Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-09-08 · 37 (8.9.1926) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
37 (8.9.1926)
Date
1926-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613878--1940-2619358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Meer der Leiten, nie wird es wieder auferstehen. LLer et» neues Jahr beginnt in dieser Stunde, ein Jahr, an de» wir aut machen können, waS wir an dem alten ge, sündigt. Herr, lehr' und unsere Tage zählen! Gib. daß ich nicht am nächsten Neujahrsabend wieder so vor Dir stehe, daß ich nicht meine Zeit, das Leben, bas Du mir geschenkt, nicht, daß ich daS Geschenk verschleudere, sondern, daß ich es fruchtbar mache, vergeude in nutzlosem, leblosem Tun, befangen vom Bann der Lüge, die ich zu schwach und «u feige bin. zu zersteuen. Gib. baß ich im neuen Jahr Deines Friedens, Deiner Wahrheit. Deines LiÄeS und Deiner Liebe teilhaftig werde, daß ich eine Israelitin, eine Gotteskämpferin sei. Du hast verkündet: „Ja. meine Liebe ist rege für Israel, erbarmen, ja erbarmen will ich mich sein." In Deiner Liebe verwirfst Du keinen. Du stützest und trägst uns alle. An diesem Vertrauen laß mich Kraft schöpfen, denn ich bedarf Deines Erbarmens sehr »Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr laste sein Antlitz leuchten zu dir und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Antlitz tur zu und gebe dir Frieden." Bei diesen Worten fühlte auch ich den Frieden des Herrn, und ein unnennbares. hohes heiliges Gefühl hatte Besitz von mir ergriffen. . . . Sch'ma Jisroel. a-aunoj elauheuu. aöunof echod. Bon so vielen Lippen tönt es, wie eine einzige Stimme klingt es, stolz und freudig, demütig vor dem Höchsten und stolz, nur dem Höchsten untertan zu sein und ihm Vertrauen zu dürfen. Sie alle verehren den einen Gott, den Herren aller Herren. Alle denselben Gott! Wirklich? Geht nicht jeder seinen Götzen nach- Hat nicht so mancher in seinem Denken und Streben die Fahne des reinen Judentums verlassen, um den Götzen nachzugehen, »denen ihr so gern nachbuhlt". Der eine diente dem Reichtum, der zweite brachte dem Ehrgeiz das kostbare Opfer seiner Ehre dar. der dritte strebte nach Auszeichnung und ging des schönsten, des Namen „Jude" verlustig. Und kann nicht selbst das Streben nach Erkenntnis zum Götzen werden? War einer da. der die Pflichten eines Juden erfüllt hatte, der Recht getan. Liebe geübt, und doch demütigen Herzens vor Gott. d. h. im Bewußtsein seiner unendlichen Kleinheit gegenüber dem Vollkommenen gewandelt war? Werde ich das im folgenden Jahr können? Segne uns alle insgesamt mit Deinem besten Segen, das ist: erneuere den Geist in uns. damit jeder sein kleines Teil dazu beitrage. Dein Reich herbeiführen zu helfen, das Reich der Wahrheit und der tätigen Liebe. Aus den Gemeinden U Berlin. Gedächtnisfeier der Chewra Kadif ch a.) Am Sonntag, dem 5. September, fand auf dem Friedhof in Weitzeusec eine erhebende Feier statt, die dem Gedächtnis der in» Weltkriege Gefallenen, der aus den Friedhöfen der abgetretenen Gebiete Liegenden und der verstorbenen Führer der Deutschland verlorengegangenen Kleingemeinden gewidmet war. Nach einleitendem Chorgesang hielt der Vorsitzende der Chewra Kadischa. Rabbiner Dr. Link, vor der nach vielen Tausenden zählerrden Menge die Gedächtnisrede, die in die Mahnung ausklang, im Sinne der durch die Gedächtnisfeier Geehrten an der Erhaltung des Judentums zu arbeiten. Nach einem tiesinncrlichen Gesang des Oberkantors Davidsohn ergriff für den Hauptvorstand des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten und deS Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens MMzrat Max Chodziesner das Wort. Seine ausgezeichneten Ausführungen wuchsen zu einer eindringlichen Anklage gegen diejenigen, die es noch immer wagen dürfen. W^Gefallenen zu schmähen. Diese seien für das Ideal einer einigen Volksgemeinschaft gefallen. Angesichts unserer heutigen Stellung müsse darum die deutsche Treue ihr Haupt verhüllen. Mit Worten aus Beer-HofmannS und Arnold Zweigs Werken schloß der Redner und forderte auf, unser Leid als Krone, nicht als Joch zu tragen.