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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-09-17 · 38 (17.9.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
38 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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siervorritft und Me Schönheit und Eigenart des Raumes in bisher ungeahnter Weise zur Geltung bringt. Die unregelmäßige Aitsführuna der rippenlosen Kreuzgewölbe und die vielfach im Laufe -er Zeiten Verhinderten schwerprofilierten Wandkonsolen unter den Gewölbeabsätzen verboten eine stärkere farbige Trennung von Wand und Decke, und so entschloß sich der mit der Wiederherstelluna betraute Maler umH Architekt Prof. Dr. Hülsen (Frankfurt). den in dem Hauptschiffe gewählten leuchtend ockergekbeu Wand ton um ein weniges Heller und nach Chromgelb gebrochen im Deckengewölbe ausklingen .zu lassen. Dadurch wogt in diesem Teile ein Strom warmen Lichtes von dem sich die zwei riesigen, Me Heiden Schiffe tiennendeu romanischen Säulen mit dunkelblaugrauen Schäften und mit verschieben abgestusten Grün, Hellblau, Rot und Weih ihrer vielgliebrigen Kelchkapitelle prächtig. abheben. Ein violettgrauer niederer Wandiockel umhüllt den unteren Teil des Raumes mit seinem dunkelbraimen Gestühl. 'rtiuf, ähnlichen farbigen l^rundsätzen find di-e rechtwinielig anstoßenden niederen zwei Schisse der Fraueniunagoge behandelt. Hier ist der Hauptton ein leuchtendes helleres Blattgrün der Wand. das etwas gelblicher und heller in die McivöMjc übergeht mth sich auf einem blairgrauen Sockel erhobt. Alle Wandtrmiolcu find ans ein lichtes Blauaran in uie&mcn Abstufungen gestimmt. Der in der Mitte Mer Lsnvand sich erhebende barocke von Säulen und Kranzgesims und (Giebel geschmeckte Thoraschrein sieht neben den im Räume wogenden ivarnigelben und tvarinblangrünlichen Tönen in ernsterem rötlichen Braun, das durch das Gran der Säiilen-ichäfte. das Altgold der Kapitelle und der symbolischen Matine und einen grünlichen Tauber Gesimsplättchcn belebt wird. Tie kleine Vorhalle zur Fiauensynagage dämmert iit einem Dunkelblau, das Wand und Decke gleichzeitig übersieht Alle übrigen Teile der Synagoge. Empore und Orgelpiospekt, Türen. Fenster. Anschriften uiw. wurden der farbigen Hauptwirkung untergeordnet, und so ist es Prof. Hülsen nach vielfacher sorgfältiger Ausprobmia gelungen, hier eilte unmittelbar ergreifende Farbetcharmonie zu «gestalten. die mit den einifaMen Mitteln, modern-empfindend, die uralte Tra-öttton dieses Gotteshauses wahrt und M schönster Verklärung steigert. Die zahlreichen alten von den Gewölben herabhängenden vielarmigen Messing-leuchter wurden ebenfalls renoviert und tragen nun mit ihren spiegelnden Armen und Knäufen zur feiertäglichen Stimmung des Ganzen bei. Auch «die an die Westseite des Hauptbanes anstvßeiide kleine Raschi-Kapelle erhielt im Innern eine einfache farbige Erneuerung. Würzburg. lB e r e i n i g u n g ehemaliger Scminarschiilcr.) Der Zusammenschliiß der ehemaligen Schüler des Würzburger Seminars, von einer Reihe früherer Mitschüler seit langem geplant nnid angeregt, soll nun zur Tatsache werden. Bon den über 700 Absolventen swahrlich cittc stattliche Zahl!), njcfafyc das Seminar in den sechs * Jahrzehnten seines Bestehens a-usgebtldet hat. dürften nach vorläufiger Zusammenstellung meilir als 500. soweit sic nicht schon den wohlverdienten Ruhestand genießen. in den jüdischen Wetttetuden