Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 23 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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fjc&täiföcn Gebetsfprache ernste. Bedenken. Das Judentum sieht in Gottes Hand, nickt aber in -er Zufälligkeit -eS hebräischen Idioms. Dcr deutschen Iudenheit hilft Gott. D. b. er hilft ihr,, iofcrit fic immer versucht, sich selbst zu helfe». Ein grober Teil -er jüdisch-liberalen Menschheit ist beute schon mit mir der Ansicht, -ab -as Hebräische als Symbol -cs jüdische,» Gottesdienstes tit das Gottesh a n s gestört. Dort soll es, ähnlich wie -ie lateinische Messe -er katholischen Kirche, -nrch -en Mund -er gottesdienstlichen Funktionäre erklingen, sei es in der hebräischen Thoravorlesung, in -er hebräischen Kcdnscha, in Konti lenen -nt- Arien -es Kantors, sei es im hebräischen Textwort der -predigt. Erlernung und Pflege der hebräischen Sprache i st somit n i ch t mehr Lacke des j ü d i s ch e n P u b l i l » m s » n - -er j " bischen K i n d e r w e l 1 — schon aus Grun-en unserer XMc.bc zur deutschen Mutter« .spräche, -ie uns heilig ist^als auch aus unserer Treue -um deutscheil Paterlande irnd .zur deutschen Kultur. Und letzten Endes schätzen wir die jüdische Religion für viel zu hoch, als dag sie non jedem ungebildeten Laien vorgetragen, von jedem Schüler uachgcplappert werden dürfe. Erst wenn -ie hebräische Sprache allein -er S n n a g o g e anacstörl. mirsie uns lieb und wert erscheinen, indem wir erst dann das in ihr erblicken, was sie uns fein sollte: ein universelles Kriterium und heiliges Symbol der jüdischen Gottesverestrüng. Wir loiinschen -ie reinliche Scheidung! Hie Liberalismus — hie Konservativismus! nur kann -ie Lösung sein: denn <'s gibt keine Einheit int Judentum. Aber cs braucht eine solche auch gar nicht zu geben: -er liebe Herrgott selbst hat die We,t ja aus rechts und links gemacht. Gegenüber jener Ausfaiiung, -ic -ie Besserung -er religiösen Verhältnisse durch v> errs ch sucht, durch starres Festhalten an hebräischer Gcbetsaiihäusuirg im Gottesdienste, durch hebräischen Untcrrichtszmaug. wie. durch Rückkehr zum Ghetto erreicht wissen will, -icsem surchibaren Irrtum» dieser verhängniöoollcn Auffassung gegenüber vertritt die liberale Partei - a s P r i n z i r> d c r Entwicklung. Sie stellt die religiöse Gemeinschaft dar, in -er -ie bewußten modernen Juden -as Verlangen ihrer Seele nach Gott befriedigt finden. Sic ist -er große erlösende Gedanke, das universelle Vaterhaus, in dem sich alle seine Kinder nach langer, im stillen vor sich gegangener Wandlung wiederfinden: unter den liebende» .Fittich sammelt sie Mutter Reform. — „Wie ojt", so fahrt -er eingangs erwähnte Romantiker fort, „stand ick am FrZlagabenin» dunklen Wohnzimmer und weinte bitterlich" -- er bedauert dauiit. daß seine Ettern liberal »raren und ails religiöse Sitte»» und Branche zu wenig gaben — „und sah durch die Fenster ins gegenüberliegende Haus, wo in» gleichen Stockwerk, so daß ich es gut sehen tonnte, die Ircitagabcndlichter den Raum erhellten und ein alter Vater mit seinen herangewachsenen Söhnen eine Stunde der Weihe verlebten/" — „Labbatfricdcn", gewiß ci»t erhebendes Bild, doch wird der „Freitagabendzauber" dein unbefangenen Blick als ein Problem erschciner», das seitens der deutschen Zudenhe.it, gefühlsmäßig ausgefaßt, rvill sagen vvin Standpunkt des traditionelle»» Denkens airs »eicht mehr gelöst werden lau»». „Religiöse Renaissance" — sie ist für uns undenkbar als Zurückgeh c »k ans das