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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-07-02 · 27 (2.7.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
27 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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fei. Hingegen erkannte er an, -atz die amerikanische Reformbewegung, die er natürlich von seinem orthodoxen Standpunkt ablehnte, viele positive Werte geschaffen habe." Auch Dr. Morgenstern hält für das wichtigste Problem im jüdischen Leben Amerikas den Ausbau des jüdischen ErziehungSwesens. Bor 40 dalwt» et*a totm hi* Äatzl der Juden in den Vereinigten Staaten eine Viertel Million. In 40 Jahren ist sie auf das löfache, auf etwa zti—i Millionen angewachsen. Die gewaltige Zuwanderung verursacht: zunächst den AuShau -es Woblfqhrtswesens. daals mustergültig in der jetzigen Gestalt allgemein anerkannt wird. Wie glücklich baö amerikanische Volk sich schätzen darf, kommt einem zum Bewußtsein. wenn man an die unendliche Notlage in unserem Vaterland denkt und vergleicht, batz amerikanische Juden in diesem Jahre 30 Millionen Dollar für Hilfszwecke in Osteuropa und Palästina aufbrinaen. Während in Deutschland wertvollste Kräfte durch den Antisemitismus positiven Aufgaben entzogen werden, ist -er amerikanische Jude in der beneidenswerten Lage, den Antisemitismus als qua»tit4 negligeable betrachten zu können. Der Klu-Klux-Klan war eine Momentbewegung, meint Dr. Morgenstern, die heute schon wieder abflaut, und Heren Name in wenigen Jahren vergessen sein wird. Es gibt aber sogar weite phtlosemitische Kreise. Die „Förderation der »freien Kirchen in Amerika", also ein christlicher Verband, »beabsichtigt 18 Millionen Dollar für Juden in Europa und Palästina zu sammeln. Eine Tatsache, die oer deutsche Jude «kaum begreifen kann. Das gegenseitige Verstehen wird gefördert durch einen Professorenaustausch zwischen den theologischen Seminaren der verschiedenen Konfessionen. Der Präsident Coolibge. ein interessierter Christ, steht religiösen Fragen sehr sympathisch gegenüber nnd hat mehrfach in erfreulicher Weise zu Dingen des Judentums, das er als religiöser Mensch sehr gut versteht. Stellung genommen. * . * Nicht besser kann die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der liberalen Juden der Welt dargelegt werden, als durch die Wiedergabe dieser Unterredungen. Wir müssen ständige Fühluna mit einander erhalten, damit wir uns kennen lernen und gegenseitia fördern können. Die Wirklichkeit des jüdischen Lebens in Amerika sieht wahrlich »anders aus, als sein Phantasiebild des deutschen Juden. Mag der herzliche WiedersehenSnnmsch für London am Schluß der beiden Unterredungen nicht nur für ein einmaliges Zusammentreffen Geltung haben. Neuwahlen zur Tagung des Verbandes Bayerischer israelitischer Gemeinden. Von Max Neu. Nürnberg. Was war das für eine Begeisterung als vor fünf Jahren zum ersten Male die Juden Bayerns auf Grund einer überaus demokratischen Wahlordnung an die Urne traten, um die Männer und Frauen ihres Vertrauens in die erste Tagung zu wählen. Die Beteiligung war auf den kleinen Landplätzen eine hundertprozentige. Aber auch in den Grotzstädten München und Nürnberg nahezu 80 Prozent; mutzten -och in oer Mittagsstunde tatsächlich Hunderte eine halbe Stunde und noch länger warten, bis sie an die Urne herankamen. Auf je 300 abgegebene Stimmen kam ein Abgeordneter, die Neststimmen wurden einer Landesliste zugeteilt, so daß keine Stimme