Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 23 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Jahrgang Nummer 23 MMlibemleZeilmg Beilage 4. Juni 1926 . _. Die jüdische Gegenwart i! ä »»»♦♦♦♦♦♦♦♦♦»»»»♦♦♦♦♦♦»♦»»«♦♦»»»♦»♦»♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦••♦♦♦♦mm»» Konfessionelle Lehrerstatistik. Eine recht interessante Tatsache über die „Berjudung" der preußischen Lehrerschaft erfährt man aus einem Artikel der „Germania", der deutschnatiouale Burwürfe wegen angeblicher Paritätsverlctznng zugunsten der Katholiken zurückwcist. Das Blatt weih darauf hin. daß nach Untersuchungen eines paritätischen Ausschusses des preußischen Philologenverbandes im Verhältnis zn den unterrichteten Schülern 404 jüdische Lehrkräfte zu wenig amtieren, in deren Stellen sich 82» Evangelische und 76 Katholiken teilen. Nur in einem einzigen Bezirk ..Schleswig-Holstein" amtiert eine jüdische Lehrkraft zuviel nnd in einem zweiten. „Grenzmark", ist die Parität zwischen Christen und Inden gewahrt, dagegen zählt ..Niederschlcsien" 27. Hessen-Nassau 87». Rheinprovinz 109 und Berlin sogar i»ö jüdische Lehrkräfte weniger, als die Parität erforderte. Der Schuß auf Petljura. lieber die Persönlichkeit des 88 jährigen Scholom Schwarzbarth, der den ehemaligen Diktator der Ukraine, Snmjon Pctljura. in einer Straße des Pariser Quartiers Latin durch mehrer Nevolverschüssc getötet hat. erfährt der Bertretcr der Jüdischen Telegraphen-Agcntur folgendes: Scholom Schwarzbarth ist in einem kleinen, ukrainischen Städtchen im Gouvernement Smolensk geboren. Er erlernte in seiner Jugend das Uhrmacherhandwerk, eignete sich dabei auch eine jüdische und allgemeine Bildung an. Bei Ausbruch des Krieges trat er in das französische Heer ein. zeichnete sich in den Kämpfen ans nnd wurde durch Verleihung des Tapferkeits-Kriegskreuzes aeehrt. Dann ging er als Dolmetsch einer französischen Militärmission nach der Ukraine und war dort Augenzeuge der grauenvollen Judenpogrome der Heere des Zarengenerals Denikin und der ukrainischen Atamane unter Petlinra Aus Empörung trat er in die Rote Armee ein nnd känrpfte an den Fronten gegen Petljura und Tenilin. Uebcrall. wohin er mit den bolschewistischen Heeresverbänden vordrang, sah er die Svuren der bestialischen Pogrome. Damals schwor er. Petlinra. als den Verantwortlichen, zu töten. Er verließ aber Rußland, weil er mit dem bolschewistischen Regime nicht übereinstimmen konnte. Er kam nach Frankreich zuriick. wo er naturalisiert wurde. Er begründete hier einen Bund jüdischer Frontsoldaten Frankreichs und wurde zu dessen Präsidenten aewählt. Unter dem Pseudonym „Baal-Hachaloimois" (Der Träumers vcrössentlichtc er einen Baud Gedichte in jiddischer Sprache mit dem Titel „Troinren un Wirklichkeit, die eine starke dichterische Begabnna verraten. Auch veröffentlichte er unter dem Titel .Vun tifen grnnd" seine Tagebücher aus den Jahren 1917 bis 1919. Diese Tagebücher sprechen von dem Leid eines jungen Inden, der die Bernichtuna des jüdischen Volkstums und der jüdischen Kultur in der Ukraine durch die Hand von Barbaren miterleben mußte. Er erfuhr cs. daß seine eigenen Eltern mährend der Pogrome hingeschlachtct wurden. u 'IteTicr das Verhalten Schwarzbarths nach dem Mordattentat wird noch mitgeteilt: Nach der Verhaftung bat