Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 24 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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diesem Sinn erhoben habe. Aber auch die sachliche Auseinandersetzung des Herrn H. St. in Nr. 16 leidet daran, das; sie sich aus einen in seiner Art guten, aber dennoch unvollständigen Auszug aus meinem Bortrag bezieht. Da eine ernsthafte Auseinandersetzung über das Problem „Liberalismus — Zionismus" der Forderung der Zeit entspricht. so erlaube ich mir. noch einmal kurz die Ergebnisse meines Vortrags zusammenzustellen. Es wurde mich freuen, wenn Sie diesen Brief und die folgende Zusammenfassung in Ihr Blatt aufnehmen würden, da damit die Grundlage zu einer ersprießlichen Aussprache gegeben wäre. Ich werde selbst dabei auf den Punkt Hinweisen, um den es sich hauptsächlich. meiner Meinung nach, bei der Aussprache handeln muß. Der Inhalt meines Vortrags läßt sich in folgende Sätze zusannuensassen: 1. Der jüdische Liberalismus hat nur als religiöse Beweguna ein Lebensrecht. Dementsprechend dürfen bei Beurteilung anderer Bewegungen nur religiöse Momente maßgebend sein. 2. Die jüdische nationale Bewegung ist im wesentlichen weltlich. Die jüdische Religon erkennt das Reckt jeder nationalen Idee an sofern der der Religion eigentümliche „religiöse" und sittliche Anspruch nicht verletzt wird. Man kann also als liberaler Jude die deutsche Nationalidee auch für sich bejahen, mit demselben Recht aber auch die jüdische. ». Unabhängig von dieser speziellen Einstellung, die letztlich auf einem freien Willensenticheid beruht, muß der Liberalismus die jüdisch-nationale Bewegung ans folgenden Gründen fördern: a) Das Wesen des religiösen Liberalismus besteht darin, daß er die transzendente Offenbarung als inneres Erleben der jüdischen Seele auffaßt, und daß er an die dauernde religiöse Schöpferkraft dieser Seele glaubt. Dementsprechend muß er die äußeren Bedingungen für das Wicdcrerwachen dieses schöpferischen Lebens schaffen. b) In der Urbarmachung und Besiedlung des Heiligen Landes müssen die sozialen und ethischen Forderungen der Propheten, die der Liberalismus als für das Judentum avesenhaft erkennt, verwirklicht werden. Hier kann und muß Liberalismus im Sinne eines religiösen Sozialismus sich praktisch bewähren. e) Die Judenheit ist Schicksals- und Blntsgemeinschast. d. h. es gehört zum Wesen jüdisch-religiösen Lebens, daß wir »ns als Enkel derer wissen, die den ersten Funken unseres religiösen Lebens gezeugt l„die am Sinai standen") und als Ahnen derer, die das religiöse Ideal völlig verwirklichen („zu denen der Messias kommt"), zugleich auch als einheitliches religiöses Subjekt in der Gegenwart. Das bedeutet im religiösen Sinn Blutsgemeinschaft. Es gilt, diese Gemeinschaft als Gemeinschaft zu sichern. 4. Dementsprechend darf der religiöse Liberalismus nicht in einem prinzipiellen Kampf gegen die jüdisch-nationale Bewegung stehen. Er wird jede Ausartung des Nationalismus bekämpfen (aber nicht nur des jüdischen), er wird sich jeder unnötigen Politisierung jüdischer Lebensfragen widersetzen, er muß aber auch erkennen, daß Politik im besten Sinne Realisierung von Ideen heißt. Er darf die Zukunft der nationalen Idee und des PalästinaausbauS nicht denen anvertrauen, die religiös indifferent find (damit meine ich nicht alle Zionisten), sondern muß mit dem