Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 39 (24.9.1926)
- Date
- 1926-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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unsere Nichtbeteilfgung Schaden entsteht, so trifft die Schuld hierfür u. E. nur den. der von feinca Bruder eine Handlungsweise wider besseres Wissen erwartet. Die Ansicht, die von Herrn Ernst Davis über den General Storrvertreten wird, gehKrt gleichfalls in dieses Kapitel. Mir Juden sollten nicht die Pflicht haben, «egen eine Bewegung, die u. E. dem Judentum den größten Schaden zufügen kann, warnend unsere Stimme zu erbeben? Wir deutschen Jude» sollten an allen Mischen Ausgaben Interesse haben dürfen, aber schweigen müssen über Palästina, wenn unsere Ansicht den Wünschen Englands oder Lenen zionistischer Gruppen nicht genehm ist? Wir haben die P s l i ch t. zu sprechen, und wir werden ihr um so mehr Nachkommen Müssen, je größer die palästinensische Gefahr wird. Ls mutz 'unseren Glaubensbrüdern, die in der Politisierung des Judentums das Heilmittel zu sehen glaubten, und die nun auf Grund ihrer palästinensischen Erfahrung der Verzweiflung nahe sind, gesagt werden, daß das Judentum nicht Politik und nicht Judenstaat bedeutet, sondern Weltreligion. Ob im übrigen dir Ansicht. Sir Ronald Storrs hatte pyne AntizionismnS andere Gedankengänge vertreten, richtig ,ift, bleibe dahingestellt. Die „Jüdische Rundschau" bringt in ihrer Nr. 64 vom 17 .August d. I. unter der Ueberschrifr „StorrS verläßt Palästina" die Nachricht von seiner Ernennung zum Gouverneur und Oberkommandierenden der englischen Kolonie Cypern. Da beißt eS u. a.: „Sir Ronald Storrs ist eine «interessante und merkwürdige Figur. Weniger Militär, als Intellektueller, ein Liebhaber von Literatur, Musik und Kunst, ist er in seinem Wesen und seine« Handlungen etwas unberechenbar. Obwohl nicht im gewöhnlichen Sinne Antisemit, war ihm doch Palästina die komplizierte jüdische Sacke und die Schwierigkeiten, die naturgemäß jeder Verwaltung durch sie entstehen mußten, unsympathisch. Er gehörte zu dem Typus des englischen Beamten, der den Anspruch stellt, daß die Inden in Palästina sich den englischen Methoden und der englischen Verwaltungspraxis anpassen sollen, statt daß er selbst bereit ist. das Judenproblem zu verstehen und dem besonderen Temperament sowie der Einzigartigköit deS Falles in feiner Verwaltung Rechnung zu tragen. Ans diesem gegenseitigen Nichtverstehen ergaben sich Reibungen, und die Folge war bald ausgesprochene Unbeliebtheit deS Gouverneurs bei den Inden. So kam eS. Saß bei mehreren Gelegenheiten Storrs direkt von der jüdischen Oeffentlichkeit beschuldigt wurde, mit seinen Sympathien auf Seite der Judengegner zu stehen und sogar antijüdische Ausschreitungen zu dulden. Als im Jahre 1920 in Jerusalem bei den bekannten Zusammenstößen zwei Juden getötet wurden, bemächtigte sich der Juden eine ungeheure Erregung und man machte den Gouverneur, der nicht hinreichend für den Schutz der Juden gesorgt hatte, für die Vorkommnisse v/rantwortlich. Sämtliche jüdische Korporationen richteten damals an die Regierung eine Petition, daß Storrs seines Postens enthoben werden möge, natürlich erfolglos: es war einer der übereiltesten. wenn auch vielleicht aus der Erregung verständlichen Schritte der jüdischen Politiker Palästinas. Seit jener Zeit gilt Storrs als eine der Kräfte, die der Errichtung der jüdischen Heimstätte im Sinne des Mandates entgegenwirken, und in der palästinensischen Presse wunde er nnederholt mit judenfeindlichen Maßnahmen in Verbindung gebracht. Erst vor wenigen Wochen gab es wieder einen Konflikt mit ihm. über den wir berichtet haben, als er die Verhandlung mit