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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-05-28 · 22 (28.5.1926) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
22 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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„Wirtschaftshilfe^ ausgehalten, sondern auch einem mit ihr in Beziehung stehenden Ingenieur die Sorg« sür Küche und btellckr abgenommon. Das Rektorat der Wiener Universität ist nun den bedrängten Hakenkreuzlern mit einer „Berichtigung" zu Hilfe gekommen, in welcher gesagt wird, -atz erstens die armen Studenten nicht geschädigt wurden und zweitens die vom Herrn Jeingold einzelnen Funktionären gemachten Geschenke wegen ihrer Geringfügigkeit <0 nicht den Charakter einer Bestechirng iwas für einen -enn?) hatten. Das Rektorat kam demnach zn dem Schluss-, „daß kein Anlatz *u iincm disziplinären Einschreiten vorliege". Ob nicht vielleicht gar ein Anlaß zu einem Einschreiten von ganz anderer, nämlich der staatsanwaltschaftlichen Seite vorliegt, wird nicht gesagt. Ebenso wird mit keinem Worte bestritten, daß die Jützrer der Hakenkr^uzlerstndenteil jnst mit Trägern vrononziert indischer N-men in Geschäftsverüindnng 'getreten waren. Man siebt cuso. haß die hakenkrenzlerischen Studenten eigentlich wegen ihrer Bescheidenheit und konfessionellen Vorurteilslosigkeit das ' ... tennnng verdienen. höchste Lob und die ehrendste Aner- VSkar Hirschfeld, Wien. Jiddisch Bon A. Strukat. Wer ein Verzeichnis der Weltsprachen ansstellt, dex vergibt sicher immer eine Sprache, welche aber einen Platz unter den Weltsprachen einntmmt. das „Jiddisch" Im Weltkriege wurde es mit einem Male bekannt und hqt dkm deutschen Soldaten in Rntzland in überraschend guter Weise das Verständnis mit den Landeseinwohnern erleichtert. Es ist eigentlich eine alte deutsche Mundart und wird njch» nur vpn der große» Mehrzahl aller Ostinden von Polen bis zur Tschnktschen-Hfllbinsel gesprochen, sondern auch in Amerika und Südafrika, in Sorten und in Australien ist es die Familien- und Umgangssprache hei den meisten hörigen Iudenanstedlnngen. Ohne eine andere als die deutsche S-ppache kann mmt sich da mit den Landeseinwohnern vpr? ständigen und durch einen großen Teil aller Erdteile kommen. Das hat schon der niederrheinische Ritter Arnold von Harfs erfahren,, der jn den Jcchre» IM his IM eine Pilgerfahrt unternahm, die ihn von Köln durch Italien. Snxien. Aeg»pte-n, Arabien. Aethiopien, Muhten, Palästina, die Türkei. Jraufreich und Spanien führte. Seinem Landes- Herrn, dem Herzog Wilhelm von Jülich und Berg, berichtete er, daß er an vielen Orten seiner Wanderfahrt deutschsprechende Inden gefunden und wegen der Sprache ihnen habe Gesellschaft leisten nmssen. trotzdem er sie sonst nicht leiden konnte. Wie ist es nun gekommen, daß in einem großen Teile der bewohnten Exde das Deutsche die Grundlage der BeriehrSsprgche geworden ist? Die Borfahren aller dieser jid? .krechMen Aii-en wohnten einmal . römischen Reiche deutscher Ration, wo sie!a im tin« solche Bedeutung erlangt chatten, daß st« nach Wilhelm Arnold geradezu zum Begriff einer Stadt gehörten, tze» sonders foi jj, und is. Jahrhundert find dann -tele beut-? scheu Anden in Masten nach dam Dsten abgewandert. Gte wnrhsn die Vorfahren der heutigen polnische« und litauischen Juden, und mit der großen Zähigkeit des Mischen Stammes haben st« die Anstände der bisherigen Heimat zn oewanrett gewußt. Es ist der für die Hstjnden typische lange Nock noch ein« Mode aus der Zeit der Meistersinger, und auch ein« große Menge von altem deutschem Eprachgnt hat das Jiddische noch bewahrt, das tu unserer deutschen Sprach« verschwunden ist oder in einem versteckten Winkel schluw, inert. „chßilqch" tLinnentnch). „Awelil" lTischtnchl. „Treher" oder „Teer" lTränej. „Lefzen" tLippenl stnd alt« deutsche Wörter, dte man beut« des uns kaum mehr kennt, und ->e mittelalterlichen Berwandtschsstsbezeichnungen ..Schnur" und „Gi-am" bähen sich im Jiddischen his in die Gegenwart er? halten. Das jüdische Sabbatlrot „Barches" ist nichts anderes als Frau Berchtas Brot, wie es die alten Germanen kannten, und das süße Sabbatgemüse „Zimmet" hat. wie wir von Hebel wissen, seinen altdeutschen Namen hei den jpft? juben ebenso bewahrt wie im alemanischen Basel, Auch ein« andere altdeutsch« Lprachform findet sich im Jiddisch: Bon wannen kommt ihr?" Das „etz" statt „ihr" und „engt er" statt „eure" sind echt bayerisch, und das io oft bespöttelt« „Was ist der mehr?" jst di« mittelhochdentsche Frage: „Was ist der