Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 25 (18.6.1926)
- Date
- 1926-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Dhenia gehörigen Gebiete, wirb in einer Reibe von Kojen veranschaulicht. Zuerst durch eine Sabbatstuve. deren Bedeutung wohl mehr tm Gemütvollen und Ansprechenden liegen dürste. Neben reichen modernen und auch Älteren Kultgeräten, neben schönem Mobtlar, grüßen auch einige Familienbilber (ftomilie Zauty-Wesel) und Oppenheims FrettagabenÄbUd (Herb. Cramer-Frankfurt a. M.) von den Wänden. Die künstlerischen Geräte für die Beschneidung. (Saunnlung Bvndi). die Eheringe (Sammlung Koch) und die italienischen Gdeverträge bat die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstbenkmäler Lereitaestellt. Modelle des Frtedberger JudewbadeS und einer anderen Mikwoh, sowie des WegräumenS SeS Ungesäuerte» vor Pestach. vevvolMändigen mit den Präparaten der Schächtvvrschriften die Mteilung Kommunalhygiene. Die soziale Fürsorge wird durch die alte Institution der „Heiligen Bruderschaft" als eine bereits in der Vergangenheit verwurzelte Einrichtung sinnfällig dargestellt: als Beispiele dienen hier ein Diorama nach einer bekannten Vorlage, bildliche Darstellungen der Obliegenheiten der Bruderschaft und einige spezielle Angaben über ihr Wirkungsbereich aus, Osfvnhach a. M. Moderner Wohlfahrtspflege sind die beiden weiteren Kosen Vorbehalten: es erscheinen in plastischen Nachbildungen die Heime: Dürrhetm. Rosenau bei Werden. Berlin (LoaenalterSheim) und Frankfurt a. M. (Krankenhaus). Ferner ist durch ein sehr geschickt angebrachtes Dre-Hbrld die Organisation der Wohlfahrtspflege verdeutlicht. Im Anschluß daran M ein Diorama deS Kinderheims in Neu- Isenburg und ein Relief der Zentrale für soziale Fürsorge bei der Jüdischen Gemeinde Berlin angebracht. Ein eigener Raum ist der gerade heute außerordentlich wichtigen Jugendfürsorge gewidmet, also Sen Volks-. Lehrlings- und Mädchenheimen. Das schwierige Problem der Wanderfürsorge ist durch eindrucksvolle Bilderstatistiken dargestellt: man erfährt Näheres über: Alter, Geschlecht, Herkunft und Vermögen der Einwanderer, über die Bezahlung der Uebcrfahrt aus eigenem oder aus Spenden, über den Ausfahrtsbafen, den Anteil der AuS- und der Einreiseländer, der Berufe und viele andere wesentliche Fragen des Wanderunasoroblems. Besonders wird noch auf die Tätigkeit der Fürsorgeäm ter bei Paßlbeschaffung. Rechtsschutz und Verkürzung der Wanderwege hingewiesen. Eine bessere Bewertung der soziologischen Schichtung und der Fragen Ser Ein- und Rückwanderung nach den Bereinigten Staaten wird die vergleichende Darstellung beider bei Juden und Christen ermöglichen. Von besonderem Interesse wird der Vergleich der Einwanderung nach Amerika mit der nach Palästina fein. Das schwerste aller Wanderungsprobleme, die fast völlig versperrte Einwanderung nach Amerika, macht die Bedeutung der folgenden Mteilung: .Der jüdische Mensch im jüdischen Lande" besonders deutlich. Bath-Hillel hat ein großes Bild „Wanderungen" ausgestellt, das eindrucksvoll das bisherige Elend zeigt, es ist als Antithese zur Palästina-Ausstellung gedacht. Diese gibt einen Ueberblick des gesamten hier interessierenden Gebietes vom Kindergarten über die Gesundheitsfürsorge in den Schulen, in den Kolonien, besonders durch die Kupath Cholim, zu den speziellen Fragen der Bekämpfung der Augenkrankheiten, der körperlichen Ertüchtigung durch Turnen und Sport, aber noch mehr durch harte körperliche Arbeit. Die Rückkehr zur Scholle und die durch sie bedingten Veränderungen des Menschen sind ebenso wie die für diese wichtigen Aufgaben nötigen Möglichkeiten der Geldbeschaffung durch Spenden, Keren Hajeffod und Privatkapital in weitestem Rtatze berücksichtigt. Zum