Gchwärzbarth, obwohl er durch die Mißhandlungen der erregten Menge hart mitgenommen war, noch einmal in seine Werkstatt zurücktehren zu dürfen, um von seiner Frau Abschied zu nehmen und seine Verfügungen zu treffen. Er tröstete die fassungslose Frau. sortierte die Uhren, die er repariert hatte nnd die in den nächsten Tagen abgeholt werden sollen, und schrieb die Preise für die geleistete Arbeit auf. Seine Iran, die von der Absicht des Mannes nichts ahnte, kann die Tat nicht beareiien. Sie weiß nur. daß Schwarzbarth ein tiefes Gefühl für die Leiden der Juden hatte und sich häuna mit Schmerz und Korn über die Judenverfolgungen in Rußland ausgesprochen hat. Schwarzbarth selbst gab bei der Polizei zu Protokoll, er habe vor sechs Monaten erfahren, daß sich Petlinra in Paris aufhalte, und ihm ieitöcm ständig ausgelauert. Aber da Petlinra stets von einer Dame begleitet war. zuweilen auch von einem iungen Mädchen, wollte er nicht am ihn schießen, um nicht die oder das Mädchen zu verletzen. Endlich habe er ihn allein getroffen und ihn „wie einen Hund" niedergeschossen. Er empfindet durchaus keine Reue über die Tat. sondern betrachtet diese vielmehr als einen Akt der Gerechtigkeit An seinem eigenen Leben liege ihm nichts mehr. Die Verteidigung Schwarzbarths. Paris, 31. Mai. Hier hat sich ein Komitee gebildet, welches die Organisierung der Verteidigung für Scholom Schwarzbarth, der den ukrainischen früheren Attaman Pctljura erschoß, übernommen hat. Der bekannte Pariser Rechtsanwalt Henri Torfes hat sich bereit erklärt, Schwarzbarth zu verteidigen. Die Untersuchung führen der Präfekt des Odeon- Bezirkes, Mollard, und der Friedensrichter Gentil. Die Zeitung „Le Petit Parisien" bringt Auszüge ans Schwarzbarths Tagebüchern über seine Erlebnisse in der Zeit des Krieges und der Pogrome. Man ersieht daraus, daß deren Verfasser die schweren Eindrücke aus der Pogromzeit niemals überwinden konnte und daß ihm die schauerlichen Bilder stets vor Augen schwebten. Die Polizei aibt einen Brief bekannt, den Schwarzbarth sofort nach dem Mordattentat seiner Iran zukommen lauen wollte, der aber der Polizei in die Hände fiel. Der Brief hat folgenden Wortlaut: „Geliebtes Weib! Ich habe meine Pflicht getan, indem ich für mein Volk, das zu Tausenden massakriert, entehrt und ausgeplündert wurde. Rache nahm. Für alle diese Schandtaten ist Petljura verantwortlich. Ich bitte Dich, sec ruhig. Ich trage für meinen Racheakt allein die Verantwortung. Lebe wohl, ich werde Dich nicht vergessen." Unter der Jndenschaft von Paris hat die Tat Schwarzbarths Erregung hervorgcrufen. Schwarzbarth war als ein sehr solider hilfsbereiter Mensch bekannt. Seine jüdischen und nichtjüdischen Nachbarn sind voll Lobes über ihn. Gegenüber jüdischen Neuankömmlingen übte er weitgehendste Gastfreundschaft. Mit Kommunismus hatte er nichts zu tun. Im Jahre 1917 leitete er in Odessa ein Waisenhaus, in welchem ungefähr 10 000 Pogromwaisen untergebracht waren. Als er 1921 nach Paris zurückkehrte, wandte er sich an ein jüdisches Hilfskomitee mit der Bitte, ihm die Mittel für die Einrichtung eines Pariser Heims für Pogromwaisen zur Verfügung zu stellen. Schwarzbarths Kriegskameraden rühmen seine Tapferkeit und seine Hilfsbereitschaft an der Front. Er zeichnete sich oft dadurch aus. daß er verwundete Kameraden im