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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-09-17 · 38 (17.9.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
38 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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6. Jahrgang Nummer 38! Beilage 17. September 1926 Aus den Gemeinden Berlin. (Die Ablehnung von Richtern.) Der antisemitische Schriftsteller Voigtländer hatte, als gegen ihn vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Beleidigung des Landgerichtsrats Nosenthal verhandelt werden sollte, den lüdischen Vorsitzenden und den jüdischen Beisitzer, wie überhaupt sämtliche Richter mosaischen Mauibens weaen Besorgnis der Befangenheit abgclehnt. Dieser Antrag wurde damals von der Befchlußkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Marschner für begündet erklärt. Der Beichluß war insofern sehr bemerkenswert, als er in zweifacher Beziehnng^der Praxis der höchsten Gerichte widersö^ch' die keine allgemeine Ablehnung, sondern nur eine wiche bestimmter namhaft gemachter Personen kennen. In ständiger Judikatur standen bisher alle Oberlandesgerichte, das Reichsgericht und insbesondere das Oberlandesgericht München auf dem Standpunkt, daß eine Ablehnung nach konfessionellen oder politischen Gesichtspunkten unzulässig erscheint, wenn nicht im Einzel falle besonderer Anlaß dazu gegeben worden ist. So ist z. B. immer die Ablehnung sogenannter „hakatistitcher" Richter für unbegründet erklärt worden. Dieser Vorgang gab nun Rechtsanwalt Abraham Veranlassung, als eine Verhandlung gegen eine jüdische Angeklagte unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Marschner vor dem Landgericht I sta Minden sollte, den Bortitzenden mit solaeuder Begründung abzulehnen: Rach unwidersprochen gebliebenen Zeitungsnachrichten hat der Vorsitzende bei einem Beschlüsse mitaewirkt. durch den die 1lehnung jüdischer Richter durch einen antisemitischen Angeklagten für begründet erklärt worden ist. Diese Begründung steht so völlig im Widerspruch zu der ständigen Praxis der höchsten d""tsch''tt Gerichte, das? ans dieser Tatsache von jüdischen Angeklagten die Besorgnis der Befangenheit hergeleitet werden muß. Die Entscheidung über diesen Ablchumvgsantrag wird wahrscheinlich durch eine vom Präsidenten besonders zusammcirgestellte Kammer gefällt werden. Berlin. (75. Geburtstag.) Am 1. Suckoth-Tage vege>ht Herr Max Grabrwfki. Wilmersdorf. Babelsberger Straße 1, ein früherer langjähriger Kassenbeamter der Berliner Gemeinde, in voller Irische seinen 7-"». Geburtstag. Bingen. (T vd esIa l l.) Ferdinand Seligm ann hat uns am 1. September für immer verlassen. Ein edler Menschenfreund vornehmster, lauterster Gesinnung. Weit und breit über seine Heimat hinaus hochgeachtet und geehrt. Ein tressln. r deutscher Mann mit seltenen Gaben dos Geistes und Herzens ausgestattet. Zahlreichen uneigennütziger Ire und. Berater und tatensroher Helfer. Unteraußerordentlich großer Beteiligung und Anteilnahme der ganzen Stadt geleitete man ihn unter den Klängen der Ieuerwehrkapclle .zur letzten Ruhestätte. Rabbiner Tr. Maybaum zeichnete das Lebensbild des Dahingcgangenen. Dr. Neumann-M-atnz feierte ihn als vorbildliches Logenmitglied. der allzeit für Wahrheit, Eintracht und Brüderlichkeit eintrat und eine Zierde der Rhennsloge gewesen sei. Die Handelskannner ließ am Grabe ihres langjährigen geistvollen Mitgliedes einen prachtvollen Kranz niederlegen und letzten' Dank