Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-09-24 · 39 (24.9.1926) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
39 (24.9.1926)
Date
1926-09-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613880--1956-2619376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

wm 8. Jahrgang Rümmer 39 ''^^MWWWMWWWffWMWWUMWWWWWWWW Bellage 24. September 1926 Sprcchsaal Wahres Judentum — wahres Deutschtum. Zu dem Thema Judentum — Bolksversöhnuna — Bölkerversöhnung" hat die .jüdisch-liberale Zeitung beachtenswerte Aeutzerungen aus verschiedenen Lagern veröffentlicht, die teilweise vollkommen abwegig sind. So kann die Ansicht des Herrn Professor Kantorowiez. die deutschen Juden bildeten innerhalb Deutschlands eine geschichtlich-kulturelle und mundartliche Einheit, ähnlich wie ä. B. die Friesen nicht unwidersprochen bleiben. Eine geschichtlich-kulturelle Einheit der deutschen Juden besteht unbedingt, soweit nicht Zuwanderer in Frage komme«, die rvohl die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, aber deutsche Kultur nicht in sich aufnehmen und verarbeiten wollen, und soweit nicht von radikalen Nationaljuden dies als .xrsiimilatorische Kriecherei" abgelchnt wird. Aber eine mundartliche Einheit ist keinesfalls gegeben: das bedarf keines Beweises. Allein der sprachliche Unterschied -wischen einem Juden aus Baden und einem solchen aus Oberschlesien macht oi« These von einer mundartlichen Einheit der deutschen Juden zuschanden. Wo Juden in Deutschland leben und verwurzelt sind, zeigen sie die eigenartige Ausprägung und Widerspiegelung der Menschen, ja. der Landschaften inmitten deren sie loben allerdings in einer besonderen durch ihr Jndesein bedingten Abtönung, die oft den Juden erkennbar ist. während sie in vielen Fällen dem Richlinde« verborgen bleibt. Die deutschen Juden in ihrer Einheitlichkeit der Abstammung einem deutschen Stamm gleichsetzen wollen, heißt die soziologische Eigenart deutsch-jüdischen Lebens völlig verkennen und elementarste in die Augen springende Tatsachen außer acht lassen. Nicht minder scharf müssen aber auch die Ausführungen oes Herrn Professor Quidde bekänrpst werden: nicht etwa deshalb, weil sie den jüdischen Nationalismus zu rechtfertigen scheinen. Sie tun dies ja nur bei flüchtiger Betrachtung. denn Quidde verlangt ja' eine Art Assimilation zum Wohle der deutschen Bolksgesamtheit. übersieht dabei allerdings, daß eine solche, wenn sie nicht pervers ist. sich nur unbewußt und ungewollt — gewissermaßen seelisch-organisch — vollzieht und weiter vollziehen kann. Es ist deshalb so schwer, ja. beinahe unmöglich, mit Quidde zu diskutieren. :vei> die Terminologie, die er seinen Ausführungen zugrunde legt, völlig unklar und widerspruchsvoll ist. Was ist mit den Worten ..national". .Kultur". „Judentum", gemeint? Der Schlüssel zur wenigstens leilweisen Beantwortung der Frage nach der so vollkommen verfehlten Einstellung eines Mannes zur Judenfrage, dessen Wissen auf anderem Gebiete unsere höchste Achtung verdient, bietet vielleicht einen Satz, den ich hier nochmals zitieren will: „Auch wenn der einzelne Jude die konfessionelle Gebundenheit innerlich oder auch äußerlich gelöst hat, wird — stelle ich mir vor — das Gefühl der nationalen Gebundenheit bleiben, schon dadurch, daß die Tragödie deö nationalen Schicksals sich immer wieder seinem Bewußtsein aufdringen muß." -Weil Quidde als Freidenker positive Religionen nicht ^verkennt. legt er den Schwerpunkt auf di« Betrachtung einer Spielart von