Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-08-13 · 33 (13.8.1926) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
33 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613874--1906-2619320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

i?.1 wi,yi)F»Pmu| i' ».’.i » v>«M-PW'i -' ORT auf dem Gebiete der tc -Aschen Schulerziehung. Die M Anstalten werden von 2000 Lernenden (Jugendlichen und Erwachsenen» besucht. In den letzten drei Jahren wurden 8600 Personen zu qualifizierten Arbeitern ausgebildet, die alle trotz der Arbeitslosigkeit von der Produktion ausgenommen wurden. weil eben für qualifizierte Arbeiter immer Platz vorhanden ist. Der Redner entwickelte den Arbeitsplan für die kommende Zeit und charakterisierte die Arbeit von ORT mit den Worten, sie sei keine Feuerwehrarbeit, sondern systematische Aufbauarbeit. Es folgten Berichte über die Arbeit in Rumänien» Lettland. Litauen, Amerika, England. Frankreich, Deutschlanlt. a. m., worauf die Sitzun^ aus Montag vertagt wurde. Am Montagmorgen begann die Generaldebatte. Zur Statistik der Juden in Deutschland. . In -er vom Statfftischen Reichsamt herausgegebenenZeitschrift „Wirtschaft und Statisti!" sind nunmehr auf Gründer Volkszählung vom 16. Juni v. I. für insgesamt nenn deutsche Länder Angaben über die Religwnsgliederung der Bevölkerung veröffentlicht. Während im allgemeinen die großen Äirchengrmeinschaften ihren absoluten Bestand erhöht haben mtifc .ruch ihren verhältnismäßigen Anteil an der GefamtbevölkeLnug zu behaupten vermachten, haben die Israeliten einen außerordentlich auffallenden Rückgang aufzuweisen. Die Ursachen hierfür lassen sich, da erst ein Bruchteil der gesamten Ergebnisse vorliegt, noch nicht angeben. Auch bheibt abzuwarten, ob in den Ländern, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen, im besonderen auch in dem für die jüdische Bevölkerung Deutschlands wohl ausschlaggebenden Preichen die gleiche Entwicklung in den 14^ Jahren zwischen den beiden Volkszählungen vorhanden gewesen ist. Von den bisher veröffentlichten neun Ergebnissen hat nur in dem Stadtstaat Lübeck die Zahl der Israeliten keine Abnahme aufzuweisen. Die einzelnen Ergebnisse lauten: ReligionSzugehörigleit Zahl dcr Personen 1922 1910 v. S. 1922 1910 Zu- oder Abnahme (+ ober —) insgesamt v. H. Bayern*). Evangelisch .... 2111 886 1 942 385 23,6 28,2 + 169 501 -f 8.7 Katholisch ..... 5 163 224 -1862 233 70,0 70.0 +300 901 + 8,2 Israelitisch .... 49145 55 005 0,7 0,8 — 5 920 — 10 8 Sonstige . _ 55 339 27 COS 0,7 _ 0.4 _+ 27 731 + 100*4 Zusammen 7 379 594 6 887 291 lOg 100 +492 303 + 7,1 *) 3ür 1910 nach dem damaligen GebieMand. Württemberg. Evangelisch .... 1 721 787 1 671 183 66.8 68.5 + 50 604 + 30 «afj&olif*. 796 598 739 995 30.9 30.4 + 56 603 + 7,7 £ .Jtltf<6 ' 10 827 11 982 0.4 0,5 — 1 155 — 9,6 Sonstige . _ 50 241 _ 14 414 1.9_ 0.6 + 85 827 + 248,6 Zusammen 2 579 153 2 437 571 100 100 + 141 S79~~+ ~ 2,8 Baden. Olbanflelud) .... 910 324 831 417 39,37 38,80 + 78 907 + 9,49 WUHollsch . 1 350 479 1 271 015 58,40 59,32 + 79 464 + C Andere- Christen . . 8 058 8 176 0,55 o,38 - 11s — 144 Israelltllch .... 