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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-05-28 · 22 (28.5.1926) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
22 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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yreußens. Die Absicht LeS SynagogenverbanbeS. der Lnreguna des Rabbtnerveübandes zu folgen und Gchächtkurfe für die km Amt befindlichen Schächter ctnzurichten, wurde freudig begrüßt. Diese Kurse sollen zweimal jährlich stattfinden und auch die Frage des SchüchtschutzeS behandeln. Bo» einigen anderen Verbesserungen hinsichtlich der Gchechita wurde gern Kenntnis genommen. Der Bildung von Bezirksrabbinaten. wie sie der allgemeine Rabbinerverband auf seiner letzten Tagung in Hannover gewürücht hat, wurde grundsätzlich zugestimmt. Die immer wiederholte Forderung der Mrbbiner betreffs Teilnahme an den Sitzungen des Vorstandes soll nach den Beschlüssen des Allgemeinen Rabbinervcrbandes durch gesetzliche Regelung erstrebt werden. Es wird daher zur Zeit non jeder EinzelaMon abgesehen. Leipzig. (H a n d w e r k e r t a g u n g.) Der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands lSitz Berlins hält, wie schon mitgeteilt, am 30 und 31. Mai 1620 in Leipzig seinen 7. ordentlichen Vcrbandstag ab. Derselbe wird durch eine Festsitzung im Krystallpalast, zu welclur die kommunalen Be«? liöröen. die Gewerbekammer und alle anderen in Betracht kommenden Organisationen eingeladen sind. eingeleitet werden. Hieran schließt sich die eigentliche Arbeitssibung an. deren Mittelpunkt zwei Referate über »Die Erziehung zum Handwerk" bilden werden, lieber den Verlauf dieser Tagung, die für den gesamreu deutschen Handwerkerstand von großer Bedeutung ist. werden mir berichten. Kreuzworträtsel. 9 10 11 16 17 18!9 30 31 33 31 35 43 14 r: -.i ■i V; i- Die. Worte bedeuten: 1. W ag e rech t gelesen: i. Bruder AbraHams; 3. Borfahr) 5. jüdische Bezeichnung für „Herr") 8. Beinahme der Mutter Goethes) 0. israelitischer Stamm) 12. Prophet) 13. „Scheidung" auf hebräisch) 15. nichts Ganzes) 16. der erste, der ans seinem Heim vertrieben wurde) 19. „wir" ans hebräisch) 20. Nord- und Südpunkt der Erde) 22. Stadt in Mesopotamien) 23. der von einem Fisch verschluckte Prophet) 23. hebräischer Monatsname; 26. eine der ältesten babylonischen Dädte) 27. Stabt in Lettland) 28. starker Strick) 29. eine lui ihre Neugier schwer bestrafte Frau) 32. unpersönliches Fürwort) 33. „ich" auf hebräisch) 36. Körperteil) 38. Gebirge in Sibirien) 39. Sohn Noahs) 40. Buchstabe des hebräischen Alphabets) 42. König des israelitischen Nordreiches) 43. Artikel) 45. Stadt in Italien) 47. was keiner sein will und jeder doch hat) 48. Fluß in Aegypten. 2. Senkrecht gelesen: 2. Bereinigung von Männern) 4. Abrahams verstoßene Frau) 6.. Götze) 7. Hohepriester) 8. König von Inda) 10. „du" ans hebräisch) 11. Artikel) 12. „zu" aus hebräisch, 14. australischer Strauß) 17. persönliches Fürwort) 18. Flächenmaß) 20. „Gesicht" auf lfebräistl» 21. einer, der seine beiden Töchter au einen und denselben Mann verheiratete) 23. „Meer" auf hebräisch: 24. Schwein) 28. worauf Moses die Gesetze schrieb) 29. Lebensgemein- 'sichaft) 80. den wir im Himmel und ans Erden haben) 31. Präposition) 34. eine von ihrer Schwiegertochter sehr geliebte Schwiegermutter: 35. rechter Nebenfluß des Rheins) 37. israelitischer Stamm) 38. Zeitmesser) 40. wie 31) 41. wie 12) 43. persönliches Fürwort) 44. Präposition) 46. „man" ans französisch. Die Anfangsbuchstaben von 27 wagerecht, 2 senkrecht, 25 senkrecht, 12, 39, 32 wagcrecht, 2, 34, 28, 29 senkrecht, der dritte Buchstabe von 28 senkrecht, die Anfangsbuchstaben von 35, 2 senkrecht. 