Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 20 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der Zeit über ßmt,; Afrika ausgebreitet haben. Die einen von den anderen nichts wissend, haben sic doch verschiedene uralte jüdische Gebräuche behalten. Rcneior meint, daß auch die abessinischen Juden Reste wauderteu Mitgliedern dcS jüdisch-syrischen Staates in Vorderasien bestehen. Dieser große Staat soll zweihundert Jahre existier» haben,' noch bis heute findet man in Afrika Spuren seiner Existenz. So zum Beispiel befindet sich in Tamentit, der Hauptstadt von Tuat, wo die Ortsbevölkerung bi» heute fortwährend verschiedene biblische Legenden und Wundergeschichten erzählt, eine richtige hebräische Aufschrift, die anö dem Jahre 1829 stammt. Ueberhaupt »uerben bi» heute noch in den Oasen der Sahara eine Unzahl Legenden, die mit der Existenz des ehemaligen jüdischen Reiches verbunden find, erzählt. Dies beweist, wie weit der jüdische Einfluß im ehemaligen Afrika gereicht hat. Die französische ethnographische Forschung beschäftigt sich jetzt fleißig weiter mit dem Studium der jüdisch-afrikanischen Stämme. GS ist sicher anzuuehmeu. daß diese Forschungen ein neue» Licht aus viele Interessante und bis heute nicht aufgeklärte Seiten der jüdischen Geschichte in Afrika werfen werden. Das Recht auf Schweigen. Bon Joachim Fischer (Tel-Aviv). Der nachstehende Aufsatz war geschrieben, bevor die Angriffe in der letzten Nummer der „Jüdischen Rundschau" erschienen waren. Er bildet aber bereit» eine Widerlegung der neuen Angriffe. Wenn die Rundschau weiter Herrn Fischer uvrwirft. er habe seine Frau und sein Kind nicht mit nach Palästina genommen, so ist das zutreffend. ES findet seinen Grund in den unsicheren Zuständen in Palästina. Im übrigen befinden sich Frau und Kind wohlbehalten bei den Schwiegereltern deS Herrn Fischer. Durch kleine persönliche Schuüffeleieu, die noch nicht einmal etwas Erhebliches ergeben, wird man außerdem die Wahrheit über Palästina nicht unterdrücken können. Vor» den verschiedenen Errungenschafte»,, welche die Juden in ihrem ewigen, unermüdlichen Kampf um ihre Gleichberechtigung iu den Annalen der Jüdischen Geschichte verewigt haben, verdient diejenige, eine hervorragende Stelle ciuzuuehmen, welche das verbriefte Recht darstellt, au dem jede Art von Attacke wirkungslos abprallen müßte: das Recht auf Schweigen. Widerfährt den Juden ein Ungemach, welches ihr elementarstes Recht tu den Grundpfeilern erbeben macht, immer wieder erhebt sich stolz wie ein Phönix ans seiner Asche — das Recht auf Schweigen. Und es ist eine Tatsache, über die man sich nicht genug wundern kann, daß bisher von keiner judenfresserischen Seite der ernste Versuch nnternommen wurde, diese Schweigesreiheit zll lucOcfu. Ich will Beispiele herausgreisen: In Polen, wo die jüdischen Führer nach Anwendung von wirkungsvollen Mitteln, wie Opposition und „Ugoda", diesem Rechte zum glorreichen Dnrchbrnch verholfen haben, gibt eö jetzt keinen Nicht,uden, der seine Prvteststimme dagegen erheben würde, in das Gegenteil davon ist eher zu beobachten. Läßt nämlich ein geschlagener Jude seine Stimme ertönen, so wird ihm von seinen sonstigen Feinden „schweig' Jude!" zugerufeu, was soviel wie eine gutmütige Ermunterung bedeuten soll, sich doch seines Rechtes ungeschmälert zu