Deutschlands und der Schweiz wirken. An alle Mitschüler, «deren Adresse festgestellt werden konnte, ist in diesen Tagen ein Aufruf versandt worden mit der Auffordernng. für den wegen Erweiterung der Anstalt notwendig gewordenen Synagogen« eulbau ein Scherflein beizusteuern. damit der erstehende Betsaal als gemeinsame Stiftung der ehemaligen Schüler der Alma matcr als Zeichen dankbarer Erinnerung übergeben werden kann. Ehemalige Würzburger, denen der Aufruf durch die Post nicht zug-egangen ist. werden um Mitteilung ihrer Adresse an Hanvtlchrer H. Straus;. Uffensieirn (Bauern) gebeten. Serfammlmigskalender | « > Liberal« Synagoge Norde«. (Schönhauser Allee 1V2. — Auerbachsches Waisenhaus.) Gottesdienst am Zaum Kippur: Freitag, den 17. Sopteiuber, abends 6^ U«hr. Predigt: -Herr Dir. Plaut. Sonnabend, den 18. September, vormittags 10 Uhr. Predigt und Seelenfeier: Herr Rabbiner Dr. Salomonski. Schlnßpredigt nachmittags 4 Uhr: Herr Rabbiner Dr. Salonionski. Gottesdienst am Snkkaus: Mittwoch, den 22. September, abends 7K Uhr. Donnerstag, den 2N. September. vormittags 10 Mr. Donnerstag, den 2N. September, abends 7X Uhr. Freitag. 24. September, vormittags 10 Uhr: Einsegnung der Konsirmaudiitnen. Freitag, den 24. September, abends 7K Mir. Sonnabend, den 20. September, vormittags 10 Uhr: Einsegnung der Konstruianden. An allen Fciertagsgottcsdicnften Predigten: Herr Rabbiner Dr. Salomanski. Ans der Bewegung 8r««e«. Zu den bevorstehenden hohen Feiertagen hat unsere Bremer Ortsgruppe allen Mitgliedern der Gemeiude das folgende Rundschreiben gesandt, daa-lüberaus wirkungsvoll und vorbildlich bezeichnet werden muß: „Unsere Bemühungen, den Gottesdienst an den hohen Feiertagen so zu wandeln, daß er der großen Anzahl fortschrittlich gesinnter Geineindemttglieber unserer Gemeinde wahre religiöse Erbauung bereitet, waren nur teilweise erfolgreich. Um in dem gemeinsamen Gottesdienst in der Union den Forderungen von orthodoxer Seite gerecht zu werden, mußten unsererseits Konzessionen gemacht wevden. mehr als es nnS wünschenswert erschien. Erreichen konnten wir eine Mkürizung der Dauer deö Gottesdienstes, die Einfügung einer Anzahl deutscher Gebete, eine bessere gelang, liche Ausgestaltung des Gottesdienstes und den Beginn des Morgengottesdtenstes an allen Festtagen um 8 Uhr. Ohne Einsluß blieben wir leider auf die Auswahl der engggterten Hilfskräfte. Abgelvhnt wurde die Einrichtung eines gemischten oder Frauenchors und ähnliche Forderungen, di« von konservativer Seite als in religiöser Beziehung nicht tragbar bezeichnet wurden. Es besteht für das nächste Fahr die begründete Aussicht, daß innerhalb unserer Einheitsgemeinde neben dem konservativen Gottesdienst in der Synagoge ein durchaus liberaler Gottesdienst abgeihalten werden kann. "Ausgabe unserer Mitglioder und Freunde ist es. diesem Wunsch zur Verwirklichung zu verhelfen. Schon setzt richten wir an alle Freunde eines blühenden Gemeindelobeus in Bremen die dringende Bitte: Tragt in «jeder Beziehung dazu bei. daß der Gottesdienst an den «kommenden hohen Feiertagen einen würdigen und erbaulichen Verlaus nimmt!" Konfirmation II. Bon Rabbiner D r. A. Kahl borg. Für die Einbürgerung der Mädchenetitsegnung ist naturgemäß die Ausgestaltung der Feier von größter Wichtigkeit. Wann die Feier stattzufinden hat. ist nicht von solch großer Bedeutung, wie es den Anschein hat. und wie es vielfach Meinungsverschiedenheiten hervvrgerufeu