Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 39 (24.9.1926)
- Date
- 1926-09-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wun-.k De" die englische Verwaltung den Glauben an den der Juden, ihren Staat wiederzuerrichlen. verhat. «».^.^'?Eese Politik, die genau mit der offiziell von den Rtchtzionisten geforderten identisch ist. raubt England jedes Interesse am Judenstaat. Sie entspringt unseres Erachtens einem falschen Ethizismus. der einer bestimmten Moraltheorie das lebendige Leben eines Volkes zum Opfer bringt und sie ist vom gesamteuropäischen Gesichtspunkt aus zu beoapern und gefährlich, weil sie der notwendigen und natürlichen Ausbreitung Europas auf andere Erdteile — wie ',c flcr.a&« auch Deutschland, fordert — entgegensteht. iia o) Die englischen Beamten in Palästina sind über die tnnerjüdrsche Situation genau unterrichtet. Sie sehen, daß »er grünte Teil des Judentums sich von der Beteiligung an der Palästina-Arbeit fernhielt und daß die für das Aufbauwerk tätige Minderheit einen oft verzweifelten Kampf führen muh, um ihre Volksgenossen dazu zu veranlassen. ine einmalige Chance auszunutzen. Sie fingen daher an zu zweifeln, ob den Juden — das heißt denen, die sich überhaupt darum bemühten — die Schaffung einer jüdischen MawrUät gelingen wird und fingen an. eine abwartende Haltung einzunehmen. um sich den Arabern gegenüber keinem unnützen Rsiko anszusctzen. Ich bitte Sie. das für keine leere Theorie zu halten; es ist eine Tatsache. Das Klaren z. B. die Gründe die den General Storrs. den bisherigen Gouverneur von Judea und Mitglied des engeren Kabinettrates des Oberkommissars bestimmten, der an sich durchaus kein Judenfeind war. Aber gerade er hatte die rnnerjüdischen Verhältnisse genau studiert, lernte sogar hebräisch und spricht es schon ganz leidlich. Die Nichtbeteiligung der Nichtzionisten, die Neutralität sein sollte, wurde W in der Praxis zu einem Kampf, zu dem aefährlichsten Kampf gegen das jüdische Palästina, einem Kampf, dessen Iolgen in erster Linie die palästinensischen Juden zu spüren betamen und bekommen. 3. Wir glauben, dah die Krise — soweit sie nicht durch ungenügendes Eingehen der englischen Verwaltung auf unsere wtrtschaftspolitischen Forderungen zusammenhängt, das wieder auf die eben motivierte veränderte Haltung Englands zu, den Juden zurückzuführen ist — nicht durch eine übermäßige, sondern durch eine zu kleine Einwanderung entstanden ist. Wir halten die ganzen theoretischen Berechnungen über die Aufnahmefähigkeit Palästinas für falsch und unmöglich. Denn in der Praxis ist die Aufnahmekapazität keines Landes von seinen Nohstoffguellen abhängig — die deutsche Textilindustrie arbeitet mit. amerikanischer und ägnvtischer Baumwolle, australischer und südamerikanischer Wolle und italienischer, französischer und asiatischer Seide, die Gninmiindustrie mit indischem Rohgummi und sogar die Eisenindustrie teilweise mit schwedischem Erz —, sondern erstens von dem zur Verfügung stehenden Kapital, zweitens von der technischen Ausgestaltung der Betriebe und drittens von der kaufmännischen und technischen Eignung ihrer Besitzer. Da die Masseneinwanderung kleiner oder auch größerer Kapitalisten seit Oktober porigen Jahres stockte, und damit die Kapitalzufuhr. die bis dahin die große Hausse unterhalten hatte, aufhörte, brach die Krise an Tenn trotzdem die Kapitalisten nicht mehr kamen, kamen doch noch die Arbeitslosen des europäischen Ostens, die mit der Einwanderung der Kapitalisten rechneten und hofften, nach wie vor durch sie Arbeit zu finden. Daher, glauben wir. wäre es nötig, gerade wegen der Krise eine umfassende, intensive Propaganda — gerade in Osteuropa — zu beginnen, um dre