politischen Sachwalter der nationalen Idee, der zionistischen Bewegung, Zusammenarbeiten, um in ihr und mit ihr seine besonderen Forderungen zu verwirklichen. Der springende Punkt, an dem die Geister — innerhalb der religiösen Sphäre — sich scheiden können, scheint mir in Kürze der zu sein: Heißt religiöse Entwickung im Sinne des jüdischen Liberalismus immer klarere Einsicht in den letzten Sinn der Welt und des eigenen Lebens gewinnen, Einsichten, die für jeden Menschen und für jedes Volk gleich deutlich und gleich verbindlich sind, so daß Religion nichts anderes als die Vorstufe der Philosophie ist. oder gehört nicht auch a5s entscheidende? Moment zu jeder Religion die ganz einzigartige Beziehung des Jndividu«sas. als Person oder als Gemeinschaft (Volk, Kirche) zu dem letztlich gleichfalls nicht begreifbaren göttlichen Wesen: erhält jede Religion und jede religiöse Entwicklung nicht ihre Eigenart durch die Seele, aus der sie fließt? Hier werden sich künftig« zwei Richtungen im jüdischen Liberalismus scheiden. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabb. D r. Elk-Stettin. Jiddisch. Magdeburg, den 1. Juni 1626. Berehrliche Redaktion! Gestatten Sie mir einige Bemerkungen zu dem Artikel „Jiddisch" in der vorletzten Nummer der „Indisch-Liberalen Zeitung." Ob das Wort „leinen oder „1 e i e n e n" (Voriesen aus der Dhorarolle) vom lat. leöere stammt, wie der Verfasser annimmt, ist noch nicht mit Sicherheit entschieden. Man hat auch an das Mittelhorhdentsche .Leich"-.^gesplclte Melodie" gedacht. „0 r e n" - beten, läßt man allgemein vom lat. orars abstammen, so auch Zunz in seinem Werke „Die gottesdienstlichen Borträge" p. 4-11. Neuerdings neigt man zu der Ableitung von hora-Stunde, Gebetsstunde. — Dawwenenlbeten) von devovere abzuleiten, ist mechr als fraglich. Wir möchten es eher noch von dem hebräischen „dahber'-reden ableiten, mit der deutschen Endung ,.en", und aus dem ..äabbern" ist nach dem Gesetz der Liguida „äawwenen" entstanden. Siehe auch das hebräische Didbo (Wort), das auch in der Verbalsorur vorkommt. Der Verfasser des Artikels .^Jiddisch" schreibt: .Das jüdische Sabibatbrot „Barches" ist nichts anderes als Frau Berchtas Brot." Berchta iBertha) war eine germanische Göttin und bedeutete die Leuchtende, Glänzende. Die Ableitung ist sicherlich verfehlt. Das g o t tgeweihte Sabibatbrot kann unmöglich mit einer heidnischen Göttin in Zusammenhana gebracht werden. Es ist vielmehr das Brot, über das der Segen. Mc Broche, gesprochen wird. In Süddeutschland heißt cs „Todscher". Siehe Sprüche Salom. 10L2. B i r k k s Adonai hi Taaschir (richtiger: Ssaachir!). Status contruchis von B'rocho-Birkas Ad. Dr. Spanier. Versammlungskalender jj Berlin. (Liberale Synagoge Norden), Schönhauser Allee 162. (Auerbachjches Waisenhaus.) Gottesdienst: Freitag, den 11. Juni, abends 7Vk Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 12. Juni, morgens 10 Uhr. Bresla«. (Jüd'isch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger".) Sonntag, den 20. Juni: Nachmittagsausflug Obernigk—Jaekel. Abfahrt 2,15 Uhr ab Hauptbahnhof. Treffpunkt IV* Uhr Nordhotel. Führung: Ludwig Freund, Neudorfstraße 37. Fernsprecher: Stephan Nr. 33 320. Fußwanderung zirka VA Stunden (Hin- und Rückweg). Sonntagsfahrkarte 4. Klasse bis Obernigk (1,20 Mark) selbst lösen. Die Angehörigen unserer Mitglieder sind zu diesem Ausflug besonders eingeladen. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugendg e m e i n s ch a'f t.) Es sei an dieser Stelle nochmals auf daS am 20. Juni in Cronberg im Taunus auf dem Grundstück Ferdinand-Bonn-Straße 4 bei Zubrod stattsindende Sommerfest aufmerksam gemacht. Besondere Autobusse werden uns für Hin- und Rückfahrt zur Verfügung stehen, so daß jeder bequem hin und zurück gelangt. Da die Teilnehmerzahl wegen der Platzbesvrgung im Autobus vorher festgestellt werden muß, sind Anmeldungen bis spätestens 15. Juni an Herrn Jakobsohn. Wittelsbacher Allee 9, erwünscht. Preis der Autofahrt hin und zurück zirka 2,25 Mark. Kalendarium str die Zeit vom 12. ü. b. i s. s. 1S2S. Juni 1926 Siwan 5686 Sonnabend 12 Sonntag 13 Montag 14 Dienstag 15 Mittwoch 18 Donnerstag 17 Freitag - 18 Sonnabend 19 30. 1. Tag Rosch Choöesch Wochen-Abschnitt: Korach Haftarah: Jes. 66, 1—24 Sabbat-Ausgang: 9,21 Uhr Tammns 5686 2. Tag Rosch Choöesch Wochen-Abschnitt: Chirkkaß Haftarah: Richter, Kap. 11, 1—33 Sabbat-Ausgang: 9,33 Uhr leicsisiic Konditorei und Caf6 Feinbäckerei Werner Kumrow Inhaber Paul Donner BERLIN W, Motzstraße 70 u. Haberlandstraße 8 tyllsländlö neu renoviert! Tel.-. Nollendori 3iM SPEZIALITÄT: Wasser-Barches Pfd. 50 Pf. Butter - Barches Pfd. 80 Pf. in allen gewünschten Größen Baisers-Torten 4.-, 6.- u. 8.-I Gefrorenes Liier 6.00 Torten aller Art von 5.00 an | Fürst Püdder Liter 5.00 ff. Bläiicrieig-Geb&ck: KL»erlangen, Bouillonstangen etc. Bestellungen werden jederseit entgegengenommen’ Lieferung frei Hans, wirkungsvolle zestdichtmig schnell. Reumann, Berlin W, llhlandstraße 106, Pfalzburg 8496. 4P^_»LMv», i^IHn *9 Herztieilbad MM um. Haus Bellevue vorm. 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Bei direkter Bestellung bei der „lüdisdh-liberalen Zeitung“, Berlin SW48, Wilhelmstraße 147, können nachstehende Bücher zum angegebenen bezogen werden: Vorzugspreis Vorzugspreis: M. 3.- SELIGMANN: Geschichte der jüdischen Reformbewegung ........ geh. PHILIPPSON: Die Entwicklung der religiösen Idee im Judentum, Christentum und Islam . . SEIFENSIEDER: Gabriel Riesser, ein deutscher Mann jüdischen Glaubens .... geh. GRÜN WALD: Spinoza in Deutschland, gekrönte Preisschrift .. STECKELMACHER: Das Prinzip der Ethik vom philosophischen und jüdisch-theologischen Standpunkt aus betrachtet ....... WIENER: Die jüdischen Speisegesetze nach ihren verschiedenen Gesichtspunkten geordnet und kritisch beleuchtet. ZIEGLER: Die Königsgleichnisse des Midrasch, beleuchtet durch die römische Kaiserzeit . . STEIN: Schrift des Lebens, III. Teil, herausgegeben von Cäsar Seligmann.geb. GOSSEL: Was ist und was enthält der Talmud? Der Betrag ist unter Angabe des Zweckes auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW 7, Nr. 137069 zu überweisen. 2.50 2.75 4.-- 2.75 3.50 9.— 2.75 1.— Hausreparaturen Auf Abzahlung, auch günstiges Angebot für Hausbesitzer. Maler-, Maurer-:, Tischler-, auch Zimmerarbeiten werden ausgeführt. Schriftliche Anfragen erbeten an Geschoßand Fabrikbauten 6. m.b. H. Berlin W 35, Potsdamer Str. 118 c. Telefon: Lützow 27 64 «Urica; gSTfinjflttng sür dal ilbrral» Judentum e,V., NerlM §«318. - Verantwortlicher Redakteur; S>ipl,.JnL. Bruno Vovda» Verita 9183 2$, KruS; Aehrinc » Srimrr», BerlinS83SS, Rttterstr, A* ^74904 3975 3023484823534801234853235323235323484848534848482323232353005348304848 457