verloren ging. Man zählte damals mit der Landesliste 77 Abgeordnete. Dieses Wahlsystem, angevaßt der jetzigen Reichstagswahlordnung, zeigte den bayerischen Juden die Stärke ihrer einzelnen Parteien. Es hatte nur den Riesenfehler, es zwang zur Wahl. Da nach den bisherigen Erfahrungen jede Wahl Entgleisungen und Ausschreitungen mit sich bringt, so einigten sich alle drei Parteien idviAeudsvung -es Verfahrend. ' May setzte eine Ahgeordnetenzahl von 76 fest und verteilte sie nach den 8 Kreisen Bayerns in 7 Wahlbezirke. Die schwächer jüdisch bevölkerten Kreise Oüerpfalz und Riederbayern gaben einen Wahlbezirk. Oberbayern.15 Abgeordnete Niederbayern-Oberpsalz . 3 „ Oberfranken.5 „ Mittelfranken.21 „ Untersranken.16 * Schwaben ....... 5 „ \ Pfalz.11 76 Abgeordnete Außerdem bekamen die Ausländer, neben dem bisherigen ari neu nun auch das passive Wahlrecht. Die Mandate der Kreise wurden einerseits auf Grund der letzten Volkszählung, andererseits nach den zuletzt abgegebenen Stimmen festgesetzt. Es war dies ein Kompromiß, um die kleinen Plätze mehr zum Zuge kommen zu lassen, wodurch Unterfranken zwei Mandate mehr zufielen. Wenn in einem Wahlbezirk nur eine Liste, versehen mit 80 Unterschriften von Wählern, eingereicht wird, so ist diese Liste glatt gewählt. So wurden am 26. Mai 1926 alle Abgeordneten auf Grund dieser Wahlordnung für gewählt erklärt. Es war nicht immer leicht, zu einer Einigung zu kommen. Um eine Wahl zu verhindern, einigte man sich in Unterfranke,: dahin, daß der e r ft e Ersatzmann aus beiden Listen ein Liberaler wurde. Für Mittelfranken trafen die drei Parteien bereits in Augsburg die Vereinbarung, die bisherige Mandatsverteiluna, ohne Rücksicht ans die Landeslistv, zu belassen. Durch das passive Wahlrecht der Ostjuden drohte im letzten "Augenblick ein Konflikt ausznbrechen, der dank des Führers des mittelfränkischen Blocks, Herrn Dietenhöfer. AnSbach, bcigelegt wurde. Er stellte in hochherziger Weise, um eine Wähl zu vermeide«, den Fürther Ostjuden ein Mandat des Blocks zur Verfügung. Die Ostjuden kommen nun mit drei Mandaten in die Tagung: die Herren Horn. München, Büchner, Fürth und Katz, Nürnberg, der Ersatzmann Herrn Leo Katzenbergers, der eines der Tagungsmaudatc in den Rat erhält. Gleiche Anzahl erreichten die Frauen. Den bisherigen Damen Frau Recha Stark, München und Frau Hermine Maetzger, Landau, gesellt sich neuerdings Fräulein Dr. Julie Meyer, Nürnberg. Sie hat sich bereits in der jungdemokratischcn Partei und im C. B. hervorragend betätigt unbewährt. Vom Standpunkt der Tagung aus ist es sehr zu bedauern, daß die beiden verdienten Fraktionsvorsitzenden der beiden größten Parteien, öle Herren Rechtsanipalt Dr. Carl Oestreich. München und Hauptlehrer Stoll, Würzburg in den Rat einziehen. Herr Dr. Oestreich bekommt bas neugeschaffene dritte Mandat der Kultusgemeinde München, während Herr Hauvtlehrer Stoll von dem Bayerischen. Lehrerverband in den Rat gewählt wurde. Beide habe« — obwohl entschieden in der Sachedurch ihr HsnzilianteS, versöhnendes Wesen, sehr viel »um Ausgleich innerhalb der Tagung beigetragen. Mögen die Nachfolger die gleiche Richtung beibehalteu. Bon de« «eiteren auSgeschiedenen Abgeordneten möchte ich noch daS bisherigen Mitglied beS Ständigen Ausschusses, Herrn G«stav Thalheimer, Ludmtgshafen, erwähnen. Deine bvrch Sachlichkeit und Erfahrungen getragenen Ausführungen fände» stets ein williges Ohr. Von den neuen Mitglieder« der Tagung sollen nur einige hervorgehoben werden, von