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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-07-30 · 31 (30.7.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
31 (30.7.1926)
Date
1926-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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…/2613366-2613841-2613872--1888-2619300
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irgendwie erlauben und soweit eS nicht gegen den Geist der Einheit der Gemeinde und der Einheit de- Judentumverstößt. alledas an Einrichtungen zu gewähren, wasie, die Konservativen, selber glauben als zur Erfüllung ihrer religiösen Verpflichtungen nötig zu haben. Abgesehen davon, daß solche Toleranz im Wesen de- Liberali-mubegründet ist, folgt aber daraus als selbstverständliche Pflicht der aus Liberalen und Konservativen gebildeten Gemeindeverwaltung, auch dem Liberalismus die Möglichkeit zu gewähren, sich in feiner Weise zu entfalten, — um mich des vulgären Ausdrucks zu bedienen —, nach seiner Fasson selig zu «erden. Diese, wie gesagt, wirklich und allein liberale Politik hat es z. B. in Frankfurt ermöglicht, der seit lange bestehenden liberalen Synagoge mit ihrem Gottesdienst nach dem Geigerschen Gebetbuch eine Synagoge anzufügen, in deren Gottesdienst die Landessprache im Gegensatz zu Geigers Gebetbuch stark vorherrscht und in der auch sonst Neuerungen eingeführt sind, die früher nicht bestanden haben. Daß ungeachtet oder vielleicht gerade infolge dieser Tendenz das Interesse für die hebräische Gebetsprache neu erwacht ist und man stch bald genötigt sah, eine hebräische Unterrichtsanstalt für die Jugend der Kreise zn schaffen, ans denen sich die Besucher der neuen Synagoge reirntieren, ja, das nach Wjähriger Benutzung des stark deutsch orientierten Gebetbuches daS Bedürfnis nach einer starken Vermehrung der hebräischen Gebete sich gezeigt hat, soll hier nur nebenbei erwähnt werden. ohne aus die Lehren einzugehen, die diese Tatsachen zeitigen. Und als Beispiel für die Beschränkung möchte ich folgendes anführen: Tic Frankfurter Gemeinde hat an dem Bau der erwähnten neuen Synagoge auf Bitten der Konservativen am Sabbat und an den Feiertagen nicht arbeiten lassen. Dagegen haben die Konservativen sich in die Neuordnung des Kultus und Ritus in dieser Synagoge in keiner Weise hineingenrischt. Ein anderes Beispiel: Wie in den meisten deutschen Gemeinden, so werden auch kn Frankfurt ans dem Gemeindesriedhof — die Separatisten haben ihren gesonderten „guten Ort" — die Äschenreste Verbrannter in einem Grabe geborgen, ebenso wie die nichtverbranntcn Leichen. Wenn jetzt die Liberalen auf dem gemeinsamen Friedhof einen abgctrennten Teil für Urnengröber haben wollten, so müßten sie hieraus ebenso verzichten wie» die Konservativen ans einen abgetrennten Teil dcS Friedhofs ausschließlich für die Gräber ihrer Angehörigen. Und noch ein drittes Beispiel: Hiitc Gemeinde unterhält für ihre Mitglieder ein Krankenhaus, in dem die rituelle Verpflegung in orthodoxem Sinne gewährleistet ist. Wenn jetzt Liberale kommen und verlangen würden, daß für nichtorthodoxe Kranke auch eine ausgesprochen nichtrilnelle Verpflegung daneben hergestellt werde, so dürfe m. E. auch eine liberale Majorität solchem Verlangen nicht durch Majorisiernng zur Verwirklichung verhelfen. ES mag freilich fraglich sein, ob bei einer konservativen Mehrheit in den Gemeindeverwaltungen selbst in Deutschland die Tinge genau so bleiben, bzw. sich in der bisherigen Richtung fortentwickeln werden,- aber die deutschen Liberalen müssen eben dafür sorgen, daß ihre unzweifelhafte zahlenmäßige Ueberlcgenheit namentlich in den großen und größeren Gemeinden bei den Wahlen stets wie bisher zum Ausdruck kommt. Sie dürsten sich nicht damit begnügen, itit Sammelpunkt für