Juden, die „die konfessionelle Gebundenheit innerlich oder auch äußerlich gelöst haben" und spricht kein Wort über die Werte, die die sittlich-religiöse Idee des Judentums gerade auf dem Gebiet der Volks- und Bölkerversöhrmng vermittelt hat und weiter fruchtbar machen könnte. Quidde vergißt, daß es einen jüdischen Stamm und ein jüdisches Stammesbewußtsein ohne die Erhaltung der sittlich-religiösen Idee des Judentums gar nicht mehr gäbe. Er spricht von einer „Zwiespältigkeit nationalen Empfindens". indem er Stamm und Nation gleichsetzt, er spricht von zwei nationalen Kulturen, wobei unerfindlich ist. waS unter Kultur verstanden werden soll, wenn nicht die Gesamtfielt alles dessen, was unser geistiges Leben befruchtet und unseren Seelen Prägung aus einem Guß verleihtgenug! Quidde begeht den verhängnisvollen Fehler. Gleichsetzungen vorzunehmen, die nicht existieren. Gegensätzlichkeiten und Verschiedenheiten auf Formeln zu bringen, -die, wenn auch kurz, so doch unrichtig sind. Es gibt eben keine Analogie in Vergangenheit und Gegenwart für die Eigenart und — wenn man will — Tragik jüdischen Seins. Wie der in Deutschland lebende Nationaljude die OVe» Wissens- und Seelenkonflikte löst, die seiner Anschauung entsvringcn. ist seine Sache. Der deutsche Jude, der im Bekenntnis zur Lehre des Judentums und zu dem Volke wurzelt, mit dem er. wie Quidde sagt, „durch Erziehung und Schicksalsgemeinschast untrennbar verbunden" ist. braucht nicht darüber nachzugrnbeln. wie er verschiedene Elemente seines Seins in Harmonie vereinige, weil er diese Harmonie bereits besitzt. Denn sein Gefühl stammesmäßiger Verbimdenheit mit den Juden der ganzen Welt ist nicht national, sondern religiös betont. Nicht eine „Tragödie des nationalen Schicksals" drängt sich dem Bewußtsein des deutschen Juden immer wieder auf, sondern die jedem wahrhaft sittlichen Menschen sich offenbarende Tragödie kultureller Barbarei in Zeiten, Ländern und Menschen. Krieg und Judenhaß sind nur zwei Spielarten dieses Barbarentums: cs nimmt deshalb nicht wunder. wenn Inden in der Friedensbewegung mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele tätig sind. Rechtsanwalt Dr. Max Mauer. Berlin. j|j!j Aus den Gemeinden Berlin. lAns Her Zent ra!wohlfahrtsp flege.s Die Blätter des Jüdischen Frauenbundes. Berlin, September. teilen mit: Der J.F.B. ist - wie mir unseren: Gesamtvorstand schon durch einen Rundbrief mitteiUen — ans der Zentralwohlfahrtsstelle und ihren Arbeitsgemeinschaften ausgetreten. Die im Frühjahr dieses Jahres von unS mit in d:e Wege geleitete Reorganisation der Z.W.St. hat kein« Verwirklichung gefunden. Die Schwierigkeiten einer sachlichen Zusammenarbeit sind infolgedessen in den letzten Dtonaten rroch gewachsen Es ist uns außerdem unmöglich, die Verantwortung für die ZW.St. weiter mitzutragen. So fühl, te» wir uns im Interesse unserer eigenen Arbeit gezwun. gen. zur früheren Selbständigkeit zurückzukehren. Hierzu schreibt uns die Zentralwohlfahrtsstelle: Der geschäftsführende Ausschuß der ZcntralwohliahrtS-. stelle der deutschen Juden hat sich in seiner letzten Sitzung, die am Dienstag, den 14. d. M„ stattfand, mit dem Austritt des Jüdischen Frauenbundes aus der ZentralwphlfahrtSstelle der deutschen Inden und der hierzu erlasieven Veröffentlichung des Indischen Frauenbundes befaßt und einstimmig folgende Erklärung beschlossen: „Die Zentralwohl, fahrtsstelle der deutschen Juden bedauert aufrichtig den Austritt des Jüdischen Frauenbundes und hofft zuversichtlich. daß der Jüdische Frauenbund bald diesen Beschluß revidieren und sich zur gemeinschaftlichen sozialen Arbeit mit den übrigen zentralen jüdischen Organisationen zusammen, finden wird. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bedauert außerordentlich, baß die Veröffentlichung deS Jüdischen Frauenbundes in eine Form gefaßt worden ist. die irrtümlich« Auffassungen über die Arbeit in der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Jude» und über bi« Lage ber Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Jude» anskommen lassen könnten. Die Zentralwohlfahrtsstelle ber deutschen Juden ist überzeugt, daß dieser Eindruck nicht vom Jüdischen Frauenbund beabsichtigt war, da er aber gleichwohl entstehen könnte, sieht sie sich veranlaßt, mit allem Nachdruck zu betonen, daß die Arbeit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in unveränderter Kraft ohne Aufschub und ohne Unterbrechung weitergeführt wird, und daß auch durch den Austritt des Jüdischen Frauenbundes keinerlei Unterbrechuna der Arbeit eintritt. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden weiß, baß sie bei der Fortführung ihrer für das Gedeihen der jüdischen Wohlfahrtspflege entscheidend wichtigen Arbeit auch in Zukunft auf die Mitarbeit aller in Frage kommenden Faktoren und aller ihrer Freunde rechnen kann. Die Zentralwohlfahrtspfleg« der deutschen Juden selbst wird alles tun. um die Einheit und Zusammenarbeit in der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland zu erhalten." Berlin. (Neueste Arbeiten von Struck.) Geheimrat Dr. Ludwig Justr hat soeben für die Nationalgalerie zwei Aquarelle von Hermann Struck erworben: den „Kopf eines Juden aus Jemen" urch „Blick auf Jerusalem vom Oelberg". Es sind zwei von den neuesten Arbeiten deS hervorragenden jüdischen .Künstlers. Berlin. (Rabbiner Prinz am Friebenstem pel.) Zum Rabbiner an der Friedenstempelsynagoge ist der Rabbinatskandidat Dr. Joachim Prinz gewählt worden. Herr Dr. Prinz hat am Breslauer jüdisch-theologischen Seminar studiert und ist weiteren Kreisen als Redakteur der BreSlauer „Jüdischen Zeitung", deren Redaktion er nach Dr. Rülf, dem jetzigen Rabbiner von Bamberg, führte, bekannt. Berlin. (2 0 Jahre Talmud-Thora.) Die von Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy geleitete hebräische Schule Talmud-Thora Knesseth Israel feiert in diesem Jahr ihr zwanzigjähriges Bestehen. Sie hat unter den hilflosen Kindern der aus dem Osten vertriebenen Juden außerordentlich segensreich gewirkt und unter ihnen religiöse und allgemeine Kenntnisse verbreitet. Männer wie Professor Berliner. Professor Kalischer und Geheimrat Sandau. haben ihr eine umfangreiche Tätigkeit gewidmet. Heute wirken an der Schule, di« seit 1918 ein eigenes Schulgebäude hat, und au der zur Zeit 400 Kinder unterrichtet werden, außer dem Direktor 18 Lehrer. Als die Schule in der Inflationszeit zusammenzubrechen drohte, gelang eS dem bekannten Talmud-Forscher und konservativen Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal, der als Lehrer an der Schule wirkte, das Interesse der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeind« zu Berlin auf die Schule zu lenken, die seither von dieser durch namhafte Mittel unterstützt wird. Hauuoner. (Mendel Zuckern:ann gestorben.) In der Nacht vom 10. zum 11. September starb der Lehrer uni. Vorsteher der. Israelitischen Gaxjenbanschule Ahlem. Mendel Zuckermann.: Der Verstorbene, der auch im Vorstand der Alexander- und Fanny-Simon-Stiftung