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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-09-03 · 36 (3.9.1926) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
36 (3.9.1926)
Date
1926-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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gerade so hoch oder niedrig eingeschätzt wurde wie der „Giaur". Tas sind die gebräuchlichen, wenig respektvollen Bezeichnungen für beide Telle, die erst nach Her Beendigung des Kriyrkrieges aus -er Amtssprache verbannt wurde». Einer der wenigen Unterschiede, die -wischen de» Leiden Volkselementen gemacht wurden, bestand darin, -ab die jungen Israeliten nicht gleich ihren christlichen Altersgenossen in die Janitscharen-Bataillone eingeretht wurden. Eine Tatsache, über welche die Juden nicht zu klagen hatte». Denn der Tag, an dem -er Sohn de- Haufegewaltsam sortgeführt wurde, galt als -er größte Trauertag -er Familie. Wußte man doch, daß er das Elternhaus kaum Wiedersehen und sofort seiner Religion untreu werden mußte. Dagegen weist die Geschichte verschiedene Fälle auf. daß Juden ganz besondere Vorzugsstellungen eingeräumt wurden. Als z. B. Rhodos von den Türken erobert wurde und kein Christ innerhalb der Befestigung gelitten wur-e, durften die Juden ruhig mit -er türkische» Bevölkerung die innere Stadt bewohnen. Der spanische Jude Don Joses Nasis wurde zum Herzog von Nar.os erhoben und gehörte zu den einflußreichsten Persönlichkeiten am SultanShofe. Das einflußreiche Haremsamt der „Kyra" wurde aber fast ausschließlich einer Jüdin übertragen. Die Aufgabe dieser „Kyra" bestand einmal in der Ausbildung der HaremS- Tänzerinncn, dann hatte sie aber auch die Verbindung der .varemsdamen mit der Außenwelt herzustellen und bei allen Toilettenfragen und Einkäufen Beistand zu leisten. Zur unbehinderten Bewegungsfreiheit wurden der „Kyra" durch eine kaiserliche Urkunde besondere Vorrechte eingeräumt, die der Familie erblich verblieben und bei jedem Sultanswechsel erneuert wurden. Zu diesen Vorrechten gehörte u a. die Befreiung von der Kopfsteuer und die den anderen Nichtmohammedanern versagte Berechtigung zur Haltung eigener Sklaven. Das gute Einvernehmen zwischen Türken mrd Juden hat sich auch in späterer Zeit nicht geändert. Auch die rumä. nischen und russischen Flüchtlinge werden bereitwilligst ausgenommen. Man hatte nichts dagegen, Laß sich ein großer Teil von ihnen nicht ins „gelobte Land" begab, sondern sich in türkischen Städten ausiedelte, denn diese Leute verfolgten keine politischen Aspirationen und waren auch, was den Türken besonders sympathisch ist, sobald sie sich seßhaft gemacht hatten, zionistischen Zielen abgeneigt. Nach -e.r Befestigung des kemalistischen Regimes ver. zichteten die Juden, als erste der Minoritäten, auf ihre, ihnen beim Friedensschlutz zugebilligten Minderheitsrechte. Sie erklärten, nach der Reform der Gesetzgebung keine anderen Rechte für sich zu beanspruchen, als jene, denen sich ihre türkischen Mitbürger zu unterwerfen hätten. Ihre Hoffnung bei diesem Verzicht war, daß jetzt noch mehr denn ehedem die türkische Regierung von ihrer loyalen Gesinnung uberzeugt werden könnte. Da wurde plötzlich die Nachricht verbreitet, daß von dreihundert Juden anläßlich der Christoph-Columbus-Feier cm Huldigungstelegramm an die spanische Regierung geschickt rvorden sei. Bon welcher Seite diese Meldung ausging, konnte nicht ermittelt werden. Die spanischen maßgebenden Stellen Konstantinopels wußten nichts von einem solchen Telegramm, und von allen Teilen der Türkei schickten die jüdischen Gemeinschaften Abordnungen nach Angora, um die Regierung ihrer Treue zu