für «eine fruchtbringende Arbeit ausMre'chen. Die Feuerwehr. dessen Mitglied Ferdinand Seligmann 56 Jahre gewesen, ehrte ihn-m «orpor«. ihr-Kommandant, Branddirektor Landvogt, feierte ihn als den. stets hilfsbereiten deutschen Mann, dem die Wehr ein immerwährendes treues Andenken bewahren wird. Bankdirektor Gustav Gümbel widmete ihm für die zahlreichen Freunde tief empfundene Worte des Dankes und der unauslöschlichen Verehrung. Ebenso Herr Ärantkremer für die Angestellten. Herr Rixius für den Kiegerverein nsw. In voller geistiger Frische konnte er unter großen Ehrungen vor zwei Monaten noch seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Viele Jahre hindurch war Ferdinand Seligmann im Vorstand zahlreicher Wohltätigkeitsvereine, des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, des Centralvereins und der Ifr. Religionsgemeiwde Bingen. Ihm zusammen mit seinen Freunden Dr. Grünfeld und Kommerzienrat Julius Landau verdankt in der Hauptsache die schöne neue Synagoge ihre Entstehung. — In aller Erinnerung sind die zahlreichen Lieder, die er insbesondere zur Karnevalszeit, aber auch zu vielen ernsten Anlässen verfaßte. Als Natur- und Land- 'schaftsfreund hörte er nie auf. die Schönheit Bingens zu preisen. Bremen. (D as S n n ag o g e n j n b i l ä u m.) Tex Kampf um die Synagoge ist Jahrhunderte mit einer üerärtigen Erbitterung geführt worden, daß es nicht verwunderlich ist. wenn unnmehr, da die Freiheit religiöser Betätigung gewährleistet ist, Synagogen-Jnbiläeu mit besonderer Freude gefeiert werden. Um so unverständlicher ist es und um so mehr gerügt muß es werden, wenn trotz größter und anerkennenswerter Bemühungen der Gemeindekörverschaften eine derartige Jubelfeier in einer Gemeinde wie Bremen nur völlig unzureichender Anteilnahme von seiten der Ge- 'meindemitglieder begegnet. Das gilt besonders für den Fostgottesdienst, der aus Anlaß des Smragogen-Iubiläums am 3. d. M.. einem Freitagabend, in der Jubilarin selbst stattfand. Den Mittelpunkt dieses Festaottesdienstes bildete eine Festvredigt des Gemeinde-Rabbiners Dr. Aber, der darauf hinwies, daß die Svnagoae eine würdige Repräsentantin der Gemeinde sein müsse, deren religiöses Schicksal sich in dieser vollziehe und daß sie nicht nur der Ort der Versammlung der Gemeinde, sondern auch der Sammlung des Einzelnen bilden soll. Umrahmt war diese Predigt, der ein längerer, in hebräischer und deutscher Sprache vom Rabbiner vorgetragenes 'Gebet folgte, von kantoralen Gesängen der Gemeinde- Kantoren Mehrgut und Seif und des Herrn Birkenfeld vom Stadttheater Bremen. Wir zweifeln nicht daran, daß alle diejenigen, die diesem Festgottesdienst beiwohnten, einen Tag wahrer Erbauung und tiefster Andacht erlebt haben. Sonnabend, der 4, d. M., war zum Spenbentag zugunsten des Snnagoaen-Baufonds bezeichnet worden. Am 5. d. M. fand im Lichtspielhaus zu Bremen, im Rahmen dieser Veranstaltungen, eine öffentliche Kundgebung des jüdischen Wohlfahrtsamtes statt, die leider ebenfalls von unseren Glaubensgenossen beschämend schlecht besucht war. während eine Anzahl Nichtjuden bemüht waren, sich dort über die jüdische Wohlfahrtspflege und ihre Ausgaben. die in einer Ansprache des Herrn Kurt Zacharias geschildert wurde, zu informieren. Der vorgeführte Wöhlfghrtsfilm „Ein Freitagabend" wurde im allgemeinen beifällig ausgenommen. , a „ . „ . Am Abend des glerchen Tages fand vor geladenen Gasten anläßlich des oOsälhrigen Synagogen-Iubiläums eine Festsitzung des