Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 37 (8.9.1926)
- Date
- 1926-09-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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f nreinschaftlichen Lebens der 'Juden, insbesondere -er Gottesdienst, sollen daher dem Individualismus nur insoweit Platz gewähren, als dadurch der Anschluß an idie jüdische Gemeinschaft der Gegenwart und der Vergangenheit nicht aufgehoben wird. Daher haben wir grundsätzlich daS Hebräische alS unsere GebetSsvrache Leibehalten, haben die alte Form daS traditionelle Gefüge de- Gottesdienstes im Grundzug und auch in vielen Einzelheiten beibehalten und wollen daran auch nicht gerüttelt wissen. Dennoch muß gesagt werden, daß schon hier die geschichtliche Entwicklung nicht voll zu ihrem Rechte gekommen ist. Nicht nnr das einzelne J»rdividuum, sondern das gemeinschaftliche religiöse Empfinden der überwiegenden Mehrheit der deutschen Inden verlangt eine ganz erheblich durchgreifende Erneuerung des Gottesdienstes seit Jahre»: vergeblich. Dies gilt insbesondere für die von uns oft erhobene Forderung nach der Verkürzung durch Weglassen unnötiger Wiederholungen, das, wo cs erfüllt ist, am Unrechten Ort erfüllt wurde. Man hat Wertvolles weggelassen und Unnötiges belassen. Auch die notwendige Verdeutschung des Gottesdienstes geht fehl darin, daß gerade solche Gebete von ihr getroffen worden sind, deren traditioneller Charakter zum innerlichen Eigentum der Gemeinde geworden sind (ich erinnere z. V. an die unglückliche Ersetzung des Lechu Neran'nano-Gesetzes durch eine schwache deutsche Nebersetznng), während andererseits Stellen, die wirklich nnr in deutscher Sprache auf die Gesamtgemeinde wirken, insbesondere herrliche Psalmen, wirkungslos vorübergehen. weil die Mehrheit sie nicht versteht. Wo bleibt die durchgreifende Umgestaltung der Thoravorlcsung und ihre Verdeutschung? Warum werden heute noch die Bücher über den Opfer-Gottesdienst, die alten Krimmal- und Reinheitsvorschriften verlesen, die für uns nur noch eine Erinnerung, kein Gesetz, kaum noch eine Belehrung bedeuten? Warum werden die wirklich lebendigen Teile unserer Thora in einer Sprache verlesen, die, man mag es bedauern oder nicht, nur dem geringsten Teil der Gemeinde in dem Umfang verständlich ist, daß er der Verlesung folgen kann? Warunr geben wir dem Leben der Gemeinde weniger als der Gesetzeslehrer Esra, der oerordnete, daß die Thora in der Volkssprache, nicht in der Gebetssprache verlesen wird? Unsere geistigen Führer, insbesondere unsere Rabbiner, dürfen sich nicht wundern, daß ihnen gerade geistig hochstehende, innerlich religiöse Menschen für die kulturelle Betätigung verlorengehen, wenn sie nicht willens sind, hier ernstlich Hand anzulegen. Das liberale Einheitsgebetbuch seit Jahren gefordert, liegt im Schoße der Arbeitskommission vergraben. Und hier ist wirklich eine Arbeit, die ohne das Rabbinat nicht gefördert werden kann. , Ganz erheblich gewichtiger als auf dem Gebiet des Gemeinschaftslebens sind die Unterlassungen auf dem Gebiet des religiösen Einzellebens. Wer gesehen hat, wie die amerikanischen Rabbiner innere Religiosität und jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein mit einer ^durchaus freien Behandlung der religiösen Form ver- ' Lnüpfeu, der muß es aussprechen, daß unsere deutschen Liberalen Rabbiner hier eine schwere Unterlasfungs- ' fünöe auf sich genomüröü haben. Wir wollen nur drei Fragen herausgreifen, welche noch immer der Erneuerung im Sinne des Ausgleichs von Loben und Lehre harren: es sind die Fragen der Speisegesetze, der Sabbatgebote und der Ausgestaltung jüdischer häuslicher Feste. Heute liegen die Dinge so, daß