Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 26 (25.6.1926)
- Date
- 1926-06-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist f>ett Schülern zur Ausübung von. Sport. wie Fußball. Tennis. Eroauet nnd Gartenbau Gelegenheit geboten. Unter fien Schülern selbst sinfi Vercintgungen für Lektüre. Musik. Schach, dramatische Borführungcil und dcrgl. gcbitfiet. Seit 1896 befindet sich die Anstalt in einem dazu eigens errichteten unmittelbar am Walde gelegenen dreistöckigen Neubau, dessen Einrichtungen den weitestgehenden bnaienischen unfi pädagogischen Anforderungen der Neuheit l'ntwrechcn. Sämtliche Räume sind mit elektrischer Beleuchiuna und Zentralheizung versehen. Auf einem großen am Hause angrenzenden Spielplätze können sich die Knaben in fien Freistunden evaelicn. So biciet die Samsonschnlc durch ihre Einrichtungen volle ('öcmalir für die geistige Ausbildung und das Wohlergehen der ihr anvertrauten Knaben, zumal bei der beichränkten Anzahl von Schülern der Klassenlehrer der Eigenart jedes einzelnen gerecht werden kann, was bei den überfüllten Klassen öffentlicher Schulen nicht möglich ist. Dieser Umstand in Verbindung mit den sonstigen Vorzügen des Alumnats sollte seitens der Eltern bei der Wahl einer Schule besondere Berücksichtigung finden. Wiener Brief. jüdisch-nationale Kampfmethoden. In einer kurzen Notiz einer der letzten Nummern dieser Leitung wird darüber berichtet, das; es den verzweifelten Anstrengungen der Wiener Jüdisch-nationalen gelungen ist. beim Wiener Kultusvorstaud für den Keren Hajessod und die Paläsrinaionds verschiedener Parteien die Bewilligung einer einmaligen Spende von 50 000 Schilling durchzusetzen. Dieser hohe Betrag hat angesichts der in Wien selbst herrschenden großer» Not. wie mir von verschiedenen freunden aus Deutschland berichtet wird, sogar in Kreisen Verwunderung ansgelöst, denen keineswegs Verständnis für das zionistische Aufbauwerk abgesprochen werden kann. Es wird in dieser Notiz ferner darauf hingewiesen, datz das Erreichte dem Kräfteaufwand der Zionisten, die der liberalen Mehrheit mit persönlichen Angriffen auf den liberalen Vizcpräsidenten Dr. Ornstein entgegentraten, zu verdanken ist. Diese Art des Kampfes — anscheinend bei den Jüdischnationalen aller Herren Länder sehr beliebt — ist in Wien bei diesen „Politikern" zu einer so einzigartigen Vollendung gelangt, dass es sich wahrlich verlohnt, einen Einblick in die Methoden der Wiener jüdisch-nationalen zu nehmen. Den Ausgangspunkt zu diesen Angriffen bot ein der siidjschnationalen ..Wiener Morgenzcitnng" in die Hände gefallener Brief, der an sich wirklich nicht geeignet erscheint. Aussehen zn erregen. Doch was tut man nicht alles, um deu verhauten ..Assimilanten" etwas am Zeug ztl flicken? Eine fette llebcrschrift itnd das nötige Geschrei machen »aus der harmlosesten Angelegenheit einen „Skandal", linier der lieberschrist „Gelicimdiploniatie ttt der Wiener Kultusaemcinde" veröffentlichte die ..Wiener Morgenzeitung" eia Schreiben des Vizepräsidenten der Kultusgemeinde und Präsidenten der „Union d cu tscho st c r r c ich i sch c r Juden". Dr. Jakob Ornstein. welches sie als „ein vertrauliches Rundschreiben an indische Gemeinden und Korporationen im Auslände" bezeichnete. Dazu sei ganz vertraulich sestgestellt. daß das Wesen und die Bedeutung dieses Briefes von der „Morgenzeitnng" absichtlich entstellt wicficrgcacben wurde. das; fias Schreiben, das mit keinem Worte als vertraulich bezeichnet wurde, bloß an fünf Privatpersonen, darunter persönliche Bekannte und Verwandte des Absenders, von Dr. Ornstein in seiner