Kleinkapitalisten, die ietzt durch psychologisch verständliche Schauernachrichten abgeschreckt sind, nach Palästina zu bringen, wodurch ihnen wie dem Lande geholfen wäre: Sie würden aus der osteuropäischen Wirtschaftsdepression befreit und in Palästina die Krise überwunden werden. Eine Alche Propaganda müßte aber dafür sorgen, daß erstens Mrklich nur Mafien oder sonst niemand kämen >- denn anders, durch eine kleine tropfenweise Imigration, ist die Depression nicht zu überwinden —, und zweitens dafür, fatft die Einwanderer nicht wieder «um sicher zu gehen" ihre Mittel verbauen, sondern als flüssiges Betriebsm-aterial aufsparen. Wir glauben, daß die Krise durch die Propaganda gegen Palästina, die mit einer Propaganda gegen die Einwanderung identisch ist. und die Nichtbeteiligung an den Bemühungen der Zionistischen Exekutive die ausbleibenden Privairkapitalien durch verstärkte Ueberweisungen aus öffentlichen Kasien zu ersetzen, ganz gewaltig und völlig unnütig verschärft worden ist. Mit anderen Worten, wir glauben, -aß die mangelnde Beteiligung der Juden am Keren-Hajessod einen großen Teil der Schuld an der Geldknappheit und der Arbeitslosigkeit in Palästina trägt. Verzeihen Sie bitte, wenn ich das so offen ausspreche, aber ich glaube, es wird Ihnen lieber sein, die Wahrheit als bequeme ad hoc zurechtgemachte Theorien zu hören. Tatsächlich: hätte jeder deutsche Jude in diesem Jabre ein Pfund, etwa einundzwanzig Mark, für den Keren-Hajessod gegeben, so hätten wir Heute eine Hausse in Palästina und Mangel an Arbeitern wie im Vorjahr. Wir sehen heute das merkwürdige Schauspiel, daß zuerst wegen mangelhafter Beteiligung der Juden am Palästinawerk eine Krise entsteht, und dann wegen der Krise die Beteiligung der Juden daran noch schwächer wird. Ein Lirculug vitiosus, der unseres Erachtens durch Zusammenwirken aller verantwortungsbewußten Kreise durchbrochen werden muß. 4. Wir glauben, daß die Nichtziowisten, die wirklich bereit sind, an der Palästina-Arbeit teilzunehmen, begreifen werden. daß sie nur im engsten Anschluß an England, ohne Rücksicht auf Vorwürfe irgendwelcher weltfremder Literaten, öurchgesührt werden kann, die darin Unterwürfigkeit gegen den europäischen Imperialismus. Hingabe an England usw. sehen mögen. Und wenn sie auf dieser Basis nicht Mitarbeiten wollen, dann müssen wir mit aufrichtigem Bedauern darauf verzichten. Denn anders ist die Arbeit aus politischen Gründen nicht möglich Wir selbst glauben, daß es für die Juden wesentlich besser ist. als Schutzstaat oder sogar Dominion Englands zu leben, als mit bürgerlicher Gleichberechtigung in Polen oder Rußland. Und wir glauben, daß es für die volle Entfaltung eigenen jüdischen Lebens und damit die Stärkung des Judentums überhaupt erst recht besser iss. 6. Wir glauben aber ebenso, daß die Zeit für die Palästina-Arbeit sehr kurz bemessen ist. Heute ist — auch das muß einmal, um viele Illusionen zu zerstören, mit aller Offenheit gesagt werden — das. was sich hier arabischer Nationalismus nennt, erstens eine sehr wenig saubere Angelegenheit, die sich im wesentlichen auf die Erpressung von Bakschischs beschränkt — von einer Ausnahme abgesehen — und zweitens, da das Volk das im wesentlichen weiß, eine Sache, die sich auf bestimmt« kleine Kreise beschränkt, die wirtschaftlich an ihr interessiert sind. Aber mit der rapiden ökonomischen und kulturellen Entwicklung der Araber, besonders durch die von den Engländern selbst gegründeten Schulen, wird das in zehn Jahren anders sein. In zehn Jahren kann es wirklich neben dem Geschäftseinen ernsthaften arabischen Nationalismus geben, ähnlich wie in Syrien. Daher muß die jüdische Majorität in Palästina innerhalb von zehn