Ghetto. Werfen wir den Mantel ab, und wir haben den goldenen Kcru der Religio»», als die Wiedergeburt des Judentums in seiner ethisch-ästhetischen .Klassizität. — Ei»» schönes Heim indesser» m»d zufriedenen Sinn, ein frohes Herz >»»»d heitere Menschen nnt den Tisch: mehr braucht's zu unserem Glücke nicht. Wer sein Gemüt auch noch an Kidduschmacheit und hebräischen Liedern, geflochtenem Sabbatbrot (mit Mohn bestreutf ergötzen will, der mag es tun; denn jeder lebe nach seiner Fasson. Wir »vollen sie -niemandem rauben und überlassen Sitten und Gebräuche allen denen gern, die noch an» Alte»» hasten, hierin ihr 'Seelenheil erblickend. Das Heil des Judentums liegt nur in seiner Reform. Den» Wcltgerst näher, beschleicht uuS die bonge Sorge: Ob bei der ungeheuren Problematik seiner Kampfe slagc das deutsche Judentum dem Untergang entgehen kau,,:-' Ol, es durch seilte Welt Vergessenheit der Zeremonien, durch die hebräische Un- »» at ur irr seiner» Schulen, wie durch die Reaktion in punkto Lehrerbildung idas ottuclic Schreckgespenst), nicht doch sein eigener Totengräber werde? iMan mittevt Morgentuft und möchte den Lehrer »nie seither sozialster Niederhalten, ihn »vieder zun» Helote»» der Gemeinde machen, zu»n akademisch gebildeten Schächter.) — Die jüdische Lehrerschaft ist leider größtenteils noch für religiösen Stillstand. StiNstar»d aber bcbcutct Rückgang. 'Das Thema: „Biblische und nachbiblische Geschichte int Gcist der Versöhnung der religiöse« Gegensätze^ — vom Sehrerverband gestellt — wurde von ihm zurückgezogen, wvhl aus dem Grunde, weil in den Einzelvereinen sich niemand fand, der den Mut gehabt hätte, das Referat zu übernehmen. Ein Kollege, mit dem ich darüber konferierte, gab mir in feiner hebräisch-nationalistischen Einstellung die erschreckende Antwort: „Ich kenne nnr Parteien und wünsche keine Versöhnung!" — Was uns nottut. was uns deutschen Juden frommt, sind nicht religiöse Sitten und Gebräuche, wohl aber ist's ein Kopf, ein erleuchteter Geist, ein religiöses Kraftgenie vom Schlage eines Abraham Geiger oder eines Leopold Stein, ein jü-ischer Martin Luther. Die jüdische Jugend aber bedarf der aufgeklärten «Führer, die sie hinleiten zu einem neuen Ideale: zum Verbundenfein mit Gott im Geist des prophetischen Judentums, zun» Aufbau unseres Kultus in höchster Vollendung und Schöne, zur versöhnenden Anpassung an die sie umgebende Mitwelt, wie zur hingebenden Liebe zum deutschen Vaterlande! Hermann Wallach, Lehrer in Aachen. Zionistischer Liberalismus. Bon Rabbiner Dr. Gottfckalk, Frankfurt a. M. Unter obiger Uebcrschrift nimmt Wolfsohn. Breslau, zu einer wirklich akut gewordenen Frage Stellung — ber Berbinduva von Zionismus und Liberalismus. Ich weiß nicht, ob es gerade 90 Prozent sind, wie er sagt, die unter dern liberalen Nachwuchs der Rabbiner zionistisch beeil» flußt sind, ober die Tatsache der Beeinflussung überhaupt »st wohl nicht zu bestreiten. Wolfsochn hätte nur zu den Rabbinern auch noch die gewählten Führer der Gemeindevertretungen rechnen können, die — vielfach, natürlich nickt olle — jene Beeinflussung miterfahren hoben und bei entsprechender Gelegenheit in die Praxis umsetzen. Ich »veiß »nich von jeder starren Einseitigkeit gegenüber dem Zionismus frei und habe doS oft bekundet. Aber den Versuchen gegenüber. einen Neuliberaltsmus auf zionistischer Basis aufztrrichten, muß man wohl doch einmal entgegentreten. Wie denn? Wir und eine religiöse Bewegung — und diese prinzipielle EinsteÜung sollte ihre Kraft und ihren Sinn verloren haben? Wir