Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 30 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Skizze von der inhaltlichen Besonderheit der althebräischen Poesie. Entworfen von Geheimrat Ed. König in Bonn. Allerdings ist die Seele der altisraelitischen Dichter auch von profanen Motiven bewegt worden. Denn um diese hier nur an einer einzigen Gruppe zu veranschaulichen, so fehlt es im althcbräischen Religionsbuche keineswegs an Naturpoesie. Wie deutlich zeigt sich das schon an den interessanten Worten Davids: „Wach auf Harfe und Zither! Ich will wecken das Morgenrot!" sPs. 57,9). ferner denke man auch an die reizenden Zeilen über das Erwachen des Frühlings (Hohes!. 2.10—18)! Wie .zartsinnig sind auch die Sähe über die Schwalbe in Ps. 84.5 und in 104.12—18 z. B. die Worte: „An den Bächen sitzen die Vögel des Himmels und singen aus den Zweigen heraus!" Aber was dem Inhalt der altisraelitischen Dichtung in oberster Instanz seine Eigenart verleiht, das ist derbcsondcre religiöse Grundcharaktcr dieser Dichtung. Dieser Grundcharakter liegt aber in folgenden Momenten: Vor allem wird diese Poesie von der Gewißheit eines lebendigen und souverän der Welt g e g e n ü b e r st c h e n d e n Gvttesgeistes durchströmt (vgl. z. B. Ps. 8,2: „O Ewiger, u n s e r Herrscher, wie herrlich ist dein Name aus der ganzen Erde!" oder 29,1: „Die Stimme des Ewigen erscholl über den Wassern usw." oder 33.6—9: „Denn so er spricht, so geschieht cs usw"), und an diesem lebendigen Gott werden im einzelnen seine Erhabenheit über die Schranken der Zeit und des Raums und überhaupt über alle außer ihm liegenden Hindernisse gepriesen: Ps. 90, 130, 115 nsw. Dadurch ragte diese Poesie nicht bloß über die Dichtungen der Babnlonier, sondern auch über die Dichtungen Homers und Hesiods mit ihrer Vielgötterei, ihrem Götterzank und Götterbuhlschaften empor. Auch Alex v. Humboldt rühmt in seinem Kosmos II (1847), S. 45 ff. „die Psalmen als Reflex -es Monotheismus Israels, der -aS Ganze des Weltalls in seiner Einheit, sowohl das Erdenleben als auch die leuchtenden .Himmelsräume, auf sich wirken läßt." Sodann übt der hebräische Dichter in der Lebendigkeit dos Denkens und Fühlens, die ihm ganz so wie allen Poeten eignet, allerdings auch Personifikation der Natur und spricht deshalb vom Erzählen der Himmelssphären und vom Frohlocken der Wasserströme oder vom Jauchzen der Walöbäume (Ps. 96,11 ff., auch 97,1—98,8 usw.). Aber er kennt keine Naturbeseelung, geschweige denn eine Mythologisier ung der Naturprozesse. Er bevölkert nicht die Quellen oder Bäume mit Nymphen und Dryaden und verteilt nicht das Weltall, wie die Babylonier an Anu, Bel und Ea, oder wie die Griechen an Zeus, Poseidon usw. So wenig der althebräische Dichter dies tat. ebensowenig hat er r. B. den Sonnenball zu einem Gott gemacht. Er hat ihn nur mit einem Helden verglichen, der vom Schöpfer der Welt ein Zelt aufgeschlagen bekommen hat und der. wie das Dichterauge seine Regelmäßigkeit und seinen Glanz deutete, im Dienste Gottes gleichsam mit Freudigkeit seine Bahn durchläuft (Pf. 19,56—57). Diese Gedichtsstrophc ist deshalb nicht alsein „Sonnenhymnus" zu bezeichnen, wie von seiten der neuesten Psalmcnerklärcr geschieht, deren Aufstellungen im einzelnen in meinem soeben erscheinenden Psalmenkommentar kritisiert werden. Trotzdem