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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-06-11 · 24 (11.6.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
24 (11.6.1926)
Date
1926-06-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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6. Jahrgang Nummer 24 Beilage ' 11. Juni 1926 Der Schluß der Handwerkertagung. Am Montag vergangener Woche begann im Kristallpalast tn Leipzig nach den Eröffnungsveranstaltungen, über die wir bereits in der vorigen Nummer berichteten, die eigentliche Arbeitssrtzuug des Eentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, in der zunächst der Berbandsvorsitzende. Wilhelm Markus, Berlin, den Geschäftsbericht erstattete. Ihm ist zu entnehmen, -atz nach den Beschlüssen des letzten Verbandstages in Breslau in einzelnen Ortsgruppen Darlehnskassen für den jüdischen Mittelstand gegründet worden sind und weitere eingerichtet werden sollen. Weiter sind in Dortmund, Krefeld und Karlsruhe neue Ortsgruppen gebildet, die Ortsgruppe Dresden ist erneut ins Leben gerufen worden. Verhandlungen wegen Gründung weiterer Ortsgruppen schweben in Königsberg und München. Der Centralverband hat sich bei allen großen politischen Ereignissen in seinem Sinne betätigt, insbesondere bei Wahlen sür össentliche Körperschaften. Trotz vieler durch die wirtschaftliche Not verursachten Hemmungen sei der Vorstand ein gutes Stück vorwärtsgekommen. Die Versammlung genehmigte den Geschäftsbericht und den Kassenbericht und sprach der Verbandsleitung den Dank sür ihre erfolgreiche Tätigkeit aus. Einen breiten Raum nahmen in den weiteren Verhandlungen zwei Referate über „Erziehung zum Handwerk" und die sich daran anschließende Aussprache ein. Muscatblatt, Leipzig referierte über die ..Ausbildung zum Handwerk" im allgemeinen, während Kahn, Frankfurt a. M., über das besondere Interesse berichtete, das gerade die Juden der Erziehung zum Handwerk entgegenbringen. Er behandelte insbesondere folgende Fragen: Welches Interesse hat die jüdische Nichthandwerkerbevölkerung an der Erziehung ihres Nachwuchses zum Handwerk'? Welches Interesse hat der bereits bestehende jüdische Handwerkerstand an einem Nachwuchs aus jüdischen Kreisen'? Welches Interesse hat die christliche Bevölkerung an einem Nachwuchs von Handwerkern jüdischen Glaubens'? Der Redner kam zu dem Schluß, daß die deutschen Juden beweisen wollen, daß sie überall zur Stelle seien, wo es gelte, Kulturarbeit zu leisten. Sie wollen ihren nichtjüdischen Kollegen zeigen, daß es bei der Erfüllung nationaler Pflichten keinerlei religiöse Trennungen gebe, und daß sie von gleicher Liebe zu ihrem Stand und zu ihrer Heimat erfüllt seien. Die Erziehung zum Handwerk müsse von dem Gedanken geleitet sein, das Beste zu leisten, das Edelste zu denken und nach dem Höchsten zu streben. * Die Entschließungen: Im Anschluß an die Referate wurden folgende Ent, schließungen angenommen: 1. Der Bcrbandstag des Centralverbandes der jüdischen Handwerker Deutschlands sieht in der Erziehung unserer Jugend zum Handwerk einen Weg, das deutsche Wirtschaftsleben wieder auszurichten und den Wohlstand unseres Vaterlandes zu festigen. Die ersten Schritte hierzu müssen nicht nur bei der Lehrlingsausbildung beginnen. Auf den Wert der manuellen Tätigkeit muß bereits im Elternhause Angewiesen und die Unterweisung schon in den ersten Schuljahren durch theoretischen und praktischen Unterricht festgesetzt werden. Diese Forderungen können nur dann in Erfüllung gehen, wenn alle jüdischen Kreise es sich zur Pflicht machen, sich für die Schaffung von Lehrlingsheimen und entsprechenden Unterrichtsanstalten einzusetzen. 