der religiöse Führer auch in durchweg liberalen Gemeinden an der strengen Ausführung der Speisegesetze festhält, trotzdem er sich dadurch in Gegensatz setzt mit dem religiösen Einzelleben seiner gesamten Gemeinde und daß er in den Einheitsgemeinden mit liberal ausschlaggebender Mehrheit lieber das Odium auf sich nimmt, am Tische von 90 Prozent seiner Gemeinde nicht speisen zu können, als 10 Prozent derselben dadurch zu verletzen, daß er Gebräuche nicht innehält, deren vindenüe Kraft er im Innern längst über Bord geworfen hat. Die liberalen Rabbiner werden ihren Charakter als Führer verlieren, wenn sie dauernd und gegen ihre eigene innere Ueüerzenguna an diese Punkte gegenüber der überwältigenden Mehrbeit der Liberalen (und zwar nicht der Pseudo-Liberalen, sondern gerade der innerlich Aufbauenden) sesthalten. Das gleiche gilt in verstärktem Maße vom Halten der Sabbatnormen. In London hielten es einige liberale Rabbiner für mit ihrem Gewissen unvereinbar, am Sabbat zu fahren. Sie machten lieber einen Weg von fünf Viertelstunden, in der glühenden Sonnenhitze zu Fuß, um dann, völlig erschöpft und in der Aufnahmefähigkeit gemindert, an dem Gottesdienst teilzunehmen, als daß sie eine kurze Untergrundbahnfahrt wagten. Sie mußte»: sich vor» einige»: gemeinsamen Veranstaltungen in London ganz fernhalte»:, weil sie den Weg in der Riesenstadt nicht zu Fuß machen konnten, ein Gefährt aber nicht benutzen wollten. Nach unsere»»: religiösen Empfinden wäre es eine größere Heiligung des Ruhetages geweser:, wenn diese Herren in voller Frische ohne Erschöpfung de»: Gottesdienst besucht hätten, als daß sie, wie es geschah, ermüdet und gemindert aufnahmefähig in der Synagoge anlangten. Selbst einige ans dem rechte»: Flügel stehende Herren Haber: mir auf Befragen dieses Mißverhältnis auch unumwunden zugegeben. Wo aber bleibt der Mut der Führerschaft, dem innerlich Geglaubten a»:ch äußerlich Ausdruck zn geben? Daß diese Formen das Jndentnrn nicht ausmachen, zeigt die blühende und gerade in jüdisch-sozialer Gemeinschaftsarbeit vorbildliche amerikanische Reformgemeinschaft. Endlich die Frage der Ausgestalturw der Feste! Ei einziges Buch hat das deutschliberale Rabbinat hierzu geschaffen, welches wirklich modernes Empfinden und Tradition verschmilzt, das ist die Seligurannsche Haggada. Wo bleiben ähnliche Taten für die Ausgestaltung des Freitagabends, des Chanukka- und Laubhüttenfestes u. a. m.? Hier sind Laien führend, denn sie gestalteten ihr Fest »:ach ihrem religiösem Empfinde»:, immer aber i»n Bewußtsein dessen, mit dern „offizielle»:" Judentum, ja, selbst mit den: „offiziellen" Liberalismus in: Widerspruch zu stellen. So wollen wir heute ernsthaft und gesammelt desse»: gedenken, was wir erreicht habe»:, aber noch mehr dessen, was zu tun übrigblerbt. Freilich ein Gedenken allein wird dem Ruf des ko»nmenden Festes nicht gerecht. Wir brauchen auch die innere Erschütterung, der Jaum hassikkoraun ist auch der Jaum Terno. Die Feste sollen uns innerlich auswühlen »:nd in uns alle Schlacken alltäglicher Erügebundeicheit hinwegschwemmen, um die Verbundenheit mit Gott und mit unserer jüdischen Gemeinschaft im tiefster: Innern zu festigen. Lange Zeit hatte der Ruf nach „Reform" keine innere Berechtigung, weil er gerade von solchen ausgestoßen wurde, die die Reform nur zu äußerlichen und zu politischen Zwecken ge- und mißbrauchten. Seit vielen Jahren aber ist das anders geworden. Gerade im Sinne der Religion, weil sie nämlich ihr inneres Erleben in Formen kleiden wollen, die sie garrz mit ihrem Gefühl durchtränke»: können, fordern die Besten von uns seit vielen, vielen Jahren eine durchgreifende Erneuerung dessen, was man