deren Mitarbeit Ersprießliches erwartet werden kann. geg»im$at_ Richard In erster Reihe Herr Professor Millstätter, München, eine in der Wissenschaft «erkannte Persönlichkeit. Der Block der Tagung hat t« fyuif« -er letzte» Periode auf einige seiner «Mtfaftcftt« fHilur »erz»chten müssen. Der erste Vizepräsident der ersten Tagmrg. f err Rabbiner Dr. Stem.SchWeinftrrt. «eytze t»,Qmh U* agirrig von dem bayerrschen Raboinerveroand in den Rat gewählt. Außer dem bereits erwähnten Herrn Hauvtlehrer Stoll erhielt noch Herr Diet-ühöfjk» Vrr-bach, ein Rai», Mandat. Es ist deshalb sehr zu begrüben. daß -iHe Partei sich in den Herren Rabbiner Dr. Josef Wohlgenmth, Kitztngen, und Rechtsanwalt Ernst Feilchenfeld, Nürnberg, einen wackeren tatkräftigen Nachwuchs gesichert har. Auch die PMzer präsentieren uns einige sehr wertvolle Mitglieder. Ich möchte besonders Herrn Justizrat Dr. Julius Rbeintzeimer. Kaiserslautern, Hervorheven, der schon den beiden letzten Tagungen Würzburg und Augsburg ohne Stimmrecht zu besitzen, vetryohntc. DgK MehrheitSverhältnider Fraktionen hat sich kaum geändert. Bon den 70 Mandaten entfallen: 4I aus hie liberale Partei, 22 am den Block. 12 auf die Bolkspartei. ES fetzen sich zusammen die Liberalen aus: 10 Oberbayern, 10 Mittelfranken, n Pfalz, 4 Unterfranken, 3 Schwaben, 1 Oberpfalz, Ä Oberfranten. Der Block: 12 Unterfranken. 6 Mittelfranken, 2 Schwaben, 2 Oberpfalz. Die Volkspartei: ü Oberbayern, 5 Mittelfranken. 3 Oberfranken. Zur Erläuterung diene, daß der Block aus den Konservativen in der Mittelparlei Untersrankens, Schwabens, Oberpfalz und der Stadt Fürth besteht sowie aus sämtlichen Kleingemeinden Mittelfrankens. Die sechs Mandate der letztgenann4»u enthalten zwei liberale Blockabgeordncte. Die Bolkspartei setzt sich zusammen aus den Zionisten, -er Orthodoxie der Städte München und Nürnberg und Oberfrankens und der Mittelpartei Nürnberg. Die erste Tagung hat gezeigt, zu welchen Ergebnissen man kommt, wenn man verständnisvoll gegenseitig berechtigte Wünsche und Ueberzeugungen anerkennt. Diese am Schlüße der letzten Tagung in Augsburg gebrauchten Worte unseres aüverehrten Präsidenten Herrn Geheimrat Universitätsprofesior Dr. Silberschmidt, Rat am obersten Landgericht, möchte ich wörtlich anführen und sie mir zu eigen machen. Es war stets unser Stolz, diese Worte in die Tat umzusetzen. Möge auch die kommende Tagung vom gleichen Geiste der Versöhnlichkeit und Toleranz getragen werden! Möge sie unter Führung des hervorragend bewährten Präsidenten des Rats, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer und des Präsidenten der Tcmung, Herrn Geheimrat Dr. Silberschmidt. arbeiten zum Wohle und Segen der ganzen bayerischen Judenhett! Aus den Gemeinden Bebra. (L e h r e r k o n f e r e n z.) Die Israelitische Lehrerkvnserenz Hessens hält am 8. Juli im hiesigen Hotel Schlüter ihre diesjährige 84. Mitgliederversammlung ab. Reben den verschiedenen Berichten über die innerhalb des Bezirks bedeutsamen Vorgänge auf dem Schulgebiete und Htlfskassenwesen bildet der Vortrag des Waisenhausinspektors Heilbrnnn. Cassel, über „Die Betätigung des jüdischen Lehrers in der Wohlfahrtspflege" den Hauptgegenstand der Tagung, die außerdem noch von Beratungen über Lehrplanänderungen und andere pädagogische Fragen ansgefüllt werden wird. Berlin. (W a h l p r o t e si o.) Der Polizeipräsident von Berlin hat die an ihn gegangenen Proteste gegen die Wahlen zur Berliner Repräsentantenvcrsgmmlunq nunmehr zur Rückäutzeruna dem Gemeindevorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde zugeleitct. Zum Referenten für den Gemeindevorstand ist Justizrat Makower bestimmt worden. — Wie der JTA.