hat. Gewöhnlich veranstaltet man die Feier an einem der beiden Tage des Wochenfestes. Daß dieses besonders geeignet ist, bedarf ja weiter keiner Begründung. Es ist der Tag der sittlichen Weltschöpfung, der der Grundlage des Judentums. der Thora, gewidmet ist. Es ist das altjüdische zweite Erntefest, „der Tag der Erstlinge", wo sich der Brauch erhalten hat. das Gotteshaus festlich zu schmücken Aber wenn alljährlich diese Feier stattfindet. so ist es nicht unangebracht, auch einmal an einem anderen Tage die jungen Mädchen, wie die versammelte Gemeinde auf Grundgedanken und Religion besonders aufmerksam zn machen. Eine Konfirmattonsfeier am Pessachfeste ist mindestens so eindrucksvoll wie am Wochenfeste. Wenn man einmal auf dem Standpunkt steht, daß cs nicht ein bestimmtes Fest zu sein braucht, so kan» man natürlich auch an irgendeinem Sabbat die Feier ansetzen. Zn unserer Gemeinde hat außer an den beiden genannten Festtagen auch einmal am Sabbat K'dvischiin eine Mädchen'konfirination stattgefunden. Das hat das eine für sich, daß an solchen Sabbaten die Synagoge besonders stark besucht wird, was an den Festtagen ja wohl ohnehin der Fall ist. Endlich kommt noch in Frage, ob man auch an einem Sonntage solche Feier abhalten soll. Es braucht wohl heute nicht mehr daraus hingewiesen zn werden. daß dieser Tag nicht etwa gewähl^ wird, um denen entgegenzukommen. denen die Mädchenkonfirmation immer noch als etwas dem Judentum Fremdes erscheint, denn wer cinmal dagegen ist, wird auch nicht dafür gewonnen dadurch, daß man ihm am Wochenfeste Gelegenheit gibt, die Schönheit einer solchen Feier kenneiizwlernen. Meines Erachtens läßt sich gegen den Sonntag gar nichts einivenden. Me ich schon einmal auSgckführt habe, fand in der gefetzeStreuen Religionsschule 1 in Breslau alljährlich eine „SchulentlassungSfeier" in der „Storch"-Synagogc statt, das war stets an einem Sonntag. Mit der Einführung eines Sonntags-Gottesdienstes «Hai dies durchaus nichts zu tun: gerade wer wie ich ein Gegner davon ist. sollte jede sich bietende Gelegenheit benutzen, um die Sonntage zu einer religiösen Andacht anszugestalten. Es gibt doch wohl kaum noch einen liberalen Rabbiner, der nicht am zweiten Tage irgendeines Festes predigte, wenn dieser aus einen Sonntag oder einen anderen christlichen Festtag fällt. Es 'st einmal eine, wenn auch bedauernswerte Tatsache. «daß das Berufsleben den Besuch des Gotteshauses am Sabbat vielen unmöglich macht, und die, die noch kommen, wollen auch nicht, daß der Gottesdienst allzulange ausgedehnt wird: denn sie haben nicht den ganzen Sabbat frei, sondern sich nur auf einige Stunden für den Gottesdienst freigemacht Wenn eine Barmizwah ist. die ja stets am Sabbat stattfindet. so liegt der Fall anders, denn da ist es nur das Wenige, was der Knabe.sagt, und die eine Ansprache «deS Rabbiner. Me den Gottesknenst nicht mehr verlängern, als es auch eine Predigt täte. Die o*et<E einer Mckdchenelnfegnung erfordert bedeutend m«ehr Zeit, Darum gibt eS manche, die, wenn nicht gerade ihre Kinder beteiligt find, ziemlich ungern die Berlängerung der Feier Damit wären wir allerdings schon bei der Ausgestaltung der Feier. Daß sie keiner öffentlichen Schaustelluna gleichen darf, braucht heutzutage nicht mehr betont zu werden. Seitdem wohl überall die sogenannte öffcutliche Prüfung, die im Gotteshause nichts zu suchen hat. abgeschafst ist. wird der Borivurf auch wM kaum noch erhoben Auch