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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-09-17 · 38 (17.9.1926) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
38 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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00<>00<CKX>^00<>C><X><>C><>0<>CK> DaS Buch öes Professorfoulet: „Pari-, die Hauptstadt der Religionen oder die Sendung Israel-", aus welchem wir kürzlich einen kurzen Ausschnitt in Uebersetzung Wiedergaben, ist vom „Club du Faubourg" (Borstadtklub) in „Anklageznstand" versetzt worden. Dieser „Club du Janbourg" ist eine eigentümliche, echt Pariser Erscheinung Er hat in erster Linie eine literarische Tätigkeit und befaßt sich damit, vielumstrittene Bücher in den „Anklagezustand" zu versetzen. In den Klubabenden, welche öffentlich sind und unter großem Zulauf des gebildeten Publikums abgehalten werden, wird dann gegen das betreffende Buch ein regelrechtes Gerichtsverfahren eröffnet, bei welchem auch der Verfasser anwesend ist und sein Geistcskiud verteidigen mutz. Von diesem Schicksal ist nun auch das Buch Jzvulets getroffen worden. Sein Buch hatte hier ziemlich viele Gegner nicht nur in christlichen, sondern sogar in jüdischen Kreisen. Der von uns bereits erwähnte Publizist Palliare äußert sich hierüber wie folgt: „Nie hat ein Werk mehr verdient, in den Anklagezustand versetzt zu werden und noch dazu von mehreren Leiten zugleich Von den Freidenkern, weil sie mit Zorn sehen, wie eine spiritualistische These verfochten wird, welche verderblich ist für die Grundsätze, die sie im politischen, gesellschaftlichen, familiären und internationalen Leben angewandt sehen wollen: von den Vertretern der Religionen, welche sich niemals gut genug behandelt finden, weil man sie wie die andern behandelt: von den Christen in deren Augen das Evangelium einen so großen Fortschritt gegen den Mosaismus bedeutet, daß dessen Lobpreisung eine Heraussorderuna der geschichtlichen Wirklichkeit zu sein scheint: von den Israeliten, welche finden, daß sie der Verfasser in einer besonders Lästigen Weise hervorhebt und ihnen eine Verantwortlichkeit »ufbürdet. welche sie gar nicht geneigt sind, ans sich zu nehmen. Und ich spreche gar nicht von jenen, für welche die literarische Form die erste Bedingung für den Erfolg irgendeiner These ist. Tenn die besten Gedanken werden schlecht, wenn sie dunkel sind, und die gerechteste Sache wird verdammt, venn man sie mit burlesken Argumenten verteidigen wkll." Der Wink mit dem Laternenpfahl. Die Jüdische Telegraphen-Agentnr verbreitet folgende Nachricht: Die Entscheidung des Polizeipräsidenten in Berlin über die Gültigkeit oder Nichtgültigkeit der am 16. Mai dieses Jahres stattgefundenen Repräsentantenwahlen ist noch nicht gefallen. Wie der JTA.-Bertreter erfährt, ist dies zmn Teil dem Umstand zuzuschreiben, daß eine Reihe der für die Entscheidung zuständigen Beamten sich im Sommer teilweise amf Urlaub befunden haben. Im übrigen soll der Oerr Polizeipräsident von Berlin wegen der Wichtigkeit der Angelegenheit Weisung gegeben haben, eine Ent- > scheidung nicht in seiner Abwesenheit zu fällen. I>a der. Polizeipräsident jetzt von seinem Erholungsurlaub zurück, gekommen ist, so wird angenommen, daß schon in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen wird. Möglich ist aber auch, daß das Polizeipräsidium mit Rücksicht auf die grundsätzliche Bedeutung der ganzen Angelegenheit nicht selbst entscheidet, sondern mit seinem Votum die Akten der Ministerial-Instanz', vielleicht auf dem Wege über das Oberpräsidinm der Provinz Brandenburg, überreicht und die Entscheidung dem Minister überläßt. Es läßt sich heute noch nicht übersehen, welcher Weg vom Polizeipräsidenten für richtig gehalten werden wird. Es handelt sich bei dieser Nachricht offenbar um einen Versuchsballon, bei dem der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Man will die Entscheidung über die Wahlproteste gern aus den Händen der zuständigen Instanz, des Polizeipräsidiums Berlin, in die deS Ministerialdirektors Dr. Badt im Preußischen Innenministerium spielen, der bekanntlich der Jüdischen Volkspartei angehört. Sprechsaäl Würdiger Gottesdienst. Augsburg 13. September 1926. Hochfeldstr. 