Eigenschaft als Präsident der „Union", woblgemerkt nicht als Vizepräsident der Gemeinde. übermittelt wurde. Der Beweggrund mr dieses Schreiben aber war gerade ein Interview der „Wiener Morgenzeitung" mit dem indischnationalen Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeiude. in welchem dieser daraus hinwies. daß ausländische (Gemeinden zum Unterschied von der Wiener, den Keren Hajessod „nicht wie irgendeine andere Fürsorgeaktion behandeln", sondern „seiner Bedeutung reifes Verständnis entgegenbringen", das sich auch iit der reichen Dotierung in ihren Budgets answirkt. Nun besteht aller Grund. vielem, was in der „Morgenzeitirng" steht, das größte Misstrauen entgegenzubringen. Denn zu oft haben sich ihre Mitteilungen und Berichte als frei erfunden heransgestellt. so daß sie sogar von der eigenen Parteipresse des Auslandes dementiert werden mußten. Es handelt sich also darum, fcstzitstellen, ob sich tatsächlich andere. und zwar, was besonders bervorgeboben sei. Gemciitden des valntastarken Auslandes, am Keren Haiessod in ihren Budgets beteiligen. Diesen lediglich informativen Zweck verfolgten auch die fünf erwähnten Briefe des Herrn Dr. Ornstein. die von den Empfängern auch nur in dem Sinne aufgefaßt worden sind, in welchem sic geschriebett waren. Der Bcmühnttg. informatives Material über die Angelegenheit zn gewinnen, fehlte selbstverständlich jedes gehässige Motiv, ja, sie wird sicherlich von jedem Unbeianneuen als sachliche Pflichterfüllung betrachtet werden. Von sie dem Unbefangenen, aber nicht von den Jüdisch-nationalen. Von diesen nmröe die Ehre eines Mannes, der kein anderes Verbrechen begangen bat, als sich voll und ganz dem Wohlc der Wiener Indenschast gewidmet zn haben, rücksichtslos in den Kot gezerrt und eine Persönlichkeit, die sich nicht allein an. der Stätte ihres Wirkens, sondern weit darüber hinaus der größten Wertschätzung erfreut, in der kleinlichsten und acliässigsien Weii'e beschimpft und herabgesetzt. Ja. es ist doch ein eigen Din g um den iiidischeu Nationalismus. gegen den sich jüngst erst ivicder Pros. Freud mit folgenden Worten wandte: „Ein nationales Hochgefühl habe ich. wenn ick daz.tr neigte, zu unterdrücken mich bemüht, als unheilvoll nnd ungerecht, erschreckt durch die warnen d c n Beispiele der Völker, unter denen die Inden leben." ,Sit dieser Freud'schen Erklärung sei hier eine Prcßpolcmil der „Wiener Morgenzeitung" angeführt, die am besten die niedrigen Kampfmekhoden dieser Herrschaften illustriert. Mit eittet« groben Geschütz fuhr jüngst dieses üüdischutationalc Blatt gegen die „Union" auf. sie machte dem Präsidenten dieses Vereins keinen geringeren Vorwurf. als daß er „die Mitglieder der ..Union" grob beschwindelt". „den Name eines gefeierten Gelehrten skrupellos mistbraucht", also „einen politischen Betrug frivolster Art" verübt hätte. Wahrhaftig kein Spa st,' die Frauksälschergsfäre schrumpft zn einem geringfügigen aristokratischen Privatvergnügen ein gegenüber der Ungeheuerlichkeit dieser furchtbaren Anklagen. Was ist geschehen? Tr. Jakob Oruft e i n hatte gelegentlich der Generalversammlung der „Union" auf fias Schreiben Pros. Freuds hingcwiescn, ans dem, wie er sagte, hervorgche. daß Professor Freud kein Bekenner fies das Infientum „schädigenden" Nationalismus ist. Darin soll nun eine Fälschung der Gesinnung Professor Freuds liegen. In der Tat. Dr. Ornstein müsttc nach dem von der „Morgenzeitung" selbst zitierten wörtlichen Tert reumütig bekennen, daß er wirklich die Gesinnuna Prosessor Freuds mistfientet hat. Denn er hat ihr mit seinen Worten einen gegenüber diesem Text