Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 35 (27.8.1926)
- Date
- 1926-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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t» »elftem sich Juden al» Nattonaljuden »tektlaffm, Mt volks. und vaterlän-tsch entwurzelt stnb. S» kann mir dvrchauvorstellen, daß an etnet solchen Stebluna ouftJHÄUtotttft«« Mitarbeiten. DaS ilt für un» nicht da» ^scheidende. Enticheidenb ist für un». Laß die Zionisten diese- Heim aufzuziehen wünschen mit dem ausdrücklichen Ä^ruch, -atz von dort die Juden -er ganzen Welt inner, lich aöhänaen sollen. Selbstverständlich will ich damit nicht m den Ruf einstimmen: ^Wawerden die Antisemiten sagen, E*^*r?en di« Juden erst recht nach Palästina schicken wollen!" sondern ich will auf Grund meiner jüdischen Einstellung -er zentralistischen Lösung der Frage -es Juden, tums widersprechen. Wir können, wollen und müssen Juden bleiben, auch ohne ein solche- Zentrum. Wir wollen nicht geistig und religiös, geschweige denn politisch und kulturell rcffortieren von einem Zentrum, dessen Bildung von ganz anderen als rein jüdischen Bedürfnissen heraudiktiert?»rd. Wenn Herr Dr. Paul Nathan in der letzten Nummer der ..CB.-Zeitung" in mustergültiger Weise die technischen Bedenken gegen Palästina zusammenfabt. so bedarf diese Zusammenfassung der. richtigen Ergänzung durch die jüdischseelischen Beweggründe, die uns Liberale von der zionistischen Palästinaarbeir -urückhalten. Man faßt sich an den Kopf und fragt sich vergeblich, weswegen die Zionisten iedes Mal ein derartig maßloses Wutgeschret erheben, wenn gegen Palästina Bedenken erhoben werden. Die Leser der Rundschau sollen eben das Bild behalten, daß wir Liberalen aus ängstlichem Unverstand uns der Palästinaarbett entziehen: daß wirklich ernste, oft innerlich schwer abgerungene. im Judentum liegende Gründe vorliegen. LqrL der verehrte „Gesinnungsgenosse" nicht erfahren: laßt unS statt dessen die Liberalen mit „Mansche!" bezeichnen und ihnen oft di« Sünde gegen Palästina ankreiben. besonders dann, wenn uns die sachliche Widerlegung der gegnerischen Bedenken fehlt. Man muß aber noch viel weiter gehen! Wenn eine Rich. tuna im Judentum nicht das Recht hat, ritterliche Kampfeswetse zu fordern, so sind eS die Herren um die „Jüdische Rundschau". Es ist ein sehr trauriges Kapitel in der jüdischen Geschichte, wenn man einmal genauer prüft, wie parteiisch, wie gehässig und entstellt das Bild ist, daS seit Jahren das offizielle Organ der Zionisten von den Liberalen gebracht hat: Wenn man schon einmal nicht umhin kann, sich auch mit liberalen Erscheinungen, wie etwa der Londoner Konferenz, auseinanderzusetzen — der man das Prädikat „noch nicht völlig genügend" erteilt (der Schüler wird wohl besseres leisten, wenn er einmal Nationaljude wird), so wird diese liberale Angelegenheit ebenfalls dazu benutzt, gegen die Masse der Liberalen Front zu machen. Es genügt, aus dem Artikel über die liberale Konferenz den einen Satz herauszunehmen, in welchem das heutige liberale Judentum charakterisiert wird: „Das liberale Judentum aller Länder war stets obenan in der Beteuerung seines unbedingten Patriotismus: so sehr, daß man in manchen Ländern, wie in Ungarn, aber auch in Deutschland, von geradezu grotesken Ent. gleisungen in -er Richtung eines von" niemandem geforderten überbetonten Nationalismus (natürlich nicht jüdischen Nationalismus) sprechen muß. Daß