Vorstandes und Gemeinderates statt, die einen über Erwarten starken Besuch zu verzeichnen hatte, so daß der erste Teil dieser Festsitzung entgegen ursprünglicher Absicht im Hotel „Nordischer Hof" ab geh alten werden mußte. Im Aufträge der Veranstalter begrüßte unser Mitglied, der Gemeinderat Dr. Abraham, die Festgüste, denen er nicht nur die Entstehuna der Synagoge, sondern auch die Tätigkeit derjenigen, die in ihr gewirkt, vor Augen führte. Unsere Freunde wird aus dieser Rede besonders interessieren, daß auch in der Bremer Synagoge dereinst Harmoniumsklänge erklungen und Mädchen-Einsegnungen vor,genommen worden sind, ohne daß. wie der Redner ausführtc. „deshalb die Heiligkeit des Ortes jemals angezweifelt worden wäre". Unsere Freunde in Bremen werden keine Mühe scheuen, um den Rückschritt, der nach unserer Anschauung in dieser Beziehung eingetreten ist. wieder auszugleichcn. Nach dieser Begrüßungsansprache schilderte der 1. Vorsteher unserer Gemeinde. Herr Mar Markreich. die wechselvolle und wenig erbauliche Geschichte der Juden in Bremen. Dem Redner. der seine Ausführungen ans ein Material stützte, das zu seiner Sammlung fleißigste Arbeit erforderte, kann an dieser Stelle nur volle Anerkennung ausgesprochen werden. Das Referat wird in einem Sonderdruck erscheinen. Eine beachtenswerte Ergänzung fanden diese Ausführungen durch die Uebcrreichung „Historischer Daten zur Geschichte der israelitischen Gemeinde Bremen in den Jahren 1803 bis 1926", die eben falls non Herrn Mark- Haben Sie schon Ihre Spende für das liberale Judentum anläßlich der hohen Feiertage durch Zahlkarte übersandt? Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum e. B - Berlin NW 7, Nr. 137069. ieiri) aus Anlaß des Synaaogen-Inbiläums zusammengestellt worden sind. Wir freuen uns. unter dem Jahre 1026 in dieser Zusammenstellung auch die Gründung einer Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum in Bremen verzeichnet zu sehen. Gesänge zum Preise Gottes, die von Herrn Oberkantor Mehrgut noractragen w'nrden, umrahmten die Festreden. Während des anschließenden Festessens in Levys Hotel wurden in einergroßem Anzahl von Ansprachen der Iubelgemeiilde Glüclnrid Segenswünsche übermittelt. Nach kurzen Ausführungen des Gciueinderabkillcrs Dr. Aber, der betonte, wie notwendig non innerstem indischen Wollen getragene Arbeit und Zusammenarbeit aller Teile der Gemeinde ist und in diest'm Zusammenhänge auch warmherzige Worte für die Tätigkeit der jüdischen Creinni’Hiiioneu in unserer Heimatstadt fand, beglück-rvunschten Vertreter der jüdischen Gemeinde in, Hamburg. Hannover. Oldenburg-Stadt und -Land und Vegesack die Bremer Gemeinde zu ihrer Jubelfeier, Ihnen schlossen sich als Vertreter der Kaiser-Friedrich- Loge, U. O. B. B.. unser Gesinnungsfreund. Herr Apotheker Tichaner. als Vertreter des Central-Bereins. mrscr Mitglied. Herr Tr. Woyda. Vertreter der zionistischen Vereinigung, der Agudas Iisroel. des Talmud-Thora-VereinS nsw. an. Für die Bremer Ortsgruppe nnlerer Uiie nleit Vereinigung äußerte Herr Apt den Wunsch, daß recht bald an Srelle der bisherigen, eine größere Synagoge in Bremen gebaut werden könnte. Wenn dann in weiteren 50 Jahren aus der Jubelfeier rückblickend, die Geschichte der Bremer Gemeinde geschildert werde, müsse gesagt werden können, das; diese neue Synagoge nicht nur den Versammlungspunkt, der Gemeinde gebildet habe, sondern auch ein wahrer Orr der Sammlung und' der Andacht für jedes einzelne Mitglied der