bedienen. Oder sagen wir: in Palästina, wo die „Jewish Agencn" selbst nach dem letzten Angriff ans die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung (durch Schaffung einer rein arabischen Schntztruppe) von ihrem Schweigrecht auögiebigen Gebrauch macht — während die jüdischen Einwohner cS nicht wagen, sich dasselbe Recht herauszunehmen und daher ihr Veto cinlegen —, „hört" die Mandatarmacht diesem Schweigen gleichmütig zu und — toleriert es. Da ich mm solchen und ähnlichen Schmeigefällen verdammend gegenüberstehe, und diese ans Tageslicht zerrte, wurde ich von Herrn M(oseS?) W(ald»naun?). Feldwebel der „Jüdischen Rundschau", mit Erlaß vom 9. April 1020 zum leibhaftigen Zton-set-bei-nns gestempelt. Doch kaum sind die Worte ihm entfahren, mvcht' er sein Schweigrecht gern wahren und macht also krampfhafte Versuche, dieses Recht gegen eine Welt von Gegnern, die gar nicht existieren, zu verteidigen. Und er findet dabei selbst in mir ein warm mitsühlendeS Herz, wenn er das läßt, was er nicht tun kann,' man soll nicht weizmännischer sein als Weizmann, zumal der Philosophentitel gilentij causa dadurch erworben wird. Bevor M. W. jedoch in fein imposantes Schweigen verfällt, vergißt er nicht,;nil den Hinterbeinen anSznschlagcn, um den ^rmviderlegtichen Beweis zu erbringen, kein Dilettant im Schmntzwerfen zu sein. Destv mehr wirft er wir ein „dilettantisches Geschreibe" vor. was zu beurteilen sich mir als Objekt entzieht. Leider läßt sich auch nicht mit einiger Sicherheit mutcömcu, baß eS dem famosen M. W. mit dieser Bezeichnung ernst und daß dieselbe nicht eher der Macht der Gewohnheit znznschreiben sei. Er konnte auch möglicherweise den Allsdrnck deswegen verwendet haben, weil ilnn ein anderer ans dem Lexikon der ..100 Worte Kritik" nicht handlich genug erschienen war. Es sott ja tu neuester Zeit in den ZcitttngSredaktioncil üblich sein, die Kritiken als appretiertes Fertigfabrikat in nummerierten Fächern aniliegen zu haben, um im Bedarfsfälle mit einem Griff das Passendste heransznfischen und nach Einsetzung der Daten dem Drucke zu übergeben. Diese durchgreifende Maßnahme soll ans die kategorische Forderung des Zeitgeistes getroffen worden sein, um eine Ersparnis an Zeit wie ari Geist zn erzielen. Es dürsten sich also — so vermute ich — in einer Schriftleitung 80 bis 100 „kritische" Fächer (ic nach Größe des Betriebest befinden. Denn diese Kritik enür««, nach einem Massenschema gehandhabt, muß sich unbedingt bewähren: hat sich doch auch die Produktion eines Massenartikels wie Schnhvasta und Lippenpomade als äußerst rentabel erwiesen. Daß da bisweilen eil» Fehlgriff unterlaufen kann, gehört zu den entschuldbaren Selbstverständlichleiten: man ist ja nur Mensch, zeitweise auch daS nicht. - R^ln hat sich bei der „I. R." die Notwendigkeit ergeben, den „Fall Fischer" in irgendeines der 90 Fächer zu zwängen, und man wählte das nächstgeeignete (um nicht zu sagen, man vergriff sich), unterließ eS jedoch auS Berschen, „Unzutreffendes zu streichen", wie es in der Gebrauchsanweisung ausdrücklich heißt. Zn den Unzutreffenden sind zumindest die Bemerkungen über „nichternste Einwändc" und „nicht von Wahrheitsliebe getragen" zu zählen, weil jedes Merkmal hierfür fehlt. Herr M. W. wird jedoch aus purer Konsequenz an diesen seinen Behauptungen festyaltcn. Das gibt mir kein