Knaelreaen aufsuchte und sie ins Lazarett brachte. Bei solchen Gelegenheiten erlitt er dreimal schwere Verletzungen. Das Armeekommando, unter dem Schwarzbarth diente, bezeichnet ihn in einer Mitteilung an die Presse als einen glänzenden Soldaten, der sich stets zu gefährlichen Unternehmungen freiwillig meldete. Die Pariser Presse verurteilt zwar den Mord als einen Akt des Terrors, bringt aber der Persönlichkeit Schwarzbarths Sympathie entgegen. Konfefstonswechfel. Das neueste Heft der „Statistischen Mitteilungen aus den deutsch-evangelischen Landeskirchen" gibt die Kahl der Uebertritte aus dem Judentum zur evangelischen Kirche innerhalb des Deutschen Reiches im Jahre 1024 mit 248 (1923 : 423) an. In das Judentum traten von bisherigen Angehörigen der evangelischen Kirche 85 Personen (1928 ebenfalls 85 Personen). DaS bedeutet ein Rückgana von ungefähr 42 Prozent der Uebertrittc von Juden zur evangelischen Kirche inerhalb. eines Jahres. Zn bemerken ist. daß hier nur der direkte KvnfessionSwechsel aufgeführt ist. Daher sind hier nicht die Personen erfaßt, die nach ihrem Austritt aus dem Judentum vor ihrem Eintritt in die evangelische Kirche vorübergehend „konfessionslos" waren. Eine jüdische Totenstadt in Spanien. Eine Meldung aus Madrid besagt: In Teruel. das im Ausland insbesondere durch Hartzenbnschs Drama: „Tie Liebenden von Teruel" bekannt geworden ist. wurde gelegentlich von Grabungen in der "Nähe des Stierkampfplatzes eine jüdischen Totenstadt entdeckt, die ans dem 18. und 14. Jahrhundert stammt. In den Gräbern wurden gnterhaltene Mumien entdeckt, die zum Teil Schmuck nnd Juwelen von außerordentlich hohem Wert anfwiesen. Tie Sachverständigen legen den Funden großen Wert für die Geschichte der Inden in Spanien bei. Zum Ableben von Vazsonyi. Im Sanatorium Gutenbrnnn in Baden bei Wien verstarb nach längerem Leiden der Begründer der demokratischen Bewegung in Ungarn und deren hervorragendster Führer, gewesener Iustizministcr und Geheimer Rat Wilhelm Vazsonyi. Vazsonyis politische Laufbahn begann im Jahre 1886, als er sich an die Spitze der um die demokratischen und nationalen Ideale kämpfenden Hochschulsugend stellte. Später etablierte er sich als Rechtsanwalt. Unter seiner Führung entstand im Bttdapester Rathaufe die Demokratenpartei, die in wenigen Jahren die Mehrheit in der Budapester Stadtvertrctnng errang. Sein ganzes Leben lang kämpfte Vazsonyi für die Reinheit des öffentlichen Lebens. Gegen Ende des Krieges, als sich Kaiser Karl entschloß, Ungarn ein demokratisches Wahlrecht zu geben, wurde Vazsonyi zürn Jnstizminister ernannt und sollte die Kodifizicrung des allgemeinen Wahlrechtes durchführen. Er war der erste jüdische Minister Ungarns. Als er gegen die Intrigen des Adels nicht anskam, demissionierte er. Nach dem Zusammenbruch war sein ganzes Sinnen darauf gerichtet, das Land möglichst rasch in geordnete Zustände zurückzuführen. Er kämpfte mit beispiellosem Mut gegen die Zersetzungserscheiuung des sogenannten Rassenschützlertums und mar dessen gefährlichster Gegner. Er wurde auch von den rechtsradikalen Parteien mit tödlichem Haß verfolgt. Erst vor wenigen Wochen wurde er in Budapest auf dem Wege zrrm Parlament von zwei Rassenschützlern angefallen und durch Stockhiebe nicht unerheblich verletzt. Außerdem wurden Revolverschüsse