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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-08-20 · 34 (20.8.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
34 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Portugal eingewanderten Juden verhielten sich im Gegen, satz -u denen in anderen Ländern Europaihrer Umgebung gegenüber durchaus konservativ und brachten dem Christentum Mißtrauen entgegen.- sie nähmen daher keine fremden Melodien auf; so haben sich ihre Gesänge ursprünglicher erhalten. Von Komponisten sephardtscher Gesänge erwähnte der Vortragende als die bedeutendsten Gremieux. Eonsolo. Bauer. Cohen-Linaru. Im 19. Jahrhundert endlich wurden die hebräischen Gesänge gesammelt, gesichtet, ergänzt und erneuert unter Hinzu» fügung eigener Kompositionen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier wurden als einige der bekanntesten Namen Naumburg (Patis). Sulzer (Wiens. Weintraub (Königsberg). Deutsch (Breslau), Lewandowski (Berlin), genannt. Die durch mündliche Ueberlieferung überkommenen Gesänge haben sich in den Aufzeichnungen der heutigen Notensorm nicht in der ursprünglichen Art erhalten. WaS wir heute als »traditionelle" Melodien ansprechen. sind meist Schöpfungen der Neuzeit. — Auf weitere Einzelheiten des interessanten Vortrages cinzugehen, gestattet leider der Raum nicht. — Bei der Kürze der Zeit mußte Herr Kellermann von der wirksamen musikalischen Erläuterung absehen. nur zum Schluß fügte er drei Beispiele auf dem Klavier an: eine bekannte Tischo b'Ab-Melodie, eine traditionelle Sukkoth- Melodie und eine süddeutsche Melodie sür Sochrenu l'chaiim (Roschhaschono). Der Vortragende sprach zum Schluß die Hoffnung auS, daß sich ein andermal Gelegenheit bieten würde, gesangliche Beispiele der synagogalen Musik im Rundfunk zu bieten. Der Vortrag umfaßte in gedrängter Kürze ein Stück Kulturgeschichte und läßt den Wunsch aussprechen. auf diesem sich seht bietenden Wege der Belehrung zu einer Annäherung der Konfessionen im Geiste der Duldung beizutragen. Berlin. tAuS der Preußischen Akademie.) In einer Arbeit, die Prof. F. W. K. Müller der Preußischen Akademie der Wissenschaften vorlegte, betrachten Dr. F. Waldschmidt und Tr. W. Lentz den bedeutungsvollen Handschrislenfund Sir Aurel Steins im Hinblick auf die Erkenntnisse, die er uns über die Stellung Jesu im Manichäismus vermittelt. Die aus Tun-huang in Ehinesisch-Turkistan heimgebrachtc chinesisch-manichäische Hmnnenrolle enthält u. a. mehrere Hymnen auf Jesus: eine große Lobpreisung von 75 Strophen, ein Schlußgebet nach dem Preise Jesu und außerdem einen mit chinesischen Zeichen umschriebenen Hymnus im mitteliranischen Nordwcstdialekt. Die Ausdrucksweise dieser Texte ist im weiten Umfang christlich. Sie beweist, daß die durch die Kirchenväter bezeugte Verehrung Jesu bei den Manichäern nicht sekundär eingedrungen ist. Jesus ist für Mani der Erlöser. Als solcher erscheint er unter der in der Hymnenrolle gewöhnlichen Bezeichnung „Großer Heiliger" auch in dem chinesischen Traktat von Chavannes und Pelliot. Eschatologische Vorstellungen (Vorstellungen über die letzten Dinges verschiedenen Ursprungs werden von Mani miteinander verwoben und zu Jesus in Beziehung gesetzt. Jesus, der dem Adam die Gnosis bringt, geleitet auch die Seele des Erlösten nach dem Tode ins Lichtparadics zurück. Damit erhalten die unter der Bezeichnung „Erlösungsmysterium" bekannt gewordenen Erweckungshymncn der iranischen Turfanfragmentc ihre Deutung: es sind Gespräche der aussteigenden Seele mit Jesus über die finsteren Schrecken des „Fleischesköryers" und die Herrlichkeit des vom Gläubigen ersehnten Lichtreiches. Cassel. IA m t s n i e d e r l