abgeschwächten Ausdruck verliehen. Dr. Ornstein spricht vom „schädigenden" Nationalismus, Prof. Freud aber von dem unheilvoll und ungerecht wirkenden Nationalismus, den man wohl schwerlich nützlich, aber vielleicht eher doch schädlich nennen dürfte. Vorausgesetzt natürlich, daß man kleinen Nuancen zwischen nützlich nnd schädlich anerkennt. Oskar Hirschfeld, Wien. Der Sabbat. In Kürze eine Wiedergabe des fast einstündigen Vortrages über „Wesen und Bedeutung des Sabbaths", gehalten von Herrn Rabbiner Dr. Schönberger. Aachen, bei der Veranstaltung der „Freitag. Abend-Feier" von der „Vcreiniguna des liberalen Judentums", Ortsgruppe Aachen. Wie das Wesen des Lichtes ohne die Erfahrung des Sehöns unS zn einem leeren Begriff wurde, wie die Definition fies Begriffs Freude ohne das Erlebnis des Sich-Frcuens nur ein stumpfes Zergliedern einer Abstraktion wäre, so mutz eine Auseinandersetzung der Bedeutung des Wesens des Sabbaths ein fremdes Stumpfes unserem Geist und Gemüt bleiben, solange nicht der Sabbath zum Erlebnis, zur Erfahrung unseres tiefsten religiösen Empfindens wird. Es ist daher gut. dast das Wort über den Sabbath hineingestellt ist in eine Sabbath-Feicr. Und dennoch fehlt dieser Feier ein Wesentliches. Wie die Ausstellung ficr Sabbathstube auf der Gesolei in Düsseldorf eben nur Ausstellung ist. denn ihr fehlt der iobbathliche Mensch, so ist der Mangel unserer Feier — zu viel Menschen! — d. h. die Familie, der engste Kreis der Zugehörigkeit. gibt dem Sabbcth erst sein wahres Gepräge und seine soziale Bedeutung. ,2Jm Judentum wird die Familie zum Grundpfeiler der sittlichen Weltordnung" — (Professor I. Elbogen in „Lehren des Judentums". Bd. II. Bcarb. von I. Dernseld). Der Sabbath schafft die Heiligkeit des Familienlebens nnd ist Arbeit an der Weltordnuuq! Das Haus wird zum Heiligtum — die Frau zur Priesterin, — der Tisch zum^Altar und die segnenden Eltern werden dem Kinde zu Stellvertretern Gottes! Nachdem der Vortragende diese Gedanken erläutert und vertieft hat. erweitert er den Gedankengang über die soziale Bedeutung fies SabbatHs in ieiner Wirkung ans Staats-, Volks- und Religionsgemeinschaft. Der Sabbath war für die Welt die erste durchgreisenfie, soziale Wirklichkeit und war doch zugleich mehr, als nur Ruhe von der Arbeit. Denn feine sozial-ökonomische Seite entsprang der Quelle des Religiösen. In der Einrichtung fies Sabbaths unfi in seiner Gestaltung zeigt sich ein Grnndzug fies Altjüdischen: „Die Gegensatzlosigkeit von Ethik nnd Politik." (Herm. Cohen: „Der Sabbath und seine tulturgefch. Bedeutung" — Schriften (Bd. II, S. 54 ff.) Sabbath ist Bund mit Gott. — Sabbath ist ein Wahrzeichen der göttlichen „Theokratie, deren Charakter Demokratie ist" (Spinoza». Die soziale Gleichheit wird vom Sabbath als ethischer Ausdruck der Gottesebenbildlichkeit des Menschen gefordert. Durch ihn wird fiie menschliche Arbeit zn einem Schaffen am Göttlichen! Arbeit wird Dienst an Gott, wenn Ruhe von der Arbeit Bund mit Gott ist! So schasst der Sabbath einen seelischen Fricdensbezirk. der weder durch die Technik, noch durch die Kunst oder Wissenschaft geschaffen werden kann. Technik schafft Komfort — sie schafft Behagen — (dem Begüterten), sie kann, richtig angewandt, dem Sabbath Weglierciter sein. Ter Technik entfliestt. wie der Kunst und dem Wissen, die Zerstreuung des Mannigfaltigen. Aber der Sabbath gibt Sammlung, schasst den Friefiensbezirk der Seele. Goethe sagt: Bildung nnd Kunst können durchs Leben begleiten. aber nicht durchs Leben führen." Sabbath führt durchs Leben! — Der moderne Mensch, der Mensch fies Hastens, der