Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 36 (3.9.1926)
- Date
- 1926-09-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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m WWM-W»WWM«WWMW«WWV^MUIWAI!>W«I>^^^ jpjj11 |l 11 -.MLffVWWlMWWf ratlanale SefttftnAB&xtett und Intel« empfasgen. Man kommt -um Kapitel Das Blut soll e» sei», war daS Charakter und eine Gruppe i« Kol, _ „ Aber noch mehr der Judenhaß wird äj** Rzstduum wissenschaftlicher Forschung überhaupt. Sta- MiL. Sozrologie, Literaturgeschichte nsw.. vor allem die Erschejtzaungeu der öffentlichen Lebens: Presse. Wirtschaft. Politik werden herangezogen, um die Schädlichkeit und ele- «entare Wesensfremüheit des Judentums zu erweisen. Kurwsitäten und Phantastereien aller Art werden zutage gefordert Sie sind uns bekannt. Aber was bedeuten sie in diesem Zusammenhang? Was bedeutet diese Pseudowissenkchaftlrchkeit des Judenhasses? Ts ist das Htnüberschieben ö«r Problems auf ein Gebiet, wo es seiner Natur nach nichtS Zu suchen hat. Die Wissenschaft eröffnet aber die lockende Au-stcht. dem Judenhaß eine unangreifbare Grundlage zu sichern durch ihre Forschungsergebnisse, sind auch diese nur unter ärgsten Verdrehungen und Gewaltsamkeiten gewonnen. Zwar wird die wissenschaftliche Argumentation widerlegt, aber die Fälschungen, bestenfalls Halbwalirheiten. »ersührerisch aufgeputzt, tun ihre Wirkung, zumal ja auch die ^?Este Neigung und der aus dem Bedürfnis der Erhaltung Ä^nhasscs geborene Zwang besteht, sie zu glaube». Das Gefährliche daran ist, daß dieser Zwang das zum Vermumme» bringt, was Nietzsche „intellektuale Rechtschaffenhe^ nennt. Sehen wir von den Demagogen und Geschäftemachern des Judenhasses ab. Für -en sittlich höher siebenden Teck, besonders für die Jugend isi aber die Berwissenfchaftllchnug des Judenhasses ein Berlegelcheitsmittel. ein Lücke», büßer für bewußt oder unbewußt vermiedene Entscheidung. Vier halt man auch am Judenhaß fest, weck man den Einsturz ferner gesellschaftlichen Stellung mrauch sicherlich seiner gesamten Lebensanschauung befürcht^, wenn man sich von hm loSfagt. Darum fetzt man sich lieber mit dem Judenhaß in den Außenbezirken des wissenschaftlichen Bewußtseinauseinander und begibt sich auch dort bereitwillig kritischer Strenge um wenigstens scheinbar richtiger Ergebnisse willen. Man scheut aber die wabrbafte Auseinandersetzung. Man stellt nicht in der eigenen Seele das Problem des Inden, Haffes, man schaudert zurück vor dem erbarmungslos harten, mrt grausamer Schärfe zeichnenden Sonnenlicht der klaren, aller» aus der Wirtlichkeit und dem sittlichen Gewissen der aktiven Persönlichkeit sich rechtfertigenden Gesinnung. Statt dessen passive, feminine Hingabe an unwahre, zu Dogmen erhärtete Thesen, wobei man sich nicht einmal die Kreise ansieht, deren Interessen sie zum Vorwand dienen. Man will im Jude» nicht den Menschen sehen, das eigengeartete Individuum, das nur nach den ihm immanenten Wesenszugen und Charakterkräften zu bewerten ist. nicht Funktion einer Gruppe, deren hassenswert gemachte Abzeichnung verlogen ist. Dian will nicht erkennen, daß wie bei jedem Menschen auch beim jüdischen Fehler und Vorzüge individual zurecheiibar sind und nickt in dem Dunkel der Unverantworllichkeit untertauchen. Damit ist das Wesentliche ausgesprochen. Wir haben im Judenhaß von heute das Ergebnis einer von der mechanisierenden, dem FeLisibismus der Menge huldigenden Tendenz der Gegenwart begünstigten Vergesellschaftung eines unwahren Tnyus erkannt. Wir sahen einen heroischen Aktivismus der-Jugend, die aber am Judenhaß