c g u n g des Gemeindealt e st e n Leo Lazarus.) Mir großem Bedauern haben wohl alle Gemeindeangehörigen, in erster Linie aber die MttWeder des Aeltestenkollegiums. die Mitteilung von dem freiwilligen Rücktritt des Gemeindeältesten Leo LazaruS entgegengenommen. In 22jähriger selbstlosem eifriger und ouip^reudiger Tätigkeit hat der nun aus seinem Ehrenamt Scheidende die Interessen der Gemeinde mit zähem Festhalten an bewährten Ueberliefcrten. aber auch mit ebenso energischem und erfolgverheißendem Eintreten für fortschrittliche. durch die Entwicklung der Verhältnisse gebotenen Einrichtungen vertreten und gefördert: dafür schuldet ihm die Gemeinde großen Dank, der heute um io deutlicher betont werden muß. da es während der Amtsveriode des Herrn Lazarus nicht auch au Gegnern fehlte, die vielleicht von der temperamentvollen Art seines Auftretens nicht erbaut waren, wenn sie auch die uneigennützigen und der Gesamtheit dienenden Absichten des nun aus Gesunöheitsangabe zeigt sich, wie viele Probleme hier angeschnitten wurden: ein sehr wichtiges fehlt aber: Die jüdische M ä d ch e n e r z i e h u n g. Wenn sie auch im Laufe einzelner Darstellungen erwähnt wird, so doch nicht als solches für sich: wir dürfen nicht glauben, daß sie der Knabenerziehung gleichgestellt werden darf: sie bedarf gerade heute besonderer Sorgfalt und verdient besonderer Beachtung. ES ist nicht möglich, innerhalb einer Zeitungsrezension alle einzelnen Darstellungen zu beurteilen und zu allen Stellung zu nehmen. Von unserem Standpunkt verdienen die erstgenannten besonderer Beachtung, und hier zuerst die Abhandlung unseres Meisters Baeck: „Religion und Erziehung", der darzulegen versucht, in welch innigem Zusammenhang beide stehen, wie beide derselben Wurzel entstammen. Religiosität ist eine nach innen gewandte Erziehung, und Erziehung ist eine nach außen gerichtete Religiosität. Beides aber ist ein künstlerisches Vermögen. Auch die Religion will wie die Erziehung formen, bilden, verwirklichen, erfüllen. Nur der »Philister" --- Am Haarez, der nur an sein Ich denkt und an sein Wohlbehagen, wird irreligiös sein, der schaffende, wirkende Mensch immer religiös. Es ist darum nichts Zufälliges, daß die großen Jugendbildner tief religiöse Menschen gewesen sind: denn Religiosität ist eine Vorbedingung und ein Motiv alles Erziehens. dem religiösen Menschen treibt es zum Erziehen. Wie er an sich ein Schöpfer zu werden suchte, will er eS auch an anderen werden. Baeck versucht nun das Gebiet der Pädagogik in zwei Teile zu zerlegen, in die Arbeit des Erziehers und in die des Führers. Der Lehrer ist entweder Kinderlehrer oder Jugenölehrer. Nur selten finden sich beide Möglichkeiten in einer Person. Auch diesen beiden Stufen entsprechend ist die Methode der religiösen Bildung eine verschiedene. Bei dem Kinde waltet die Phantasie vor, das Fragen nach dem „Warum, Woher" steht im Vordergrund, und cs kommt nur auf den Lehrer an, dem Kinde eine immer befriedigende Antwort geben zu können. Vor allem ist es die Frage nach dem Uranfang, nach dem Urcude, nach dem, was ehedem-und oben und jenseits ist, die Frage nach Gott. So wird die Phantasie des Kindes zur sittlichen Phantasie, zur Phantasie des Weges. Das Kind erfährt, was es tun soll, cs geht nun mit „Gott", es geht auf dem Wege, auf welchen cs Gott vor sich sieht, auf welchem Gott es führt. Hatte nun die erste Periode in der Phantasie ihr Eigenes, so ist die zweite die des Intellekts. Auch hier hat die Religion wieder ihre unvergleichliche Aufgabe. Jetzt rvird die Phantasie des Weges zur Erkenntnis und zum Willen des WegeS das bloße Bild zum Gebot, das Geschaute zur Idee. Der gebietende Gott zeigt die Richtung