45 wagerecht und 42 magerecht ergeben den Namen eines jüdischen Phitantropen des 19. Jahrhunderts. ar. Berrvaublung. Die Söhne der Lea neigten zum Böten, Aber der ,.e" ist ein „i" gewesen. Berichtigung. Tn unserer letzten Nummer hat der Druckfehlerteufel einen bösen S! reich gespielt. Er hat, in der Erzählung der Frau iViHner „Der tote Jude4', den Roman I.ucinde dem Herrn Tieck ^geschrieben, während es heißen mußte: „Lueinde des Herrn v. Schlegel". Kaiendari« für die Zeit vom 29.5. b. 5.6.1926. Mai 1928 Sirvan 3686 Sonnabend 26. 10. Sonntag 80. 17. Montag 31. 18. Juni 1926 Dienstag 1. 19. Mittwoch <2 20. Donnerstag 3! 21. Freitag 4. 22 Sonnabend 5. Wochen-Abschnitt: Behaalohs'cho Haftarah: ZacharraS 3(14—17) 3: (1—10) 4: (1—7) Sabbat:Ansgang: 9,11 Uhr ÄiLUmondweihe Wochen-Abschnitt: Sch'lach l'cho Hgftarah: Josua 3: 1—24 Sabbat-Ausgang: 9,21 Uhr Der tote Jude. (Fort«.) Von Doris Wittner. Kaebdraok verböte*. — Copyright by Gretbleln k Co.» G. m. b. B.» Leipzig. Mit berechneter Schläue hatte der Venezianer seine Schlinge ausgeworfen. Kein Zweifel, daß die trotz allem Hochmut und aller zur Schau getragenen Weitläufigkeit im Grunde doch mit der Welt der Tatsachen, ihren Verführungen und insbesondere ihren Verführern unvertraute Judith darin hängen bleiben mußte. Schach der Königel Judith war matt gesetzt, Ganz leise, jetzt in keinem Zuge mehr die dünkelhafte Vollbürgerin der Generalstaaten, fragte Judith: „Wie sollte ich wohl jemals dahin gelangen, Herr Finanzrat? Ihr wißt, mein Vater ist reich, aber auch streng, und er erzieht mich in den Sitten und Gebräuchen seiner Vorfahren. Eine Reise zu den Verwandten hier oder in Frankfurt oder in anderen Städten der batavischen Republik, wo die Kaffeesäcke noch ausschließlicher herrschen als in Amsterdam, das ist alles, was er mir an Abwechslung gewährt. Und ich weiß, höchstens ein Jahr wird verstreichen, dann wird e r mir den Mann zuführen, den er mir ausgesucht und bestimmt hat fürs Leben. Was sollen mir da die Märchen vom kaiserlichen Hofe zu Wien und den Salons der Baroninnen Arnstein und Eskeles?“ „Ihr begehrtet, sie zu hören, Demoisellc. Und außerdem, wenn Ihr dasitzen wollet, Eure Schönheit durch Eure fürstlichen Gemächer tragen, im übrigen aber die Hände in den Schoß legen und warten, was Euer hochangesehener Herr Vater über Euch bestimmt, dann allerdings wird das Schicksal vielleicht mit Euch, Ihr aber nie mit dem Schicksal Fangball spielen. Dann wäret Ihr aber auch nicht die Judith Pereira, die ich zu kennen vermeinte oder zu träumen wagte. — Laßt doch sehen, Demoiselle, i c h stamme aus dem Ghetto Venedigs — was das heißt, wisset Ihr wohl — und doch . . . ich bin heut einer der ersten Würdenträger am Hoi eines deutschen Fürsten. Und ich bin längstens noeb nicht am Ziele, des dürft Ihr versichert sein. Klug sein, Demoiselle, kühn und verschlagen, und die Demoiselle wird den richtigen Weg erkennen und vielleicht auch den Weggefährten, der sie über das Ziel ihrer Wünsche und ihrer Bestimmung aufklären kann. Vielleicht hat die Demoiselle mich jetzt verstanden?" Und wieder ein brennender, sich einbohrender, Judith nahezu aufzehrender Blick aus