23 909 25 896 0,85 1,21 — 1 987 — 7 67 Sonstige . _19 092 _ ö 329 __ 1,03_0,29 + 13 303 + 2X144 Zusammen 2 312 402 2 142 833 100 100 _+lG9 620 +” 7,92 Hessen. Evangelisch .... 885 370 848 004 65.8 664 + 37 306 + 4.4 Katholisch ..... 415 685 397 549 30.8 31,0 +19136 + 4,6 '-l^NMch .... 20 401 24 063 1,5 1,9 — 3 602 — 15,2 sonstige: ' a> Sonstige Christen 8 iss 6 707 0,6 0,5 + 1481 + 22,1 b) Neürigc . . . _ 17 635 __ 5 728 _ 1,3_0.5 _+ 11 907 _+ 205,’4 Zusammen 1 347 279 1 282 051 100 100 + 65 228 +~ ~5,1 ... tgelilch aSrholisch ' . MÄMtisch Lonstiae: Sonstige d) Uebrige Christel Zusammei Schaumburg-Lippe. 47 002 A4 385. 97,8 25.2 .+ 2 617 + 5.9 624 715 1.3 1,5 91 12,7 ISO 230 0,4 0,5 — 50 — 21,7 192 1 314 0.4 2.8 1 122 85,4 4-8 _8 04 ' 0,0 + 40 Jr 500,0 48 045 16 652 " 100 100 +- 1 391 3,0 Mecklenburg-Schwerin. Evangelisch .... 634 233 616 417 94,09 96,32 17 816 + Ratlwlisch . 34 044 21 043 5.20 3,29 + 14 001 + 6 Andere Christen . . 242 383 0,04 0,06 141 — 3 Israelitisch .... 1 202 1 413 0,18 0.22 211 Sonstige . 702 0,49 0,11 2 622 + 37 Zusammen 674 045 639 958 100 100 + 34 087 + Mecklenburg-Strelitz. Evangelisch .... 103 925 101 782 94.25 95.62 -1- 2 143 Katholisch . . . . 5 610 4 255 5,09 4,00 + 1 355 Andere' Christen . . 21.5 83 0,19 0.08 132 + i: Israelitisch .... 182 254 0.16 0,24 72 Sonstige . 337 68 0,31 0,06 + 269 + 3k Zusammen 110 269 106 442 100 100 + 3 827 + " Oldenburg Evangelisch .... 415 862 373 227 76.28 77.27 + 42 635 + katholisch . 123 083 107 508 22.69 22,26 + Andere' Christen . . 431 11 0,08 0,00 + 417 +29' Israelitisch .... 1 513 1 525 0.28 0.32 12 Sonstige . 3 684 768 0,67 0,16 + 2 916 + 3' Zusammen 545 172 483 042 100 100 + 62 130 Lübeck. Evangelisch . . . . 121 456 111 803 94,91 95,89 + 9 653 + Natbolisch . o 975 3 968 3,11 5.40 + 7 + Andere Christen . . 192 16 0,15 0,01 + 176 +1K Israelitisch .... 629 023 0.49 0,54 6 + Sonstige . 1 719 159 1,34 0,10 + 1 530 + 8< Zusammen 127 97t 116 599 100 100 + 11 372 ~r 2,89 5,33 241 >1,84 3,60 11.42 15,04 0,79 12,36 8.63 0.13 0.88 9.75 Wie stark der Wachstum der israelitischen Bevölkerung von dem der anderen konfessionellen Bevölkerungsgruppen abweicht, zeigt deutlich das nachstehende Schaubild: NE ÄNDERUNGEN IN DER ZAHL der GESAMTBEVQIKERUNG UND DER ANGEHÖRIGEN DER EVANGELISCHEN KATHOLISCHEN UND ISRAELITISCHEN ' KONFESSION » 1828 GEGEN 1910 v.K 15 | (. T 15 v. H Zunahme > 1910 Abnahme 13 v. H> v.H. 15 .... Aus den Gemeinden 444 Wie«. (Professor Schwarz Hofrat.) Bundes- Präsident Dr. Hainisch hat dem Rektor der Jsraelitisch-theo. logischen Lehranstalt in Wien, Prof. Dr. Schwarz, dev Hofrütstttel verliehen. Berlin. (Goldenes Doktorjubiläum.) Dr. I. Levy, der langjährige Leitartikler der „Vossischen Zeitung" und unser geschätzter Mitarbeiter, konnte am 8. August daö seltene Jubiläum der fünfzigsten Wiederkehr des Tageö begehen, au dem er durch die juristische Fakultät der Universität Heidelberg die Doktorwürde erwarb. Dr. Levy, der gebürtiger Ostpreuße ist, lebt seit dem Jahre 1876 in Berlin und ist in diesem halben Jahrhundert zu einem echten Berliner und zu einem der bekanntesten Publizisten geworden. Er gehört zu den Mitbegründern