festhälr und ihn in jugendlicher Unbedingtheit faimtisiert, weil sie in ihrer Aktivierung, d. h. Selbsibefreiung "OA.uicht so weit gekommen ist. um eine mutige konsequent rechtschaffene Auseinandersetzung zu vollziehen, und passivrftisch den alten Mächten hingegeben ist. deren Formeln veraltet und hohl geworden sind. Da. wo das Werden herrscht, wo es nicht das funktionale Spiel unwandelbarer Gegebenheiten gibt, wo Beziebunqsinhalte in steter Entwick. lung sich befinden und zukunsisträchtiae Bildungen entstehen, da setzt das Pathos des menschlichen Willens und das Ethos ^>er menschlichen Erziehung unter dem Bekenntnis zürn souverän-aktiven Menschentum ein, das individuelle Zurechenbarkeit oder Selbstverantwortung als Hauptprinzip der menschlichen Freiheit erkennt. Nur dann isi -er Judenhaß zu überwinden, wenn das Individuum als aus sich selbst lebendige, eiaeuwillige Kraft gewertet wird. Führe man sich mrt aller Schärfe zum Bewußtsein: Deutschtum und Juden, tum ist im Individuum zur Einheit geworden, was man auch dagegen sagen möchte. Jeder einzelne jüdische Deutsche tragt das Deutschtum in sich und aktiviert es gemäß seiner Eigenart so gut wie jeder andere Deutsche. Was Deutschtum Nach dem Glück und Erfolg seiner Jugend ein ungerechtes Wort! In einem kurzen Gedicht sagt der gleiche Dichter einem Freunde: ..Schnell verweht, ir-nä wir genossen. Ewig wirkt, was wir vollbracht —" und damit preist er in gesunder Erkenntnis das Glück der Tat, -er Arbeit. — damit schiebt er seinen Fuß zwischen die Tür, die eine Ausschau auf eine bessere, durch Einsicht, Kraft und Güte erhellte Zukunft gewahrt. Auch Pfungsis letztes, leider unvollendet gebliebenes Werk, das dramatische Fragment ,^Jn Bamas Reich" läßt Momente gesunder LebenSschätzung aufleuchten. Inhaltlich, sinngemäß und sprachlich hätte diese Dichtung, hätte Pfungst sie vollenden können, eine neue höhere SchaffenSstüfe bedeutet. Ein Bvamahne, der -aS „Allhabe-Opfer" — seine gesamte Habe — der' Gottheit dargeüracht, wirb von seinem heißgläubigen Sohne auf die Unvollkommenheit seines Opfers 'hingewiesen, ihn. den Sohn, hat er nicht mit dem Uebrigen hingegeben. Der verzweifelte Bater willigt endlich auch noch in dies letzte Opfer: nur dem Mächtigsten will er den Sohn weihen: mächtiger aber als Me erweist sich der Todesgott Nama. Er stellt dem Jüngling drei Wünsche frei: nochmalige Heimkehr zum Vater verlanat der Sohn, alsdann Erkenntnis, als drittes die Vernichtung des gesamten Weltalls: denn die Erkenntnis hat ihm gei'aat: die Welt bist dw „Kennst du das Sein denn, das du irnTT* zerschmettern?" fragt der entsetzte ToöeSgott. Und bevor der z,'-" fteisinken ihm die Geister Verstorbener, daß er die Liebe nicht kennt, nicht zu den Menschen, nicht zur Welt. „Wähnst du. daß ein Geist gewaltsam Je vom Schmerz die Welt erlöse? Der erlöst, der unaufhaltsam Duldenniedcrringt das Böse!" Mit dem Wort: „Lern, wie man dem Leiden wehrt. Lern das Leben wieder segnen!" schließt dies letzte, dies unvollendete Werk Arthur Pfmigsts. Dieses Wortes Sinn aber ist positiv und leitet ein hilfreich tätiges Verhalten des Jünglings zur Welt ein. in die er von neuem eintritt, aber indem der Tod einen Punkt hinter das letzte verheißungsvolle Wort setzte, hinderte er uns, den Dichter als einen Verwandelten, zum Leben sich Bekennenden neu verstehen zu lernen. Das Leben segnen, das Böse duldend bekämpfen, dem Leiden wehren — daS sind Sätze, die jeder aute Jude schreiben und unterschreibe» darf. Schon um dieses letzten Bekennen» willen dürfen wir Arthur Pfungst z« den Unsere» wählen und seinem Werk