und die Zukunft wird nur ein Ziel: daö Wünschen ist zur sitt. lichen Tatkraft geworden. In der Religion erkennt er dieses Ziel, diese Aufgaben. Sie zeigt ihm in dem »m» alles Lebens den Sinn seines Lebens. Im Ewigen, in den rücksichteu auSscheibenden DorstandSmitaliebeS rückyallloS anerkennen mußten. Die besten Wünsche'für vollständige Wiederherstellung seiner Gesundheit begleiten Herrn Lazarus bei feinem Scheiden aus dem Gemeindevorstand. DaS Kuratorium LeS israelitischen Waisenhauses, dem Leo Lazarus feit vielen Jahren als tatkräftig förderndes Mitglied angehürt. würde es lebhaft bedauern, wenn er auS demselben Grunde auch seine für die Anstalt wertvolle und ersprießliche Arbeit aufgeben müßte. Dresden. (AuS dem Gemeinüeleben.) Für die diesjährigen hohen Feiertage werden zu den Gottesdiensten, die in der Synagoge und in Königs Gesellschaftsbaus stattfinden. Eintrittskarte« ausgegeben. Ohne diese ist die Teilnahme an den Gottesdiensten unmöglich. Für jeden Synagogenplatz kann gegen eine Gebühr von drei Mark eine Anschlnßkarte für ein Kind entnommen werden. Für Kinder unter sechs Jahren wird keine Karte verabfolgt. Die beschränkten Platzverhältnisse erfordern die genaueste Beobachtung der sicherheitspolizeilichen Vorschriften, zu deren Ueberwachung Polizeiorgane hinzugezogen werden. Freikarten für Unbemittelte werden nur zu dem in Königs Gesellschaftsbaus stattfindenden Gottesdienst auSgegeben. — Der Israelitische Frauenverein weist öffentlich aus die kläglichen Wohnungsverhältnisse in armen jüdischen Familien hin. Oft müßten die Kinder auf dem Fußboden, verschiedentlich bis zu drei Kindern in einem Bett schlafen. Der Verein bittet alle, die Kinderbetten und Kinderwagen entbehren können, dem Gemeindeamt davon Mitteiluna zu machen. Die Gemeinde selbst verweist erneut nachbrücklichst auf das bei freudigen Anlässen ins Haus gebrachte Spendenbuch, das dazu beitragen soll, den meist außerordentlich notleidenden Dresdener jüdischen Wohltätigkcitsvereiuen ihre Aufgaben auf dem Gebiete des Armenwesens erfüllen zu helfen. — Die Gemeindefürsorgerin Hedwig Klein, die sich um die Organisation der WohlfabrtSstelle große Verdienste erwarb, schied Ende Juli, wenige Tage nach ihrer Verehelichung mit dem Fabrikanten Alfred Fischl, aus dem Amte. — Im 81. Jahre starb der erste Dresdener jüdische Handwerksmeister F r i tz H e ch t. Er war ältestes Mitglied und Mitbegründer des Dresdener Handwerkervereins. Köln. «Silberhochzeit.) DaS Ehepaar LouiS Goldberg feiert am 21. August 1926 daS Fest der silbernen Hochzeit und gleichzeitig das 25jährige Bestehen ihres Geschäftes. Herr Goldberg ist Mitbegründer des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens und wurde als erste Jude im Deutschen Reich in die Handwerkskammer gewählt. Als Vorstandsmitglied der Kölner liberalen Vereinigung und als liberaler Repräsentant bat er sich große Verdienste um die liberale Sache erworben. Wir wünschen dein Jubelpaar, das sich in weiten Kreisen besonderer Wertschätzung erfreut, von Herzen Glück. München-Gladbach. (S y n a g o g e n j u b i l ä u m.) Die Synagoge der hiesigen israelitischen''Gemeinde konnte dieser Tage aus ihr 50jährigcs Bestehen zurückblicken. Sie ist am 4. August 1876 durch Ober-Rabbiner Dr. Hervmitz feierlich eingeweiht worden. Die Gemeinde hatte bis dahin ihre Gottesdienste in einem kleinen Betbause abgehalten. Sondershauscn. (S y n a g o g e n j u b i l ä u m.) Am 14. August feierte die Synagogengemeindc in Sondershausen das 100jährige Bestehen ihres Tempels. Aus diesem Anlaß hat der verdienstvolle Vorsteher der Gemeinde, Herr Rudolf David, eine Festschrift erscheinen lassen, in der er an Hand interessanten