2. Der Verbandstag hat nach einem Bericht des Vertreters der Gesellschaft „ORT" davon Kenntnis genommen, daß die Absicht besteht, das Arbeitsfeld der Gesellschaft „ORT" bezüglich Versorgung jüdischer Handwerker mit Maschinen, Werkzeugen und Rohmaterialien auf der Basis einer Kreditgewährung auch auf Deutschland auszndehnen. Der Verbandstag begrüßt diesen Schritt mit Freuden und empfiehlt allen dem Verband angeschlossenen Ortsgruppen, die Gesellschaft „ORT" in ihren Aufgaben zu unterstützen. Der Hauptvorstand wird ersucht, die Möglichkeit einer gemeinsamen Arbeit auf dem Gebiete der Kredithilfe sür jüdische Handwerker zu prüfen und den Ortsgruppen darüber zu berichten. Es folgten dann die Berichte der angeschlossenen Vereine, der Untergruppen (Frauen- und Gehilfenvereine) und der Gemeinde- und Landesverbandsvertreter. Ueber das Berbandsorgan und Organisationsfragen referierte der Geschäftsführer des Verbandes, H. Schwarz. Zum Schluß wurden die Bog'standswahlen vorgenommeu. Zur Schächtfrage. Im preußischen Landtage wurde von der „Deutschvölkischen Freiheitspartei" und der „Deutschnationalen Volkspartei" folgender Antrag eingebracht: „Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, unverzüglich einen Gesetzentwurf einzubriugen, der das betäubungslose Löten des Schlachttieres verbietet." Dem hessischen Landtage liegt ein Antrag Werner vor aus Nachprüfung der auf dem Schlachthof angewandten Schlachtmethodssn. (I. Z.) Aus den Gemeinden »04 Berlin. (Die Verfassung des Reichsverbanpes.) Der logliedrige Ausschuß, der von den Vertretern der Landesverbände in der Sitzung vom 25. April d. I. zwecks Ausarbeitung eines Entwurfes der Verfassung des Reichsverbandes der deutschen Juden eingesetzt wurde, hielt am 6. d. M. in Berlin eine Sitzung ab. Den Beratungen lag ein von Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer. München, vorgelegter Entwurf zugrunde, der mit einer Reihe von Aenderungen die Billigung des Ausschusses fand. Der Entwurf der Verfassung, deren Inkrafttreten für den 3. Januar 1927 in Aussicht genommen ist, wird Mitte Juli durch die Vertreter der Landesverbände endgültig festgesetzt werden. Berlin. (Nachruf auf James Israel.) In der Wochenschrift „Medizinische .Klinik" widmet Prof. Dr. Rosenstein seinem Lehrer und Vorgänger. James Israel, einen Nachruf, dem wir das nachstehende interessante Kapitel entnehmen. „Es nimmt nicht wunder, daß Israel bei den außerordentlichen Erfolgen in Wissenschaft und Praxis bald,einer der gesuchtesten Aerzte war. Galt er doch als „der Nrerenarzt". Wo irgendeiner in der Welt, der die Reise nach Deutschland erschwingen konnte, an einem Nierenubel erkrankte, suchte er Israel auf. Bald wurde das Krankenhaus und ferne Privatklinil der Zielpunkt überaus zahlreicher Kranker aus allen Weltteilen, und ebenso sirchten ihn Aerzte aus allen Teilen der Erde auf. um feinen Operationen veizuwohnen. Der Operationstisch in dem k l ein en« aal nt der Auguststraße war fast regelmaßra von zahlreichen Aerzten des Auslandes umstanden: Israel gab jedem emzewen am seine Fragen geduldig Auskunft «nd be ehrte nachher rw Anschluß an die -Operation meine« klinischen Vortrage die Anwesenden m Wiegendster, »eiie* Kr sprach mit redem der Ausländer in ihrer Landessprache, die er vortrefflich beherrschte. Man holte Israel auch viel ins Ausland, besonders zahlreich waren feine Konsultationsreisen nach Rußland.' daß er am Zarenhof gewesen sei. ist eine Fabel. Dagegen führten ihn berufliche Reisen nach Holland, Sizilien. Italien, und bekannt ist sein längerer Aufenthalt, den er am Hofe des Sultans der Türkei nehmen mußte, um bei einer Blasenerkrankung dem Sultan seinen Rat zu erteilen. Man würde Israel Unrecht tun, wenn man ihn etwa als Arzt der Reichen bezeichnen wollte.