den runden, schwarzen, sammetweichen Kugelaugen, den Schmerzensaugen des Ghettos, Da streckten sich dem Venezianer wie gezogen, unfreiwillig zwei schmale, schöne, durchsichtige Frauenhände entgegen, über die sich Sonnino mit wilden, trunkenen, aufsaugenden, alles vergessenden Küssen warf. In ihm aber schoß, während Judith noch halb in Ohnmacht, halb in Schrecken verging und doch die ihr Blut in Wallung peitschende Süße der Empfindung nicht hätte missen mögen, die Erkenntnis des bisher höchsten Triumphes seines Lebens auf: Der Weg lag hinter ihm. Er war am Ziel. Als das Abendessen, das Perl Sontheimer mit der in reichen jüdischen Häusern gewohnten Ueopigkeit und Sorgfalt hatte h errichten lassen, die Familie und ihre Gäste vereinte, war es die scharfäugige Perl allein, der ein verdächtiger Glanz in den Mienen der Freundin, verbunden mit einer an Judith Pereira sonst nicht gewohnten weiblichen Bescheidenheit, sowie eine noch größere Beflissenheit und Ergebenheit des Venetian;j.rs sonderbar auffiel. Wie zuvor ging das Gespräch der Männer — die Mädchen schwiegen in gebotener Ehrfurcht, wenn sie nicht eigens befragt oder in die Unterhaltung hineingezogen wurden — hauptsächlich um das Vordringen Napoleon Bonapartes auf dem europäischen Kontinent, wie auch seine kriegerischen Aktionen in Halbasien; um die politischen Folgen, die die militärischen Siege und staatlichen Gesetzgebungen des ersten Konsuls für Europa, insbesondere aber die Vorteile, die sie für die Judenh c i t des gesamten Erdballes im Gefolge haben würden oder könnten. Wieder kam Mardochai Israel Sontheimer auf das große Synhedrion zu sprechen, dessen Vorstellung in den Köpfen aller um das Heil ihres Stammes bedachten Juden spukte, während Abraham Furtado, der, nach den Anfeindungen der Revolutionsjahre, nach den Qualen, die ihm, dem nachweislich sehr ’ ermögenden Manne, ebenso von den „Septembriscurs", wie dem „Berg", wie späterhin den Ausläufern des Terrors zugefügt worden waren, nunmehr unangefochten in Paris lebte, Einzelheiten über Pläne und Projekte anzugeben wußte, die in der französischen Metropole von Mund zu Mund schwirrten. Nur die Späheraugen Perls nahmen auch jetzt wahr, daß Sonnino, im völligen Widerspruch zu seiner vorherigen Haltung, gegenwärtig jeden Einspruch und Widerspruch, selbst wenn er von dem alten Sontheimer provoziert zu werden schien, besonnen vermied, und daß Judith, 1 die sonst gern einen überlieferungswidrigen Fürwitz und ätzenden Spott, den man ihrer Misch rasse nachsah, dem Optimismus der Väter entgegenzusetzen pflegte, jetzt ebenfalls still, ja scheinbar schüchtern blieb und ausschließlich in sich hineinzusinnen trachtete. Nur war es, als ob hie und da Blicke ausdrücklicher Uebereinstimmung und geheimer Zusammengehörigkeit unter den schwer lastenden Lidern Sonninos und aus den mandelförmig geschnittenen Augen Judiths hinüber und herüber flitzten. Aber solcher Eindruck währte immer nur eines Pulsschlages Dauer und konnte — so redete sich die rechtliche und gewissenhafte Perl selbst zu — ebensowohl auf Täuschung beruhen. Ebenso mochte es wohl eine überhitzte und überspitze Schärfe der Beobachtung sein, wenn Perl zu bemerken wähnte, daß der Vene'ianer fuchsäugig aufzulugen und die Ohren zji spitzen schien, wenn Abraham Furtado seinem Gastfreunde erzählte, wie der erste Konsul, der aus einer kinderreichen, weitverbreiteten Familie stammte, unverhohlen danach