden. Diese schöne Harmonie im Anfordern und die Verteilung der Beute geschah auf Kosten der Steuerträger. die keine Ahnung hatten, welch kostspicliaen Tauz ihre Mandatare auf ihren Rücken aufführten. I. P.-Wien. Palästina. Ein Nachwort zum Zionistenkongrcß. Von S. Klein- Brüssel. Auf ihrer 21. Tagung haben die Zionisten wie immer große Reden gehalten, die viele schöne Worte enthielten, und das gleiche wird sich wahrscheinlich auch auf der 22. Tagung wiederholen, ohne daß die Beteiligten sich der Lächerlichkeit ihres Tuns bewußt würden. Was ist denn eigentlich der Gegenstand aller dieser Reden? Das kleine Palästina, dieses steinige, unfruchtbare Land, in welches trotz der langjährigen Propaganda, trotz der ungeheueren Geldopfer — in einer Zeit, wo die Zionbegeisterung besonders stark war — nur 85 000 Juden (d. h. nur ein halb Prozent des gesamten Judentums) eiugewandert sind. Aber selbst diese Einwanderer sind jetzt ernüchtert, und ihre zionistische Begeisterung ist verflogen, denn sie können dort weder vom Ertrag ihrer landwirtschaftlichen, noch ihrer industriellen, noch ihrer kaufmännischen Betätigung leben (die Spekulanten, wie sich versteht, ausgenommen)?» Dies hat selbstverständlich zur Folge, daß von einem Zuzug frischer Kräfte so gut wie keine Rede sein kann. Viel wahrscheinlicher ist es sogar, daß eine Rückwanderung einsetzt. — Bei seinem. letzten Aufenthalt in Berlin sagte Weizmann» daß die Aufnahmemöglichkeiten Palästinas schon jetzt nqhezu erschöpft sind. Auf die Tatsache, daß es in Palästina so wenig Land gibt, hätte er als Führer des Zionismus schon vor vielen Jahren Hinweisen müssen: dann gäbe es wenigstens dort keine Hungernden. Weizmann meint, man sei nun gezwungen, Land jenseits des Jordans zu erwerben. Er sollte sich aber rechtzeitig darum bemühen, die ungefähre Größe des für die jüdische Ansieölung dort zur Verfügung stehenden Ackerlandes festzustcllen. damit wenigstens in Trattsjordanien die Einwanderung nicht zn kläglichen Resultaten führt. (Auch sollte die Beduinengefahr eine größere Berücksichtigung finden.) Da jedenfalls nicht anznnehmen ist, daß man in dieser Gegend Städte wie Tel-Awiw erbauen wird, da ferner eine Kleinindnstrie hier nicht recht am Platze wäre (eine etwa dort entstehende und die in Palästina bereits vorhandene würden sich gegenseitig nur Schaden zusügen), so kommt hier also nur landwirtschaftliche .Kolonisation in Betracht. Soviel kann aber schon jetzt gesagt werden, daß das in Transjordanien hierfür vorhandene Ackerland nicht mehr Platz bietet als das in Palästina. Die Zionisten sprechen von „Gegnern". Wie liegen die Dinge in Wirklichkeit? Es gibt ja keinen Inden, der sich nicht dafür einsctzte, die allgemeine Stellung des Judentums zn heben. Dafür gibt cs aber einige Leute, die keine Ahnung von der wirtschaftlichen Praxis haben, sich „Politiker des jüdischen Volkes" titulieren und den in Palästina Eingewanderten bisher nichts als Elend gebracht haben. AuS all den ausgezeichneten Reden, die diese Leute produzieren, ist nur dies Eine zn entnehmen: sie verlangen Geld. Um dieses zn erlangen, müssen große Verschlciernngsreden gehalten und in die ganze Welt cymmis-vvvaäeurZ geschickt werden. Jeder, der die Lage der Dinge keunenlernen will, möge doch nach Palästina fahren und ohne Voreingenommenheit prüfen, wie sich das Lehen dort gestaltet hat. Mag er mit jedem einzelnen Arbeiter, Kolonisten. Limvnadenhändler sprechen. Mag er genau die Ertragfähigkeit des Bodens untersuchen. Er wird sich bald selbst ein Urteil darüber bilden können, wer für das Judentum schädlicher ist: diejenigen, die die Zionisten „Gegner" nennen oder die „Volkspolitiker" wie der Ausdruck der „Jüdischen Rundschau" lautet. Vergeblich sucht man in den schon erwähnten Reden Hinweise darauf, wie man in Palästina existieren kann. Die Lage des Kolonisten, der Arbeiter, der Linwnadcnbttden-Bcsitzer wird wohlweislich verschwiegen. Dagegen wird das größte Gewicht darauf gelegt, daß die Früchte der „Bollspolitik" sich erst nach vielen Generationen zeigen werden. Zn diesem Zeitpunkt wird mau freilich die heutigen