zwischen wahrer Religiosität und Patriotismus ein tiefer Gegensatz besteht, da die Religiosität GotteSforberung, der Patriotismus das Dekret irgend eines Beamten oder Generals als höchstes Gesetz anerkennt, kam nur sehr wenigen in den Sinn." Es soll hierbei gar nicht die famose Definitton von „Patriotismus" untersucht werden, der sich der Herr Artikelschreiber schuldig macht. Ich kann mich sehr wohl in die Seele eines früher etwa im russischen Reich wohnhaften Juden hineinversetzen, dem das herrliche Gefühl der Vaterlandsliebe systematisch ausgetrieben ist (er sollte nur nicht die deutschen Juden alle über denselben Kamm scheren). Das Niederträchtige in dieser Charakteristik ist und bleibt bas systematische Verschweigen, -atz nun schon seit Jahrzehnten die liberale Bewegung von jüdischen Beweggründen geleitet und keineswegs nur von äußerlichen Gesichtspunkten beeinflußt ist. Die Herren sprechen von Liberalen, wie die Blinden von der Farbe. Es gibt auch liberale Zionisten. Hat jemals die Rundschau einem derartigen Mann die Spalten geöffnet, wie etwa in der „Liberalen Zeitung" schon wiederholt zionistische Liberale zu Wort gekommen sind? DaS paßt ihr nicht in den Kram. Jnfolgedeffen lieber fyste« matisch entstellen und dann über mangelnde Ritterlichkeit klagen! Als seinerzeit drei Gemeindevorsteher, die auf der Stufenleiter -es deutschen Zionismus hoch sieben, dem Berliner Gemeindevorstand und anderen Liberalen in dürren Worten den Borwurf machten, -aß sie Stellenjägerei trieben und daß sie ihre jüdischen Ehrenämter dazu benutzen, um einflußreichen Parteigenossen gutbezahlte Stellen zu verschaffe» (wohl -er infamste Vorwurf, de« «an einem Ehren* beamten machen kann!), da war „Ritterlichkeit" nicht erforderlich. Die tauchte erst auf, als man dem zionistischen Wahlkommifsar zu nahe trat, demselben Kommissar, der im Wahlkampf in öffentlichen Versammlungen unbescholtene Männer au» -kn Reihe» seiner Gegner in der unverant. wörtlichsten Weife angrtff. Die damals Angegriffenen haben in der Oefsentlichkeit geschwiegen, weil sie sich sagen, daß ein Mann, der in der jüdischen Oefsentlichkeit hervortritt, auch die damit leider verbundenen Verunglimpfungen in den Kauf nehmen mutz. Desto erstaunlicher wirkt eS, wenn jetzt von allen Seiten Liberale und Pseuboliberale mobil gemacht werben, um über die Verwilderung der liberalen Sitten zu stöhnen. Wenn man vier sachliche Artikel gegen Palästina schreibt, bann ist daS ein Dokument -er Golusschande, so unerhört roh, daß einem der Atem zur sachlichen Beantwortung ausgeht: wohl aber ist eS vornehm, daß Zionisten mit Konservativen in trautem Bunde die Abwesenheit des Präsidenten einer Versammlung in jüdischen Dingen benutzen, um diese Versammlung einzuberufen, in der ein Rumpfparlament grundwtchttge Angelegenheiten der Ge. metnde beschließt. Das ist zulässig, politisch anständig imd einem Mann gegenüber „ritterlich", der seit vielen Jahren an dem Ausgleich jüdischer Gegensätze arbeitet. Difficile est. satiran non scibere.! Wir wollen unS also nicht so furchtbar erregen, wenn in j de» jüdischen Zeitungen ein schärferer Ton angeschnitten wird. Biel wichtiger wäre es. wenn jüdische Menschen nicht stet» Partei mit der Person verwechseln würben und jeden sachlichen, in Gesinnungsunterschieden begründeten Angriff mit Verletzungen der persönlichen Ehre beantworten würden. Hier haben, glaube ich, die Herren, die am lautesten nach