jahrzehntelang eine überaus segensreiche Wirkung ausgeüvt hat. hat Lurch sein reiches Wissen, seine große Erfahrung und seine hervorragende Rednergabe die Gartenbanschule Ahlem aus ihre jetzige Höhe geführt. Hattingen. (Ge falle neu fei er.) In der hiesigen Synagoge fand am Vorabend des Rauschhaschana-FesteS die Enthüllung einer Gedenktafel für die KriegSgefallenen statt. AuS lokalen Gründen hatte man von einer größeren Feier ütiter Beteiligung von Vereinen oder geladenen Gästen abgesehen. Dafür gestaltete sich die Feier unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde zu einer schlichten, aber außerordentlich errrsten und weihevollen. Der innigen Gedenkrede legte Herr Lehrer Andorn daS Prophetenwort der Haphtara des zweiten NeujahrStageS zugrunde: „Eine Stimme wird in Rama vernommen, ein bitterliches Weinen. R a h e l weint um ihre Kinder, sie kann sich nicht trösten . . . Doch eS gibt eine Hoffnung für deine Zukunft." Die Tafel trägt die Inschrift: „1614—1618 Ech noflu hagibaurim. Im Kampf für das Vaterland starben die Söhne unserer Gemeinde." ES folgen dann die sechs Namen. Sechs kleine Flämmchen weisen symbolisch auf das ewige Seelenlicht hin. Die Synagogengemeinde Hattingen zählte bei Ausbruch deS Weltkrieges 182 Seelen: insgesamt wurden 40 eingezogen: davon waren 21 Frontsoldaten: gefallen sind nenn, davon sechs aus der eigentlichen Gemeinde. Leider ist die Seelenzahl der Gemeinde wie überall sehr stark zurückgegangen. Köln, (Repräsentant« nversammlnng.) Die Repräsentantensitzung vom 16. September führte zwei für das künftige Köl ner jüdische Gemeinde leben bedeutsame Beschlüsse herbei: Die Eingemeindung der bisherigen Synagogengemeinde Köln-Mülheim in die Großgemeinde Köln und die Einführung aktiven und passiven FrauenwahlrechtS Bei der Abstimmung stimmten 9 Liberale für das Frauenwahlrecht. Die Mitglieder sämtlicher anderen Parteien sprachen der Frau das Recht ab. in der Gemeinde an verantwortlicher Stelle zu wirken. Nürnberg. (Sir Herbert Samuels Besuch.) Sir Herbert Samuel, der frühere englische Minister, der bekanntlich von 1020 bis 1925 altz englischer High Kommissionär Palästina verwaltet hat, hielt sich auf der Durchreise nach dem Süden letzte Woche einige Tage in Nürnberg auf. Auf Anregung von befreundeter Seite fand er sich bereit, vor einem geladenen Kreise von Freunden des jüdischen Palästinawerkes im Hause von Herrn Dr. David Grünbaum Fragen über den Palästinaaufbau zu beantworten. Nach einer Begrüßung durch Herrn Dr. Grünbaum und durch den ebenfalls anwesenden Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal legte ßir Herbert Samuel seine Auffasiung über den Palästinaaufbau dar. Schueidemühl. (Ein völkischer Stadtverordneter wegen Diebstahls verurteiU.) Vor dem Hiesigen Schöffengericht hatte sich ber Eisenbahnassistent und völkische Stadtverordnete Altenburg von hier wegen Diebstahls zu verantworten. Altenburg wurde zur Last gelegt, in seiner Eigenschaft als Labemeister auf dem hiesigen Bahnhofe aus Eilgutsendungen im Juni und Juli d. I. mehrmals Krebse entwendet zu haben. Der Angeklagte bestreitet dieses, gibt aber zu. einmal Krebse an sich genommen zu haben, die auS Berfandkörben herauSgekrochen waren, um sie in die Brandfchen Teiche, in welchen er die Fischerei betreibt, zu setzen. Die Krebse, die er an hiesige Kausleute verkaufte, will er in den betreffenden Teichen gefangen haben. Zeugen bekunden, baß die in den Teichen gefangenen Krebse lange nicht so grob seien wie die, welche