Gemeinde geworden sei. Nachdem wiederholt zu Ehren der Bremer Gemeinde und ihrer Vorsteher das Glas erhoben worden war. wurde eines anwesenden Mitbegründers der Bremer Snnagoge, des Herrn Emil Koopmann. ehrend gedacht. Eine Sammlung zugunsten des jüdischen Wohlfahrtsamtes und das gemeinsam gesprochene Tischgebet beendete diese würdige Veranstaltung, die hoffentlich auch insofern einen nachhaltigen Eindruck Hervorrufen wird, als nunmehr das Interesse in unserer Gemeinde für ihre Aufgaben und Ziele sich heben und bald die Möglichkeit dazu geben wird, mit tatkrüstiger Unterstützung unserer liberalen Gesinnungsgenossen, die bisher leider vielfach noch nicht in genügendem Maße den Mut gezeigt haben, sich mit voller Kraft überall für ihre Ileberzcugung einzusetzen und anstatt nutzloser .Kritiken auch Opfer zu bringen und Arbeit zu leisten, eine neue, schönere und würdigere Synagoge in unserer Heimatgemeinde entstehen wird. Anläßlich des Snnagogen-Inbilänms haben Vertreter bremischer Behörden und Wohlfahrtseinrichtuugen persönlich bei Vorstehern und Rabbiner unserer Gemeinde vorgesprochen. Die Senats-Kommission für die kirchlichen Angelegenheiten in Bremen hatte schriftlich ihre Glückwünsche übermittelt. Weitere Glückwunsch-Telegramme und -Briefe g-ingen der Gemeinde von den Smiagogen-Gemeinden Bremerhaven. Osterholz-Scharmbeck. Emden und Lübeck sowie von dem Landesrabbiner Dr. Jos. Earlebach und zahlreichen Einzelpersonen zu. Aus dem gleichen Anlaß fanden auch Spenden statt, von denen besonders eine erwähnt sei, durch welche prachtvolle Fenster dem Treppenaufgang zur Synagoge eingefügt wurden. Die Bremer Presse hat in ausführlichen Darstellungen die Bedeutung des Iubeltages für unsere Bremer Glaubensgenossen geschildert. Dresden. (Konfessionelle A n f k l ä r u n g.) Einem der letzten Freitag-Abendgottesdienste wohnten unter Führung Pastor Mensings zahlreiche Mitglieder volkskirchlicher Verbände bei. Anschließend gab Rabbiner Prof. Dr. Winter bllgemeinverständlich gehaltene Erläuterungen über die Bedeutung der Thora. Das große Interesse, mit dem die Teilnehmer den Ausführungen folgten, läßt darauf schließen, daß die von Pastor Menfing feit langem innerhalb der volkskirchlichen Verbände geleistete Aufklärungsarbeit in immer weiteren Kreisen den Wunsch nach religiöser Duldsamkeit lebendig werden lassen wird. Frankfurt a. M. (SubventionI Ans dem Dr.--Max- Sichel-Fonds ist für eine wissenschaftliche Arbeit aus dem Gebiete der Statistik und Demographie der Juden eine Subvention von 160 R!M. zu vergeben. Nähere Auskunft erteilt Prof. Dr. Hanauer. Frankfurt a. M.. Im Trutz 27. Mackenheim. (Dy nag ogen ei uw,e ih un g.) Die Eiwweihuua unserer neu restaurierten Synagoge gestaltete sich zu einer schönen Kundgeibuna des israelitischen Glaubenslebens. Bor einem, auserwählten Auditorium, Notabilitäten aus Stadt und Land, hielt Herr Rabbiner Dr. Ulhry aus Schlettstadt die eindrucksvolle Feftprodigt rm reichgezierten Gotteshaus. Bekanntlich gehören die Israeliten von Mackenheim (Kanton Markolsheim) zum Rabüinat Schlettstadt. Ein israelitischer Friedhof bestecht hier feit mehreren hundert Jahren. Rheydt. (S n n a g o g e n j ub i l ä « m.) Die israelitische Gemeinde in Rheydt konnte vor kurzem auf das 50jährige Bestehen ihrer Synagoge zurückblicken. Aus diesem Anlaß umrde Las Gotteshaus durch umfang reime Instandsetzungsarbeiten unter Lettuna der B. D. A. Architekten Neuhaus und Stief-M.