brauchen Anleihe»» beim Zionismus. der als Gesamtheit eine solche religiöse Bewegung gor nicht sein will, sondern der nur eine Reibe — überzeugter — Religiöser in seinen Reiben bot? Wenn cs so wäre, hätte nicht bloß die liberale Bewegung, nein, die Religion als Lebensprinzip einer Gemeinschaft hätte ihren Sinn verloren! Ein Jeremias hätte umsonst gewirkt, ein Lazoruö und Steinthal umsonst gepredigt, ein Cohen hätte vergeblich gelobt. Weil ein Teil unter uns vielleicht wirklich mehr politisch-liberal, deshalb hat Religion allein. Religion in Deutschland. Frankreich. Amerika keinen Wert, und nur Palästina-Religion darf bestehen? Und ist das vielleicht die Religion, in deren Namen kürzlich jemand im zionistischen Organ die „Säkularisierung des Judentums und den Kampf gegen die Rabbiner" fordern durfte? Weil »vir selber noch nicht verstanden haben, den liberalen, jüdisch-religiösen Mensche»» so in die deutsche Kultur einznbannen, daß er in Kultus, Unterricht. Leben nicht nur eines, nein, beides gleichzeitig ist. deutsch und jüdisch — deshalb liegt vieles noch unserng vor: uns: aber nickt, »veil »vir schon zu viel liberal »vären! Man spricht von den Offizieren ohne Soldaten, doch nur der führt die Truppen ,umt Sieg, der selber genial unentschlossen das Letzte aus seiner Ausgabe hält. Mer cs ist keir» Versenken in letzte Tiefen, wenn man Religion des Judentums und den Höhepunkt deutschen Wesens allein »»»cht für stark und für würdig genug erachtet, Fahnenträger der Zukunft zu. fein! Wir treiben keine Mission in fremden Lagern und gewiß auch i»icht in den eigenen Reihen. Mag jeder von uns feine Straße ziehen. Aber so wie der begeisterte Zionist stolz seine Ideale versicht. wie er es ablebnt, sich zu verbünden. »vie er sich mutig mit eigene»» Händen die neue alte Erde aufgräbt. so sollten mir hierin erst non ihm lernen! Es ist nicht nötig, für oder gegen das „Blut" zu spreche»», für oder gegen „Schicksal" zu streiten. Einen liberalen Ziontsmus könnten mir verstehen und begrüßen — ohne ihm freilich nackzueifer»» einen zionistischen Liberalismus aber lehnen »vir ab! Wir bleiben religiös, »vir bleibe»» deutsch — und beides mit unsere»»» Judentum! entdeckte er in -er Nähe von Wol'cnhausen in einem Kvrn. felde einen jungen Mann, -er ihn» verdächtig schien. Er ritt aus ihn;n und fragte ihn. was er in hiesiger »Kegenzu schaffen hätte. Der Fremde erklärte, er wolle in Wolscnhftuicit Ziegel taufen, »vorauf -er Amtsverwalter meint-.': „Wenn Ihr Ziegel lausen »oollt. dann müßt Ihr dem Ziegler in Wolfenhansen auch bekannt sein. Ihr habt midi zu »>>".: zu begleiten, und,wein» -er Ziegler eine gute Aitskunst gibt, sei- Ihr frei." Der Fremde erschrak, wollte Ausflüchte machen, und -er Beamte erklärte, ihn scharf ins Auge fassen-.- „Ihr seiciu Spitzbube, und ich muß Euch verhaften," In Wolfenhausen lag ein Leut»»avt. -er in dem Fremden einen iWefruicn erkannte, der sich erst wenige Tag« zuvor hatte onwerbci» lasien und dann desertierte. Der Rekrut hatte sich unter dem Namen Jacob SchweiGrd anmustern lassen und wurde nach Runkel an -er Lahn zurückgebracht und von dort aus als entsprungener Rekrut nach Limburg übergesührt. Am 8. Juni ließ sich ein gewisser Zervas bei de»»» Am s- Vorsteher Fuchs melden: „Wißt Ihr. Herr Vorsteher, daß Euch zilsallig ein seltener Vogel ins Garn gegangen ist?" redete ex de»» Beamten au. „Der angebliche Lchweilord ist niemand anders als der berüchtigte Schinderlianncs." Fuchs sprang überrascht ans. „Das wäre eilte Sacke!" v.icf er. „Wißt