historischen Materials den Werdegang der Gemeinde schildert. Schveidemühl. (Denkmalseinweihungs Unter großer Beteiligung der ganzen Gemeinde und der Nachbargemeinden fand -am Sonntag, dem 15. August, aus dem jüdischen Friedhose die Einweihung des vom ReickSbund indischer Frontsoldaten. Ortsgruppe Schneidemühl, gestifteten Ehrenmals sür die im Weltkriege gefallenen jüdischen Sol- , daten Schneidemühls statt. Das Denkmal besteht aus drei Obelisken. Der mittlere und größte Obelisk, fast drei Meter hoch, stellt eine Wiedergabe nach dem Motiv des von Prof. Max Liebermann gemalten Bildes, mit der Inschrift „Den Müttern der 12 000 gewidmet", eine klagende Frauengestalt vor den Gräbern der Gefallenen dar. Zu beiden Seiten steht je ein kleinerer Obelisk, auf denen die Namen der 32 gefallenen Söhne der jüdischen Gemeinde eingemeitzelt sind. Nach einleitendem Vortrag des „Niederländischen Dawkgebetes" durch das städtische Orchester sanq Kantor H e lischköwski Las Lied ,Hoffnung* (ES schwebt ein Engel garhehr und schön), von Otto Wernicke. AlSbann ergriff der 1. Vorsitzende deS hiesigen Front-, Sundes, Oberleutnant d. L. a. D. E d e l. das Wort. Er be« grühte die zur Gimoeihung erschienenen Angehörigen der: gefallenen jüdische» Kameraden, den Vertreter der Stadt. Oberbürgermeister Dr. Krause, den Stadtvcrordneten-Vorsteher, Oberstudienrat Dr. Perdelwitz, die Vertreter des Stadtparlamentes und des Magistrats: ferner galt sein Gruß dem Vorsitzenden des Provinzial-Kriegerverbanöes. Prof. Gosiow. dem ersten Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Hauptmann d. L. Dr. Löwenstein, den Abordnungen der Schutzpolizei und der städtischen Polizeiverwaltung. Er begrüßte ferner die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, die jüd» schen Gemeindevertreter Schneidemühls und der verlache barten Städte, das Reichsbanner, die Abordnungen des Aerztevereins Schneidemühl und der Sanitäts-Kolonne, die Vertreter der städtischen Presse, der Logen und die Ortsgruppen der jüdischen Frontsoldaten aus Ncu-Stettin. Krojanke, Schlochau. Dt.-Krone, Pr.-Friedland. Schönlanke, Jastrow und Märk. Friedland. Nachdem die Hülle gefallen war. übergab Oberleutnant Edel das Ehrenmal dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde mit der Bitte, das Denkmal in seine Obhut zu nehmen und dasür Sorge tragen zu wollen, daß es den nachfolgenden Generationen erhallen bleibe. Im Namen des Gemeindevorstandes übernahm Vorstandsmitglied Lehrer Le min das Ehrenmal. Er betonte daS Verdienst des RIF., daß er durch freiwillige Spenden der Kameraden dieses ausdrucksvolle Denkmal errichtet habe, das berufen sei. die Erinnerung an die Gefallenen in unserer Gemeinde zu erhalten und den jüdischen Opfermut zu verewigen. Die Gemeinde sei stolz darauf, dieses Ehrenmal in ihren Schutz nehmen zu dürfen, und sic werde es stets als Heiligtum, als teures Andenken an ihre gefallenen Söhne, betrachten. Er schloß seine Ansprache mit der Hoffnung, daß auS den Gräbern a l l e r i n b c m gewaltigen Bo lkerringen gefallenen Helden ein einiges. großes und starkes deutsches Vaterland erblühen möge. Hierauf ergriff Rabbiner Pr. Dr. Rosenzweig daÄ Wort zu einer großzügig angelegten Weihrcde. Er legte seiner Ansprache die Worte „Edoh Hamazcwoh. ein Zeugnis ist dieses Denkmal", zugrunde. Es solle ein Zeugnis sein der Treue unserer Brüder, die für Glaube und Heimat ihr Leben bingegeben haben, ein Zeugnis unserer eigenen Treue gegen Glauben nnd Heimat und eine Mahnung für alle für die Zukunft. Für die Mütter, denen das Denkmal gewidmet ist. gelte die Mahnung, das Heranwachsende Geschlecht im Geiste der Treue, in echter Frömmigkeit und Menschenliebe zu erziehen, damit