Bolkspolitiker nicht mehr zur Rechenschaft ziehen können. — Es ist kaum zn glauben, daß all das nnr ans Phantasterei beruhen soll. Vielleicht wollen jene Leute — teils ans Hartnäckigkeit, teils um ihre eigene materielle Existenz nicht zu untergraben — wider besseres Wissen nicht öffentlich zugeben, daß sie sich irren. Neuerdings belieben die Zionisten, Palästina mit — Kalifornien zn vergleichen. In Kalifornien findet man Gokt, Silber, Petroleum. Quecksilber. Kalifornien ist reich an Wäldern, weist auch in landschaftlicher Hinsicht große Schönheiten auf (hohe Berge. Gebirgsseen usw.) und stützt sich auf ein von der Natur nicht minder gesegnetes Hinterland. Nichts von alledem trifft auf das arme, steinige Palästina zu. Trotzdem wagen es die Zionisten, diese beiden Länder in Parallele zu setzen. — Die zionistische „Jüdische Rundschau" spricht von einer Polemik, die sie angeblich mit einem Bechselfälscher gehabt hat, vergißt aber, daß ein Wechselfälscher nur einige Personen — und zwar nur materiell — schädigt, während die zionistischen Phantasten Millionen materiell und moralisch schädigen. Warum glauben die Zionisten, daß ihr Denken allein richtig ist, und daß nur sie die Wege kennen, auf denen dem Judentum zu helfen ist? Man hat in Erfurt sehr viel von der Jugenderziehung im zionistischen Sinne gesprochen, aber nicht klar gesagt, welche Ziele sich diese Erziehung eigentlich setzt. Das einzige Positive wäre das Erlernen der hebräischen Sprache. Diese Forderung hat im gesamten Judentum keinen Gegner. Es ist zu bedauern, daß die großen jüdischen Philantropen (Amerikaner, Engländer und Franzosen), die in großmütigster Weise so gewaltige Summen geopfert haben, nicht selbst das Land gekauft und es dann verteilt haben. Damit hätte man die großen Summen, die von der zionistischen Organisation verbraucht werden, gespart und es märe bereits jetzt eine, wenn auch kleine, so doch wohlgeordnete Kolonie in Palästina entstanden. Es wäre ratsam, wenn man beim Ankauf des Landes in Transjordanien nicht die Fehler wiederholt, die die „Volkspolitiker" in Palästina gemacht haben, um wenigstens diesen Teil der Kolonie schneller und bester einzurichten. Mehr als eine solche Kolonie ist nicht zu erhoffen, denn die eigentliche Bestimmung Palästinas ist: Heiliges Land für Juden sowohl wie auch für Christen und Mohammedaner zu sein. Aas die Gebiete betrifft, in denen das Los der Juden ein sehr schweres ist, so wäre es richtig, eine Weltkonferenz des gesamten Judentums einzubernfen, an welcher die hervorragendsten Männer der Praxis — keine Literaten, die nur zu reden verstehen — teilnehmen. Diese Konferenz hätte zu entscheiden, wo und in welcher Weise Gebiete zu erwerben sind, in denen man 1 bis 1A Millionen Juden unterbringen könstie. An dieser Aufgabe wird das gesamte Judentum Mitarbeiten. Es kommt hierbei nicht darauf an, daß diese künftige Siedlung einen autonomen Staat bildet oder unter dem Protektorat anderer Länder steht, sondern nur darauf, daß die jüdischen Einwanderer hier eine auskömmliche Existenz finden. Warnung vor Missionaren. Seit einiger Zeit treibt in den Berliner Synagogen. besonders am Sabbat-Vormittag, ein festtäglich gekleideter Man», nameens Gedalius, sein Unwesen. Unter der Maske der Biederkeit geht ex auf Seelenfang aus und versucht, selbstverfaßte Schriften zu verteilen, die die Glaubensvereinigung zwischen Jlvdentum und Christentum zum Inhalt haben. Da Gedalius. welcher jüdischer Abstammung ist, andererseits sich nicht scheut, über angebliche Geneigtheit von Rabbinern zn diesen Bestrebungen Lügen zn verbreiten, die von Unwissenden geglaubt und kolportiert werden, bleibt nichts anderes übrig, als vor dem Missionar Gedalius hiermit öffentlich zu warnen und ihm. wie dies bereits seitens einer Synagoge geschehen ist. den Besuch der jüdischen Gotteshäuier zn verbieten. Am Toten Meer. Bon Wilhelm Wölkerling. Das durch den Jordan einst reichbewüsserte,' gegen 76 Kilometer lange und 5 bis 6 Kilometer breite Tal Siddim mit den fünf blühenden Städten Sodom. Gomorra, Aöama, Zeböim und Bela war nach der biblischen Ueberlieferung zur