Jahren geschaffen sein. Wir glauben nicht, wie Weizmann. daß es kein Unglück ist. wenn in diesem Jahr nur zwanzigtausend Juden ins Land kommen, sondern halten cs für das Unglück schlechthin und glauben, daß sogar die Einwanderung der annähernd vierzigtausend Juden im Vorjahre ldie offiziellen Ziffern stimmen nicht), wenn auch wirtschaftlich allenfalls genügend, so doch politisch eher noch zu klein war. Wir halten es für unsere Pflicht, diese Tatsachen allen Juden in voller Offenheit darzulegen, damit jeder weiß, welche Verantwortung auf ihm ruht, und daß die Palästina- Arbeit von seinem schnellen, unaufschiebbaren Entschlüsse abhängt. Dies sind im wesentlichen unsere grnndsäblichen Anschauungen. Ich danke Ihnen im voraus dafür, daß Sie mir die Möglichkeit geben, sie im Anschluß an meine Berichtigung in Ihrem Blatte zu veröffentlichen und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Ernst Davis. Aniw ri an Herrn Ernst Davis. Bon Moritz Simon. Deutschtum und Judentum sind die Fundamente des deutschen Judentums. Deutsch ist unsere Muttersprache, Deutschland.ist unsere Heimat. die Stätte unseres Wirkens und Schaffens, das Land unseres Lebens und Sterbens, j Aus unserem Verbundensein mit der deutschen Kulkurgcan dem ersten. Heimlich ließ sie seinen Vater kommen, der ihn gewaltsam mitnahm und bei einer befreundeten Familie in Halle unterbrachte. Ludwig Börne erkannte bald, wie richtig sich die mehr als zwanzig Jahre ältere Frau ihm gegenüber benommen hatte und blieb ihr zeitlebens in achtungsvoller Freundschaft ergeben. Als Witwe erhielt sie, noch einen weiteren Beweis, wie mächtig und dauernd die Bewunderung war. die sie einznflößen verstand. Der Graf Dchna-Schlobitten machte ihr einen ehrenvollen Heiratsantrag, nachdem er zu Lebzeiten ihres Mannes seine Liebe für sie stets in den Schranken des Zartgefühls und der Wohlanständigkeit gehalten hatte. Sie lehnte ab. weil sie sich damals noch nicht entschließen konnte. Christin zu werden: ihre alte, strenggläubige Mutter hätte das nicht überlebt. Aus diesem Grunde verzichtete sic auch aUs die Aussicht. Erzieherin der Prinzessin Charlotte, der späteren Kaiserin von Rußland, zu werden: es war eine glänzende Stelle, welche ihr Freund Delbrück für sie erwirken wollte. Zahlreiche Bekannte wetteiferten mit Einladungen, um ihr die EinschUnkungen, die sie sich als Witwe guferlegen mutzte, zu erleichtern. Besonders war die Herzogin Dorothea von Kurland, die Beschützerin aller geistigen Bestrebungen, eifrig bemüht, sie in ihr Haus zu ziehen. Der jüngsten Tochter, der späteren berühmten Herzogin von Sagan. sollte sie Unterricht im Englischen geben, und dafür genoß sie alle Annehmlichkeiten der feinsten und geistreichsten Geselligkeit, welche die hohe Dame in Berlin eingeführt hatte. Besonders bemühte sic sich, in ihrem Salon, den danrals recht fühlbaren Unterschied der Stande zu verwischen. Sie gab der Lehrerin ihrer Tochter einen viclbeneideten Ehrenplatz neben der ebenso klugen Prinzessin Luise von Radzimill und lud Schauspieler, Schriftsteller. Künstler und Beamte, mit bürgerlichen Namen zu der hoffähigen Gesellschaft. Die abhängige und sorgenvolle Lage, in welche Henriette Herz als Witwe versetzt war. gab auch ihrem langjährigen Freunde Schleiermacher Veranlassung, ihr noch näher zu treten als bisher. Er half ihr bei einigen Uebcrsetznngen aus dem Englischen, die sie zur Vermehrung ihrer Einnahmen übernommen hatte und suchte sie auf jede Weise zu nnterstützen. Sie lehrte ihn dagegen französische mtö italie Nische Konservativ«. Schon im Jahre 1790 war Schleiexmacher mit dem Ehepaar Herz innig befreundet. Er wohnte damals an der Oranienburger Chaussee und war noch Prediger an