alles das zu sein, was nicht orthodox ist, sondern sie müssen cs verstehen, die religiös Gleichgültigen in positiv-jüdischem Sinne zu beeinflussen, ihnen ein wenig van der Begeistcrnrlgsfähigkeit und Opserfreudigkeit einzuflößen, die die Konservativen erfüllt, sowie sie vor allen Mikyen an die Wahlurne zu bringen Dann wird selbst eine tshtfnfft verlorengegangene liberale Majorität unschwer wieder zu erlangen sein,- bis daüin aber müssen die Liberalen «veitcr die Gemeindeeinheit aufrechtzuerhalten suchen, selbst wenn zuweilen durch die stete Rücksichtnahme und durch Verzicht ans mancherlei Verbesserungen die Geduld, ja manchmal vielleicht das liberale Gewissen aus eine harte Probe gestellt werden maa. Denn die Gemcindeeinheit verbürgt nach unseren Erfahrungen irr Deutschland die auch für die Entfaltung des liberalen Gedankens nnd für eine richtige Ausprägung des Judentums, wie mir es meinen, unentbehrliche Kenntnis der Tradition und ihrer Geschichte auf liberaler Seite,- andererseits gewährleistet sie auch am besten die Beeinflussung der Gemcindeorthodoxic im Sinne der steten Rücksichtnahme ans das moderne Leben und Denken. Durch sie wird auch der Sevaratismns iin Schach gehalten, werden Extremismen und Radikalismen von rechts und links verhindert, und es wird der Boden geschaffen für einen immer innerlicher werdenden Zusammenschluß auch in Fragen, bei denen Schlagwörter. Kampfrufe und Kampfobjekte, die in heutiger Zeit an Bedeutung erheblich abgenounnen haben, eine Mauer aufgcrichtet. die einzureißen im höchsten Interesse des Judentums nnd der Judenheit liegt. Und wenn der Liberalisrnns in solchen Zeiten auch nur die Funktion erfüllt, die in allen Zeiten groß gewesene und heute noch eher wachsende Zahl der von der Orthodorie Abfallenden daran zu hindern, sich von der GemGinschaft zu trennen, indem ihnen ein Judentum gezeigt wird, dem sie keinerlei lleberzeugung zu opfern haben, so hätte er damit für die Gesamtheit schon Bedeutendes geleistet. Gewiß — nnd damit komme ich zum Schlüsse — lassen sich deutsche Verhältnisse nicht ohne weiteres auf die anderen Länder übertragen. Aber die eine Lehre kann aus der dentfcheir Entwicklung gezogen werden, daß ein Zusammenwirken mit dem beharrenden Element ans dem gemeinsamen Mutterbodeu der Gesamtheit und dem Liberalismus nur zmn Segen gereichen kann, und daß eine Trennung von diesem Element nicht nur die Gesamtheit, sondern auch den Liberalismus zu gefährden geeignet ist. Der Schluß der Londoner Tagung. Die Diskussion. Die Montagsitzung, die der Diskussion über die vorangehenden Vorträge gewidmet war, begann mit einer gewissen Spannung. Professor E l b o g e n, besonders warm begrüßt, betonte in seinen Einleitnngsworten das wunderbar starke Leben des liberalen Judentums, das, obwohl oder weil es sich auf keine festen Dogmen berufe, um so stärker für Selbstkritik und Selbstdisziplin eintrete. Es gab einmal eine Zeit, da die osteuropäische Emigration mit ihrem starken Traditionsglauben den Liberalismus an die Wand zu drücken schien, aber selbst diese käme nach und nach dazu, endlich die positive Grundlage des liberalen Judentums zu begreifen, das nicht zerstören, sondern a u f b a u e n will. Professor Elbogen hob als charakteristische Tatsache hervor, daß alle vorhergehenden Redner darin übereinstimmten, daß cs ein Fehler des früheren Liberalismus war, zu rationell zu sein. Darin lag zu viel Philosophie und zu wenig Religion. Er selbst stimme mit Dr. Mattuck in seiner starken Betonung schwacher Stellen der Bibel nicht überein, die gebrachten Beispiele seien nicht beweiskräftig, die Schwierigkeiten der Bibclexegese begannen mit der Theologie, und jeder Versuch zur Harmonie zeige erst, daß „Harmonie" mit „Harm" anfange. Das ist eben das Große im liberalen Judentum» und