- gerade das Gegenteil ist richtig: er widmete jedem Aermsten mit voller Hingabe feine ganze Kraft: vor dem Schicksal der Krankheit schwand jeder soziale Unterichicd. Die Kranken seiner Station empfanden das und hingen mit abgöttischer Liebe an diesem Arzte: dabei war schon das Aeußere seiner Erscheinung von suggestiver Kraft und belebendstem Einfluß. Bei der Trauerfeier standen ein paar arme polnische Juden abseits und weinten m tiefster Erschütterung: sie wußten, wen sie verloren hatten." Berlin. (Ausbildung von jüdischen Säugling sp >f l e g e r i n n c n.) Das Mütter- und Säuglingsheim des Frauen-Bereins der Berliner Logen UOBB-, Berlin N. 31. Brunnenstratze 41, Vorsitzende Frau Minna Schwarz, hat laut Erlaß des Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt unter dem 6. Mai 1923 die staatlitche Anerkennung als Säuglingspflegeschule erhalten. Die Ausbildung der Schülerinnen wird durch unsere bisherigen leitenden Aerzte. Herrn Tr. Stephan Steinharter und -Herrn Dr. Josef Hirsch, gewährleistet. Jährlich am 1. Oktober können sechs Schülerinnen eingestellt werden. Jeder Lehrgang dauert zwei Jahre. Anr Schluß des zweijährigen Lehrganges findet als Abschluß die staatliche Prüfung sür Säuglingspflegerinnen statt, nach deren Bestehen der Ausweis als staatlich anerkannte Säuglingspflegerin erteilt wird. — * Berlin. (Prozeß N a u m a n n —S a m u e l.) Der Ehrenvorsitzende des Verbandes nationaldeutscher Juden, Dr. Max Naumann, hatte gegen den Redakteur Dr. Samuel von der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland Privatklage wegen Beleidigung erhoben. Tr. Samuel hatte mit Bezug au-f eine frühere Beleidigungsklage Dr. Naumanns, in welcher der damalige Angeklagte Foerder wegen Beleidigung in erster Instanz verurteilt und in zweiter Instanz das Verfahren auf Grund der A-mnestieverorönung niedergeschlagen war, behauvtet. Dr. Naumann hätte aus diesem Prozeß nur als moralisch Verurteilter hervorgehen können. Der Angeklagte Dr. Samuel hatte Widerklage erhoben, weil Dr. Naumann diesen Angriff im Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Inden unter der Rubrik .Lüge und Lästerung" niedriger gehängt hatte. In der heutigen Verhandlung war Dr. Naumann durch Rechtsanwalt Otto LandAberg, dem früheren Gesandten in Brüssel, vertreten. während Dr. Samuel durch den als Zionistenführer bekannten Rechtsanwalt Äronemann verteidigt wurde. Die Verhandlung endigte damit, daß Dr. Samuel zu 160 Mark Geldstrafe veruteilt, Dr. Naumann hingegen von der Widerklage freigesprochen wurde. Berlin. (Jüdische Kinderklinik.) Die jüdische Kinderhilfe. Berlin, Anguststraße 17, macht darauf aufmerksam. daß sie seit drei Jahren eine heilpädagogische Poliklinik für schwer erziehbare und psychopathische Kinder hat. Die Untersuchungen werden von dem Psychiater und Heilpädagogcn Herrn Professor Dr. mcd. Schneerson unter Assistenz einer sozialen Füsorgerin vorgenommeu. Behandelt werden nicht nur ausgesprochen psychisch und nervös kranke, sondern auch schwer erziehbare Kinder, bei denen infolge des ungünstigen Milieus Erziehungsschwierigkeiten entstanden sind. Für Untersuchungen wird vorherige Anmeldung und Rücksprache erbeten. Bernburg. (lOOjäyriges