Schluß ist Gelegenheit gegeben, über den jüdischen Menschen, seine Sterblichkeit und Lebensfähigkeit. seine verbreitesten Krankheiten und Laster, seinen Auflösungsprozeß, sowie über seine Verbreitung genaueres, wenn auch nicht immer Erfreuliches zu erfahren. Gleichzeitig wird ein Eindruck des jüdischen Typus Kaukasus. Jemen. Galill. China. Rußland. Buchara. Über die Falafchas durch Figuren deS Bildhauers Isenstein-Berlin, vermittelt. Paßbilder geben einen Eindruck der Durchwanderer. Turner und Fliegerbilder die Veränderung deS Juden durch die körperliche Ertüchtigung. In der Mitte des Raumes ist ein außerordentlich geschicktes Bild der Verbreitung der Juden auf der Welt — Entwurf von Dr. Neustätter — gegeben. Zum Gelingen dieser vielseitigen und in ihren Einzelheiten außerordentlich interessanten Abteilung hat Herr Dr. Czellitzer-Verlin sehr viel durch seine Mitarbeit bcigetragen. Außer diesem Mitarbeiter wären noch folgende Einzelpersonen: Lestschinfki. Joel, Klinkenberg. Meyer-Saalfeld, Kralik. Schmidt und von den Institutionen u. a. die Ose, die Logen der Waad Habriuth zu neunen. Der Mische Pavillon ist eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, wie schwer die Aufbringung der Mittels wie bedauerlicherweise bei allen jüdischen Angelegenheiten), die Bearbeitung des Stoffes, seine Abgrenzung gegen die vorhandenen allgemeinen Abteilungen und im inneren Aufbau waren. Es muß bei dieser Gelegenheit die Bedeutung der jüdischen Ausstellungen, in bleibender Form, also der i ü d i s ch e n Museen, wieder einmal hervorgehoben werden. Wenn dies beschränkte Teilgebiet des Judentums bereits ein Fülle von bedeutendem Material zutage gefördert bat. belehrend, abwelirend und repräsentativ vor aller Augen dasteht. so müßte ein umfassendes Mnsenm von bedeutendem Erfolg sein. Ob der Reichsverband der Deutschen Juden diese Aufgabe ansführen kann und wird, bleibt abzuwarten. — In diesem Zusammenhang wird es interessant sein, auf die verstreuten Ausstellungsobjekte mit jüdischem Inhalt lnnzuweisen. Wie nicht anders zu erwarten war. befinden sich im Haus des Arztes Hinweise auf bedeutende jüdische Persönlichkeiten: Ehrlich. Wassermann. Blaschko. Lassar. Emin Pasacha, Wolf Becher. Sam. Hoffmann. iAnm.: Für die Vollzähligkeit und die indische Abstammung bzw. spätere Zugehörigkeit, kann nicht garantiert werden). Im Verkehrsvavillon findet sich ein Hinweis auf den Flieger Lilienthal. Bei der Tropenhygiene läßt sich mancherlei in bezug auf Palästina, bei den Insektionskrankheiten des Ostens (z. B. Fleckfiebcr) wesentliches über die Gefahren lernen, denen die Juden im Osten ausgcsetzt sind. Dies verstreute Kulturgut zeigt einerseits, wie indisch-positive Arbeit immer unter Außerachtlassung unseres jüdischen Anteils an der Weltzivilifativn und -kultur gebucht wird, anderseits welche Bildungsmöglichkeiten für das jüdische Publikum durch eine Zusammenfassung unter speziellen jüdischen Gesichtspunkten erreicht werden könnten. Damit gelangen wir zur Frage, für wen diese Ausstellung von besonderer Bedeutung wäre. ES finden erfreulicherweise eine größere Anzahl von Tagungen im Zusammenhang mit der Ausstellung statt. Alle Männer und Frauen, die am Gemeindeleben und am allgemeinen jüdischen Leben Anteil nehmen, haben in der Gesolei die beste Möglichkeit, ihre Gesichtsfeld zu erweitern. Diejenigen, die nur in ihren Mußestunden am Werke sind, werden die Fülle cntsagnngsreichcr Arbeiten kennen und schätzen lernen. die von den Beamten geleistet werden. Die Beamten werden gern von der Möglichkeit Gebrauch machen, vom allgemeinen Fortschritt aufzunehmen, was unter Berttcksichtimnrg des besonderen Charakters der jüdischen Arbeit erforderlich und möglich ist. Denen, die nur durch Bereitstellung