der jüdischen Delegation, die ihn zur Besprechung der Fragen der Stadtverwaltung Jerusalem besuchen kam. abbrach. weil der Svrechex erklärt hatte, die Juden hätten zu den Versprechungen deS Gouverneurs kein Vertrauen." Und nun zu der Frage, ob die Einwanderung in Palästina zu grotz oder zu klein ist. Ernst Davis baut vor. Er hält die ganzen theoretischen Berechnungen für falsch, und zwar weil tu der Praxis die Anfnahmckapazität keine- Landes von seinen Rohstoffquellen abhängig soi. Richtiges vermischt sich mit Falschem. Daß die Rohstoffquellen nicht allein bestimmend sind, ist gewiß. Daß sie jedoch einen wesentlichen Anhaltspunkt für die Ausnahmekapazität eines Landes ergeben. ebenso. Andere Fragen kommen hinzu. So die Frage der Transportwege und der Transportkosten, die Frage des Absatz-HinterlandeS uf.w. Die drei Punkte, die Ernst Davis anführt, sind aber ganz gewiß nicht die entscheidenden. Wenn eine kaufmännisch und technisch geeignete Persönlichkeit, der daß erforderliche Kapital zur Verfügung steht, einen technischen Musterbetrieb errichten will, wenn also die drei Voraussetzungen, die Davis «irrtümlicherweise als entscheidende betrachtet, aegoben sind, dann geht sie zunächst daran, den Platz für den Betrieb zu bestimmen. Und wenn die Industrie in Palästina bisher kaum zu vegetieren vermochte, so wird daran doch wohl nicht die Schuld in den von Davis geforderten Bedingungen zu suchen sein. Tatsächlich ist aber bei Davis — und das kommt fa ganz deutlich in dem Brief zum Ausdruck für die Forderung einer größeren Einwanderung die Frage der Aufnahmekapazitüt des Landes von völlig untergeordneter Bedeutung. Für ihn handelt «S sich nicht darum, ob die Einwanderung mit wirtschaftlicher Logik in Einklang zu bringen ist. sondern nur um das politische Problem innerhalb einer »Zeit, die sehr kurz bemessen ist", eine jüdische BevölkerungSmehrheit in Palästina zu erringen. Für ihn handelt eS sich beim Palästinaanfbau um die Wiedererrichtung eines politischen Gemeinwesens. Hier trennt Len deutschen liberalen Juden von Herrn Davis eine unüberbrückbare Kluft. Der deutsche liberale Jude steht in der Zerstreuung der Juden über die ganze Welt ei» sinnvolles Geschehen, das ihm seine religiöse Mission zu verwirklichen aufgibt. Er will es nicht zurttckrevidieren, will die Verknüpfung von Judentum und Politik verhindern. Er gehört seelisch, politisch, kulturell und staatsbürgerrechtlich zum deutschen Staat und nicht zu einem utopischen Judenstaat. Noch einmal kommt zm Schluß seiner Ausführungen Ernst Davis auf den arabischen Nationalismus zu sprechen. Heute sei dieser eine unsaubere, wenig ernste Angelegenheit. in zehn Jahren könne LaS jedoch anders fei«. Deshalb müsse« die Juden «in diesem Zeitraum Lie Mehrheit in Palästina besitzen. Ich kenne keine Hypothese, die für me Jude» gefährlicher fein könnte, als diese. Nehmen wir einmal an, daß DaviS mit seiner Einschätzung deS heutigen arabischen Nationalismus recht hat. lAuszuführen, -atz nnd warnm er nicht recht hat, mutz ich mir hier leider aus Raum* gründen versagen.) Zeugt eS nicht von einer immensen Kurzsichtigkeit, jüdische Politik ans zehn Jahre einzustellen? Nehmen wir an. bah in zehn Jahren ein ernster arabischer Nationalismus erwacht sein wird. Wird er dann nicht mit ganz besonderer Erbitterung für die Wiedererlangung seiner politische« Macht kämpfen und gegen 'die Juden von unversöhnlicher Härte sein, die die arabischen Nationalisten vor ihrem Erwachen um ihre Position, brachten? Und schließlich: sind arabischer Nationalismus in Palästina und arabischer Nationalismus in Syrien so grundverschiedene Dinge, daß man nicht eines Tages ihre Bereinigung erleben könnte?. Was dann? Und