- Oberkantor Ahlbeck sang hierauf das El mole rachamin. Mit dem Rabonon- Kaddisch und Chorgesang schloß die eindrucksvolle Feier, bei der das ReichswehrministeriMn. der Admiralstab, das Preußische Innenministerium und das Polizeipräsidium Berlin durch hohe Beamte vertreten waren. Beriu. iE i n W o h l sa h r t s f i l m.) Am 1. September wurde im Alhambra-Theater zu Berlin zum erstenmal der im Aufträge der Zentralwohlfahrtöstelle der deutschen Juden von der Gervid-Film-Gesellschaft hcrgestellte Film „Ein Freitagabend". Bilder auö der jüdischen Wohlfahrtspflege, einem sehr zahlreich erschienenen Publikum vorgeführt. Der nach einem Manuskript von Paul Frank hergestellte Film hat eine Gesamtlänge von 1400 Metern und gibt in gelungenen Bildern ein erschöpfendes Bild von der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Die Zentralwahlfahrtsstelle der deutschen Juden, die Spitzenorganisatwn der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland, hofft, durch die Vorführung dieses Filmes nicht nur eine rein wohlfahrtspflegerisch-propagauöistische. sondern darüber hinaus auch eine allgemein kulturelle, sozial-pädagogische Aufgabe zu erfüllen. die darin besteht, weiteste Bolkskreise über Notwendigkeit. Wesen, Inhalt und Ziel zeitgemäßer Fürsorgearbeit auszuklären, sowie schließlich den Willen zur Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege hervorzurufen. OtfLl'NMrLwi Berlin. sBom Rabbiuat.) Der Berliner Gemeinderabbtner. Herr Dr. M. Petuchowski, ist mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand zur Kräftiguna desselben bis zum Dezember d. I. von ieutev amtlichen Verpflichtungen dispensiert morden. Herr Dr. Petuchowski, geboren in Wilna, war lange Jahre els Nachfolger des Mecklenburg- Schweriner Landesrabbiners Dr. Salomon Cohn an der Berliner Tiergarten-Synagoge an der Potsdamer Brücke tätig, ehe er in den Gemeindedienst übertrat. Mit seiner Vertretung ist nun Herr Rabbiner Dr. Freier betraut worden, der zuerst das Rabbinat in Eschwege bekleidete, später, während des Krieges, Oberrabbrncr von Sofia war und augenblicklich in Breslau wirkt. Berlin. (Kalender des Jüdischen Frauenbundes.) Der Jüdische Frauenbund gibt zum Jahreswechsel einen Abreißkalender heraus, der sich durch seine sorgfältige Aussühruna und übersichtliche Anordnung sicherlich viele Freunde erwerben wird. Jedes Kalenderblatt enthält den Mertspruch einer Führerin der jüdischen Frauenbewegung. Zwischen den Kalenderblätten sind ganzseitige Repodukttonen von Bildern Liebermanns. Lester Urys. Abel Pans und viele andere sowie Flugblattexte des Jüdischen Frauenbundes. ES wäre erfreulich, wenn der Kalender in recht zahlreichen jüdischen Häusern Aufnahme finden würde. Follheim. (Tod eines Veterans.) Vor kurzem starb hier der älteste jüdische Veteran Schwabens, Antiguitätenhändler Albert Einstein, Kriegsteilnehmer der Feldzüge 1866 und 1870/71 und langjähriger Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Au seinem Grabe sprachen Prediger Rosenblatt (Memmingen). Hauptlehrer Frank (Fischach) als Schwiegersohn, ferner der Vorstand des Veteranen- und .Kriegervereins Fellheim, den Einstein gegründet hatte, sowie Oberleutnant d. R. und Vahnvorstand Ostermann. Der imposante Traucrzug, an welchem fünf Beteranenvcreine mit Fahnen sich beteiligten, war wohl der größte am Orte seit Menschengedenken. Frankfurt a. M. (I ü d i s ch e r Kalende r.) Im Berlage der Gesellschaft für jüdische Volksbildung hat Rabbiner Dr. G. Salzberger soeben einen jüdischen Kalender für das Fahr 5687 (Lnach) veröffentlicht. Er zeichnet sich durch seine besondere UebersichtUchkeit und die durch eine in einer Einleitung gegebene Uebersicht über das jüdische Jahr aus. Sehr wichtig sind auch ü'e Angaben über die jüdischen Feste und die Inhaltsangaben zu den jeweiligen Thora- und Prophetenabschnitten. Mit einer Liste ritueller Sveisehäuser in Deutschland und im Ausland schließt der sehr empfehlenswerte Kaleirüer. GraffMhOt«. (Synago-avrepäratur.) Scho» seit längerer Zeit erscheint »stete Synagoge letzt reparaturbedürftig. Jetzt endlich solle» die RestcarrierungSarbeite» beginne». Die Israeliten von Grustenheiw (Kanton Anbols« heim), die üftcigen* zum Rabbiamt Bergheim gehören, an« erkenne» das finanzielle Entgegenkommen des Gemeinde« ratS. Heddernheim. Wichtige Funde.) Man ist gewohnt, mit dem Namen Heddernheim Äie zahlreichen bedeutungsvolle» Funde der jahrelaogen Ausgrabungen aus römischer Zeit zu verbinde». Run ist aber aüwechslung-weise einmal von einer Aufdeckung aus späterer Zeit zu berichten, die einem anderen Kulturkreis angehört. Versteckt in einem kleinen Höschen, nicht sichtbar an den großen Straßen, äußerlich von einem bäuerlichen Wohnbau raum zu unterscheiden, liegt die alle Synagoge, ein seihr bescheidener Bau. Es ist für die in ihrer Personenzahl durch Abwanderung nach der Stadt stark verringerte Heddernheimer Judengemeinde eine ehrenvolle Aufgabe gewesen, dieses Bauwerk, das in seinem Kern auf eine vtelhundertjährige Vergangenheit zurückblicken kann, vor dem gänzlichen Verfall zn bewahren. Bei der in diesen Tagen vorgenommenen Säuberung der inneren Almemorwand fanden sich überraschenderweise größere Reste einer ornamental« dekorative» Bemalung in Schwarz, Grau. Rot und Gelb. Die stilistisch sehr interessanten Friese und Rahmenteile schließen größere FIder ein. auf denen in prachtvoll wirkender, hebrä« rscher Blockschrift bekannte Gebetsstücke angebracht sind, lieft« dem heiligen Schrein breitet sich eine Art von mittelalterlicher Stadtansicht aus. mit der zweifellos Ziou-Jerrr« salem gemeint ist. Auch auf den anschließenden Seitenwänden sind Reste dieser Maleret nachwetsbar. so daß eine frühere, gänzliche Ausmalung der Synagoge wM angenommen werden darf. Die Technik -er Malereien ist ein reines Fresko von ausgezeichneter Widerstandsfähigkeit, die einer ganzen Anzahl von späteren Anstrichen standgehalten hat. '' Nach Ansicht des zugezogenen Sachverständigen. Professor, Dr. Hülse», entstammen diese wertvollen Zeugniffe jüdische»' Kunstfleißes der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Da zur Zeit jegliche Mittel fehlen, diese Malereien in würdiger Form wiederherzustellen. so werden sie zunächst mit Stoff überspannt, nachdem genaue photographische Aufnahmen in großem Matzstabe angefertigt worden sind. Wenn die nötigen Mittel aufgebracht werdcn können, soll später eine Restaurierung vorgenommen werden, wozu aber die tatkrüf« tige materielle Beihilfe eines größeren Jnterestenkreises un« umgänglich notwendig ist. Es darf darauf hingewiesen werden, daß nach neueren Forschungen derartige ornamentale Wandmalereien gerade in kleineren Synagogen häufig! waren, daß aber fast alles im Laufe der Zeiten