Zeit des Erzvaters Abraham ein fruchtbarer Garten Gottes, in dem der gewinnsüchtige Neffe Lot seinen dauernden Wohnsitz hatte. Durch ein furchtbares Erdbeben. begleitet von gewaltigen vulkanischen Ausbrüchen und verbunden mit dem Hervordringen des Grundwassers wurde aber bald darauf die ganze Gegend verschlungen, und wo sich vorher üppige Fluren ausdehnten, da bespülten nun die Wogen des entstandenen Toten Meeres bei westlichen oder östlichen Winden die kahlen, 700 bis 800 Meter hohen Steilhänge und suchten die hervorragenden Klippen in die dunklen Tiefen ziehen. Erloschen mar mit einem Male alles Leben, und statt des fröhlichen, munteren Treibens arbeitsamer f}»* sch-n herrschte die furchtbare, schauerliche Stille und Einsamkeit: nur die sich kräuselnden Wellen sangen geheimnisvoll ihre einförmigen, sich immer gleichbleibenden Weisen. Und wie es vor Jahrtausenden war. so ist es noch heute. Kein Fisck) durchfurcht das dunkelgrüne, fettige, ekelhaft bittere, auf den Lippen wie Alaun brennende» schwere Wasser». das bis zu 25 Prozent mit Salz gesättigt ist und in dem hereinneworfcne Körper leichter schwimmen als in jedem anderen Wasser. 304 Meter liegt es unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres bei einer Tiefe von 3 bis 350 Metern, weshalb es sich auch keinen Abfluß schaffen kann: dafür wirkt aber der glühenbe Sonnenbrand so ans seine Verdunstung ein daß der im allgemeinen höchst dürftige Zufluß des-Jordans keinen genügenden Ausgleich bietet. In dem salpetervder salzreichen Boden seiner Ufer sprießt weder Baum noch BuMverk. nnd die salzgcschmäng-rte Luit erzeuat bei den wenigen in der Nähe angesiedeltcn Bewohnern neben häufigem Fieber verschiedene Augenleiden. Auf dem meist.regungslosen Wasser durchfurcht kein Kahn die Fluten, läßt sich lein Vogel sehen oder hören, dafür aber schwimmt auf ihm das im Süden aus dem Boden gucllende übelriechende Erdpech oder Erdharz, bei uns Asphalt genannt, das sich in bedeutenden Mengen an dem westlichen Gestade sammelt und als Mörtel zvm Bauen Verwendung findet. Im Norden wieder versperrt ein Salzmorast mit trügerischer Kruste den Zutritt, so daß hier kein Pflanzenleben anfkommen kann; dagegen begrenzt am entgegengesetzten Ende eine zwei Stunden ' lange Snmpfebenc mit nndnrchdringlichem. , hohem Scknlsdickicht. So liegt von allen Seiten abgeschlossen das arvße Wasserbecken da. das heute Bar Lni-Lots Meer heißt und in unverlöschlichen. erschütternden Zügen die gewaltsame Zerstörung und Vergänglichkeit alles Irdischen predigt. Antworten r m Z. 3^-Breslau. Auch uns ist bekanntgcworden. daß der englische Zionistenführcr Sir Alfred Mond. Mitglied des Britischen llnterhauses. ans dem Festessen der zionistischen Organisation Kanadas eine Miprache für das jüdische Palästina gehalten hat. Auch darauf weisen sie mit Recht hin. daß dies derselbe Alfred Mond ist, der unmittelbar vor «seiner Abreise nach Kanada seine Tochter selbst bei ihrem Uvbertritt zur christlichen Kirche begleitet hat. E. S.-Leipzig. In demselben Jahr, in dem die Leipziger jüdische Kultnsgemeinde die Subvention für den Bar-Kochba aus ihrem Etat gestrichen hat. weil cs zunächst die soziale Not S11 lindern gelte, hat allerdings die Berliner indische Kultnsgemeinde im Vorstand die Gewährnn.i eines Darlehens an eben diesen Bar-Kochba beschlossen. Dies soll wohl die Prämie dafür sein, daß dieser zionistische Sportverein die neutrale Tachorgansation des jüdschen Svorts gesprengt hat. Der Bar-Kochba gehört dem Makkabi-Weltverband an. der ebenfalls zionistisch ist. Dieser hat sich auf seinem 11. Tnrntag erneut für nationaljüdische Bestrebungen eingesetzt und beschlossen: „Er mißbillige aufs schärfste die Haltung verschiedener zionistischer Ortsgruppen, die nicht nur der -Entstehung von „neutralen" jüdischen Turn- und Sportvereinen tatenlos zugeschen, sondern diese sogar geradezu geschahen haben." Und nun willen Sie. warum neutrale jüdische Steuergelder für zionistische Organisationen gegeben werden. Aus Dank dafür, daß diese, selbst ans dem neutralen Sportgebiet, jede neutrale Organisation zu zerstören versuchen. A.