Ritterlichkeit rufen, am meisten zu lernen! Die sommerliche Abwesenheit des Schreibers dieser! Zeilen hat ihn gehindert, sofort nach Bekanntwerben der Münchener Beschlüsse über den Reichsverband hierzu Stellung zu nehmen. Diese Beschlüsse bedeuten eine für un» recht schwere Enttäuschung. DaS ist jedenfalls nicht die Erfüllung de» auf dem letzten Gemeinbetag einstimmig gefaßten Beschlusses! Wenn man auch selbstverständlich auf dem Standpunkt stehen muß daß die Münchener Beschlüsse in irgendeiner Form alS Abschlagszahlung auf die künftige RetchSorganifation verwirklicht werden müssen, so wird ine Preußische LandeSversammlung. insbesondere die liberale Fraktion, sehr ernsthaft zu prüfen haben, in welcher Weise insbesondere eine erhebliche Verstärkung der Demokratisierung in dem neuen Gebilde Platz zu greifen hat. Man wird sich insbesondere mit einer aus bloßer Delegation erfolgten Vertretung keineswegs begnügen können. Wenn der DJGB. jetzt in Wort und Schrift wiederholt daraus hinweist, daß der jetzige Zustand dem letzten Beschluß des Gemeindetages widerspricht, so mag aber doch daran erinnert werden, daß -essen Verwirklichung insbesondere vereitelt worden ist durch das Jn-den-Boröergrund-treten der Landesverbände, insbesondere des Preußischen Landesverbandes. ES ist immer derselbe Mann gewesen, der zunächst die Reichsorganisation auf Grund des DJGB. durchsetzen wollte, bann, mitten in den Arbeiten hierfür, den Preußischen Landesverband ins Leben rief. Ich erinnere mich genau, wie bestürzt der verstorbene Vorsitzende des DJGB., Prof. Kalischer, gerade über diese Gründung war, die er stets alS größtes Hindernis für die Reichsorganisation aufgefaßt hat — und der jetzt wieder, nachdem die Dinge in Preußen anders liegen, als eS ihm lieb ist, zum DJGB. zurückgekehrt ist. Wir Liberalen haben keine Veranlassung, unsere seinerzeit bei der letzten Gemeindetagung durch den Schreiber dieser Zeilen gegebene Erklärung zu revidieren, daß wir nämlich eine aus allgemeinen Wahlen hervorgehende Organisation als einzig wirkliche Lösung ansehen und daß wir jetzt eine andere Lösung nur als Teil- und Abschlagszahlung anfehen können. Freilich scheint es ja nun wieder weit dahinzustehen, wann die Preußische Landesversammlung Gelegenheit haben wird, die einzelnen Fragen zu klären. ES waltet überhaupt über dem Preußischen Landesverband ein märchenhafter Unstern. Man hat es nicht einmal für nötig gehalten, den Ständigen Ausschuß mit den Fragen der Reichsorganisatwn bekannt zu machen. Alles geschieht im Schoß i des Rates und bei den „Dezernenten". Die Oefsentlichkeit, einschließlich der Abgeordneten, wird immer vor vollendete Tatsachen gestellt. Wie die Dinge liegen, scheint aus einer Fanfare eine Charmade zu werden. Die liberale Fraktion darf aber diese Verzettelung der Kraft des Landesverbandes nickt dulden. Sie ist die stärkste Fraktion. Sie hat die Mehrheit im Rat. Sie mutz darüber wachen, daß hier nicht ein großer Aufwand nutzlos vergeudet wird. Kulluk'Ziontsmus Der vorstehende Artikel spricht bereit» von de« Schimpfwortlexikon. -a» die Nummer 04 -er «Jüdischen Rundschau" als Antwort auf unsere Palästina-Nummer heraus« gebracht hat. Damit sich unsere Leser, die ja selten die „Jüdische Rundschau" sehen, selbst ein Bild davon machen können, wie Zionisten jetzt jüdische Kämpfe führen, veröffentlichen »Ir nachstehend ein paar ritterliche Worte de» zionistischen Knigge an die «Jüdisch-liberale Zeitung": 1. Politisches Wegelagerertum im jüdischen Leben. Gelehriger Schüler des politisch verwilderten Lehen» Deutschlands. Methoden national-sozialistischer Pro« vinzsekretäre. Mansche!. Diesem Typus liegt nichts an der Ehre des Juden. Ihm liegt nur an feinem Geschäft, an der Befriedigung seiner Eitelkeit, an seinen kleinlichsten und lächerlichsten Krähwtnkelinteressen. Er steht im Hinterhalt und begrüßt mit hämischem Grinsen jede Schwierigkeit. 