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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-05-28 · 22 (28.5.1926) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
22 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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_ Aeibev gegnerischer Parteien Wahlergebnis bildet — das W die eyrüche Ueberzeugung, die wir aus unserer statistischen Betrachtung nntnehmen können — keinerlei Anlaß zur Entmutigung für dre Liberalen. Etwas günstigere zeitliche Verhältnisse, so -aß nicht 3000 biS 4000 Wähler im Bade wellen, und eine einigermaßen intensive Vereinsarbeit, die -re weniger informierten Wählerkreise aufklärt und heranzreyt: und die Vorbedingungen für die Wiedergewinnung öek absoluten Mehrheit der Liberalen in der Berliner Gemeinde fmb erfüllt. Vielleicht wird die Probe aufs Exempel früher gemacht werden als so mancher ahnt. — Aus den Gemeinden ™ erechtlgte Zurückweisung.) Die am l,1926 tagende Mitgliederversammlung des „Vereins ^lbitanöiger Handwerker jüdischen Glaubens zu Berlin billigt das Verhalten ihrer Führer und der Mitglieder im Wahlkamps .und spricht den Kollegen Marcus und Wolfs den Dank für die bisherige Tätigtet in der Repräsentantenversammlung aus. Die Versammlung weist noch mit besonderem Nachdruck die von der Jüdischen Bolkspartei. insbesondere den Herren Dr. Klee und Karesli. gegen die Führer ihrer Bewegung gemachten Verleumderischen Angrifse zurück und steht geschlossen hinter dreien. Berlin. (Jubiläumsfeier des H i l f s v e r e i n s.) Der Jubiläumsfeier des Hilfsvereins der Deutschen Juden, am 16. Mai, ging die ordentliche Generalversammlung des Hilfsvereins voraus, in der der Vorsitzende. Herr Dr. James Simon den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Hilfsvereins im Jahre 1925 erstattete. Die Tätigkeit des Hilfsvereins im Jahre 1925 galt in der Hauptsache der Fürsorge für Auswanderer, für ukrainische Waisenkinder und für osteuropäische Studierende, die deutsche Bildungsanstalten besuchten. Die Arbeit hat sich dank erhöhten Eingängen in erweitertem Umfange vollzogen. Die Mitgliedsbeiträge, einmaligen Beiträge, Subventionen und diverse Einnahmen betrugen insgesamt rund 204 000 Mark. Die Gesamtausgaben für Zwecke der Auswanderung betrugen im Jahre 1925 82 000 Mark. Dank größeren Zuwendungen seitens des Joint und der Jca sowie Beiträgen von deutsch-jüdischen Organisationen konnte das Hilfswerk .für die notleidenden jüdischen Studenten aus dem Osten erweitert werden. Es wurden insgesamt 44 302.75 Mark dem Verband der jüdischen Studentenvereine in Deutschland zugeführt, der diese Gelder in der Hauptsache Studenten und Studentinnen zukommen ließ, die ibr Studium im Jahre 1925 abichlicßen konnten oder in höheren Semestern standen und einem baldigen Abschluß ihres Studiums entgegensetzen können. Für die ukrainischen Waisenkinder, die unter der Obhut des Hilfsvereins in Deutschland ausgebildet werden, sind 27 685 Mark ausgegeben worden. Die Gesamtausgaben betrugen 212 000 Mark. Der Bericht des Vorsitzenden, sowie die Ausführungen des Schatzmeisters. Herrn Direktor Joachimssohn, wurden genehmigt. Dem geschäftsführenücn Ausschuß und dem Schatzmeister wurde Entlastung erteilt. Die Versammlung erhob sich zur Ehrung des Vorstandes. Herr Generalkonsul Engen Landau, stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereins und einer der Gründer desselben. regte an. daß eine Aktion eingeleitet werde, um die zusammengeschrnolzenen Fonds wieder aufzufüllen. und daß unter Hinweis auf die Leistungen des Hilfsvereins und die Einbußen, zu denen die Kriegsfolgcn geführt haben, an die Mitglieder herangetreten werde. Der Redner