Religionsgesetz nennt. Der Schreiber dieser Zeile»: hat vor etwa IV2 Jahren an die deutsche Nabbinerschaft de»: Ruf ergehen lassen, sie möge voranschreiten und, Führermut zeigend, die so oft in ihren Schriften niedergelegte Forderung, Loben und Lehre einander anzugleichen, in die Tat Umsetzer:. Wo ist die Ant»vort geblieben? Wen»: jetzt der neue Zusammenschluß der Liberalen hier nicht fortreißend eingreift, wird es ein .für allemal zu spät sein. Kein falsch verstandener Mystizismus, kein falsch verstandener Nationalismus können die Formen lebendig erhalten, über welche die Menschen innerlich hinweggeschritten sind. Nicht aus die Form kourmt es an, sondern aus die religiöse Ergriffenheit des einzelnen, auf das Ge-, meiuschaftShermchtsein und ans die Mitarbeit im Wirken für die jüdische Gemeinschaft. Haiden wir uns mit innerlicher Erschütterung dem Gedanken hingegeben, so haben wir auch im Jaum hassikkoraun unsere Selostbeurteiluna entschlossen vollenden können. Gottlob, sie braucht keine Selbstverur^ teilung zu sein. Das deutsche liberale Judentum hak an allen Gemeinschaftsarbeiten, mögen sie religiöser, mögen sie sozialer Natur gewesen seirv seinen vollen Anteil genommen. .Darin sollen uns auch »roch so schwere Beschimpfungen der Gegner nicht irre machen fömteit. Mehr aber als das, immer stärker gewinnt innerlich der innerlich religiös eingestellte Flügel der liberalen Partei einer: Einfluß über den bloßen Zweck-Libera-- lismus der Gelegenheitsliberalen. Aus der „Partei" ist eine „Bewegung" geworden. Soll sie nicht wieder! zur Partei erstarren, so muß sie Bewegung bleiben. Sie muß Bewegung bleiben im Judentum, nicht aus dem Judentum heraus. Deswegen darf dev innerjüdische Kampf, der gerade in letzter Zeit in unliebsam schroffer Form entbrannt ist, »:icht vergessen machen, wie gewichtig die Gesaintausgaben sind, die das Judentum zu löse»: hat. Der Liberalismus darf im Streit mit anderen Richtungen des Judentums nie seine hauptsächlichste Ausgabe vergessen, daß er jiidisch geborene Menscher: auch innerlich dein Judentum zu-, wenden soll. Unvergeßlich ist mir und allen denen, die es erlebt haben, die Arbeit unserer Freunde im ostjüdischen Bezirk in London geblieben. Wir haben von dem Führer dieser Arbeit, dessen Name gerade an dieser Stelle mit Liebe und Verehrung genannt werden soll, von Busil Henricqucs, gehört, wie es dem religiösen Liberalismus gelungen ist, Tausender junger Ostjuden, meist Kinder starr orthodoxer Eltern« die innerlich »rnd äußerlich ihre»: Bruch mit dem Judentum schon vollzogen hatten, dadurch dem J uden-. t»:m zurückzugewinnen, daß ihnen die Ideen des libe^ raten Judentums aufgezeigt und religiöse Betätigung in liberaler Form bei ihnen, geschaffen wurde. Wer den liberalen Gottesdienst fit Whitechapel witerlebt hat, der weiß, was religiöse Ergriffenheit in Tausenden von jüdischen Menschen bedeutet, der hat begriffen, daß das liberale Juderrtum die stärkste Masse gegen Abfalls und Entfremdung ist oder wenigstens sein kann, wenn sie gütig beseelt, und zielbewußt angewandt wird^ Darum darf nur der den Wunsch nach Erneuerung des! Judentirms hegen, der ihm auch im Leben folgen wird« Wir erwarten von unseren Freunden im folgenden J<chr noch eine viel gespanntere Mitarbeit an dem gemeinsamen Werke, eine Mitarbeit wissenstark mch opferfreudig! Nur der hat das Recht, Kritik zu üben, der mitarbeitet,- aber jeder, der Mitarbeiter, wird auch« wo er Kritik übt, willkommen sein. So laßt uns am Tage des Gerichts mit uns einig werden dahin, daß! wir gesammelt und unserer Ueberzeugung froh an unsere gemeinsame Arbeit Herangehen wollen! ffitifti das Ergebnis unseres Selbstgerichts dieser Entschluß