versichern. DaS ist ihnen wohl gelungen. Gegenwärtig stehen die Juden vor neuen Schwierigkeiten. Es wurde ihnen nämlich die erbetene Berechtigung versagt, die Stenern innerhalb ihrer Gememden einznziehen. die zur Unterhaltung ihrer Kultus- und Wohlfahrtseinrichtnngen und ihrer Schulen dienen. Waö aber letztere betrifft, so hat der Unterricht-minister die . Bestimmung getroffen, daß von jetzt ab in den drei unteren Klassen ihrer Gemeindeschulen der Unterricht lediglich in trrrklfcher Sprache erteilt werde und vom nächsten Schuljahr ab auch in den beiden üäberen Klassen. In letzteren sollen für das Hebräische nn^Msge Stunden des wöchentlichen Lehrplans Vorbehalten Meiden. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung ist spanischen Ursprungs. Diese „«vagnolen" bedienen sich als llmgangsfprache aber einer aus ivanischen. italienischen und hebräischen Brocken bestehenden Sprache, während der kleinere Teil der polnischen Juden entweder deutsch sprechen oder das „Jiddisch" beioehalten. — Bei einer strengen Durchführung der neuen Bestimmung ist daher zu erwarten, daß sich die kommenden Generationen vollständig türkisieren werden. Die jüdischen Gemeinden sind nun in eine sehr unangenehme Läge gekommen. Nach te« Weltkriege hat sich die damals auf o7000 Seelen geschätzte Zahl so stark reduziert, daß ne letzt auf etwa 80000 nur noch geschätzt werden kann. Denn durch die ungünstigen wirtschaftlich«» ver-ältnifse veranlaßt, verlasten alle, die es irgend ermöglichen könne», das La»-. Und da dagerade die wohlhabende» Familie» sind, unter de» Konstantinopler Juden bekanntlich aber sehr wenig Reichtum, dafür ader sehr viel Armut uud Glend herrscht, ist die Gemeinde nicht «ehr imstande, durch freiwillige Spenden die Mittel zusammenzubringen, deren sie bedarf. I» einer aus 70 Gemeiudemitgliedern bestehende« Versammlung wurde letzthin u. a. der Beschluß gefaßt, die türkische Regierung um eine Bestimmung zu bitten, in welcher Weise und auS welchen Mittel» die Jude» ihre Schulen und ihre KulluSeinrichtungen unterhalte» solle». Man darf wohl annehmen, daß die Regierung ans de» Verzicht der Israeliten auf ihr« Minderheit-rechte damit antworten wird, daß sie ihnen die von ihnen benötigte» Gelder zur Verfügung stellt. Mafsenhaß oder vornehme Gesinnung. ES muß einmal mit letztaültigem Ernst gefragt werden: Was ist am Juduchaß? Wo ist fein Ouellgrund, fein in Wahrheit kritischer Punkt, von dem auS betriebsam die Fäden gesponnen werden, die bas BoUSlebe» durchwirke«? Welchem Bezirk ist er zuzuordnen? Und zuletzt bedeutsamste Frage: Kann am kritischen Punkt mit Energie das Problem gestellt werden und trägt es in sich den Keim einer Lösung? Man begegnet so häufig der Tatsache, daß ein Nichtjude, der unverkennbar ein Gegner -es Judentums ist oder zum mindesten durchaus kritisch steht, zu einem Juden freundschaftliche Beziehungen unterhält und den Mann in seinen Vorzügen und Schwäche» mit jenem Wohlwollen steht, daS freundschaftliche Gesinnung immer und überall eingibt. Fragt man ihn nach Bedeutung und Ursprung der unlengbaren Diskrepanz, so wird er vielleicht nicht -ie naive Antwort geben, er wäre kein Antisemit, wenn alle Juden ihm so zusagten wie dieser eine. Aber er wird folgende charakteristische Stellung zu erkennen gebe«: Meiner Ueberzeugung nach ist das Judentum, in -er Gesamtheit seiner typische» Erscheinungs- und Wirkungsweisen betrachtet, dem Aufbau, noch mehr dem SichauSwirken des deutschen VolkStums schädlich. DaS Judentum trägt in den Gefamtstand des deutschen Seins und Schaffens, in die ihm vorgezeichneten Wege seine- Werdens ein dem Deutschtum wesensfremde- Element hinein. das in