der Cliaritec. Das Herz'che Ehepaar wohnte in der neuen Friedrichstraße und sah.abends mit Besorgnis den kleinen schwächlichen Mann den weiten Heimweg antreten. Um ihn etwas vor den Gciahren zu schützen, schenkte Henriette ihm eine kleine Laterne, die er ins Knopfloch hing, und dann wandelte er wie em Glühwürmchen durch, die Finsternis, Durch den Grafen Dohna-Schlobitten. bei dessen Eltern er Hauslehrer gewesen, war er in das Herzsche Haus eingeführt und hatte bald eine tiefe Herzensfreundschaft mit Henriette geschlossen. Er zeigte ihr alle seine Schriften, bevor er sie drucken ließ und schrieb ihr fast täglich Briese, auch wenn sie an demselben Orte wohnten. Als sie nach ihres Mannes Tode eine kleine Sommerwohnung im Tiergarten bezog, blieb er oft den ganzen Tag draußen bei ihr, um mit ihr zu lesen, zu arbeiten oder spazieren zu gehen. Es war nicht zu umgehen, daß ein io seltenes inniges Verhältnis Aufsehen erregte und falsch gedeutet wurde. Zuerst warnte Friedrich Schlegel den Freund, dann schrieb ihm seine eigene Schwester Nanni und machte ihm dringende Vorstellungen. Schleiermacher teilte beiden mit. daß sie sich irrten, und seiner Schwester schrieb er: „Die Herz ist von Charakter und Gemüt fest und still, so daß sie sich auf sich selbst verlassen kann und meiner nicht bedarf. Ich gehöre aber doch in anderer Rücksicht zu ihrer Existenz: ich kann ihre Einsichten, Ansichten und ihr Gemüt ergänzen, und so tut sie mir. Etwas Leidenscha'tlichcs wird aber zwischen uns nie Vorkommen, da sind wir wohl über die entscheidendsten Proben hinweg. Unser Verhältnis ist eine recht vertrante, herzliche Freundschaft. Hätte ich sie heiraten können, so wäre es gewiß eine Kapitalehe geworden, vielleicht nur gar zu einträchtig.... Aber es ist zwischen uns von Mann und Frau gar nicht die Rede. Sie bat nie eine Wirkung auf mich gemacht, die mich in der Ruhe des Gemüts hätte stören können. Wer sich etwas ans den Ausdruck des Inneren versteht, der erkennt gleich in ihr ein leidenschaftloses Wesen. Und wenn ich bloß dem Einfluß des Aeutzeren Raum geben wollte, so hat sie für mich gar nichts Reizendes, obgleich ihr Gesicht unstreitig sehr schön und ihre kolossale königliche Figur so sehr das Gegenteil der weinigen ist, daß, wenn ich mir vorstelle, mir liebten und heirateten uns, ich immer etwas Lächerliches und Abgeschmacktes dabei finden würde, worüber ich mich nicht hinwegsctzen kann." An einer anderen Stelle sagt Schleicrmacher. er käme sich zuweilen vor wie'ein kleiner Arbeitsbeutel am Arme der großen Herz. Diese sielbst dachte ebenso unbefangen über ihr Verhältnis zu ihm und erzählt in ihren Eriuncrungsblättern. daß man in Berlin eine Karikatur daraus gemacht habe. Man stellte das ungleiche Paar auf einem Spaziergange dar und gab der Herz statt des Sonnenschirms Schleiermachers Figürcben in die Hand. Beide haben herzlich darüber gelacht, und Frau Herz versichert: „Wir haben uns oft gegenseitig darüber ausgesprochen, daß und warum wir kein anderes Gefühl für einander hegen konnten als diese schöne, innige Freundschaft." UebrigeNs war Schleiermacher auch vier Jahre jünger alS Henriette. * Der Hauptgrund seiner Unemvfindlichteit für Henriette Herz war auch seine Liebe zu Eleonore Grunow. die in unglücklicher Ehe mit cinein seiner Amtsbrüderlebte. 