des Fortschrittlichen Vereins Waldeck und hat, stets ein aufrechter Liberaler, als politischer Gegner Bismarcks die unerschrockene Vertretung seiner Ueberzeugung mit Gefängnis und Ausweisung büßen müssen. Im Jahre 1887 trat Dr. Levy in die Redaktion der „Vossischen Zeitung* ein. Seine Domäne wurde dort bald der innerpolitische Leitartikel, den er Jahrzehnte hindurch Tag für Tag für das Abendblatt schrieb, und der unerreicht geblieben ist in seiner unübertrefflichen Sachkenntnis auf allen, auch den entlegensten Gebieten der inneren Politik wie in der Logik und Klarheit des Gcdankenganges. Aber bei aller Entschiedenheit seiner Stellungnahme zeichneten sich seine Leitartikel unbeschadet größter Schärfe in der Polemik durch eine Vornehmheit des Tones aus, die heute manchem als Vorbild dienen könnte. Im Jahre 1906 wurde Dr. Levy zum Berliner Stadtverordneten gewählt: als Mitglied der Fraktion der Alten Linken nahm er auch im Roten Hause alsbald eine führende Stellung ein. Dem Stadtparlament gehörte er ununterbrochen bis zur Revolution an. Trotz seines hohen Alters hat Dr. Levy auch heute die Feder noch nicht aus der Hand gelegt. Berlin. (Todesfälle.) Der bekannte Berliner Arzt Prof. Dr. Jakob Cohn, ein Neffe des verstorbenen Warenhausbesitzers Oökar Tietz, ist in Berlin im Alter von 63 Jahren gestorben. Der Vorsitzende des Kuratoriums für die Fürsorge-Erziehung im dentsch-israelitischen Gemeindebund, Geheimer Justizrat Wilhelm Richter, ist während seines Erholungsurlaubs gestorben. Berlin. (Landesverbände und Verfassungsfeiern.) Die Preußische StaatSrcgterung hat den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Sitz Berlin, und den Preußischen Landesverband gesetzeötreuer Synagogengemeinden, Sitz Halberstadt, zur Teilnahme an der preußischen Verfassungsseier, die am 8. August d. I. abgehalten wurde, eingeladen. Der Preußische Landesverband hat als seinen Vertreter bei der Verfassungsseier die Herren Justizrat Lilienthal und Justizrat Sonnenseld nominiert. Auch der Halberstäöter Verband entsandte zwei Vertreter zu der Verfassungsfeier. Danzig. (Vau einer Synagoge in Langfuhr.) In Anbetracht der rapiden Entwicklung Langfuhrs in den letzten Jahren, hat die hiesige Synagogeugemeiride beschlossen. hier in dem größten Vorort Danzigs ein neues Gotteshaus für die jüdische Bevölkerung erstehen zu lassen. Das Bauwerk soll am Anfang des Mirchauer Weges errichtet werden. Vorgestern fand die feierliche Grundsteinlegung statt, zu der sich eine große Anzahl führender Vertreter der jüdischen Gemeinde eingefunden hatten. Justizrat Zander leitete mit einer kurzen Ansprache den Akt ein, dankte für die bewiesene Opferwilligkeit. die den Bau ermöglicht. legte die Urkunden, ein Gebetbuch und die Danziger Münzen in eine Kassette und tat auf den darübergelegten Stein die ersten drei Hammerschläge mit den Worten: „Zur Ehre Gottes, den Menschen zur Erbauung, rer Freien Stadt Danzig zum Wohlgefallen!" Es folgten eine Reihe weiterer Redner, unter ihnen für den Senat Senator Dr. Schwartz, Rabbiner Dr. Weiß und Justizrat Lewinsky. Dresden. (Die Geschichte des jüdischen Friedhofes.) Der Dresdener