2. 4. 6. 6. 7. 8. Lügt. 9. Schwindelt. 10. Verbündet sich mit den zweifelhaftesten Individuen. 11. Speit Gift und Galle. 13. Gotteslästerung. 13. Jeder anständige Nichtjude wird von diesem sich an« biedernden Typus Juden mit einem bitteren Geschmack auf der Zunge sich abwenden. 14. Dokument unserer Golusschande. 13. Publizistischer Abschaum, der dort verspritzt wirb. 16. Ob diesmal auch Wechselfälscher unter den Verfassern sind, können wir infolge der Pseudonymität nicht fest« stellen. 17. Unsinn. 18. Niveau minderwertiger völkischer Presseerzeugnisse. 10. Freude, mit der hier im Schmutz gewühlt wird. 20. Mit der alles zusammengesucht wird, wa» dem jüdische»! Namen Unehre macht. 21. Hämische Schadenfreude. 23. Kindische Oberflächlichkeit de» ganzen Geschwätzes. 23. So ein Zeug. 24. Blatt der jüdisch Uninteressierten. 23. Kleine herrschsüchtige Clique. 26. Austoben, wie es ihr gefällt. 27. Erbärmliche Flachheiten. 28. Als politisches Revolverblatt dema»* kiert. 29. Nur durch Psychoanalyse zu erklären. 80. Minderwertigkeitskomplex. 31. Jüdische Impotenz. 32. H y st e r i s ch e s G e s ch r e i. 84. Mit heuchlerischem Bedauern. 83. Narren. 36. Die Armseligen. LopvrlM by „Jüdische Rundschau". Aus den Gemeinden Berlin. (Max Unger gestorben.) Am Sonntag, dem 32. August, verstarb nach kurzer schwerer Krankheit der Kaufmann Max Unger. Der Vorstand und die Beamten der Synagoge „Der Friedenstempel" widmen ihm einen Nachruf, in dem es heißt: „Wir verlieren an dem Berstor, Venen nicht nur einen von tiefer Religiosität durchdrungene» Freund und Mitarbeiter, der unsere in den Dienst des Judentums gestellten Bestrebungen aufrichtigen Herzen» unterstützte, sondern auch einen wahrhaften Förderer unserer charitativen Aufgaben." Berlin. (Silberhochzeit.) Herr Fabrikant Philipp Elben und Frau Rosa geb. Levy begehen am 1. September dieses Jahres daS Fest der Silberhochzeit. Berlin. (Kantoren - FortbtldungSkursu».) Während der vergangenen großen Ferien fand in Berlin ein mehrwöchiger Kantorenfortbildungskursus statt, der recht erfreuliche Erfolge zeitigte. Die Oberkantoren Davibsoh« und Asch, die den Kursus veranstalteten, fanden insbesondere bei dem Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden» wie auch bei der Berliner Jüdischen Gemeinde regeS Interesse. So war es möglich, nicht nur den Kursusteilnehmer» alle Borlesyngs- und. Uebungsstunden vollständig unent» aufgehäuft, daß schon der fünfzigste Teil davon der Erfindungsarmut der meisten zeitgenössischen Komponisten aufzuhelfen vermag. Ich brauche Einzelnes nicht zu erwähnen: kein Arien-Album kann ohne die des „Elias" überhaupt bestehen. Die packende und fremdartige Wildheit der Baals- Szeüen, der gewaltige Aufbau der Regenepisode mit ihrem hinreißenden Schluß am Ende des ersten Teils, die von den Schauern der Gottesnähe erfüllte Zwiesprache mit dem Engel und der darauffolgende Chor des Erdbebens — all dieses und anderes sind Ewigkeitswerte, über denen man