'Schleiermacher suchte sie zur Scheidung zu überreden und Henriette fand nach der damaligen Weise kein Unrecht dabei. Eleonore dachte aber nicht daran, nnd Schleiermacher tröstete sich durch eine Heirat mit der Witwe des jungen Predigers von Willich. Nach dem Tode ihres Freundes Schleiermacher am 12. Februar 1834 verlor Henriette auch ihre Mutter, und nun ließ sie sich taufen. Vorbereitet war sie dazu längst durch ihren treuen Freund, der bis an fein Lebensende zu ihr hielt. meinschaft entnehmen wir das Recht, mitzuarbeiten «an den Geschicken der deutschen Republik, mitzusprechen in den Fragen des deutschen Kulturlebens. Das deutsche Volk ist unser Volk, seine »ragen sind unsere Fragen. Männer wie Rathenau oder Preutz hätten kein Recht gehabt, in Fragen des deutschen Volkes mitzusprcchen. wenn sie nicht seine Kinder gewesen wäre«. Deswegen reden wir uns nicht ein, schlechtere Inden zu sein, als irgendein Zionist. Stolz bekennen wir uns als gläubige Juden, «die wissen von der Geschichte ihrer Ahnen und von der hehren Lauterkeit ihrer Religion. Nicht nur ererbtes Gut. sondern erworbenes ist uns unser Judentum. Das Schmäh Jisroel ist uns nicht nur Lippenbekenntnis; der Begriff vom Mitmenschen und seiner Gottesebenbildlichkeit ist uns unverlierbarer Besitz; der Glaube an den Messianismus stellt uns unsere große Aufgabe in der Menschheit. Deutsche und jüidische Gründe veranlaffen uns. den Zionismus abznlehnen. Wir wollen aus unserem Judentum keinen Konflikt zu unserem Deutschtum machen lassen, wir wollen das Judentum nicht zum Spielball der Völker degradieren. . Ernst Davis entwickelt das Programm des revisiomsti-- schen Zionismus. Klar und eindeutig. Es zeiat erneut die große Gefahr, die der Zionismus in sich birgt. Nicht alle Zionisten, das sei hier ausdrücklich erwähnt, werden auch nur mit den wesentlichen Teilen des revisionistischen Programms einverstanden sein. Da jedoch Ernst Davis, der Palästina-Berichterstatter des „Berliner Tageblattes", nicht der erste Beste ist. so sei einmal offen dazu Stellung genommen. Ob jemals bei England die Absicht bestand, in Palästina einen „Judenstaat" zu errichten, weiß ich nicht. Wer aber die Entwicklung der englischen Mandatspolitik seit der Balfour-Deklaration mit offenen Angen verfolgt hat. der kann darüber, daß es diese Absicht heute nicht besitzt, wohl kaum im Unklaren sein. Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, nach den Gründen englischer Politik zu suchen. Nicht eben unpolitische Köpfe glauben allerdings, daß England wenig Grund hat, die Araber um der schönen Augen der Juden willen fortgesetzt zu verärgern, und daß für England dre Frage, ob seine Politik den Juden nutzt oder nicht, von keiner ausschlaggebenden Bedeutung ist. Dock darüber sei hier nicht gestritten. Betont aber sei hier mit voller Deutlichkeit. das; wir deutschen Juden niÄt daran denken, Englands „Hilfe bei der Errichtung des I ud e n st a a t e s" zu bezahlen, und daß für uns die „politischen Interessen Englands nicht eben U e b e r z e u g u n g s k r a f t besitzen. Es ist das gute Recht jedes Nationalisten. Nur-Nationalist zu sein. Für einen jüdischen Nationalisten müßte es eigentlich aber selbstverständlich sein, daß die Schaffung eines Abklatsches von Europa mit jüdischer Religiosität schlecht in Einklang zu bringen ist. Wenn Davis von der „notwendigen nnd natürlichen Ausbreituna Europas aus andere Erdteile" spricht, so scheint nns in diesem Wort eine Fülle von Fehlern verborgen zu sein. Tatsächlich könnte in der Gegenwart wohl nur von einer Ausbreitung Amerikas auf andere Erdteile die Rede sein. ..Notwendig' scheint mir die Ausbreitung eines Erdteiles auf einen anderen durchaus nicht und „natürlich" noch weniger. Nun ist es leicht, für das Mißlingen der Palästinaarveit die Nichtzionisten verantwortlich zu machen. Man braucht nur auszurechnen, wieviel Geld in Palästina fehlt und zu erklären: hätten die Nichtzionisten diesen Betrag zusammengebracht. so würde es in Palästina nicht fehlen. Fürwahr eine einfache Methode, Ganz so liegen die Dinge aber doch nicht. Kann Herr