Redakteur und Schriftsteller Edgar H a h n e w a l d hat die Reihe seiner „Heimschutz"-Beröffentlichungen durch eine wertvolle Abhandlung über den ersten Dresdner jüdischen Friedhof, der bereits Ende 1869 geschlossen wurde. ergänzt. Dem Friedhof kommt in der Dresdner jüdischen Geschichte eine besondere Bedeutung zu, denn er war, als die Juden um die Wende des 18. Jahrhunderts den ersten Toten in seine Erde betteten, der e r st e bleibende und einzige Grundbesitz, den die Juden unter k u r f ü r st l i ch sächsischer Herrschaft in Dresden als ihr E i ge n tum a n s e h e n dursten. Ein ungewöhnliches, heißumstrittenes Zugeständnis nach jahrhundertelanger Bedrängnis. Das Jahr 1869, in dem sich die Pforten des Friedhofes für immer schlossen, fiel mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem die Inden in Sachsen die wirtschaftliche und staatsbürgerliche Gleichheit vor dem Gesetz erlangten. Diese Stätte teurer Erinnerungen zu pflegen, ist die Dresdner Israelitische Gemeinde nach Kräften bemüht. Um das Verständnis in weitesten Kreisen dafür zu vertiefen, ließ sie Edgar Hahnewalds heimatkundliche Studie in den Gemeindeblättern veröffentlichen. - Hanau. (100 Jahre Synagoge.) Die Nachbargemeinde Groß-Krotzenburg hatte am vorletzten Sonntag zu einer besonderen Festlichkeit eingeladen. Es galt, das hundertjährige Bestehen der Synagoge in würdiger Weise zu feiern. Der hiesige Rabbiner Dr. Grademitz hielt bei dem Festgottesdienst eine der Bedeutung des Tages angepaßte Rede. Am Abend fand in geselligem Beisammensein, au dem sich Turn-, Gesang-, Kriegervereine und andere Organisationen beteiligten, die innige Anteilnahme der gesamten Bürgerschaft an dem Zentenarjubiläum der jüdischen Gemeinde ihren beredten Ausdruck. Am folgenden Tage wurde noch ein akademischer Festakt veranstaltet, der durch Begrüßungsworte des Gemeindevorstehers Markus Hirschmann eingeleitet worden war. Ein Vertreter des Landrats überbrachte Glückwünsche und Grüße des am Erscheinen verhinderten ersten Beamten des Kreises und der Bürgermeister des Ortes, Herr Noll, hob das friedliche Einvernehmen hervor, das zwischen allen Ortseingesessenen, ohne Unterschied des Glaubens, festznstellen war. das auch darin seine Bestätigung fand, daß fast alle Häuser zu dem Ehrentag der Gemeinde Blumenschmuck angelegt hatten. Es sprachen noch Rechtsanwalt Dr. Koref-Hanau für das Vorsteheramt der Israeliten in Hanau, Herr Sichel für die Synagogeugemeinde Hanau, der Rektor der christlichen Volksschule Groß-Krotzenburg und Erwin Baer für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Auch der Vorsitzende des Kricgervereins gehörte zu den Gratulanten, unter denen sich der Vertreter der katholischen Kirchengemeinde, Pfarrer Erb, befand, der von außerhalb seine Glückwünsche übermittelt hatte. Lehrer Schuster hielt die abschließende Festrede. In einer zur Hundertjahrfeier verfaßten Festschrift des Dr. I. Berberich waren alle bedeutsamen Ereignisse aus der Geschichte der Gemeinde in interessanter Form wiedergegeben, Allen Teilnehmern wird die eindrucksvolle Feier unvergeßlich bleiben. Mainz. (Lehrerjubiläum.) Auf eine vierzigjährige