die gerade gegen das Ende hin auffällige und störende Vermengung von Epischem und Dramatischem vergißt. Daß der Meister selbst mit tiefstem Ernst über diese Dinge nachdachte, zeigt eine Briefstelle an Schubrtng (16. Dezember 1846) aufs deutlichste: Ich kann das halb opernhaste der meisten Oratorien u. Texte (wo man sich mit allgemeinen Figuren, wie z. B. ein Israelit, ein Mädchen, Hannah, Mikah u. dergleichen durchhilft, u. wo dte bann, statt zu sagen; „e» geschehe das u. das", sagen müssen: „weh mir, ich sehe da» u. das geschehen") gar nicht leiden, halte sie für halb u. schwach, u. mag dergleichen nicht mitmachen. Aber freilich ist das ewige: „er sprach" u. s. w. auch nichts Rechtes. Beides ist im Texte vermieden: -och ist auch das u. bleibt immer noch eine der schwachen Seiten. Dank aber muß man es Mendelssohn wissen, daß er dem wiederholt hervortretenden Ansinnen SchubrinaS. den Schluß des „Elias" auf bas neue Testament hmauszuschicben. standhaften Widerstand entgegensetzte. Der protestantische Theologe mag von seinem Standpunkt au- Recht haben, wenn er (16. Juni 1846) schreibt: Ich erkenne jetzt mit der bestimmtesten Klarheit, daß das Oratorium keinen andern alS neutestamentlichen Schluß haben darf, indem sowohl das Alte Testament (Maleachi) als auch das Neue Testament dies zu bestimmt fordert. Elias muß den alten Bund zum neuen verklären halfen, das ist seine große geschichtliche Bedeutung. Mag Händel in seinen alttestamentltchen Oratorien sich auf den engen Gebiet allein bewegen — Leute wie Saul u. s. w. sind auch nichts weiter — bei dem Vlias u. bei Dir, zu unserer Zeit, muß eS anders sein. Darum meine ich, daß der Ginn, in welchem ich den Schluß gehalten, bleiben muß: mögen auch die Worte werden, wie sie wollen. Der Künstler aber empfand da» verletzende dieser Ansichten. Sein ästhetisches Bewußtsein sträubte sich mit aller Gewalt dagegen; aber man wirb außerdem nicht fehlgehe«. wenn man auch dem ererbten „jüdischen" Gefühl, daS durch keine Taufe abgewaschen werden kann, seinen guten Anteil an der Weigerung -uerkennt. Der Überwältigende Erfolg, den die erste Aufführung des Werkes am 26. August 1846 in Birmingham hatte, spiegelt sich in einem Briese von Ignaz Moscheles wieder: Du hast mir durch Dein Erscheinen in Birmingham, durch Deinen Elias eine neue Kunstwelt erschlossen: Dein Werk hat mir einen unvergeßlichen Eindruck gemacht. Ich wollte meinen Jubel nicht mit dem der großen Menge vermischen, denn, ich glaubte noch mehr, noch anderes gefühlt zu haben, wie jene. Ich schreibe Dir meine Gefühle von Entzücken . . . Du kannst leicht Beethovens Motto: „O! Mensch, hilf Dir selber!" im Schilde führen, da Dir Gott die seltene Kraft gegeben, Dich ihm so heilig zu nähern. Nach der ersten Aufführung in London schrieb der Prinz- Gemahl Albert nachstehende Worte in das Textbuch, dessen er sich bedient hatte, und schickte es Mendelssohn als Andenken zu: Dem edlen Künstler, der, umgeben von dem BaalSdienst einer falschen Kunst, durch Genius und Studium vermocht hat, den Dienst der wahren Kunst, wie ein anderer Elias treu zu bewahren, u. unser Ohr aus dem Taumel eines gedankenlosen Töncgetändels wieder an den reinen Ton nachahmender Empfindung u. gesetzmäßiger Harmonie zu gewöhnen, — dem großen Meister, der alles sanfte Gesäusel, wie allen mächtigen Sturm der Elemente an dem ruhigen Faden seines Gedankens vor unS aufrollt. — zur dankbaren Erinnerung geschrieben