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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-06-04 · 23 (4.6.1926) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
23 (4.6.1926)
Date
1926-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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y t. i 'y.'T’l I» .■,.■! I.^iuyiwjjijf ,|f IIMl,WIU»'iH»T—»^WWWffgeiWIW4nmP WWWWWW^^MVWWUWWWWWWWW s Ende zweifellos die völlige GteichSerechtiguna -er farbigen Rassen mit der weitzett sein wird.. Dill Las Judentum wieder einmal einen weltgeschichtlichen Augenblick verpaffen? Will es — im Gegensatz zu seiner eigenen richtig verstandenen Lehre — sich aus die.Sette der Unterdrücker stellen, über welche das Rad der Geschichte hinweggeht? Hier bietet sich die schönste Gelegenheit, die allgemeine Menschenliebe, welche die Grundlehre des Judentums bildet, praktisch zu betätigen. Und wer kann sagen, ob nicht die hier empfohlene Haltung dem Judentum — ohne jede aufdringliche Mission und Seclenfängerei — unter den farbigen Rassen neue Anhänger zuführen und der mosaische Glaube seine werbende Kraft betätigen wird? Aus der Bewegung Breslau. (In bischer JugenLverein „Abraham Geiger".) Unsere PfingstwanLerung führte uns von Wüstewaltersdorf über die Hohe Eule. Schirkenschänke, Wüstegiersdorf nach Charlottenbrunn. Der umsichtigen -Führung von Ludwig Freund haben wir die Erschließung dieser herrlichen Gegend zu verdanken. Es kann nicht oft genug aus die Notwendigkeit der Teilnahme an unseren Wanderungen hingewiesen werden, da hier die beste Gelegenheit für einen zwanglosen Gedankenaustausch gegeben ist. Durch die mustergültige Zusammenstellung dieses Tagesaussluges hat Ludwig Freund unserer Wandergruppe einen unvergetzlichen Genuß bereitet, für den wir ihm auch ans diesem Wege herzlichst danken. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugendg e m c i u s ch a f t.) Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Mittel, mit wclcl>en unsere Jugendgemeinschaften sich an ihre Jugend wenden, größtenteils durch das Ohr, d. h. durch Sprache und Musik ausgenommen werden. Höchstens tritt einmal ein Lichtbilder-Bortrag hinzu. Hiermit sind aber anch die Grenzen gezogen, und es mutz naturgemäß hieraus eine gewisse Einseitigkeit entstehen. Nm so erfreulicher ist es daher, wenn unsere Jugendgemeiuschaften sich entschlossen, neue Wege zu gehen und der Jugend neue Quellen zu erschließen, aus denen sie Wissenschaft und Kunst, Religion und Zusammengehörigkeitsgefühl in reichstem Matze schöpfen können. Eine solche Gelegenheit war die Fahrt nach Worms, welche unsere Jugend-Gemeinschaft am 2. Mai d. I. veranstaltete. Das große Interesse, welchem kiese Fahrt begegnete, drückte sich in der über alles Erwarten großen Zahl von Teilnehmern ans. Ungefähr 50 junge Leute fanden sich morgens am Zuge ein, der uns alle in einer knappen Stunde nach'der alten Stadt Worms brachte. Ein überaus herzlicher Empfang wurde uns mm der dortigen Jngendgruppe des neutralen Vereins zuteil. Selbst aus .Heidelberg waren einige Teilnehmer herübergekommen. welche der dortigen Ortsgruppe der liberalen Bereinigung angeh.örten, Sofort nach der Ankunft wurden wir in den ältesten Teil Worms geführt, zuerst in den Hof der ehrwürdigen alten Synagoge, wohl der ältesten von Deutschland. Hier hielt uns Herr Logenpräsident Kiefer, zunächst ich Höfe, später im Innern des Gotteshauses einen ausführlichen und interessanten Vortrag über die Geschichte und die Einzelheiten dieses denkwürdigen Bauwerkes. Mit seltsamen Empfindungen betrachteten wir das Entstehen und Werden dieses Bauwerkes im Laufe der Jahrhunderte. Wie viele Geschlechter gingen in diesem Hause aus und ein, und wieviel Schicksal hat es gesehen. Die Geschichte nicht nur der Juden in Worms, sondern auch der Juden in Deutschland ist mit diesem Hause eng verknüpft, denn hier erinnert jede Einzelheit an große Vergangenheit und wichtige Ereignisse. Bon wunderbarer Schönheit und unschätzbarem Wert sind hier unzählige Stücke. Außer der Synagoge besichtigten wir noch das Frauenbad, die Rachi-Kapelle und die sagenhaft interessante Stelle der eingedrückten Mauer, stets begleitet von den feinsinnigen und interessanten Erklärungen des Herrn Logenpräsidenten Kiefer, welche