cs herbeisühren helfe die Zeit des wahren Friedens und der Menichenverbrüderung. welche die Propheten Israels als Ideal der Memaszeit erschaut haben. Mit dem Kaddischgcbet schloß die Weihrcde, welcher die zahlreich versammelte Menge mit Andacht lauschte, und die bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Im Namen der Stadt sprach Oberbürgermeister Dr. Krause. Er hob hervor, daß nur durch Zusammenarbeiten aller Deutschen, ohne Unterschied des Glaubens und, des Blutes, die Einheit Deutschlands und seine Größe wiedev errungen werden könne. Pros. Goi'sow, der 1. Vorsitzende des Prov.-Krieger-c Verbundes, rief den gefallenen Kameraden, von denen mancher sein Schüler gewesen war, und von denen er mit vielen Schulter an Schulter gekämpft habe, kameradschaftliche Dankesworte nach. . , Alle benachbarten Ortsgruppen des RIF. legten mik Worten des Dankes und des. .treuen Gedächtnisses Kranzspenden nieder. Das Re ich s bä»' iuV Schwa rz-Not-Gvld ließ durch seinen 1. Vorsitzenden. Stadtrat Noesler. ebenfalls einen Kranz niederlcgcn. Während der,Feier umkreiste ein Flugzeug den Friedhof und warf einest Lorbecrkranz aus das Ehrenmal hinab. Zum Schluß sprach der 1. Vorsitzende des RIF.. Dr Loewenstein. Berlin. Er dankte der Ortsgruppi Schneidcmühl für die Errichtung dieses Ehrenmals und di< eindrucksvolle Wcihefeier. Wenn Menschen schweigen, werden die Steine dieses Denkmals reden und zenacn von dem Wiedererwachcn des alten Makkabäergeistes und der treuen Pflichterfüllung der deutschen Juden im Weltkriege. Be- Gründen des Lebens und seinen Höhen können Lehrer und Schüler, Alt und Jung, Väter und Söhne zusammenkommen und sich verstehen. Die Religion ist es daher auch, die die Kluft zwischen Alt und Jung überbrückt und die auch eine Verbindung geben kann für die dritte Periode des langen Lebens, in der sich dann erst zeigt, wer Philister und wer religiöser Mensch geworden. Der religiöse Mensch trägt die Verbindung zur Jugend und Kindheit in sich, aus beiden richtet er in dieser dritten Periode sein Leben aus. So werden sie seelisch Eltern sein, E r - zieher, Führer, wenn die Kindheit und die Jugend ihnen geblieben ist. Nur wer au sich selbst schasst, kann andere schaffen, kann einem anderen Leben zum Erbauer werden. Soweit im kurzen Baeck. Jeder Satz ist hier Lebensweisheit, jeder Satz fast ein Axiom und doch — so vieles wieder zum Widerspruch reizend. Aber wir wollen hier nur berichten. Was wir bei Baeck vermissen, das Spezifisch-Jüdische der Erziehung, das sucht Kellner in seinem Anssatz: „Die Problematik der jüdischen Erziehung zu zeichnen. Er legt die Schwierigkeiten offen dar, die der Erziehung zum Judentum entgegenstehen, besonders in der nichtjüdischen Umgebung. Jüdische Erziehung glaubt Kellner nur in der jüdischen Gemeinschaft zu erreichen, sonst ist es nur Kompromißarbcit. Aber diese jüdische Erziehung, wie Kellner sie will, im rein nationalen Sinne, frei, losgelöst von der Erziehung, die uns unser Zusammenleben mit der Kulturwelt gibt, können wir n i e gutheißen. Sie würde rein „völkisch" sein, nicht bloß national, sondern nationalistisch und keine Menschen zeugen, die in der Welt etwas sein können. Als stärkster Faktor für diese Erziehung erscheint ihm die hebräische Sprache, welche geeignet ist. Vergangenheit und Wirklichkeit zu verbinden, den Alltag zu heiligen. Durch die Sprache allein aber werden wir nur unser jüdisches Ich erfahren: denn wir missen zu gut. wie gerade von national-zionistischer Seite die hebräische Sprache profaniert und entweiht worden ist. Jüdische Erziehung ist eben nicht Erziehung zum jüdischen Volkstum, wie deutsche Erziehung Erziehung zum Deutschtum, jüdische Erziehung