verhängnisvoller Weise zersetzend und verfälschend wirkt. Es wäre verfehlt, dem Judentum daraus eine» Vorwurf zu machen; denn da. wo naturgesetzliche Urhestttnmungen walten leben: das jüdische nicht assimilierbare Andersseins entfällt das Recht menschlicher Kritik. Aber weil der irrational gegründete Gegensatz Deutschtum—Judentum sich nicht in Harmonie wandeln kann, glaube ich. daß die deutsch-jüdischen BoziehungSinhalte eine unnatürliche und darum schädliche Verbindung darstellen, die einer radikalen Auflösung bedarf. Aber von dieser grundsätzlichen Ueberzeugung weift ich wohl zu sondern das individuale und aus rein menschliche WesenSnähe gestellte Verhältnis zu meinen Mitmenschen, die ich ja nur ans ihrer Vereinzelung. auS der eigentümlichen Art ihres Einzelwesens heraus in den Kreis der freundschaftlichen Gesinnung einbeziehe. Unter diesem Blickpunkt sehe ich auch meine Beziehungen zu jüdischen Menschen. Ich glaube, daß die oben gezeigte Diskrepanz den kritischen Punkt darstellt, in dem der problematische Kern des Ganzen vevborgEn-kiegt. Hier-tritt die Idee des Grundphänomens heraus, die den so verwickelt scheinenden Gesamtkomplex durchleuchtet. Man ist sicher berechtigt, die verschiedenartigen Ausstrahlungen. des Jüdönhastes als Erscheinungsformen dieser einen, man möchte sagen substantiellen Wesenheit aufzufassen. Religiöser. wirtschaftlicher, politischer, knltureller. raflemäßiger Antisemitismus sind diese Erscheinungsformen. vielleicht Verkleidungen, vielleicht Interpretationen, seien es gutgläubige oder böswillige, einer mit Scham verhüllten, uneingestandenen Tatsächlichkei. Der Judenhaß ist in die Wirkungskreise Meier der Gegenwart charakteristischen Tendenzen gelangt, die sich in der Krisis der Zeit überschneiden und in ihrer Gegensätzlichkeit die wahrhafte Problematik der krisenhaft gespaltene» Gegend wart ausmachen. Es ist dies einmal das fieberhafte Strebe»^ de» Umkreis der gesamten sichtbaren und unsichtbaren Veit in alle Höhe» und Tiefen wissenschaftlich zu durckdrinae» und auch in der psychische» Sphäre das Licht heller Ratto- «rlität g» verbreiten. Andererseits ist eine Bewegung in »olle« Ga«ge, die, sich abwendeud von dem atomistischen Attfbanft einer rational-analytischen Wissenschaft, in zwar nicht weltfremder so -och idealistischer Grundhaltung um sittliche individuale und völkische Werte heldisch ringt. ES sind Endziele der Forderungen einer zur Sehnsucht erwachten Seele, Endziele, zu deren Verwirklichung jegliches Mittel recht erscheint. So geht ein Zug kraftvoller ethischer Aktivierung d«rch die Gegenwart. Aber Liese Bewegung umgrenzt hart nnd genau ihren Lebenskreis. Sie will Abschluß, nicht universale Belebung. Sie ist heroisch-primitiv, notwendig in die Irre gehend, weil sie die Realität verkennt, die »ur vo» denen gemustert werden kann, die aus der Gesamtheit devolkliche» Lebens die lebendigen Kräfte für sich gewinnen und mit ihnen gemeinsam kämpfen. Für unser speziale- Vetrachtungsgediet heißt eS: das Judentum soll ausgeschlossen werdm, man halt es für schädlich und hemmend. Darum? Hier beginnen wir in einen peinlichen Bereich einzn^ trete«. Sahen wir eben noch kraftvolle Aktivität, d. h. seelische Klarheit und Wachheit, kühne, willensstarke SehnsrHt, so tritt uns jetzt ein anders geartetes Bild entg-ea«!: eme passive, letzte Klarheit scheuende Hingabe an einen Glaube» sowohl wie an eine psychophysische Empfindung, die nicht sman verzeihe die Schärfe der Formulierung) einer WollM des bewußten Sich-Abseitsstellens entbehrt, wobei man nicht weiß, was man als das Primäre anzusehen bat. von mir so gekennzeichnete, jedem unbefangenen Auge sich ausdrängende