Bestehen des Friedhofs.) Eine schlichte Gedenkfeier anläßlich des hundertjährigen Bestehens ihres Friedhofs beging die israelitische Kultusgemeinde in Bernkurg am Sonntag, dem 30. Mat. nachmittags 3 Uhr. in der neu ausgestatteten Friedhofshalle, deren Ernst durch ein herrliches Pslanzenarrangement gemildert war, und die die Menge der Besucher kaum zu fassen vermochte. Nach einem vom Synagogenchor unter Harmoniumklängeu mit Begeisterung intonierten „Lorucb habbo“ begrüßte das langjährige Vorstandsmitglied. Herr Louis Cahn. die Gemeinde und die geladenen Ehrengäste: Herrn Stadtrat Müller als Vertreter des Magistrats, die Herren Oberprediger Dr. Heine. Pastor Kindscher. Pastor Nhle als Vertreter der evangelischen und als Vertreter der katholischen Geistlichkeit Herrn Pfarrer Hohgrebc, ferner die Vertreter der jüdischen Nachbargemeinden und Vereine, insbesondere Herrn Lanöcsrabbiner Dr. Walter-Dessau, der zugleich deu Landesverband der Gemeinden Anhalts vertrat, und Herrn Rabbiner Baneth-Cöthen. Auf die Begrüßung folgte die Seelenfeier, eingeleitet von dem von Herrn Schönbaum mit großer Innigkeit vorgetragenon Solo „Herr, was ist der Mensch" Dann ergriff Herr Prediger Jungmann das Wort zu seiner Gedenkrede. Ausgehend von dem Psalmwort (31. 16) ,Lln deiner Hand. Herr, sind meine Zeiten" betonte er die Pflicht der Dankbarkeit gegen Gott für seine gnädige Führung, gegen die Landesregierung und die Vaterstadt für ihren Schutz, sprach dann von der Liebe zu Volk und zur Heimat und von der Hingabe der besten Söhne fürs Vaterland. ganz besonders aber fand er warme Worte der Anerkennung für den Kranken- und Becrdigungsvercin. dessen Borstand durch die Ausschmückung des Friedhofs und der Friedhofshalle und die musterhafte Ordnung, die er geschaffen. ein bleibendes Verdienst um die Gemeinde sich erworben hat und für den der heutige Tag ein Ehrentag sei. Mit einer Mahnung an alle, zur Förderung der konfessionellen und polittschen Friedens zu wirken, schloß der Redner seine eindrucksvollen Worte. Nach dem Gesang von „Lochen ssomach libbi? von Lewandowski hielt Herr Landcsrabbiner Dr. Walter, ausgehend von einem Ausspruch Goethes, eine von großem Ernst und edler Begeisterung getragene, tief durchdachte Ansprache, in der er die Forderungen der Ehrfurcht gegen Gott, der Ehrfurcht gegen unsere Geschichte und unsere Väter, und der Treue gegen die Religion treffend entwickelte. Der 23. Psalm, gesungen vom Synagogenchor, bildete den Schluß der Feier, an die sich eine Besichtigung des Friedhofs anschlotz. bei der die vorbildliche Ordnung angenehm berührte und allseitige Anerkennung fand. Für den Abend hatte der Kranken- und Beerdigungsverein „Gemilus chassodim" unter der bewährten Leitung seines Vorsitzenden. Herrn Eugen Madelong, seine Mitglieder und Gäste zu einem „Nnterhaltungsabend" im „Erbprinzen" geladen und für diesen ein gewähltes Programm vorbereitet. Breslav. (Der Kampf gegen zionistische Schule n.) Die Sitzung der Gemeindevertretung vom 3. d. M. war auf Antraa von sieben Mitgliedern (8 15 der neuen Satzung) einberusen worden. Der Hauptgegenständ der Verhandlung war der zionistisch-konservative Antrag, dem jüdischen Schulverein eine Beihilfe zu gewähren. Die Anhänger der Antragsteller füllten den Zuhörerraum. Ter Vorsitzende des Vorstandes. Geheimrat Goldfeld, beantwortete zunächst die Anfrage, weshalb der Vorstand die Beihilfe abgelehnt habe. Er bringt in Erinnerung, daß beim Eröffnen der Schule vor sechs Jahren den Gründern schon mitgeteilt worden sei. daß sie auf keinerlei