von Mitteln beteiligt sein können, wird die Ausstellung eine ernste M a h n u n g sein, ihre Kräfte gerade in diesen schweren Zeiten bis aufs alleräußerste anzu strengen, damit mindestens das Errungene nicht verloren und möglichst daS unbedingt Erforderliche ütnzugefügt werde. Jahresversammlung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Am Mittwoch, den 3. Juni 1926, fand Im LogenhauS, Kleiststraße, die Mitgliederversammlung des „Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums" statt. Der Verein hat im Berichtsjahr durch den Tob seine beiden Vorsitzenden, August von Wassermann und Hugo Preutz verloren. Au ihre Stelle wurden Herr Dr. Aron Hirsch zum ersten, Herr Direktor Oskar Wassermann zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neu in den Vorstand als Beisitzer tritt Herr Direktor Berthold Katz ein. Den Bericht des Forschungsinstitutes erstattete Herr Professor Dr. Julius Guttmann. Hervorzuheben sind die Teilnahme der Akademie an der kritischen Gesamtausgabe der Werke MoseS Mendelssohns aus Anlaß feines 200. Geburtstages im Jahre 1929, die Fortführung des trefflichen Werkes von Frl. Dr. Selma Stern über den »Preußischen Staat und die Juden", die Drucklegung der „Geschichte der Juden im christlichen Spanien" von Dr. Fritz Vaer, die Weiterführung der von dem verewigten Dr. Theodor begonnenen, von Dr. Ch. Albeck fortgesetzten kritischen Ausgabe des „Midrasch Beneschit Rabba". An die Versammlung schloß sich ein Vortrag von Fräulein Dr. Selma Stern über „Die Jubenpolttik des mittelalterlichen und modernen Staates". Das Problem Jude und Staat, Staat und Jude ersteht in dem Zeitpunkt, in dem man von einer jüdischen Diaspora im eigentlichen Sinne sprechen kann. Eine gerade Entwicklungslinie, die das Verhalten des Staates den Juden gegenüber anzeigt, zieht sich vom hellenistisch-römischen Altertum durch das kirchliche Mittelalter hin Über die Zeit der Renaissance und der Reformation, der Aufklärung zum modernen Berfassungsstaat. Der Bortrag will nur einen begrenzten Abschnitt dieser Linie verdeutlichen, nämlich die Veränderungen in der Judenpolittk des Staates vom Mittelalter bis auf unsere Tage, soweit sie sich auf Deutschland erstreckt. Eigentlich ist es ein Widerspruch in sich, von einer Jubenpolttik des mittelalterlichen Staates — sofern es einen solchen überhaupt gegeben hat zu sprechen. Nach der Theorie durfte er die Juden, die doch „Ungläubige" sind, gar nicht dulden. Er kann sie aber faktisch nicht entbehren. Er gliedert sie sich dennoch — eine der vielen heiligen Inkonsequenzen des mittelalterlichen Lebens — ein, wenn auch nicht als Untertanen, so doch kraft seines Hoheitsrechtes als „Kammerknechte". Die Juden werden so aus Personen zu einer Sache, werden Bestandteile des Regalienrechtes. des öffentlichen Rechtes. Sie werden eine unerschöpfliche und unentbehrliche Steuerquelle. Selbstverständlich sind sie. wie jede damalige Steuer, „abtretungsfällig". Weiterhin sind sie aber in der Praxis des mittelalterlichen Wirtschaftslebens ein notwendiger Faktor, da durch die Theorien der Kirche (Zinsverbot! Die Lehre vom „gerechten Preis") lebenswichtige Gebiete der Wirtschaft dem Christen verboten sind. Die Juden treten in die Lücken ein als wirtschaftlich notwendige, gesellschaftlich geächtete Individuen: denn die mittelalterliche Gesellschaft ist die einzige Institution. die sich keiner Inkonsegnenz schuldig macht. Seit dem 13. Jahrhundert ändert sich das Bild des Staates, also auch die Taktik gegenüber den Juden. An die Stelle des alten Feudalstaates tritt der Territorial- und Ständestaat. Die großen Handelsstädte werden immer mächtiger und selbständiger, das Patriziat herrscht, die Territorialfürsten schaffen sich eine immer