Davis wirklich den N i ch t z i o - nisten zumuten, daß sie gegen ihre Ueberzeugung Gelder für zionistische Zwecke gAben sollen? Würde Herr Davis es nicht mit Entschiedenheit von sich weisen, wenn «wls-x etwa von ihm verlangen würden, daß er dre Voraussetzung für unsere Mitarbeit am Palästlnaaufbandadurchschafft.daßerdieses Werk entpolitisiert und zu einem kolonisatorischen und philantropischen gestaltet? Wir können es nicht verantworten, am nationalen Aufbau des Judenstaates mitzuwirken, so gern wir auch an der Kolonrsationstätigkeit teilnehmen möchten. Und wenn durch diese Eine Reise nach Rom war ihre letzte Freude. Nach Berlin zurückgekehrt, hatte sie manche Sorgen und Schmerzen zu ertragen, besonders klagte sie über die Einschränkungen, die sie sich ihrer geringen Mittel wegen auferlegen mußte. In Italien hatte sie bei einer alten, kränklichen häßlichen Signora Dionigi jeden Abend eine auserwählte Gesellschaft junger und alter Männer und vornehmer Frauen gefunden, trotzdem die alte Dame ihnen nichts weiter bieten konnte als „Verstand und eine Ocllampe". In Deutschland wollte man sich aber damit nicht begnügen, und darüber beklagte sich Henriette bitter. Sie hatte auch in der Tat nicht mehr viel zu geben, und die Gesellschaft, die so zahlreich bei dem guten Essen und Wein im Hause ihres Mannes erschienen war, verließ sie immer mehr. „Wäre ich jetzt so reich und so vornehm. wie ich früher schön war", seufzte sie, „so würde ich nicht so verlassen, sondern noch allgemein gefeiert sein." Besonders schmerzte es sie auch, daß sie ihren Hang zum Wohltun einschränken mußte. Als sie kein Geld mehr geben konnte, erteilte sie wenigstens Unterricht an unbemittelte junge Mädchen und verschaffte ihnen dann gute Stellen als Erzieherinnen. Sie war dadurch so bekannt geworden, daß auch einmal ein armes Dienstmädchen in ihr Gärtchen kam und fragte: „Wohnt hier die Hofrätin Herz, die die Mädchens vermietet?" Mit zunehmendem Alter freilich mußte sie jede Tätigkeit aufgeben. Sie selbst wurde kränklich, ihre Freunde und Bekannten starben vor ihr, und ihre Mittel nahmen rasch ab, da es in Berlin immer teurer wurde und die Krankheit auch viel Kosten machte. Die Greisin sah sich oft in wirklicher Geldverlegenheit, suchte dieselbe jedoch möglichst geheim zu halten. Als der einstige Jugendgenosse und treue Freund Alexander von Humboldt davon erfuhr, wandte er sich im Jahre 1845 an den König Friedrich Wilhelm IV.. von dem er wußte, daß er durch seinen Erzieher Delbrück zuweilen den Namen der edlen Frau gehört hatte. Der König griff den Gedanken, ihr in ihrer Not beizustehen, mit großer Freude auf nnd „erhöhte durch die zarte nnd schonende Form der Gabe, noch die pekuniäre Bedeutung", wie I. Fürst, der Biograph von Henriette Herz, erzählt. In einem Handschreiben an den Kabinettsrat Müller erklärte der König, da die Hosrätiu Herz, eine Frau, deren Namen er schon in frühester Kindheit mit so viel Hochachtung habe anssprechen hören, selbst nichts erbeten habe und überhaupt die Sache ohne ihr Wissen geschehen sei. so fände er es angemessen, leine Kabinettsorder hinsichtlich der Bewilligung an sie zu richten, vielmehr die ganze Angelegenheit durch Herrn von Humboldt gehen zu lassen. So erhielt denn die alte Frau ganz unerwartet ein bedeutendes Geldgeschenk gleich und fünfhundert Taler jährliche Pension aus der Privatschatulle des Königs. Eine neue LebenSfrendigkeit kam über sie, als die lastende Sorge von ihr genommen war und die ehrenvolle Teilnahme des königlichen Gebers sich auch noch durch einen persönlichen Besuch in ihrer kleinen Sommerwohnung im Tiergarten betätigte. Sie starb an Altersschwäche am 22. Oktober 1847 im 84. Lebensjahre.