auch darin füge es sich dem Gesamtjudentum völlig ein, daß eS die Bibel, die heilige Schrift, aufrecht, erhalte, deren wirklichen Text und wahren Geist bisher keine Uebersetzung. sondern nur die hebräische Sprache «iebergeve. Dan» schloß sich Rabbiner Dr. Fellx Lev» aus Chicago an, der an der Konferenz bemängelte, daß sie auf die Bedeutung der hebräischen Sprache zu wenig eingegangen sei. Ferner wollte er bet dem wiederholt gedrauchten AuSdruck, wir feien ein historisches Volk, den Ton mehr auf „Volk" als auf da- Beiwort „historisch" gelegt »tffen. Gr sehe in der Tatsache, -aß wir Juden überhaupt leben, die grüßte Freude und den höchsten Stolz dejüdischen VolksbewußtsetnS, und er finde in dem Mangel diese- Bewußtseins die Erllärung dafür, daß Jesus nicht ein jüdischer Prophet geworden fei. Mit den Vorrednern beklage er die Tendenz des früheren Liberalismus -um Rationali-muS. Was nur vom Vorstand gewollt werde, werde wieder vom Vorstand zerstört. Die jüdische Mission in der Welt fei — jüdisch zu leben» -er jüdischen Religion in Kultur und Zivilisation unbedingten Ausdruck zu geben. Der nächste Diskussionsredner, Rabbiner Dr. Goldmann -Leipzig, konstatierte ausdrücklich den Unterschied des deutschen Liberalismus, wie ihn auch die deutschen Teilnehmer der Konferenz vertreten gegenüber den der andern Delegierten. DaS, waS er von den Herren aus Amerika gehört habe, sei für Deutschlands liberales Judentum neu und nicht ohne weiteres annehmbar. Er sieht aber auch den großen Abstand zwischen Ost- und Westjuden. Diese entwickeln ihr religiöses Bewußtsein unter dem Drucke der modernen Welt, während die Juden in Rußland und Polen sich aus sich heranentwickeln. Daliberale Judentum brauche mehr innere Entwicklung, um sich voll entfalten zu können. Dr. Stephen S. Wtfe (New Aorkj spricht vom historisch gewordenen liberalen Judentum und betont die Einheit nnd Solidarität de- Gesamtjudentums. Liberali-mubedeutet Toleranz, während Intoleranz Pseudvliberali-mus ist. Montefiore übe Toleranz und predige sie nicht uur. Vor zwei Generationen war Polemik innerhalb der verschiedenen Auffassungen deö Judentums vielleicht notwendig, jetzt Gott sei Dank nicht mehr. Liberalismus ist nicht eine Antinomie gegen Zioni-muS. Man könnte sagen, Liberalismus und Reform könnten ebensogut eine Antinomie bilden. Bei manchen Liberalen besteht der Liberalismus darin, baß sie Antizivnisten sind. Wenn man auf -er Konferenz über Zionismus geschwiegen hätte, so hätte er auch geschwiegen, aber er hatte den Eindrirck, daß man den Zionismus in den Bann getan hätte und deshalb wollte er als organisierter Zionist an hervorragender Stelle nicht schweigen, um so mehr, als die Leute alle wissen, daß Montefiore der Hauptvertreter des Liberalismus ist, der alles Jüdische mit religiöser Leidenschaft umfaßt und Gegner des Zionismus ist. Seine Aeutzerungen machen um so tieferen Eindruck, weil sie die Aeutzerung einer überzeugten großen Seele sind, und er glaubt, daß Zionismus eine Verkleinerung oder Schädigung der jüdischen Religion bildet. Die Zionisten Amerikas sind nicht immer so friedlich gewesen, wie hier in diesem Lande. Aus den Referaten ging hervor, daß der Liberalismus zu sehr rationalistisch sei und zu wenig religiös. Das liberale Judentum kam in der Zeit auf. wo die industrielle Frage noch nicht existierte, inan glaubte damals, Religion durch Ethik ersetzen zu können, das Problem der sozialen Gerechtigkeit aber, wie eS durch den Komplex der sozialen Frage verkörpert werde, hatte man noch nicht richtig erfaßt. Unleugbar ist das Reformjudentum aus den Begriffen und der Terminologie sWise sagte Jargon!) von 184-2 aufgebaut und es ist wohl klar, daß es jetzt einer Revision bedarf. Man hätte von der Unvereinbarkeit des Zionismus mit liberalem