größere Macht und werden unabhängiger vom Reichsoberhaupt. Der anfblühende Handel in den Städten stärkt und vermehrt den Haß der christlichen Kanflente gegen die Juden, ihre größten Konkurrenten. Die Fürsten, der Adel sind die geschworenen Feinde der reichynnmittclbaren Städte und stellen sich freundlich gegen die Juden, unterstützen und fördern deren (insbesondere Hausier-) Handel. Einen erneuten Umschwung bringt die Renaissance. in dercrr Gefolge die ratio, die Vernunft, überall ihren Einzug hält. Auch der Staatsmechanismus wird rationalisiert, die Staatswirtschast rationeller gestaltet. Der Adel wird von den absoluten Fürsten aus seinen bisher innegehabten Staatsstellen verdrängt und durch den Willen des Monarchen durch gefügige Beamte ersetzt. Bei der Entstehung des modernen absolutistischen Staates spielt der Jude eine bedeutende, nicht hoch genug einzuschätzende Rolle. Er wird beinahe „Bestandteil" der Staatstheorie. Hier sind die ersten Anfänge der späteren Emanzipation und Assimilation zu suchen. Nicht ans Herzensgute oder Toleranz zieht der absolute Herrscher Juden an seinen Hof, sondern aus finanz-, macht- und wirtschaftspolitischen Gründen. Einzelne hervorragende Köpfe unter den Juden nehmen aktiven Anteil an der praktischen Politik in der Zeit, da die Wirtschaftsparole lautet: „Geld ins Land!" ES ist die Zeit der Hofjuden, die die Großbankiers und Heereslieferanten der Fürsten sind, so Samuel Oppenheimer, Samson Wertheimer u. v. a. Zu den Gründern der ersten Manufakturen (vor allem, Tabak. Seide und Tuche) gehört außer Hugenotten eine stattliche Reihe von Juden. Bei der Finanzierung der überseeischen Handelskompagnien und kolonialen Unternehmungen ist die Teilnahme der Inden eine ganz hervorragende. Es ist selbstverständlich, daß die Juden aufs schärfste vvu den Gegnern der staatlichen Wirtschaftspolitik (Zünfte!) bekämpft werden. Nicht immer zum Segen ist das starke Interesse des Staates für die Juden. Je mehr der moderne Staat das gesamte Leben des Bürgers erfassen und kontrollieren will, kümmert er sich auch um die inneren Angelegenheiten der iüdischen Gemeinden, um die Wahl der Vorsteher, der Rabbiner usw., bebt die Rabbinergerichtsbarkeit auf usf. In der Zeit der Aufklärung macht man sogar den Versuch, einen Teil der Juden dem Ackerbau und dem Handwerk zuzufnhren. (Wohlfahrtsstaat!) Die endgültige Lösung des Problems aber brirrgt erst der moderne Verfassnngsstaat. der die Juden als gleichberechtigte Staatsbürger in den StaatSverband aufnimmt. sie, die bisher Objekte des Staates waren, zur aktiven Teilnahme an den Aufgaben des Staates führt. Die Zurücksetzung, die die Juden auch in neuester Zeit erfahren haben, ist kein Staatsproblem mehr, sondern ein — Gesellschaftsproblem. Spredtsaal Judentum und Feuerbestattung. Auf die verschiedenen Ausführungen, die zu obigem Thema in Nr. 24 vom 11. Juni gemacht wurden, möchte ich mit einigen kurzen Bemerkungen antworten. Zu Absatz 1. Wenn der Rabbiner in Cassel grundsätzlich nicht im Krematorium amtiert, so ist bei der Souveränität unserer Geistlichen in religiösen Angelegenheiten natürlich nichts gegen seine Stellungnahme zu machen. Sache der liberalen Bereinigung in Cassel ist es, bei der dortigen Gemeindeverwaltung vorstellig zu werden und darauf zu dringen. daß auch den iüdischen Anhängern der Feuerbestattung ihr Recht wird, auf 'das schließlich und endlich jede Minorität Anspruch hat. Sollten diese Schritte keinen Erfolg haben, so bleibt den dortigen Anhängern der Feuerbestattung nichts anderes übrig, als die Mitwirkuna des Rabbiners bet Einäscherung ausznschalten und die Feier ohne geistlichen Beistand im Krematorium abhaltcn zu lassen. ES findet sich stets und überall ein Verwandter oder Freund, der