bei den Kanfleuten Arend und Spieker Hierselbst znm Verkauf gekommen sind. In der fraglichen Nacht vom 7. zmn 8. Juli d. I., in welcher Altenburg mit den Krebsen gestellt wurde, und die er gefangen haben wollte, ist von einem Güterveamten beobachtet worben, wie Altenburg sich an den KrebSkörben zu schaffen machte und aus seinen Bewegungen, die er dabei machte, sei zu schließen, daß er sich die Taschen mit Krebsen gefüllt habe. Der Anklagevertreter beantragte sechs Monate Gefängnis: Altenburg wurde mit drei Monaten Gefängnis bestraft. Die Strafe wurde auf die Dauer von drei Jahren ausgesetzt. Spangenberg. (Wechselt«: Lehreramt.) Seit der Auflösung unserer Volksschule ist die Besetzung der Lehrerstelle eine gerade nicht erfreuliche, aber um so lebhafter diskutierte Angelegenheit innerhalb der Gemeinde geworden. Der vor wenigen Monaten gewählte Lehrer Tint hat daher sein Verhältnis zur hiesigen Gemeinde gelöst und ist als Lehrer und Kantor nach Ahlen in Westfalen verzogen. Die Gemeinde hat sich zu den hohen Feiertagen vor die Notwendigkeit gestellt, ihren Gottesdienst durch Hilfskräfte aufrechtzuerhalten. Wie». (Oberkantor Bauer gestorben.) Am 12. September wurde ber im 74. Lebensjahre verstorbene Oberkantor im Ruhestande Jakob Bauer zur letzten Ruhe bestattet. Er ist einer der letzten Vertreter ber klassischen Wiener Schule und hat sich auch um den jüdischen Journalismus große Verdienste erworben. Gründete er doch vor langen Jahren die jüdischen Zeitschriften „Die Wahrheit" und „Oesterreichische Kantorenzeitung". In dem von ihm ebenfalls gegründeten österreichischen Kantorenverband hat er immer wieder für die Besserstellung des Kantorenstandes gekämpft. Er war Vorbeter der türkisch-sephardischen Gemeinde und hat deren Gottesdienst stets weihevoll zu gestalten verstanden. Sein Hinscheiden rief allgemeine Teilnahme hervor, die sich auch in ber gewaltigen Trauerfeier äußerte. Wyk. (TuLerkuloseheim des Jüdischen Frauenbundes.) ES ist dem Jüdischen Frauenbund gelungen, aus Mitteln, die von einer vor zirka zwei Jahren von iym veranstalteten Sammlung herrühren, in Wyk auf Föhr ein HauS zu erwerben, das in ganzjährigem Betrieb 85 bis 40 Kindern und weiblichen Jugendlichen Aufenthalt gewähren kann. DaS Haus befindet sich in günstigster Lage deS GüdftrandeS, ist ein neuerer Ban mit hygienisch einwandfreien Schlafräumen in zwei Stockwerken, reichlichen TageSräumen und Glas-Liegehalle. Durch einige bauliche Veränderungen — Anlage von Zentralheizung, mehr Bade- und Waschräumen — wird daS Heim, das am L November d. I. übernommen werden kann, zum Frühjahr nächsten Jahres seine Pforten öffnen können. Selbstverständlich legt der Jüdische Frauenbund ebenso großen Wert darauf, mit der Erfüllung dieses langgehegten Wunsches eine Anstalt zu schaffen, die allen Anforderungen hygienischer Art voll gerecht wird, wie er auch im Auge hat, mit diesem Heim für solche Kinder auch erzieherisch zu sorgen, die zu mehrmonatigen: Aufenthalt in der Anstalt bleiben müssen. Gerade diese Seite der pädagogischen Beeinflussung, neben der Heilbehandlung. ist eine Aufgabe, die — wie sie neuerdings in ähnlichen Anstalten schon in Aufnahme gekommen ist — auch im Heim des Jüdischen Frauenbundes weitgehendste Berücksichtigung finden soll. Es steht durch Vermittlung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden als der dafür zuständigen Organisation, aus Reichsmitteln noch eine größere Summe zur Verfügung, die eigens für die Er^ richtung einer Anstalt zur