15/16. An die „Jüdisch-liberale Zeitung". Berlin. Ihren Artikel im Sprechsaal in Nr. 36 Ihres geschätzten Blattes vom 3. September habe ich mit Interesse gelesen, und ich glaube es wird den Herrn Einsender interessieren zn erfahren, daß in der Synagoge in Augsburg die von ihm gerügten Mifstände sämtlich abgestellt worden sind. 1. Das Mitnahmen von Blumen ist nach unserer Synagogenordnnng untersagt, und wenn es auch in dem ersten Jahre nach der EiusÄhrnna der neuen Synago,zenordnnng noch Verhandlungen und Verstimmungen zwischen dem Publikum und den Aussichtsorganen gegeben bat. so wird seit dieser Zeit gar nicht mehr der Versuch gemacht. Blumen in das Gotteshaus zu bringen. 2. Es ist in Augsburg eingesührt. daß an den hohen Feiertagen während der Predigt die Türen für den Eintritt geschlossen sind. Es bat nur das erstemal lehr große Aufregung hervorgerufen. als ^>ie Nachzügler, sowohl in der Herrenals nwb in der Fraucnsnuag"ge. nicht eingelassen wurden. Seitdem es bekannt ist, daß man während der Predigt nicht eingelassen wird, kommen die Sunagogenibesuck-er ganz pünkilich. 3. Der Einsender ist recht bescheiden, wenn er verlangt, daß während der Hauptgebcte Ruhe herrscht. Hier herrscht während deS ganzen Gottesdienstes eine mustergültige Ruhe. un.d es kommt in vielen Monaten nicht vor. daß der aussichtsführende Synagogenoorstand einen Besucher oder eine Besucherin durch Uebersenduug eines Zettels zur Ruhe weisen mutz. Dieser Gebrauch hat im Anfang einen Sturm der Entrüstung ansgelöst, aber nach einiger Zeit haben die Synagogenbosucher und -besucherinnen selbst heransgefunden. wie wohltuend es ist. wenn während des Gottesdienstes nicht gesprochen wird und so kein Synagogenbesucher in seiner Andacht gestört ist. Hochachtungsvoll Albert Dann, Synag vgenvorstand. Zur pChristussrage". Norden hat schon daraus hingewiesen» daß sich in der Würdigung Christi der Präsident des liberalen Weltver» bandes mit dem philosophisch-religiösen Brnnner begegnet. Es ist nicht ohne Reiz, daß sich auf diesem Wege noch zwei andere Extreme treffen: der zionistische Martin Buver und der deutsch eingestellte Walther Rathenau. Buber chßbmet dem Thema in seiner Schrift: „Der heilige Weg" zehn Seiten (40—50). Hier nur zwei Sätze: . . Des zentralen Juden mutz ich gedenken, in dem sich der jüdische Verwirklichungswille sammelte und durch den er sich brach..." „. . . Um diesen Gewatltäter deS Geistes recht zu verstehen, muß man das Urerlebnis des Juden in ihm aufsuchen, das Urerlebnis. aus dem die Tendenz der Verwirklichung ewig neu erwächst." Freilich ist sich Buber gerade über die Aenderung klar, die urjüdisches Gut durch Paulus erfahren hat. — Und Rathenau schrieb schon in der „Streitschrift vom Glauben": ,^sch stehe auf dem Boden des Evangeliums." Was er damit meint, zeigen seine „Briefe" und andere Schriften an mehreren Stellen: „Mein Herz hängt am deutschen Glauben, d. i. der Glaube von Sinai und Galiläa, nicht Rom und Wittenberg." — „Brunner hat Christus zurückgefordert. , Er mutz ausgenommen werden von denen, die ihn verleugnet haben." — Ich vergleiche die Evangelien mit der alten Lehre nicht nach ihren Einzelaussprüchen, sondern nach ihrem für mich erfaßbaren Geist. Nun scheint mir in der Alten Schrift das Gesetz, die Lehre, das diesseitige Leben und Glück näher im Vordergründe zn stehen als in den Evangelien, in den Evangelien dagegen die Liebe, der Glaube und die Transzendenz des Gottesreichs näher als in der Alten Schrift. Auf diesen Gradunterschied der Betonung und Wesentlichkeit kam es mir an, als ich erwähnte, daß ich auf dem Boden der Evangelien stehe." — Man wird verstehen, daß Rathenau an Brunner hing, wie seine Briefe das zeigen. Einmal wünscht er ihm „schalom alecha". G o t t s ch a l k, Frankfurt a. M. 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