stellte den Antrag, schon heute zu beschließen, einen derartigen Fonds, wenn die Verhältnisse es irgend gestatten, zu schaffen. Die Shrrsammluna beschließt, daß die Anregung des Herrn Generalkonsul Landau bald verwirklicht werden möge. Berlin. (D r. S i m ch o n i g e st o r b e n.s An den Folgen einer Operation verstarb am 21. Mai in Berlin in der Vollkraft feines Schaffens Dr. I. N. Simchoui. einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten unserer Zeit. Dr. Simchoui ist 1884 in Slutzk (Weißrußland) geboren, er entstammt einer Familie von bekannten rabbinischen Gelehrten. Nachdem er sich in seiner Heimat ein großes jüdisches Wissen angeeiguet hat. studierte er in Leipzig und Berlin als Schüler von Sachau. Delitzsch und Eduard Meyer. Es erregte Aufsehen, als er während des Krieges als Ausländer in Anbetracht seiner wertvollen Dissertation über die „Arabischen Quellen zur Geschichte der Chazaren" zur Promotion zugelasseu wurde. — Seine unermüdliche Arbeitskraft und sein vielseitiges Wissen hat Dr. Simchoni in den letzten Jahren ganz in den Dienst der jüdischen Wissenschaft gestellt. Er veröffentlichte eine mustergültige hebräische Ilebersetzung des .jüdischen Krieges" von Flavius Josephus, schrieb ein „Handbuch der jüdischen Geschichte" in hebräischer Sprache und mar' ftätt&i&er Mitarbeiter der hebräische« Bierteljahresschrift „Hatekufah". In den letzten zwei Jahren widmete sich der Verstorbene ausschließlich der Vorbereitung der Herausgabe der großen „Enzyklopädie des Judentums": er war Mitglied der Zentralredaktion der Enzyklopädie und außerdem Redakteur für das Gebiet „Alte Geschichte bis zum Abschluß deS Talmuds". Berlin. (Gedächtnisfeier für James Israel.) Am 6. Juni wird im Langenbeck-Haus eine Gedächtnisfeier für den vor kurzem in Berlin verstorbenen Professor James Israel, der in der medizinischen Welt als der .Bater der modernen Nierenchirurgie" angesprochen wird, veranstaltet. Die Professoren Posner und Fr. KrauS iverden die Gedenkreden halten und der berühmte Dirigent Siegfried Ochs die musikalischen Darbietungen leiten. Die Redner werden vor der Trauerversammlung ein Bild des großen Menschen und großen Gelehrten James Israels zeichnen, des berühmten Schülers Bernhard v. Langenbecks, der die moderne Chirurgie begründet hat. Berlin. (Einführung von Rabbiner Dr. W i e n e r.) Die Amtseinführung des bisherigen Stettiner Rabbiners Dr. Max Wiener in Berlin hat am Schowuausfeste stattgesunden. Dr. Wiener wurde von den Rabbinern Dr. Baeck, Dr. Bergmann und Dr. Galliner zur Uebernahme seines Amtes in die Synagoge geleitet, ihnen schlosien sich vom Gemeindevorstand die Herren Kleemann, Goldschmidt und Fuchs an. Die meisten der Gemeinderepräsentanten waren unter Führung des Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung R.-A. Stern erschienen. Außerdem bemerkte man eine Reibe der führenden Persönlichkeiten des jüdischen Berlin. Direktor Kleemann begrüßte Dr. Wiener mit herzlichen Worten. Dr. Wiener sprach den Wunsch aus, daß das belehrende Wort willige Hörer sinden möge. Seine Antrittspredigt war dem Problem der Gewinnung der Indifferenzen in der Millionenstadt und der Notwendigkeit gewidmet. den Träger des jüdisch-geistigen und jüdisch-religiösen Gedankens, nämlich die jüdische Gemeinschaft, wo auch immer auf der Erde sie ansässig sei, dnrch wohlverstandene sozialpolitische Maßnahmen stark und frei zu erhalten, um die Erhaltung und Entwicklung der jüdisch-religiösen Idee zu sichern. Dr. Max Wiener, in Oppeln geboren, ist Absolvent der Berliner Hockschule für die Wissenschaft des Judentums. Er war zunächst in Düsseldorf als zweiter Rabbiner tätig, ehe er das Stettiner Rabbinat übernahm. Während der Abwesenheit des nach Amerika berufenen Pros. Dr. Gutmann vertrat er diesen an der Hochschule, wo er Vorlesungen über jüdische Religionsphilosophie hielt. Dr. Wiener gehört auf pädagogischem Gebiet zu öeu fortgeschrittenen Schulrefvrmern. Wie der JTA.