ist eben Erziehung aller Menschen im Sinne der jüdischen Lehre und des jüdischen Geistes, im Sinne der Lehre und der Tradition. Daher können wir viel eher dem Referate eines Ernst Simon zustimmen, der in seiner Skizze: „Erziehung zur Tradition" von jüdisch-religiösem Wahn spricht. Deshalb anerkennt er auch von vornherein, daß es eine Einheit der „jüdischen Erziehung" nicht geben kann. Wie das Erziehungsideal der Ostjuden von dem der Westjuden verschieden ist. so auch das des orthodoxen, liberalen oder zionistischen Juden. Simon will nun daS Ideal deS „westl ich assimilierten Zio» nisten" schildern. Ihm ist das Bekennen zum zionistischen Ideal noch nicht Erziehung zum Judentum. ES muß der zionistisch orientierte Jude, sich den jüdischen Inhalten lernend nähern, das bedeutet also: Hebräisch lernen, die Haupturkunden der jüdischen Literatur sowie die wesentliche Eigenart des jüdischen Geistes kennenlernen, daS biblischtalmudische Gesetzesjudentum, die religiöse Tradition zu verstehen suchen. Wer hierzu positiv Stellung nimmt, d. h. diesen Weg zur Erziehung der jüdischen Tradition anerkennt (es gibt auch solche, die trotzdem zu einer Negation der Tradition kommen können), ist zu dem Bewußtsein gelangt, daß die „jüdische Tradition" etwas ewig Gültiges ist, die rechte Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf, ein Bund. Die pädagogische Aufgabe, die sich nun für Menschen solcher Entscheidung und Lebensführung ergibt, ungemein schwierig, für Erwachsene wie sür Kinder. Simon gibt nun eine Skizze der Methode wie des Stoffes einer solchen Erziehung und er bringt viel Beherzigenswertes, anch für die Erziehung des „liberalen" Juden. Er Hot die einzelnen Erziehnngöfragen wohl durchdacht und ist kein „Jalager" für die orthodoxen Erziehungsmethoden. Gerade diese Arbeit verdient in allen jüdischen Kreisen gelesen zu werden: denn sic ist ein Wort der Praxis. Indische Erziehung ist ihm nicht bloß Religionsunterricht, sondern Erziehung zum jüdischen Leben, das aber nicht bloß ausrnunöet jit der erfüllten Miswah. sondern hier erst beginnt. „Das Halten des Religionsgesetzcs entbindet nicht von anderen menschlichen oder sozialen Pflichten, es ist kein Hasen, in dem man sich vor dem Sturm des schlechten Gewissens flüchten kann, kein Sicherheitsventil für die innere Unruhe, sondern im Gegenteil: A u s d r u ck der V e r - p f l i ch t u n g , alle Verhältnisse des Lebens unter dem sehr radikalen Maßftab der göttlichen Gerechtigkeit zu prüfen » nd zu verwände! n." Und mit Freuden lesen wir. daß Simon sich zu den Worten versteigt: die orthodoxen Kinder sollen und dürfen wissen, daß es anch Inden anderer Art und Entscheidung gibt, und daß auch sie, sofern sie nur sittliche und der Gesamtheit dienende Menschen sind, einen großen und integrierenden Teil des Gesetzes erfüllen, daß auch sie also zu ihrem Teile „gesetzestreu" sind. Das klingt anders als im Programm der „Achduth". das von den „irrenden" Brüdern spricht. Gerade die Arbeit von Ernst Simon und Baeck allein dürste schon genügen, diese Nummer des „Juden" sich znzulegen. abgesehen von den Schilderunaen der einzelnen Versuche „jüdischer Erziehung", die zu schildern ich mir versagen mutz, so reizvoll es wäre, gerade vom Standpunkte der „liberalen" Juden hierzu Stellung zu nehmen. Vielleicht ist ein anderes Mal Gelegenheit gegeben, darauf zurückzukommen. Auf jeden Fall, wer sich mit der Geschichte der Pädagogik im Judentum und der „jüdischen Pädagogik" beschäftigt. kann an diesen Arbeiten nicht vorübergehen. Sie sind -er erste Versuch einer Geschichte der jüdischen Pädagogik im 20. Jahrhundert. Straßburger-Ulm.

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