dem Verstorbenen einige Worte treuen Gedenkens widmet: wenn dann der Sarg unter den Klängen der Orgel versenkt wird, so wird sich der Weihe und Feierlichkeit des Augenblicks niemand I verschließen können. I Zu Absatz 3. Wenn Herr Dr. Meyer-Düsseldorf die An- I sicht äußert, daß sich die Feuerbestattung bet Juden und I Christen nicht allgemeiner Sympathie erfreut, so zeigt er | damit, daß er den Umfang der Feuerbestattungsbewegung I stark unterschätzt. Biele Tausende von Angehörigen aller | Konfessionen setze» sich für diese» Kulturfortschritt ein: I Herr Dr. Meyer braucht nur einmal die allmonatliche Sta- I ttstik der deutschen Krematorien über die stattgefundenen Feuerbestattungen m lesen, um seine Ansicht gründlich zu ändern. M \ Die auö dem 6. Buch Mose 21, 23 zitierte Stelle „Begraben sollst Du ihn. begraben" verlangt, baß ein Gehängter zu begraben sei und nicht über Nacht am Galgen baumeln dürfe. „Begraben" ist also hier im Gegensatz zu „hängen lassen" gemeint; so legt es auch Rabbi Chama (4. Jahrhundert), aus. der auf die Frage König Chabnos nach Angabe einer Schriftstelle, die die Beerdigung al8 Gesetz befiehlt, keine solche Nachweisen konnte. In diesem Zusammen- Hang sei gleich erwähnt, daß die ärgsten Gegner der Feuerbestattuna aus dem Lager der Orthodoxie, wie Dr. Unna- Mannheim. Dr. Güdemann und Dr. Chajes-Wten, trotz wiederholter Aufforderung von Anhängern der Feuerbestattung ebenfalls kein solches Gebot der Erdbestattung ans unseren Schriften Nachweisen konnten. Die anderen von mir zitierten Stellen wurden ebenfalls noch nie wiederlegt, obwohl sie von mir schon vor Jahren in verschiedenen Artikeln und Broschüren angeführt wurden und sowohl durch die jüdische liberale Presse, wie durch zahlreiche Feuerbestattungszeitschriften weiteste Verbreitung fanden. Wäre dagegen etwas einzuwenden gewesen, jo hätten sich gewiß orthodoxe Gegner zum Wort gemeldet. Sehr interessant ist das Geständnis, daß es eine rabbinische Vorschrift des Inhalts gibt. „Daß testamentarische Bestimmungen bezüglich der Feuerbestattung nicht beachtet zu werden brauchen". Diese mir neue Eröffnung zeigt, wie richtig ich handelte, wenn ich den vielen Hunderten, die mich in Feuerbestattungsangelegenheiten konsultierten, stets den dringenden Rat gab: „Hinterlegt Eure letztwillige Verfügung bei irgendeiner amtlichen Stelle (Stadtrat, Notar, Feuevbestattungsverein). da habt Ihr wenigstendie Gewähr. daß Euer letzter Wille auch vollzogen wird." Nach Kenntnisnahme dieser von Dr. Mayer verratenen Vorschrift werden also alte jüdischen Anhänger des Fenerbestattungsgedankens gut tun. diesem Punkt ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Was nun das von Dr. Mayer erwähnte Dogma unserer Religion von der Auferstehung anbelangt, so erinnert sein Standpunkt stark an die naive Auffassung eines mecklenburgischen Pastors, der die Feuerbestattung deshalb verwarf, weil der ..Auferstehungskeim" durch das Feuer vernichtet wurde. Wie steht es dann dereinst mit der Auferstehung oll derjenigen, die durch Gewalt ums Leben kamen, deren Leiber, wie dies im Krieg so oft der Fall war. durch Granaten in Atome zerrissen, durch Feuersbrünste und Explosionen vernichtet wurden? Welch kindliche Auffassung von der Allmacht Gottes, die an rein äußerlichen Zufällen scheitern sollte. Auf die Frage der Einbalsamierung, die Dr. Mayer aus hygienischen Gründen vorschlägt, näher einzugeheu. erübrigt sich. Man möge diese Idee doch einmal von der Theorie in die Praxis übertragen und sie auf eine Großstadt wie Berlin anwenden: wo will Dr. Mayer die Armee von Sachkundigen herbekommen, die alltäglich Hunderte von Leichen kunstgerecht einbalsamicren. von den Kosten des Verfahrens gar nicht zu reden. Daß es kein hygienisch