von Buckingham Palace. Albert. Endlich stattete auch der Düsseldorfer Maler und Zeichner Sonderland den ersten Druck des Werkes so wundervoll au», baß er heute die Freude jedes Bücherfreundes bildet: Dte mächtige Gestalt des Propheten mit hoch erhobenen Armen, vor dem Baals-Altar auf den zertrümmerten Bildsäulen deS Götzen stehend. alS wollte er ausrufen: Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer, und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt? Am See Gmezarelh Bon Ailh. Wölkerling. In einem tiefen Talbecken, im Osten und Westen überraat pp« mächtigen. bi» zu 380 Meter aufsteigenden Felswänden und ramtn Bergen, hier und ha durch gewaltige Schluchten zerriss«;, in welchen im Frühjahre die kalten Schmelzwasser ungehindert herabstürzten, während sie in der regenlosen Zeit ihre schauerliche Wildheit erkennen ließen schimmerte wie ein Auge Gottes der klare, dunkelblaue Spiegel des Galiläischen Meeres, des Sees Tiberias oder Genezaretti in zauberischer Pracht bei einer Länge von sechs und einer Breite von drei Stunden, dessen Oberfläche merkwürdigerweise 25 Meter tiefer als die des nicht allzu fernen Mittelmeeres lag. Bon Norden grüßte der hohe Libanon mit seinen schneeigen Häuptern, im Süden aber breiteten sich fruchtbare Gefilde aus, wo in reicher Fülle die edelsten Früchte gediehen. Die Ufer des lieblichen Gewässers. das von dem Jordan, dem größten Flusse de» Landes, gespeist wurde, umsämnten neben dem bekannten Rohr, die geschätzten Papyrusstauden. scharfkantige Seggen und schlanke Binsen. Allerlei Buschwerk, unter dem da» rosenfarbene Blütenmeer der Oleander sich wie ein leuchtendes Morgenrot ausbreitete und daS staunende Auge der vielen Besucher entzückte, und üppige Lotus-, Zitronen-, Pomeranzenbäume in bunter Folge spendeten wohltuenden Schatten. In diesem dichten Laubgewirr nisteten ungestört Nachtigallen. Drosseln und andere niedliche Sänger, während in den nahen Felsenhöhlen Magdalas die wilden Dauben ihren girrenden Lockruf hören ließen. Auf dem See selbst aber warfen über 1200 Fischer ihre Netze ans. und gegen 250 Boote durchkreuzten ihn nach allen Himmelsrichtungen. Ein Kreis freundlicher Flecken und Dörfer, wie Kapernaum, Chorazien, Bethsaida, Tiberias. Magdala, breitete sich an den Abhängen aus und zeugte von dem Wohlstände seiner arbeitsamen Einwohner. Und was ist aus diesem einst so fruchtbaren Garten GotteS geworden! Wohl kräuseln noch heute die Westwinde die glitzernden träumenden Fluten: doch sind die Ufer durchweg verschllrmmt. da der Jordan noch immer in dem umfangreichen Becken sein Wasser klärt und die vielen Wirkstoffe zurückläßt, welche zur Ansiedelung und schnellen Ausbreitung der mancherlei Sumpfpflanzen die Vorbedingung bilden. Die einst blühenden Ortschaften sind größtenteils vom Erdboden verschwunden, wozu zweifellos mehrmalige Erdbeben beigetragen haben. Heiße Quellen vernichteten die üppige Vegetation, und von den ehemaligen lachenden Obsthainen ist keine Spur mehr vorhanden. Dafür tritt überall schwarzes Basaltgestein zu Tage, ein Zeuge vulkanischer Ausbrüche. DaS prächtige Tiberias ist zu einem armseligen Orte herabgesunken. Ueberall zeigt sich Verfall. Keine helfende Hand macht sich bemerkbar, bessere Zustände zu schaffen, und statt der früheren tätigen Fischer machen Rßther, Pelikan- Kormörane und andere gefiederte Räuber Sagd auf die stlberschupptgen Bewohner de» letzt stille« ewäfferS. t >