strebe, seinen Brüdern einträgliche Sinekuren und einflußreiche Aemter zu verschaffen, seine Schwestern hingegen möglichst günstig zu vermählen, und dieserhalb von der Regierung — seinen beiden Mitkonsulen, kärglichen Schattengestalten — sowie der Bevölkerung in Wort und Schrift eines verwerflichen Nepotismus’ geziehen werde. Eine allgemeine Meinung, die den einzigen Mann wenig zu kümmern schien. Nahezu ehrerbietig hob Furtado die Zärtlichkeit und Verehrung hervor, die der siegreiche GensEftl und große Staatsmanh seiner eigenen Mutter, Frau Lätitia, einer blendend schönen Matrone, die zwat* des geschriebenen Wortes nicht kundig sei, aber üirem verstorbenen Gatten in Ehre und Treue zehn Kinder,, geboren habe, allerorten öffentlich bezeuge. „Ueber den Helden und über den Staatsmann mag jeglicher seine eigene Meinung haben und äußern; als Mensch, insbesondere aber als Familienmensch, verdiente dieser Korse fürwahr, ein Jude zu sein und zu heißen« Sein Familiensinn macht ihn zwar zum Gespött der frivolen Pariser, aber wir wissen es ja v'ohl besser, wir. wissen, daß Gott —- unserer jedenfalls, der seine agier wahrscheinlich auch — nur mit jenen ist, die das eigene Blut ehren und heilig halten. Und daß dieser, ob auf den Wogen der Revolution emporgetragene oder ain eigener Kraft emporgekommene, jedenfalls beut an der Spitze seiner Nation stehende, Mann seine echtesten und wahrhaftigsten Sorgen darin sieht, seiner Mutter den ehrenvollsten Platz innerhalb seines Volkes anzuweisen und die Geschwister, die die Gewohnheiten niedriger Geburt noch nicht abzustreifen vermochten, unter dem Aufgebot all seiner eignen Willenskraft Zucht und Sitte zu lehren — cs kursieren darüber in den Pariser Zirkeln, denen, die vor seiner Macht katzbuckeln, ebenso w;e denen, die ihm in ehrlicher Feindschaft gegenüber ver*: harren, die amüsantesten Histörchen und wahrscheinlich auch die verlogensten Märchen —, daß er sich durch nichts beirren läßt und seine Familie vor allem und von allen geehrt aber auch verchrungswürdig wissen will, ehrt nur ihn selbst. Daran rührt kein Spott; denn das ist vielleicht der einzige heilige Zug in dem sonst freilich sehr unheiligen Mann. Darum Hut ab vor ihm, wie vor jedem Patriarchen unserer Leute! Natürlich, die ewig Kleinen, die wie bissige Hunde nach jeder Größe schnappen, werden auch diesen Großen nur so weit verstehen, als sie Bissen aus seiner Hand zu erlangen vermögen. Kriecher und Köter! Nicht umsonst fangen beide mit dem gleichen Buchstaben an." Auch bei diesem selbst für den maßvollen Abraham Furdato ungewöhnlich scharfen Ausfall suchten die Blicke Judiths und des Vcnetianers scheu den Boden. Judith wußte nicht recht, was ihr war, aber es fröstelte sie. Sonnino, dessen geringere Geburt ihn weniger empfänglich machte für Kränkungen und offensichtlich auf ihn abgedrückte Pfeile, blieb — im Gegensatz zu seinem früheren Auftreten — scheinbar völlig unangefochten und ruhig; ja, er ging sogar noch weiter und stimmte in die von Furtado ausgesprochene Anprangerung der (ihm selbst doch bluts- und lebcnsvcrwandten) öffentlichen Charakterlosigkeit ein. Wohingegen Judith, die ihre hohe Abkunft schwer verleugnen konnte, sich wie von einem inneren Gluthauch übergossen fühlte. Sie wußte nicht, daß dies nur der Anfang des qualvollen Sterbens war, den ihre Scham und ihr Stolz zu erleiden haben würden. Sontheimer, viel zu sehr in seine eigenen Gedanken und Gesichte