-Gladbach zu einem Tempel von seltener Schönheit unvgestaltet. Mittwoch, den 8. September, am Vorabend des israel. Neujahrsfestes, konnte die Synagoge aufs neue geweiht werden. Die Gemeindemitglieder waren fast vollzählig erschienen, die benachbarten Synagogengemeinden durch Abordnungen vertreten. Herr Oberbürgermeister Dr. Gramer nahm als Vertreter der Stadt, für die Schnkperwaltnng Herr Kreis- und Stadtschulrat Dr. Schiefferens am Gottesdienste teil. Die evaug. Kirchengemcinde hatte Herrn Pastor Arrinig entsandt. Die Geistlichkeit der tath. Kirche hatte ihre Auteiluahmc durch herzlichste Glückwünsche bekundet und dem Bedauern Ausdruck aegsben, durch Verhinderung des Herrn Pfarrers Rademacher und Krankheit des Herrn Pfarrers Meuter nicht persönlich anwesend zu sein. Auch die Presse von Rheydt und Rk.-Gladbach war der Einladung gefolgt. Als Gäste waren ferner die Vertreter der Firmen zugegen, die mit melcm Kunstsinn die Synagoge so ausstatteten, daß sie zu den schönsten Gotteshäusern gezählt werden darf. Nach einleitendem Präludium jprach Herr Prediger Hcymann das Weihegebet nnd entzündete, einem alten Brauche folgend, das ewige Licht. Unter Leitung des Dirigenten Kleuser sang der Synagogeuchor das Eiugangslied „Mah tauwu". In Andacht erhob sich die Festversammlung, als während dieser herrlichen traditionellen Melodie die Gesetzesrollen wieder in das l^ottsshans getragen und unter Gesang von Kantor und Ehor in die würdig ausgcftattete Bnndeslade eingehoben rvnrden. Das klangvolle Largo von Händel war eine feierliche Einstimmung zur Jestpredigt. Herr Prediger Heu mann wies mit zu Herzen gehenden Worten am die hohe Bedeutung deS Ehrentages der Synagogengemcimde hin. Dank zollte er dem Höchsten, mit Pietät gedachte er der ^Verstorbenen, die einst das Gotteshans errichten ließen, und er bekundete seine Freude, daß der greise Ehrenvorsitzende der Gemeinde, Herr Moses Stern, und der frühere Lehrer» Herr Moses, am Gottesdienste teilnahmcn. Seiner Predigt lag das Proviheteuwort „Die Menschen sind der Tempel Gottes" zugrunde. Unter Hinweis auf den Spruch am Eingang des Gotteshanses betonte er, daß die 'Synagoge eine Andachtsstätte für jeden fei ohne Unterschied seiner religiösen Ansch'annng, denn nicht auf Sprache und » 'Form des Gebetes, sondern ans die innere Ergriffenheit 'kommt es an. Tie Predigt schlost mit einem Gebet für das Vaterland, für die Behörde. Bürgerschaft und Glaubens- -gemeili'de nnd Erteilung des Segens. Durch ^in von Harmonimmviel begleitetes igcigenwlo ivurde die Feier beendet. Die „Westdeutsche Landeszeitnng" schreibt zu dieser Feier: „Die Rhendter Bürgerschaft har stets ihren Ttolz darin gesetzt. Duldsamkeit zu üben nndZede religiöse Ueberzcu- 'gnttg;\n achten und zu ehren. Das Verhältnis zwischen der jüdischen und christlichen Gemeinden irr unserer Stadt 'ist denn auch immer das beste gewesen. Daaik dem auf allen Seiten sich geltend machendem Streben, das Gemeinsame. Einigende in den Vordergrund zu stellen und Trennendes mach Möglichkeit zu überbrücken. Daß dieses auch in Zukunft der Fall sein möge, ist unser Wunsch. Er wird sich erfüllen, wenn der Geist der Versöhnung, der Duldsamkeit und der Achtung vor anderer Ueb'er.reng-jlM-der bet Gelegenheit der gestrigen Feier in der Sunägoge jö. wohltneud in die Erscheinung trat, alle Kreise erfüllt.'Gemeinde und Staat zum Nutzen und Segen." Stuttgart. (Jüdische F r o n t s ol d a i eu.) Ter Württembergiichc Landesverband des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat ein Verzeichnis „Jüdische Frontfobdaten aus Württemberg und Hoh-euzollern" soeben herans-gegebeu. Er will damit den Nachweis erbringen, in wie starkem Maße jüdische Soldaten ihre ganze Kraft für die deutsche Einheit eingesetzt haben. Bon 10 824 rcichsdcutscheu jüdischen Einwohnern Württembergs und Höhen?, oller ns sind 1674 inr Felde gewesen. Davon sind 270 gefallen, 533 verwundet. 