Recht, ans seine Ausführungen nicht cinzugehen: Ist eS allen Ernstes eine unerläßliche Bedingung für den Wahrheitsschreiber über Palästina, ein Meister der Feder zu sein? Warum denn zweierlei Maßstäbe anlegen, da doch umgekehrt die bescheidensten Ansprüche diesbezüglich gestellt »verden. Wir wollen von der „Jüdischen Rundschau" absehe», obwohl beispielsweise die Notiz „Das liberale Kriegsbeil" nicht auf der gewünschten Höhe steht: doch ist dies ganz unwesentlich im Vergleich zu dem, was sich die Warschauer jiddischeu Zeituugen ,^Hajnt" und „Moment" leisten. Aber mau kümmert sich gar nicht »tm den Stil, wenn nur der Inhalt „beruhigend" ist, d. h. die Verhältnisse Palästinas als befriedigend (für die Kvrrespondenten allerdings!) bezeichnet, Daß Polen neun Zehntel des Giuwonderer.Kontins,ntS Palästinas derzeit liefert und diese Emigranten dank der Unfähigkeit und Eigenliebe der sogenannten Journalisten idie beim KolonisattonSwerk der „Selbstversorgung" das Wort sprechen) ins Unglück gestürzt werden, beunruhigt nicht im geringsten den gerechten Schlaf der Titularzionisten Deutschlands, die auch im Nationaljudentum die politischen Landesgrenzen gelten lassen. Wenn b!S vor kurzem Herr Pietruschka (H.) stets das dementiert hat. was Herr Woßlmauu (1)1.) geschrieben und vice versa, so daß man unwillkürlich zu einem Vergleich mit dem Schlußsatz in Heines „Disputationen" augeregt wurde, so sind dessen ungeachtet die Leser de» H. aus Grund der ihnen dort vorgegaukelten Illusionen hergekvmmen, und die Momeutleser taten dasselbe: dies alles darum, weil ihnen in ihrer verzweifelten Lage jede Fähigkeit zum nüchternen Erwägen abging. Anders ist es mit den deutschländischen Zionisten, denen eine unverhältnismäßig klarere Beurteincng möglich war, die es aber unterließen zu warnen, weil ihre Hmnanität unter der heißen Lavakruste de» Zionismus völlig erstickt wurde. — Uebrigeu» wollte ich „nnr" konstatiert haben, daß diesen Jiddisch-Schreibern in punctp Stil keine Grenze nach unten gesetzt worden ist. Aufrichtig gestanden, kenne ich die „Causa Peiper" nur ans den Berichten der „Rundschau", nud die sind in solchen Dingen kein Quellwasser, welche» ohne Filtrierbehelse dem Genuß zugeführt werde»» darf. Doch will ich einmal den Fall setzen, Herr Robert Peiper wäre haargenau so. wie sie ihr» zeichnet. Da »oürde ich doch an Stelle de» M. W. diesen» Herrn Peiper nicht zu einer unverdienten Popularität verhelfen. Dies tut er aber dock, indem er de»» deutschen Wortschatz durch Prägung eines Ausdruckes, »velcher Peiper zun» „Stamm" hat, bereichert. Der „Peiperismns" wird durch diese Flexion so biegungS- und abwandlung-fähig werde»«, daß er noch einmal zum Zionismus „abgewandelt" iverden dürfte. Soll ich noch hinzufügeu, daß der geistnenreichs Herr M. W. einen Kapitalbock geschossen bat. indem er mich als Atliizionisten darstellt? (#» wird heutzutage dem Redaktionspersonal das Zwijchen-den-Zeilcn-Lejen derartig eingedrillt, daß man vergißt, die Zeilen zu beachten. Als ich vor mehr als eine»»» Jahre nach Palästina f»»hr, da konnte es mir nicht träumen, ich »vcrde gegen Zionisten zu kämpfen gezivungen sei»», und »vahrlich, ich habe e» bi» dahin nicht getan. Diejenigen, di«' ich in den letzten zehn Monaten bekämpfe, sind lediglich Zioniste»» von Bulgarenkönigs Gnaden und Interpretation