im Materiellen der Technik und der Zerstreuung sich verliert, braucht die Sammlung im Göttlichen des Sabbaths mehr als je. Gerade dieser Mensch aber fragt: „Was kann mir das Judentum bieten?" Abraham Geige» antwortet ihm: (Abrah. Geiger: Nachgel. Schriften S. 21h ff.) „Wer trägt daran Schuld, wenn das Judentum nichts bietet? Sie gher das Judentum? Kann sich dieses Ihnen aufdrängen, wenn Sie ihm die Pforten Ihres Hauses und Ihres Herzens gewaltsam verschliesten? DaS Judentum mit seiner reichen, grotzartigcn Geschichte, — daS Judentum mit der Innigkeit des Familienlebens, — das Judentum mit seinen mitleidigen Herzen — mit seinem reinen Gottesglauben, mit seiner mächtigen Tnlderenergie. sollte uns nichts bieten können?" Alle diese monnmentalen Werte und Werke unseres Judentums finden ihren, von Woche zu Woche wiederkehrenden Weckruf und freudevollen Abglanz im Sabbathgedanken, — in der Sabbathheiligung. Sabbath ist für Israel Licht und Freude — ist Seelenruhe! fÜi Aus der Bewegung |||| Aachen. Nach einer langen Nuhepau.se ist die hiesige Ortsgruppe der „Vereinigung für das liberale Judentum. Zentrale Berlin", endlich wieder an die breite Oeffentlichfcit getreten und hatte, auf eifriges Betreiben des Aachener Gemcinderabbiners. Herrn Dr. Schönberger, für Freitag, den 12. d. M.. abends ,'Z! Uhr, eine „Freitag-Äbend-Feier" veranstaltet. zu der sämtliche Mitglieder der Gemeinde mit ihren Angehörigen cingeladen waren. Tie Feier, die tit fielt Räumen von Nuellcus-Hotcl stattfand, war von etwa 240 Personen besucht und hatte einen, über alle Erwartungen hinansgehenden Erfolg. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Aachen. Herr Gustav Blumeuan, konnte erst um 9.15 Uhr abends, da immer noch Teilnehmer erschienen.fitcangetündigte„Freitag-Abeud-Feier" eröffnen, indem er die Gäste mit „Scholaum a leichem", diesem bekannten Sabbat-Gruß, bewillkommnete und gleichzeitig dem erschienenen ersten Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Justizrat Dr. Franckeit, für seine Anwesenheit dankte nnd speziell allen Damen seinen Dant abstattcte, die in Uebeusivürdigster Weise für den heutigen Abend lukullische Genüsse zur Bewirtung der Gäste in reichlichem Maße gespendet hatten. Hierauf übergab e, den Vorsitz und die Leitung der Feier Herrn Rabbiner Dr. Schönberger, der mit einigen einleitenden Worten fite Anwesenden bat, zum vollsten Gelingen dieses Abends gut beitragen zu wollen. Herr Rabbiner Dr. Schönberger ersuchte nun Fel. Edith Mencr. einen Festprolog vorzutragen. der. von Herrn Emil Blnmenau. Köln, versaßt, an anderer Stelle dieses Blattes wiedcrgegeben ist. Reicher, nicht enficnwollendcr Beifall wurde der hervorragenden Sprecherin gezollt. — 2kun erfolgte durch den Herrn Rabbiner der .„Kiddnsch" und das übliche „Mauze-Machen" an „Barches". die ebenfalls von gütiger Damenhand gespendet waren. Es folgten nun Gesangsvorträge des Herrn Kantor Stiebcl. die mit großem Beifall ausgenommen wurden. Hieraus hielt der Leiter der Abendfeier, Herr Rabbiner Dr. Schönberger, einen fast cinstündigen. lehrreichen Vortrag über: „Wesen und Bedeutung des Sabbatö". den die Leser dieser Zeitung, seines hervorragenden Inhaltes wegen, in den hauptsächlichsten Gedanken an anderer Stelle dieser Zeitung. besonders niedergeschrieben, vorfindcn werden. Reichsten Beifall erntete der Vortragende. Rezitationen lmmoristischen Inhaltes, dargebracht von Herrn Francken jr. und Herrn Stiebel. bildeten die Fortsetzung der Darbietungen des Abends. In einer folgenden kleinen Ansprache eines Mitgliedes innerer Ortsgruppe. Herrn I. Daniel, forderte