Phänomen ist nichts weiter als die Vergesellschaftung eines jüdische» TypuS. der einst lebensvolle Gegenwart gehabt hat und von uns wogen seiner sittliche» und religiösen GlaudenLkrast mit Liebe und Berehnung betrachtet zu werden verdient. Es ist der Ghettotypus, den man dem Judentum ohne den sonst so gerühmten historischen und realen Sinn anhängt. In diesem Typus sieht man vereinigt: Geschäftssinn. Jrome, Dialektik, in Summa, d. h. unter Vergröberung und vereinfachender Zusammenballung dieser Qualitäten zur einheitlichen Vorstellung: Wurzellosigkeit. Mangel der Bodenständigkeit des geistig-sittliche» Seins. Gewiß sind die genannten Eigenschaften unter dem Zwang der realen Berhältniffe einst am Juden besonders stark in Erscheinung getreten, aber natürlich hat es diesen Typus in reiner Ausprägung niemals gegeben. Doch er ist,in die Vorstellung übergegangen und dort zu einer starke», konkret empfundene» Leiblichkeit geworden, von Gdneratton zu Generation weitergegeben. erhärtet und »Wahrheit" geworben. In der Neuzeit, wo man in dem dem deutschen Kulwrkreis lebendig verbundenen einzelnen jüdischen Mensche» das vorgestellte Porträt nicht wiederzufinden vermag, setzt der gefährliche, lügenhafte, verdummende Prozeß der Vergesellschaftung einer in der Seele unwandelbar lebendig gebliebenen Wertvorstelluya und Chgrakterzeichnung oi«. -ip man zwar mit der konkreten Individualität des jüdischw Menschen nicht zu Deckung bringen kann, die aber e ufach zur qualitativen Bestimmung einer Masse gemacht wird, i» der man Individuen nicht mehr unterscheidet, die als Konglomerat jüdischen Wesens und jüdischen Seins aljüdische GrundsuLstanz da ist. von der die Individuen nur einzelne Erscheinungsformen darstellen. So erhebt sich die Wahnvorstellung vom »Judentum", vom »zersetzenden jüdische» Element", immer in der quantitativ-epidemischeyf gesellschaftuvg eines nicht einmal reale», sonder» nur üoernourmenen. längst durch den Gang der Entwicklung au-gtz» höhlten qaEätive» TnyüS. ES wird populäre WMüeA was Lüge und Jrrttun ist. Es wird irrational gegründÄM Lotwendig existenter Seinsinhalt, was weiter nichts ift Äl?t mystischer Maffemvahn. Mau sucht seine Position zu stützen und äuSzubauen. Nnes tritt eine Ueberfchneidung der beiden Tendenzen ein. die im Grunde gegensätzlich gerichtet sind: der dynamisch-revolutionären. sittlich-bekenntnishaften. die Personwerte entscheidend betonenden — und der statisch-sachlichen, auf wissenschaftliche Untermauerung gerichteten Tendenz. Dumpfe Arthur Pfimgst. Bon 2 eoulc M e y e rh o f. Nicht leicht gibt das Judentum seinen GigentumSanspruch an die innerhalb seiner Gemeinschaft Geborenen auf. Um so weniger, wenn der Abkömmling jüdischer Eltern in seiner Jugend die ethischen Grmrdlagen unserer Religion in sich ausgenommen hat und sein Lcbensgebände auf Men errichtet. sein Handeln nach ihnen orientiert. In diesem Sinne erbeben wir Anspruch auf Baruch Spinoza, selbst auf Ludivlg Börne, d-eil Getauften, der doch lebenslang Jude rvar. Heine lassen wir schon ivegen seines. poetisch ansaemlinzten Heimwehs nach dem Judentum nicht frei. Zudem bat keiner von ihnen eine in eine andere Glaubensgemeinschaft cinmündende 'Familie gegründet. Nicht weniger nahe süblcn wir uns dem 1010 als 48jäbnger in Frankfurt gestorbenen, einer jüdische» Familie entstammendem Ethiker, Dichter. Philosophen. Erfinder und Großindustriellen Dr. Arthur Pfungst, der nie einer anderen Konfession betgetreten ist. wenn auch die tiefsten Sympathien des Pessimisten nicht unserer Religion, sondern dem Buddhismus galten. Den Anlaß, auf Arthur Pfungst, den Gründer der .