ist es selbst^ verständlich, daß bei allem, was die Kinder sprechen, sie mit dem Rücken zur Gemeinde, vor dem Rabbiner stehen. Was aber sollen die Mädchen an diesem Tage sprechen? Soll man sie auf ein bestimmtes Glaubensbelennlnis festlegen? Sollen sie ein Gelübde ablegen'? Zst es recht, wenn man Kindern in dem immerhin noch jugendlichen Alter Berpflichtungen auferlegt? Zst es jüdisch, wenn wir jemanden verpflichten, nicht etwa Bestimmtes ,m „tun", sondern! etwas zu „glauben", also zu „denken"? Haben wir in unserer Religion überhaupt (»laubcnssätze und welche? Die 13 Artikel des Maimonides. oder sind es nur sieben oder nirr drei? Welche sind all-emein als jüdisch anerkannt? Zst es möglich, einen Rormaltext auszilarbeit-.'n? All das sind Fragen, über die im Zudentum durchaus noch keine Ueberelnstimwung herrscht. Rur über eines ist sich tcöcr Jude klar: das Sch'mah. maa cs ein Glaubensbekenntnis im strengen Sinne des Wortes sein oder nicht, eignet sich vortrefflich dazu, all diesen Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen. Wenn wir den Satz hebräisch und deutsch gemeinsam aufsagen lassen, so kann und soll das den Mtttelpnnkt der Feier bilden. Das wird hauptsächlich da der Fall sein, wo die Zahl der Kinder eine sehr große ist. wo also nicht jede allein etivas sprechen kann. Zn inittleren l^emeiiiden aber kann außerdem sebr viel zur schönen?lusgestaltung der Feier gesprochen werden Ein Mädchen kann ein Gebet zu?lnsang. ein anderes eines zum Schluß sprechen. Wieder andere können Teile des Ziihaltes unserer Glaubend- und Pflichtlehre aufsagen, und zwar natürlich nur, wie sie es sich selbst ausgearbeitct haben. Das zeigt dein Lehrer zugleich, .welche Wirkung die NnterrichtSstnnöe auf sie gehabt hat. zumal wenn man diese Gebete und Znbaltsaugaben von allen Kindern ansarbeiten, aber natürlich nur von einigen anssagen läßt. Außerdem haben wir ^ie vielen Psalmen oder Bibelve.rse (die zehn r^eüote oder Stücke aus Leviticus 19), die so recht geeignet sind, in feierlichen Mo, menten aus den iungen Seelen oor versammelter Gemeinde zu Gott emporzudringen. Es ist wegen dieser Ausgestaltung der Feier, das sei an dieser Stelle nochinalö hervorgehoben. durchaus angebracht, wenn sie an einem Sabbat oder Sonntag stattfindet, wo sie weniger Anhang des Gottesdienstes bildet, sondern selbst das Wesentliche des GottesMenstes ist. Daß Chorgesang der Feier einen würq digen Rahmen verleiht, ist wohl selbstverständlich. Ich glaube fest, daß eine schöne Ausgestaltung der Feier der Institution selbst immer mehr Freunde zuführen wird, und daß Me Sitte sich -genan so cinbürgert wie die Feier Barmizwah. Religiöse LebensforMe». Zudentum «ud Protestantismus. Von Hans M a r g o l i u s. ,,Una est relißio in varietatc rituum.** Cusanus. Der Typus eines religiösen Lebens ist von verschiedenen Momenten bestimmt: durchaus nicht eindeutig und allein von dem Grnudcharakter der religiösen Lehre, von der spezifischen Haltung ihre ö Glaubens und Wollens. sondern nicht minder zugleich von der Eigenart jhreS menschlichen Trägers, vom Charakter seiner Geschichte, seines Landes, seiner sozialen Stellung im Leben. Es ist gewiß nicht Zufall, auf welchem Boden ein bestimmter Glaube Wurzel schlägt und sich lebendig hält. Aber es ist doch auch ohne Zweifel, daß jene eigentümliche Verbindung von relin Grion. Und wenn ich heraustrete aus meinen Mauern Und dcn herrlichen Orion sehe, ' Dann fühle