Tätigkeit als Lehrer und Kantor der hiesigen Gemeinde blickte Lehrer A. Oppenheimer zurück. Aus diesem Anlaß wurden dem beliebten und allgemein geschätzten Beamten seitens seiner Freunde mancherlei Ehrungen bereitet. Versammlungskalender Berlin. (Liberale Synagoge Norden.) Schönhauser Allee 162. AuerVachsches Waisenhaus. Gottsdienst: Freitag, den 13. August 1028. abends 7X Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 14. August 1926, morgens 10 Uhr. Sprechsaal Kolumbus’ Lehrmeister. Ein so betitelter interessanter Artikel von Prof. L. Darmstädter (in der „Voss. Ztg.", Nr. 314, 6. Juli) beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken deö Gelehrten Johannes Müller (1436—1476), mit dem Beinamen Regiomontanus (nach seiner Vaterstadt Königsberg in Unterfranken), „ohne dessen Forschungen und Erfindungen die Schiffahrer des 16. und 16. Jahrhunderts ihre großen Erfolge nicht hätten erringen können." Daher nennt der Verfasser ihn „Columbus' Lehrmeister". Aber er fuhrt Regtomontanus auch als den Erfinder des „Jakobsstabs" an. „Damit hat er (1472) den Seeleuten das wichtigste Instrument neben dem Kompaß gegeben und die Seeschiffahrt in hohem Maße gefördert." Letztere Angabe bedarf aber einer Berichtigung, die besonders für die Leser dieses Blattes von Interesse sein dürfte. Bereits 1325 erfand L e v i b. G e r f o n (1288—1344) in der Provence den Jakobsstab, der durch das ganze Mittelalter zu geographischen Ortsbestimmungen diente. In seiner Arbeit „Die Mathematik bei den Juden" (in Bchl. Mathem., her. v. G. Emström, Stockholm, 1897), berichtet M. Steinschneider: Levi b. Gerson (in nicht hebräischen Schriften maesiro Leon Oe Bagnols), „wahrscheinlich der Bedeutendste unter den Juden des Mittelalters", erfand dieses wichtige Instrument, „welches erMegallaAnukot nannte." Ueber seine Erfindung hat er eine besondere Abhandlung verfaßt. Von dieser existieren zwei lateinische Uebersetzungen aus dem Jahre 1342: die erste war dem Papste Clemens VI. gewidmet; die zweite erschien mit dem, vermutlich von dem lateinischen Uebcrsetzer erfundenen Titel: Baculus Jaeobi. Diese Ueüersetzung muß Negiomontanus gekannt haben. Prof Darmstädter hat auf eine Anfrage mit Bedauern bestätigt, daß die betreffende Angabe in seinem Artikel ungenau gemacht wurde. Regiomontanus hat eine Beschreibung des Instrumentes und seiner Anwendung gegeben. Auf diese allerdings hat sich Columbus gestützt; aber der Erfinder des Jakobsstabes ist Levi b. Gerson. Auf die Bedeutung dieser Erfindung für die Geschichte der Entdeckung Amerikas ist in der einschlägigen Literatur schon vor längerer Zeit hingewiesen worden. Der Blumenkultus in der Synagoge. Die hohen Festtage nahen. Da scheint es mir an der Zeit, ein Wort über die Unsitte zu sagen, zu der sich das UebM-' reichen von Blumensträußen in der Synagoge am Jom Kippur ausgewachsen hat. Ein Kind kommt mit eintm großen Blumenstrauß, weiß nicht wohin und stört gerade im ernsten Gebet stehende Gemeindemitglieder. Es wird von allen Seiten betrachtet. Und wenn es dann endlich seine Mutter gefunden hat. dann liegen bei dem beschränkten Platz die Blumen mehr auf