-Gesellschaft für ethische Kultur", neuerdings aufmerksam zu machen, gibt die Gesamtausgabe feiner Werke in drei Bänden, die seine Schwester Marie Pfungst in Gemeinschaft mit Dr. Franz Angernrann und Emil Doctor im Neuen Frankfurter Verlag erscheinen läßt, den Pfungst einst selber begründet hatte. Der erste Band liegt bereits vor. Er enthalt eine vortreffliche Lebensbeschreibung und Würdigung Psungsts von Dr. Angermann, eine Auswahl von Gedichten, des Dichters Hauptwerk „Laskariö" — einen dreiteiligen Bcrsrvman —, schließlich ein vielversprechendes dramatisches Fragment ans dem indischen Gedankenkreise "In?jamas Reich". Der z-rvette Batch soll Psungsts Nebertragnng von Sir Edwin Arnolds' „Die Leuchte Asiens" sowie Nebersetzrmgen aus verwandten Gebieten, der dritte eine Auswahl aus Arthur Psungsts zahlreichen Au-fsä^n und Briefen bringen. In allen seinen Schriften, wie ehemals in feine» mündlichen Auslassungen spricht sich ein unabhängiger, aufrechter und gereckter Sinn, ein tiefes Mitgefühl mit allem Menschenleid. ein praktisch wissenschaftlicher Geist, ein schalkbaff« Humor und eine für einen PerSdichter schicksal-voll« Vorliebe fiir einen rein ethischen und weltanschauliche» Inhalt aus. Da- Schwergewicht dieses Inhalts erdrückt hier und da die Fornr. Dem Dichter scheint es gleichgültig, daß er in seiner Vorliebe für den fünffüßige« Jambus in den dreimal zwölf Gesängen feines EvoS „LaskariS" den Leser durch die Eintönigkeit de- Versmaßeermüdet. Für die Wichtigkeit des TLemaS. daihm da- Herz bedrängt, nach neuen ÄuSdruckSformen und Bilder» zu suchen, fiel ibm nicht ein;, er nMm.mit K-rgestWdMe» faxum pMteh. An der unendlichen Bewegtheit, Biegsamkeit und kapriziösen Buntheit -er heutigen Dtchtersprache darf man, um ihm nicht Unrecht zu tun, die seine nicht uvesien. Auch die psychologischen und Milieu-Probleme seiner Zeit zogen Pfungst nicht an; im Gespräch tat er einmal aegen mich die Aeutzerung: „An der Dichtung interessiert mich ausschließlich die sich darin aussprechende Weltanschauung." Go mutz er sich in seinem Werk vorzugsweise gedanklich geben; der darin sich auSsprechenüe Schmerz gilt nicht eigen«» Gefühlen, sondern ganz unpersönlich de» über die Menschheit verhängten Seiden und der Hoffnungslosigkeit des Daseins überhaupt. Nirgends ein LiebeSlied. Selbst der Eros in feinem GpoS »LaSkariS" ist gezähmt und flügellos. Einseitig alS Dichter betrachtet, wirkt Arthur Pfungst heute unmodern; alS Philosoph der Gchopenhauersche» Weltverneinung zugetan, ist er unserer nach Positivem, nach Ermutigung, »ach dem Göttlichen hungernden Zeit nicht minder fremd geworden. Völlig andersteht eS mit seiner Persönlichkeit, die hinter all dem theoretischen Negativismus unbewußt immer wieder hervortritt, ihn lebenLsarben durchleuchtet. Arthur Pfungst als Mensch, in unablässigem Tätigkeitsdrang sich auSwirkend, erfinderisch. Hilfreich und heiter, unbeugsam in allem alS recht Erkannten, Hätte in unserer trübe», verschlammten Nachkriegswelt als ermutigendes, belebendes und erfrischende- Zentrum einegroßen Kreiseeine mächtig« Wirkung ausgeübt. Was seine Erfindungen betrifft, so gelang ihm ein« währenseiner einjährigen Dienstzeit aus militärischem, eine andere später auf dem FabrikationS- Gebiet für die NaxoS-Univn Alpraktischer Tatenmensch und Helfer wirkte seine Persönlichkeit «ach außen hin durchaus positiv und weltverbunden; somit desatz er dt« dem Leben zugewandte Tatsachennatur, di« durchweg den Juden kennzeichnet. Ebenso war ihm als StaimneSeigentümlich- Seit die hingebenbe Liebe zur Familie eigen; niemand stand seinem Herzen so nahe wie Eltern «nd Schwester. Beim Hinscheiden des heißgeliebte» Vaters brach der »Todesprediger" zusammen