versponnen, hatte nicht Acht der äußeren und inneren Vorgänge, die sich rings um ihn, in seiner nächsten Umgebung, vollziehen mochten. Abermals war es nur Perl, deren Staunen allgemach in ein unheimliches Befremden überging. Was hatte sich zugetragen zwischen dem mit allen Wassern gewaschenen Fremden und der hochgemuten, jetzt, ach, so zaghaften Base und Freundin? Ihr weiblicher Instinkt vermochte nur ungewiß zu, ertasten. was zu wissen ihr, der keuschen Magd Israels, eben diese Keuschheit und eine tieiinnere Schamhaftigkeit verwehrten. Sie, die ebenso kluge, wie unerfahrene Tochter ihres Volkes, nahm sich zwar vor, die Augen fortab noch offener zu halten als bisher, aber sie wußte nicht, daß die Dinge, die sich Zwischen der Freundin und dem Venetianer abrolKen, sich ihrer Lebenskenntnis und ihrem Verständnis völlig entzogen. Sie, die Herbe, Kluge, ewig Wache, deren Weiblichkeit aber noch im Dornröschenschlaf ihres Magdiuns wunschlos ruhte, wußte ja nichts von dem Stromgang in den Adern der heißblütigen Gevatterin. Sie mochte noch soviel auf merken und ausforschen: das Wesentliche entzog sich ihrem Wissen und der Kritik ihrer Wahrnehmung, weil ihr Blut ja noch nichts ahnte von dem seligen und beseligenden Tode der Scham; diesem Tode, der in den Adern der Freundin ein neues Leben zu entzünden im Begriffe war. Die Tafel verging unter weiteren vorausschauenddiplomatisciien Reden der Männer, unter Hoffnung und Zuversicht, und den gegenseitigen Versprechungen, treu zueinander zu halten, einander im Falle der Gefahr und etwaiger Rückschläge (vor denen jeder Jude auf Erden allzeit auf der Hut sein mußte) gegenseitig einander zu Hilfe zu kommen und sich zu unterstützen, soweit Hab und Gut des einen oder anderen, den wundenbedeckten Körper des Hauses Israel würde schützen und heilen können. Als zu vorgerückter Siunde die Tischzeit aufgehoben wurde, zogen sich Mardochai Israel Sontheimer und Abraham Furtado noch einmal in das Arbeitszimmer Sontheimers zurück, um dort noch einige gemeinsame Geschäfte miteinander zu erledigen. Perl Sontheimers Pflicht war es, zu beaufsichtigen, daß das edle Silber und Porzellan, womit zu Ehren der Gäste der Tisch geschmückt worden war, wieder ordnungsgemäß gereinigt und an Ort und Stelle gebracht wurden. Man merkte, daß Perl in dem mutterlosen Hause die Pflichten der Hausfrau ernst und streng erfüllte und bemüßigt war, den Vater keine wirtschaftliche Lücke spüren zu lassen. Sic entschuldigte sich zwar bei der Base und dem Venetianer, daß sic binnen kurzem wieder zur Stelle sein würde und dann noch hoffe, ihre Unterhaltung zu teilen, aber während Sonnino sich nur geschmeidig verneigte (was ebensogut ein Nein wie ein Ja bedeuten konnte), gähnte Judith ostentativ und bat, sich zeitig zurückziehen zu dürfen, da ihr noch die Reise und die damit verbundenen Anstrengungen in Kleidern und Nerven wohnten. Ein mißtrauischer Blick Perls; dann äußerte sie kühl: „Das Gastzimmer, du weißt, es ist nur zwei Türen von meinem entfernt, ist bereit, ebenso ein Mädchen, das dir behilflich sein mag, dich auszukleiden. Sie, aber, Herr Finanzrat, werden vielleicht nachher noch mit den Herren einige Worte zu Nutz und Frommen tausdien mögen, oder vielleicht lockt Sie noch mehr ein abendlicher Rundgang in dem nächtlicherweile romantisch wirkenden Worms." (Fortsetzung folgt.) j Werbt neue Mitglieder!

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