Unterstützung seitens der Gemeinde zu rechnen hätten. Er hält die Durchführbarkeit eines solchen Schulwerteö von einem Privatverein für unmöglich: die eigentlichen pekuniären Schwierigkeiten seien erst eingetreteu, als man der Volksschule eine Oberrealschule angegliedert habe, wozu nach der örtlichen Lage schon gar keine Veranlassung Vorgelegen habe. Er betont, daß das Unterhalten von Schulen zu den Ausgaben des Staates gehöre und daß die Gemeinde nur für Religionsunterricht zu sorgen habe. Die Finanzen der Gemeinde erlaubten solche Ausgaben gar nicht. Er lehnt vom allgemein politischen und vom religiösen Standpunkte die Konfessionsschule ab. Wir dürften unsere Kinder nicht mit Scheuklappen ins Leben schicken. Die vorhandene Schule aber sei eine zionistisch-orthodoxe Parteischule, die die EinhcitSgemeinde untergrabe. Demgegenüber vertritt der Konservative Frankel die Ansicht, daß die jüdische Schule aus der Not der Zeit entstanden fei: für sic und ihre Lehrkräfte müsse die Gemeinde sorgen. Er beantragt einen monatlichen Zuschuß von 1000 Mark aus tzkmcindcmittclu. Ihm antwortet Justizrat Kalisch. der Vorsitzende der liberalen Fraktion, daß sein prinzipieller Standpunkt die Bedürsnrssrage für eine jüdische Schule verneine, die nur von einer Gruppe der Gemeinde gewünscht werde. Die Gemeinde würde stets ihre Aufgabe, für Religionsunterricht zu sorgen, in weitestem Unfange erfüllen. Jüdische Schulen gefährdeten die Stellung der Juden im Staate. Auch zur Bekämpfung des Antisemitismus müßten sie abgelehnt werden. Das Wohl der Gesamtheit sei sein Leitstern. Nunmehr zeichnete der Zionistenführcr, Rechtsanwalt Jacobsohn, sein Erzrchungsideal, das den ganzen jüdischen Menschen erfassen solle und das nur in einer konservattvcn jüdischen Schule verwirklicht werden könne, da das Elternhaus von heute dazu nicht imstande und nicht bereit sei. Nach kurzen Ausführungen des Vorstandsmitgliedes Justizrat Goldschmidi, der die Unterschiede zwischen liberaler und orthodoxer Weltanschauung heraushebt, und der Frau Tr. Rabin. die den Liberalen in herzbewegender Weise nahelegt, sich den Wünschen der anderen nicht zu entziehen, entwickelt Rechtsanwalt Spitz als Vertreter der jüdisch-liberalen Jugend, warum er jüdisch-konfessionelle Schulen ablehne. Sein Ideal sei die deutsche Einheitsschule, die der Staat bestimme und der auch die Juden ihre Kinder getrost anvertraucn könnten, da er als Syndikus des schlesischen Lehrervereins den Geist der großen Mehrheit der Lehrerschaft kenne. Man dürfe sich nicht selbst absondern. Er widerspricht der Anschauung, daß nur die jüdische Schule volle uwd ganze Juden erziehen könne. Nachdem Regierungsrat Marcus seinerseits ausgcführt hatte, daß die Gemeinde die Pflicht hätte, die jüdische Schule zu unterstützen, da nur dort Juden erzogen werden könnten, stellte er die Evcntualanträge, die Beihilfe nur sür die jüdische Volksschule oder zur Unterstützung des Religionsunterrichts zu bewilligen oder schließlich die Anträge zur Prüfung an eine Kommission zu überweisen. Auch der vierte zionistische Gemeindevertreter. Rechtsanwalt Nothmann, ergriff noch das Wort, um den Eindruck zu schildern, den ein etwaiges Znsammenbrechen der jüdischen Schule nach außen hin machen würde und bei Ablehnung der Beihilfe die Möglichkeit der Heraufbcschwörung des Separattsmus an die Wand zu malen. Nach einer kurzen Fraktionsbesprechung lehnte die liberale Mehrheit sämtliche Anträge einstimmig ab, ohne daß Fraktionszwang geübt wurde. Der Vorsitzende der liberalen Fraktion gab dabei die