fein, dann sind wir wert, tu die Versöhnung mit GM einzugehen. ' Wahrheit und Leben. Bon Rabbiner Dr. M. Wiener, Berlin. Kann man von dem Geist, der ein lebendiges Wesen durchflutet, fragen, ob er wahr oder falsch, gültig oder) ungültig ist? Nein, so wenig wie von dem Leben selber. Beide besitzen Recht und Anspruch auf freie und ungehemmte Existenz in sich selber, sind von Gottes Gnaden und schulden niemandem Rechenschaft« Bor unserm Blick erhebt sich unsere Religion als die Seele des jüdischen Stammes. Sie wacht die Gemeinde Gebet am Neujahrstage. Wie du einst geleitet so wunderbar Durch das Meer unserer Urväter Schritte, So wandern gebückt wir mm Jahr für Jahr Durch der Völker stummdrobende Mitte. Der Weg dünkt uns »veit, denn das Leid ist groß! Doch du willst es: »vir müssen so schreiten. So schmerzvoll erduldend, so — waffenlos Durch die lauernden, tückischen Zeiten. O Gott! Steh' uns bei auf der Wairderschaft, Daß wir slttüng am Ziel nicht verzagen Und schenk' uns nur eines: die Wurrderkraft, Alle Dualen des Wegs zu ertrage»:! Carl Holl er bann». lamim Noraim (Tage -er Ehrfurcht). Eine Parabel, in Anlehnung an Festgebete und Bibel. Von S. Müller (Heidelberg)*). I. I v m H addin (Tag des Gerichts). Es wgr am Rosch Haschana. Der Herr der Heerscharen saß in heiliger Majestät auf seinem Throne. Alle Himmelsboten wäre»: feierlich mn ihn versammelt. Zuvorderst der Engel der Wahrheit, der Engel der Gerechtigkeit und der Engel der Barmherzigkeit. Auf ihrem Antlitz lag der Ernst der Verantwortung ihrer hehren Aufgabe. Und einer rief dem andern zu: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zcbaot. Leine Herrlichkeit erfüllt Die Weltenweite." Da sprach Gott zum Engel der Wahrheit: „Hast dn auf der Erbe dich umgesehen, ob die Menschen, jeder an sich selbst und in seinem engeren Bereich, ihre Seele zur Veredlung emporrtchten zu meinen Höhen? Ob sie redlich und ootte-fürchtig find, ob sie wahr reden und die Lüge meiden? Weißt du einen, der in seinem Herzen nicht die Wahrheit spritzt, der mit seiner Zunge verleumdet, so rede!" Da erwiderte der Engel -er Wahrheit: „Ich habe die Erde durchstreift und muß heute am Gerichtstag wehen Herzens vor deinem Thron eaussprechen, -atz dein *) Der Nachdruck ist nur mit Genehmigung -es Verfassers gestattet. Knecht Korach dein Heiligtum mit Lügen entweiht, daß er mit Lug und Trug gegen seine Brüder handelt." „Was treibt ihn zu diesem Tun?" sprach der Engel der Barmherzigkeit; „mangelt ihm das Brot für sich und die Seinen, daß er so übel tut?" „Mit Nichten," sprach der Engel der Wahrheit, „Korach besitzt Schafe und Rinder im Ueberslutz und verzehrt feiste Lämmer und Mastkälber aus den Hürden." „Und gibt er nicht von seinem Ueberfluß auch dem. der darben muß?" fragte der Engel der Barmherzigkeit wieder." „Er ist nicht Vater dem Armen; ihn segnet nicht der Dürftigen Lenden." seufzte der Engel der Wahrheit. „Korach kennt nicht die frohe Unschuld der Wahrheit, nicht die Reinheit der guten, sittlichen Tat, ob deren die Seele aufjubelt zu Gott." Da erhob sich der Engel des Rechtes und sprach mit ernster Stimme: „Wahrlich, ich weiß es. -atz kein Mensch gerecht erscheint vor Gott, der die Himmelsweite ausspannt und hinschreitet über des Meeres Wogen, der Weisheit legt in des Menschen Herz und das Geheimnisvolle erleuchtet. Aber wer wollte sich vermessen, es als Gott wohlgefällig zn nennen, datz der Mensch Frevel verübte, um sich vor eigner Not zn schützen oder Airderen gutes zu tun? Und Frevel und Wohltat mag Gott nicht. Klebt Schlechtigkeit am Opfer, so ist es Gott ein Greuel. Weiß der Mensch sich auch durch Täuschung dem irdischen Richter zu entziehen, vor Gott sind seine