Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 23 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»u-ljlc« als liberaler Repräsentant gewählt worLe«. mti ^er Vorsitzende -cs Vereinselbständiger Handwerker zst-rschen Glaubens zu Berlin. Loui- Wolf»'. gehört -er liberalen Fraktion des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden an. Tie Festsitzu»^a wurde durch eine musikalische Einleitung eröffnet. dann folgte die Begrüßung der Delegierten durch ^en Borsitzenden der Leipziger Ortsgruppe. Herrn Alfred Muscatblatt. Aach einer - Ansprache des Verbau dsrwr.sittcn-en, Herrn Wilhelm Marcus, hielt die Festrede Herr Louis Wolf» Berlin. Er fühvie etwa aus: „ 'i1! c',,ct '»fit nmKlK’itrcu wirtschaftlichen .•■Jufamatc«* . .l1®** ut ^1, C11’ Augen bl ict. in dem sich in ungezählten Däusern erschütternde Tragödien zerrütteten Familienlebens abipielen. die ihren Äusklang oftmals in Taten der Derzweiflung finden, ist cs besonders geboten, gtrszvbauen itttd die Katastrophe zu mildern und überwinden zu Helsen. *®tr werden auch diese Wirtschaftskrise überwinden müssen, und wir werden ne überwinden daun, wenn wir aus der überaus traurigen Vergangenheit und Gegenwart die notwendigen Lchlufifolgerungen ziehen, wenn mir uns darüber klg.r werden, daß wir noch mehr als bisher ein Voll von Produzenten nnd iveuiger ein Bost von Mittlern >e:n müssen. Denken wir an jene .''.eiren. i» denen zahlreiche jüdische Handwerker Pioniere des Geistes waren: noch heule zehren wir an deit köstlichen Anssprüchen unserer Talmud-Handwerker. Tie Achtung vor diesen GeisteShelden ist durch die Awssührnng einer produktiven Beschäftigung niemals hy'rabgemürdigt worden, man kann»? damals noch nicht die tiefe und trennende Klnft zwischen Hand- und Kopfarbeiter. Es ist bedauerlich. das, in der Neuzeit bei uns Juden -:e Berufswahl in. erster Vtutc z,l einer gcsetli'ühaftlichen Angcleaenheit aoworden ist. Man must die grenzenlose X pserwilligkeit dnrrtzans anerkennen, mit der oft selbst die Aermsten ihren Kindern eine bessere Erziehung und Schulbildung zu nerschassen sich bemühen. Aber man glaube nicht, dast diese bessere Porbilduttg nur die Voraussetzung für akademische Bernfe darstelll. Die jüdischen Handwerkervrgauisatiouell haben schon vor Jahrzehnten ihre warnende stimme erhoben: schon damals wiesen sie daraus hin. daß die verkehrte Berussichichrung einmal zur Katastrophe für den einzelnen Jiiden iltid für die jüdische Gesamtheit führen muß. Wenn jetzt in allen Kreisen der Bcrnssumschichtung das Wort geredet wird, so must dieser, wenn sie Wirklichkeit werden soll, eirre Nmichichtnna der Gesinuuna und An. channna uv''ange!>en. Wir können uns in unserem Vatcrch-ndc nrchi den Lurns leisten, rangortig nach ständen und Vermögen getrennte geiellschastlichc Schranken ausrechtzu. erhalten. Wir wüsten sie niederreisten irnd der Freiheit der Gesinnung, der Freiheit des Berufes eine Gaste bahnen. Die durchaus unjüdischc Tissereuzierung zwischen Berirssmcnich und Verussmensch must lallen, »venu wir zu einer gerechten Beurteilung und Höhersthätzung der Werte schaffenden Arbeit gelangen wolle». Man mag die geistige Arbeit mit Rechl. hochschätzen, die heutige Entwicklung unserer ökonomischen und politischst Loge drängt daraus hin. mehr als bisher Wert aitf die produktive Tätigkeit innerhalb der deutschen Judenheit zu legen. Was ist bisher für die Gründung jüdischer Lehrliriashcimc aeschclrcn? Wo ist, bis ans einige wetiige Aus nahmen i>t