gegen ihn abgefeuert, die aber nicht trafen. Er suchte später in Baden bei Wien Heilung von seinen Leiden, um den Kamps gegen den antisemitischen Kurs in Ungarn mit frischen Kräften aufnehmen zu können. Wilhelm Vazsonyi stand 80 Jahre lang auch im jüdischen öffentlichen Leben Ungarns an hervorragender Stelle. Die Pester Israelitische Religionsgemcinde, deren Vorstandsmitglied Vazsonyi viele Jahre hindurch war, hielt eine Trauersitzung ab, in der Präsident Tr. Alexander Lederer die unvergeßlichen Verdienste Vazsonyis würdigte. Die diesjährige Tagung des Preußischen Landesverbandes. Der engere Rat des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, dem großen Rat vorzuschlagen, den Verbandstag für das Jahr 1926 zum 17. Oktober einzuberufen. Lehrerversammlung in Dortmund. Die jüdische Lehrerschaft der Rheinlande und Westfalens hatte sich zu der üblichen Pfingstversammlung in Dortmund eingefunden. um Stellung zu wichtigen pädagogischen und schulpolitischen Fragen zu nehmen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand das Thema: Landesverband und Lehrerbildung, über das der Berbandsvorützende, Mittelschnllehrer Stcrn-Berli», referierte. Die preußische Indenbeit steht hier vor einer Frage von schicksalsschwerer Bedeutung. Handelt es sich doch um nicht mehr und nicht weniger als um den Bestand des deutschen Judentums. Die preußische Regierung hat die Lehrerbildung aus eine völlig neue Grundlage gestellt. Der Studiengang Volksschule. Präparandic. Seminar gehört der Vergangenheit an. Jeder, der Lehrer werden mochte, muß hinfort die Reifeprüfung oblegen und dann eine der nenerrichteten pädagogischen Akademien in einem viersemestrigen Studium absolvieren. Es sind vorerst drei solcher Akademien vorhanden. zwei katholische und eine evangelische. Geplant ist die Errichtung einer simultanen Akademie: die Verwirklichnng dieses Planes sieht sich aber erheblichen Schwierigkeiten gegenüber. Ter streng konfessionelle Charakter der Anstalten schafft für die preußische Jndensicit einen unerträglichen Zustand. Sic hat keinerlei Möglichkeit, für Nachwuchs an indischen Lehrern zu sorgen. Selbst wenn eine der bestehenden Akademien jüdische Studierende ausnähme. so fehlte die Dozentur für die Religionswissenschaften. Mit allem Nachdruck muß der Gedanke bekämpft werden als dürfe man indische Lehrer in einem Seminar alten Stils kicranbilden. Das hieße, sie zu Lehrern zweiten Ranges degradieren. Aus diesem Grunde ist cs außerordentlich zu bedauern, daß das Kölner Seminar beim Minister die Erlaubnis erwirkt hat. noch zwei Jahre lang Lehrer heranzubildcn Es ist die vornehmste Aufgabe des preußischen Landesverbandes. Mittel und Wege zu suchen, die die Ausbilduna eines vollwertigen jüdischen Lehrerstandes nchcrstellen. Wenn nicht mit aller Kraft diesem Ziel zugestrebt wird, werden Folgen von unübersehbarer Schwere entstehen. Tie jüdische Lehrerschaft hofft auf tatkräftige Unterstützung ihrer Bestrebungen durch die Gemeinden: denn nicht ihre Interessen sind es. die es zu fördern gilt, sondern einzig und allein das WM nnd Wehe der deutschen Judenheit. Führt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu! ... Aus den Gemeinden Berlin. (Z n r Gründung des H e i n e - B u ii & c ö.) Mit dem "Namen desjenigen Mannes, der soviel nm das jüdische Wesen