geheimste»: Absichten offenbar. Korach ist ein Knecht der Lüge, der sein Leben aus dem krummen Wege der Gewalt dähingeht. Wahrlich, Korach darf nicht weilen in Gottes Zelt, nicht wohnen auf seinem heiligen Berge!" Nun liest Gott selber sich vernehmen. Zu den Engeln der Wahrheit und Gerechtigkeit gewendet. Hub er also an: „Ihr seid treue Boten meines Geistes. Die Wahrheit uttö das Recht sind die Grundpfeiler meines Thrones. Wer die Achtung vor ihnen verliert, kann nicht „heilig" genannt werden, wie ich es durch meinen Diener MoseS geboten habe. Durch Lug uud Trug wird mein Name entweiht. Wer anderes glaubt und tut. kennt mich nrÄt." Stellt euch auf die Wege, ihr meine Boten, und schauet umher, ob die Menschen wandeln auf den ewigen Pfaden, auf dem Wege üeS Rechts und der Wahrheit. Satz sie Ruhe ihrer Seele finden." „Und du, immer bereiter Fürsprecher und Wohltäter der Menschheit," wandte der Allmächtige sich gütig an den Engel der Barmherzigkeit, „magst heute, mehr «och aÄ alle anderen Tage, deines schwere» Amtes walte«. Steige hinunter und öffne Korach die Tore -er Erkenntnis, -atz er einsehe, was er böseS getan, daß er eS bereue und bekenne uud fortan lasse. So wahr ich lebe, ich heLe kei»:en Gefallen am Tode des Sünders, sondern daß sich der Sünder bekehre von seinem bösen Wandel uud lebe. Ich will ja nicht nnr vergelten; ich will auch „heilen". Aber eS mutz eine aufrichtige, wahre Buße fein. Latz dich von KvrachS falschen Beteuerimgen und äußeren Zeichen eines guten Willens nicht betören! Mein heiliges Sitten« gesetz duldet keinerlei mißbräuchliche Ausq deutung. Korach. der in der Gewalt seiner Begierde ist, muß seine Begierde in der Gewalt haben!" Da glänzte das Auge des Engels der Barmherzigkeit, und er sprach voll Demut: „Bon ganzem Herzen danke ich dir. mein Herr und Gott, im Chore deiner Frommen. Dein Werk, gegründet für die Ewigkeit, ist nach Recht und Wahrheit eingerichtet. Vergib mir! Ich will den Irrenden, der die Wahrheit und Gerechtigkeit beleidigte, auf die Folgen seines Fehlers Hinweisen und mit Liebe ihn zurückrufen und zu bessern suchen, daß seine Seele zu deinem Ebenbild werde" II. Jom Kippur (Tag der Versöhnung). „Herr, öffne meine Lippen." sprach der Engel der Barm« Herzigkeit und schwebte zur Erde nieder. Die Morgenröte ging gerade auf; sie leuchtete hervor aus Gottes Gemach. Tiefe Stille lag noch auf den Wohnungen der Menschen. Der Engel trat Korach in Len Weg, wie er eben die Vorhalle des Gotteshauses betrat und zu beten begann: „Wie lieblich sind deine Wohnungen. Israel! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach Len Vorhöfen Gottes. Wohl denen, die in deinem -Hause wohnen, die immerdar -ich loben!" „Tritt nicht ein in Gottes Haus!" gebot der Engel der Barmherzigkeit; „hier ist heiliger Boden. Wer am Jom Kippur diese Hallen betritt, muß sich von Sünd' und Fehle reinmachen. Nicht mit dem Munde und Len Lippen nur. sondern mit dem Herzen ehre Gott! Leg^ das Böse ab. womit du dich beladen hast. Korach! Du hast dich an fremdem Gut vergriffen, hast es der Witwe und Waise entzogen und schmähst gar den noch, der dich darob zur Rede stellte!" Und Korach sprach: „Mein Feind muß solches über mich geredet Haben." „Das ist die Sprache des bösen Gewissens!" hallte eS aus dtz» Munde des Engels. „Nenn' den nicht deinen Feind, der Recht und Wahrheit achtet und deine Seele a«S de« Dunkel deines Tuns zum hellen Lichte führen möchte." ,HSa8 ich tat. Sann so böse doch nicht sein." entgeguetr Kouachr „ich fand für mein Tun einen Fürsprech, der meine UnstzÜd rechtfertigte." .Wer deine Unschuld rechtfertigte, dient nicht der Lehr' und Hut von Gottes Wort." tönte es von des Engels