Ohr das genau?" „Ich irre »nid» nid)t: aber vernehmen Sie zur Sicherheit »»»einen Bruder u»»d feinc Geliebte, die Sch»vcster eines ehemaligen Kumpane»» von Schinderhauues. Die »verden Ihnen meine Angabe»» bestätigen können. Die Geliebte »»»eines Bruders heißt Liescl Reinhardt, sie ist die Sch'veiter -es berüditigteir schwarzen Reinhardt, der kaiserliches Handgeld geuontmen Imf " Die Angaben bestätigten fidj, m»- Schin-erhaunes winde zusammc»» mit -em schwarzen Christian unter scharfer Be. »nachnng nad» Wiesbaden transportiert. Von dort gelangte er am IN Inn» nach Franlsurt ,». M„ wo er einen großen Teil »einer Verbrechen cingestan- und -ringenbat. ihn .»»cht an -ie Franzosen, auozu liefern. Ter Seitat der »vreieu Stadt Iranksirrt tat ihn» aber den Gefalle,, nicht, und händigte Schin-erbanncs an» Hi Inni» ISO? -en srairzösischerr Gen. -arnrcn aus, -ic ihn nach Mainz transportierten. Dort »vur-e er vor ein Spezialgericht gestellt, und nad» langwierigen Verhandln,»gen zusammen mit in Kumpanen, deren I-estnahme inzmischen gelungen mar, hivgerichtct. Eine Anzahl anderer Rätzber wurden zu Keltenstrasen verurteil», zwanzig erzielten sreisprcdiende Urteile. Der Prozeß gegen „Bücklcr und Genosse»»" kostete -ei» Staat nahezit eine halbe Million Iranker». Be» den Akten befindet sich »». a. eine Rechnirng. die wir au» trtlturgesdiichtlichem Interesse nachstehend jn» Original wiedergeden wollen: Spezi silatio»t de» mir den beiden Rekruten, angel-kich Jacob Schweikard. vulgo Sd)in-erhaunes. und Christian Reinhardt gehabte»» Unkosten. Bcnanvtlids: in Reichs-Währ.»»»»g: Werbegelder per.Kop: 18 fl. macht zniammen 9tt ft. — Kr. Die ertraordinaire Bcmadiultg hier j», loco . N> ., - Zehn Mann mehr zur Transporticrung von hier über Kastek nad» Frankfurt s 6 fl. per Kops .»in „ -- .. Eine Ehaiie für mich nadi Kirberg, um -ie nötige Streifung beim dangen Amt zu bewirken . < „ — .. Ten beiden Ieldwebels für ihre Nachtwachen und Begleitung von hier bis Kirberg und Vicsbadcu.„ Summa fl. — Kr. Lage: Ziveihundert fünf Gul-cn im '.'1 fl. I-uye. Werbestätion Limburg an -er Lahn, den nenn zehnten Juni 1802.. Schäfer. Hauptmann v o l» Ac: t t r o w s k h. Zur Verhandlung selbst rvarei» ungefähr *200 Zeuge:» geladen. -ie für -ic damalige Zeit recht hohe Zeugengeüllhren und Reisekosten cinfierftcn. Auch -ie Verteidiger wurden anständig honoriert, und erhielte»» beispielsiveise neben einer Pausdsale von Y' Iran len sür jedes Verhör, all Lols für jeden Aktenbogen, den sie durd)lese>» mußten. Der Staat besd»lagnoh»nte selbstverständlid» das Vermögen einiger dj!r Verurteilten, aber die verhältnistnäßig kleitte Lumme spielte in» Vergleich zu den ungeheure»» Prozeßloften leine ncnncns- »reric Rolle. Humor. Mä'dche«, die gerade diesen Dienst versehen. . . In der „Vnssisdien Zeitung" veröffentlicht Generalmajor o. D. Dr. h. c. Irhr. v. Schocnaich Berichte über seine Reiseeindrücke tu Palästina. De»' jüitgste, in der Ausgabe vvnt l. Juni, besaßt siä» mir dem Thema „Larrdarbcit in Palästina". In »h»n ist flt;d» tu»»» den landwirtschastlid»e»t Lehranstalten für Iroueu und Mädd»e.»» hie Rede, und cs findet sich hier folgende wohl aus Druckfehler zi»rrickzuführ-r»dc Aneinanderreihung von Lätzen: „Die. Ldiüleriuue»» werden in einem ziveijährigeit Kursus in alle»» Zweigen der Haus- und Landwirtidioft gründlich durdmebildet: der Geflügel Hof der Anstalt ist einfadi vorbifdlick. löllll Küken werden alljährlich teils durch Pute»», teils durd» Masd)inei» ausgebrütet. Tie iungen Mädchen, die gerade