-Bertreter erfährt, wird er noch im Juni km Bunde fortgeschrittener Schulreformer in Berlin über das palästinensische Schulwerk berichten, das er auf einer Palästina-Reise im vorigen Jahre studiert Hai. Breslau. (Bezirsverbandsragung.) Am 13. d. M. fand in Breslau, wie wir schon mitgeteilt hatten, die 29. Hauptversammluna des Verbandes der Synagogengemcinden in den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz statt, die von den Gemeiudevertreteru aus Breslau und aus der Provinz zahlreich besucht ivar. Oberschlesien war nicht vertreten, weil sein Delegierter. Rabbiner Dr. Brannschweiger-Oppeln. erkrankt war. Einige Ausschußmitglieöer fehlten. weil sie zu einer Sitzung des großen Rats der Preußischen Lanöesversammlung in Berlin weilten. Der Vorsitzende. Justizrat Hirschberg-Breslau, bat in seinen Eröffnungsworien. alle Wünsche zu äußern, die die Vertreter auf dem Herzen hätten. Am Tage darauf wären die Provinzialvertretcr in Berlin zusammen,- dorthin wollte er die Wünsche weiterleiten. Die Verhandlungen gruppierten sich um drei Hauptthemen: 1. das Verhältnis der einzelnen Gemeinden zum Bezirksoerbande und zur Preußischen Landesversammlung: 2. di: Wanderfürsorge:' 3. der Stand des Religionsunterrichts in den Berbandsgemeinden. Zu Punkt 1 gelangte ein Antrag Kalisch-Gins-Hirsch zur Annahme, welcher lautet: Die Hauptversammlung beschließt mit Rücksicht darauf, daß die vom Landesverbände für das Jahr 1925 beschlossenen Zuschüffe erkennen lassen, daß die vom Landesverband hierbei befolgten Grundsätze der Billigkeit und den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechen, weil diese dem Landesverband nicht genügend bekannt sind, folgende Anträge beim Landesverband zu stellen, mit der Bitte, diese zum Beschluß zu erheben: 1. Die Provinzialverbäude sind vom Landesverband als seine Unterorgane für die Bewilliguna von Unterstützungen an einzelne Gemeinden cmznerkennen. und zwar in dem Sinne, daß in Provinzen, in denen ein Gemeindeverband besteht, die einzelnen Gemeinden Gesuche um Unterstützungen nur dnrch diese Verbände beim Landesverband stellen dürfen. 2. Gemeinden, welche Unterstützungen vom Landesverband beanspruchen, sind verpflichtet. dem Provinzialverband ihres Bezirkes genaue Aufklärung über ihren Etat und ihre Steuerveranlagung zu geben. Ohne Erfüllung dieser Verpflichtung darf eine Unterstützun« nicht bewilligt werden. 3. Der Provinzialverband hat als-^ - dann jedes Gesuch mit einem Bericht über das Ergebnis seiner Ermittelungen dem Landesverband mit möglichstem Beschleunigung zu übersenden. 4. Sofern der Provinzialverband einzelnen Gemeinden Unterstützungen gewährt, gelte» diese als Vorschußzahlungen aus etwaige vom Landesverband -xx betreffenden Gemeinde in dem Etatsjahr bewilligte Zuschüsse und sirrö aus diesen dem Provinzialverband vorweg zu erstatten und direkt vom Landesverbände an den Provinzialverband auszuzahlen. Zur Wanderarmenfürsorge-Frage wurde nach einem Referat des Leiters der Breslauer jüdischen Arbeiterfürsorgestelle folgende Entschließung angenommen: Die jüdische Arbeiterfürsorge Breslau, die als Provinzialkasse für Wanderfürsorge ausgebaut ist, ist auch im laufenden Jahre im weitesten Maße von den Gemeinden zu stützen und zu fördern. Die Gründung des Arbeitsnachweises der jüdischen Organisationen Schlesiens ist zu begrüßen und in gleicher Weise zn fördern. Es wird die Errichtung von Arbeitsstätten für