der Erde, als auf dem Betpult. Wozu sind denn die Blumen da? Wir wollen unsere Freude daran haben: das können wir aber ebenso gut. wenn wir nicht damit in der Synagoge paradieren: denn mit dem Feiertage haben die Blumen nichts zu tun. Ich teile diese Ansicht mit zahlreichen Mitschwesiern. Wir lassen uns deshalb die Blumen zu jedem Fest ins Haus bringen. Das Gotteshaus ist zum Beten da. und wir haben wohl alle Ursache, unsere Gebete vor Gott darzubringen. Wer das nicht nötig zu haben glaubt, soll wenigstens so viel Rücksicht besitzen, die Betenden nicht zu stören. Wer aber ein Besonderes tun will, der mag das Geld, das sonst für die Blumen ausgegeben wird, in die aufgestellten Büchsen werfen und dadurch der Armut steuern. Ohne Blumen wird die Liebe unserer Angehörigen nicht geringer, der Gottesdienst aber weihevoller sein. Hanna F e i b e l. | ü! Bücherschau „Telos.“ Seit Oktober 1924 erscheint unter diesem Namen eine Halbmonatsschrift für Arbeit und Erfolg (jetzt Monatsschrift); die biologischen Interessen dient. Herausgeber ist der bekannte Naturforscher R. H. France. Im ersten Heft heißt es in dem programmatischen Artikel am Schluß, daß die Zeitschrift der „Freund des Menschen“ sein soll, der zu ihm kommt mit dem milden und gütigen Wort: „Denken wir doch gemeinsam nach über unser £iel: die beste Art zu leben und zu arbeiten. Ich will dir helfen und nichts sollst du verlieren von dem, was dir teuer, tief, sinnig und lebenswert erscheint.“ Schöne anheimelnde Worte für jedermann. Nun lese man aber im letzten Heft (2. Jhrg. Nr. 15) unter der Rubrik: „Bücher, die man lesen soll“ die Besprechung des kleinen Büchleins von Bodo Ernst: Was dünnet Euch um Paulus? Büchlein und Besprechung — alles durchweht von religiöser Intoleranz, von Antisemitismus. Es besagt genug, wenn die jüdische Abstammung Jesu angezvveifelt wird. B. Ernst scheint sich mit der einschlägigen Literatur gar nicht beschäftigt zu haben, denn sonst hätte er von Paulus nicht ein solches Zerrbild liefern könirr». Dieser Apostel — als Jude Saulus genannt - ist auch nach seinem Uebertritt in die Christengemeinde zeitlebens stolz darauf gewesen, ein Jude zu seih. (Siehe Achelis: Das Christentum in den drei Jahrhunderten, Verlag Quelle und Meyer, Leipzig, 1925, 2. Aufl,, S. 40.) Ganz naturgemäß sind durch ihn jüdische Anschauungen in den neuen Glauben übergegangen. Nach Ernst ist es gefährlich, nach fremden Prinzipien zu leben — die jüdisch-orientalischen Elemente sind Gift für den deutschen Menschen gewesen und haben unendlichen Schaden angerichtet. Welch verworrene Auffassung, die nur in einem deutsch-völkischen Hirn ihren Ursprung naben kann. In der Besprechung heißt es weiter: „Eine Gesundung des religiösen Lehens sieht B. Ernst nur in der Erkenntnis und Ausscheidung des paulinisch-jüdisclien Geistes aus dem Christentum, und sein kleines Werk, tief erlebt und wissenschaftlich (!!?) gut durchdacht, ist wohl geeignet, Wege zu diesem Ziel zu weisen. Ernst, der Rezensent und der Herausgeber erstreben nach Ausscheidung alles Jüdischen gus dem Christentum — ein sublimief-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.