wußte, der wie kein anderer jüdische Gcistesart mit abendländischer Bildung verband, wendet sich diese „jüdische Bnchgcmcinde" an die Oeffentlichteit nnd bittet um Unterstützung für ihre Bestrebungen: die Teilnahme am jüdischen Buch in weiteste Kreise zu tragen. Mit welchen Mitteln dieses versucht wird, zeigt der umfangreiche Prospekt, der „die ersten Bücher" enthält und der alten Interessenten zur Verfügung steht. Diese sechzehn Büchertitel geben Proben ans den wichtigsten Arbeitsgebieten des H.-B.: Romane. Geschichte, Memoiren. Kunst. Gesellschaftsknnde. Sic bringt meist neue Bücher, zum Teil auch neue, in Deutschland unbekannte Romanantvren, nne z. B. Myriam Harry. Opgtofchn und Poljakow. — Außer den vier Bänden einer Jlahresreihc. zu deren Abnahme die Mitglieder verpflichtet find, werden jedes Jahr auch Ans- »vahlbände gebracht. Die vier Bände der Jahresreihe kosten inkl. Zustellung je 3.7."> M. und haben einen dnpchichnitt lichen Umsang von 800 Seiten. Die Auswalilbäude sind an Preis und Umfang verschieden. Die Ausstattung wird zeitgemäßen Ansprüchen genügen: holzfreies Papier, Ganzleincnbände nsw. — Jede Tendenz religiöser oder varleipolitischer Art ist ausgeschlossen. In seiner Gesamrheit ist das Programm des H.-B. geeignet, das Judentum in feiner ganzen Fülle begreifen und lieben zu lehren. (Geschäftsstelle Berlin W. 9, Linkstraße 39: Gesamtleitnng: Tr. Ahrem Eliasberg.) Berlin. (Professor Marko n in Berlin.) In Berlin weilt zur Zeit der bekannte Gelehrte und bcriihmte Orientalist Pros. Isaak Markon ans Leningrad, der cmf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums, vor allem Ho mittelalterlichen jüdischen Geschichte, mehrfach bervvrgctrcteu ist. Professor Markon wurde als Mitglied des Instituts der vergleichenden wissenschaftlichen Erforschung der Sprache und Literatur des Okzidents an der Leningradcr Uuivcr sität mit wissenschaftlichen Studien iit Deutschland aus dem Gebiete des mittelalterlichen Hebräisch und der Geschichte des Karäertums beauftragt. Der bekannte Gelehrte, der seit einer Reihe von Jahren auch in reger Verbindung mit deutsch-jüdischen Wissenschaftlern stobt, beabsichtigt, hier einige seiner Arbeiten zu veröffentlichen. Bielefeld. (A m crit a n i s ch c E r s o I g e eine s jungen jüdischen Pi a n i st c u.i Ter aus unserer Stadt gebürtige Klaviervirtuvie und Komponist Richard W i l e n s . Lohn des hiesigen Kaufmanns Bernhard Wilens, hat sich während seines zweicinhalbsährigen Anseuthaltes in Amerika als Solist einen Namen zu schaffen gewußt. Es ist das um so höher zu werten, als Amerika in den. letzten Jahren von anerkannten europäischen Pianisten aeradezu überschwemmt worden ist. Wilens spielte in einem kürzlich abgehaltencn Konzert der „Brooklyn Orchestral Society" das hohe Anforderungen stellende „Tschaitomskn"- Äbavicrkonzert in kk-Moll. Die „New?)orker Staatszcitnng" urteilt wie folgt über den jungen .Künstler: ...... er spielte das Werk mit schön variiertem Anschlag, nobler Ansfassung, Feuer und Schwung und blendender Technik. Er wurde durch brausenden Applaus ansgezeichnet und zum Schluß häufig gerufen." — Uebrigcns ist Wilens auf dem Wege in feine Heimat und wird voraussichtlich bei seinem vorübergehender! Aufenthalt in Deutschland einige Konzerte geben. Er ist für die irächste Saiion wiederum