Erklärung ab. oatz mgn auf Antrag an die Schnlkommission die Unterstützung des Religionsunterrichts an der jüdischen Schule im üblichen Rahmen prüfen würde. Dresden. (G e m e i n d e r a t s s i tz u n g.) Zn der Ende Mai einberufenen Gemeinderatssitzung. der ersten nach einer Pause von zwei Monaten, war Rabbiner Dr. Wolf hinzugezogen worden, um beratend bei der Aussprache über die Erweiterung des im Vorjahr an den Dresdner höheren Schulen eingerichteten jüdischen Religionsunterrichtes mitzmvirken. Außer im städtischen Georg-Gymnasium wird neuerdings der Religionsunterricht in der Altstädter staatlichen höheren Mädchcnbildungsanstalt und im Wettiner Gymnasium unmittelbar in der Schule erteilt. In der städtischen höheren Mädchenschule Dresden-Altstadt werden für die jüdischen Schülerinnen die gleichenEinrichtungen innerhalb kurzer Zeit getroffen werden. Um den Religionsunterricht an weiteren Dresdener höheren Lehranstalten durchführen zu können, ist es notwendig. Herrn Rabbiner Dr. Wolf, dem die Unterrichtserteilung in der Hauptsache obliegt, zu entlasten. Da die Lehrkräfte der bestehenden israelitischen ReligivnSschule hierzu nicht herangezogcu werden können, ist es. wie der 'Berichterstatter des Schulausschusses im weiteren Verlauf der Gemeinderatssitzuug mitteilt, erforderlich, mit der Erteilung des jüdischen Unterrichts an den höheren Schulen eine zweite ständige Lehrkraft zu betrauen. Schnlausschuß und Finanzausschuß, denen die Angelegenheit zur weiteren Behandlung überwiesen wurde, werden dem Gemeinderat in Kürze Vorschläge übcrdie Anstellungsverhältnisse unterbreiten. Mit der neuen Lehrerstelle soll gegebenenfalls die Uebernahme anderer Funktionen, z. B. Beteiligung am Kantorenamtc, verbunden sein. Dresden. (Sch ülergem ein schüft.) Ter unlängst unter dem Namen „Dresdner Jüdische Schülerschaft" gegründeten Gemeinschaft gehören bereits viele Schüler, von Untersekunda aufwärts, an. In monatlich zweimaligen Zusammenkünften werden die verschiedensten Probleme des Judentums behandelt. Gemeinsame Arbeit und Aussprache soll dazu beitragen. daS Verständnis sür jüdisches Wesen, unabhängig von allen Parteirichtungen, zu vertiefen. Erfurt. (Veruntreuungen.) Ter Kastellan der Erfurter Synagoge, der 51jährige Wilhelm Rüdiger ans Oberinansfeld. ist nach Unterschlagung von 5000 Mark Gcmeindegeldern geflüchtet. Man vermutet, daß er sich in Berlin aufhält. Felsberg. (Der neue G e m e i n d e v o r st c f) e r.) Der bisherige Gemeindeälteste Mar Schloß hat. da ihm das Amt des Kreisvorstehers übertragen wurde, seine Tätigkeit als Leiter der israelittschen Gemeinde eingestellt. An seine Stelle ist nach dem Beschluß der Gemeindeversammlung Kaufmann Siegward Löwenttein getreten. Hamburg. (Paul L a s k a r g e st o r b e n.» Paul Laskar, der Leiter des Hamburger Zentralbureaus sür Auswan dcrungsangelegenheiten des Htlfsvereins der deutschen Juden im Ehrenamt und Vorstandsmitglied des lokalen Komitees des Hilfsvereins, ist am 5. Juni im Alter von 70 Jahren gestorben. Herr Laskar, der auch dem Hauptausschutz des Hilfsvereins angehörte, hat sich vom Beginn dieses Jahrhunderts an der Sache der jüdischen Emigration mit größter Hingebung angenommen und mit außerordentlicher Sachkenntnis und Energie die vielgestaltigen schwierigen Aufgaben, die die Emigration von der grüßten Hafenstadt aus bietet, bewältigt. Er widmete sich auch anderen großen Aufgaben des HilfSvereins, wie z. B. der Bekämpfung des Mädchenhande.ls und des Agentenunwesentz^

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