untergegangen ist. Gerade deshalb ist dieser neueste Heddernheim« Fund für die jüdische Kulturforschung von außerordentlichem» Wert. Königsfterg. (Hugo Falkenheim 70 Jahre altH Am 4 September beging der emeritierte Ordinarius für Kinderheilkunde an der Universität Königsberg. Geh. Medi« zinalrat Professor Hugo Falkenheim. in körperlicher und geistiger Frische seinen siebzigsten Geburtstag. Falkenheims Name ist auf das engste verknüpft mit der Geschichte der Kinderheilkunde in Ostpreußen, deren Begründer und Führer er war. Als Assistent Naunyns habilitierte sich! Falkenheim füx innere Medizin und wandte sich bald der Kinderheilkunde zu. indem er 1868 ein Ambulatorium für i kranke Kinder cröffnete. Erst 1916 gelang es. Falkenheim unter Mithilfe privater Geber in dem Wilhelm- und Auguste-Biktoria-Kinderkrankenhaus" eine mustergültige Anlage zu vollenden, die 1921 als Universitätsklinik in den Besitz des Staats überging. Für die ostprentzischr Aerzteschaft hat Falkenheim eine Unterstützungskaffe i«S! Leben gerufen, die, lange Jahre von ihm verwaltet, anßer« ordentlich segensreich gewirkt hat. Nach feiner Emerllteruns ist Falkenheim jetzt noch als Leiter der inneren Abteilung, des Elisabeth-Krankenhauses tätig. Bon seine« wissenschaftlichen Arbeiten hat namentlich die gemeinsam mit Naunyn veröffentlichte „Ueb« den Herzdruck" und vor allem die für Deutschland erste ausführliche Beschreibung der familiäres amanrotischen Idiotie besondere Beachtung gefunden. Nieberanla. lAmtSjubtläum.) Auf eine vierzigjährige Tätigkeit im Amte blickte am Monatsanfang Lehrer Gans zurück. Die hiesige Gemeinde bereitete dem Jubilar aus diesem Anlaß eine oesonoere Feier, an der auch auS« wärtige Amtsgenoflen und Freunde teilnahmen. In mancher Rode klang der herzliche Dank wider, den sich Lehrer GanS als treuer Hüter des religiösen Dübens um die Jugenderziehung wie auch um die Erhaltung und Ausgestaltung der Gemeindeinstitutionen erworben bat. Besondere Anerkennung fand auch die eifrige Bereinstätigkeit des Jubilars, der sich im Vorstand der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens und anderer Berufsorganisationen nur die Interessen der jüdischen Lehrer Hessens verdient ge« macht hat. Nürnberg. (G e h e i m r a t Held v e r st o r b e n.) Die Nürnberger Kultusgemeinde trauert, wie wir bereits kur« mitteilten, um den Verlust ihres ausgezeichneten Führers. Geh. Justizrats Dr. Sigmund Held, welcher am 30. August nach kurzer Krankheit das Zeitliche segnete, und mit ihr DU |r«ui Mid»! Eleganter Ladc-Zugschuh Bit tcbOaotom aeltUcheo Durchbruch iah. Loul* XV.-Atsm l«ck - Herre n- Icbaar SCbah ood- Por*. fiin pdupeH Schisse L*ck'Herren-Schnür« schuh Kletinte »pltie Fora, Goodyear, gedoppelt.... lack-Herren «Icboftr- «4E50 EK^r'^isro In S Sto(hisMU.OritiMl" •WW Goodyotr-Vtk ®WW ,hnL«ck4pss(esichBb L«ck*$p«ageQschob nt cMitetcilta Durchbruch. mh rollend. lebHchea Durchbrach. 8CA Orl«..Gco«:.Wett,4gi£l »» elot. PretoeMdeu- «cbub.MMfU.Aboitl mh eawOcbesdcB Dutchbrucb. mh rollend. «oltHches Durchbrach, Bit «merikiolicheB ACf\ Orlt-»Gcod - ^clt,^ SA SV «taf, Premeoadeo - ■ V «cbub.MMfU.Aboitl ■od lutlt. Loati XV. AhMtc UcbliiupsiigcBscbiib aituudokae Durch. brach, fol«ato Mck^Av VttlicMh «ab* LouUXV.-Abo. VW 16» Knder-lack-fiMUigcoschqh u. «ft toi**»- « aa Schwarzer SawthaU» SMadtnkhuh •it cattSckcod.Uck-' votxkraoL Bit od Louis XVvAbttty.. Varfaasn Oe «r ’ oS$w*«M****r«it •» 4W grfiftfe Sdtuh’SpejuilhaitA mit der oWMba GLu&mahl&eii£n6 Larkschuh-Oel sprechen 'üsmindert Gebr&dcrKr<ucr,EOS>Werke. BerllihDiuuU-Sofi«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.