ich mich tief erschauern, Daß ich im Unendlichen fast vergehe. Und zieht der Sterne Wmrdcrreigen So friedlich über der Menschheit Zwist - Dann möchte ich rufen durch das nächtliche Schwciaen: Gott ist! Gott ist! M a x R o f e n fe l d. Ansprache am zweiien Neujahrs-Abend. lin der Liberalen Synogoge Rorden) von Rabbiner Dr. M. Salomoniki Wc^itc Totenfelder. die Großstadt der <tzrä>bcr. viele prüch tige Stcinc, kalte prnnkvvllc Denkmäser, nur unbela«nnte — Kanu man verstehen, daß der Fremde an Meier anenh,rst!gseit des Todes ungerührt vorbeigeht? Eine froh wandern.de Schar findet im Walde ein einsam nnbelanntes lürab. Die Bäume umraitschen es. die Vögel mnzwitschcrir es. die Falter uimckiweben es. die abendliche ^rniu’ umstrahlt es. Sic schimmert mit rötlichem Schein durch die Gipfel, sie grüßt cs un«d küßt es. .Wer kann ohne Ergriffenheit an diesem Grabe stohen??lnch im gelobten Lande gab es solch ein Grab. Zn erhabener Verlassenheit ruhte es am Straßenrand, thronte es am Wege. Da bildete sich im Vottsmundt die Sage: Das kann nur das Grab einer Mutter sein, das muß das Grab der Mutter Israels sein. Und immer, wenn die Söhne unteres Volkes in frohen und trüben Tagen dort rwrbei- "igen. bzun blieben sie andachtsvoll stehen. Und die schweigende Stille klang ihnen wie Weinen aus der Tiefe, sie beugten sich nieder u«n>d riefen zärtlich: „Schowu wonim, 'choivu wonim,.Die Kinder kommen, die Kinder >r» mett!"?i'tch unsere vielen vergangenen Zabre. die nun verein- «amt liegen, kaum bedacht von unserer Erinnerung, gleichen ■'nti verlassenen Grab. Und wenn wir heute, am zweiten Abend un'seres ReusahrssesteS. an ihnen Vorbeigehen, dann -"reu vielleicht umsere animerksameren Obren ein leifeö Weinen, und wir ahnen, daß die Jahre gut z» uns gewesen sind wie eine Mutter. Da sollen wir uns zu ihnen her»bbengen und wie unsere Ahnen rufen, trösten und versprechen: „Schowu wonim. schown wonim, .... Die Kinder kommen, die Kinder kommen!" Zur entschwundenen Zeit kehren wir heute zurück. Wer weiß, ob nicht zum letzten Male? Das m«acht diese Stunde so feierlich, und darum können wir nicht kalt umd ungerührt vorbeifchreiten. Za. wir ha,ben Pflichten gegen die Vergangenheit. Wir nähern uns ihrem ver^effencn Hügel, der soviel Liebe birgt, als Kimder Israels und geloben Pietät. Wir treten heran an die beilige Stätte als echte Kinder, entschlossen zur Unschuld und Reinibeit: und wir stellen auch unsere Nachkommen in den Dienst dessen, was uns heilig ist. Wir rufen dem jüdischen Ideal entgegen, das für niele in der Verborgenheit ruhte, aber nicht tot ist. wenn auch tief begraben, was Zeremia der weinenden Stammutter Rahel zum Tröste sprach: „Hemme deine Stimme vom Weinen un-d deine Augen von den Tränen, denn es gibt einen Lohn für dein Tun!" „Schoirm wonim. schmmt wonim! ..... Die > Kinder kommen, die Kinder kommen!" Ist das Schach ein jüdisches Spiel? Von Sonitätsrat Dr. Schcrbel iLisia i. P.). Auf obige Frage könnte man vielleicht mit^der Gegenfrage antworten: Was hat das Schachspiel an sich mit den Juden zu tun? Ich möchte darauf erwidern: Das Schach-- spiel ist zweifellos dem jüdischen Geiste verwandt, hat immer eine AnziehlirngSkraft aus ihn auK-geübt und hat in der jüdischen Geschichte und Literatur keine zu unterschätzeiide Rolle gespielt. Zn letzterer Hinsicht braucht man nur auf die eine Tatsache zn verweisen, daß Lesfings erste Bekanntschaft mit Mendelssohn sich bei einer