auch unter kaufessionellgesinnten 'Juden die Verbreitung wünschen, die eS tritt seineals Charakter so hochstehende» Verfassers willen verdient. ist. läßt sich vielleicht umschreiben, nicht aber bestimme». Auch hier mutz die Vereinfachung einekomplexen Gebildes zur Verlogenheit. die Vergesellschaftung eineabstrakte» Typ»- zur Verfälschung führe». Ich glaube, daß die geäußerte Auffassung sich innerlich verbindet dem Geiste der sich anvahneudeu allgemeine» Eni« wicklnng. Friedensbewegung und Europäertum könne» nur dan» ihre Kräfte entfalte», wenn die einzelnen tu de« Nationen zur Gelbstbefreiung erwache» und in der individuelle» Ausprägung des nationalen Charakterdas Gemeinsame erkenne», dadie europäischen Nationen verbindet. Was hierzu führt, ist wiederum Gelbstzucht und Erziehung. So ist auch die UeVerwinbuns de- Judenhasses ein Problem des gute» Willens, der Selbstzucht und der Erziehung. Ich glaube, man braucht hier nicht pessimistisch zu sein. Ganz sicher wird endlich, insbesondere bei der Jugend, die vornehme Gesinnung Wer den Massenhaß siegen. •tad. iw. verthold Weinberg. Vorstandsmitglied des Demokratische« Studentenbnn-e-. Fort mit der Iudenmisßon! Bon Professor Dr. Eugen Wölbe. Berichten aus Hamburg zufolge entfaltet die Juden. Mission eine fieberhafte Tätigkeit, um aus den Kreisen der deutschen Juden ahnungslose, wirtschaftlich schwache Seelen dem Taufbecken zuzuführen. Oft genug kam aus England, dem Mutterlande -er Judenmission, die Klage, daß der Gr» folg -er Judenbekehrungsversuche in gar keinem Verhältnis zu der auf sie aufgewenüeten Mühen und Geldkosten stehe. Demgemäß hüten sich die Missionare wohlweislich, die Zähl der Juden anzugeven. die sie auf Grund ihrer Predigten für die Kirche Christi gewonnen haben wollen. SelüstverstLnülich wirb kein vernünftiger Mensch jemandem einen Vorwurf machen, der von -er Ueberlegenheit eines anderen Bekenntnisses seinem angestammten Glaube» gegenüber durchdrungen ist und deshalb feine Religion wechselt. In der „Los von Rom"-Bewegung sind Tausende katholischer Christen zum Protestantismus übergetreten. Umgekehrt fühlten sich romantisch angehauchte Naturen, wie Fritz Stolberg, Zacharias Wewnew. Dorothea Schlegel (Moses Mendelssohns Tochter!) von der Schlichtheit des evangelischen Gottesdienstes nicht befriedigt und wandten sich der kunstfrohen Kirche Roms zu. In unseren Tagen stellt der getaufte Jude Heinrich Spiero in seinem Buche „Die drei Krisen in der Evangelischen Kirche der Gegenwart" fest, baß sehr viele Protestanten heutzutage ihre räigiösen Bedürfnisse in der katholischen Kirche befriedigen! Es mehren sich auch die Fälle, daß ernstgerichtete, denkende Christen — nicht bloß der Verheiratung wegen — zum jüdischen Glauben übertreten, dessen unverfälschter Monotheismus ihren Verstand, dessen sinnige Bräuche ihr Gemüt befriedigen. Warum soll also ein Glaubenswechsel aus Ueberzeugung nicht möglich sein? Sonderbarerweise reden alle, die dem Judentums de» Rücken kehrten, sich und anderen ein. sie seien „au8 Ileberzeugung" übergetreten, auch wenn mau sie als kaltherzige Rechner, ehrgeizige Streber, Nichtswisser und Verächter jeder religiösen Form kennt! Bo gelstein sen. behauptet in seiner Neslochpredigt 1895, „Der Molochdienst in unseren Tagen", daß Leute, die eine Sabbatfeier und einen Gottesdienst am Vorabend des Versöhnungstages nicht kennen, „gerührten Herzens" ihre Kinder an den Tisch des Herrn zur Kommunion herantreten sahen! Warum ließen diese gemütvollen Herren Rechtsanwälte und Bankiers nicht zunächst die Weihe und Innigkeit unseres jüdischen