den initiieren und grötzeren Gemeinden, auch nur ein Sammelpunkt, wo sich die ohne Familienanhang lebeudeit gewerblicheti und produktiv arbeitenden Angestellten nach actaticr Arbeit wohliühlen können? Die erschreckende .Jui'ahme der Mischehen sollte ein warnendes Sturmzeichen sein. Ten jungen Leuten, die aus Kteinsemeinden in die Gruststädtc abwauder». must von den Gemeinden eine Stätte zur Verfügung gestellt werden, wo sie wahrhaft jüdisches Leben umweht, Ihnen sind Heime nach dem Vorbild der vielen bestehenden mustergültigen katholischen Jünglingsheime zu schassen. Eine jüdische Handwerlcrorganisation ist nicht Selbstzweck. Sie ist nur ein Mittel zum Zweck großer Gemeinfchailvarbeit. Nie haben die jiidjschen Handwerker Deutschlands ihre Ausgaben anders aufgcfaßt als non dem Gesichtspunkt nerautwortlicher Mitarbeit am Judentum, am Vaterland und an den berufsstäudischen Orgauisationeu. Alst Träger produktiver Arbeit haben die jüdischen Haudwerkerorganisatiolien in eitler verhäklnismätzig kurzen Zeit eine Aufklärungsarbeit nicht unr in jüdischen. sondern auch in andersgläubigen Kreiien geleistet, die die rückhaltlose Anerkennung aller Schichten. Behörden und Körperschaften gefunden bat. So ist erreicht worden, dast bellte. r im Gegensatz zu früheren Zeiten, zahlreiche junge Menschen aus den sogenannten gehobenen Schichten de« Handwerksberits Zuströmen. Unbekümmert um der Parteien Hast oder Gunst werden die jüdischen Handiverksr wetterkämpfen gegen die Aschenbrödelstellnng. die man dem jüdischen Mittelstand innerhalb des Gemeindelebens einräumen wollte. Vs must im «Gegenteil Aufgtabe der Gemeinden sein — und hier haben Männer des Geistes, des Handels und der Hand wertvolle Arbeit gemeinsam zu leisten —. Wohlfahrt nicht nur in Normen zu üben, die den Menschen! zunr Almoscncmpfängcr herabdrückt, sondern das Verständnis für produktive Arbeit im deutschen Judentum zu verbreiten und den jüdischen Mittelstand durch U«bertragunq von Gemeindeor-citen und Ausban einer großzügigen Darlehnstast'c zu fördern. Der Redner schloß mit dc»t Worten: Unser Ziel ist ein kräftig blühender Handwerkerstand, ein glückliches Vater-, lanü und in ihm ein geeintes Judentum. Lang anhaltender Beifall dankte dom Redner für seine inhaltsvollen Ausführungen. Heber die Arbeitsützung vom vergangenen Montag, in deren Mittelpunkt zwei Vorträge über das Thema „Erziehung zum Handwerk" standen, werden wir noch in unserer nächsten Nummer berichten. Sprechsaal Gedanken über »Sitten und Gebräuche". jüngst las ich in einer Zeitung, „unsere Jugend fei religiös: sie erstrebe die Religion, ersehne ihre Litten und Gebräuche" — und gleich daraus — im selben Satze: »doch würden ihr in diesem Streben die schwersten Hemmnisse bereitet. Bor allen Dingen sei es das Elternhaus, das durch seine bewußte und unbewußte Religionslosigkeit das jüdische Kind nicht zur Religiosität erziehe." — >>di dachte bei mir: Heute ist's noch das Eltcruyaus, morgen schon I der Herr Lehrer selber, dem dieser Vorwurf gilt. — Es entsteht nun aber die Frage: Was ist Religion? Sie ist schlechthin der Glaube an Gott. Religiosität ist dann das ethisch-sittliche Leben, das diesem Glauben entspricht. Wenn man aber zugibt, daß unsere Jugend gläubig und subjektiv religiös sei, so besitzt sie Religion und braucht deshalb »licht bester, nicht anders erzogen zu werden. Freilich verlangt die Religion auch nach Objektivierung, nach äußeren AuSdruckSsormen. nach Zeremonien, doch nehmen