oder solche, die den Zionismus zur Melkkuh machen. Herr M. W. scheint es in dieser kurze»» Notiz darauf abgesehen zu haben, sich als Nichtdtlettant in Unlogik und Einsiellung von Tatsachen zu produzieren, indem er der nickt abgesetzten prozionistischen Allssähe Erivähnung tut (nicht verrate dich, böses Gewissen!) und sich dabei dachte, recht schlau zu Werke gegangen zu Fein, wen»« er die Bemerkung, auf »ven von uns beiden (L. Wolfs oder mich) dies gemünzt sei, herunterschluckt. Denn: gibt es .zivei „Schuldige", so ist bas summarische Verfahren am Platze — meint er —, gibt es jedoch nur einen Schuldigen, so wird der sich belastet Fühlende allen Grund habe»», zu schweigen, der Unschuldige dagegen »vird nicht darauf reagieren. Wenn schließlich beide sich nichts vorziuverfen haben (was arn wahrscheinlichsten ist), jo wird sich jeder denken, der andere »var es, und »vird die Sache als erledigt betrachten. Der Rechenfehler liegt eben dort»», daß in solchen Angelegenheiten »tiemand für den „anderen" gehalten »verden »vill, auch kam» eö passieren, daß der eine „Schuldige" nicht »vird den anderen belasten wollen. Da nun mein böse» Gewissen die Warnung überhört, »vill ich mit einem Geständnis herauSrücken und eö der „Rundschau" ermögltchen. nicht aus halbe»»» Wege der Indiskretion stehenbleibe»» zu mühen. Jawohl, ich habe im Jänner bz»v. Februar d. I. der „Jüdischeir Rundschau", der „Wiener Mvrgenzeitnng" und der „Selbstrpehr" in Prag ineine am 26. März d. I. in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" erschienene „proztonistische" Buchbesprechung ohne Honoraransprnch erfolglos angeboten, »välrrend dieselbe vom radikalzionistischen Organ „Haaretz", nachdem ich sie ins Hebräische übertragen hatte, am 38. Februar d. I. abgedrnckt wurde. Da meine „proztonistische" Rezension von den genannten Zottunge»» abgelehnt »vurde, hat sich ans gekränkter Eitelkeit — so vermutet der amüsante M. W. — uittnsttelüar eine innere Metamorphose in mir vollzogen, und ich begann »»nnmehr, iu die feindliche Trompete zu blase»». Dies wäre alles ganz schön und gut, doch wer entziffertmir die rätselhafte Inschrift: „Ich schreibe rechts, ich schreibe links, denn ich bin objektiv"? Doch rvohl der Berfafssr am allerwenigsten. Da hier rechts und links (>nit ei»»e»n „8" a»n Ende) steht, kann sich das unmöglich ans die Tendenz beziehen und bedeniet daher so viel »vic: nach rechts und nach links, d. h. an z»vei Zeitungen entgegengesetzter Richtung schreiben, ohne daß die beiden Beiträge irr» Widerspruch zueiitrtnöer stehen müßten. Nun. so hätte man ja an dem Schreiber nichts anözufetzen. Ich denke, »venu die Redaktionell, denen doch sicherlich der Name eines solchen Autors bekanrlt sein müßte, sich nickt daran stoßen, so ist ein Diskurs fernstehender Personen hierüber nicht aktuell. Ich »vill ein konkretes Beispiel aus Pglästiria ansübren: Eine schriftslelternde Person gerät ir» einer Kwnzah beim Anblick der hingebungsvoll arbeiterrden jungen Mensche»» in Entzücken, wissend, »velch ein sorgenfreies Leben diese .Kinder in ihre»»» Ansgaugöland hatten, das sie »»»»» Erez Israel Willen aufgegebeu haben. Er läßt sein Herz zu Worte kommen, bringt die gelvonneneu Eindrücke zu Papier und bietet sie einer ziovssremden oder antizivnistischen Zcit»»ng an. Diese »verden glatt abgelehnt — auö dem alleinigen Verschulden der Zeitung —, so »vandert die Skizze »vie der Dibnk in den für ihn bestimmte»» Körper: zur zionistischen Presse. — Nachdem sich um» das Herz ausgesprochen, wirb es der Sprechsreiheit für einige Zeit beraubt, und der Kopf tritt in sein Recht. Der diktiert also einen Wirtschaftsartikel, der unfehlbar darnit enden »nuß, daß die Kwnzah keine auch teilweise Lösung des ArbeitsmarktproblemS bietet und den Kwuzahmitgliedern foinit eine recht betrübliche Zukunft winkt, deren Monotonie nnr durch die abivechselnngSreichen Defizite — die eine anflvärtsstrcbende Bewegung zeigen — unterbrochen »vird. Dieser Artikel, der sich, wie der obencrlvähnte, n»it der Wahrheit deckt, »vird vo,l den zionistischen Blättern — aus ihre»»» alleinigen Verschulden — zum Drucke nicht zngclasseu, so füllt er die Spalten eines antizivnistischen Organs. — Diese Frage ist für mich von rein akademischem Charakter, mag jedoch für andere eine praktische Bedeutung haben. Doch halt — auch mich tangiert die Sache, da ich tut „Riischar w'Taasiah" (einer HalbmouatSschrist^sür Handel und Industrie) ein Projekt zur Steuer der Wohnungsnot veröfscuttichte. u»»d z,var an» 24. März b. I.. als fast gleichzeitig meine Publikation in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" gedruckt »vurde. So bleibt eS trotzdem ein Rätsel, inwiefern die zitierte Inschrift ans mich Anwendung finden sollte und worin rvohl das Paradoxe bestehen »nag. mit dessen Eutbeckl»»»g M. W. so stolziert. Oder tue ich vielleicht Unrecht, ihm die erforderliche Sorgfalt beim Schreiben znzmnuten? Ich kann nnr so viel erklären: Für mich ist das Studium der Palästina-Wirtschaft eine Wissenschaft, bei der das Her; iu die Schranken verwiese»» wird, da die geringste Dosis feiner Eiltmengung dem Einwanderer zum Verhängnis »vird. Ich »vill niernandem den Gedanken, Opfer für Palä» stiira zu bringen, ausredeu. Doch muß er i»»forrniert »verden, welchen Nutzen sein Opfer den» Palästina-Aufbaurverk bringt, und wie groß sein Opfer durch dicse.Einwanderung «vird, damit er cs mit seiner Tragfähigkeit in Einklang bringe. Ich bin auch verpflichtet, der Welt zu verkünden» bgtz infolge gewissenloser Berichterstattung jüdische. Sühne zu Vagabunden und Dieben iu Palästina herabgesunken sind, jüdische Töchter der Prostitution in die Ar»ne getriebe»» wurden! Am 17. November 1825 habe ich Jabotinsky davon Mitteilung gemacht, er aber hat es zugelassen, baß aus da» arme Hailpt des Pariser Briefträgers noch ein paar Flüche geladen wurden. Wenn ein Astronom auf Grund seiner mathematischen Berechnungen zu dem Schlüsse käme, ein gewisser Planet Mars werde in einem unfern liegenden Zeitp»»nkt mit eine»»» «wiffett Planeten Erde in Kvllitsivn geraten, und diese werde von nachteiligen Folgen für letzteren sein, so würde ihm wohl niemand Mangel an Erdzngehörigkeitsgefühl vor» wersen können, wenn er die von »hm gemachten Wahrneymuugtz»» der Oefsentlichkeit preisgäbe — mir mißt man Antizionislnns bei! Und doch ist der Mathematiker weniger von Schuld jreizniprechen. als ich es bin. Man könnte ihn» Nämlich mit Rocht Vorhalten: Wozu öffentliches Aergeriris errege»», wenn das Unheil nnahlvendbar ist? Da «um den tu die Quere kommenden Mars »veder durch gütige» Zureden noch durch Drohungen dazu bewegen kann, mm feiner Bahn