war der hebräische Dichter nicht etwa so religiös befangen, daß er in dem göttlichen Geisteshauchen (Ps. 104, 29 ff.) mehr, als den allerinnerstenQuelldesWeltlebens gesehen hätte. Er verkennt auch nicht die Nächstliegenden Ursachen des Naturprozesses. Denn er preist auch z. B. die wohltuende Wirkung des Regens (65,10 ff.: 104, 14) und verwendet den besonders im Morgenlande wichtigen Tau zur Veranschaulichung erfreulicher Erscheinungen (110,3; 143,3). Alex v. Humboldt sagt im „Kosmos" II. 46 ff.: „34t dem einzigen 104. Psalm ist. möchte man sagen, das Bild des ganzen Kosmos dargelegt. Man erstaunt, in einer Lehrdichtung von so geringem Umfang mit wenig Lügen das Universum geschildert zu sehen." Ein besonderer Glanz liegt über dieser Poesie auch.wegen der W ä r m e der Religiosität, die in ihr zum Ausdruck kommt, und wegen der Schönheit der sittlichen Ideale, die in ihr empfohlen werden. Denn man denke nur an solche inbrünstige Worte der Sehnsucht nach Gottesgemcinschaft. wie „Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott!" 15,3) o-der „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele.. Gott, zu dir" (42,2) oder „Ein Tag in deinen Vorhöfen ist bester, denn sonst tausend Tage" (84.11). Man erinnere sich ferner an die Innigkeit des Dankpsalms „Lobe den Herrn, meine Seele, usw.!" (103,1) oder an die ergreifenden Schuldbekenntnisse (6,32 usw.) und vergegenwärtige sich die Zartheit des sittlichen Pflichtbewußtseins. wie es in Ps. 15. 2 ff.; 50,14; 133.1 usw sich ausspricht! Will aber jemand an die Rachepsalmen erinnern, so hoffe ich. in meinem Kommentar bei durchaus grammatisch-historischer Auslegung, aber a l l s e i t i g e r Betrachtung der Probleme ans Tatsachen aufmerksam machen zu können, die auch diese Rufe nach göttlicher (!) Vergeltung in ihrem richtigen Lichte erscheinen lassen. Also das Endurteil kann nur dieses sein: Die althcbräischc Poesie besitzt ^wegenr ihres religiös-sittlichen Gehaltes einen hohen Ehrenplllatz innerhalb der Weltliteratur. RätselauMung aus vorletzter Nummer. 1.. Zttsammeusetz-Aufgabe. Ti ir * i i "1 -M j: rh 2. Streichholz-Rätsel. Kalendarium för die Zelt vom 24.7. h. 31.2.1926. Juli IStzß 1 Ab 5686 Sonnabend 24 13 Sabbat Nachum Wochenabschnitt: Woeßchann Haftarah: Jesaja 40, 1—26 Sabbat-Ausgang: 9,6 Uh- Sonntag 25 14. Montag 26 15. Dienstag 27 16. Mittwoch 28 17. Donnerstag 29 18. Freitag 30 19. Lonnabend 31 20. Wochenabschnitt: Ekem Haftarah: Jesaja 49. 14—26: 50, 1—11; 31. 1—3 Sabbat-Ausgang: 8,53 Uhr Dauer-Inserate sind besser als Vertreter u. Mitarbeiter Konditorei und Cafe Feinbäckerei Werner Kum.row Inhaber Paul Donner BERLIN W, Motzstraße 70 u. Haberlandstraße 8 lonsttaflj neu renoviert! Tel.: Nollendori 3164 ibltevvümer Aufenthalt SPEZIALITÄT: Wasser-Barches Pfd. 50 Pf. Butter - Barches Pfd. 80 Pf. in allen gewünschten Größen Baisers-Torten 4.-, 6.- u. 8.-1 Gefrorenes Liter 6.00 Torten aller Art von 5.00 an | Fürst Pückler Liter 5.00 tt Blätterteig-Gebäck: Käsesiangen, Bouillonstangen etc. Bostellungen werden jedersoit entgcgengenommen Lieferung frei Hans Soeben erschien fmdciiibllple mmcgammmmammewmmmaSSmBmmm Bildnisse und Charakteristiken von Samuel Meiseis Ei wo 300 Seiten stark, auf holzfreies Papier gedruckt, in schöner Ausstattung. 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