Judentum gesprochen, aber die jungen Zionisten seien schwer fürs liberale Judentum zu gewinnen, weil sie glauben, daß sie ein Stück von ihrer Seele anfgeben müßten. Wenn die Konferenz erklären sollte, daß Zionismus und Liberalismus unvereinbar sind, so müßte er, Stephen Wisc. die Konsequenz daraus ziehen. Er würde zwar, wie er cs immer getan hat, bas liberale Judentum bekennen, und wie er eS auch schon 161.0 als Prediger gefördert hat, weiter dafür arbeiten. Aber vor die Wahl gestellt, würde er es vorziehcn, als liberaler Jude allein zu stehen, außerhalb der Organisation, als sich vom jüdischen Volk zu trennen. Darauf gab der Vorsitzende Dr. Mattuck die klare Erllärung ab, 1. daß diese Konferenz die Frage, ob sie eine offizielle Stellung zum Zionismus einnimmt, nur dahin beantworten kann, daß sie keine bestimmte Stellung einnimmt, womit aber die Stellung der zu gründenden Weltorganisation nicht präjudiziert werden soll. 2. Eine offizielle Antwort aus die Frage, ob Zionismus nnd Liberalismus vereinbar seien, kann von dieser Konferenz nicht erteilt werden, es kann nur sestgestcllt werden, daß ein Teil -er Mitglieder Zionisten, ein Teil Nichtzionisten sind. Jeder muß persönlich mit dieser Frage fertig werden. Im übrigen ständen nur die gestrigen Vorträge zur Diskussion, in ihnen ist diese Frage nicht berührt worden, und er werde keinem künftigen Redner, auch den Referenten, nicht in ihrem Schlußwort die Erlaubnis geben, sie zu berühren. D r. Landm a nn aus Maüison, Wisconsin wandte sich gegen die Ungeistigkcit in der Orthodoxie und gegen die bisherige Erziehung zu religiösem Gefühl in -er Schule. Er sähe eine Aufgabe für das liberale Judentum gerade in bezug ans Schule und Bibel, in bezug ans die Zweifel, die der Jugend schon bei der Schöpfungsgeschichte aufsteigen, eine positive Richtung zu finden. Dem entgegnete D r. Morgenstern, daß er als Lehrer in dem Bibelnnterricht keine Schwierigkeiten empfunden habe. In der historischen Entwicklung nnd den wissenschaftlichen Ergebnissen finde er die Lösung sür die meisten Fragen. Der Ausdruck des jüdischen Lebens, wie es vor Jahrtausenden sich abspielte, ist neben den geschichtlichen Tatsachen ein Spiegelbild des jüdischen Geistes. lieber die Bibel, in der Schule, ihre Bedeutung für den Unterricht, sprachen noch eine ganze Anzahl von Rednern. Besonders bemerkenswert waren die Worte des anerkannten Führers der liberalen Bewegung, Claude G. Montefiore. Claude Montefiore traf das Richtige, als er bemerkte. es sei ein gutes Zeichen für die Notwendigkeit der Konferenz überhaupt, daß so viele verschiedene Meinungen dabei zutage gekommen sind. Wir dürften nicht unter dem Zeichen der gewiß notwendigen und von mir durchaus anerkannten Versöhnlichkeit vermeiden, uns überhaupt auszusprechen. Sein ganze- Leben hindurch habe er den Unterschied zwischen Orthodoxie und Liberalismus im Judentum heransgefühlt und herausgearbeitet. Unter Anerkennung des Großen in der Orthodoxie aller Religionen, auch des Islam und des Buddhismus, müssen wir Liberalen es doch offen und immer wieder aussprechen, daß sür uns Religion die Grundlage unsres Judentums wie der Inhalt des jüdischen Lebens ist. ganz gleichgültig, ans welchem Sprachstamm daö Wort „Religion" herkomme, ob cs lateinisch oder hebräischen Ursprungs sei. Das muß letzten Endes alle Inden zu klarer" Uebereinstimmung sichren — daß sie dieselbe Religion bekennen. Deshalb habe er fast jedes Wort von Rabbiner Felix Levy zu bekämpfen — ihm sei das wahrhaft Reale im Judentum die Religion, nichts anderes. Zum Schluß bemerkte Montefiore noch, obwohl er weiß, daß er daraufhin wieder angegriffen werden würde — er müsse doch zu feiner Stellung zum Christentum wiederholen, daß er die Lehren Jesu Christi aljüdische Lehren empfinde, die auch dem liberalen Judentum zugrunde liegen, wie der wahren Kultur jedes echten GotteSglaubenS. Der nächste Diskussionsredner, Dr. Schulmann, knüpfte an die Worte an, die über dem Uraun Lakadoich -er liberalen Synagoge stünden, die als Versammlungsraum diene: „Diene dem Herrn in Freude."