Bekämpfuna der Tuberkulose unter den Juden gewährt wird. Wir hoffen, mit dem Zustandekommen dieses Werkes^ durchaus im Sinne aller an jüdischer Wohlfahrt intevM , essierten Kreise zu handeln, und erbitten weitgehendstes warmes Interesse für Entstehung und Führung dteseV* neuesten Schöpfung des Jüdischen Frauenbundes. Zellrveiler. (S y n a g o g e n s ch l i e tz u n g.) Hier in der Synagoge, die vor 58 Jahren feierlich eingeweiht wurde, fand eine ergreifende Abschiedsseier statt. Da vor kurzem die letzte israelitische Familie von hier weggezogen ist, galt es darum, die seinerzeit für die zahlreich hier gewohnten Israeliten erbaute Synagoge zu schließen. Der Feier stand Herr Rabbiner Dr. Bloch aus Barr vor, der eine sinnvolle. Abschiedsrede hielt, in der er auch der Ortsbehörde, die durch Herrn Maire Pfleger vertreten war, besonderen Dank wußte. Den gesanglichen Teil der Zeremonie erledigte Herr Kantor Klein aus Barr in eindrucksvoller Weise. Der Feier wohnten zahlreiche Israeliten ans Barr, Stotzheim und Jttersweiler und einige Freunde aus Straßburg und Jnnerfrankreich bei. Einzelne von den Teilnehmern hatten seinerzeit die Einweihungsseier der Synagoge miterlebt. Auch die hiesige christliche Bevölkerung war bei der Fclcr stark vertreten, so daß das Gotteshaus bis ans den letzten Platz besetzt war. Versammlungskalender |||| Frankfurt a. M. (Freisinniger Verein für jüdisches Gemein beleben.) An: 26. September, d. I. veranstalten die liberalen Vereine in Frankfurt a. M. eine Kundgebung, betreffendie Londoner Weltkonfcrenz, mit den folgenden Ansprachen der Frankfurter prominenten Besucher der Londoner Konferenz: Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M.: Gestalt und Bedeutung der Londoner Konferenz. Sanitätsrat Dr. Ettlinger. Frankfurt a. M.: Das Bild der Tagung. Rabbiner Dr. Salzberger, Frankfurt a. M.: Der FestgotteSdienst. Rabbiner Dr. Dienemann. Offenbach a. M.: Liberale Gemeinden in England und Amerika. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M.: Die Jugend — Unsere Zukunft. Die Kundgebung findet in der Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstraße 27, vormittags 11 Uhr, statt, und dauert biS 12)4 Uhr. Der Eintritt ist frei. — In Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit der Londoner Konferenz für die gesamte liberale Bewegung erwarten die veranstaltenden Vereine mit aller Bestimmtheit, daß diese Kundgebung einen Massenbesuch aller an dieser Bewegung interessierten' Kreise aufzuweisen haben wird, zumal jeder unserer Freunde, der sich alS liberal bezeichnet, ein Interesse daran haben muß, klare und sachliche Berichte in gedrängter Form von den Frankfurter Teilnehmers an diesex Konferenz erstattet zu bekommen. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft und Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben.) ES sei bereits heute auf daS nicht, wie irrtümlich berichtet wurde, am 28., sondern Sonntag, den 24. Oktober, abends 7SA Uhr, in den Räumen der Frankfurt-Loge stattfindenbe Fest hingewiescn. Zur Aufführunq gelangen ein Theaterstück. Orchester- und Ballettbarbietungen. Dem künstlerischen Teil folgt Tanz us«. Nähere Einzelheiten über Programm und den Kartenverkauf werden noch vekanntgegeben. Wir erhoffen von unseren Mitgliedern und Freunden eine ausgedehnte Propaganda, Der Reinertrag des Festes fließt dem WohltätigkeitSfonds der beiden Bereinskassen zu. I | \ \ ü f 1 jl i f * f i' I i i' i;?! 1 I I 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.