Schachvartie geknüpst hat. und die berühmte Schachpartie in Lesfings „Nathan der Weise", der ja das Urbild Mendelssohns ist, bringt das in Erinnerung. Bedeutsam ist es schon, daß das Schachipiel orientalischen Ursprung ist. Es entstand in Indien und kam von dort nach Persien. Hier erhielt eS seinen Namen »Schach", der eigentlich „König" bedeutet. Von Persien kam es nach Arabien und Palästina und die Araber und Juden brachten eS um das Jahr 1000 nach Europa, insbesondere nach Spanien, wo die Araber damals die Herrschaft hatten und die zahlreichen Juden «ine einflußreiche Stellung einnahmen. Die Araber und Juden waren eS auch. Me das Schachspiel bis zum Ende deS 18. Jahrhunderts zu derjenigen vollendeten Form gestaltet haben. die heute die allein gültige ist. und besonders waren es jüdische Aerzte und Gelehrte, die dabei mitgewirkt haben. Mit der Vertreibung der Araber aus Spanien und deZ! beginnenden Verfolgung der Juden, die schließlich zu ihrc« Austreibung im Jahre 1102 führte, war auch die BlütczeY des Schachspiels im Mittelalter vorüber. Doch die Juden nwren eö, die es nach Holland, Deutschland. England. Amerika und fchlretzlich auch nach Polen und Rußland weitergetragen und zu neuer Blüte gebracht 'haben. So sollen be. sonders jüdische Aerzte aus Ftalien, welche mit der Königin Bona, «der Gemahlin Sigismund I. (1.^06—1548), nach Polen eingowandert waren, das Schachspiel ldorchin verpflanz« haben. Das Schachspiel erlangte dadurch unter den Zuber eine fölche Verbreitung, -daß man es geradezu für eir jüdisches Spiel hielt! — Aber das Schachspiel ist dem Zudentum nicht nur dem Ursprung, sondern auch dem Wesen nach verwandt Es übt den Verstand, schärft den Geist und erzieht zur Schlagfertiakeit und <^ciiteSgcge'iwart. genau so wie die tal mudischen Disputationeir. die seit jeher ein Turnierplat des Scharfsinns, der Denkkirnst. der Logik und Dialektit waren. ES gewöhnt zur folgerichtigen LZerstandesarbeit, iß also auch ein Mittel der Erziehung, genau >o wie die Mathematik. Es lehrt, daß jeder Zug auf dem Schachbrett — wir auch im Leben — mit ruhiaer Neberlegung gemacht werde» mutz. Das Wort des Sirach :„Was du tust, bedenke dar Ende!" gilt für's SchaMpiel, wie für's Leben. Dr. Emanuel Laster, der Weltschachmeister, sagtc einmal: „Das Schachspiel hat der Men«schheit nnendlichr Dienste geleistet. Es hat ihr gezeigt, wie weit der mensch« tische Verstand sich den Aufgaben und Problemen des Lebens, vor die er gestellt wird, schnell anzupasien vermag. Nicht ein langsam arbeitendes, wenn auch vollkommenes Gehirn ist es, welches die Menschheit anstrebt, sondern ein rasches, tatkräftiges, unternehmendes, und das trotzalledcm sich nur selten irrt. Das Schachspiel lehrt den Geist, sich zu sammeln und zu konzentrieren, alles zu vermeiden, was ihn abzulenken vermag von der Ausgabe, vor die ihn der Augenblick stellt. Unter de» Juden gehört das Wort .waschet", das etwa „einfach" bedeutet nicht gerade zu den Ehrenbezeugungen, aber je einfacher ein Schachspieler ist, d. ü. je einfacher sein Spiel ist. um so eher hat er Aussicht aus den Gewinn." Und diese Haupteigenschaften. die bas Schachspiel erfordert, fanden sich bei allen jüdischen Schachgrößen, deren die Judenheit nicht wenige aufzuweisen hat. Jüdische Weltmeister de- Schachspiels waren vor Lasker: Wilhelm Steinitz und Hugo Zuckerjort, und ihnen nahe kamen Schachmatadore

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