ahznweichen, trotzdem im Weltraum genug Platz für beide vorhauden ist, »vvzu die Gemüter beunruhigen, arrstatt sie »n ihrer Beschaulichkeit bis zun» letzten Moment zu lassen. Hier liegt denn doch die Sache anders, da ich durch Berhoffe. Hier kan»» ich nicht den Eimvanh gelten lassen: ick möge es doch bester mache», dem» es »vird doch gestattet sein, sich über ein Drücken im Sch»»h zu beklagen, ohne das Mittel z»» kennen, »»ack desie»» Anrvendnng das Drücken zu beheben wäre: auf die Gefahr aitfmerffam machen, heißt immerhin ein Schritt vvrwärts getan. Dem jungen Mann von der „Jüdische»» Zeitung" in Bre»- la»t, welcher »nich in der Nummer vom 9. April d. I. angesgllen. möchte ich gern begreiflich machen, daß, wenn meine Schilderungen der Verhältnisse Palästinas unerträglich sind, dies ausschließlich an den Verhältnissen liegt, die ich durch das Vorhalten eines »»»»bestechlichen Spiegels naturgetreu »viedergebe. Ich »nuß es anderen Zeitungen überlasse»», die unerträgliche»» Zustände erträglich zu beschreiben. Iu reuiger'Zerknirschung gebe ich das Vorhandensein aller von ihn» ausgezählteu. schönklingenden Na»ne»r zu, ja, ich erkläre mich sogar bereit, seine Liste durch eine Reihe hochtrabender Bezeichnungen zu ergänzen. Dies alles ist gewiß eine Tatsache. Eine z »v e i t e Tatsache aber ist es, bah diese Institutionen und Konferenzen es dein» bloße»» Namen bewenden lasse»». Oder sie haben doch etivas geleistet, dann ist das erzielte Resultat bei Berücksichtigung des Aufwandes an Kosten'und Mühe eine potenzierte Skull. Wüßte das Reisebureau Cook den Werdegang der verschiedene»» Siedlungen, fürwahr, es hätte dieselben desto eher anfgesucht, um »>» seine»»» Uebelivvlleu den Touristen z»» jeden» Siedlungspnrrkt einen Kommentar zu präsentieren. Da Cook dies alles nicht weiß, »voltte er de»» vo,» ibn» Geführten den Aisblick e»r»es vermeintliche»» jüdischen Erfolges »rach Tunlichkeit entziehen. Dies schließt »viedernm »licht aus, daß die Zioniste»» den Blicken Fremder das nicht offenbaren, »vaö nickt in ihren Kram paßt. Da nirn der Presseschauer der I. Z. die bestrickende Liebensrvürdigkeit hatte, »nir die Lektüre der I. Z. zu empfehlen, da»n»t ich „ganz nnbefangeu, von Vorurteilen unbelastet und ohne Mißgunst (als ob da »vas zu mißgönnen wäre!) arbeiten kann", »nvchte ich ihr»» d»»rch Angebot von Lesestoff aus einer gleichfalls zionistischen Zeitung einen Gegendienst enveisen. Da ich aber die Kenntnis des Hebräischen bei ü)»i» nicht uoranssetze (wozu, wem» man ohnedies der „Palästina- Tranvpvrt-Gesellschast ohne Haftung" Handlangerdienste leisten kann?), »uns» ich ihn» das in deutscher Uebersetznng »nnndgereckt anstische»». Es ist der „Doar Hajo»»»" vpr»» 29. April dieses Jahres, der in einem mit „Enttäuschung" betitelten Leitartikel des Schriftleiters Alrnaliach Weiz- »nanns Rede ans der»» Skopusberg (vorn 21. April) kommentiert und »». a. »vörtlich sagt: „Uufer ganzer Berwaltungsnnd Gemetnschastsapriarat, beginnend mit der zionistische»» Exekutive und endend mit den anderen Institutionen, »st schadhaft und wankend. Tausende von Pfunden »verden auf Experi»»»ente versrhlvendet, deren Niederlage non vornherein gesichert ist. Zehntansende von Arbeitern zerfließen iu ihrer Not vor Arbeitsurangel, sie verlarrgen nach Brot und keines ist Vorhände»». Eine furchtbare »ind