- Er empfinde die dankbarste und höchste Freude, Ehrfurcht und Glück darüber, Montefiore als ihren Führer zu sehen. Wir haben ihm alle zu danken dafür, daß er uns als jüdische Persönlichkeit, als Führer vorangeht. Das hindere nicht, daß er in gewissen Dingen ganz anderer Meinung sei. Die Amerikaner sind in gewissem Sinne orthodoxer, in gewissem Sinne reformierter aldaliberale Judentum Mvntefioreö. Allerdings darin sei er. vollkommen der Ansicht Montefiores, daß die Enden der Welt sich mehr um ihre Religion als um ihr Blut und ihre Raste kümmern sollten. Wenn wir jetzt nicht die (Gemeinsamkeit finden, ist unsere Religion in Gefahr. Fast alle Redner schlossen ihre Reden mit einem säst dythirambischen Dank an Mr. Montefiore und Miß Montaau, die beide über Raum und Zeit hinaus die Verwirklichung des liberalen Judentums, durch ihr Leben bewiesen hätten. Miß Montagu selbst, bescheiden und schlicht, sprach nicht zur Diskussion, sondern zur Frage der ans der Tagesordnung stehenden Gründung der Weltorganisation. Sie sagte: Aus dem Programm steht als Tagesordnung des heitiigeu Nachmittags die Debatte über die Vorträge nnd Eue :-!eio lutian. Diese Konferenz muß ein praktische-'' Reinlial ergeben. Mr haben Worte der Weisheit gehört, iton gebt Ihr Freunde von auswärts fort, wir bleiben liier. In der Gründung, die ich vorzuschlagen die Ehre habe, in einer internationalen Organisation des liberalen Inden lnms müssen wir verbunden bleiben. Weshalb brauchen wir Sie? Weil wir damit den i-ndischen Materialismus, die Indolenz, die Gleich., üb stueit stärker und gemeinsamer bekämpfen können. Ihr Vertreter verschiedener Ansichten und verschiedener Vni d r könnt die Verbundenheit in diesem Ziele wie in unseren religiösen weiter tragen und fruchtbar machen. Wir begnügen uns nicht mit einer Umformulierung, wir mollert eine Umbildung — Fortbildung. Wir, die wir an den liberalen Inhalt des Judentums glauben, der in Harmonie »ist dem modernen Leben nnd Denken steht, müssen dafür lammen. Niemand kann mehr Ehrfurcht für die Treue mit Geien haben als wir, aber handeln die, welche sich zur Orthodorie bekennen, danach in der Gesamtauffassung und Gesamtsnlirung ihres Lebens'? Sind sic „jüdisch" im heutiger, Für dieses Judentum des Lebens kämpfen ivir und de>,en Sendboten müssen wir. müßt Ihr sein, hinaus über -Me ganze Welt. Im Aufbau dieses gelebten Judentum'.. .wetzen wir alle Inden zur Mitarbeit gewinnen. Deukschblütig. Voll Do. iur. I. L e v y. „Runenorden Walvater nimmt dentschbinuge Männer und Frauen auf, welche an der Wiedergeburt des Germ an er, - tums Mitarbeiten wollen. Bild, Haarprove und '/eo.msmni unter obigen Runen (sie standen über der Einladung; mi die „Deutsche Zeitung", weiche für Redlichlei» des OZr rs bürgt" So war lange in dem Blatt des Herrn Elast, Oberbefehlshabers des Alldeutschen Verbandes, zu lesen, desselben Herrn Claß, der einst den Kaiser Wilhelm >!. geflissentlich verkleinerte nnd neuerdings denen DUd und Glückwünsche empfangen und als Gast in Schloß Dernm geweilt hat. Für diese „Deutsche Zeitung" hat im Za st re OE! von Großtabarz ans Friedrich Wilhelm Prinz von Pren-.ei» ein Werbefchrcibcn verschickt, worin er ihr nachrühnit, daß sie den Einfluß des Judentums bekämpfte, und die menen Machthaber rücksichtslos bloßstelle. Ein solches st'!»» „inun nicht nur immer weiter verbreitet werden, sondern nun, in»'; cs auch m die Lage versetzen, seinen wachsenden Aufgaben genügen." Als im November 1918 im Großen Haupt mm Hier iiber die