derselbe die Anwesenden auf. Lzw. sprach den Wunsch aus. den heutigen Abend auf sich wirken zu lassen nnd ferner den Verein für das liberale Judentum durch ihren Beitritt zur Mitgliedschaft zu unterstütze«. > wie guch der Nachfolgende Redner, dar Aorst-andAmitglivd unserer Ortsgruppe. Herr Löwenstein, in beredten Worieu darauf binwies. den Anwesenden durch die Veranstaltung des heutigen Abends einen kleinen Beweis von unserem eifrigen Bestreben gegeben zu haben, anfbauen zu wollen und nicht niederzureißen. Auch er gab dem Wunsche Ausdruck. zu unseren Versammlungen zu erscheinen, speziell zu der demnächst stattsindenden Generalversammlung. Inzwischen war der Zeiger auf die elfte Abendstunde vorgerückt, und der Leiter der Feier forderte die Anwesenden auf zum Tischgebet mit vorhergehendem Gesang deS „Schtrhamalaus". in welchen die Gäste einstimmten. Nachdem der Herr Rabbiner das vorgetragcne Tischgebet vollendet, hielt er zum Schluß noch eine kleine Ansprache, in der er die Versammlung bat, diesen Abend nicht ungeachtet an sich vorübergehen zu lassen, sondern in religiös-liberaler Weise als Wirklicher Jude am und im Judentum zu wirken, denn wir gebrauchten wirkliche Männer des Judentums. Damit schloß er die Feier. Ein jeder schied «tit dem Bewußtsein, einen eindrucksvollen. glänzenden und gemütlichen Freitagabend als Gast der Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum verbracht zu haben. Berlin. (Iü d i s ch l i b e r a 1 c r Jugend v e r c i n.) Am 13. Juni fand der diesjährige Gautag der Jüdisch-liberalen Jugendvereine in Wiesenburg statt. Die Absicht war. mit den Gruppenmitgliedern aus Magdeburg und Potsdam durch nähere Fühlungnahme in persönliche Verbindung zu kommen. Die Berliner Gruppen trafen sich schon am Sonnabend vorher, verbrachten in Belzia den Nachmittag und Abend mit Sport und Spiel und übernachteten in fier Jugendherberge. Erfreulich war es. daß mir auf diese Anderthalbtagesfcchrt auch ein gut Teil unserer jüngsten Mitglieder mitnehmen konnten Am nächsten Morgen wandertc man nach Wiesenburg und traf dort die Magdeburger und Potsdamer Gruppen. Trotz des schlechten Wetters nutzen wir vergnügt den Tag mit Wettspielen aus. bei denen die Berliner Führer den Sieg Siea davontrugen. Sprechsaal Liberalismus und Zionismus. i. Die in Nr. 25 dieser Zeitung erschienenen?lusführungen des Herrn Rabbiners.Dr. Maybaum dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Sie'scheinen mir gefährliche Trugschlüsse zu enthalten. Gefährlich vom Standpunkt desjenigen, dem die Reinhaltung der Ideale des religiösen Liberalismus am Herzen liegt. 1. Herr Dr. Maybaum stellt fest, daß Liberalismus unfi Zionismus Renaiffancebestrebungcn sind und insofern beide ein Gemeinsames haben. Der jüdische Liberalismus ist. die religiöse Renaissance, er hat sich besonnen auf die Rechte des jüdischen Individuums gegenüber hierokratischer Bevormundung. Der Zionismus ist weltliche Renaissanee. er will das Individuum befreien von seiner Bindung gegenüber Staat und Natron. Es sei fia1)ingestellt. ob das Wesen des Zionismus von Dr. Magbaum ganz richtig gedeutet ist, da ja der Zionismus an die Stelle der L i s h e r i g e n nationalen Bindung nur eine andere, neuartige setzen will. Trotzdem kann man dem G^rndgedanken zustimmcn: Beide Erscheinungen sind durchaus neuzeitlicher 'Natur. Es ist aber unerlaubt, hieraus eine Verwandtschaft der beiden Bewegungen und dann aar fiie Zweckmäßigkeit, ja Notwendigkeit ihres Zusammengehens herleiten zu wollen. Mit demselben Recht könnte man etwa behaupten, Kommunismus und Faschismus gehörten zusammen, weil