Gottesdienstes auf sich wirken, ehe sie ihre Kinder — vielleicht gegen deren Willen — einem fremden Bekenntnis zuführten? Wer sind eigentlich diese Judenmissionare? Mit geringen Ausnahmen sind eS getaufte Juden, vielfach oft Juden. Anfang der neunziger Jahre zog Prediger Dr. raus. Walisisch durch die Lande, um seine einstigen Glaubensgenossen für das Christentum zu gewinnen. Während des Krieges besuchte Herr Ruönitzky die Gefangenenlager, um den russischen Soldaten jüdischen Glaubens das Evangelium zu predigen. Jüngst ist sogar ein aus dem Amte gejagter mitteldeutscher Rabbiner, der nirgends anderweitig Unterkommen konnte, nach der Taufe unter die Judenmissionare gegangen. HanS Herzl hat dieselbe edle Absicht. Drollig klingt es aus dem Munde der Missionare aus Warschau und Lodz, wenn sie Vertrauen heischen mit dem Hinweis: „I —- ach bin auch e bar Jißrueil!" Die Opfer der Judenmission sind geistig und Wirtschaft, sich arme Teufel. In Danzig nahmen kürzlich vier Ostjuben die Taufe: einer von ihnen (Eifelberg) ließ sich Reisegeld nach dem Auslände von der Mission und von der Jüdischen Gemeinde anSzahlen! Im Anfänge deS Jahr- Hunderts veranstaltete die Berliner Judenmission -wischen unseren höchsten Feiertagen alljährlich eine BekehrungSversammlung. Die Berliner Gemeinde wurde ersucht, einen schlagfertigen jüngeren Rabbiner zwecks Aufklärung in die Versammlung zu schicken: sie fand aber „keine Veranlassung" zum Einschreiten. Als eS daraufhin einem Privatmann gelang. durch Zwischenrufe das Niveau dieser Missionsstunde auf das einer politischen Radanversammlung herabzudrücken, unterblieben jene Bekebrungsversuche en 6ros. welche erst der Weinbaum-Waugel-Skandal in der Synagoge Fasanenstraße (April 1915) Wiederaufleben ließ. Der Erfolg? Einmütige, entrüstete Ablehnung. Wir fragen uns immer wieder: Wozu will man unL eigenllich bekehren? Das Christentum besteht aus sehr vielen Gemeinschaften, welche nicht einmal der Glaube an die Gottheit Christi verbindet, hat doch die liberale protestantische Theologie dies Dogma längst aufgegeben! Schon Heinrich Heine behauptete — freilich recht geschmacklos — in den Berliner Kirchen könne man das Christentum auch ohne Gottheit Christi „wie Schildkrötensuppe ohne Schildkröte" haben. Wenn eine Gemeinschaft sich durch die von ihr geübte schrankenlose Nächstenliebe als den edelsten Typ hes Christentums erweisen will, so ist es die früher arg ver, lästerte — Heilsarmee! Wir sollen an die Dreieinigkeit glauben. Hauptpastor v. Schwalb in Bremen sagt in seinem Predigtzyklus „Ist Christus der Erlöser?" (1892): „Solange wir in der Christenheit neben dem einen Gott, dem Bater, noch einen Sohn Gottes als Gott verehren, und neben dem Sohne noch eine Mutter Gottes, solange wir drei Götter habe» in der Christenheit, haben wir keinen vernünftigen Grund. Missionare gegen Vielgötterei predigen zu lassen." (S. 21/22). Wir sollen an Christus als Erlöser glauben. Schwalb sagt (S. 9): „Jesus hat sich geirrt, als er glaubte, er fei der Messias: und die Kircke irrt sich, und jeder irrt sich, der da glaubt, JesuS sei der Erlöser." Wenn er weiter bekennt (S. 10): „Man kann der Erlösung wenigstenin ebenso großem Maße als die besten Christen teilhaftig «erden — und doch außerhalb der Christenheit stehen," so -eckt sich dies mit unser« TalmubauSspruch: „Die Frommen aller Völker haben Anteil an der ewigen Seligkeit." «Ja", sagt die Judenmisston, „Ihr Juden seid auf die Güter dieser Erde eingestellt. Seht unsere Ideale — Auch darauf antwortet der gelehrte Pastor (S. 80): „Die Ideale christlicher