-Berireter erfährt, wird der Gemeindevorstaud zu dem Protest in der nächsten Sitzung Stellung nehmen. Es läßt sich noch nicht übersehen, wann die Entscheidung des Polizeipräsidenten fallen wird. Mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, die laufenden Geschäfte der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht ruhen zu lassen, wird zunächst noch weiter die alte Repräsentantenoersammluna einberufen werden, da sonst durch die Unmöglichkeit, durch Gemeindebeschluß Geldbewilligungen auszusprechen. ein völliger Stillstand der Verwaltungsgeschäfte zu befürchten wäre. Berlin. (Die Unterstützung der Religionsgemeinden durch das Reich.) Der Haushaltsausschuh des Reichstages behandelte den Einspruch des ReichSrats gegen den Beschluß des Reichstages, für kulturelle Zwecke der Religionsgemeinschaften eine Million Reichsmark in den Etat 1926 einzusetzen. Ein Vertreter Preußens im Netchsrat erklärte, daß dieses Gebiet Sache der Länder sei und deshalb das Reich hierzu keine Beschlüsse fassen dürfe. Ein Verirrter des Reichsministeriums de» Inner« widersprach dieser Auffassung. Schließlich wurde die Angelegenheit zur weiteren Beratung dem Unterausschuß überwiesen. Berlin. (Generalversammlung der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums.) Die Hochschule für die Wissenschaft deS Judentums hielt ihre Generalversammlung ab. Justizrat Seligsoh«, der über das letzte Berichtsjahr referierte, begann mit warmen Mchrufen für die drei verstorbenen Kuvatoriumsmitgtteüer, Geh. Justizrat Prof. Dr. Mosse. OherregierungSrat Dr. Meyer und Ehrenschatzmeister Max Weih, drei Männer, die um die Entwicklung und den AySbau der Hochschule sich ein dauerndes Verdienst erworben haben. Als wissenschaftliche Abhandlung der Hochschule wird demnächst eine Arbeit von Rabbiner Dr. Baeck über SaS Thema „Pharisäer und Sadduzäer" erschein»«. Hochschule wird augenblicklich besucht vost 4L Hörern, unter denen 22 Deutsche. 14 Polen. 4 Jugöslaven. 3 Litauer, ein Oesterreicher und ein Grieche sich befinden, dazu kommen 29 Hospitanten. Die Rabbinatsprüfung haben im BeriMsjohte der nach Aachen berufene Dr. Schönberger und der nach Bingen berusene Dr. Waubaum bestanden. Bon ehemalig« Hörern wurde« berufen: Dr. Wiener von Stettin nach Berlin. Dr. Appel von Bingen nach Dortmund. Dr. Gattickatt. früher in Posen, als Religionslehrer nach Frankurt a. M.. Rabbiner Skronbeim als »»etter Rabbiner »ach Gtockhal». Dr. 9totat»»tta aus Stuttgart »ack Schneidrmüül. Dr, Zlvcisti aus Mannhestn nach Offenburg kn Bade». Dr. Gksenstadh früher Rabbt«er in St. Petersburg. als RÄNner »ach Paris. Die Bibliothek hat jetzt einen Gesamtbestand von über 40 000 Bänden. Die Einnahmen betrug»» etwas über 102 MN Mark. Das Kuratorium wurde durch die Hinzmoahl de- Regierungsdirektors Dr. Weiß. beS bekannten Leiters der Krimi* nal-Abtetlung des Berliner Polizeipräsidiums. eür«- -oh«»» des verstorbenen Kurators Dr. Max Weiß, ergänzt. Berlin. (Die Tätigkeit des Verbände» JD * T.) Vor einigen Tagen fand die Jahresversammlung der GeftWchaft für Förderung von Handwerk und Vandwirifchaft unter den Juden ,O)rt" statt. Herr Prof. S. Frankfurt begrüßt» di- Erschienenen, worauf Herr Justizrat Dr. Brod- «itz einstimmig »um Vorsitzenden gewählt wurde. Dem Rechenschaftsbericht für die Jahre 