Wanderarme den genannten Organisationen empfohlen. Die Gemeinden erhalten seitens der Zentrale in kurzen Zeiträumen Berichte über die Unterstützten mit Namen und Summe. Der Zentrale ist umgekehrt seitens der Gemeinden dasselbe mitzuteilen, auch wenn keine Durchwanderung stattfand. — Ueber den Standes Religionsunterrichts berichtete der Verbandslehrer Czollack an der Hand der beantworteten Fragebogen und seiner persönlichen Erfahrungen. Er bitter die Gemeinden, häufiger Wünsche an den Ausschuß gelangen zu lassen. Es sei schon vorgekommen, daß Gottesdienste abgelehnt worden sind. Im Anschluß daran bittet der Vorsitzende des jüdischen Lehrervereins in Schlesien, dafür Sorge tragen zu wollen, daß nur entsprechend vorgebildete Beamte in den Gemeinden, beschäftigt würden. Der Vorsitzende dankte dem Verbandslohrer dafür, daß er feine ganze Kraft einsetzc, um die Aufgaben des Verbandes zu erfüllen. — Ein gemeinsames Frühstück beschloß die Tagung. Breslau« kJ u d e n t u m und F e u e r b e st a 1 t u n g.) Anfang April d. I. ist hier das städtische Krematorium eröffnet worden. Weil sich dadurch die Zahl der Feuerbestattungen voraussichtlich erheblich vermehren wird, ist die hiesige Gemeinde darangeganqen, auf dem Friedhof Cosel ein Urnenfeld zu errichten. Bisher war es hier üblich, die Urnen in einen großen Sarg zu legen und diesen in der Erde beizusetzen. Die Benutzung des nenerrichteten Urnenseldes soll durch ein Statut geregelt werden. Die liberale Fraktion der Gemeindevertretung l)at dafür folgende Vorschlüge gemacht: 1. Tie Beisetzuna kann aus dem Urnenfriedhof ober- oder unterirdisch erfolgen. 2. Die Beisetzung kann unterirdisch auf jeder Grabstelle -der Heiden Friedhöfe vorgenommen werden. 3. Die Benutzung der Eingänge und Räume kann bei Aschenbcstattung in genau gleicher Weise wie bei Erdbestattung geschehen. 4. Die Mitwirkung der an sich bereiten Rabbiner und Kantoren darf weder bei der Feuerbestattung, noch bei der Beisetzung der Urnen eingeengt werden. Burg. (G e m e i n dev o rst eh e r Zweig gestorben.) Am 21. Mai 1926 verschied der erste Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Burg b. Magdeburg, Stadtrat und Handelsgerichtsrat Alfred Zweig. Zweig, der auch im Wirtschaftsleben eine führende Rolle gespielt hat, hat allezeit indischen Fragen reges Interesse entgegengebracht. Er gehörte feit beinahe 25 Jahren dem Gemeinde Vorstand an. Kallies. IG e r e ch t e Straf e.) Wie erinnerlich, wurden am ersten Ostertag zwischen 4 und 5 Uhr morgens auf dem jüdischen Friedhose in Kallies l Pommern) mehrere Grabdenkmäler zerstört und die Trümmer über den ganzen Friedhof verstreut. Bruchstücke waren sogar bis außerhalb des Friedhofes verschleppt worden. Das Zerstörungswerk wurde sogar an den Erdhügeln fortgesetzt. Als her Täter wurde einige Tage später der 21jährige Musikschüler WM« Fritz aus Kallies, ein prominentes Mitglied des örtWM,. Stahlhelmbundes, verhaftet. Fritz gestand die Tat ein wurde nach der richterlichen Vernehmung auf freien Fuß gesetzt. — Gestern nun hatte fick Willi Fritz vor dom Schöffengericht in Stargard unter der Anklage der Grabschändung zu verantworten. Der Angeklagte erschien in der Stahlhelm-Uniform vor Gericht. Er versuchte anfänglich, sein Geständnis vor dem Untersuchungsrichter zu widerrufen. als man ihn aber seiner Tat überführte, gab er jedes Leugnen auf. — Der Staatsanwalt beantragte zwei Monate Gefängnis. doch ging das Gerächt noch über diesen Antrag hinaus und verurteilte Willi Fritz zu vier Monaten Gefängnis unter Mlohnuna der Strafaussetzung. Königsberg. iN o r 5 o st d e u t s ch e r N a b b i n e r v e r - band.) Am 13.Mai fand in Königsberg eine Konferenz des