Geduld, freiwilligen Leiden-, freiwilliger dtsagrrvs « stnb danicht Trämne. krankhafte Träume, TefühlSrmnvge» sollen lektuale Rechtfertigung Aassov-Authropologie. Individuum t» seinem tekttvwirke» bestimmt. die, wenn «an sie überall in rate» verwaudeln wollte, die gPawfriftfoMiitftfmrV richten würden?" Da?tt-«tt)mgltfche« Gelde bezahlte - Judenmifstv» solche Sehre» heutzutage »tcht mehr recht «Lriugv» kann, zieht ei» neuer-völrerverföhnunaSbund" in Hamburg — dessen Drahtzitzer sich wohlweislich t» da- Gewand der Anonymität hüllen! — andere Saite« auf: »Saß da- Schätzesammeln, tu' Buß« und bekehre dich -um Gott -er Wahrheit," ruft ihre BekehruugSschrift dem Juden zu, „Die Kreuzigung, dieser an der L« Mensche» offenbar gewordenen Gottzett begangene Justizmord, war die ruchloseste Lästerung de»Gotte- Israel-. Gewiß, wir beklage» auf- Tiefste davon den Römer« veranlaßte Martyrium des edle« Nazarener-, wie nnS Me Menschen Mitleid und Bewunderung abnöttge», die um einer Idee willen in de» Tod gingen — de-wegen äber Jesum, unfern Glaubensgenossen, al- Gott und als Erlöser a»- beten —? Nimmermehr, nimmermehr! Laßt uuS, Ihr Herren Judenmissionare, unfern durch die Jahrtausende bewährten Glaube»! Er befriedigt in gleicher Weise unfern Verstand wie unser Gemüt. Um unsere Lehre» zu begreifen, brauchen wir nnnicht erst — wie Schwalb sagt — „den Verstand zu verrenken." Wollt Ihr aber durchaus Mission treibe», so tut dies bei Euer« eigenen Glaubensgenossen! Predigt ihnen Pietät — fast täglich lesen wir, baß Kinder ihre Eltern ermordeten!! — Achtung vor der Ueverzeugung. den Gotteshäusern und Friedhöfen anderer Bekenntnisse, bamtt endlich einmal die Einbrüche in unsere Synagogen und di« Schändungen unserer Friedhöfe aufhören! Wirket hin auf eine in Frieden, Liebe und Gerechtigkeit geeinte Menschheit! Bahnet den sozialen Ausgleich au! Eine solche Umstellung meinte neulich der „FridericuS", alS er anläßlich einer Leipziger Kollekte schrieb: „Die evangelische Landeskirche sammelt noch immer für die Judenmission. WaS soll da»? Warme Strümpfe für die Arme» der Gemeinde sind notwendiger als die Bekehrungsversuche an den Juden!" Angesichtder uns gewidmeten Mission erwächst uvS Juden die Pflicht: Sorget für einen gediegenen Religionsunterricht, damit schon die Jugend befähigt werde, die Missionare gebührend abzuferttgen. „Wisse, was du de« Verächter deines Glaubenzu erwidern hast" fordert schon der Talmud (Aboth 2,19). Kehret -«rück zu de« finnige» Bräuchen deS Judentum-: lasset unsere AndachtSstätten nicht veröden — jede Meldung üher Gleichgültigkett in unseren, Reihen verbuchen die bekehrungswütigen Missionare schmunzelnd als „Zersetzungserscheinungen". Sie täuschen sich, diese Herren! Trotz mancher betrüben« den Zeiterscheinung sind wir vom Wert und der Unzerstörbarkeit unseres Glaubens felsenfest überzeugt. DaS hat auch der jüngste liberale Weltkongreß bewiese». Er hätte eine Tat vollbracht, wenn er dort — im Mittelpunkt der Judenmission — gegen die Dreistigkeit, uns bekehre» zu wollen, donnernden Protest erhoben hätte. Das hat er leider! nicht getan. Nicht erst Renan braucht'» uns zu sage», wir i wissen es selber: „Die reine Religion, die wir als da» ein»! stige, die gesamte Menschheit zusammenhalteube Banahne»,! wird die Verwirklichung der Religion deS Jesajas fei», jene! ideal jüdische von allen beigemischten Schlacken befreite! Religion." J Wenn alle Völker sich einst zu diesem prophetisch-jüdischem Glauben bekennen werden — was braucht'- da Indem») Mission? Darum fort mit diesem infamen Seelenraub! Aus dm Gemeinden I