in Amerika verpflichtet. Borkum. lD c r M ü n ch m c y c r - P r o z e ß.) Jur Zuiammemlrang mit dem Münchmencr-Prozcß aus Borknm. der die gesamte deutsche Oefsentlichkeit in starkem Maße beschäftigte. erscheint in den nächsten Tagen im Verlage des „Borkumer Beobachter" eine Broschüre „Vvrkrnn". Rach einer zufammcnsasscndcn kurzen Darstellung der Vorgeschichte des Prozesses werden an Hand stenographischer Anfzcichunngcir vollständig oder auszngsnwiie die Verglcichsvcrhandlungcn mit dem Landcskirchcnamt. die Plädoyers des Staatsanwalts und der beide» Verteidiger der Angeklagten (Tr. Bruno Wcil-Bcrlin unt> Dr.Meuer- Emdcn) die Schlußworte der Angeklagten und die mündliche Urteilsbegründung wiederaegeben werden. Düffeldorf. lV o m Verein d er Leiter u n d L eiterinnen I ü bischer E r z i e h u n g s a n fl a l t e u.i Der Verein der Leiter und Leiterinnen Jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands tagte am 26. Mai 1926 in Düsseldorf in den gastlichen Räumen der Düsscldors-Logc. Ans allen Teilen Deutschlands waren die Mitglieder zu ihrer dritten Jahresversammlung in der Ausstellungsstadt zusammengekommen. Der Vorsitzende. Direktor Peritz-Königsberg. begrüßte die Vertreter der Behörden und Vereine. Er bezeichnctc solche Tagungen als Notwendigkeiten, sie geben Aufmunterung zur Arbeit, Richtlinien für die Tätigkeit und schaffen persönliche Bindungen, die eine gemeinsame Arbeit nicht entbehren kann. Herr Felsenthal, Vorsürnd der Synagogengemeinde Düsseldorf, begrüßte die Vertreter der Anstalten im gramen seiner Gemeinde und der Zentralwohlfahrtsstelle Berlin. Er würdigte die Leiter der Anstalten als Kulturträger der deutschen Jndenheit und dankte ihnen für ihre treue Arbeit. Herr Steril. Präsident der Düsseldorf- Loge. versicherte den Anstaltsleitern die Snmpathie des U.O. B. B. Frau Tr. Eschelbacher-Tüsseldorf entbot den: Gruß des israelitischen Fraucnvereins. Sie weiß aus ihrer Arbeit in der offenen Fürsorge die Tätigkeit der Anstaltsleiter zu würdigen und bittet sic um enge, ersprießliche Zusammenarbeit. Herr Hofrat Tr. Oppenheimer-München sollte nun ein Referat halten über: „Die Gesnndheitspfle-gc in unseren! Anstalten." Er war durch Krankheit leider am Erscheinen verhindert, hatte aber sein Referat schriftlich eingereicht. Dasselbe kam durch den Mund des Herrn Sanitätsrat Dr. Frenndlich-Tüfseldorf mit wertvollen Ergänzungen zum Vortrag. Die wichtigsten gesundheitlichen Probleme des Anstaltslebcns wurden eingehend erörtert. Io Abhärtung, Hautpflege, Atmung und Lüftung, Kost. Sport, geschlechtliche Verirrungen, Bettnässen, skrofulöse Erscheinungen u. dgl. Das Urteil von zwei ausgezeichneten Sachverständigen kam hier zum Ausdruck und die Teilnehmer werdeic die reichen Anregungen nun zu verwerten haben. Tie anschließende Auösprachte vertiefte und erweiterte die gegebenen Anregungen. Dann sprach Direktor Silberberg-Ahlem in ganz ansgezeichneter Weise über: „Das Arbeitsprinzip in der Erziehung." Er zeigte mit seiner reichen Erfahrung alle Arbeitsmöglichkeiteu in der Anstalt, von der Arbeit im Garten bis zur Hobclbaukarbeit. von der Arbeit der Mädchen und dergleichen. Aber er zeigte auch überzeugend die Arbeit als Prinzip in der Erziehung, wie die selbsttätige Arbeit das Gefühl der Kraft weckt, wie der Zögling in der Arbeit von,