diesen Dienst versehen, schlafen nachts int Brutrgnm." An Schlag gegen di« Rafjentheorie Bon LandgerichtSbirektor Stern-Stuttgart. Unter diesem 'Titel erschien in Nr, 4« der ralen Zeitung" vom 2. Oktober 162.) e»n ^Elcker fick mit den Neger-Juden in Nord-Amertka befchafttgte. Der Artikel war für mick in zweifacher Hinsicht eine Ueberraschung. Einmal insofern, als in demselben dte E^tstenz von Neger-Juden in Nord-Kmerika bei den Lesern der Zeitung.'offcnbar als bekannt vorausgesetzt wurde, wahrend ich mich nicht erinnerte, sei es in der „Iüdisch-uberalen Zeitung", sei cs sonst irgend,vo, hiervon etwas gelesen oder auch gehört zu haben. Sodann aber, und i»tsbeso»»dere burch den Widersprud» zwischen dem Titel und devt Inhalt dev Artikels. Nach dem Titel hätte man annehmen mustelt. daß die Existenz von Neger-Juden, also van tLch»varzeii, d»e man »nag sich z»t der I-rage, ob es eine lüdrfche Raste »u»- cngeren Sinne -cs Wortes gibt, stellen it'k mai» »vill - au» keinen Fall dieser jüdischen Raffe zuzurechnen. vtelmchr Juden nur der Religion nach wären, von den we»ßen Juden in Nord-Amerika anerkannt »tnd entsprechend bervertet würden. Solchenfalls wäre allerdings der fchlütsige B^vets erbracht, daß das Iudentunl eine Religion ist, welche Menschen aller Rassen als glcidiberechtigte Mitglieder umichlteßt^ daß also der Universalismus in diesem Sinne keineswegs^ wie von dsristlicher Seite fortwährend behauptet wird, etn Privileg des Christentums ist. Nun erfahren wir aber gerade aiis diesen» Artikel, in welchem von einem,gegen eme Neger-Jüdin stattgehabten Prozeß die Rede ist, daß d»e »veißen Juden in Nvrd-Amerika die Neger-Inder» eben nicht als Glaubensgenosien anerkennen, ihnen vielmehr das Recht, sich Juden zu nennen, absprecken. Ich verstehe vollkommen die Entrüstung der Angeklagten, welche vor Gericht erklärte^ daß dieses Verhalten eine Schuld und Schande für dte weißen Hebräer, nicht aber für die schwarzen sei. Nachdem nun aber einmal durd» diche Notiz die Aufmerksamkeit der Leser auf die Neger-Iude»t in Nord-Amerika gelenkt worden »st, darf es nicht bei diesem einen Artikel als einer vielleicht interessanten Kuriosität bleiben, vielinehr muß die Sache im Auge behalten und weiter behandelt werden. Ich werst selbstverständlich nicht, »velche Gründe die weißen Juden in Nord,?ln»erika zu ihrer ablehnenden Haltung bestimmt haben. Wenn man aber bedenkt, in welcher Art die Neger nod» he»»te in Nord-Amerika behandelt »verden, so erscheint die Annahme naheliegend, daß jene Haltung, wenn nicht ausschließlich, so dod» in hohem Maße von der Furcht, durch eine Alterkennitng der schwarzen Juden als gleichgestellte Gloubensgenufsen in den Augen ihrer weißen Mitbürger eine capitis diminutio zu erleiden, beeinflußt worden ist. Als ob dies den Antifemilen gegenüber etwas helfen würde! Da »tm, aber einmal die »veißen Juden in Nord- Amcril'a siä» gegenüber den schwarzen Porte puckor! ablehnend verhalten, so »st es »»ach »»»einem ^Empfinden eine Ehren»ad»e für -ic Juden Europas, ihnen über -en Ozean hinüber die Bruderhand zu reichen. Wie sich die orthodoxen Juden zu den schwarzen Glaubcnsbrüdern stellen, ist mir »»icht det'anut. Es soll »nid» freuen, »venu sie meine»» Standpimkt teilen und sid» ihm anschließen. Jedenfalls ist es vor gedeutete»» Weg einzuidilagen. Wenn irgendeine Richtung in» Judentum hierzu berufen ist, so ist es diejenige, welche den Gedanken vertritt, daß das Iltdentum eine rein religiöse Gemeinichasi »st. und -gß ii» dieser »vie früher so a»»ch heute »lud in aller Zukirnft sür Menschen aüer Rassen Raum ist. Welcher religiösen Richtung innerhalb dcS Judentums die sogen. Neger-Juden in N»»rd-'Ameri.5a a»tgehörer». ist vollkomme»» unerheblich. Sie mögen orthodox oder liberal sein» sic mögen vielleidit and» eine ihrer Rasse eigentümlichen Einschlag etwa nach Art der sogen, „revival-weetinüs" mit sdiwärmerischer Verquickung u»»d dergleidien haben. Die^ »vürde »nich nid)t im geringsten stören, »väre mir. viel»»tehr als Aeußernng eines eigenartigen religiösen Iirrlenlebens »vlttkommen. Auf keiuerr Fall dürfte ihnen deswegen das Recht, sich Juden zu nennen, bestritten werden. Wer siä» selbst als Jude fühlt und bekennt, »st Jude, und dies u»u io mehr, wenn er als Angehöriger einer geäditeten nud mißachteten Rasse, »nie es -ic Neger i», Nord-Älnerika sind, sreuvülig und ans innerer lleberzcirgung u'vd» das weitere Martyrium des Iudcntunis aus sid» nimmt. Irgendeine Instanz, rvelche befugt wäre, die Zugehörigkeit zum Judentum zu- bzw. abäuertennen, besteht »neines Wissens nidit. U,n nit», aber mit den Neger-Juden in Nord-Amerika in nähere Veibind»»na zu treten, ist es »»verläßlich, daß man sie kennt, daß man weiß, mit wem man es zu tun hat. Inhaltiich des zu Eingang er»väl>rrte»l Artikels wäre»» in jener Gerid»tsverhandlui»g mehrere Neger-Rabbis als Zeugen ausgetreten. Rabbi wird man aber nnr, wenn man sich — sei cs ailf einem Seminar, sei es sonst rvic — das erfvrderliche rabbiuische Wissen angeeignet hat. Und die Existenz eines Rabbis seht die Existenz einer hiitter ihm stehcmden Gemeinde voraus. Also muß bis aus »vciteres ang-enominen werden, daß die Zahl -er Neger-Juden in Nord-Amerika nickt ga»»z gering sein kann. Es handelt sich deshalb zunäd»st darum, festzustellen, wie viele ihrer sind, in wie viele Gemeinde»» sie zerfalle»», an »veld»ei» Orten sic^besonders zahlreich vertrete»» sind, wie es sich »nit ihren Synagvgeu, Schulen, Wühlfahrtseinriditungen nsw. verhalt. Durch einen Bekannteit ii» Nord-A»»terika — jeder von ltttö hat ja solche — »nuß die Adresse eines hervorragenden Ntzger- Ixrden, der in der Lage ist, i'iber die bezeichneten Punkte Auskunft zu erteilen, beigebraäit werden. Ilnd mit diesen Neger-Juden gilt cs dattn, in ständigen briefticheu Verkehr zu treten. Ihn wollen »vir Hörer», nidit einen veißen Juden» denn nur er kam» uns sagen, wie es unsonen schwarzen Gtaubensbrüdern ums Herz »st und von weld»em Etandpunkt ans sie die Tinge ansehcn. Für jh»» muß in der iiidisdi-tiberalen Zeitung jederzeit eine Spalte zur Versügiutg gehalterr werde»». Aber nidit nur von de»»» bisher dargelegten, sondern noch von einen» anderen Gesichtspunkt aus handelt es sich um eine Frage von überragender Bedeutung. Es »rnterliegt keinem Zweifel, daß je weiter die Bildung uuter den farbigen Rassen sortsd»rcitet — und gerade die Neger in Nord- Amerika haben, was statistisch einwaudsre» nachgewiesen ist, in verhältnismäßig k,rrzer Zeit erstaunliche Fortschritte in -er Kultur gcr»»ad»t — um so weniger es möglich ist, das Prestige der »veißen Rasse aufrechtzuerhalten. Wir stehert hier am Anfang einer weltgesch»d»ilichen Bewegung, deren Kalendarium sür die Zeit »am 5.«. b. 12.6.1926. Juni 192fi Siwan 5686 -o n nabend Soun tag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag »Sonnabend N II) 11 1J .b). Neumondweihe Wochen-Abschnitt: Sch'lach l'cho Hastarah: Iosua 2: 1—24 Sabbat-Ausgang: 0,21 Uhr 27. •js_ h. 30. 1. Tag Rasch Lhodesck ' Wachen-Abschnitt: Korach Hastarah: Fes. «, 1—24 Sabbat-Ausgang: 9,29 Uhr