581 befördert. 1071 mit Orden bedacht worden, darunter 581 mehrfach. Die Liste ließe sich sicherlich noch bedeutend vermehren. Dem Büchlein ist weite Verbreitung zu wünschen, damit die Lüge von der Drückebergerei der Inden durch nacktes Zahlenmaterial wirksam bekämpft werden kann. Wien. (G r ü n d n n g einer H a u S h a l t u n g s - schule.) Auf Initiative des Obermedi.zinalrais Tr. Krüger ist im Elisabethheim, Malzgasse 7. eine rituelle Koch- und Hanshaltnngsschule eingerichtet worden, die jüdischen jungen Mädchen Gelegenheit gibt, sich in allen Zweigen des Haushalts ausznbilden. Zur Leiterin der Schule ist Frau Direktor Marianne Stern bestellt worden. Wir entnehmen dem Bericht folgende Angaben: „Durch die Kombination mit der Fraueugemcrbeschule. in welcher ein großer Teil der praktischen und theoretischen Gegenstände des behördlichen Lehrplanes für Koch- und Haushaltnngsschule gelehrt wird (Weißnähen. Kleidermachen, Unterrichtssprache, Hygiene und erste Hilfe. Bürgerkunde, Gesang nnd,Turnen) ist die Durchführung der Gründung in pädagogischer Beziehung leichter dnrchzuführen. Zu den vorhergenannten Gegenständen kommen noch folgende Gegenstände des behördlichen Lehrplanes hinzu: Kochen, Haushaltuugskuude, hauswirtschaftliches Rechnen. Nahrungs- und Genußmittellehrc, hanswirtschaftliches Arbeiten, einschließlich Waschen und Bügeln, Garten- und Blnmeupflege. Kinderwartnng und -pflege. Krankenkost und Diätküche. Servierkunde, Einsiedekunst. Besuch der großstädtischen Lebensmittelbetriebc (Molkereien nsw.), Besuche der Märkte und Markthallen. Nahrnngsmitteleinkain' nnd dessen Kalkulation. Gelehrt wird einfache, bürgerliche und feinste Küche. Die Kochschule wird rituell geführt und ist selbstverständlich am Samstaa geschlossen. Den Jnternistinnen stehen sämtliche hygienische und pädagogische Einrichtungen des Elisabethheimes zur Verfügung. Es werden auch in den Abendstunden s-ranzosische und englische Sprachkurse abge-' halten, zum Anschauungsunterricht ist ein Projektionsapparat im Heim selbst vorhanden, ebenso werden populär wissenschaftliche Vorträge teils durch hervorragende Persönlichkeiten abgehalten, teils mittels erstklassigem Lautsprecher durch Radio empfangen. Am Sabbat ist Tempelbesuch, Anhören religiös-sittlicher Vorträge und Besuch der Angehörigen. Der Sonntag wird zu Ausflügen verwendet, zum Besuch von Museen, Volköbildungshäuseru sowie zu bildenden und heiteren Konzert- und Theateraufführungen." Worms. (I n st a n d s e tz ung her S y n a g o g e.) Einer der ältesten Synagogenbauten Europas, die in ihrem z>weischiffigen Hauptteil 1034 errichtete Wormser Synagoge, ist in den letzten Monaten im Innern einer eingehenden Instand« fetznua unterzogen worden. Statt des bisherigen grauen, 'reizlosen Anstriches wurde dem ernsten mittelalterlichen Baudenkmale eine maßvolle farbige Ausstattung zuteil, die unter Verzicht auf jegliche Friese und sonstige Ornamente nur durch reine Farbenflüchen eine weihevolle Strmnmng in i 661646983^48392875 9795887480

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