und blieb tagelang unsichtbar; als er wieder zum Vorschein kam. trug er einen nicht schlecht gespielten Gleichmut zur Schau.. . Da- Schmirgel-Däurpfwerk -NaxoS-Union" war die Gründung feines aus Darmstadt gebürtigen Vaters JucktuS 'Pfungst; die Schwester führt enoch beute 1« Ginn« de- Bruderfort: <eta Ertrag kommt, wie schon die Eltern bestimmte», danptsüchlich Bolk-hUdung-zmeckeu zugute Eine ganz besonderliebe«-, werte, «arme Natur war di« Mutter, eine geborene Oppenbeim: diindv-e Alter — sie starb erst vor wenigen Jahren — bewahrte sie sich eine durchgeistigte und deujwch kindlich anmutend« Güte. — MLrend feiner viele» Reife» zu geschäftlichen nnd ethische» Zwecke» traf Arthur Pfungst Mt einer Anzahl bedeutender Männer zusammen und befreundete sich beispielsweise mit dem damals hochberühucke« Pathologen Eesare Sombroso in Turin. Eine überaus lebhaft« und herzliche Korrespondenz mit de» Gei»« gibt von Letue» ErdebnEen oud iWubestckeni mü Atßä Schwester, seiner besten Freundin, verband ihn gemeinsame ernste Arbeit und die heiterste Neckerei. Trotz seinem friedlichen Verhältnis zu den Mensche« war Arthur Pfungst eine Kaurpfnatur. Sein Angriff galt zwei feindlichen Fronten: dem herrschenden Materialismus einerseits, dem Gewissenszwang der katholischen .Kirche andererseits. In seinem „Neuen Frankfurter Verlag" gab er die Zeitschrift „DaS freie Wort", sowie eine größere Anzahl Broschüren heraus, ließ vor allem das damalbLühende Freidenkertm» zu Worte kommen, das mit der jeu« Zeit beherrschenden Ueberschätzung der einseitig naturwtffenschaftlichen Wvllbetrachiung organisch zusammenhing. Daß auch der von ihm so leidenschaflich bekärnpfte Materialismus sich zum Teil von dieser Art der Weltbetrachtung nährte, zugleich freilich den Pfungst nähestehende« Häckelschen Monismus — das war einer der Widersprüche in Pfungst- Natur, -ie ja auch trotz seiner aufbauenden hilfreichen Tätigkeit sich Sem bickr-dhistischen Quietismus zuneigte. In dem GewiffenSzwang der katholischen Kirche fab er eine persönlichkeitsschwächende, den Begriff .Leiden" verfälschende und verflachende Macht. Demroch war er viel zu klarsehend, um die eigenen und die Anschauungen seiner Zeit als ewige, unumstößliche Wahrheiten zu betrachen. Er war sich desteten Wechsels und -er Entwicklung des Erkennenbewußt und besang ihn in einen seiner besten „Dieb, dann kommen neue Zetten, Wenn dtch'S -rängt, mit eignen Waffen Gegen eine Welt zu streiten. Die du stolz einst mitgeschaffen." Auch in de» Dichtungen, die da- Leben als Wert verueineu. klingt hin und wieder ein Ton der Lebensschätzvng an alS Erbteil de- Juden. Man möchte glauben. Saß Pfungst Lurch de» Anblick menschlicher Leiden 'und 'des häufigen Siege- -e- Niederträchtigen sich dem Dunkel der Weltverneinung hatte zutreiben lasten, die vielleicht gar nicht in feiner Natur begründet lag. Diese verneinende Stellung zur Welt fand ihren stärksten Ausdruck in Arthur Pfungst- Hamvtwerk ^LaSkariS". La-kari-, «in Jüngling an- Rhodos, von glühendem! Leben-derrst beseelt, umsonst von seinem geliebten Lehrer PhilaletheS gewarnt, empfängt von dem Sterbenden besten „Panacee" — da- Mittel,, um Gold zu machen — und stürzt sich in den Debensstrudel. Seine zweite Liebe wirsein Weib. Er verwertet seine Kunst am Hofe Augusts deS Starken in Dresden, verfällt der Leidenschaft zu des König- Mätreste, Aurora von König-marck, wird gefangen und durch seine Frau befreit. Als nunmehriger Anbänger Karls XEL vo« Schweden verliert er im fremden Norden Frau und Goch», und feine verzweifelte Vereinsamung findet da- Wort: auf Erden. M » daß ich

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