Nordostdeutschen Rabbinerverbandes statt. Der Vorsitzende Rabbiner Dr. Jakobovits-Königsberg. eröffnete die Tagung mit einem warm empfundenen Nachruf auf das verstorbene Mitglied Rabbiner Dr. Kaelter-Danzig. Die Beratungen galten ausschließlich den religiösen Angelegenheiten Ostbaben Tracht Prügel rechnen, wenn ihm nicht gar einige Zoll kaltes Eisen in die "Rippen gestoßen wurden. Es dürfte von Interesse sein und auch in den Rahmen unserer Ausführungen passen, nachstehend einige aktenmäßig überlieferte Taten Bücklers in knappen Sätzen anzuführen, wobei wir uns ausschließlich auf Zusammenstöße mit Juden beschränken wollen. Wir beginnen mit dem ersten aktenuräßig bekannten Fall, in dem Bückler nicht der Haupttäter war, ater als Mithelfer in Frage kam. Es handelt sich um den Mord an dem Viehhändler Simon Seligmann aus Seibersbach. Im Herbst des Jahres 1798 veranstaltete der Räuber Peter Petri, der schwarze Peter genannt, eine Familienfestlichkeit. der Schinöerhannes und seine Kumpane beiwohnten. Einer der Räuber, Iltis-Jacob, hatte seine hübsche Frau bei sich, die mit Petri zurückblieb und von dem zufällig des Weges kommenden Viehhändler Simon Seligmann aus Seibersbach im zärtlichen tete-a-tete überrascht wurde. Seligmann beging die Dummheit, die Sache dem Iltis-Jacob zu verraten, der in höchster Wut zurückrannte, die ungetreue Ehefrau aus Petris Armen riß und erdrosselte. Einige Wochen später saß Peter mit Schinderhannes in einer Dorfwirtschaft. Peter harte scharf getrunken und war im Rausch unberechenbar. In diesem Augenblick ging draußen Seligmann mit einer Kuh vorüber, und die Wut übcrmcmntc Peter beim Anblick dieses verhaßten Inden, dessen Klatscherei er ihm nicht vergcsien hatte. Er forderte Schinderhannes ans. ihm zu folgen, und die beiden Räuber stürzten laut schreiend dem armen Teufel nach, der zwar die Flucht ergriff, aber nach kurzer Zeit eingeholt wurde. Sein Körper wurde in geradezu sinnloser Weise mit Messerstichen bedeckt, und ausgcplündert. In späteren Jahren, als Bückler eine eigene Bande zusammenstellte. ließ er sich im allgemeinen auf Bluttaten nicht gern ein. Er hatte in der ganzen Gegend seine Späher sitzen, die ihn aufs genaueste informierten, wo bei einem Juden Geld oder Schmuckgegenstände zu holen waren. Schinder- Hannes zog dann mit acht bis zwölf Komplizen vor das ihm bezeichnete Haus und forderte den Bewohner auf (ob Jude oder Christ, war ihm in vielen Fällen gleichgültig), eine näherbezeichnete Geldsumme abzuladen. Fügte sich der Betreffende, so zog die Bande (meist ungehindert) ab. Gewalttaten kamen nur dann vor, wenn Widerstand geleistet wurde. Eine Tages traf Schinderhannes in Begleitung seines Kumpanes Benzel auf der Landstraße nach Sobernheim den Handelsmann Samuel Levi. Levi war beritten und hatte einen Mantelsack hinter sich aufs Pferd geschnallt. Schinderhannes verlangte von Levi brüsk die Herausgabe seines Geldes, und als dieser sich weigerte, wurde er vom Pferde gerissen, am Boden sestgehalten und bis auf den letzten Heller ausgeraubt. Da Levi mutig die beiden Banditen verfolgte, wurde er von Schinderhannes vom Pferde geschossen. Die Uebersälle. Plünderungen und Erpressungen nahmen einen derartigen Umfang an, daß die armen Juden ihres Lebens nicht mehr froh wurden und sich vor allem tm Gebiet des Hunsrücks nicht mehr allein über Land wagen kannten. Se reisten entweder in größeren Trupps oder unter militärischer Bewachung. Schinderhannes, der, wie die meisten Straßenränber, in Wirklichkeit ein feiger Geselle war und jede wirkliche Gefahr immer zu vermeiden juchrc. ließ einen solchen militärisch gesicherten Zug ruhig passieren, denn den Kugeln der Militärgewehre setzte er sich