nächsten Schritte des Kaisers beraten wurde, innerbreitete ihm der General Graf Schulenburg de» '.Hast, stä, an die Spitze der Truppen zu stellen, nicht um sic!, den ü ronzosen entgegenznmerfen, sondern gegen die Inden ioszuziehen, die das Volk an die Feinde verkauft hätten. „e''cur wird Majestät zujnbeln und über der Rache an den Verrätern vergessen, daß man an Revolution dachte." Diesen Gedankengang hat sich General Ludendorff gelehrig angeeignet. Er schreibt in seinem Pamphlet „Kriegführung und'Politik": „Mit Frankreich und England Hand in Hand arbeitete die Oberleitung des jüdischen Voiles. Vielleicht führte sie beide. Sie sah den kommenden Weltkrieg als das Mittet an, ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele durcbznsetzen . . . Dazu brauchte das jüdische Volt die Lliederläge Deutschlands." Vor dem Volksgericht in M»ruhen ans der Anklagebank erklärte Herr Ludendorff: „Die jiuVinio Gefahr habe ich vor und im Weltkrieg kennen gelernt und mich damit befaßt. Die jüdische Rasse verdirbt unser Voll physisch und moralisch. So wenig ein Engländer und Franzose Einfluß auf unser Volk gewinnen darf, so wenig an:■.) ein Jude." Herr Ludendorff wurde der PuißhgeHnrie Hitlers und der Gesinnungsgenosse ArturDinters, der mit seiner „Sünde wider das Blut" den Geiß des Genera!'- ebenso befruchtete wie Herr Müller genannt "ou Hansen mit den „Geheimnissen der Weisen non Zion". Zn den Leitsätzen'des dentschnationaleu Reichsausschnsses, der den Deutschvülkischen die Hand reichte für die Waisen, aas denen Herr Ludendorff als Gesetzgeber hervorging, «stieß es, •»; völkische Weltanschauung müsse richtunggebend sei n. ,,-ue ist in unserer Geschichte und in der nordrassinsten, uw-:- neu unseren germanischen Vorfahren überkommenen Eigenart unseres Volkes begründet." Darum „bewußte Aele»nnng alles Fremöblütigen, Jüdischen und Fremdartigen. Erste Forderung: „Deutschland ist von Deutscl,blütigen ,.u regieren." Nur Dentschbliilige dürfen Voitsve,treten, Lehrer, Zeitungsschreiber werden, die ganze Knlrnr ist „von sremdrassiger Gedankenwelt zn säubern und rücksichlslos zu reinigen." Und so mit Grazie weiter. „Dentschb'.üstg" und kein Ende. Doch wer ist dentschblntig? Es gibt in De ul sch! and sranzösische Kolonien, deren Gottesdienst vielfach noch henie in französischer Sprache abgehalten wird. Als Ludwig XIV. das Edikt von Nantes aufgehoben hatte, lud der Grone Kurfürst die verfolgten Hugenotten Anfang Nommver ein, nach Preußen zn kommen. Und sie käme» in Schemen, die Fremdstämmigen. Nach Magdeburg 1Ö00 zn den X'i<>n damaligen Einwohnern der Stadt,- nach Berlin, das ir> om, Seelen zählte, zwischen 6000 und 6000 nach anderen Orlen kleinere Trupps. Die Zahl solcher Kolonien ans deul'Zgem Boden ist heute noch 240. Wer kennt nicht die -Rainen Ravens, Gvntard, Mtchelet? Wer weiß nicht, daß es einen preußischen Kriegsminister Verdy du Vernois gegeben bat, einen Reichskanzler Caprivi di Caprera di Moinieueoli? Noch im Weltkrieg einen General von Fraiwois? Sie waren und sind gut deutsch, die „dentschbliitigc" Ahncuprobe aber konnten sie nicht bestehen. Vor der Berliner Hniuerfx tätSaula steht bas Denkmal Savignys: er war Rechtslehrer und Minister in Preußen, und ein anderer Sarngin, war lange Bismarcks rechte Hand in der Außenpolitik. Dentsrh- Vlütig waren weder Vater noch Sohn. Wer war doch gleich unter Friedrich Wilhelm IV., der ihn nach Berlin beiß cs, die Seele der konservativen Partei, der Togo, a liker des christlichen Staates'? Im alten Herren ha ris seht seine Marmorbüste, gestiftet von den „Edelsten der Nation". Es ist Stahl, der bewunderte MibnOener der „Kreuzzeitung", sogar Mitglied des enrnme! 'men Oberkirchenrats. Besagter Stahl, ehemals Joelsohn, war ein

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