ergänzt wurden durch die Ausführungen des Herrn Professor Dr. Hülsen. Hieran schloß sich ein Besuch des jüdischen Museums und der jüdischen Altertümer au. Es ist unmöglich, über alle Einzelheiten hier zu berichten. Stundenlang hätte man hier die einzelnen Gegenstände ansehen und die alten Bücher durchblättern können. Aber es sollte uns hier noch mehr gezeigt werden. Weiter ging es zum alten jüdischen Friedhof. Hier war der Eindruck, den wir empfingen, ein so erhabener, daß er von allen Teilnehmern als der erhebendste Augenblick des ganzen Tages empfunden wurde. Die schlichten, windschiefen Steine mit nahezu rührender Naivität behauen, kündeten eine Reihe uralter Geschlechter, die hier gelebt und gewirkt hatten. Nun sind sie dahingesunkeu, aber ihr Name lebt in der Wormser Judenheit und weit darüber hinaus nach weiter und erzählt von der Größe und den Taten der einzelnen Männer und Frauen. Hier führte uns Professor Dr. Hülsen mit der von ihm bekannten hervorragenden Fachkenntnis alter jüdischer Kunstdenkmäler. Aber weit über die kunsthistorischen Einzelheiten hinaus zeigte er uns mit liebevollem Verständnis die kulturelle Bedeutung dieser historischen Stätten. Es war ein Gefühl der Weihe, das alle Teilnehmer erhob und das sie die Besichtigung dieses alten Friedhofes als eine Stunde der Erhebung empfinden ließ. Mittlerweile war es Mittag geworden und wir trennten uns, um auch dem Magen sein Recht zu gönnen. Um 3 Uhr fanden wir uns jedoch bereits wieder zusammen, um auch die übrigen Kunststätten des alten Worms, soweit uns dies im Laufe eines Tages möglich war, anzusehen und um auch hiervon wenigstens einen Eindruck zu empfangen. Zunächst sahen wir den wunderbaren Dom, der in gotischem Stile begonnen, in romanischem Stile fortgesetzt ist, die Ruhestätte vieler Bischöfe und Kirchenfürsten, ein . echt rheinisches Bauwerk, eine Verbindung geistlich ernster und weltlich froher Gedanken. Später zeigte man uns noch das Rathaus mit dem interessanten Correolanum. Auch hier überall Zeugnisse einer gewaltigen Vergangenheit und einer reichen Geschichte» welche eine größere Bereinigung alten und neuen Stiles, wie modern und wie zweckentsprechend alle diese Baulichkeiten. Inzwischen war ein schweres Gewitter herangezogen und es blieb gerade noch Zeit, in die Loge zu flüchten, wohin man uns zu einer gemeinsamen Kaffeetafel mit dem Wormser Jugendverein geladen hatte. Die Erlebnisse und Eindrücke dieses Tages schwangen noch in uns allen, während draußen mit Blitz. Donner und Wolkenbruch ein schweres Gewitter niederging. Wir saßen hier mit der Wormser Jugend vereint mit einem schöne»» Gefühl der Zusammengehörigkeit und hörten den interessanten kunstgeschichtlichen Bortrag des Herrn Professor Hülsen zu» sowie den durchaus auf künstlerischer Höhe stehenden Darbietungen des Wormser Vereins und unserer Mitglieder, »velche abwechselnd zur Erheiterung und Unterhaltung des Publikums beitrugen. Ein gemeinsamer Tanz beschloß den Abend, so daß uns die Zeit der Abfahrt wie ein Augeirblick später vorkarn. In gemeinsamem Wagen fuhren wir, bis zum Bahnhof von der Wormser Jugend geleitet, zurück. Es war ein Tag, der allen Teilnehmer»» noch lange in Erinnerung bleibe»» wird. Wir hatten so viel Schönes ge- > sehen, so viel starke Eindrücke empfangen, daß es einiger Zeit bedarf, um sie alle verarbeiten zu können. ' Eines aber ist uns besonders lebendig gervorde»»: die uralte, dennoch lebendige Vergangenheit der jüdischen Geschichte. Wir wollen, als die Jungen, dafür sorgen, daß die Zeiten der furchtbaren Verfolgungen, deren Spuren wir in Worms heute noch gesehen haben, sich nicht »»»ehr wieder» holen. Wir wollen, eingedenk der alten Traditionen, positive betonte Juden sei»», uns aber eins fühlen mit »»»»scrern deutschen Volke, dessen Geschichte mit der nnsrigen aufs innigste verwoben ist. Mar Gundersheim. Erklärung! In Nr. 21 unserer Zeitung ram: ein Heirats-Inserat abgedruckt, das ohne Vorrvissen der Redaktion und der maßgebenden Herren des Berlages angenomrneu worden war. Das Inserat wäre andernfalls nach Inhalt und Form abgelehnt worden. Wir bedauern dieses Borkommuis ur»d habe»» veranlaßt, daß eine Wiederholung dieses Vorganges in Zukunft unmöglich ist. 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