schreckliche Krise, wie sie Palästina selbst in den sürchterlichsten Tagen des Weltkrieges nicht gesehen, »vütct hier, »:nd da sagt Weizrnann, man möge nicht lärrnen . . . Soll ich noch die Worte eines nichtjüdischen Gelehrter», des Prof. Dr. EisenVrod-Berlin, zitieren, der in einer öffentlichen Jilgenienrversarnmluug vor 8 Monaten »»ach einige»»» Räuspern stoßrveise hervorbrachte — offenbar in schonender Absicht —. nrau solle doch eirrrnal beginnen, das Kvlonisativnsiverk fachmännisch zu leiten! Und schließlich kann ich es »licht unterlassen, de»n jungen Mann der I. Z. zrvei Mißgrisfe vorznhalteu: 1. konnte er mir das Lesen fcev ,.J.,Z " in einen» geschlossenen Briese altraten: de>»>» nun hat es sicherlich auch die „J.-L.-Z." neleieit. und wenn sie »»»»>» »eure:» tstat befolgt, die „J.-Z." selbst liest und fleißig abdrnckt, so bin ich bann ganz riberflüssig. und das hat die „J.-Z." gc»vir'» nicht erreiche»» »vollen: 2. konnte er »nir ir» diesen» selben Briefe die belehrenden Zeilen senden, »vonach man die „Zustände auf der» Passagiersckisseu und in de»» Onarantänestativnen der zionistischen Behörde nicht in die Schuhe schiebe»» darf." Dem» wie wir wissen, »vird von der zionistischen Erekntive kein Finger gerührt, »un et»vas ans den Schuhen zu eirtsernc»», »vas ihr z. B. ein Mann »vie Fabotinstri hiueinschiebt. 2!ach dem Bekanut- »verden der glä»»zenden Verteidigungsrede des Presseschauers der ,.J.-Z." »vird nun die zioiristiiche „Behörde" nichts in der Quarautänesache ns»v. vera»»la»sen, falls sie cs je beabsichtigt hatte. Den»» sie »vird sich mit jeder Absolution, und käme sie von einem Redaktio»»slehrling, zufrieden geben, die ihr etwas iu die Schuhe Geschobenes wieder herausholt. Letzten Endes köirnte man mir doch etwas entflegenhalten: Da icb meine Beobachtirnae?» mit denen des Astronomen verglich, müßten doch zivci feste Pi»»rkte gegeben sein: 1. Objektivität, 2. Urteilssähigkeit. Für den, der beides oder ei»»es von beide»» bei mir anz»veiselt, habe ich folgendes in Vorschlag zu bringe»». Es möge sich eine Untersnchnngskonn»»ission. zusammengesetzt ans allen Schichten und Parteiei» des Weltjudentums unter Hinznzieh»l.ng von Fachleuten, nach Palästina für die Dauer von mindestens drei Monaten begebe»», doch vorher das Gesamtmatcrial einem eiirgehenden Studium unterziehen. Hier darf keine Ausrede, von »velcher Seite immer» gelten, es manalc au .^eit und Geldmitteln. Dies letztere muß für die nicht »vohlhabenden Mitglieder beschafft werden, die anderen sollen die Reisekosten aus eigener Tasche bestreiten. — Nun »verde icb sicherlich ans die „Gefahr" aufmerksam gemacht »verden, die wie ein Damoklesschivert über meinem Haupte schlvebt» Die zio»»»stische Exekutive könnte bis dahin (denn es »verden tut günstigsten Falle 6 Monate bis zur Ankunft verstreichen), die Gelegenheit zur „Schleifnr»g" der Hindernisse »vahrnehmen und menschenmögliche Zustände schassen, so daß die Kommission nichts von Belang «»rszusetzen haben »vird. — So diene es hiermit meine»» Freunden zur Beruhigung: Wenn diese „Befürchtung" sich bervahrheiten sollte, so bin ich arn Ziel meiner Wünsche. Mag c2 bau»» den Auschei»» haben, als ob alles seit »eher in größter Ordnung sich befunden, als ob nnr ich die Sitirativn nicht richtig erfaßt hätte, nicht richtig hätte erfassen wolle»», _