auch diese beiden unstreitig geistige Erscheinungen der Neuzeit bilden und sogar in ihren Jdeengängen gewisse Berührungspunkte aufweisen. Liberalismus und Zionismus haben gemeinsam ihre positive Einstellung zum Judentum, den Glauben an seine Zukunft, den Willen zur Gemeinschaft. Sie können, aus dieser Erkenntnis heraus. Achtung voreinander empfinden, und ich glaube auch, daß in beiden Lagern tiefes Verständnis für die ideale geistige Einstellung deS anderen Teils vorhanden ist. im Gegensatz zu der großen Masse der Indifferenten. die weder das eine noch das andere würdigen können. Liberalismus und Zionismus können und werden auch in manchen praktischen Einzelfrageu Berührungspunkte finden. Aber alles dies darf nicht darüber hinwcgtäuschen. daß religiöser Liberalismus und Zionismus w esensverschieden sind, ganz verschiedenen Gebieten menschlicher Kultur angehören. Will man die Gegensätze auf fiie knappsten Formeln bringen, so konnte man etwa sagen: Der Liberalismus findet das Wesen des Jndentmns in leittem geistigen Gehalt, der erhaben ist über die Unterschiede von Rassen unfi Nationen, unfi keines von anderen abgegrenzten Volkstums bedarf, um leben zu können. Der Zionismus stützt sich auf fiie Gegebenheiten der Rasse und des Blutes, er steht und fällt mit der Neubelebung jüdischen Volkstums. Der Liberalismus sieht sein Ideal in der Z u k u n f t. der Zionismus holt sein Ideal aus der Vergangenheit. 2. Herr Tr. Manbanm bechauptet nun aber weiter, der Menschheitsgedanke fies Universalismus kann nur in einer nationalen Kultur recht gedeihen. Es sei ein tiefer sittlicher Gedanke. Menschheitsiüee und nationale Idee zu paaren. Demgegenüber muß gesagt werden: Richtig ist, daß Universalismus mit der Pflege nationaler Kultur vereinbar ist, daß das eine nicht das andere auszuschließen braucht, wenn auch die Geschichte lehrt, daß gar viele iveltumspannenden Gedanken bisher am nationalen Eigenwillen gescheitert sind. Aber völlig unbeweisbar ist. daß Universalismus nicht ohne die Pflege nationaler Eigenkulturen bestehen kann. Dock) gesetzt einmal. Herr Dr. Maybaum hätte recht, was ist damit für religiösen Universalismus bewiesen? Tic Antithese: Universalismus — nationale Eigcnkultur kann sich doch nur auf wel tliche Erscheinungen beziehen, wie etwa Weltreiche, Völkerbünde und dergleichen. Aber es ist eine durchaus unzulässige Gleichsetzung bcgrisfsverschiedener Dinge, wenn nun auch für den religiösen Universalismus die Untrennbarkeit von nationalen Kulturen statuiert wirfi. ES braucht nur auf den Katholizismus, den Buddhismus üinwiesen zn werden, um sofort zu erkennen, daß eS sich hier um geistige Erscheinungen ganz anderer Art handelt, vor denen alle natimialen Kulturen als wesenlos uersinkeu. Für einen so aufgefaßten religiös-geistigeu Universalismus kann cs keine Brücke zu irgendeinem NaTionalismus geben. Hier scheiden sich allerdings die Geister, wie Herr Rabbiner Dr. Elk. der Gesinnungsgenosse des.Herrn Dr. Maubäum, in Nr. 24 dieser Zeitung richtig erkannt bat: Steht es wirklich auf gleicher Stufe, ob ich als liberaler Jude die deutsche oder die jüdische Nationalidee bejahe? Nein! Die deutsche Nationalidee lebt vollkommen unabhängig von irgendeiner religiösen Einstellung. Gemeinsame religiöse Ueberzeugung kann die Menschen der verschiedensteu Nationen. Völker und Rassen verbinden. Die jüdische Nationalidee aber kann ich als religiös-liberaler Jude nicht besahen: denn das würde bedeuten, Religionsvolk und StaatSoolk gleichzusetzen. Dr. Elk tut tatsächlich diesen Schritt. Zudem er fite Nlütsaemeinsch-ft. oder auch die tzs-.