1924/26 war zu entnehme«, daß chch die Witalieöerzahl stark vermehrt hat und daß die Arbeit und die Ziele des Verbandes ein starkes Echo in Deutschland finden. Mit Unterstützuna des ArbeiterfürforgeamtvL und der Jüdischen Gemeinde wird in Berlin eine Schneider-Lehrlingsschule erhalten. Stipendien a» Handwerker und studierende Techniker wurde» gegeben, für Re Arbeit in Polen und Bossarabien wnrden Zuschüße bewilligt. Die Jrauen-Abteiluna entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit. Nach Erstattung des Finanzberichtes hielt das Mitgliedes Präsidiums der Zentralverwaltung. Herr Dr. A. Si»* galowsky. einen lehr instruktiven und perspektivcnreichen Vortrag über den gegenwärtigen Stand der Tätigkeit des Verbandes in den verschiedenen Länder». Diese $xoft!e«tc werden den Ende Juli in Berlin zusammentretenden Ber» bandstaa beschäftigen. Der Redner gab ein Bild vo» der Arbeit in Polen. Bessarabien. Süöruhland, Litauen, Lett* land usw. Das Hauptziel sieht JE)!*" darin, die Selbsttätig* fett der lokalen Bevölkerung auf eine möglichste Höhe »« steigern. Besonders unterstrich der Redner die Tatsache, dich zum Budget der Handwerkerschulen. das monatlich mehr als 18000 Dollar beträgt, die Zentralverwaltuna bloß 5000 Dollar beisteuert, während der Rest von der lokalen Bevölkerung aufgebracht wird. Während der letzte» Berichts* Periode ist der Ausbau der lokalen Organisationen soweit vorgeschritten, daß sie die Alletnträger der Arhett sind, und mit dem früheren System der Bevollmächtigten ge-roche» werden konnte. ,Ö)rt" war diejenige Organisatio». die angesichts der wirtschaftlich stark gefährdeten Judenschaft des Ostens die Idee von der konstruktiven HilfSarbett propagiert hat. ,Ort" hat die ersten Maßnahmen ergriffen, um di« dnrch Bürgerkrieg und Pogrome zugrundegerichteten alten jüdi* scheu Kolonien in Südrußland wieder aufzubaueu. -err $*. A. Singalowsky belegte seine Ausführungen mit sehr inter* essanten und aufschlußreichen Zahlen und Daten und wies zum Schluß darauf hin, -atz es nun an der Zeit sei. «ebe» dem Kolonisationswerk auch eine Aktion für die Industrialisierung der jüdischen Bevölkermrg in den Städten burchzuführen. Er teilte mit. daß diesbezüglich ein Vertrag zwischen der Zentralverwaltung von „Ort" und den maßgebenden Moskauer Instanzen vor dem Abschluß steht. Er schloß mit dem Appell, die lebendigen Kräfte der Judenheit für die Ziele des ,O>rt"-Berbandes mobil zu machen. Anschließend referierte Prof. Frankfurt über den weite* ren Ausbau der Arbeit in Deutschland. Er entwickelte ein»» Plan über die Ausdehnung der technischen Erziehungsarbeit und die Unterstützuna des jüdischen Handwerkes in Deutschland. An die Referate schloß sich eine ausführliche Diskussio«. Berlin. (Bon dc t Chewra Kadischa.) Die Chewra Kadischa Groß-Berlin, die wegen der Tätigkeit, die sie «t vorbildlicher Weise an Kranken und Sterbenden ausübt, zu einem wichtigen sozialen Faktor im Leben der Berlimr Judenheit geworden ist, soll -- wie wir hören ihr fruchtbares Arbeitsfeld noch mehr erweitern. Es sind an die Chewrg Kadischa. als die hier»» berufenste Organisation, mehrfach Anträge gestellt worden, die die Zentralisierung der Gräberfürsorge in den von Deutschland abgetretenen Gebieten betreffen. Gedacht ist zunächst an die verödeten, völlig verlassenen Friedhöfe in Ostpreuhen. Posen und Oberschlesien. Ferner ist beantragt worden, für diejenigen Glaubensbrüder und Glaubensschwesteru, die aus den verschiedensten Gründen, infolge