eineinwandfreieres Verfahren zur Bernichtuna von Bakterien und Krankheitskeimen aller Art gibt, wie die Feuerbestattung, gibt sogar Dr. Meyer zu. Zu Absatz 3 sei bemerkt, daß bei der Auskunft über Friedberg kein Versehen unsererseits vorliegt. Als die Umfrage im Februar hinausging, (bekanntlich zieht sich die Beantwortung mit den dazu oft nötigen Rückfragen viele Wochen lang hin), teilte die Krematorimnsverwaltung in Friedberg mit. daß dortselbst noch keine jüdische Leiche eingeäschert wurde. Da der Vater des Herrn Schiff erst am 23. April feuerbestattet wurde, also zu einem Zeitpunkt, als unsere Umfrage längst abgeschlossen war. so war die uns gegebene Auskunft absolut korrekt. Else Dormitzer. Nürnberg. Partei oder Wissenschaft? Der Artikel, der über das Probeheft der „Enzyklopädie des Judentums" in Nummer 23 der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" vom 4. Juni 1926 au leitender Stelle erschien, ist als ein Zeichen des lebhaften Interesses, dem diese bedeutende Veröffentlichung begegnet, anzusehen. Es war auch die Absicht bei Her Herausgabe des Probeheftes, daß nicht nur der Oeffentlichkeit gezeigt werden sollte, wie das Werk sich nach Form und Inhalt ausnehmen wird, sondern auch, daß der Redaktion durch die Kritik Anregungen aus berufenen und wissenschaftlich interessierten Kreisen gegeben werden. Wer im Getriebe einer solchen Enzyklopädie mitarbeitet, weiß, wie die Schwierigkeiten und Bedenken sich türmen, und ist für jede Anregung aufrichtig dankbar. Freilich muß die Kritik sachlich sein und nicht, wie Herr Moritz Simon sin angeführten Artikel es tut. in das Gebiet des Parteistreitcs hinüber geleitet werden. Kein literarisches Erzeugnis eignet sich weniger zum Partciwerkzeug, als eine Enzyklopädie. Eine Enzyklopädie soll ja nicht eine Bekenntnisschrift. sondern ein Nachschlagebuch fein. Sie muß das gesamte erreichbare Wissensmaterial bieten und für jedermann, ganz gleich, ob er Nichtjude oder Jude ist oder welcher Richtung im Judentum er angehört, benutzbar sein. Eine Enzyklopädie ist zwar auch alphabetisch angeordnet. aber doch nach Aufgabe und Inhalt etwas ganz anderes als die ABC-Büchcr der Parteien, die für Propaganda und Kainvseszwccke dienen und den Stoff einseitig irn Sinne der Partei auswählcn und behandeln. Die Enzyklopädie muß vieles und jedem etwas bringen, aber niemals wird der einzelne an jedem Artikel ungeteilte Freude haben, sondern er wird aar manches finden, was seinen persönlichen Anschauungen widerspricht. Herr Simon nimmt bereits an der bloßen Tatsache, daß die Herausgeber und die Mehrzahl der Redakteure Zionisten sind. Anstoß. Sind sie darum unfähig zu wissenfchaftlicher Arbeit? Spricht nicht, aus dem gleichen Vorurteil heraus, der Orthodoxe dem Liberalen die Fähigkeit zu wissenschaftlichem Denken ab?. (Der Leitartikel des ^Israelit" vom 11. Juni d. I. wirst Liberale und Zionisten gemeinsam in die Wolfsschlucht!) Seitdem vor ungefähr drei Jahren die Anregung zu dem Werke gegeben wurde, haben mir in zahlreichen Besprechungen über Plan und Methode, über Stoff und Bearbeitung beraten und es wurde übereinstimmend immer wieder als leitender Gesichtspunkt hernorgehoben. -aß die Enzyklopädie sich von allem Parteigetriebe sreihalten und über den Gesamtbestand der Tatsachen und Anschauungen referieren soll, ohne in Streitfragen selbst Stellung zu nehmen. Das steht nicht nur auf dein „geduldigen" Papier, sondern ist der bei der Arbeit maßgebende Grundsatz. Aber die Tatsachen, wird Herr Simon entgegnen. Er hat zwei Punkte herausgegriffen, die seine Behauptung stützen sollen. Der eine betrifft das noch wenig geklärte Problem, ob cs eine „jüdische Kunst" gibt. Im Nahmen einer Zeitungspolcmik werden wir die Frage sicher nicht