nun noch ein Wort zu den Berichtigungen. Wir wollen nicht um Worte streiten. Ich bin bei der Versammlung. die der palästinensische Korrespondent der .Jüdischliberalen Zeitung" am Schluß seiner Kritik erwähnt, nicht zugegen gewesen. Obgleich der Palästina-Korrespondent I dieses Blattes seine Behauptungen aus eine Rückfrage der Redaktion ausdrücklich aufrecht erhält, fei angenommen. Lab der Wortlaut der Reden nicht stimmt. Den Inhalt wird man nach den Ausführungen von Ernst Davis wohl nicht bezweifeln können. Wenn DaviS die Ansicht von Weizmann „für LaS Unglück schlechthin" hält, dann kann Herr DaviS von seinem Standpunkt and Herrn Weizmann wohl für einen gute« Agitator. Sammler und Menschen halten. Len Politiker Weizmann aber muh er für einen Schädling Leim Aufbau seines Judenstaates betrachten. Saltu&arfam Er We 3ett vom 25.9.1.2.1«.1926. September 1926 Tifchri 6887 Sonnabend 26 17. Sabbat Chol. Ham. Haftarah: Ezechiel, Kap. 88,18 biS 23,39. 1—16 Sabbat-Ausgang: 6.42 Uhr Sonntag 20 18. 2. Tag Chol. Ham. Montag 27 10. 9. Tag Chol. Ham. Dienstag 28 20. 4. Tag Chol. Ham. Mittwoch 20 21. Hoschana Rabba Donnerstag 30 Oktober 1W6 22. Schemini Azereth Freitag 1 38. Simchat Torah Sonnabend 2 24. Neumondweihe Wochenabschnitt: B'reschith Haftarah: Jesaia 42,5—26,48,1—10 Sabbat-Ausgang: 6,25 Uhr Diese Woclma dieiea dem V ersöhniingsgedaiikeii! Lesen Sie Dokumente der Friedensbewegung Heraasgegeben von Dr. Jor. Botho Losersiel» Hefti: Das Judentum lat dar Priedel Heftl: Pazifismus aus VeterlandsgefOhl u. Christengeist Preis Jedes Heiles l - Mk. Die Prette tagt Uber Hell Ir b der politisch-ethischen Publizistik hat Laserstein sich einen '-Namen gemacht. L.’s in ausgezeichnetem Deutsch verfaßte Schrift .ist eine von Blühendem Willen zum Helfen, Bessern, Gutmachen ''getragene weltliche Predigt, der weiteste Verbreitung zu wünschen ist .... . „Jüdisch-liberale Zeitung". L», erfüllt TOo wahrem jüdischen und wahrem menschlichen Denken. ^Jüdisches Wochenblatt für Magdeburg". Die kleine Schrift ist besonders wertwoll und mit innerer U eb erzeugungskraft geschrieben. „Jüdische Wochenzeitung für Cassel.” Höhere Ziele .... ziemlich umfangreiches Material, das aber von einem einheitlichen Gesichtspunkt her geformt wird. .Jüdisches Wochenblatt". Verlag Zeh! u. Koch, Berlin SW6®, Alcxandrlnenshr. 110 VgreiQffirFeQer&ejttM io Berlin von 1874, e.V. iMiflBlOM FeMTtKtBttimi . Annahme Anliallstrafic 8. Telefon Hasenbelde 3921 u. Chorlottenburg, KantstnOc 15t a. Ecke FasanenstraOe Telefon Stcinplati 153ö Tapezier Jabnke tapeziert, streicht und polstert alles schnell zu billigsten Preisen in guter Ausführung. 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V.( Sitz Berlin'* Berlin NO, Große Ftankiurter Straße 80-81 i: Hebräisch'Kurse i; Barmlzwa - Vorbereitung:: M. Abraham Berlin W SO, Achenbachstrabe 3 Uhland 1105 | Bereichert Eure Bibliothek durch jüdische Bücherl 2. Sonderansebot an die Leser der „Jüdisch-liberalen Zeitung“. Bei direkter Bestellung bei der »Jüdisch-liberalen Zeitung“, Berlin SW 48, Wilhelmstr. 147, können nachstehende Bücher zum angegebenen Vorzugspreis Vorzugspreis; bezogen werden: Vorzugspreis: LEHMANN Sprüche der Väter, 3 Teile, statt Mk. 21- Mk. 18. - Rabbi Joselmann, 2 Teile, statt Mk. 12.— Mk. 9 — GEDENKBUCH Semitic studies in memory ot Dr. Alex Kohut, geb., statt Mk. 12. - Mk. 9. - OSDENKBUCN zur Erinnerung an Prof. David Kaufmann, mit Wissenschaft!. Beilagen bedeut. Gelehrter statt Mk. 12.- Mk. 9.» Der Betrag ist unter Angabe des Zweckes auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum H v, Berlin NW 7, Nr. 137069 zu überweisen» ■ASTOR-HAUS' Die'neue. 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