Altona. (AmtSjubiläüm.) Der Oberkantor der Hochdeutschen Jsraelitengemeinde in Altona, Herr N. I. Na«, thanson, beging die Feier seineöv jährigen AmtSjubiläum-., Berlin. (Gedenkfeiern.) Di« Chewra Kadtscha Groß-Berlin veranstaltet gemeinsam mtt dem ReichSbund! jüdischer Frontsoldaten, dem Verband Posener Heimat«! vereine, der Großloge, dem CD. und der Zionistischen Ber«i einigung am kommenden Sonntag, dem 5. September, aufs dem Friedhof in Weißensee eine religiöse Gedenkfeier. Dev Einladimg entnehmen wir: „Durch die gesamte deutsches Judenhett geht der laute Ruf. da- Andenken unserer Helden-« söhne, die in treuester Pflichterfüllung ihr blühendes, junge-, Leben fürs Vaterland geopfert haben, in würdiger Weife zu, ehren. Insbesondere soll die unauslöschliche Erinnerung am alle diejenigen wachgehalten werden, die im heißen Ringens kämpfend, fern vom heimatlichen Boden, auf der Wahlstatt geblieben, ohne baß ihre Grabstätte bekanntgeworden wäre. Mit Wehmut empfinden tausende jüdische FamUien den schmerzlichen Gedanke», daß die Gräber ihrer Edelste» und Besten, die ihr Stolz und ihre Hoffnung gewesen, auf de»! mannigfachen Schlachtselde.i'n und in den von Deutschland: abgetretenen Gebieten fast völlig ««gekannt und vevein-? samt sind- Jhrer wollen wir nie vergessen, ihre Namen wollen win in treuer Wacht mit tiefer Dankbarkeit für alle Zeiten in Ehren halten! Dieses Gefühl warmer Pietät gegen unsere Toten geleitet? uns in diesen Tagen auch zu den verödeten und verlassenen Friedhöfen der einst blühenden jüdischen Gemeinden der ehe^ maligen Provinz Posen, Westpreußens und Oberschleste«S< deren Mitglieder infolge der politischen Verhältnisse Hand und Hof verlassen mutzten. Im Widerhall der heilig-ernste» Tage empfinden st« eS besonders schmerzlich, daß sie durch! mannigfache Hindernisse nicht in der Lage find, die ihnen W teure Grabstätte ihrer Lieben zu besuchen." Butt«. (70. Geburtstag.) Am 8. September feiert« der bekannte Berliner jüdische Hotelbesitzer Isidor Schneider, Schneiders Hotel. Berlin C2, Königstr. 39; in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Butzbach. (Synagogenweihe.) Untu allgemeiner Beteiligung der Behörden und der Einwohnerschaft fand die Einweihung der neuen Synagoge am Wetzlarer Tore statt. Bon den Vertretern seien erwähnt: RegierungSrat Dr. Grein vom Kreisamt Frieübera, Bürgermeister Dr. Jansen- Butzbach, der Vorsitzende des israelitischen Landesverbandes, Kommerzienrat Meyer-Mainz, ProvinztalrabStner Dr. Hirschfeld-Gietze» und die Geistlichen der hiesigen Kon-, fessionen. In dem Betsaal im alten RathauS sprach Lehrer Fuld warme AbschieüSworte, auch dankte er der Stadt für Ueberlaffung des Raumes. Ein kleiner Festzug führte zum neuen Gotteshaus. Architekt Lippert, der die Pläne entworfen. überreichte die Schlüssel, der Bürgermeister sprach die Glückwünsche der Stadt an», Dr. Grein die Glückwünsche der Regierung. Der Vorsitzende der israelitischen Gemeinde. Isidor Krämer, gedachte der Geschichte de- Neubaues unser Frankfurter Knabenchor fang unter Leitung von Dr. Ehrenreich da- Deihelied. Die Glückwünsche de- Landesverbandes sprach Meyer-Mainz auS. Die Festpredigt hielt Dr. Hirfchfeld-Gießen. Im Laufe deS TageS war das neue Gotteshaus zur öffentliche» Besichtigung freigegeben. Allgemein wird eS als ein Schmuckstück unserer Stabt bezeichnet. Laer. (Zuckermauu-Deukmal.) Der Vorstand und da- RavLtnal der Jüdische» Gemeinde Eger wolle« dem jüdische» Dichter Dr. Huao Kuckermau« ei» Graböeukmal errichte». Sie «enden stchmtt einem Aufruf a» die Qeffeutq M tm ffibi fetaneft A i! i ll V