wir diese nicht mehr kritiklos hin. Wir prüfen sie auf ihre»!! praktischen Wert, und ob sie unserem Empfinden auch östhe- > tisch entsprechen. Bemerkenswert in dieser Hinsicht ist die i Ansicht des Gemeinderabbiners Tr. Kober. Köln, der mit feinpsychologifchem Verständnis, für die Belange der Jugendseele sagt: „Tie Schönheit der religiösen Form bildet ein nicht zu unterschätzendes Erziehungsmittel der religiösen Hebung. Freilich darf Aesthetik nicht mit Religion verwechselt werden, aber sie darf weder im Gotteshause noch in der Feier zu Hanse fehlen." : So gern wir daher Begeisterung für Sitten und , Bräuche lsür religiöses Erleben) auch anerkennen, io > können wir doch nicht glauben, dast die liberale Jugend, ja, j daß die Fugend überhaupt sich eine Offenbarung zu eigen mache, die eine Rückkehr zum Ghetto bedeutet: denn das Ghetto kennt keine Aesthetik. Die tägliche Erfahrung lehrt i vielmehr, daß das religiöse Bewußtsein unserer Jugend, ihr entschiedener, starker ipositiver) Wille zum Judentum aus die werktätige Teilnahme an unserem Gottesdienste i n | seine r E i n f ach heit, seiner inneren Wahri heit und äußeren Schönheit gerichtet ist Damit ist olles gesagt, cs ist darnft gesagt: Ter denkende jüdische Mensch — das prophetische Judentum bekennend und den Schwerpunkt der Religion aus das Innere verlegend — wünscht eine fesselnde, ästhetisch packende, die Seele mit Himmclsgewolt ergreifende Liturgie: aus häusliche Z e r e m o u t c u jFc, gegeu legt er keinen Wert, j Ich habe die Stellung der Jugend zur zeremoniellen Reli-! ginn an einem markanten Beispiel in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" s. Z. nachgemiesen. Ein Jugendverein tmii Ansnähme der iveuigcn Zionisten natürlich) hatte die ihm angebotene Feier eines Sederobeuds abgelehnt, man bedenke: eines S c d e r a b e n d s, mit seiner cinzigartig-religivsen Romantik. In dem Ablehuungsschreiben heißt cs. „dast die i geplante Familienfeier, an sich ja ganz nett sei. daß sie aber den modernen, denkenden Menschen doch nicht zu sesteln ners möge". — Das Alte stürzt, die religiöse Entwicklung — das sehen wir deutlich — marschiert, naiu r notw c n big und nach ewigen Gesetzen! lieber die Köpfc hebräischer Alltag-Menschen und talmudgelehrtcr Rabbiner schreitet sie siegreich hinweg! So steigt zuletzt das Judentum der. Zukunft — dem Dogel Phöni»' gleich — aus seiner eigenen Asche zu neuem Leben verjüngt empor. Die nenreformierte Tempelgemeinde Gottes, sie wird, der religiöse» Entwicklung folgend, dazu gelangen, Zeremonien als das Reservat d e r S n n a g o g c zu betrachten snnd sic dort als „heilige Handlung" durch ihre Filuttivuäre vollziehen zu lassen), dem jüdischen Menschen selber aber das ihm für »ein Heim und sein Privatleben znstehcnde Recht aus sich selbst, das Recht auf die Gottesebcubildsichkeit seiner Seele, auf die individuelle Ucberzcugung seines Herzens znrückzngebeu: als Postulat der Freiheit, deren er würdig erscheint. Demgegenüber ^dringen die Fausareu von beivusttcn Hindernissen, die man der Jugend bereite, au mciu^Obr wie Töne aus einer anderen Welt. Traditionelle Tragik — wenn man io sagen darf —, das gesühlsmäßigc Tentci, einzelner Menschen izusolge ererbter Anlage der dritten Generation). wird hier der Gesamtheit verhängnisvoll. Zur zweiten Natur geworden, denkt und sehnt Gcnrnhnheik sich in jene Zeit zurück, „wo der Großvater die^ Grostmutten nahm", nnd fordert impulsiv religiöses Leben. Für sic kommt eben als „Religiosität" nur die laudsäusige Form von Frömmigkeit in Frage, die man wohl mit „Jüdischkcit" bezeichnet. Hier scheiden sich die Geister. Kövueu konservative Sentimentalitäten dieser Art, mit denen hier nnd da dem Einzelnen vielleicht gedient ist, auch für die Gemeinde und für die jüdische Gesamtheit von Nutzen sein? Ich glaube nein. Könne»! wir erziehliche Werte ans Observanzen schöpsen »»» all den Fällen, »vv kein Interesse reizt, »vv keine Freude rbinkt, wo nur die Aesthetik des Häßliche»» LiliUji? Oder »st — >rm nur ein Beispiel anzusührcn ~ das Anlegen der Tephillin ttrotz des ihm eigene» ethischen t^rundgedankens) schön zu nennen? Zeugt eine Vorschrift von Weisheit, die das Abnehincn der Kopfbedeckung — selbst in» geheizte»!. Raum — verbietet, während sic das Entblöße» des Arines beim Bete»» verlangt? Sind Händewaschen und Manzcmachcn ästhetisch von Wert'? lind ist das Benschen oder Tischgebet sgesonglich-sprachlich) schön z»l nenne»»? Hat die rauhe Ghettoerziehung, hat die hebräische Unuatur vergangener Tage denn bessere, von Herze»» bessere und also religiösere Menschen ausgestellt, als »vir dies heute vermögen? War's nur Liebe, rührselige Liebe, die icitc j uv gen Menschen dem Nuchstabenkultus gefügig »nachte? War es nicht eher Furcht vor Strafe und gespenstischer Schrecke»», brutaler Zwang und Bann? Und kann inan mit Hilfe von Kochrezeptei» die Jugend ethisch ersasten »volle», sic vor dem Abfall bewahren, sie sictlich-moralisch schützen? Ich habe ein Müttertein gekannt, Gott Hab' es selig, das war so fromm, daß cs vorlauter Frönnnigkeit gar >»icht »v»»stte, »vas es olles-tun ober nidjt tun sollte, nur mit die ll » z a h l vor» Geboten zu erfüllen. Eines Tages aber — fo wollte cs das Schicksal — mußten ihre Söbue über die Grenze flüchten. Sie hatten Wechsel gefälscht nnd wurden deshalb verfolgt. Und als nun ein Frcnikd der Familie das Mütterchen befitchte, um die Beküininerte aufzurichten, gab sie mit der ihr eigenen Selbstznfriedenheit zur Antwort: ,,D»» lieber Gott» s'haben wenigstens nit Trepho gegessen!" — Und noch ein ziveites, tiefcrgreisendcs Bild von nicht geringerer Tragik. Es »var am Grabe eines Talmudisten. Er »rar Hebraikcr par exeejlence, von streng religiösester Richtung. sDurch eine hebräische Lesefibel, die er verfaßt hatte, hoffte er den Weg selbst zürn Herzen der Kleinen zu finden.) Und dieser Manu »nutzte es erleben, daß seine eigenen Kinder ih»» nicht verstanden, dierveil er f i.eb.»Attrht verstanden hatte, so daß sie — wenn auch mit weltlicher Vorteile willen — die Taufe nalnncn. Ta brach das Herz^des alten Vaters jäh entzwei. Und als mnt der Sarg in die Erde gebettet und die letzten Schollen hinabgerollt waren, trat der eine Sohn noch einmal vor, »nt zum Erstaunen aller und zu. ihrer Bestürzung zugleich aits einer: Tephillo» die er in den zitternden Händen hielt, das Kaddischgebct zu sprechen. Mau sitchte ihn daran zu hindern, doch hielt er stand und sagte cs wohlvernehmbar — rvemr auch mit ersiickter Stimme — zu Ende. Und eine Träne rollte »Hut über die Wange. Wir fragen mui aber: War cs das Elter»Hans, das in den angegebenen Fällen das jüdische Kind nicht zur Religiosität erziehen wollte? Wer» klagen mir an. wen machen wir verantwortlich? — Wie gegen das Zeremonialgerctz alten Gepräges, in dc»n ich die Berflüchtung und Ailflösnng der Religion erbiicke, so hege ich als liberaler Lehrer auch gegen den Gebrauch der Ndischer Wandervogel Allge't, letichtend nur