der wirtschaftlichen Rotz oder wegen vorgerückten Alters, nicht mehr in der Lag» sind, die Gräber ihrer teuren Angehörigen aufzusuchen. an den kommenden Butzetagen eine gemeinsame Tramranöacht auf dem Friedhof in Weitzensee »» veranstalten« Im Rahmen dieser Feier soll auch derjenigen Helden des Vaterlandes ehrend gedacht werden, deren Gräber unbekannt geblieben oder in Gegenden sich befinden, die schwer zu erreichen sind. In der den 27. d. M. abgehaltenen Sitzung hat der geschäftsführende Ausschuß der Cbewra Kadischa »n all diesen Fragen Stellung genommen und im Hinblick auf de« Ernst der Angelegenheit den einmütigen Beschluß gefaßt, im Prinzip die Zentralisierung der in Betracht kommenden Gräberfürsorge zu übernehmen. Aufgabe der Chewra Kadischa wird es nun sein, schleunigst mit den hierfür maßgebenden Faktoren Fühlung zu nehmen, um die Vorarbeiten für diese wichtige Angelegenheit der gesamten deutschen Judenheit in die Wege zn leiten. Gleichzeitig wurde der Antrag zum Beschluß erhöbe», am jeweiligen ersten Slichoth-Tage eine große Feier zu Ehren unserer Kriegerhelden. deren Gräber in fremden Landen ruhen und deren Angehörige ihre Ruhestätte nicht kennen, zu veranstalten. Dieser Gedenkfeier wird die Chewra Kadischa den religiösen Charakter und die pietätvolle Weihe geben, daß an derselben auch alle diejenigen ihre Trauerandacht verrichten werden, die die beschwerliche, mit großen Opfern verbundene Reise in ihren eheumlißen Wohnort, in welchem ihre Eltern ruhen nicht macken können. Caffel. (Neues Mitglied des Borsteheramtes.) Für den kürzlich verstorbenen Bankier Blumenthal wurde 5lommerzienrat M. Gottschalk als Mitglied des Vorsteheramts der Israeliten in das Landrabbinat gewählt. Casiel. (75. Geburtstag.) Der frühere Gemeindeälteste und jetzige Kreisvorsteher Moritz Lieber» beging unter reger Teilnahme weiter Kreise in staunenswerter körperlicher und geistiger Frische und Regsamkeit den 78. Geburtstag. Köln. (F est gottesdienst.) Anläßlich der in Köln stattfindmden Deutschen Kampsspiele will die Svnagogengemeinde für die jüdischen Teilnehmer am 3. Juli in der Synagoge Roonstr. einen Festgottesdienst veranstalten. Köln. (Studentenwählen.) Am 6. Juli finden an der Kölner Universität die allgemeinen studentischen Kammerwahlen statt. Während bisher nach Fachfchaften gewählt wurde, treten jetzt politische Anschauungen in den Vordergrund. Die Kölner Korporationen des KC. und des KJB. haben sich auf die Aufstellung einer allgemeinen jüdischen Liste geeinigt. Main». (Neue indische Zeitung.) Der Landesverband der Jfraelitsichen Religionsgemeinden Hessens gibt seit Juni d. I. ein Mitteilungsblatt heraus. Das Blatt erscheint monatlich und geht den Mitgliedern unentgeltlich zu. Die Gchriftleitung liegt in den Händen von Herrn Rabbiner Dr^Levi in Mainz. Mannheim. (Uraufführung.) Am hiesigen Nativnattheater wird in der nächsten Spielzeit das Werk von Franz Werfel „Paulus unter den Juden" zur Uraufführung gelange». Schneidemühl. (Pom Bezirksverband jüdischer Gemeinden.) Zwecks endgültiger Konstituierung des BezipD-verhanLes der jüdischen Gemeinden -er Grenzmark versammelten sich am 30. Juni auf Einladung der Jüd. Gemeinde Schneidemühl die Herren Max Cohn und Veterinärrat Gabatzky-Deutsch-Kroue. KommMonsrat Eugen Sjmon. Moritz Litten und Aler Rychwalski-Jastrow, BenVti. Bertdoild Lewv und Gerber-Preußisch Friedland, Revmpmr und Kraft-Märk. Friedland, Georg Reustein.

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