Mär?" Für den Germanisten bietet das Jiddjjch ein« wertvolle Fundgrube. Es enthält aber nicht nur deutsche Sprachelemente. sondern auch solche aus dem Lateinischen des Mittelalters, besonders' ans den Kultus hinweisend. So heißt daS Bovlesen dev Schrift in der Synagoge „leinen" Ivo» legerej. das tägliche Beten „Oren" lorares oder „Dawwenen" > lDepyvexe). also segnen, und das Sprechen des Tischgebets nennt man „benschen" (benediceres. Nur wenige Ausdrücke find dr; slawische» Sprache entnommen, »nd ne beschränken sich ans einige Körperteile, auf das Handwerk und einig« Ding« des alltäglichen Lehens. Das Hebräische hat der jiddischen Sprache manche Jamilierche-eichnnngen geliefert. in beiden heißt di« Familie Mischpyche. der Bräutigam „Chvsfen", die Braut „Kaste". Der Sohn heißt hier aber „Sühn", die Tochter „Tochter", die Tante „Muhme", der Onkel „Vetter", der Schwiegersohn „Eiham". Es ist noch zn bemerken, daß die Wörter, welche dem Hebräischen entnommen sind, deutsch dekliniert werden oder, wenn sie sich hierzu nicht eigneten, mit deutschen Vorüber Nachsilben verbunden und somit verdeutscht wurden. Auch in hie Literatur hat das Jiddisch Eingang gesunden. denn große Tageszeitungen erscheinen in dieser Sprache. Im Kriege wurde die Grodnower Veitmig »tchr allein in Deutsch und Polnisch, sondern auch in Jiddisch ftf« druckt, Es gibt im Jiddisch Dramen, wtsssnschamich« Dar* stellupgen. erbaulich« Schriften und einfache Volksbücher. Wohl hasten dt« Russen vor dem Kriege mit aller Macht persucht. die ihnen unangenehme Sprache zu nmeroruuen. aber st« hat sich nicht »nterkriogen lassen, denn sie war aum deutsch. Schon $600 hat der alte Johann Christoph Wagenseil all« Juden, di« „ihrer Por-Eltern Sprach" behalten »uv auf ihre Nachkommen sortgepslanzt haben, ausdrücklich als „deutsche Juden" bezeichnet. Tagung der Zenlralwohlfahrksstelle der deutsche« Tuden in Düsseldorf Ditz Aentralwohlfahrtsstelle ber deutschen Juden lädt zn ihrer Versammlung vom u.*-8, Juni in Düsseldorf rin- Es dürft« erwünscht sein, näheres über daS Programm der Tagung zn erfahren. Wir geben deshalb daS Wichtigste aus der reich«» Tagesordnung bekannt und empfehlen de» Besuch her bedeutungsvollen Tagung, Sonntag, den v. Juni, nachmittags H5 Uhr: Mitgliederversammlung in der Aula der Luisenschule. Bastionstraße. 8 Uhr abends: Eröffnung der Tagung durch Herrn Engen Easpary. Berlin, in der Aula der Luisenschule, Bastionstraße. Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Baeck, Berlin: „Der geistige Gehalt in der jüdischen Wohlfahrtspflege." Montag, he» 7. Juni, in der Gesellschaft ..Verein", Steinstraße 10-46, 9'A Uhr vormittags: „Die Fürsorge für wirtschaftlich Notleidende." Referenten: Ministerialrat Dr. Wittelshöfer, Berlin, Preußisches Ministerium für Volkswohlfghrt. Rechtsanwalt Dr. Georg Baum» Dozent an der Handelshochschule Berlin. „Jüdische Jngendnot und Jugendhilse." Referenten: Obermagiftratsrat Tr. Oüenüoxff. Städtisches Jugendamt Berlin. Hilde Ottenheimer, Aentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Berlin. $3J4 phr; „Jüdische Bevölkerungssragen." Referent: Dr. Felix A. Teilhaber, Berlin. Montag, den 7, Juni, nachmittags Hi Wr: Führnns durch die „Gesolei", anschließend: Vorführung des Jüdischen WphlfahrtssjlmS im Kino der freien Wotzlfährtspslege Hast« 28. Dienstag, den 8. Juni, vormittag» OS* Uhr: Die Sitzungen der Arbeitsgemeinschaften. Nachmittags 4 Uhr: Aula der Luisenschule, Bastionstraße: K-imdgebung deS ReichsanSschnsses der indischen Jngendverbände. „Das soziale Programm der jüdischen Jugend." Referent: Georg Lnbinski, Berlin. üi 1 Konditorei und Cafe Feinbäckerei Werner Kurotow Inhaber Paul Opener BERUM W, Mot?strgiße 70 u. liabertondstraße 8 VoUsifimif«} nea reaavjerl! Tel.: NoUe^dori 3i6< kiteqebmer Autmthalt! SPEZIALITÄT; "" Wasser-Baiches Pfd. 50 Pf. *. Butter - Barches Pfd. HO Pf. l» allen gewünschten Größen Baisers-Torten 4.-, S.- u. 6.-I Gefrorenes Liter 6,00 Torten aller Art von 5.00 an ( Fürst Pödder Ufer 5.00 ^^tarteig-<redTch r Kbe»«ntfn, EVoulUoufiaugeo et«. jBesteUm^ep verOeq {edorwit «ntgfi^eaoBiivoa rmTSSTSStim Uulsnvui frei Ea«s, :z'. bi IIMMMUMMMIH» knIiMi Meist,.«, j Haus. Bellevue i form. Pension Goldstödter Inh. J, Heppner / Tel. 7t { biefef Kuru. Erholungsbedürftigen angenehmsten Aufenthalt. Vollständig renoviert! Erstklassige Küche Uniei Aufsicht d. Breslauer Rabb. •jß neeweiß wird Ihre Wäscb«, wenn Sie waschen lassen in der Sek] | Groß - Wäscherei | Copenick | Max Wagener jr. 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