Land'-chasr, Spiegeln Weite der Wege. Himmel und Erde schweben gesgngcn In schimmernder Iris. Federnde Festellk, geschnellt, Jagen jubelnde Spiele^ Anspringenhängenden.Hpriznnt. Vom Erdboden Ihn zu trennen. Ghettobefreit, naturumbrandei. Aus Thorotiefe. schicksalhaft, Zu neucnt Leben landet Jüdische Kraft. Ella van t$ 1 c c s. DerrheinischeRäuberhauplmLnnGchinderhannes und die Juden! Knltnrhistorische Pla«de»>ei von Otto L ch iv e r i n. i Schluß.! Tie geraul'tcn Geldbeträge verpraßte Schinderbanu.'S :ntt deinen Kumpanen und GeliebLen in kürzester Zeit. Wertgegenstände „verkaufte" er. und zwar vorzu.;s»vene auch an Juden, denen er aber o»t bczeichncndcriveise den .Kaufpreis «orschrieb. Eirt Handelsmann uovicns Bär in Nkerksbeirn bei Meisenheim kaufte Schindcrhanncs häufiger, melle der Not als de»n cigeuen Triebe folgend, gestohlene Waren i ab. Da sich Schiuderhannes bei feinen häufigen Be- J suchen jedcsinal erst recht ausgiebig bewirten ließ und; dann leinein Akne hm er Bär Preise vorichricb. die in gor keinem Verhältnis z»t dem »virtlichen Wert der? Waren standen, io »vurdc der Besuch des gefährlichen Bursche»! non der ,Familie des gepeinigten Juden stets mit recht gemischten Gefühlen begrüßt. Eines Tages brachte Bär den Mitt auf. den Ankauf eines Postens gestohlenen Gutes zu verweigern. In der Nacht vom 28. zum Januar zog- SchinderhanneS mit drei Genofien nach Merksheim u»»d wurde ohne Schivieriglcit von der aus iech» Mann bestechenden Bürgerwache eingelaffen. Bär wurde durch Kolbenschlägc an Tür und Fensterläden geiveckt, und als er sich weigerte, zu ö»fiten, ließ Schinderhann.es das Parterrefevster erbrechen und Bär festnehmeit. Der ungefähr vierzigjährige Man»» »var lein Feigling, und »vehrtc sich verzweifelt. Er lonnke aber gcgerr die bis an die Zähne bewafsutten Räuber »tanirlich uiüjts ousrichteu und »vurde io lanee »nißbandelt. bis er vhunrächtiq liegen llieb. Die Hilie. rufe Bärs und seiner Familie wecltert zwar, das ganze Tors aus »einer Nachtruhe, aber feiner wogte es. Schinderhannes enrgegenzutreten. um io »nehr, als man eines Juden wegen »ein eigenes Leben und Eigentum »licht riskieren mottle. Nachdem die Räuber Bärs Haus ausgeplündert und Merksbeiin vcrlasteir hatten, lä.'tte»e »nan zwar die Sturrnglocken und »nachte sich an die Verfolgung. aber natürlich ohne jeden greitbaren Erfolg. Jacob Bär bezifferte den ihm crivachfenen Schaden wie folgt: Sechs silberne Becher, vier silberne Schnallen, zwei wertvolle Agraffen »nit Steinen, fünf goldene Ringe, eine sill erne. Taschenuhr, zivei Kolliers, ein Paar goldcrie Ohrringe und für viele hundert Gulden Schrlitttvareu. Außerdem nahmen die Räuber an Bargeld mit dreißig Louisdor und 300 Gulden iit Silber. Im vorliegende»» Falle griff die Behörde auf An zeige Bars einmal tatkräftig zu und verhaftete einen ehemalige.»» Rentmeister namens Schüler und sechs weitere Verdächtige, die ins Gefängnis nach Birkcnfeld über« geführt wurden. Schüler wurde zur Last gelegt, der spintus rector des Raubes zu sei»»: tatsächlich hatte sich Sll-stler an Schinderhanrres geivandt. >m »hin diesen gitten „Mastcmattcn" zu „verzinken". Aus Mange! air Beiveisen »nrttztcn sämtliche Beschuldigte jedoch frei* gesprochen werden, erst anläßlich der Gcrichtsnerhaudlung in Mainz gestand Lchinderha»,,»es die Mitarbeit des Schüler ein. Ob nachträglich eit» ziveikes Mal Anklage gegen Schüler und Genosten erhoben wurde, entzieht sich vnierer Kenntn'»?. Die Furcht vor dem Räuber war