nicht gern aus, vor allem suchte er Zusammenstöße mit französischem Militär klug zu vermeiden. Besonders fürchtete er die relativ gut organisierte französische Gendarmerie, die ihm arg zu schaffen machte und ihn zwang, häufiger als ihm lieb war, sich auf rechtsrheinisch"«! Gebiet in Sicherheit zu bringen. Trotzdem riskierte er häufig genug auch Ueberfälle aus größere Trupps von aus Jahrmärkten heimkchrenden Juden. Er spekulierte, und nicht zu unrecht, auf die Furcht, die von seinem Namen ausgiug, und die tatsächlich bestehende Feigheit der jüdischen Handelsleute. Ferner wußte er zu genau, daß die christlichen Händler, die mitunter die Juden begleiteten, noch keinen Finger krumm machten, um ihr kostbares Leben für jüdische Interessen zu riskieren. Schir derhannes war denn auch immer Diplomat genug, die christlichen Händler unbehelligt zu lassen und sich an den Juden schadlos zu halten. Einer seiner bekanntesten Streiche war folgender: Am Nachmittag des Kreuznacher Marktes wartete er mit zwei Getreuen auf einem Felsen, der oberhalb eines Hohlwegs log, und entdeckte dnrch sein Fernrohr einen Trupp von ungefähr 30 heimkehrenden Juden, die in Begleitung von fünf Bquern reisten. Schinderhannes hielt den Zna am,, während seine Begleiter die Büchsen schutzfertig machten. Er durchsuchte persönlich sämtliche jüdische Händler, nahm ihnen die Geldbeutel ab und gab einem alten Juden Moyse Jacob aus Meisenheim seine geladene Büchse zum Halten. Die Bauern standen mit schadenfrohen Mienen dabei, wie die Juden wehklagend ihre Barschaft. Uhren und Ringe abliefcrn mußten, und machten Schinderhannes noch durch Gesten auf jüdische Händler aufmerksam, die einen Teil ihres Geldes an nicht leicht zugänglichen Körper- und Kleiderftellen versteckt oder eingenäht hatten. Zum Schluß zwang Schinderhannes die armen Ausgeplünüerten, ihre Schuhe und Stiefel auszuziehen und auf einen Haufen zu werfen. Er freute sich königlich, wie die von ihm Gebranüschatzten beim eiligen Zusammensuchcu sich um ihre Bekleidungsstücke stritten. Im Mai 1900 reiste eine größere Gesellschast. aus Juden und Christen bestehend, von Wolfersweiler nach Birkcnfcld. Unterwegs wurden sie von Schinderhannes und vier Genossen angehalten, mit Kugeln und Schrot beschossen und nach teilweise schweren Mißhandlungen bis anfs Hemd ausgeplündert. Bücklers Bande erhielt um die Jahrhundertwende von lichtscheuen Elementen derartigen Zuzug, daß selbst die Departements der Saar heimgesucht werden konnten. In vielen Orten sandten die Juden richtiggehende Abordnungen an Schinderhannes. um sich gewissermaßen loszukaufen. Auf der anderen Seite ging die Frechheit des Banditen so weit, daß er durch Boten Juden, die sich gegen seine ungeschriebenen Gesetze wiederholt vergangen hatten, zu sich befehlen ließ. In Sobernheim wohnte ein reicher Handelsmann namens Isaak Herz, der es sich leisten konnte. Gendarmen zu seiner Begleitung zu engagieren. Schinder- Hannes ließ den Herz schriftlich auffordern, zu einer genau bestimmten Zeit nach Meddersheim in das Haus eines gewissen Hexamer zu kommen. Herz hielt es für gut und angebracht, dieser „Bitte" pünktlichst Folge zu leisten. Eine bewaffnete' Schildmache führte ihn vor 'den Ränber. der den vor Angst zitternden Herz bereits mit seiner Geliebten erwartete unwütend anfauchte: „Du Lump läßt Dich auf Deinen Geschäftsgängen von Gendarmen begleiten'? Ich fordere Dich auf, dies für die Folge zu Unterlasten, da ich Dich sonst mitten aus Deiner Bewachung heraus niederknalle." Herz entschuldigte sich und wurde „gnädigst" entlasten, nachdem er sechs Kronentaler Strafe bezahlt hatte. •, (Schluß folötf

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