damals io groß, daß es ein Bandit mir drei Genosten wagen lonirtc. ein ganzes Dorf in Schach zu halten. Man fragt sich heute erstaunt, auf 'welche Gründe die Feigheit der Bevölkerung, und zrvar nicht nur der Jude»», zurückzuführen ist. Um io wehr, als weder Schinderhannes noch das Gros feiner Gcnoste.lt allzumuttge Leute gewesen firtd. Weirn ihnen, was ab »»nd zu schon ein- »nal vorgekoutrnen ist. crnschast entgegengetreten »vurde. so ließeit sic cs aus etrtcu ungleichen Kaivps niemals ankomnten nnd gaben Fer»e»tgeld. Der Maire von Staudernheim, namens Bill, ein ent- »chlostener. »nrrtiger, Mann, hatte Schmüerhonnes schon langc Rache geschworen. In der Nacht vom 1b. zum >7. September des Jahres 1801 schlich sich Schi»iderha»,ues mit vier Räubern in das Haus des Jude» Scckcl Löw in Staudernheim und riß den allen Mann mit »einem Sohn aus dem Schlaf. Löw ba». ihn am Leben zu laste'.» und alles z,l nehinen. was vorhanden »var. Der Sohn ergriff die Flucht und wurde durch einen nachgesaudtert Pistolenschuß verletzt. Sein Hilseruseu »vccktc den Maire, der in Uvterkleidern aus die Straße lies »nid die Bürgerschaft weckte. Die Bauern bervafsuetcn sich und verjagten dir Räuber. Heinrich Will, der Sohn des Bürger- »neisters, leitete, die Versolguug. Der »noralirche Eirtdruck dieses ^Sieges" »var groß, denn das tapfere Verhalten der Stauderuheiiner beruies die Feigheit des Räubergestndels, das es denn auch vorzog. die Gegend zu verkästen und die rechte Rheinicitc mit fcirrcr Anwesenheit zu ..beglücken". Die Räuber lehrte»» aber bald wieder nach dein frühercn Schauplatz ihrer Gewaltiaie'u zurück. Schinderhannes verstand es gerade zur damaligen Zeit, die Angst und das Entsetzen, das von ihm altsgiug. üt seurem Interesse ausziinützeu. Er gab Proklamatioucu heraus und stellte gegen gutes Geld Gelcitbriefe und Freischeine aus. Aber auch die Regierung ldic sranzösischc) cittiitidcUc setzt auch eine bisher noch nicht gekannte Tatkraft, vor allen» »varcn cs der Rcgternisgstoinmistar Jollivet und die Untcrpräsektcn Theremin in Birkeuseld, Vaurceum in Zimmerrr und Peterscn in Kaiserslaittcri». die Schinderhannes arg.zu schaffen machten. Es gelang auch, eineu Teil der Räuber fcstzufetzen, aber Schinderhauucs selbst wurde nicht geiaht. Glückte cs den Bohördcn »virklich. Bückler zu verhaften, io konnte ichon im vvrans damit gerechnet werden, daß Schinderhauncs eine Möglichkeit zur Euttucichnlig fand. Der ain W. Dezember 1801 zn»n Gcneraltomluistar er- »anute rührige und tatk»:äftige Jcanbon-'St. Andre faßte her Antritt seiner Rcgierungstätigkcit de»» Entschluß, de'.n Räuberumvesen endlich den Garaus zu »»»achcn. Er belcgto die bekannten Schlupstvinkel Bücklers mit größeren M.Iitärpvsten, ließ Streife»» zur Festuahnre Bücklers und »einer ksie- »ellen organisieren und setzte »ich auch »nit den rechtsrheinischen deutscher» Behörden ins Benchrncn. denen es auch schließlich gelang. Schinde»Hannes zur Strecke zu bringen, lieber die endliche Verhaftung Bücklers kursieren verschiedene, sich völlig widersprechende Versionen. Die rvahrscheinlichste dürste die »um Rauchhaupt wiedergeacbene sein, der »vir nachstehend in großen Zügen auch folgen »vollen. Der denkwürdige Tag. der den Untaten dieses gefährlichen Räubers ein Ziel setzte, war der 01. Mai »des Jahres 1802. In Limburg an der Lah»t faß der Anttspernmlker Fuchs, ein außerordentlich rühriger Beamter iir kurtricr'.» schcn Tienstcn. An der Spitze eines militärischen Strcifkorp»